Rom

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[725] Rom, die Haupt- und Residenzstadt des Kirchenstaats (s.d.), liegt an beiden Ufern des Tiberflusses, drei Meilen von seiner Mündung in das tyrrhenische Meer und hat bei einem Umfange von 21/2 deutschen Meilen ungefähr 150,000 Einw., von welchen mehr als 25,000 Almosenempfänger, etwa 7000 Juden und überhaupt 40,000 keine Katholiken sind.

Obgleich R. Residenz des Papstes ist und mehr als 30 Bischöfe daselbst leben, beträgt die Gesammtzahl der daselbst befindlichen Geistlichen und der Mönche und Nonnen aus mehr als 30 Klöstern doch nur zwischen 5–6000. Die Stadt liegt auf 12 Hügeln von geringer Höhe, da die Vertiefungen zwischen denselben seit 2000 Jahren durch Trümmer und Schutt vermindert wurden, und ist am linken Tiberufer von einer noch größtentheils unter dem Kaiser Aurelian um 270 aufgeführten Mauer mit zahlreichen Thürmen, am rechten mit unregelmäßigen Befestigungen umschlossen. Die sieben Hügel, auf welche längere Zeit das alte R. beschränkt war und davon den Namen Siebenhügelstadt erhielt, sind der capitolinische, aventinische und palatinische, die Berge Cölius, Quirinalis, Esquilinus und Viminalis, welche sämmtlich am linken Flußufer liegen und zu denen noch der Janiculus (auch Montorio) genannte am rechten hinzukam. Auf dieser Seite umfaßt das jetzige R. noch den vaticanischen Berg, auf der andern den pincischen Berg oder Monte Pincio (auch collis hortulorum, weil er anfangs mit Gärten bedeckt war), den Monte Citorio und Monte Testaccio oder Scherbenberg, welcher ganz aus Trümmern von Gefäßen des alten R.'s zu bestehen scheint. Die Erbauung desselben wird nach der gewöhnlichen Annahme ins Jahr 754 v. Chr. verlegt und dem Romulus zugeschrieben, welcher auch der erste König der neuen Stadt war. Die Sage nennt ihn und seinen Bruder Remus Zwillingssöhne von der Rhea Sylvia, einer Tochter des Numitor, Königs von Alba in Latium (s. Italien), der von seinem Bruder Amulius des Throns beraubt worden war. Dieser ließ des Numitor Sohn ermorden und damit er keine Nachkommenschaft der Rhea Sylvia zu besorgen habe, diese unter die Priesterinnen der Vesta aufnehmen, welche die strengste Keuschheit zu beobachten hatten. Gleichwol ward sie Mutter von Zwillingen, entging aber der ihr deshalb als Vestalin bevorstehenden Strafe durch das Vorgeben, Gott Mars sei Vater derselben. Amulius befahl jedoch, die Zwillinge am öden Ufer der angeschwollenen Tiber auszusetzen, wo sie von einer Wölfin entdeckt und gesäugt worden sein sollen, bis ein Hirt mit Namen Faustulus zufällig die Kinder auffand und sich ihrer annahm. Sie wuchsen zu kriegerischen Jünglingen heran und da sie von ihrer Herkunft unterrichtet wurden, erschlugen sie den Amulius und setzten ihren alten Großvater wieder in seine Rechte ein. Hierauf wollten sie besonders auf Betrieb des Romulus eine neue Stadt gründen, wozu der Platz nach dem Fluge der Vögel ausgewählt wurde. Demzufolge begann der Bau zuerst auf dem palatinischen Berge, worauf auch der höhere capitolinische gegenüber befestigt ward. Indessen vertrugen sich die Zwillingsbrüder nicht lange, sondern in Folge eines Zwistes soll Remus vom Romulus erschlagen worden oder doch aus R. geflohen sein und die letztere Sage macht ihn sogar zum Erbauer von Rheims.

