Hohenlohe [2]

[457] Hohenlohe, altes Geschlecht, welches seinen Ursprung von Eberhard, Herzog von Franken, Bruder des deutschen Königs Konrads I. ableitet; es besaß in grauer Vorzeit das Stammschloß H. Anfangs gab es zwei Linien: H.-Bruneck u. H.-Hohenlohe, erstere erlosch 1390, u. auch von der wieder getheilten zweiten Linie erlosch die H.-Oberländische 1546, u. von der H.-unterländischen der ältere H.-Neuensteinische Ast 1550, u. es blieb nur der H.-Waldenburgische Ast in der Person des Grafen Georg übrig. Dessen drei Söhne theilten: der älteste, Ludwig Kasimir, nahm die Neuensteinischen Lande; der mittlere, Eberhard, nahm die Waldenburgischen; der dritte, Georg, erhielt Weikersheim u. Schillingsfürst u. hinterließ bei bei seinem Tode 1554 dem älteren Bruder jenes, dem jüngern dieses. Es bestehen daher jetzt zwei Hauptlinien: A) Die Neuensteinische Hauptlinie, ist lutherisch, die Regierenden, nebst dem Erbprinzen, wurden 1631 zu Grafen von Gleichen u. 1764 zu Reichsfürsten erhoben, u. die Linie theilt sich jetzt, nachdem die ältere Linie H. Neuenstein in den Zweigen H. Weikersheim 1756 u. H. Öhringen 1805 ausgestorben ist: in a) H. Langenburg, wozu ein Theil des Fürstenthums H. u. die obere Grafschaft Gleichen im Sachsen-Gothaschen in ungetheilter Gemeinschaft mit H.-Kirchberg kam; Residenz: Langenburg; jetziger Chef ist: 1) Fürst Ernst, Sohn des Fürsten Karl Ludwig, geb. den 7. Mai 1794, folgte seinem Vater 1825, hannöverscher Generalmajor u. (bis 1855 gewählter) Präsident der Kammer der Standesherren in Hannover; seit 1828 vermählt mit Feodorowna geb. Gräfin von Leiningen (geb. 1807); sein ältester Sohn ist Karl Ludwig, geb. 1829. Zu diesem Zweig gehört: 2) Prinz Gustav, Sohn des 1794 gestorbenen Prinzen Friedrich Ernst, geb. 29. Aug 1777, österreichischer Geheimer Rath, Feldzeugmeister u. Inhaber des Infanterieregiments Nr. 17. b) H. Öhringen (sonst H. Ingelfingen), besitzt einen großen Theil des Fürstenthums H., die Majoratsgüter Schlawentzitz, Birava, Lassowitz, Lascowitz, Saussenberg, Bytkow, Ujast, Bitschin u. Wienskowitz in Oberschlesien, u. Oppurg, Kolba u. Positz in Sachsen; Residenz: Öhringen u. Schlawentzitz; jetziger Chef ist: 3) Fürst Hugo, Sohn des am 15. Febr. 1853 verstorbenen Fürsten August, geb. den 27. Mai 1816, nachdem ihm schon sein älterer Bruder Friedrich 1842 das Recht der Erstgeburt u. seit 1. Jan. 1849 auch sein Vater den Besitz abgetreten hatte; er ist württembergischer Generalmajor u. seit 1847 vermählt mit Pauline, Tochter des Fürsten Karl Egon von Fürstenberg; sein ältester Sohn Christian Kraft ist geb. 1848. 4) Prinz Felix, Bruder des Vor., geb. 1. März 1818, war 1848 Präsident des Vereins zum Schutz vaterländischer Arbeit in Frankfurt. 5) Prinz Adolf zu H. Ingelfingen, Oheim des Vorigen, geb. 29. Jan. 1797, preußischer Generallieutenant und Commandeur des 23. Landwehrregiments; er war Mitglied des preußischen Staatsraths u. Marschall des schlesischen Provinziallandtages, auch 1850 Mitglied des Volkshauses beim Erfurter Parlament. Diese beiden Linien besitzen auch gemeinschaftlich die Herrschaft Ohrdruff im Gothaschen; c) H. Kirchberg, dazu die Ämter Kirchberg, Döttingen u. Künzelsau nebst der Hälfte der Grafschaft Gleichen; Residenz: Kirchberg; jetziger Chef ist: 6) Fürst Karl, Sohn des 1791 verstorbenen Prinzen Friedrich Karl Ludwig, geb. den 2. Novbr. 