Harz [2]

[849] Harz (hierzu »Geologische Karte vom Harz«), noch im Mittelalter Hart (»Bergwald«), ein Massengebirge, das nördlichste Glied des mitteldeutschen Berglandes, erhebt sich zwischen Leine und Saale auf den Grenzen von Nieder- und Obersachsen als eine Stammes- und Dialektscheide, wo Niederdeutsch und Hochdeutsch zusammenstoßen. Er ist 92 km lang und bis 33 km breit; seine Hauptrichtung ist von OSO. nach WNW. Seine Abfälle sind meist steil, vorzugsweise im N., am wenigsten im O., noch weniger da, wo zwischen Sangerhausen und Eisleben der H. in ein Hügelland (Vorharz) übergeht. Der Nordfuß liegt etwa 210, der Südfuß 250 m hoch. Der Flächeninhalt des ganzen Gebirges beträgt 2030 qkm (37 QM.), wovon 1180 qkm auf Preußen, 740 auf Braunschweig und 110 auf Anhalt kommen (s. Karte »Braunschweig«).

Man teilt den H., der sich meist als ein Plateau darstellt, in den Ober- und den Unterharz; die Grenzscheide bildet etwa eine Linie von Lauterberg bis Wernigerode. Der Oberharz hat die Form eines Dreiecks, dessen Spitze im NW. liegt. In seiner Mitte befindet sich das Klausthaler Plateau mit einer durchschnittlichen Höhe von 600 m, etwas höher erhebt sich die Nordseite desselben, wo die Schalke bis 763, der Rammelsberg unmittelbar über Goslar bis 636 m ansteigen. Noch höher ist auf der Südostseite des Plateaus ein Rücken, der »Auf dem Acker« (Hanskühnenburg 810 m, am Fastweg 860 m) und weiterhin Bruchberg (Wolfswarte 920 m) genannt wird. Dem westlichen Teil des Oberharzes entströmen die Innerste und Oker nach N., die Söse nach SW. Das Brockengebirge macht den nordöstlichen Teil des Oberharzes aus. Es besteht aus Granit, liegt in der Wasserscheide zwischen Elbe und Weser und mit seinem Hauptteil im preußischen Kreis Grafschaft Wernigerode. Es stellt ein Massengebirge dar, dessen höchster Gipfel, der Brocken (s. d.), sich in einer Höhe von 1142 m im Quellgebiete der Ecker, Bode, Ilse und Holzemme erhebt. Mit dem Brocken stehen in Verbindung: im SO. die Heinrichshöhe (1044–10), im SW. der Königsberg (1029 m). Letzterer fällt zum Brockenfeld ab, einem Moor mit durchschnittlich 850 m Meereshöhe, das auf der Westgrenze gegen den Bruchberg eingebettet ist, und dem nach N. die Radau und Ecker, nach SO. die Kalte und Warme Bode entfließen. Seitwärts von demselben treten die Achtermannshöhe (926 m) und der Wurmberg (968 m) hervor. Der letztere schließt mit dem Großen und Kleinen Winterberg (902 und 835 m) das Brockengebirge nach S. hin ab. Südwestlich vom Brockenfeld ist der Oderteich (724 m) noch im Granitgebirge eingebettet, das hier bis in die Nähe von St. Andreasberg reicht, und in das sich der Rehberg (894 m) mit seinem Hornfelsgipfel halbinselartig hineinzieht. Südöstlich vom Brocken erstreckt sich das Granitgebirge längs der Bode bis über Schierke hinaus, woselbst sich die Schnarcher-, Feuerstein- und Hohneklippen (902 m) und der Renneckenberg (929 m) mit den Zeterklippen anschließen. Nach NO. entströmt dem Brockengebirge die Ilse; vor ihrem Austritt aus dem Gebirge erhebt sich der steil abstürzende Ilsenstein. Der Unterharz ist eine weite Hochfläche, unterbrochen nur durch die Granitmasse des Rambergs (Viktorshöhe 575 m) und die Porphyrkuppe des Auerbergs (Josephshöhe 575 m). Man scheidet sie in das Plateau von Elbingerode und das von Harzgerode. Jenes, mit einer mittlern Höhe von 470 m, wird von der Bode und ihren Quellflüssen durchströmt, in deren Talwänden bei Rübeland die Hermanns-, die Baumanns- und die Bielshöhle (s. d.) sich befinden. Sehr großartig ist das Tal der Bode unterhalb Treseburg, wo es sich in der Grenze des Granits des Rambergs zwischen dem Hexentanzplatz und der Roßtrappe (s. d.) und unmittelbar am Tiefland zu der großartigsten Partie des ganzen Gebirges gestaltet. Durch das Plateau von Harzgerode, im Mittel kaum noch 350 m hoch, fließen die Wipper nach O., die Selke nach ONO.