Der kleine Anhang, welchen die Brüder bei Anlage der Stadt, als deren Stiftungstag der 21. Apr. gefeiert wurde, gefunden hatten, vermehrte sich erst, nachdem Romulus dieselbe für jeden heimatlosen Flüchtling geöffnet erklärte. Allein dadurch wollte sich immer noch keine eigentliche Bevölkerung bilden, indem zwar Männer sich einfanden, aber keine Frauen, und Bewerbungen um die Töchter der Nachbarstädte aus Eifersucht über das Emporkommen R.'s meist abgewiesen wurden. Um Dem mit einem Male abzuhelfen, veranstaltete Romulus ein religiöses Fest, zu welchem die benachbarten Sabiner mit ihren Familien eingeladen wurden und auch arglos und ohne Waffen erschienen. Mitten in der Feier aber wurden ihnen von den Römern ihre Frauen und Töchter entrissen, welche jene sofort als Hausfrauen sich aneigneten. Dieser unter dem Namen des Raubes der Sabinerinnen in der Geschichte bekannte Vorfall zog zwar einen Krieg beider Völkerschaften nach sich, doch ward der Friede bald durch die Geraubten vermittelt und es schloß sich sogar ein Theil der Sabiner mit ihrem Könige Tatius an die Römer an und bebaute den quirinalischen Hügel, wovon die Römer auch Quiriten hießen. Glückliche Kriege brachten noch andern Zuwachs an Land und Leuten, Romulus aber wurde, nachdem er ungefähr 37 Jahre mit großer Strenge und Willkür geherrscht haben mochte, vermuthlich von deshalb Misvergnügten umgebracht, oder auch vom Blitze getödtet, da die Sage ihn während eines Ungewitters zu den Göttern heimgehen läßt. Alle ältern bürgerlichen und militairischen Maßregeln wurden ihm zugeschrieben und ihm später unter dem Namen Quirinus in eignen Tempeln als Gründer von R. göttliche Verehrung erwiesen. Die Einführung der altern religiösen Einrichtungen knüpft sich an den zweiten König R.'s, den weisen Numa Pompilius (s.d.). Unter dem kriegerischen Tullus Hostilius wurde der cölische Berg von den im Zweikampfe der Horatier (s.d.) und Curiatier unterlegenen und aus ihrer zerstörten Stadt weggeführten Bewohnern von Alba Longa angebaut und der vierte König, Ancus Martius, soll Ostia am Ausflusse des Tiber, die erste röm. Colonie, sowie die erste Brücke über diesen Fluß angelegt, den aventinischen Berg zur Stadt gezogen und den Janiculus am rechten Flußufer befestigt haben. Der ältere Tarquinius wird als Erbauer der zum Theil noch vorhandenen Cloaken (s.d.) und der gewaltigen Mauern an den Seiten des capitolinischen [725] Hügels betrachtet, auf denen später prächtige Gebäude aufgeführt wurden. Unter dem Servius Tullius ward auch der viminalische und der esquilinische Berg in das unmittelbare Stadtgebiet eingeschlossen, was aber noch große Strecken Feld und Sumpf mit enthielt; vom siebenten und letzten röm. Könige, dem jüngern Tarquinius, wurde der Bau des Capitol (s.d.) angefangen. Nachdem R. durch Vertreibung des Tarquinius 510 v. Chr. ein Freistaat geworden, ward es anfangs durch äußere und innere Kämpfe nicht nur in seiner Vergrößerung gehemmt, sondern verlor an Ansehen, bis sich nach und nach die Beziehungen der Vornehmen und des Volks so günstig gestalteten, daß es mit der Kraft der hergestellten Eintracht die Kämpfe um die Oberherrlichkeit über Italien und dann um die Weltherrschaft siegreich bestehen konnte. (S. Römisches Reich.)

Die Stadt gewährte in den ersten Jahrh. der Republik durchaus kein Bild der spätern Pracht, sondern war eng, unregelmäßig und ärmlich gebaut, was auch noch von ihrer Wiederherstellung gilt, nachdem sie 390 v. Chr. durch die Gallier unter Brennus (s.d.) verbrannt worden war. Nachdem aber durch die Siege der Römer mit ungeheuern Reichthümern auch Luxus und Kunstsinn nach R. gekommen waren, entstanden besonders seit 100 v. Chr. immer mehr prächtige Tempel und öffentliche Gebäude, die sich in noch größerer Zahl unter den Kaisern seit 31 v. Chr. vervielfältigten, von denen insbesondere Augustus sich rühmte, anstatt des backsteinernen R.'s, welches er gefunden, ein marmornes zu hinterlassen. Schon vorher gab es gegen 14 Wasserleitungen für die öffentlichen Brunnen und acht Brücken dienten zur Verbindung der beiden Ufer des Tiberflusses. Indessen blieben selbst nach dem von Nero (s.d.) veranlaßten Brande, welcher von den 14 Stadttheilen R.'s drei gänzlich verheerte