1780, folgte seinem Vetter Ludwig 1836 u. ist vermählt seit 1821 mit Marie geb. Gräfin von Urach. Er hat keine Kinder, sein Stiefbruder war: 7) Prinz Heinrich, geb. 22. Dec. 1788, war württembergischer Generallieutenant u. Adjutant des Königs u. württembergischer Gesandter am russischen Hofe u. st. 23. April 1859 in Petersburg; seine Gemahlin Katharina geb. Gräfin[457] Golubtzow st. 1840: auch er hatte keine Kinder. B) Die Linie H.-Waldenburg ist katholisch u. wurde 1744 in den Reichsfürstenstand erhoben; sie theilt sich in: a) H.-Bartenstein, besitzt die Ämter Bartenstein, Pfedelbach, Meinhardt u. Sindringen, Residenz: Bartenstein; erloschen im Mannsstamm mit Fürst Karl August, geb. 1788, st. 1844; worauf die Besitzungen an 8) Fürst Ludwig von der Jagstberg, geb. 5. Juni 1802, st. 22. Aug. 1850, kam. Nach dessen Tode theilte sich diese Linie durch seine zwei Söhne in: aa) H.-Bartenstein; jetziger Chef ist: 9) Fürst Karl, geb. 2. Juli 1837, älterer Sohn des Vor., folgte seinem Vater unter der Vormundschaft seiner Mutter Henriette; bb) H.-Jagstberg, diese Linie besitzt seit 1803, statt des Amtes Oberbronn, die vormaligen würzburgischen Oberämter Jagstberg, Haltenbergstetten, Laudenbach, Braunsbach u. den würzburger Antheil an Neukirchen u. Vorbachzimmern, zusammen 3 QM; Residenz: Haltenbergstetten; jetziger Chef ist: 10) Fürst Albert, jüngerer Sohn von H. 8) u. Bruder des Vor., geb. 22. Novbr. 1842, succedirte seinem Vater 1850 unter Vormundschaft seiner Mutter. b) H.-Waldenburg-Schillingsfürst, dazu gehören die württembergischen Ämter Waldenburg, Kupferzell, Adolzsurt, Örthal u. die baierische Herrschaft Schillingsfürst; 4 QM., 15,150 Ew.; Residenz: Kupferzell bei dem alten Stammschloß Waldenburg; jetziger Chef ist: 11) Fürst Friedrich Karl, Sohn des am 15. Juni 1843 als Senior des Hohenloheschen Fürstenhauses verstorbenen Fürsten Karl Albrecht, dem er bereits 1839 in Folge väterlicher Cession succedirt war; er ist geb. 5. Mai 1814, russischer Oberst u. Flügeladjutant des Kaisers; vermählt seit 1840 mit Therese, Tochter des Fürsten Philipp Ernst von H-Schillingsfürst, sein ältester Sohn ist Erbprinz Nikolaus, geb. 1841. Sein Oheim war Prinz Alexander (s. unten 21). In der Herrschaft H.-Waldenburg-Schillingsfürst in Baiern, welche Fürst Franz Joseph durch Cession seines Bruders Karl erhielt, folgte nach dessen Tode 1841 sein dritter Sohn Philipp Ernst, geb. 24. Mai 1820, nachdem seine älteren Brüder Victor u. Chlodwig resignirt hatten, s.u. Ratibor. Nach Philipp Ernst's Tode (3. Mai 1845) folgte ihm, vermöge Vertrags vom 15. October 1845, im Februar 1846 sein jüngster Bruder 12) Fürst Chlodwig, geb. den 31. März 1819; er ist erblicher Reichsrath in Baiern u. seit 1847 vermählt mit Marie, Tochter des Fürsten Ludwig von Sayn-Wittgenstein-Berleburg (geb. 1829). Sein älterer Sohn ist Philipp Ernst, geb. 1853. Bis 1803 hatten die Fürsten H. sechs Stimmen im Fränkischen Grafencollegium u. kamen in diesem Jahre auf die Fürstenbank. Zwar bot Napoleon dem Fürsten von H.-Bartenstein an, wenn er dem Rheinbund beiträte, sein Land ihm als Souverain zu lassen, dieser schlug es aber aus u. die H-s wurden 1806 mediatisirt.