Geognostisch (s. die beifolgende Karte) besteht der H. aus Schichten des Devon und der untern Steinkohlenformation sowie mannigfachen Eruptivgesteinen (Diabas, Granit, Quarzporphyr, Gabbro u. a.), während mantelartig um dieses Kerngebirge sich die Ablagerungen der obern Steinkohlenformation, des Perm, der Trias, des Jura und der Kreide, teils in schmaler Zone auf den Rand beschränkt, teils in breiterer Oberfläche auch noch auf das vorliegende Flachland ausgedehnt, herumlegen. Diesem jüngern Flözgebirge gehören als Eruptivgesteine die Melaphyre und Porphyrite des Rotliegenden an. Das Hercyn oder älteste Unterdevon gliedert sich in die Tanner Grauwacke und die untern Wieder Schiefer; es bildet das mächtige Rückgrat des Gebirges, dem Devon und Kulm konkordant auflagern, und erstreckt sich im breiten Zug von Lauterberg über Hasselfelde und Stolberg bis an den Ostrand des Gebirges. Das obere Unterdevon findet sich auf dem Oberharz als Quarzit (sogen. Hauptquarzit), am Acker- und Bruchberg und als Spiriferensandstein (am Kahleberg, südlich Goslar) entwickelt und tritt im Unterharz namentlich in zwei Mulden östlich und südlich des als Sattelachse bezeichneten Hercyns auf, nämlich in der von der Selke durchflossenen Mulde südlich von Ballenstedt und der größern Mulde zwischen Lauterberg, Benneckenstein und Neustadt. Mitteldevon, im Unterharz[849] in obere Wieder Schiefer, Tentakulitenschiefer und Stringokephalenkalk, im Oberharz in Calceolaschichten, Goslarer Schiefer und Stringokephalenkalk eingeteilt, und Oberdevon, mit dem Goniatitenkalk (oder Iberger Kalk), ausgezeichnet durch häufige Höhlenbildung (Baumanns-, Biels- und Hermannshöhle), Clymenienkalk und Cypridinenschiefer, zeigen nur geringe Verbreitung, sie treten hauptsächlich in der Gegend von Elbingerode und Goslar auf. Die untere Steinkohlenformation oder der Kulm, zum größten Teil aus Grauwacke (sogen. Klausthaler, Gründer und Elbingeroder Grauwacke, auch ein Teil des früher als Tanner Grauwacke bezeichneten Schichtenkomplexes) und Kieselschiefer, Adinolen und Tonschiefer (sogen. Zorger Schiefer) aufgebaut, ist im Oberharz sehr verbreitet, findet sich aber auch in dem früher ausschließlich für Mitteldevon gehaltenen Schichtensystem bei Elbingerode und Zorge. In ihr setzen die reichen Erzgänge von Klausthal auf. Die besprochenen Kerngebirgsschichten umschließen zahlreiche gang- und deckenförmige Diabasvorkommnisse, die bei der Ausrichtung und Faltung des Gebirges (Streichen der Falten von NO. nach SW.) gleich den Sedimentärablagerungen ausgerichtet und gefaltet wurden, während gleichzeitig andre, also jüngere Eruptivgesteine (Gabbro, Granit und Quarzporphyr) emporbrachen. Gabbro findet sich bei Harzburg im Radautal, Quarzporphyr besonders im Auerberg bei Stolberg. Der Granit tritt in zwei großen und einer kleinen Partie hervor. Die größte stellt das Brockengebirge (s. oben), die zweite die Gruppe des Rambergs dar, die kleine liegt nordwestlich vom Brocken an der Oker. Auf den Kerngebirgsschichten lagern diskordant die randlich auftretenden Ablagerungen: flach abfallend am Südrand und deswegen große Oberflächen einnehmend; steil ausgerichtet, z. T. überkippt und gegen das Gebirge einfallend, in Form schmaler Bänder am Nordrand. Obere oder produktive Steinkohlenformation mit geringwertigen, dünnen Kohlenflözen wird bei Meisdorf im N. und bei Grillenberg und Ilfeld im S. angetroffen. Den größten Teil des Harzes fassen das Rotliegende und der Zechstein ein. Mit dem Rotliegenden steht bei Ilfeld (Bäretal) noch ein Gebiet von Porphyrit und Melaphyr in Verbindung. Am bedeutendsten ist das Rotliegende im O. entwickelt. Der Zechstein dagegen erstreckt sich in ununterbrochenem Zuge vom äußersten Nordwesten längs der Südseite bis in die Gegend von Sangerhausen, hier vielfach mächtige Gipslager einschließend, und noch weiter nach O., wo er, obschon im Becken von Eisleben von jüngern Formationen bedeckt, durch seine Kupferschiefer die Grundlage für den Mansfelder Bergbau geworden ist. Auch längs der Nordseite des Harzes geht der Zechstein vielfach zutage. Die Triasformation legt sich bandartig um den Nordrand des Harzes, im S. entfernt sie sich vom eigentlichen Gebirgsrand und breitet sich über große Flächen aus. Jura und Kreide sind nur an der Nordseite des Harzes vorhanden, ersterer als schmales Band zwischen Goslar und Harzburg, letztere, wenigstens in ihren jüngern Gliedern, in großer Verbreitung im nördlichen Harzvorland. Innerhalb der Kreideformation liegen die Quadersandsteinmassen der Teufelsmauer und des Regensteins bei Blankenburg.