und sieben stark beschädigte und bei welchem eine große Menge alter Denkmale zu Grunde ging, die neugebauten Straßen zum Theil unregelmäßig. Während seiner Herrschaft vorzüglich wurden Bildsäulen und Kunstwerke aller Art aus Griechenland nach R. versetzt und griech. Künstler wetteiferten fortwährend, der Baulust und Prunkliebe der Vornehmen zu genügen. Auch den vom Augustus auf dem palatinischen Berge erbauten kais. Palast brannte Nero nieder und erneuerte ihn so umfänglich, daß er nicht blos den palatinischen Berg, sondern auch die Ebenen zwischen diesem und dem cölischen und esquilinischen Berge sammt einem Theile des letztern bedeckte. Gold, Silber, Edelsteine und Kunstwerke waren daran so verschwendet, daß er den Namen des goldenen Hauses mit Recht führte. Seine Nachfolger schon veränderten aber und beraubten denselben jener Kostbarkeiten und endlich folgte auch dieses Gebäude dem allgemeinen Verfalle der röm. Größe und sank in Trümmern; an seiner Stelle aber befinden sich jetzt die Villa Spada und der farnesische Garten. Auch unter den spätern Kaisern vermehrte sich noch die Zahl der Tempel, Theater und Amphitheater, Naumachien (s.d.), Schauplätze für circensische Spiele (s. Circus), Basiliken (s. Basilica), Wasserleitungen, Bäder, Triumphbogen und anderer öffentlicher Prachtbauten. Unter die vornehmsten derselben gehörte nach dem Capitol und Pantheon (s.d.) der vom August auf dem palatinischen Hügel aus weißem Marmor erbaute Tempel des Apollo, in welchem die Schriftsteller und namentlich Dichter ihre Werke öffentlich vorzulesen pflegten; der vom König Numa zuerst erbaute Tempel der Vesta (s.d.) und des Janus (s.d.); der unter Servius Tullius auf dem aventinischen Berg von sämmtlichen lat. Städten gemeinschaftlich erbaute Tempel der Diana; des Äskulap auf der ihm gewidmeten Insel in der Tiber und jetzt die St.-Bartholomäuskirche; die Tempel des Hercules und der Musen, der Juno, der Venus, des Jupiter stator und Jupiter tonans; der Tempel des Mars an der Morgenseite der Appischen Straße, in welchem vom Senate den Gesandten feindlicher Staaten Audienz gegeben und die Feldherren empfangen wurden, welche um die Ehre eines Triumphs anhielten und an dessen Stelle jetzt die Kirche della Palme steht; der vom August, als er die von den Parthern erbeuteten Legionsadler zurückerhielt, prächtig aufgeführte Tempel des Mars ultor; die kostbaren Tempel der Minerva auf dem Forum des Nerva und auf dem Marsfelde, welchen letztern August mit Erz überziehen ließ. Einer der schönsten und der reichste Tempel R.'s war ferner der vom Kaiser Vespasian auf der Via sacra oder dem heiligen Wege, auf welchem die Triumphzüge sich gewöhnlich nach dem Capitol bewegten, aufgeführte Friedenstempel, in welchem sich eine kostbare Bibliothek und die aus dem Tempel zu Jerusalem erbeuteten Schätze befanden. In dem vom jüngern Tarquinius erbauten Tempel des Saturn war später die Schatzkammer und das röm. Staatsarchiv; es gab ferner Tempel der Isis und des Serapis, der Göttinnen Libertas und Salus, des Neptun, viele des Glücks, der Eintracht, einen von Aurelian erbauten Sonnentempel u.a.m. Zu den vorzüglichsten Zierden R.'s gehörten ferner die Portiken oder Säulenhallen, welche ihre Namen theils von den Gebäuden mit denen sie zusammenhingen, theils von ihren Erbauern und der Art ihrer Ausschmückung hatten. Einer der vornehmsten war der Porticus der Argonauten, oder auch des Agrippa und des Vipsanius genannt, der 25 v. Chr. vom Vipsanius Agrippa erbaut und mit der Geschichte der Argonauten ausgemalt, auf dem Marsfelde stand und von einem Lorberhain umgeben war. Am Marsfelde lag auch der Porticus der Europa, welchen ihre Geschichte in Gemälden zierte; den wegen seiner Säulen auch der korinthische genannten Porticus des Pompejus ließ dieser bei dem von ihm für 40,000 Menschen erbauten Theater aufführen und mit goldgewirkten Tapeten schmücken. Der Porticus Hekatonsillon hatte seinen Namen von seinen hundert Säulen und ein anderer hieß gar Porticus Milliarensis oder der tausendsäulige. Berühmte Theater waren die des Balbus, eines Lieblings des Augustus, auf dem Marsfelde und das Theater des Marcellus, welches Augustus zu Ehren seines Neffen aufführen ließ, das 22,000 