Rom [1]

[242] Rom (Roma, a. Geogr. u. Topogr.), Stadt in Latium in Unteritalien, am linken u. zum Theil am rechten Ufer des Tibris auf sieben (od. vielmehr 10) Hügeln gebaut, daher die Siebenhügelstadt (Roma septicollis). Nach der Sage wurde R. 754 od. 753 v. Chr. von Romulus gegründet u. später der 21. April durch das Fest der Palilien (s. Pales) als der Gründungstag gefeiert (welcher Tag auch jetzt noch in gelehrten Kreisen in Rom festlich begangen wird). Schon früher sollte aber auf dem Capitolinus eine Niederlassung von Latinern gewesen sein u. die Stadt von ihrem Beherrscher Saturnus den Namen Saturnia gehabt, nachher, als sich Euander dort niederließ, wegen einer Erweiterung auf den Palatinus hin, den Namen Palantium (Palatum) erhalten haben. Der Name R. selbst soll von Romulus herstammen; And. leiteten ihn von dem griechischen Rhome, die Stärke, her, womit die unter Euander hier angesiedelten Griechen den lateinischen Namen Valentia, einen andern Namen statt Palantium, übersetzt haben sollen; nach And. kam der Name R. von Ruma, altitalisch so v.w. Brust, weil an dem Gründungsorte Romulus u. Remus an der Brust einer Wölfin ernährt worden wären. Die erste Stadt des Romulus auf dem Palatinus, umgeben von Mauer u. Graben u. dem an der erstern sich hinziehenden, durch Grenzsteine (Cippi) bezeichneten, aller menschlichen Benutzung entzogenen Pomörium (s.d.), hatte eine viereckige Gestalt (daher Roma quadrata) u. war sehr klein. Durch die nach R. übersiedelnden Sabiner kamen noch die Hügel Capitolinus u. Quirinalis u. unter den folgenden Königen der Cölius, Aventinus, Viminalis u. Esquilinus hinzu. Die Stadt in dieser Ausdehnung umgab Servins Tullius mit einer neuen Mauer (Servianische Mauer), welche jedoch nicht über die Berge ging, sondern an deren Fuß aufhörte; auch ließ er auf der Ostseite einen Graben (Agger) ziehen, welchen Tarquinius I. vollendete. Die so befestigte Stadt theilte Servius in vier Regionen (Suburana, Esquiliae od. Esquilina, Collina u. Palatium). Die einst unter Romulus nur aus Flechtwerk u. Lehm bestehenden u. mit Stroh bedeckten Gebäude wichen allmälig solchen aus Luftziegeln gebauten u. mit Schindeln gedeckten. Im Jahr 390 v. Chr. wurde R. von den Galliern verbrannt u. darnach sehr rasch, aber unregelmäßig u. mit engen u. winkeligen Gassen wieder aufgebaut. Die Verschönerung der Stadt u. der Bau stattlicher u. bequemer Häuser begann erst seit dem 2. Jahrh. v. Chr., nachdem die Römer in den Kriegen mit den Macedoniern, Syrern u. bes. mit dem Achäischen Bunde griechischen Baustyl kennen gelernt u. in diesen u. den Punischen Kriegen reiche Geldmittel erworben hatten. Nachdem seit 174 v. Chr. die ganze Stadt mit Quadern gepflastert worden war u. schon Sulla die öffentlichen Gebäude nach griechischem Geschmack bauen zu lassen angefangen hatte, fuhr Augustus in großem Maßstabe darin fort, so daß er sich rühmen konnte, er habe die ziegeln erhaltene Stadt marmorn hinterlassen. Er theilte auch die Stadt in 14 Regionen (s. unten). Ungeachtet der Schönheit der öffentlichen Gebäude waren die der Privaten sehr schlecht, auch die alte Anlage der Gassen war geblieben; um nun die Stadt zu verschönern, griff der Kaiser Nero zu dem kurzen Mittel u. ließ sie 64 n. Chr. niederbrennen; innerhalb 6 Tagen fiel der größte Theil in Asche, aus welcher sie nach kaiserlicher Verordnung wieder so aufgebaut wurde, daß die Gassen breiter u. in gerader Richtung angelegt, die Häuser aber aus Stein errichtet werden mußten. Die nun immer vergrößerte Stadt umgab endlich Aurelian mit einer dritten Mauer (Aurelianische Mauer), welche auch die Hügel Janiculus, Pincius u. Vaticanus mit einschloß. Durch die Erweiterung der Mauer wurde auch jedesmal das Pomörium hinausgerückt. In der Blüthezeit war R. 2 geographische Meilen groß, hatte gegen 48,000 Häuser u. nahe an 1 Mill. Einwohner.