Der H. ist sehr reich an Metallen: der Oberharz an Silber, Blei, Kupfer und Eisen in der Devon- und Kohlenformation, der Unterharz in der Gegend von Harzgerode an Silber und Blei im Hercyn und (meist bereits außerhalb des Gebirges) an Silber und Kupfer in der Zechsteinformation des mansfeldischen Landes (s. Mansfeldische Kupferschieferbauende Gewerkschaft; vgl. den Karton auf der Karte »Nutzbare Mineralien in Deutschland«, Bd. 4, S. 764). Der Bergbau auf dem Oberharz führt bis ins Mittelalter zurück; jedoch war er, abgesehen vom Rammelsberg bei Goslar, vor 1500 nicht bedeutend. Die Herzogin Elisabeth betrieb von ihrem Witwensitz Staufenburg den Eisenerzbergbau am Iberg bei Grund, und 1524 eröffneten Bergleute aus Joachimsthal in Böhmen den Bergbau bei Andreasberg, gleichzeitig Herzog Heinrich der jüngere die Gruben bei Wildemann; 1553 wurden die reichen Erzgänge bei Klausthal entdeckt, 1554 dieses selbst angelegt. Zuerst gewerkschaftlich betrieben, kam der Bergbau nach und nach in die Hände des Staates (Hannover), der bis 1866 sämtliche Werke durch Kauf an sich gebracht hatte. Die Unmöglichkeit, bei der Tiefe der Erzlagerstätten (Samsonschacht bei Andreasberg, einer der tiefsten des europäischen Kontinents, 850 m tief, noch 220 m unter dem Meeresspiegel) die Grubenwasser zu bewältigen, hatte mehrfach eine Einstellung der Förderung zur Folge. Der Georgsstollen, 1777–99 angelegt, östlich von Klausthal beginnend, mit dem Mundloch bei Grund, konnte diesen Übelstand nicht beseitigen, weshalb ein neuer Stollen, der Ernst August-Stollen, 1851–64 hergestellt wurde, der bei einer Länge von 23 km, einer Breite von 2 m, einer Höhe von 3 m und einem Gefälle von 1,6 m auf je 206 m Länge den Bergbau für Jahrhunderte gesichert zu haben scheint; sein Mundloch liegt bei Gittelde am äußersten Westrande des Harzes.

Die klimatischen Verhältnisse des Brockengebirges, auf dessen so häufig vom Nebel eingehülltem Gipfel jährlich etwas mehr als 150 cm Regen fallen, und auf dem die mittlern Jahresextreme der Wärme +23° und -21° betragen (absolutes Extrem 26°, bez. -28°), bedingen seinen Wasserreichtum und seine Vegetationsverhältnisse, den Reichtum an Torfmooren auf seinem Granit- und Quarzitboden. Die regenbringenden Winde wehen aus NW. bis SW., und es hat daher der Westharz mehr Niederschlag als der niedrigere Ostharz, wie folgende Zahlen dartun:

Tabelle

Entsprechend ist die Zahl der Niederschlagstage: Klausthal 187, Todtenrode 162, Wernigerode 158.

