Braunschweig

Braunschweig
Braunschweig

[313] Braunschweig (das Herzogthum), gehört zum deutschen Bunde, besteht aus den Fürstenthümern Wolfenbüttel und [313] Blankenburg, dem Stiftsamte Walkenried, dem Amte Thedinghausen und einem Antheile am Communionunterharz, hat 73 ! M. mit 246,000 Einw. und liegt in drei größern und mehren kleinen, von hanöv., preuß. und anhalt-bernburg. Gebieten umschlossenen Landestheilen im nördl. Deutschland.

Von deutschen Stämmen seit den ältesten Zeiten bewohnt, wurden diese Gegenden dem von Karl dem Großen gestifteten Herzogthume Sachsen einverleibt, dessen Herzöge mit Heinrich I. 920 den deutschen Thron bestiegen. Später waren sie erbliches Besitzthum einer Seitenlinie derselben, welche 1090 mit Egbert II. erlosch, durch dessen Schwester sie an die Grafen von Nordheim und vermehrt durch deren Güter, abermals durch Heirath an den Grafen Lothar von Supplinburg, den nachherigen Kaiser Lothar II., kamen, dessen Tochter Gertrud sie wieder dem Herzoge von Sachsen und Baiern, Heinrich dem Stolzen, einem Sohne des Markgrafen Welf von Baiern und Este zubrachte, und Beide wurden nun die Stammältern der braunschw. Welfe. Zwar verfiel Heinrich 1138 in die Reichsacht und verlor seine Herzogthümer, allein ihm, sowie seinem Sohne Heinrich dem Löwen, dem die wiedererhaltenen Herzogthümer 1180 auf gleiche Weise entrissen wurden, verblieben dennoch die braunschweig. Erbgüter, welche endlich ein Enkel des Letztern, Otto das Kind genannt – weil er im 14. Jahre die Regierung antrat, auch von unansehnlicher Gestalt war – auf dem Reichstage zu Mainz 1235 von Kaiser Friedrich II. mit dem erblichen Titel eines Herzogs von Braunschweig und Lüneburg als Reichslehn empfing, womit eigentlich B.'s selbständige Geschichte erst anfängt. Nach seinem Tode (1252) beginnen aber auch schon die sich fortwährend wiederholenden Theilungen des Landes, das. durch Albrecht den Großen (1252–79) mit Wolfenbüttel und der Asseburg vermehrt ward, auch später durch Anfall und Waffengewalt zunahm. Stammvater der jetzigen kön. Linie B. Lüneburg-Hanover (s.d.) und der herzogl. B. Lüneburg-Wolfenbüttel ward endlich Herzog Ernst der Bekenner, geb. 1497, gest. 1546, ein Sohn Herzogs Heinrich von Lüneburg, eifriger Freund der Reformation und Mitglied des schmalkaldischen Bundes. Unter den Regenten aus der Linie Wolfenbüttel verdient besondere Auszeichnung Herzog August, 1636–66, der aber wegen der Stürme des dreißigjährigen Krieges die Regierung erst 1642 wirklich antreten konnte und sich durch Wiederherstellung des zerrütteten Landes große Verdienste erworben, auch durch Stiftung der Universität Wolfenbüttel als Beförderer der Wissenschaften bewährt hat. Wichtig ist der unter seinem Sohne und Nachfolger Rudolf August, gest. 1704, vom Gesammthause B. 1671 beschlossene Zug zur Demüthigung der Stadt Braunschweig, die nach der Reichsunmittelbarkeit strebte. Zur Residenz wählte sie jedoch erst Herzog Karl, 1735–80, der Stifter des Collegium Carolinum daselbst, dessen Verwaltung zwar viel heilsame Maßregeln auszeichneten, allein auch Tadel wegen verfehlter Finanzoperationen und wegen des aus Vorliebe übermäßig groß gestalteten Heerwesens trifft.