Die sieben, zuletzt 10 Hügel (Montes, Colles) worauf R. erbaut war, hießen: Capitolinus mons (früher Saturnius m.), nach dem darauf gelegenen Capitol genannt, der kleinste von allen. Er bestand aus vier Theilen, dem Clivus capitolinus, dem Intermontium, der südwestlichen Spitze des Capitols mit der Rupes tarpejä (Tarpejischer Fels) u. der nordöstliche Arx. Um ihn lagen die übrigen; zunächst südöstlich der Palatinus mons, dessen Nordwestseite Germalus hieß, nach Nordost stieß daran die Höhe Velia, welche der höchste Theil Roms war. Wieder südöstlich von diesem lag der Coelius mons (angeblich früher Querquetulanus genannt); Tullus Hostilius zog diesen Hügel zur Stadt u. Tiberius nannte ihn Augusteus mons, später hieß er der Lateranensische Hügel, östlich stieß daran der Coeliolus (Coeliculus) collis. Südwestlich vom Palatinus der Aventinus mons, zwischen ihm u. dem Palatinus die Vallis Marcia. Nordöstlich vom Capitolinus lag der Quirinalis collis, Servius Tullius zog ihn zur Stadt; die nördlichste Anhöhe auf ihm hieß Collis salutaris; südöstlich von diesem u. durch die Vallis Quirini geschieden der Viminalis collis, welchen Servius Tullius zur Stadt zog, u. weiter südöstlich von diesem der Esquilinus mons (Esquiliae), dieser hatte nach Westen zwei Vorsprünge, von denen der nördliche Cespius mons u. der südliche Oppius mons hieß. Der Capitolinus, Palatinus, Aventinus u. Cölius waren ganz von einander durch Thäler geschiedene Hügel u. treten auch jetzt noch scharf u. deutlich hervor, während der Esquilinus, Viminalis u. Quirinalis sich in einen Rücken vereinigten u. jetzt als eine zusammenhängende Hochebene erscheinen. Erst durch Aurelian wurden noch die drei folgenden zur Stadt gezogen: der Pincius mons, nördlich vom Quirinal, Anfangs nur mit Gärten besetzt (daher Collis hortulorum); j. Berg der heiligen Dreifaltigkeit. Diese acht Hügel lagen auf dem linken Ufer des Tibris, auf dem rechten lagen: der Janiculus (wegen seines glänzenden Sandes Mons aureus, daraus j. Montorio); Ancus Marcius hatte ihn zum Schutz der Stadt gegen die Etrusker befestigt u. mit einer besondern Mauer umzogen. Nördlich vom Janiculus lag endlich der Vaticanus mons, in alter Zeit wegen der ungesunden Luft nicht bewohnt. Verbunden waren die jen- u. diesseits des Tibris liegenden Stadttheile durch sieben (acht) Brücken (Pontes); von Norden nach Süden waren sie: Pons Aelius (P. Adrianus, jetzt Engelsbrücke, Ponte S. Angelo), führte vom Campus Martius nach dem Sepulcrum Hadriani, erbaut durch Messius Rusticus vom Kaiser Hadrian. Die in den italischen Kriegen zerstörte Brücke wurde durch die Päpste Nicolaus V. 1450 u. Clemens IX. 1668[243] wieder hergestellt. Pons Neronianus (P. Vaticanus, P. triumphalis), 370 n. Chr. vollendet, führte vom Campus Martius nach dem Vaticanus m. u. den Gärten des Caligula u. Nero; j. Trümmer bei S. Spirito. Pons Aurelius (P. Janiculensis, Antoninus), führte vom Campus Martius nach dem Janiculus; zerstört, erbaute sie Marc Aurel von Marmor wieder auf, 1475–79 wurde sie vom Papst Sixtus IV. ganz neu im Römischen Styl aufgebaut, j. Ponte Sisto. Pons Fabricius, führte auf die Tiberinsel, erbaut 62 v. Chr. von L. Fabricius, 1680 vom Papst Innocenz XI. erneuert, j. Ponte quattro capi. Pons Cestius (P. Gratianus), erbaut vom Consul C. Cestius 35 n. Chr., führte von der Tiberinsel nach dem Janiculus; j. Ponte S. Bartolommeo. Pons senatorius (P. Palatinus), führte vom Forum romanum nach dem Janiculus; die erste steinerne Brücke in Rom, 127 v. Chr. von M. Fulvius Flaccus erbaut; nach mehrern Beschädigungen u. Ausbesserungen 1598 zerstört, darum j. Ponte Rotto. Pons sublicius (P. Aemilius), die älteste hölzerne Brücke Roms, die unterste stromabwärts von Ancus Martius um 638 v. Chr. gebaut, führte vom Aventinus in das Thal unter dem Janiculus. P. Probi (P. marmoreus Theodosii), wahrscheinlich am Aventinus. Nördlich von P. Aelius, außerhalb der Stadt, lagen noch Pons milvius od. mulvius, 11/2 Meile von R. auf der Flaminischen Straße, zur Zeit Sullas erbaut, von Augustus erneuert; j. Ponte molle; u. der P. triumphalis.