Zuschauer faßte und von dem sich schöne Ruinen im Palaste Orsini erhalten haben. Auch die öffentlichen Bäder befanden sich meist in weitläufigen und prächtigen Gebäuden und ihre Zahl wird auf 22 warme, 856 kalte angegeben, wozu noch 880 Privatbäder kamen, wobei aber nicht zu übersehen ist, daß sich die Einwohner des alten R.'s in seiner blühendsten Zeit wenigstens auf drei Mill. beliefen. Öffentliche Plätze gab es sehr viele, von welchen der vorzugsweise Forum (s.d.) genannte und das Marsfeld die vornehmsten sind, welches eine große Ebene war, wo die röm. Jugend Leibesübungen anstellte und Volksversammlungen stattfanden. Von Triumphbogen ist der des Severus auf dem Forum, [726] der des Titus am palatinischen Berge noch gut erhalten, von dem des Konstantin neben dem Colosseum sind aber blos Trümmer übrig. Von Ehrensäulen ist auf dem von Trajan angelegten, jetzt vom Schutt gesäuberten ehemaligen Forum die prächtige Säule des Trajan (s.d.), sowie auf dem sonstigen Forum des Antoninus Pius, dem jetzigen Platze Colonna, die 117 F. hohe, marmorne Antoninussäule noch vorhanden. Sie ist mit Basreliefs geschmückt und eine Treppe führt im Innern auf die Spitze derselben, welche jetzt eine Bildsäule des Apostels Paulus trägt. Von prächtigen Grabmälern ist das des Kaisers Hadrian, als jetzige Engelsburg (s.d.), sowie gegenüber derselben am linken Tiberufer das des Augustus zum Theil erhalten, ein rundes Gebäude von weißem Marmor, das ungefähr 100 Schritt im Durchmesser hat. Der innere Raum desselben ist amphitheatralisch mit Plätzen für Zuschauer versehen, indem sonst die jetzt verbotenen Stierhetzen dort gegeben wurden. Zu den merkwürdigsten Bauwerken des alten R.'s gehörten auch die Wasserleitungen oder Aquäducte, deren es 20 gab und von welchen eine solche Menge Wasser zum Theil aus großer Ferne in die Stadt geführt wurde, daß jedes Haus durch Röhren und Cisternen im Überfluß damit versehen war. Sie wurden mittels Röhren durch Berge und über Thäler in Kanälen geführt, welche häufig von mehren übereinander aufgemauerten Reihen von Bogen getragen wurden, und drei derselben sind noch im Gange. Auch prachtvolle Privatgebäude besaß R. im Menge und herrliche Gärten, von welchen namentlich die des Lucullus, des Sallust, Julius Cäsar und Mäcenas berühmt waren und in denen unermeßliche Kostbarkeiten und Kunstschätze prangten. Der Brand unter Nero vernichtete jedoch einen großen Theil der ältern Denkmale, und was er verschonte, ward zum Theil bei den wiederholten Feuersbrünsten, welche durch die Soldaten des Vitellius im I. 70, sowie beim Tode des Vespasian das Capitol verwüsteten, und bei andern Gelegenheiten schon vorher vernichtet, ehe R. 330 unter Konstantin dem Großen (s.d.) aufhörte, der Sitz der Regierung zu sein. Die Stadt, welcher Konstantin selbst einen Theil ihrer Kunstschätze entführte, ging nun immer schneller dem Verfalle entgegen. Die Eroberungen und Plünderungen durch die Westgothen unter Alarich (s.d.) im I. 410, durch die Vandalen (s.d.) im I. 455, und die Eroberung durch Belisar (s.d.) und Vertheidigung wider die Gothen waren natürlich mit wiederholten Verwüstungen verbunden. Darauf folgten die Parteikämpfe des Adels und der Bürger während des Mittelalters, wo die Häuser der großen Familien in feste Burgen verwandelt wurden und nirgend auf Schonung dessen gesehen ward, was sich etwa aus dem Alterthum erhalten hatte. Erst im 14. und 15. Jahrh. fing man an, die alten Kunstwerke zu sammeln, und Trümmer alter Gebäude aufzuräumen, wobei kostbare Funde gemacht wurden. Seit bald 1000 Jahren verschüttete und umgestürzte Obelisken (s.d.) und Säulen wurden wieder aufgerichtet, Paläste und prächtige Kirchen aufgeführt und mit den kostbarsten Überresten der alten, und den herrlichsten Werken der neuen Kunst ausgeschmückt, sodaß R. schon dadurch noch immer die merkwürdigste Stadt der Welt ist, obgleich es aufgehört hat, wie Jahrhunderte lang die Hauptstadt und der Mittelpunkt der vom Papstthum befangenen Christenheit zu sein. Aber keine andere hat aufzuweisen, was hier von erhabenen Überresten des Alterthums, von großen Werken der neuern Baukunst, der Bildhauerei und Malerkunst, und Merkwürdigkeiten der mannichfaltigsten Art vereinigt ist.

