David [1]

[765] David (hebr., der Geliebte). I. Fürsten: A) König von Juda: 1) D., jüngster Sohn des Isai (daher dichterisch der Isaïde), eines Hebräers in Bethlehem, aus dem Stamme Juda, dessen Heerden er hütete; wurde von Samuel als Nachfolger Sauls zum Könige gesalbt u. an Sauls Hoflager erzogen. Hier zerstreute er durch Saitenspiel des Königs Tiefsinn, wurde dessen Waffenträger u. durch die Besiegung des Goliath (s.d.) der Retter u. Held seines Volkes, das ihn bald über Saul erhob. Dadurch reizte er die Eifersucht Sauls, der, um ihn zu entfernen, ihm den Oberbefehl über 1000 Mann u. die gefährlichsten Unternehmungen übertrug. Muthig bestand D. die Kämpfe mit Israels Feinden, gewann Sauls Tochter, Michael, zum Weibe u. des Jonathan (des Sohnes Sauls) innige Freundschaft, wurde der Liebling des Volkes, dem Könige aber immer verhaßter, der ihm nun offen nach dem Leben trachtete; vergebens versuchte Jonathan des Vaters Zorn zu versöhnen, D. mußte fliehen. Während er den Nachstellungen des Königs[765] mühsam entging, schonte er zweimal, im Felsengebirge Engedi u. im Lager in der Wüste Siph, seines Gegners. Nach Sauls Tode 1055 v. Chr. endlich trat D., 90 Jahre alt, öffentlich als König von Israel auf u. regierte 40 Jahre. Im Äußern wie im Innern (gegen Sauls Sohn, Jsboseth, gegen seinen eigenen Sohn Absalon [s.d.]) hatte er harte Kämpfe zu bestehen, bis 1015 v. Chr., wo er 70 Jahre alt starb. Er eroberte Jerusalem von den Jebusitern u. machte es zur Residenz, baute auch die Burg auf Zion, machte viele Eroberungen u. erhob das Land zu hohem Glanze, s. u. Hebräer. Den von ihm beabsichtigten Tempelbau führte erst Salomo aus D. war vortrefflicher Dichter, s. Psalmen. Er hinterließ den Thron seinem Sohne Salomo mit Hintansetzung des ältesten Adonia; außer diesem u. vielen anderen von Beischläferinnen überlebten ihn noch 19 Söhne. Der Charakter Davids, vielfach angefochten u. verdunkelt durch Leidenschaften (vgl. Bathseba, Uria), zeigt sich dennoch erhaben. B) König von Armenien: 2) D. Anhoghin (d. i. ohne Land), geb. 961; folgte 980 seinem Vater in der Regierung der Provinz Dahirk, war in Kriege mit dem Sultan von Tiflis u. anderen benachbarten muhammedanischen Häuptlingen verwickelt u. st. um 1046. C) Könige über Georgien: a) über ganz Georgien: 3) D. I., regierte 855–881 4) D. II. (IV.) Aghma-Schenebli (d. i. der Wiedererbauer), regierte 1089–1130, s. Georgien. 5) D. III. (V.), Sohn Georgs III., regierte 1150 kurze Zeit. 6) D. IV. (VI.) Sain (Soslan, d. i. der Schöue), natürlicher Sohn Georgs IV., regierte seit 1211 unter der Vormundschaft der Rußudan seit 1237 mit dem Folgenden, seit 1241 in Ober-Georgien, er st. 1272, s. ebd. 7) Narin D., der Sohn der Rußudan u. Tawgirisis, regierte seit 1237 mit dem Vorigen gemeinschaftlich, seit 1241 über Nieder-Georgien, s. ebd. 8) D. V. (VII.), Sohn des Demetrius II., regierte 1294, s. ebd. 9) D. VI. (VIII.), Sohn Georgs VI., regierte 1346–60. b) Über Karthli: 10) D., Sohn Constantins II., regierte 1505–1524, s. ebd. 11) D., Sohn Georgs XIII., regierte seit 1800 im Interimisticum, bis Karthli 1802 russische Provinz wurde, worauf er russischer Generallieutenant wurde, s. ebd. c) Über Kakheti: 12) D. I., Sohn Alexanders II., regierte 1605–1610, s. ebd. 13) D. II. (Imam Khuli Khan), regierte bis 1720, s. ebd. d) Über Imerethi: 14) D., Sohn Georgs, regierte 1182–93, s. ebd. 15) D., so v.w. Salomo II., König von Georgien. D) König von Habesch: 16) D., st. 1451, s. Habesch (Gesch.). E) Könige von Schottland: 17) D. I., Sohn Malkolms III., regierte 1124–53, s. Schottland (Gesch.). 18) D. II., Sohn von Robert Bruce, regierte 1329–70, mit großer Unterbrechung, s. ebd. F) Kaiser von Trapezunt: 19) D. Komnenos, letzter Kaiser von Trapezunt, regierte bis 1453, s. Trapezunt (Gesch.), u. wurde 1462 in Constantinopel hingerichtet, weil er sich weigerte, den Islam anzunehmen.