Ihm folgte sein ältester Sohn, Karl Wilhelm Ferdinand, geb. 1735, welcher schon im siebenjährigen Kriege Muth und militairisches Talent bei dem verbündeten Heere in Westfalen bewies und 1773 General in preuß. Diensten geworden war. Nachdem er 1780 die Regierung angetreten, faßte er die Verbesserung der Finanzen und die Beförderung von Industrie und Handel zunächst ins Auge und erwarb sich überhaupt den Namen eines musterhaften Regenten. Die Leichtigkeit, mit welcher er 1787 an der Spitze eines preuß. Heeres den mit einer preuß. Prinzessin vermählten Erbstatthalter der Niederlande in den vollen Genuß seiner vom unruhigen Volke geschmälerten Rechte wiedereinsetzte, machte, daß ihm beim Ausbruch des franz. Revolutionskrieges der Oberbefehl des östr.-preuß. Heeres mit gleichen Erwartungen übertragen wurde, die jedoch der unglückliche Feldzug von 1792 in der Champagne so wenig rechtfertigte, wie der am Oberrhein im folgenden Jahre, der mit dem Rückzuge hinter den Rhein endigte. Misverständnisse zwischen Ostreich und Preußen bewogen den Herzog anfangs 1794 den Oberbefehl des preuß. Heeres abzugeben und er lebte wieder ausschließlich seinem Lande, bis er 1806 abermals an die Spitze des preuß. Heeres trat und nach der Schlacht bei Jena (s.d.) als schwer verwundeter Flüchtling am 10. Nov. in Ottensen bei Altona starb. Da der Erbprinz schon früher gestorben, zwei andere Prinzen aber zur Regierung unfähig waren, so folgte ihm sein jüngster Sohn Friedrich Wilhelm, geb. 1771, seit 1805 Herzog von Öls in Schlesien, welche Besitzung dessen Oheim Friedrich August durch seine Verheirathung mit der Tochter des Herzogs Erdmann von Würtemberg erworben hatte. B. ward jedoch von den Franzosen eingenommen und später zum Königreiche Westfalen geschlagen, und der dadurch seiner Erblande beraubte Herzog widmete sich nun ganz dem Soldatenstande, zu dem er auch erzogen war. Beim Ausbruche des östr.-franz. Krieges von 1809 warb er in Böhmen ein Freicorps, dessen schwarze Husaren sich vorzüglich einen Namen machten; trennte sich nach dem im Jul. zu Znaim geschlossenen Waffenstillstande von Ostreich und unternahm mit kaum 1500 M. jenen kühnen Zug mitten durch vom Feinde besetztes Land nach dem Gestade der Nordsee. Am 31. Jul. traf er in seiner Vaterstadt Braunschweig einübernachtete auf ihren Wällen und nach zahlreichen glücklichen Gefechten erreichte er einen Tag vor seinen Verfolgern [314] Elsfleth an der Weser, wo er sich in der Nacht vom 6.–7. Aug. mit seiner Mannschaft auf den meist leer dort vorgefundenen Handelsschiffen und Weserfahrzeugen mit Gewalt einschiffte, die Pferde jedoch zurückließ und am 8. unter engl. Flagge Helgoland erreichte. Von da ging er mit seinem Corps nach England, das sogleich in engl. Dienste genommen und später in Portugal und Spanien gebraucht wurde, während dem Herzoge das Parlament 6000 Pf. St. jährlich bewilligte, bis er am 22. Dec. 1813 in seine Erbstaaten zurückkehren konnte, wo er mit außerordentlichem Jubel empfangen ward. Allein die allerdings großen Erwartungen des Landes wurden von ihm nicht erfüllt; die Zeit schien seine Vorliebe für das Militair zu rechtfertigen, welche B. nur neue Wunden schlug und seine Regierung war zu kurz, um wieder gut zu machen, was er mehr aus Übereilung als Absicht geschadet, denn nach Napoleon's Wiederkehr von Elba starb der Herzog am 16. Jun. 1815 bei Quatre-Bras an der Spitze der Seinigen den Heldentod.