Das jetzige R. nimmt zwar so ziemlich die Stelle des alten ein, der am rechten Ufer des Tiber gelegene Theil hat jedoch an Umfang sehr zugenommen und am linken hat sich die Bevölkerung vorzüglich in der nördl. Gegend zusammengedrängt, während die südl. und östl. der alten Stadt ein verödetes und ländliches Ansehen hat und nur mit vereinzelten Kirchen, Klöstern und Gartenwohnungen besetzt ist. Neunzehn Thore führen in die Stadt, welche mit den Kapellen 500 Gotteshäuser, außerdem 364 eigentliche Kirchen zählt, von denen die St.-Johannis- oder Laterankirche die Pfarrkirche des Papstes ist und daher aller Kirchen der Stadt und der Welt Mutter oder Haupt heißt. Sie liegt am südöstl. Ende der Stadt, ist ein schönes, altes, von Konstantin aufgeführtes, aber seitdem vielfach und zum Theil nicht günstig verändertes Gebäude. Die Päpste wen den hier gekrönt, auch sind mehre Kirchenversammlungen darin gehalten worden. Im Hauptaltare, welchen vier vergoldete antike Säulen von Erz zieren, werden die Köpfe der Apostel Petrus und Paulus aufbewahrt. Vor derselben steht der größte von allen Obelisken in R., und ganz in der Nähe befindet sich die scala santa oder heilige Treppe, welche blos knieend erklimmt werden darf und die Marmorstiege sein soll, welche in den Palast des Pilatus zu Jerusalem führte. Die größte und prächtigste Kirche R.'s und der Erde und vielleicht das schönste vorhandene Gebäude, die Peterskirche, liegt auf dem rechten Tiberufer am Abhange des vaticanischen Hügels in der Gegend, wo sich die Gärten und Rennbahn des Nero befanden und auf dem Platze einer vom Kaiser Konstantin erbauten, im 15. Jahrh. abgebrochenen Kirche, an deren Stelle schon Papst Nicolaus V. im J. 1450 einen neuen Bau anfing, der aber bald liegen blieb. Die jetzige ward von 1506–1614 mit einem Aufwande von 64, nach Andern 82 Mill. Thlrn. von zwölf Baumeistern aufgeführt, von welchen Bramante der erste war. Unter seine Nachfolger gehörten auch Rafael und Michel Angelo, von welchem namentlich der Entwurf der 204 F. im Durchmesser haltenden Kuppel herrührt, welche von Della Porta in 22 Monaten vollendet wurde und für das kühnste Werk der neuern Baukunst gehalten wird. Das Kreuz auf derselben ist 487 F. über den Boden erhöht und übertrifft demnach um 39 F die höchste ägypt. Pyramide. Vier Pfeiler, von denen jeder 90 F. dick ist, tragen die Kuppel, welche ganz mit Mosaikarbeit verziert ist und sich in der Mitte der in Form eines lat. Kreuzes gebauten Kirche, gerade über dem freistehenden Hauptaltar befindet. Über diesem erhebt sich zunächst ein eherner Baldachin, welcher von vier ehernen, gewundenen Säulen von 122 F. Höhe getragen wird, die aus den Erzplatten gegossen worden sind, mit welchem das Pantheon gedeckt war. Unter dem Hauptaltare befindet sich eine Kapelle, wo die angeblichen Gebeine der Apostel Petrus und Paulus verwahrt werden; außerdem ziehen sich noch andere geräumige Gewölbe unter der Kirche hin, wo die Überreste der durch Nero als Märtyrer gestorbenen Christen ruhen sollen und die Grabstätten vieler Päpste und fürstl. Personen sich befinden. Die Länge der Kirche beträgt mit der Vorhalle [727] 666, ohne dieselbe 575 F., die Breite 284 F., die innere Höhe der Kuppel 340 F. Im Innern dieses erhabenen Tempels waltet eine solche Harmonie der Verhältnisse, daß sich alle seine Theile dem Auge