Von diesen Grafen u. Fürsten sind bes. merkwürdig: 13) Heinrichvon H., Landmeister in Preußen 1250–52. 14) Heinrich von H., Hochmeister des Deutschen Ordens, von 1245–49, s. Deutscher Orden. 1855 ließ sein Nachkomme, Prinz Heinrich zu H.-Kirchberg, in der Schloßkirche zu Mergentheim sein Standbild aufstellen. 15) Gottfried von H., Bruder des Vorigen, Hochmeister von 1297 bis 1302, s. ebd. 16) Wolfgang Julius, Graf von H.-Neuenstein, geb. 1622; nahm im 15. Jahre schwedische, dann französische Kriegsdienste, wo er Chef eines deutschen Cavallerieregiments u. später General wurde. Die Mißhelligkeiten zwischen dem Herzog von Orleans und dem Prinzen Condé zogen ihm eine siebenmonatliche Gefangenschaft zu. Nach seiner Freilassung erhielt er den Oberbefehl über einen Theil der deutschen Reichstruppen u. trug viel zum Siege bei St. Gotthardt bei, wurde Hofkriegsrath u. Feldmarschall, begab sich jedoch nach dem Frieden auf sein Schloß Neuenstein u. st. das. 1698. 17) Friedrich Wilhelm, Fürst von H.-Kirchberg, geb. 1732 in Kirchberg; trat in kaiserliche Dienste, zeichnete sich im Siebenjährigen Kriege aus, befehligte als Feldzeugmeister im Türkenkriege die kaiserlichen Truppen in Siebenbürgen u. schlug die Türken mehrere Mal; im Französischen Revolutionskriege commandirte er 1792–94 in den Niederlanden, verließ jedoch die Armee nach der Eroberung von Speier u. st. in Prag 1796. 18) Friedrich Ludwig, Fürst von H.-Ingelfingen, geb. den 3. Jan. 1746 in Ingelfingen, machte im Alter von 15 Jahren seinen ersten Feldzug mit der Reichsarmee gegen Friedrich II., trat 1766 in preußische Dienste. u. wurde Major u. 1775 Oberstlieutenant. Im Baierischen Erbfolgekriege zeichnete er sich am 8. Sept 1778 bei Leopold aus, wofür er Oberst wurde 1786 wurde er Generalmajor, 1790 Generallieutenant u. 1791 Gouverneur von Breslau; befehligte 1792 eine preußische Brigade, mit der er sich 1793 bei Oppenheim, Pirmasens, bei Wegnahme der Weißenburger Linien u. bei Kaiserslautern auszeichnete u. 1796 den Neutralitätscordon an der Ems. In diesem Jahre succedirte er seinem Vater in Ingelfingen. 1800 wurde er General der Infanterie, 1806 preußischer Gouverneur der fränkischen Fürstenthümer u. Generalinspector der Breslauer Inspection, befehligte 1805 u. 1806 die schlesischen u. südpreußischen Truppen, mit den Sachsen zu einem Corps vereint, wurde aber mit denselben u. dem Rüchelschen Corps bei Jena geschlagen. Er führte sein Corps u. die in Magdeburg gesammelten Reste der Hauptarmee nach der Oder zurück u. capitulirte bei Prenzlau den 28. Oct. mit 17,000 Mann an Murat. H. legte nun seine Stellen nieder u. lebte, da er schon im August 1806 die Regierung seines 1806 mediatisirten Fürstenthums seinem Sohne abgetreten hatte, auf seinem Gute Schlawentzitz bei Cosel in Schlesien. Die Franzosen nöthigten ihn, seinen Aufenthalt in Frankreich zu nehmen, jedoch kehrte er von da 1808 nach Schlesien zurück, erhielt im Kriege 1813–15 keine Anstellung u. st. 1818 zu Schlawentzitz. 19) Joseph, Fürst von H.-Bartenstein, 1795 bis 1817 Bischof von Breslau, s. Breslau (Bisthum). 20) Ludwig Aloys Joachim, Fürst von H.