Die Thore (Portae) waren verschieden nach der Zeit, namentlich nach den drei Mauern der Stadt. Das alte R. auf dem Palatinus hatte drei (od. vier) Thore: Porta Mugionis (P. Mugonia) auf der Nord- u. Porta Romanula (P. Romana) auf der Westseite des Palatinus, die P. trigonia war wohl auf der Südseite; die P. Pandana (P. Saturnia) sucht man auf der Südseite des Capitolinus. In der Servianischen Mauer waren folgende Thore auf der Nordseite vom Tibris nach Osten zu: P. Flumentana, P. Carmentalis (hatte zwei Bogen, von denen der rechts später P. scelerata hieß, seitdem die 300 Fabier durch dasselbe gezogen waren); P. Ratumena (zwischen Capitolinus u. Quirinalis), P. Fontinalis, am westlichen Abhang des Quirinalis, nördlich darüber P. Sangualis, nordöstlich davon P. Salutaris, später P. Pinciana genannt, auf der Ostseite. In dem Wall waren von Norden nach Süden P. Collina (P. Agonensis), P. Viminalis, welche nach dem Viminalis führte; P. Esquilina, welche nach dem Esquilinus führte (gewöhnlich geschlossen, nur geöffnet, wenn ein Verbrecher zur Hinrichtung abgeführt wurde); P. Querquetulana (P. querquetularia), vor der Südostspitze des Esquilinus, P. Coelimontana; auf der Südseite: P. Capena, aus Marmor, auf dem südlichen Abhang des Cölius, führte zur Appischen Straße. Am Aventinus P. Lavernalis, P. Raudusculana, P. Naevia; auf der Westseite von Süden nach Norden : P. navalis, am westlichen Abhang des Aventinus; P. trigemina, nahe am Tibris (so genannt, weil durch dasselbe die drei Horatier zum Kampfe gegen die Curiatier gezogen waren). Andere Thore sind ihrer Lage nach nicht zu bestimmen. In der Aurelianischen Mauer: auf der Nordseite die P. Aurelia (später St. Peterskloster) welche zum Pons Aelius führte; P. Pinciana (P. Belisaria), wurde später zugemauert, P. Salaria; P. Nomentana (P. Ficulnensis), welche auswärts nach Nomentum u. in der Stadt nach der P. Collina in der Servianischen Mauer führte; auf der Ostseite: P. Tiburtina (im Mittelalter P. Taurina), durch welche man nach Tibur ging, nach der Stadt zu führte sie zur alten P. Esquilina, j. Porta S. Lorenzo; P. Praenestina (P. Labicana u. P. maior), führte nach Präneste, j. Porta Maggiore. Auf der Südseite: P. asinaria, im Mittelalter P. Lateranensis, ziemlich der P. Coelimontana in der Servianischen Mauer entsprechend, j. Porta S. Giovanni; zwischen dem Cölius u. Aventinus die P. Metronii od. P. Metrovia (jetzt nicht mehr). Der P. Capena in der Servianischen Mauer entsprachen die P. Latina (j. vermauert) u. P. Appia, beide nach den Straßen genannt, auf welche, schon innerhalb der Stadt getheilte, sie führten; westlich davon war wahrscheinlich die P. Ardeatina, der P. Lavernalis entsprechend, mit welcher sie Einige für dieselbe hatten; P. Ostiensis, durch welche man nach Ostia kam, j. Porta S. Paolo. Jenseit des Tibris am Janiculus P. Portuensis, auf der Südseite (j. Porta Portese), P. Aurelia (P. Paueratlana u. im Mittelalter P. aurea), am westlichen Abhang des Janiculus, j. Porta S. Pancrazio; P. Septiminiana, auf der Nordseite. Außerdem kommen mehre Namen von Thoren vor, welche theils gar keine Stadtthore, theils vulgäre od. spätere Namen von den oben angeführten Thoren waren, so P. stercoraria am Clivus Capitolinus, die P. Libitinensis am Amphitheater; blose Durchgänge, z.B. P. Janualis, so v.w. Janus geminus; die P. triumphalis, welche man sonst als wirkliches, aber gewöhnlich geschlossenes u. nur für Triumphzüge geöffnetes Stadtthor zwischen der P. Flumentana u. Carmentalis angibt, war wahrscheinlich blos ein Triumphbogen im Campus Martius. Die P. Romana scheint der vulgäre Name einer Wasserleitung gewesen zu sein.

Die 14 Stadttheile (Regiones), worein Augustus die Stadt theilte, waren: I. Porta Capena, im Südosten vor der Porta Capena; II. Coelimontium, im Nordosten der vorigen, begriff den Cölius; III. Isis et Serapis, im Nordwesten der vorigen, zwischen dem Cölius, Palatinus u. Esquilinus; IV. Via sacra, im Nordwesten der vorigen, zwischen dem Esquilinus, Viminalis u. Quirinalis; V. Esquilina cum colle Viminali, im Nordosten der vorigen, umfaßte den ganzen Esquilinus u. Viminalis; VI. Alta semita, im Nordwesten der vorigen, begriff den Quirinalis; VII. Via lata, im Westen der vorigen, zwischen dem Quirinalis u. Campus Martius; VIII. Forum romanum, im Süden der vorigen, umschloß das Thal zwischen dem Palatinus u. Capitolinus nebst dem letztern; IX. Circus flaminius, der größte, im Nordwesten der vorigen, begriff den Campus Martius bis zum Tibris; X. Palatium, durch VII. u. VIII. von der vorigen getrennt, begriff den Palatinus; XI. Circus maximus, im Südwesten der vorigen, zwischen Palatinus, Aventinus u. Tibris; XII. Piscina publica, im Südosten der vorigen, klein aber sehr volkreich, da hier wenig öffentliche Gebäude waren; XIII. Aventinus, im Nordwesten der vorigen, umschloß den Aventinus; XIV. Transtiberina, auf dem rechten [244] Ufer des Tibris, umfaßte die Tiberinsel, das Thal zwischen dem Tibris u. dem Janiculus nebst einem Theil dieses Flusses. Die Tiberinsel war nach u. nach durch Anschwemmung entstanden u. erhielt durch Kunst die Gestalt eines Schiffes u. eine solche Festigkeit, daß sie angebaut werden konnte. Sie hieß auch die Heilige Insel (Insula sacra), weil der von Epidauros nach R. geholte Äsculapius als Schlange hier ans Ufer sprang u. daselbst einen Tempel erhielt. Sie war das ganze Jahr grün u. der Venus geweiht. Mit der Stadt war sie durch mehre Brücken verbunden (s. oben).