erfreulich darstellen und man erst bei der Musterung des Einzelnen die Größe des Ganzen recht inne wird. Überaus groß ist auch der Reichthum an kostbaren Mosaik- und Bildhauerwerken, an Gemälden und andern Merkwürdigkeiten, welche das Innere der Kirche, die zahlreichen Kapellen und die Vorhalle zieren. Vor derselben befindet sich der länglichrunde, 550 F. breite und 712 F. lange, hier abgebildete prächtige Petersplatz, den zu beiden Seiten Säulengänge mit vier Reihen Säulen einschließen und in der Mitte ein ägypt. Obelisk und zwei Springbrunnen zieren. Am grünen Donnerstag und am Ostertag ertheilt hier der Papst dem versammelten Volke vom Balcon oder der Loggia über dem Haupteingange der Peterskirche aus, den Segen und am St.-Petersfeste und bei andern feierlichen Gelegenheiten werden Kuppel und Vorderseite, sowie die Säulengänge mit Lampen und Fackeln beleuchtet. Nächstdem gehört die Kirche Sta.-Maria Maggiore zu den schönsten R.'s auf dem viminalischen Hügel; 40 ionische Säulen von weißem griech. Marmor aus dem ehemaligen Tempel der Juno Lucina (welche den Gebärenden hülfreich war) tragen die flache Decke, welche mit dem ersten aus Peru nach Europa gebrachten Golde überzogen wurde. Auch hier befinden sich merkwürdige Mosaikgemälde und ein antiker Porphyrsarg bildet den Hochaltar; berühmt sind ferner an dieser Kirche die Sixtinische Kapelle, in welcher ihr Erbauer Papst Sixtus V. ruht, und die ihr gegenüber befindliche Borghesische, sowie die mit Marmor und Edelsteinen prangende Paul V. Auf dem Platze vor der Hauptseite steht eine schöne korinthische Marmorsäule aus dem ehemaligen Tempel des Friedens, welche jetzt ein vergoldetes Marienbild trägt und vor der andern ein ägypt. Obelisk. Am esquilinischen Hügel liegt die Kirche S. Pietro in vincoli, welche ihren Namen von den dort aufbewahrten Ketten hat, die Petrus einst als Fesseln getragen haben soll und die berühmte Bildsäule des Moses (s.d.) von Michel Angelo enthält. Wahrscheinlich aus einem heidnischen Tempel entstanden ist S. Stefano rotondo gleich S. Maria ad martyres (s. Pantheon); unter der Basilica des h. Sebastian befinden sich Katakomben vor der Porta Carpena. Überhaupt besitzen alle Kirchen R.'s Merkwürdigkeiten der Kunst oder des Alterthums und ganz besonders galt dies auch von der 1823 abgebrannten Paulskirche (Basilica di S. Paolo furi delle mura, außerhalb der Mauer), welche Konstantin der Große zuerst an der Stelle begründet haben soll, wo der Apostel Paulus angeblich beerdigt wurde. Nach ihrer ersten Zerstörung ward sie vergrößert hergestellt und war nach der Peterskirche die größte R.'s; so eifrig aber auch ihre Wiedererbauung mit Beibehaltung des brauchbar Erhaltenen betrieben ward, bleiben doch die zerstörten Kunstwerke und Alterthümer unersetzlich. Man gelangt zu ihr durch das Paulsthor, das nebenstehend von inwendig dargestellt ist und in dessen Nähe die 120 F. hohe Pyramide des Cestius, ein altröm. Grabmal, in der Stadtmauer steht, [728] außerhalb welcher am Fuße der Pyramide der Begräbnißplatz der Protestanten liegt. Rechts auf dem Bilde ist einer der in Italien umherziehenden Amuletverkäufer mit seinem Aushängeschilde, einem wächsernen Heiligen, vorgestellt, durch [729] dessen Berührung die Amulete schutzkräftig geworden sein sollen, welche er den Umstehenden und ihrem Aberglauben anpreist.