II. Prinzen: 20) D., Sohn des Königs Robert III. von Schottland; wurde nach seines Vaters Tode Herzog von Rothsay, aber wegen seines wilden Sinnes dem Grafen Robert von Tise in Gewahrsam gegeben, der ihn 1442 verhungern liest. 21) D., Sohn Mustaphas, kam mit seinem flüchtigen Vater nach Ungarn, wurde daselbst Christ u. kämpfte unter den Ungarn gegen seinen Oheim, Sultan Murad II. Als Murad 1451 gestorben war, wollte D. sich mit polnischer u. griechischer Hülfe den osmanischen Thron erobern, aber Muhammed II. behauptete denselben.

III. Schwärmer: 22) D. Alroi, geb. in Amaria, gab sich für den Messias u. Abkömmling Davids aus (daher el D.), bewirkte 1159 in Persien einen Aufstand unter den Juden, die er nach Jerusalem führen wollte, wurde aber gefangen; entkommen, wurde er von seinem Schwiegervater auf Befehl des persischen Königs ermordet. 23) D. Joris (D. Georgi), geb. 1501 in Delft, der Sohn eines Marktschreiers, Glasmaler; als Wiedertäufer lehrte er um 1536, daß er der wahre Messias, der 3. David, nach dem Geiste von Gott geboren u. abgesandt sei, würdige Kinder für das Reich Gottes zu sammeln, leugnete aber ein ewiges Leben, die Auferstehung der Todten u. ein letztes Gericht. Er wurde, weil seine Anhänger zu vielen Unfug anrichteten, 1538 verfolgt, ja mehrere hingerichtet. Er flüchtete 1544 nach Basel, wo er sich unter dem Namen Johann von Brügge (Johann von Biningk) aufhielt u. sich äußerlich zur Reformirten Kirche bekannte. Er wurde dort nach Jahren erkannt u. st. 1556. Seine, 3 Tage nach seinem Tode verkündete Auferstehung erfolgte nicht; sein Körper aber wurde 3 Jahre nachher wieder ausgegraben u. mit seinen Schriften verbrannt. Seine zahlreichen Anhänger Davidisten (Jorisianer), in Holland, Ostfriesland u. Norddeutschland, blieben bis zu Ende des 16. Jahrh. der Stamm der nichtreformirten Wiedertäufer. Er schr. 250 Aufsätze, darunter T'Wonderboek, 1542, 1550, Fol.; Lebensbeschreibungen, Basel 1559, von Blesdickius, Deventer 1642. 24) Franz D. (Davides), aus Ungarn; Superintendent der Antitrinitarier in Siebenbürgen u. Haupt der Davidisten, einer Secte, welche nach ihrem öffentlichen Bekenntniß vom 1. Aug. 1637 behauptete, daß Christus nur als Fürsprecher, Messias u. Erlöser verehrt werden dürfe, weshalb er von Socinus angegriffen u. auf dessen Anstiften in Klausenburg 1579 gefangen gesetzt wurde, wo er kurz darauf starb. Aus den Davidisten entstanden die jüdisch gesinnten Unitarier (Judaizantes), welche alle Anbetung u. Verehrung Christi verwarfen u. denselben für einen natürlichen Menschen erklärten. Aus diesen entstanden wieder die Sabbatarier (Szombatosok), deren Haupt Simon Fetschi, Kanzler des Fürsten Bethlen Gabor, war, u. welche den Sonnabend feiern, die Beschneidung für nöthig zur Seligkeit halten, sich aller den Juden verbotenen Speisen enthalten, das N. T. verwerfen u. den Messias noch erwarten. Mehrere Fürsten von Siebenbürgen suchten vergebens die Secte durch strenge Befehle auszurotten.