Gassen od. Straßen hatte R. 215, theils breite u. größere (Viae, Vici), theils enge u. kleine (Angiportus), auch mehre Sackgassen (Fundulae); die namhaftesten waren: in der 1. Region Vicus Honoris, von dem Tempel der Ehre genannt; Vicus Sulpicius citerior, innerhalb des Capenischen Thors, u. Vicus Sulpicius ulterior, über dem Thor draußen; Vicus Camoenarum, V. pulveratius, V. Drusianus, V. Fortunae obsequentis, V. trium ararum; in der 2. Region Vicus Africus (nach And. in der 5. Region), wo die im ersten Punischen Kriege gegebenen Geißeln der Carthager aufbewahrt worden sein sollen; Caput Africae; in der 3. Region waren acht; in der 4. ebensoviel, unter denen die Via sacra (heilige Straße, weil hier Romulus das Bündniß mit den Sabinern geschlossen haben sollte), sie ging, vom Amphitheater anfangend, durch die benachbarten Gärten, durch das Forum Caesaris, nach dem Capitolium, zwischen dem Esquilinus u. Cölius sich hinziehend; der Vicus Cyprius, führte vom Forum nach dem Esquilinus u. war von Sabinern bewohnt; der obere Theil hieß Vicus sceleratus, weil hier Servius Tullius getödtet worden u. seine Tochter über den Leichnam des Vaters gefahren war; Vicus Sandalarius (nach dem Apollo Sandalarius genannt, dessen Bildsäule hier stand); hier hatten die Schuhmacher u. Buchhändler ihre Läden; Subura, zwischen Esquilinus, Quirinalis u. Viminalis, sehr frequent, mit vielen Kaufläden u. Bordellen; in der 5. Region waren 15, darunter: Vicus lateritius, V. tragoedus, V. Palloris, V. ustrinus (wo Anfangs die Leichen verbrannt wurden), V. patricius, im Thal zwischen dem Viminalis u. der schmälern Zunge des Esquilinus, wo nach dem Befehl des Servius die Patricier wohnten; in der 6. Region waren 12, darunter: Vicus longus, zwischen dem Quirinalis u. Viminalis; V. Fortunarum (weil dort drei Tempel der Fortuna standen), V. Mamuri, V. Quirini; in der 7. Region waren nach Victor 10, nach Rufus 40 Vici, darunter: Via lata, führte von der Nordspitze des Capitolium u. der Porta Ratumena nach der P. Flaminia, woher ihre Fortsetzung Via Flaminia hieß; Vicus Aemilius (wo das Feuer unter Neros Regierung ausbrach), V. Gentianus, V. Archemorius, V. felix, V. Isidis, V. Ganymedis, V. sigillarius, V. caprarius; in der 8. Region waren u.a.: V. jugarius (vom Altar der Juno Juga genannt), von der Porta Carmentalis nach dem Forum, V. Mamertinus, V. Tuscus, schloß sich südlich an den vorigen an, neben der Via nova parallel laufend, auf ihm waren viel Kaufläden; in der 9. Region Vicus Jani, in der 10. V. curiarum u.a., in der 11. V. piscatorius (welche von dem Tibris nach dem Fischmarkte führte), Vianova, führte am Westabhange des Palatinus von der Porta Romulana nach den, Forum; in der 12. V. piscinae publicae, V. portae Naeviae, in der 13. V. Fortunae dubiae, V. Minervae u.a., in der 14. V. Cajanarum.

Große Plätze (Campi): Campus Martius (auch Campus ohne weitern Zusatz), das größere Marsfeld (IX.) (Die eingeschlossenen römischen Zahlen bezeichnen die Region, in welcher die Plätze, Tempel, Gebäude etc. liegen.), nach einem daselbst befindlichen Marstempel benannt, zwischen dem Capitolinus u. Pincius u. von dem sich hier sehr krümmenden Tibris umflossen. Hier wurden schon unter Servius Tullius bei der Ara Martis die Comitia centuriata gehalten, wobei die Abstimmung in der Septa (s.d.) geschah, u. das erste Lustrum gefeiert; Tarquinius II. eignete es sich als Ackerland zu; unter den ersten Consuln erhielt das Volk das Marsfeld wieder zum vorigen Gebrauche. Seitdem wurden auch öffentliche u. gymnastische Übungen hier veranstaltet, Truppen gemustert u. ausgehoben u. alle größeren Volksversammlungen u. die feierlichsten Leichenverbrennungen gehalten. Nach u. nach schmückten prächtige Tempel den Platz (noch jetzt Ruinen übrig). Der südliche Theil dieses Platzes hieß nach Ein. C. Tiberinus od. C. minor u. der südlichste C. Flaminius, um den Circus Flaminius; C. Agrippae (VII.), östlich vom Marsfelde, wo sich das Volk vor den auf dem Marsfeld vorzunehmenden Wahlen u. Abstimmungen versammelte; nördlich von der jetzigen Piazza degli Apostoli; C. figulinus (Töpferfeld), auf dem Aventinus; C. esquilinus (V)., vor der Porta Esq uilina u. am Servianischen Wall, Hinrichtungsplatz u. Beerdigungsplatz für Arme, Verbrecher u. Sklaven; C. sceleratus (VI.), hinter dem Quirinalis, nordöstlich von der Porta Collina, innerhalb der Servianischen Mauer, wo der Platz war, in welchen die der Unkeuschheit überführten Vestalinnen lebendig begraben wurden. C. rediculus, 2000 Schritte vor der Stadt auf der Via Appia, weil Hannibal bis hierher gekommen u. dann zurückgekehrt sein sollte, u.m.a. Marktplätze (Fora), welche, im Gegensatz zu den Campi, gepflastert waren: Forum romanum (F. magnum, VIII.), das älteste, südlich vom Palatinus, westlich vom Capitolinus begrenzt (in alten Zeiten nur von der Via sacra bis an den Capitolinus reichend), 630 Pariser Fuß lang u. 190–110 Fuß breit; schon Romulus bestimmte diesen Platz zu Volksversammlungen u. Tarquinius I. ließ Hallen um ihn herum anlegen, welche nachher mit Statuen geziert wurden; jetzt heißt der Platz Campo Vaccino. F. Caesaris (E. Julium, VIII.), von Cäsar angelegt, nordöstlich neben dem F. romanum, weil dieses die Menge der Geschäfte Treibenden nicht faßte; mit Tempel der Venus Genetrix, Bildsäule der Kleopatra u. in der Mitte die vergoldete Reiterstatue Cäsars; F. Augusti (VIII.); von Augustus nordöstlich vom F. romanum angelegt, auf beiden Seiten mit Hallen eingefaßt, worin die Bildsäulen der berühmtesten Triumphatoren aufgestellt waren, an der dritten Seite der Tempel des Mars ultor, auf der vierten der Palast des Augustus; Hadrian ließ es erneuern. Diese drei Fora waren zu gerichtlichen Handlungen bestimmt; F. Nervae (Transitorium, Pervium, IV.), nordöstlich vom Großen Markt, am Quirinalis, von Domitian begonnen u. von Nerva vollendet; F. Trajani (VIII.), nördlich vom F. romanum, hier die Columna Trajani[245] u. noch viele kolossale metallne Statuen, die Basilica Ulpia, Trajans Palast, metallne Reiterstatue u. Triumphbogen; jetzt hier die Kirche Sta. Maria di Loretto; F. boarium (Rindermarkt, XI.), am Palatinus, neben dem Circus maximus, mit einem Stier aus Erze, daher sein Name, od. vom Verkauf der Rinder daselbst; hier ließen die Römer bei bevorstehenden, gefährlichen Kriegen u. bei Entdeckung der Unkeuschheit einer Vestalin Menschen als Sühnopfer lebendig begraben; F. piscarium (IX.), am Tibris, neben dem F. olitorium, wo wohl Seefische verkauft wurden, u. das neuere F. piscatorium (VIII.), im Gebiet der Lautumiae, wo wohl Flußfische verkauft wurden; F. pistorium, Brodmarkt bei den Kornmagazinen; F. olitorium (IX.), Gemüsemarkt, zwischen dem Tibris, dem Marcellischen Theater u. der Porta Flumentana. Hier wurden die Güter der Proscribirten zum Verkaufe ausgerufen u. hier war die Columna lactaria (s. unten S. 251); F. cupedinis, an der Via sacra, wo Backwerk verkauft wurde. Ein Marktplatz, wo Lebensmittel verkauft wurden, hieß auch Macellum. F. suarium, Schweinemarkt, am Quirinalis, bei der jetzigen Kirche S. Nicolo; hier zwei metallne Pferde des Tiridates. Andere große Plätze u. Districte der Stadt waren das Velabrum, Platz zwischen dem Palatinus u. Capitolinus; hier soll Anfangs ein Sumpf od. See gewesen sein, auf welchem man mit Kähnen zu dem Aventinus kam; als dieser Sumpf ausgetrocknet u. Häuser hierher gebaut wurden, entstanden Plätze, von denen der eine Vel. majus, an dem Ufer des Tibris, zur 11. Region, der andere Vel. minus, am Rindermarkt, zur 8. Region gehörte; zwischen beiden lag der Fischmarkt. Öl, Eßwaaren u. allerhand Bedürfnisse der Üppigkeit waren hier feil. Der Hafen- u. Handelsplatz (Emporium) war zwischen dem Aventinus u. Tibris. Die Velia, eine Anhöhe am Forum, welche sich vom Palatinus nach dem Esquilinus hinzog; die Carinae, der südwestliche Theil des Esquilinus, mit Häusern vieler vornehmer Römer; das Aquimelium, ein Platz am östlichen Fuße des Capitolium, wo später Opferlämmer verkauft wurden; das Argiletum, ein Platz wahrscheinlich an der Südspitze des Quirinalis; daneben die Lautumiae. Andere freie u. nicht angebaute kleinere Plätze (Areae) waren in mehren Gegenden der Stadt, z.B. Area Apollinis, dem Apollo gewidmet, mit Myrons ehernen Kühen geschmückt; A. Galli, mit der, den Galliern abgenommenen Beute geziert; A. Septimiana, vom Kaiser Septimius Severus angelegt; das Vulcanale, aus der Zeit des Romulus, an der Nordseite des Marktes, mit der Curie des Hostilius u. dem Tempel der Concordia etc. Von dem Comitium, Graecostadium, der Graecostasis u. den Senacula s. unten S. 248.

Von den Gebäuden Roms sind zuerst die öffentlichen zu nennen. Die Burg od. Citadelle (Arx) auf dem Capitolinus war ursprünglich auf dem nordöstlichen Gipfel (j. Höhe von Aracelli), während später das ganze Plateau befestigt war u. innerhalb der Befestigung auf der Westseite auch der Capitolinische Tempel des Jupiter lag; der Platz, auf welchem dieser stand, hieß das Capitolium (j. Höhe Caffarelli). Dieser Tempel, vom König Tarquinius I. begonnen u. in den ersten Jahren der Republik vollendet, bestand aus drei Kapellen (Cellae), durch Mauern geschieden; in der Mitte die Celle Jupiters, links die der Juno, rechts die der Minerva; er war mit den äußern Säulenreihen (auf beiden Seiten u. am Hintertheile zwei, vorn drei), 200 Fuß lang, 158 Fuß breit; das metallne Dach ließ Q. Catulus vergolden; den Giebel zierte eine Quadriga, Anfangs von Thon, später von vergoldetem Metall. Die Bildsäule des Jupiter, Anfangs von rothgefärbtem Thon, ließ Trajanus von Gold verfertigen; der Thron, worauf der Gott saß, war von Gold u. Elfenbein. In dem Tempel befand sich eine Menge der kostbarsten Weihgeschenke, so wie die wichtigsten Staatsacten, die Sibyllinischen Bücher, die Ancilia, die Gesetztafeln, die Statuen aller Gottheiten u. der berühmtesten Feldherrn. Hier wurde auch der heilige Nagel eingeschlagen (s. Clavus) hier opferten die Consuln u. brachten Gelübde beim Antritte ihres Amtes, eben so die Feldherrn, ehe sie in den Krieg zogen; hier schwuren die Kaiser den Eid der Treue; hier in der weiten Porticus erhielt das Volk die Triumphmahlzeiten. Nachdem das Capitolium früher sich gegen die Gallier unter Brennus gehalten hatte (s. Rom, Gesch.), brannte es 84 v. Chr. ab u. wurde 78 von Sulla wieder aufgebaut. 70 n. Chr. von den Soldaten des Vitellius wieder verbrannt, wurde es von Vespasianus erneuert, u. als es unter Titus nochmals abgebrannt war, stellte es Domitianus prächtiger wieder her. Bei dem Einfalle der barbarischen Völker wurde es, bes. durch die Gothen, so zerstört, daß jetzt nur noch Ruinen davon vorhanden sind. Der Tarpejische Fels (s.u. Tarpeja), die Westseite des Hügels, von welchem die Verbrecher herabgestürzt wurden, ist jetzt durch den von Trümmern des alten Rom am Bergfuße erhöhten Boden u. durch die bes. in stark angebauten Gegenden sich unmerklich zeigende Abnahme der Berge eine unbedeutende Anhöhe geworden, auf welcher Papst Bonifacius IX. das neue Campidoglio (s. unten S. 257) erbaute. Gegen das Forum hin stand das Tabularium (Staatsarchiv) mit dem Ärarium (Staatsschatz) u. einer Bibliothek, 73 v. Chr. von Q. Catulus gebaut.

Tempel (Templa, Aedes) soll R. 400 gehabt haben; die wichtigsten waren (nach der Zeit ihrer Gründung): der Tempel des Jupiter Feretrius (VIII.), auf dem Capitolinus, der älteste u. angeblich schon von Romulus gegründet, von Augustus erneuert; der der Fides (VIII.) ebenda, von Numa gegründet, von A. Atilius u. M. Ämilius Scaurus erneuert, zuweilen zu Senatsversammlungen benutzt; der des Janus (VIII.) am Forum u. am Abhange des Capitolinus, dessen doppelte Thüren im Kriege geöffnet waren; der der Vesta (V III.) am Abhange des Palatinus, rund, von Numa gegründet, mit dessen Residenz u. dem Atrium regium; der der Diana (XIII.) auf dem Aventinus, von Servius Tullius als lateinisches Bundesheiligthum erbaut, von Augustus erneuert (bei der j. Kirche Sta. Prisca); der der Luna (XIII.) ebenda, von Servius erbaut; der des Capitolinischen Jupiter (s. oben); der des Saturnus (VIII.) am Forum, diente zur Aufbewahrung des Ärarium u. der Feldzeichen des Heeres; der des Castor (u. Pollux VIll.) auf dem Großen Markte, öfter, zuletzt vom Kaiser Claudius restaurirt, hier wurden oft Senatsversammlungen gehalten; der des Mercurius (IX.), zwischen dem Großen Circus u. dem Aventinus; der der Ceres (XI.) am Aventinus, der erste im Griechischen Styl zu R. erbaute Tempel[246] mit eherner Bildsäule der Göttin; der des Apollo (XI.), neben dem Großen Circus, diente oft zu Senatsversammlungen; der der Juno Regina (XIII.) auf dem Aventinus; der des Mars (I.) vor der Porta Capena, an der Appischen Straße; der der Juno Moneta (VIII.) auf dem nordöstlichen Gipfel des Capitolinus, später mit der Münze, wurde 174 v. Chr. erneuert; der der Juno Lucina (V.), auf der westlichen Spitze des Esquilinus, 375 v. Chr. erbaut; der der Concordia (VIII.) am Abhang des Capitolinus, diente öfter zu Senatsversammlungen; der der Salus (VI.) am westlichen Abhang des Quirinalis, bei der Porta salutaris, 304 v. Chr. gebaut, war mit Bildern des Fabius Pictor geschmückt u. brannte unter Kaiser Claudius ab; der der Bellona (IX.) an der Grenze des Marsfeldes, hier kam der Senat zusammen, um fremden Gesandten Audienz zu geben u. über Bewilligung eines Triumphes zu berathen; der des Jupiter Victor (X.) auf dem Palatinus; der der Victoria (X.) ganz oben auf dem Palatinus, an einem in ältester Zeit heiligen Platze; daneben der der Magna Mater Idaea, erbaut 191 v. Chr., nachdem deren Bild 13 Jahre lang in dem Victoriatempel aufgestellt gewesen war; der des Jupiter Stator (IV.) am Aufstieg von der Via sacra zum Palatinus, worin sich der Senat oft versammelte; der des Quirinus (VI.), auf dem Quirinalis, zu Senatsversammlungen benutzt, von Augustus erneuert; der der Fortuna (XI.) schon von Servius auf dem Forum boarium gegründet (j. die Kirche Sta. Maria in Cosmedin); der des Äsculapius (XIV.) auf der Tiberinsel; der der Mens u. der Venus Erycina (VIII.) neben einander auf dem Capitolinus; der des Honor u. der Virtus (I.), beim Capenischen Thor, von Marcellus gebaut u. mit Kunstwerken aus der korinthischen Beute geschmückt; der des Jupiter u. der des Faunus (XIV.) beide auf der Tiberinsel; der der Spes, der Juno Sospita (Matuta) u. der Pietas (IX.) sämmtlich auf dem Forum olitorium, der letzte hatte die erste vergoldete Bildsäule in Italien, wurde aber später abgebrochen u. auf seiner Stelle das Theater des Marcellus gebaut; der der Fortuna Equestris (IX.) auf dem Campus Flaminius, von Fulvius Flaccus erbaut u. mit einem Marmordache bedeckt, brannte unter den ersten Kaisern ab; der des Hercules (IX.) am Circus Flaminius, von M. Fulvius Nobilior erbaut u. mit den in Ambrakia erbeuteten Statuen der Musen geschmückt; der des Honor u. der Virtus, von Marius wahrscheinlich auf dem Esquilinus (nach And. auf dem Capitolinus) erbaut; der des Mars (IX.) auf dem Marsfelde, von D. Brutus Calaicus gebaut, mit der Bildsäule des Gottes von Skopas; der der Venus Genetrix (VIII.) auf dem Forum Caesaris, davor die Reiterstatue Cäsars (Ruinen beim j. Tor de' Conti); der des Mars Ultor (VIII.) auf dem Forum Augusti; der des Apollo (X.) auf dem Palatinus, mit der Bibliotheca palatina; in ihm wurden seit Augustus die Sibyllinischen Bücher verwahrt u. oft Senatsversammlungen gehalten; der des Augustus (VIII.) am Palatinus nach der Via nova hin, von Tiberius u. Caligula erbaut; der der Pax (IV.) an der Velia, von Vespasianus erbaut; der der Isis u. des Serapis (III.) in der Nähe von S. Pietro u. Marcellino; der des Vespasianus u. Titus (VIII.) am Forum, neben dem der Concordia; der des Antoninus u. der Faustina, an der Nordseite des Marktes, j. Kirche S. Lorenzo in Miranda; der der Minerva, an der Südseite des Marktes, wahrscheinlich von Domitianus erbaut; der der Bona Dea (XII.) am Aventinus, hierher von Hadrianus von einer andern Stelle versetzt; der der Roma u. Venus (IV.), groß u. prächtig, zwischen dem Esquilinus u. Palatinus, von Hadrianus erbaut, er brannte unter Maxentius ab, wurde aber wieder hergestellt; j. Ruinen zwischen dem Colisseo u. der Kirche Sta. Maria Nuova; zwei Tempel des Hercules (XI.) auf dem Forum boarium (mit Gemälden des Pacuvius) u. am Großen Circus; der des Sol (VII.) östlich vom Quirinal, von Aurelianus erbaut; der der Flora (VI.) auf der Südspitze des Quirinal, aus unbekannter Zeit. Das Pantheon (IX.), ein prächtiger, runder, 132 Fuß im Durchmesser haltender Tempel Jupiters mit Kuppel, auf dem Campus Martius, von Agrippa 25 n. Chr. neben seinen Bädern gebaut u. ursprünglich als Saal benutzt, später zum Tempel des Jupiter ultor, dann aller Götter (daher der Name) bestimmt, von Domitian, Hadrian u. Septimius Severus wieder hergestellt. Die Porticus, 103 F. lang, 61 F. breit, war mit 16 Säulen, jede aus einem orientalischen Granitblock, geziert, sie hatten 14 F. Umfang u. 381/2 F. Höhe, ohne die Basis u. das Capitäl, welche von weißem Marmor waren. Die Kuppel u. vermuthlich auch die Porticus waren mit Erz bedeckt u. die Balken an beiden von Erz. Bonifacius IV. verwandelte den Tempel 608 in eine christliche Kirche (s. unten S. 257). Von den zahlreichen Altären (Arae) ist bes. die Ara maxima anzuführen; dieser Altar war von Hercules wegen Erlegung des Cacus dem Jupiter inventor, nach Andern vom Euander dem Hercules gewidmet; nach Roms Erbauung wurde er zwischen dem Circus maximus u. dem Palatinus aufgestellt u. der Dienst an demselben den Politiern u. Pinariern übergeben.

Gebäude zu Schauspielen; zunächst zu Kampfspielen (Circi): Circus agonalis auf dem Campus Martius; hier wurden die Agonalia gefeiert; später hieß er nach Alexander Severus Circus Alexandri, j. Piazza Navona; C. maximus od. blos Circus (XI.), zwischen dem Palatinus u. Aventinus, der älteste u. größte, 437 F., ein Stadium breit, von Tarquinius I. auf dem Platze, wo der Sabinerinnenraub unter Romulus geschah, angelegt u. mit hölzernen Sitzen umgeben, welche von einem hölzernen Unterbau unterstützt wurden. Jeder Curie war ein besonderer Platz angewiesen, so wie den Senatoren u. Rittern. Cäsar vergrößerte ihn u. fügte einen tiefen Wassergraben (Euripus) hinzu; Augustus vollendete ihn (er konnte nun 150,000, nach Plinius sogar 260,000 Zuschauer fassen) u. verzierte ihn durch einen (ohne die Basis) 1251/4 F. hohen Obelisk. (Als dieser umstürzte, ließ Constantius einen Obelisk aus Alexandrien dafür aufrichten u. der Sonne weihen.) Der Circus hatte drei Portiken, welche um die Area, außerhalb des Euripus, herumliefen, von denen die erste die (steinernen) Sitze stützte, die zweite hölzerne Sitze trug, die dritte, von außen um das ganze Gebäude gehende demselben theils zur Zierde diente, theils die zu den Sitzen führenden Zugänge in sich faßte. Tiberius u. später Domitianus stellten einen Theil des unter Nero durch Feuer verwüsteten Circus wieder her, Claudius[247] ließ an die Stelle der Carceres aus Tufstein marmorne bringen; Trajanus erweiterte den ziemlich verfallenen Circus, so daß er nun 385,000 Menschen faßte; unter Antoninus Pius stürzte ein Theil ein u. erst Constantin der Große restaurirte ihn. Erhalten haben sich wenig Überbleibsel in der Gegend von Valla di Cerchi. C. Neronis (auch C. Caligulae, C. Vaticanus), zwischen dem Janiculus u. Vaticanus, bei od. in den Gärten Neros, von Caligula angelegt, von Nero vollendet; j. hier die Peterskirche. Ein anderer gleichnamiger Circus (auch C. Domitiae), auch von Nero angelegt, war in den Gärten der Domitia, beim Grabmal Hadrians; C. Sallustii, an der Porta Collina, in den Gärten des Sallustius; C. Flaminius, nach dem nahen Apollotempel auch C. Apollinaris genannt (IX.) vor der Porta Carmentalis, nach dem C. maximus der älteste u. einer der größten, 221 v. Chr. von Flaminius erbaut, mit doppelter Gallerie von korinthischen Säulen, hier begannen die Triumphzüge u. wurden die Apollinarischen Spiele gefeiert, zuweilen auch die Nundinae u. Volksversammlungen gehalten; jetzt ist keine Spur mehr von ihm übrig. C. Heliogabali, in den Gärten des Heliogabalus, von Aurelian erneut; C. Maxentii, südlich vor der Stadt, j. Ruinen bei der Basilica di S. Sebastiano; C. Palatinus (X.) auf dem Palatinus, worin die Ludi palatini gehalten wurde, Ruinen in dem j. Orto Roncioni. Das Stadium (IX.), auf dem Marsfelde, von Augustus aus Holz, von Domitianus aus Stein gebaut, welches über 30,000 Plätze hatte u. welches man jetzt für identisch mit dem Circus agonalis annimmt. Über die Amphitheater (III.) zu R., namentlich das A. Flavianum, A. castrense, A. Trajani auf dem Marsfelde, s.u. Amphitheater unten S. 260. Manche Amphitheater (V.) waren auch so eingerichtet, daß Wasser in die Arena eingelassen u. Seegefechte darin dargestellt werden konnten, so das A. Flavianum. Auch gab es dazu besondere Gebäude, Naumachiae, so die Naumachia Caesaris (IX.) auf dem Marsfelde, auf welcher aber nachher ein Tempel des Mars gebaut wurde; N. Augusti (XIV.) jenseit des Tibris am Fuße des Janiculus; die N. Domitiani, ebenfalls jenseit des Tibris, nördlich von dem vorigen am Fuße des Vaticanus. Die Theater (Theatra) zu scenischen Spielen in R. waren früher hölzerne u. wurden nur für den jedesmaligen Gebrauch errichtet, dann aber wieder abgebrochen, so das des Cassius Longinus, Scribonius Curio u. des M. Ämilius Scaurus (welches 80,000 Menschen faßte); nachmals wurden bleibende Theater errichtet, bekannt sind: Theatrum Pompeji (IX.) auf dem Marsfelde, von Pompejus erbaut, war das erste steinerne Theater in R., mit Bildsäulen geschmückt, für 40,000 (n. A. 17,580 od. 22,888) Menschen; Tiberius u. Caligula erneuerten es; nach u. nach verfallen, wurde es von Theoderich, König der Ostgothen, wieder hergestellt; j. Ruinen des Palazzo Pio; Th. Marcelli (IX.), am westlichen Fuß des Capitolinus, auf dem Gemüsemarkte, auf der Stelle des Tempels der Pietas, von I. Cäsar begonnen u. 13 v. Chr. von Augustus vollendet u. seinem Neffen Marcellus zu Ehren genannt; es hatte 20,000 Plätze; unter Vespasian wurde die Scene des Theaters wieder hergestellt; auf seinen Ruinen ist jetzt der Palast Orsini gebaut; Th. Balbi, von Cornelius Balbus (IX.), südöstlich von dem vorigen, nahe am Tibris, gebaut u. 13 v. Chr. eingeweiht; es hatte etwas über 11,000 Sitzplätze u. brannte unter Titus ab, wurde aber wieder hergestellt, beim j. Palazzo Cenci.

Für musikalische Productionen war das Odeum (IX.) von Domitian, nach And. erst von Trajan erbaut, es lag auf dem Marsfelde zwischen dem Theater des Pompejus u. dem Stadium (beim j. Palazzo Maassimi) u. faßte gegen 11,000 Zuhörer. Eine gelehrte Schule war das von Hadrian erbaute Athenäum, am Fuße des Aventinus od. auf dem Capitolium. Dagegen waren Scholae od. Ludi Exercierhäuser für die Gladiatoren, so Ludus matutinus u. gallicus (II.), L. magnus u. dacicus (III.), Schola xantha (VIII.) etc.

Zu den öffentlichen Gebäuden, welche Räume u. Gelegenheit zur Unterhaltung u. zu Übungen darboten, gehörten auch die Bäder (Thermae): Thermae Agrippae (IX.), bei den Gärten des M. Vipsanius Agrippa, auf dem Campus Martius, neben dem Pantheon, hernach Vermächtniß von ihm ans römische Volk; Th. Caji et Lucii, auf dem Esquilinus, noch im Mittelalter Terme di Galluccio genannt; Th. Neronis (IX.) neben den vorigen, vom Kaiser Alexander Severus restaurirt u. seitdem Th. Alexandrinae genannt; Th. Titi (III.), auf dem Esquilinus, von Titus erbaut, von Trajan erneuert; hinter denselben gegen Nordosten die Th. Trajani, von Trajan an das Bad des Titus angebaut; übrig die sieben großen Souterrains (Septem atria, Wasserhälter), daher j. Sette Sale (den Raum von S. Pietro in Vincoli bis S. Martino einnehmend); in einem der Säle fand man den Laokoon; Th. Commodianae u. Th. Severianae (I.), neben einander, beim j. Sta. Balbina; Th. Caracallae od. Antoninianae (I.), neben den vorigen, das größte (es konnten darin gleichzeitig 2300 Menschen baden) u. ausgezeichnetste Bad in R., auf Granitsäulen, mit dem Schmuck der von Caracalla geplünderten herrlichsten Gebäude geziert; von Caracalla begonnen, von Heliogabal u. Alexander vollendet, von Aurelian restaurirt; Ruinen bei der Kirche Sta. Balbina; Th. Diocletiani (VI.) zwischen dem Viminalis u. Quirinalis, für 3000 Menschen, mit Bibliothek, Pinakothek, Odeum etc.; Th. Constantini (VI.), auf dem Quirinal; Ruinen waren sonst noch beim Palazzo Rospigliosi; Th. Varianae (XIII.), von Geta begonnen, von Heliogabalus beendigt; bei der j. Kirche Sta. Prisca; Th. Suranae (XIII.), von Trajan auf dem Aventinus zu Ehren seines Freundes Sulp. Sura gegründet u.m.a. Neben diesen großartigen Badeanstalten gab es in Rom zahlreiche Balnea, gewöhnliche, theils öffentliche, theils private Badestuben für den gemeinen Mann.

Eine andere Art öffentlicher Häuser