Der älteste seiner beiden unmündigen Söhne, Karl Friedr. Aug. Wilh., geb. am 30. Oct. 1804, wurde sein Nachfolger unter vormundschaftlicher Regierung des Prinz-Regenten und nachmaligen König Georg IV. von England, und trat am 30. Oct. 1823 die Regierung selbst an, was ihm ein Jahr früher verweigert worden war. Er fand eine gefüllte Schatzkammer und erprobte Räthe, ließ auch fast drei Jahre den Geheimrath Schmidt-Phiseldeck wie bisher an der Spitze der Regierungsgeschäfte. Nachdem aber der Herzog demselben beharrlich die Einberufung der Landstände, dann die erbetene Entlassung drohend verweigert hatte, flüchtete jener nach Hanover, und nun zeigte sich der Charakter dieses Fürsten, der bereits die öffentliche Achtung verloren, in voller Blöße Mit despotischer Willkür herrschend, mißachtete er jedes Recht und Verdienst, schmähte und beschuldigte selbst seinen kön. Vormund der Eingriffe in seine Rechte und erklärte im Mai 1827 die in dessen Namen erlassenen Verordnungen nur für bedingt gültig. Auch das Landesvermögen suchte er sich anzueignen und es änderte nichts, daß die Landstände den Bundestag um Aufrechthaltung der Verfassung baten; endlich wurden durch Einstellung aller öffentlichen Arbeiten während des harten Winters von 1829–30 besonders die ärmern Classen gedrückt. Der Herzog war nach Paris gereist, flüchtete von da nach Ausbruch der Juliusrevolution nach Brüssel und kehrte nach Ausbruch der belg. Revolution in seine Staaten zurück, wo des Volkes Unwillen sich in Erbitterung verwandelt hatte. Dennoch wieß er billige Vorstellungen ab, rüstete sich, etwaiger Gewalt mit Gewalt zu begegnen, ließ am 6. Sept. Kanonen vor dem Schlosse aufstellen, entging aber Abends auf dem Heimwege aus dem Theater nur durch die Schnelligkeit seiner Pferde der Volkswuth. Auf erneute Vorstellungen versprach er Tags darauf den nothleidenden Handwerkern Arbeit und bewilligte den Armen 5000 Thlr., schwieg aber über Einberufung der Stände, weshalb man seinen Zusagen nicht glaubte. Abends versammelte er alles Militair zur Vertheidigung des Schlosses, als aber der dasselbe belagernde Hause das unbesetzte Canzleigebäude auf dem rechten Schloßflügel angezündet hatte, flüchtete er sogleich nach der hanöv. Stadt Hildesheim. Das Militair zog sich in den Garten zurück, während der rasende Hause zertrümmernd und plündernd sich des ganzen Schlosses bemächtigte, von dem nur der linke Flügel den Flammen hauptsächlich darum vorenthalten wurde, weil sie von da aus zu leicht die nahen Bürgerhäuser ergriffen hätten. Allein zuviel des Unheils war verübt worden, als daß nicht am folgenden Tage die schnell formirte Bürgergarde und das Militair sich ernstlich für Beschwörung des Aufruhrs hätten verwenden sollen, während ein Ausschuß der Stände zusammentrat und eine Adresse an des geflohenen Herzogs Bruder Wilhelm berathen ward, welche diesen um die Übernahme der Regierung angehen sollte. Unerwartet schnell traf derselbe am 10. Sept. schon ein und willfahrte dem Gesuche der Stände, indem er zugleich allgemein geachtete Männer an die Spitze der Geschäfte berief.