Die Anzahl der röm. Paläste beläuft sich auf mehr als 120, und der vornehmste derselben, der Vatican, hat einen so ungeheuern Umfang, daß er passend einer Stadt für sich verglichen wird. Er dient jetzt hauptsächlich zur Aufbewahrung unvergleichlicher Sammlungen von Denkmalen des Alterthums und von Kunstwerken, sowie der vaticanischen Bibliothek (s. Vatican), und enthält auch die von Sixtus IV. 1473 erbaute Sixtinische Kapelle, in welcher sich Michel Angelo's berühmtes Bild des jüngsten Gerichts befindet und wo jährlich in der Charwoche jene berühmten Musikaufführungen stattfinden. Seit längerer Zeit wird nämlich der abgelegenen und ungesunden Lage wegen der Vatican nicht mehr von den Päpsten bewohnt, die vielmehr im quirinalischen Palaste residiren, welcher gegen die Mitte R.'s hoch auf dem quirinalischen Berge liegt und schöne Gärten hat. Von Papst Paul III. 1540 angelegt, von dessen Nachfolgern vielfach verändert, mangelt es ihm zwar nicht an Umfang, wol aber an Übereinstimmung seiner Theile. Vor demselben stehen ein ägypt. Obelisk und zu beiden Seiten desselben zwei ausgezeichnete Marmorgruppen, welche rossebändigende Jünglinge von übernatürlicher Größe vorstellen und aus den ehemaligen Bädern Konstantin's herrühren. (S. Koloß.) Übrigens wird von ihnen der ganze Berg auch Monte Cavallo, d.i. Pferdeberg, genannt. Der dritte sonst päpstl. Palast, der Lateran, welchen Sixtus V. neu aufführen ließ, ist seit langer Zeit ein Armen- und Waisenhaus. Andere ausgezeichnete Paläste, die zum Theil dicht neben elenden Hütten sich erheben, sind die der apostolischen Kanzlei, das Capitolium (s.d.), der Palast der Conservatoren oder des Stadtmagistrats und der venetianische Palast, oder das gegenwärtige Akademiegebäude; ferner der Barberini'sche und der Farnese'sche Palast, die Paläste: Borghese, Albani, Altieri, Colonna, Chigi, Pamfili, Mattei, welche sämmtlich mehr und minder wichtige Sammlungen von Alterthümern und Kunst, werken aufzuweisen haben. Dasselbe gilt auch von vielen der Sommerpaläste, welche Villa heißen und von denen die jetzt der franz. Malerakademie eingeräumte Villa Medici und Villa Ludovisi auf dem pincischen Berge, die Villa Mattei auf dem cölischen, die Villa Negroni auf dem esquilinischen; die Villa Spada und die hier dargestellte Villa Farnese auf dem palatinischen Berge, sollten besondern Ruf haben. Seit die letztere jedoch durch Erbschaft an den neapol. Hof gekommen, ist sie ganz vernachlässigt und die verwilderten Gärten werden nur noch der zahlreichen, aber wenig bedeutsamen Ruinen der alten Kaiserpaläste wegen besucht. Die Villa di Malta gehört dem Könige von Baiern. Andere ausgezeichnete Villen liegen in der nächsten Umgegend R.'s, wie die Villa Albani, die Villa Borghese und die Villa Pamfili. Von den zum Theil nur kurze Zeit im Jahre geöffneten elf Theatern sind die d'Aliberti, Apollo und della Valle die nornehmsten; Brücken über die Tiber gibt es noch drei, von welchen die jetzige schöne Engelsbrücke (sonst Pons Aelius) vom Kaiser Hadrian erbaut ward und drei große und zwei kleine Bogen hat; der Ponte di quatro capi führt von der Morgenseite auf die kleine Tiberinsel, hieß sonst pons Fabricius und wurde 64 v. Chr. von Fabricius erbaut; von Abend her gelangt man auf die Insel über die St.-Bartholomäusbrücke; der Ponte Sisto ward nach Zerstörung der früher an ihrer Stelle bestandenen Pons Janiculensis vom Papste Sixtus IV. hergestellt; schon außerhalb der Stadt liegt in der Nähe der Engelsburg der ehemalige Poas Milvius. jetzt Poate molle, welche M. Ämilius Scaurus in der Zeit nach Sulla erbaute. Von öffentlichen Plätzen, zu deren eigenthümlicher Zierde schöne Springbrunnen gehören, sind außer den gelegentlich schon genannten noch anzuführen: die Piazza Navona, des alten R.'s Circus agonalis, mit der prachtvollsten Fontaine, die ein Obelisk und vier kolossale Bildsäulen zieren, welche die vier Hauptflüsse darstellen. Der in der Mitte vertiefte Platz wird im Sommer daraus zuweilen unter Wasser gesetzt, in welchem sich dann Wagen und Reiter zur Kurzweil herumtreiben; der Platz vor dem Pantheon; der span. Platz in einer für sehr gesund gehaltenen Stadtgegend, an welchem die vornehmsten Gasthöfe liegen und von dem aus eine herrliche Treppe zu der Kirche Trinità de' Monti führt. Die Piazza del Popolo, von der vorstehend eine Ansicht, liegt dicht am Thore del Popolo, dem nördlichsten von allen, welches bei den Alten Porta Flaminia hieß und durch das alle aus Norden kommende Fremde die Stadt betreten. Den gleichnamigen Platz schmücken ein Obelisk, zwei Springbrunnen und zwei halbkreisförmige Einfassungen mit Bildsäulen; von seiner Südseite aus erstrecken sich, durch zwei Kirchen von ähnlicher Bauart geschieden, drei Straßen bis in die Mitte der Stadt, westl. die Strada di Ripetta, östl. die Strada del Babuino, die mittlere aber ist der Corso, wo sich des Abends die vornehme Welt zu Wagen und zu Roß einfindet und der Hauptschauplatz der Carnevalslust. (S. Fastnacht.) Außerdem zeichnen sich noch aus die Strada Felice oder delle quattro Fontane, die Strada di Porta Pia, welche von der Porta Pia zum Quirinal führt und die vorige durchschneidet, und la Lungara in dem meist von übelberüchtigtem Volke bewohnten Stadttheile Trastevere. Öffentliche Spaziergänge sind wenige vorhanden, werden aber von den Römern auch nicht vermißt und beschränken sich auf die Gärten der in der Stadt gelegenen Villen, einige Alleen und die Prati del Popolo romano, eine mit Bäumen bepflanzte Wiese in der Nähe des Monte Testaccio, welche für das Volk eingerichtet ist.