-Bartenstein, geb. 1765, trat 1792 als Oberst in die französische Emigrantenarmee u. warb für dieselbe ein Regiment, wie sein Bruder ein anderes, focht mit demselben im Revolutionskriege, bes. beim Sturm auf die Weißenburger Linien; beide Regimenter H. traten in holländische Dienste, u. H. machte mit seinem Regiment, 1794 fast umzüngelt, einen meisterhaften Rückzug von der Insel Bommel hinter die Waal, trat nun 1795 in österreichische Dienste u. machte die Feldzüge 1796–98 als Oberst, 1799 als Generalmajor[458] unter dem Erzherzog Karl mit. 1806 wurde er Feldmarschalllieutenant u. 1807 Gouverneur in Gallizien. 1814 befehligte er eine österreichische Heeresabtheilung bei Troyes, wo er zuerst die weiße Fahne aufstecken ließ. 1816 trat er wieder in französische Dienste, Ludwig XVIII. ertheilte ihm die alte Anciennetät wieder u. gab ihm das Schloß Lüneville zum Aufenthalt. Später wurde er naturalisirt u. Marschall u. Pair von Frankreich; er errichtete ein Fremdenregiment für Frankreich, befehligte im Kriege mit Spanien 1823 das dritte Corps u. st. 1829 zu Lüneville. 21) Leopold Alexander, Prinz von H.-Waldenburg-Schillingsfürst, geb. 1794 in Kupferzell, das 18. Kind aus der Ehe des gemüthskranken Erbprinzen Karl Albrecht. Schon sein Urgroßvater war 1661 zur Katholischen Kirche übergetreten. Durch den Jesuiten Riel erzogen, kam er nach Wien u. wählte, ungeachtet seine Linie in Gefahr stand auszusterben, den geistlichen Stand, studirte in den Seminaren zu Wien u. Tyrnau u. auf der Universität Ellwangen; er wurde Canonicus im Stifte zu Olmütz u. 1815 in Baiern Subdiakonus u. Priester, ging 1816 nach Rom u. ward von den Jesuiten auf dem Monte Cavallo aufgenommen, lebte mit ihnen in geistlichen Übungen u. erhielt die päpstliche (seitdem dreimal erneuerte) Vollmacht, Rosenkränze, Crucifixe etc. zu weihen. 1817 kehrte er nach München zurück, von da nach Bamberg, wo er seit 1816 Rath beim Domcapitel war. Des Ultramontanismus beschuldigt, wurde er dagegen vom Volke wegen seiner Heiligkeit, Predigten, sonoren Stimme u. Sanftmuth sehr gepriesen. In Bekehrungsversuchen mit dem todtkranken Wetzel verwickelt, versuchte er sich durch eine eigne Schrift zu rechtfertigen. 1820 trat er mit Martin Michel, einem Bauer zu Unterwittighausen im Badischen, später allein mit Wundercurversuchen auf, wurde aber von Rom aus an den Beschluß des Tridentiner Concils erinnert, daß Wunder ohne Prüfung des Bischofs nicht zugelassen werden sollten. Darauf hin erklärte H. seine Wunderkraft für erschöpft u. reiste nach Wien u. Ungarn, wo er Großprobst u. Domherr in Großwardein u. Abt von St. Michael von Gaborjan, auch Bischof von Sardica in part., Assessor der Comitate Bihar, Borschod u. Arad wurde, fortwährend zu einer bestimmten Stunde für die Hülfe suchenden Kranken betete u. sie aufforderte, ihr Gebet mit dem seinigen zu vereinen. Er starb am 14. Nov. 1849 in Vöslau bei Wien. Über die Wundercuren des Fürsten H. erschienen eine Menge Schriften. Er schr.: Predigten für die heilige Charwoche, 1819; Der im Geiste der Katholischen Kirche betende Christ, 1819; Des Priesterberufes Würde u. Pflichten, 1821; Christliche Hausmission, 1822; Tägliches Gebet- u. Betrachtungsbuch für Gesunde u. Kranke, 1823; Gesammelte Reden vermischten Inhalts, 1830; Das entstellte Ebenbild Gottes in dem Menschen durch die Sünde, Predigten, 1836, 2. Aufl. 1844; Die Segnungen des katholischen Christenthums, 1838; Predigten auf das ganze Kirchenjahr, 4 Bde., 1849 ff.; Erinnerungen für Seelsorger am Krankenbette, 1843; Von den Werken der Barmherzigkeit, 1849.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 457-459.
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