Herzog Karl war nach England geeilt, wo er aber von König Wilhelm IV. keinen Beistand, sondern nur den Rath erhielt, die Regierung niederzulegen. Er kehrte also nach Deutschland zurück und machte im Nov. mit einem Haufen erkauften Gesindels vom hanöv. Städtchen Osterode aus einen Versuch, sein Herzogthum wieder zu gewinnen, der aber im Beginn scheiterte, gleich allen ähnlichen Plänen, welche er im Auslande entwarf, wo er in Madrid und nachdem er vom dortigen Hofe verwiesen worden, zu Nizza und Paris lebte, von wo er 1832 wegen seiner Verbindungen mit der Herzogin von Berri (s.d.) ebenfalls fortgewiesen und da er nicht Folge leistete, von Gensdarmen nach der Schweiz gebracht wurde. Seit 1833 ist er jedoch in die Hauptstadt Frankreichs zurückgekehrt und durch Beschluß der sämmtlichen Agnaten seines Hauses unter Vormundschaft des Herzogs von Cambridge gestellt worden, da man ihn zur eignen Verwaltung seines Vermögens für unfähig hält. In B. aber übernahm Herzog Wilhelm August Ferdinand Ludwig (s.d.) mit Bewilligung des deutschen Bundes am 25. Apr. 1831 die Regierung, nachdem die Mitglieder des fürstl. Hauses die Unfähigkeit seines Vorgängers dazu ausgesprochen hatten.

Die alten Landstände des Herzogthums erhielten zwar 1820 eine neue, ihre Zusammensetzung abändernde Einrichtung und bestanden nun aus zwei an Rechten und Ansehen einander gleichen Kammern, von denen die erstere aus sechs Prälaten und der Ritterschaft, die andere aus sieben Prälaten, 19 städtischen und 10 Deputirten der bisher unvertretenen kleinen Grundbesitzer zusammengesetzt war. Indessen schien dieselbe den Bedürfnissen nicht ganz zu entsprechen, konnte jedoch unter Herzog Karl's Regierung nicht verbessert werden, weil sie dieser überhaupt nicht anerkannte. Sein Nachfolger ließ aber den Ständen den Entwurf einer verbesserten Landschaftsordnung vom 30. Sept. 1831 übergeben und in Folge der darüber gepflogenen Unterhandlungen ward endlich die neue Landschaftsordnung vom 12. Oct. 1832 angenommen, welche eigentlich ein wahres Landesgrundgesetz ist. Die Stände bestehen nach derselben aus 48 in einer Kammer vereinigten Mitgliedern, von denen durch die Ritterschaft 10, die Städte 12, die Fleckenbewohner, Freisassen und Bauern 10, und die übrigen 16 durch ein Wahlcollegium der drei Stände ernannt werden. Die letztern werden ohne Rücksicht auf Vermögen aus den gebildeten Classen gewählt, auch müssen sich zwei Geistliche darunter befinden; bei den übrigen aber ist Grundbesitz und ein bestimmter Abgabenbetrag [315] zur Wahlfähigkeit nöthig. Alle drei Jahre müssen Versammlungen der Stände stattfinden, welche das Recht der Steuerbewilligung mit Ausnahme Dessen, was die Erfüllung von Bundespflichten erfodert, Antheil an der Gesetzgebung, das Recht zur Ernennung zweier Räthe in das Landgericht, das Recht der Beschwerde u.s.w. besitzen und in gewissen Fällen sich ohne landesherrliche Berufung versammeln können. Ihre Verhandlungen sollen in der Regel durch den Druck bekannt gemacht werden, doch ist über die Öffentlichkeit der Sitzungen selbst nichts bestimmt. Im engern Rathe des deutschen Bundes hat B. mit Nassau die 13. Stelle und im Plenum zwei Stimmen; zum Bundesheere stellt es 2096 M.