IV. Gelehrte: 25) D., armenischer Theolog u. Philosoph, von den Armeniern vorzugsweise der Philosoph (Imasdaser) genannt, geb. im Dorfe Nerken in der armenischen Provinz Duruperan, war Schüler von Mesrob u. Sahay (Isaak) u. bildete sich in Griechenland, bes. in Athen unter dem Eklektiker Syrianus. In sein Vaterland zurückgekehrt, wirkte er hier in den letzten Decennien des 5. Jahrh. u. st. um 500 n. Chr. D. hat mehrere Werke des Aristoteles in das Armenische übersetzt; Commentare zur Einleitung des Porphyrins (griechisch u. armeisch),[766] u. zu des Aristoteles Kategorien (griechisch), sowie Prolegomenen zu letzterem Werke (griechisch) verfaßt. Dazu kommen noch Définitions des principes de toutes choses, Constant. 1731, u. Fondements de la philosophie, u. Anderes, was noch ungedruckt in den Bibliotheken liegt. Eine Homilie auf das heilige Kreuz wurde mit einem Briefe an den Patriarchen Kiud in Venedig (1823) gedruckt. Vgl. Neumann, Mém. sur la vie et les ouvrages de D., Par. 1829. 26) Lukas, geb. 1503 zu Allenstein in Ermeland, st. 1583 als Rath u. Beisitzer des Hochgerichts in Königsberg; er stiftete in Leipzig, wo er studirt hatte, das Stipendium Davidianum. Er schr.: Preußische Chronik, herausgeg. von Hennig u. Schütz, Königsb. 1812–17, 8 Bde. 27) Christian, geb. 1690 zu Senftleben in Mähren, erlernte das Zimmerhandwerk, gründete mit Auswanderern aus Mähren 17. Juni 1722 die Colonie der Mährischen Brüder am Hutberge u. wurde der Erbauer von Herrnhut. Später zog er predigend im Lande umher u. warb Seelen für seine Gemeinde, machte Missionsreisen nach Grönland (1733, 1747, 1749), nach Holland (1735), Liefland, Pennsylvanien (1748) u. st. 3. Febr. 1751 in Herrnhut. Er hat viele geistliche Lieder gedichtet, die im Brüdergesangbuche stehen. 28) Jean Pierre, geb. 1737 in Gex, Professor u. Demonstrator der Anatomie u. Chirurgie in Rouen, Oberarzt am Hospital in Rouen von le Cat; er st. 1784; bes. als Operateur, namentlich des Steinschnittes, geschätzt. Er schr.: Observations sur nécrose, Par. 1782, u. m. a. 29) Christian Georg Nathan, geb. 1793 in Kopenhagen von jüdischen Eltern, trat zum Christenthum über u. studirte seit 1809 in Kopenhagen Philosophie u. Staatswissenschaften, wurde dann daselbst Privatdocent u. 1830 Professor der Staatswirthschaft; die Haltung der 1834 von ihm begründeten Zeitschrift Faedrelandet brachte ihm 1835 den Verlust seiner Professur, worauf er 1840 Bürgerrepräsentant u. 1841 Rathsmitglied in Kopenhagen wurde. Als Mitglied der Commission für Gefängnißwesen machte er 1841–42 eine größere Reise, um das Gefängnißwesen des Auslandes kennen zu lernen, u. war seit 1948 Mitglied des Reichstages, wo er bes. Gegner der Partei der Bauernfreunde war.

V. Künstler: 30) François Anne, geb. 1741 in Paris; Kupferstecher u. Zeichner u. st. 1824 in Paris. Er gab heraus: Antiquités d'Herculanum 1780–1803; Histoire d'Angleterre 1784–1800; Antiquités étrusq ues, grecques et romains, 1785–88; Hist. de France 1786–1796; Museum de Florence 1783–1903; Bible des enfans 1814. 31) Jacques Louis, geb. 30. Aug. 1748 in Paris, widmete sich der Malerei unter Leitung von Vien, u. machte binnen 2 Jahren solche Fortschritte, daß ihm für sein erstes Bild Venus u. Mars im Kampfe mit Minerva (jetzt im Louvre) von der Akademie 1771 der erste Preis zuerkannt wurde. Seine Bewerbung geschah aber hinter dem Rücken seines Lehrers, der darüber erzürnt, eine Abänderung des Urtheils veranlaßte, worauf D. nur den zweiten Preis erhielt. Nachdem ihm 1774 für sein Gemälde, die Liebe des Antiochus zu Stratonike darstellend, der erste Preis u. das damit verbundene Reisestipendium zugefallen war, begab er sich mit seinem Lehrer, welcher Director der römischen Akademie geworden war, nach Rom. Dort lag er mit großem Eifer dem Studium der Antike ob u. zog bald durch seine Gemälde