Von Bildungsanstalten bestehen in R. eine Universität, welche von der lat. Inschrift ihres prachtvollen Hauptgebäudes Collegium della sapienza genannt wird, das von den Päpsten Innocenz IV. 1245, Bonifaz VIII. 1303 und Clemens VI. 1311 begründet und angebaut wurde. Theologie, Philosophie, Medicin, die Rechte, schöne Wissenschaften und Sprachen werden an derselben gelehrt, und die letztern sind auch ein Hauptgegenstand des Unterrichts im Collegium de propaganda fide (zur Verbreitung des Glaubens). (S. Propaganda.) Von mehren andern Collegien wird das Collegio romano von den Jesuiten geleitet; die zahlreichen Vereine und Gesellschaften für die Naturwissenschaften, für Poesie, Alterthumsforschung und Kunst führen meist den Namen von Akademien. Bei dem weit hinter dem Standpunkte der Bildung in den aufgeklärtern europ. Ländern zurückgebliebenen Geiste der päpstl. Regierung ist jedoch die Wirksamkeit jener Anstalten ihrer Zahl und Ausstattung keineswegs entsprechend. Dagegen bieten die öffentlichen und Privatsammlungen von Alterthümern und Kunstgegenständen, die Bibliotheken und der classische Boden mit seinen Überresten aus der Zeit röm. Größe einen unerschöpflichen Stoff und haben seit Jahrhunderten Forscher und Freunde von Alterthum und Kunst nach R. geführt, sowie dasselbe zur Hauptschule für Baumeister, Bildhauer und Maler gemacht. Unendlich mehr Fremde werden indeß fortwährend von der bloßen Schaulust, zum Carneval und auch von religiösen Beweggründen, namentlich zu den Festlichkeiten der h. Woche, zum Fronleichnamsfeste und in den Jubeljahren (s.d.) nach R. gezogen und diese Besuche gehören zu den Haupterwerbsquellen der Bevölkerung; denn weder der Handel noch der Fabrikfleiß sind bedeutend, doch hat der letztere einige Erzeugnisse von vorzüglicher Güte aufzuweisen, wohin Gold- und Silberarbeiten, Darmsaiten und einige Malerfarben gehören. Berühmt sind auch die röm. Mosaikarbeiten und die Abgüsse geschnittener antiker Steine in Glaspasten. Für Kunstbildung bestehen die röm. Malerakademie di S.-Luca, die lombard.-venetian. Akademie als höhere Anstalt der Akademien zu Wien, Mailand und Venedig im venetianischen Palaste, die schon erwähnte franz. und eine engl. Akademie der Künste; ferner eine neapolit. Akademie, eine Anstalt für Civilbaukunst u.a.m. Die Anzahl der in R. sich aufhaltenden fremden Künstler wird auf 200 geschätzt. Zahlreich sind auch die milden Stiftungen, von welchen das h. Geistspital (Hospital St.-Spirito) 1000 Kranke aufnimmt und zugleich Findel- und Irrenhaus ist, und das Hospital der Fremden (de'peregrini) für 2000 Kranke Raum hat. Außerdem gibt es noch viele Erziehungs- und Krankenhäuser und ein Taubstummeninstitut. Die öde Umgegend R.'s führt den Namen Campagna di Roma. Vom Jul. bis Oct. ist für Fremde vorzüglich der Aufenthalt in R. sehr ungesund und sie werden dann leicht von gefährlichen gastrischen Fiebern befallen, daher in dieser Zeit nur wenige dort verweilen.

Quelle:
Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839., S. 725-732.
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