Der nördl. Theil B.'s bildet eine wellenförmige, mit Ausnahme ihres äußersten zur lüneburger Haide gehörenden Randes, sehr fruchtbare Ebene; der südl. liegt am und auf dem Harze, ist bergig und steinig, um Wolfenbüttel und Scheppenstedt aber und im Thale der durchfließenden Weser und des Leineflusses sehr ergiebig. Von andern Gewässern sind die Ocker, Ohre, Zorge und Bode und unter mehr als 600 Teichen der 93 Morgen große Wipperteich zu erwähnen; eine weite Sumpfgegend bildet im NO. der Drömling. Von den in Deutschland gewöhnlichen Feld- und Gartenfrüchten werden vorzüglich Cichorien, Krapp, Flachs, Taback, bei der Stadt Braunschweig und dem Dorfe Ölper sogenannter Stadthopfen, der beste nach dem böhm. in Deutschland, erzeugt und Viehzucht wird in allen ihren Zweigen mit Vortheil betrieben; auch Holz und Wildpret sind reichlich vorhanden. Unter den mannichfaltigen Producten des Mineralreichs befinden sich Salz in vier Salinen, Stein- und Braunkohlen, Eisen, Silber, Blei, Kobalt, etwas Gold u.s.w. Garnspinnerei und Leinweberei sind über das ganze Land verbreitet; wichtig sind ferner die Cichorien-, Taback-, Zucker-, Papier-, Seife- und Farbenfabriken, die Bierbrauerei u.s.w.

Das Herzogthum wird in sechs Kreisdirectionen eingetheilt. Die Haupt- und Residenzstadt Braunschweig liegt an der Ocker, hat 35,000 Einw., viele ansehnliche Gebäude, unter denen sich besonders auszeichnen: der von Heinrich dem Löwen im 12. Jahrh. erbaute St.-Blasiusdom mit dem Denkmal des Stifters, seiner Gemahlin Mathilde, und dem herzogl. Erbbegräbniß; die von Quadersteinen erbaute St.-Andreaskirche mit einem 318 F. hohen Thurme; die gothische Brüderkirche; das landschaftliche Haus; das Zeughaus, in dessen zweitem Stocke das Museum mit sehenswürdigen Sammlungen von Gemälden, Kunstsachen, Antiken und Naturalien sich befindet; das Opernhaus und das zum Theil aus den Trümmern erstandene neue herzogl. Residenzschloß. Auf dem Burgplatze steht auf einem Postamente unweit der Domkirche der eherne Löwe Heinrich des Löwen (s.d.), und zwischen dem August- und Steinthore erinnert eine 60 F. hohe eiserne Spitzsäule an den bei Jena 1806 tödtlich verwundeten Herzog Karl Wilh. Ferdinand und seinen 1815 gefallenen Sohn Friedrich Wilhelm. Von öffentlichen Bildungsanstalten sind anzuführen: das herzogl. anatomisch-chirurgische Collegium; das Collegium Carolinum; das Gesammtgymnasium und das gutgeordnete Bürgerschulwesen; ferner bestehen hier ein Taubstummen- und Blindeninstitut; 19 milde Stiftungen, unter denen sich die nach dem Muster der hamburger eingerichtete Armenanstalt und die Waisenhäuser auszeichnen. Fast alle Zweige des einheimischen Fabrikwesens werden auch in der Stadt B. betrieben, wo noch die Fabriken lackirter Blechwaaren und des braunschweiger Grün, einer Mineralfarbe, zu erwähnen sind. Auch Honigkuchen, Würste, Schinken und Mumme, ein 1434 hier zuerst von Christian Mumme gebrautes Bier, sind Ausfuhrartikel und der im Ganzen wichtige Producten-, Speditions- und Wechselhandel wird durch die Lichtmeß- und Laurentimessen begünstigt, welche jährlich im Febr. und Aug. gehalten werden. Schon zu Anfange des 11. Jahrh. kommt der Ort Brunswik in Urkunden vor; er nahm schnell an Wohlstand zu, nachdem er durch Heinrich den Löwen zur Stadt erhoben worden, und trat 1247 zur Hanse (s.d.), kam aber mit derselben im 17. Jahrh. in Verfall und mußte 1671 auf die Art von Unabhängigkeit Verzicht leisten, welche er bis dahin gegen die Herzoge behauptet hatte. B.'s Wohlstand wuchs aber von Neuem, und seit es 1754 Residenz geworden, verschönerten es die Fürsten fortwährend und ließen auch die Festungswerke seit 1797 in Spaziergänge verwandeln.