die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Allgemeine Bewunderung aber erregte er nach seiner 1781 erfolgten Rückkehr mit seinem in Paris 1784 ausgestellten Belisar, dem der Tod Hektors folgte. Letzteres Bild verschaffte ihm die Aufnahme in die Akademie. Darauf malte er im Auftrage des Königs den Schwur der Horatier (jetzt im Louvre, gestochen von Morel). Von jetzt an begann er in offene Opposition gegen den verdorbenen Geschmack seiner Zeit zu treten, indem er sich einer gefunden naturgemäßen Auffassung der Kunst zuwandte u. die einfache Würde der antiken Kunstschöpfungen zu erreichen strebte. In den folgenden Jahren theils für den König in Paris, theils für den Grafen von Artois in Flandern beschäftigt, wurde er später der Maler der Revolution, deren Ideen er mit großer Lebhaftigkeit auffaßte u. verfolgte. Den Cyclus seiner Revolutionsscenen begann: Die Ankunft des Königs im Parlament am 14. Febr. 1790, darauf folgte der Schwur im Ballhause (von der Nationalversammlung bestellt, nur Skizze), die Ermordung Marats etc. Er wurde 1793 Mitglied des Corps électoral von Paris u. Deputirter des Nationalconvents, in welcher Eigenschaft er für den Tod des Königs stimmte. Als eifriger Anhänger der Jakobiner u. Freund Robespierres, war er nach dessen Sturze in Gefahr zum Tode verurtheilt zu werden, wurde aber auf Fürbitte seiner Schüler gerettet, indem die Amnestie vom 4. Brumaire 1795 auch ihm zu Gute kam. Nun vollendete er sein im Gefängniß entworfenes Gemälde, der Raub der Sabinerinnen (1799, jetzt im Louvre, gestochen von Massard), mit welchem er den Gipfel seines Ruhmes erreichte. Obwohl im Herzen republikanisch gesinnt, verschmähte er es nicht, seinen Pinsel der Verherrlichung des Kaiserreiches zu weihen. Er malte Napoleon in verschiedenen Scenen u. Situationen, von denen eine der effectvollsten sich im königlichen Schlosse zu Berlin, wohin das Bild als Siegesbeute kam, befindet. Der Kaiser ist auf einem wilden sich bäumenden Pferde dargestellt, wie er mit erhobener Hand nach den zu übersteigenden Spitzen der Alpen deutet. Sein letztes bedeutendes Gemälde war Leonidas in den Thermopylen, vollendet 1814, wofür ihm 100,000 Frcs. bezahlt wurden (im Louvre, gestochen von Laugier). Die Rückkehr der Bourbons hatte 1816 seine Verbannung zur Folge, u. er ließ sich, das Anerbieten des Königs von Preußen, der ihn zum Director aller Kunstsammlungen machen wollte, ausschlagend, in Brüssel nieder. Dort setzte er die von ihm begründete Schule fort u. malte noch einige Gemälde meist mythologischen Inhalts. Er st. 29. Dec. 1825. Diebedeutendsten seiner Schüler sind: Gérard, Girodet, Drouais, Le Gros, Fabre, Abel du Pujol, Ingres etc. D-s Auffassung war poetisch, seine Darstellung bewegt, ja leidenschaftlich, u. bei der Ausführung suchte er sich zugleich an die Formen der Natur u. an die Antike zu halten. Das große Verdienst, welches sich D. erworben hat, bestand in der Wiederherstellung eines gefunden Geschmacks u. in seinem Streben, der Kunst, die in Tändeleien u. Geschmacklosigkeiten unterzugehen drohte, einen Inhalt zu geben. Er wies zuerst wieder auf die Natur als die Quelle aller Schönheit hin, wenn er auch selbst noch befangen in den Überlieferungen[767] einer früheren Periode den naiven Ausdruck des Schönen nicht finden konnte. Seine Compositionen leiden an übertriebenem Pathos u. lassen trotz aller Lebendigkeit der Figuren den Beschauer kalt, weil sie nicht freie u. unmittelbare Schöpfungen des Künstlergenius sind. Sein Colorit ist nicht durchbildet, aber die Zeichnung seiner Figuren u. Gewänder ist correct u. sauber u. in einem edlen Style gehalten. 32) Giacomo, geb 1750 in Presezze bei Bergamo, Tenorist; seit 1771 bereiste er Frankreich u. England, glänzte aber bes. in Italien, zuletzt 1811 in Genua, trat aber auf Bajas Anlaß 1822–24 nochmals in Wien auf, lebte dann wie früher in Bergamo u. st. daselbst 1830. 33) D. d' Angers, geb. 12. Mai 1792 in Angers, widmete sich Anfangs in der Schule D-s 31) der Malerei, ging aber dann zur Bildhauerkunst über, in welcher Roland sein Lehrer war. Als ihm im Jahre 1811 für ein Basrelief (Tod des Epaminondas) der erste Preis der Akademie zugefallen war, ging er nach Rom, wo er die antiken Bildwerke studirte u. unter dem Einflusse Canova's, in dessen Atelier er längere Zeit arbeitete, sein hervorragendes Talent zur Meisterschaft entwickelte. 1816 begab er sich nach England u. von dort nach Paris, wo er rasch seinen Künstlerruf begründete u. eine ungemeine Thätigkeit entwickelte. Später bereiste er Deutschland, modellirte eine große Anzahl Büsten der in Kunst u. Wissenschaft ausgezeichneten Männer seiner Zeit (so Goethe, Tieck, Schelling, Dannecker), u. lebte größtentheils in Paris. Republikanisch gesinnt, nahm er lebhaften Antheil an der Februarrevolution u. wurde 1848 Mitglied der Constituante. Nach dem Staatsstreich aus Frankreich verbannt, erhielt er später die Erlaubniß zur Rückkehr u. st. am 5. Jan. 1856. D. ist der hauptsächlichste Vertreter der realistischen Kunstrichtung, welche dem sklavisch an die antiken Vorbilder festhaltenden Idealismus gegenübertrat. Mit dem Streben nach Naturwahrheit verband er einen seinen Sinn für schöne Linien u. für einepoetische Auffassung der Natur u. des Lebens. Meisterhaft sind namentlich seine Portraitstatuen u. Büsten durch treffende Wiedergabe des lebendigen Ausdrucks der Züge. Werke: Prinz Condé für den Pont Louis XVI. in Paris 1827; Christus mit Maria u. Johannes für den Dom in Angers 1830; das Monument Fenelons für den Dom in Cambray; das des General Foy auf Père Lachaise 1831; Madame Staël für das Institut; die Büste Jeffersons für Philadelphia; Philopemen im Garten der Tuilerien; Cuvier für Mümpelgart 1834; Corneille für Rouen; Racine für Laferté Milon; das Giebelfeld am Panthéon 1835. Sehr viele Basreliefs im Schauspielsaal des Odéons, eine große Anzahl von Büsten u. Medaillons. 34) Felicien, geb. 8. März 1810 in Cadinet bei Aix, sollte die Rechte studiren, wendete sich aber der Musik zu, u. nachdem er beim Orchester des Theaters in Aix als 2. Director einige Zeit zugebracht hatte, wurde er 1830 beim Conservatorium in Paris angestellt. 1831 wurde er St. Simonist u. Musikdirector dieser Gesellschaft, für welche er mehrere Hymnen u. Gesänge setzte; nach der Auflösung der St. Simonistenvereine kam D. nach Ägypten, wo er Clavierconcerte gab; ging 1835 nach Jerusalem, St. Jean d'Acre. Jaffa, Sidon, bereiste dann die Levante u. Constantinopel, ging nochmals nach Ägypten u. kehrte endlich nach Frankreich zurück.

Hier lebte er erst in Marseile, dann in Paris, wo er Orientalische Melodien herausgab, hielt sich einige Jahre auf dem Landsitze bei Igny auf, brachte 1838 u. 18392 große Sinfonien zur Aufführung, kehrte 1841 nach Paris zurück, u. erst Ende 1844 gelang es ihm hier, durch seine Odesinfonie, die Wüste, Anerkennung u. Beifall zu erlangen (Text von Collin). D. schrieb noch: Moses auf Sinai (Oratorium 1846), Columbus (Odesinfonie 1847), das Paradies, La perle du Brèsil (Oper 1851), mehrere Sinfonien, darunter bes. die aus Es, Lieder mit Pianofortebegleitung, Quintette u. Quartette für Bogeninstrumente, auch einige komische Singspiele. Er ist jetzt Director der Union musicale in Paris. 35) Ferdin., geb. 1810 in Hamburg, trat früh als Violinist auf, machte 1825 eine Kunstreise in Deutschland, wurde 1826 beim Orchester des Königsstädter Theaters in Berlin u. 1829 in Dorpat als Violinspieler engagirt; seit 1836 ist er Concertmeister u. jetzt auch Lehrer an. Conservatorium in Leipzig. Er componirte Mehreres.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 765-768.
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