Während der Oberharz vorwiegend die Flora des nordwestlichen Deutschland trägt und z. B. Vorposten einiger atlantischer Pflanzen, wie von Genista anglica und Ilex Aquifolium, aufweist, zeichnet sich der Unterharz, zumal auf seinen südlichen und südöstlichen Vorbergen, durch nordwestlich vordringende Pflanzen aus, die dem benachbarten nordthüringischen Becken entstammen. Eine hervorragende Eigentümlichkeit des Harzes besteht ferner in dem Auftreten hochnordischer Gewächse, wie Betula nana, Empetrum, Salix bicolor, Eriophorum alpinum u. a., auf dem freiliegenden und kalten Brockengipfel, dessen Flora auch mehrere alpine Bestandteile, wie Hieracium alpinum, Pulsatilla alpina (Teufelsbart) u. a., enthält; eine Gruppe andrer Alpenpflanzen, wie Arabis alpina, Gypsophila repens, Salix hastata, hat sich dagegen nur auf den warmen Gipsvorbergen des südlichen Harzes erhalten. Im übrigen zeigt die Gebirgsflora des Harzes durchweg baltisches Gepräge und entwickelt ihren größten Reichtum an den Gebirgswänden der [850] Täler, zumal des Bode- und Selketales, in die jedoch auch Arten des östlich vom H. liegenden Hügellandes eindringen. Der gegenwärtig vorherrschende Waldbaum ist die Fichte, die an Stelle der früher mehr verbreiteten Buchen und Eichen angepflanzt wird. Von Nadelhölzern scheinen nur Eibe und Wacholder, vielleicht auch die Fichte ursprünglich einheimisch zu sein. Die Buche steigt bis etwa 640 m, die Fichte bis 1020 m aufwärts und bildet die Waldgrenze. Oberhalb der letztern liegt die alpine Region des Harzes, die durch das Fehlen des Knieholzes und einer Reihe andrer Charakterpflanzen sehr wesentlich von den Hochgebieten des Riesengebirges verschieden ist.

Die Tierwelt des H. gehört dem mitteleuropäischen Faunengebiet der paläarktischen Region an. Die Wildkatze kommt noch vereinzelt vor, der Fuchs ist in den Vorbergen häufig, im Gebirge weit seltener, häufig ist der Fischotter. Wie in andern Teilen dieses Faunengebiets finden sich Stein- und Baummarder, Iltis und Wiesel. Rot- und Schwarzwild sowie Rehe werden reichlich gehegt. Im Oberharz sind Hamster und Igel sehr selten, während sie in den Vorbergen häufig vorkommen. Die Wanderratte erschien zuerst 1780 und verdrängte von da ab die Hausratte, doch fehlt sie an einigen Orten noch jetzt. Auerwild ist jetzt auf die höhern Teile des Gebirges beschränkt; das Haselhuhn kommt nur noch vereinzelt vor. Von Raubvögeln sind Sperber und Bussarde besonders häufig; selten sind der Seeadler und im Oberharz der Gabelweih; auch Elster, Dohle und Kuckuck finden sich auf dem Oberharz nur selten. Der Star ist im obern Harz erst seit der Mitte des 19. Jahrh. aufgetreten; der Haussperling soll in den 20er Jahren des 18. Jahrh. eingewandert sein. Die Gebirgsbäche sind reich an Forellen, die Teiche beherbergen teils Forellen, teils Karpfen.

Die Harzbewohner sind gemischten Stammes: bis an den Süden des Oberharzes reicht der fränkische (hessische) Stamm; außerdem sind auf demselben obersächsische (aus dem Süden, z. T. von Freiberg stammend), daher ebenfalls wesentlich fränkische Bergleute angesiedelt. Auf dem Unterharz ist der thüringische Stamm zu Hause; den Westen, Nordwesten und größtenteils auch den Norden bewohnt der niedersächsische Stamm. Berg- und Hüttenbau, Steinhauerei, Waldarbeit, Viehzucht etc. verschaffen den Bewohnern des Oberharzes spärliches Brot. Ein weiterer Erwerbszweig ist die Kanarienvogelzucht, die besonders in St. Andreasberg in hoher Blüte steht. Im Unterharz kommt als Erwerbszweig der Ackerbau hinzu. In teilweise ganz unmittelbarer Nähe ist der H. von einem Gürtel von Eisenbahnen umgeben. Über das Gebirge führt eine Linie von Blankenburg nach Walkenried und eine andre von Nordhausen nach Wernigerode (Harzquerbahn), letztere mit einer Zweigbahn nach dem Brocken. In das Gebirge hinein dringen von S. her die Linie Scharzfeld-St. Andreasberg, von N. die Linie Langelsheim-Zellerfeld-Klausthal, während von NO. eine Eisenbahn von Gernrode nach Harzgerode führt, von der sich in Alexisbad eine Seitenlinie nach Hasselfelde abzweigt. Der Touristenverkehr ist sehr rege. Sommerfrischen, Luft- und andre Kurorte, wie Harzburg, Thale, Alexisbad, Wernigerode, Schierke, Lauterberg, Hahnenklee etc., sind während des Sommers häufig überfüllt. Der 1886 gegründete Harzklub (Vereinsblatt »Der Harz«, Magdeburg) bestrebt sich, den Fremdenverkehr immer mehr zu heben, für Neuanlage von Wegen etc. Sorge zu tragen, Schutzhütten zu bauen u. dgl.

Die mannigfachen Landesteilungen unter die verschiedenen Linien, in die sich das welfische Haus zersplitterte, trafen auch den H.; infolge derselben war zwar der größere Teil des Oberharzes, der zum Fürstentum Grubenhagen gehörte, ausschließlich in braunschweigisch-lüneburgischem Besitz, die vier Bergstädte Zellerfeld, Wildemann, Grund und Lautenthal nebst dem Rammelsberg, von dem nur noch ein unbedeutender Anteil der Reichsstadt Goslar gehörte, dagegen im gemeinsamen Besitz der lüneburgischen und wolfenbüttelschen (später herzoglich braunschweigischen) Linie. Durch den Rezeß von 1788 aber trat Wolfenbüttel seinen Anteil an der Landeshoheit des gemeinschaftlichen oder Kommunion-Oberharzes gegen drei Siebentel aller braunschweigischen Forste am H. ab, und es blieben nur Berg- und Hüttenwerke des deshalb so genannten Kommunion-Unterharzes: der Rammelsberg mit seinen Hütten, die Eisengruben bei Grund, am Schweinsrücken bei Klingenhagen und bei Seesen nebst der Eisenhütte von Gittelde und der Saline Juliushall in Harzburg, im gemeinsamen Besitz, und zwar so, daß das jetzt entthronte lüneburgische Haus vier Siebentel, das herzogliche drei Siebentel des Ertrages erhielt. Infolge einer 1874 getroffenen Übereinkunft zwischen Preußen und Braunschweig hat letzteres seine ehemaligen Hoheitsrechte im Gebiete des Kommunionharzes aufgegeben. Vom Unterharz gehören zwei Parzellen zur Provinz Hannover: das grubenhagensche Elbingerode und die »alte« Grafschaft Hohnstein. Zum Herzogtum Braunschweig gehören Kloster Walkenried, ein schmaler Streifen von da zum Brocken und getrennt davon die Grafschaft Blankenburg. In das östliche Drittel des Harzes teilen sich Preußen und Anhalt, welch letzterm Ballenstedt und Harzgerode gehören, während Preußen die Besitzungen des alten Stiftes Quedlinburg und des Bistums Halberstadt sowie die früher sächsischen Anteile nebst der Hoheit über die Grafschaft Stolberg innehat.

Vgl. Günther, Der H. in Geschichts-, Kultur- und Landschaftsbildern (Hannov. 1885–88) und Der H. (in Scobels »Monographien zur Erdkunde«, Bielef. 1901); Haus Hoffmann u. a., Der H. (Prachtband, Leipz. 1899), daraus besonders: Harzwanderungen (das. 1902); »Wegweiser« in Meyers Reisebüchern (17. Aufl., das. 1903); Pröhle, Harzsagen (2. Aufl., das. 1886); v. Groddeck, Abriß der Geognosie des Harzes (2. Aufl., Klausth. 1883); Hampe, Flora hercynica (Halle 1873); Hautzinger, Der Kupfer- und Silbersegen des Harzes (Berl. 1877); Hoppe, Die Bergwerke etc. im Ober- und Unterharz (Klausth. 1883); Leicher, Orometrie des Harzgebirges (Halle 1886); Kühne, Der H. vom hygienisch-klimatischen Standpunkt (Braunschw. 1889); Kloos, Entstehung und Bau des Gebirges, erläutert am geologischen Bau des Harzes (das. 1889); »Das Berg- und Hüttenwesen des Oberharzes« (hrsg. von Banniza, Klockmann u. a., Stuttg. 1895); E. Schulze, Lithia hercynica. Verzeichnis der Minerale des Harzes (Leipz. 1895); Lüdecke, Die Minerale des Harzes (Berl. 1896); die »Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde« (1868 ff.; Festschrift, Wernigerode 1893); »Höhenschichtenkarte des Harzgebirges« (1 : 100,000, Berl. 1882); Linder, Topographische Karte vom Harzgebirge, 1 : 75,000 (das. 1890 ff., 6 Blatt); Lossen, Geognostische Übersichtskarte des Harzes (1 : 100,000, das. 1882).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 8. Leipzig 1907, S. 849-851.
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