Die frühere herzogl. Residenz war die Stadt Wolfenbüttel mit 8000 Einw., vielen Fabriken, einem Schlosse, einer berühmten Bibliothek von 270,000 Bänden, die in einem schönen Gebäude verwahrt wird und bei der Gotth. Ephraim Lessing (s.d.) angestellt war, den ein marmornes Denkmal ehrt; auch hat hier das zwischen B., Lippe und Waldeck gemeinschaftliche Oberappellationsgericht seinen Sitz. Ferner sind zu bemerken: das Salzwerk Ober- und Nieder-Dahlum oder Salzdahlum; die Stadt Helmstedt unter dem Bergwalde Elm mit 6300 Einw., einem Gymnasium und mehren Fabriken; die seit 1575 hier bestehende Universität ward 1809 unter der westfäl. Regierung aufgehoben; in der Nähe sind auf dem Corneliusberge die Lübbensteine merkwürdig, vier ungeheure Altäre, von einem aus einzelnen großen Steinen gebildeten Kreise umgeben, die für Überbleibsel aus der Zeit der Druiden (s.d.) gehalten werden; die Stadt Königslutter mit 3000 Einw. und dem gleichnamigen Stifte, dessen Begründer, Kaiser Lothar II. und seine Gemahlin Richenza in der Kirche daselbst begraben liegen; auch ist der Ort wegen des nur hier gebrauten Weißbiers, des sogenannten Ducksteines, bekannt; Seesen am Harz mit einem Schwefelbade und 2300 Einw.; Gandersheim mit 2300 Einw., ehemals Sitz einer gefürsteten, reichsunmittelbaren Frauenabtei; Blankenburg in einer sehr romantischen Gegend am nördl. Abhange des Harzes mit 3100 Einw., einem Gymnasium, einem hoch und reizend gelegenen herzogl. Schlosse, das als Sommerresidenz benutzt wird; in der Nähe der Stadt liegen die ehemalige, sehr malerische Bergfeste Regenstein und die Baumanns-und Bielshöhle; das fleckenähnliche Dorf Neustadt mit 1000 Einw., in dessen Nähe die Saline Juliushall, die Ruinen der 1068 von Heinrich IV. erbauten, seit dem 16. Jahrh. verfallenen Harzburg, das Gestüt Bündheim und als der höchste Ort des Harzes, das 1748 F. über dem Meere gelegene Dorf Hohegeis mit 1050 Einw. zu erwähnen sind; Holzminden an der Weser mit 3200 Einw., der Stapelplatz des Leinwand- und Eisenhandels der Umgegend und Bevern, ein Flecken mit 1400 Einw., von dem dir ehemalige Linie von Braunschweig-Bevern den Namen führte.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 313-316.
Lizenz:
Faksimiles:
313 | 314 | 315 | 316
Kategorien:

Buchempfehlung

Stifter, Adalbert

Der Condor / Das Haidedorf

Der Condor / Das Haidedorf

Die ersten beiden literarischen Veröffentlichungen Stifters sind noch voll romantischen Nachklanges. Im »Condor« will die Wienerin Cornelia zwei englischen Wissenschaftlern beweisen wozu Frauen fähig sind, indem sie sie auf einer Fahrt mit dem Ballon »Condor« begleitet - bedauerlicherweise wird sie dabei ohnmächtig. Über das »Haidedorf« schreibt Stifter in einem Brief an seinen Bruder: »Es war meine Mutter und mein Vater, die mir bei der Dichtung dieses Werkes vorschwebten, und alle Liebe, welche nur so treuherzig auf dem Lande, und unter armen Menschen zu finden ist..., alle diese Liebe liegt in der kleinen Erzählung.«

48 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon