[274] Rom (Römisches Reich, Gesch.). I. Rom unter Königen. Die Stelle, wo R. nachher erbaut wurde, war vormals ein Weideplatz Albanischer Hirten. Romulus (s.d.) u. Remus, die Enkel des Numitor, Königs von Alba Longa, Söhne der Rhea Sylvia u. des Mars, gründeten mit Albanern das Reich u. erbauten 753 (754) v. Chr. R. auf dem Palatinus. Als Gründungstag gilt der 21. April (s. Rom, a. Geogr.). Der Streit der beiden Brüder um die Regierung wurde durch die Augurien für Romulus entschieden, Remus aber, welcher die Heiligkeit des Gebrauchs bei der Gründung der Stadt verletzte (od. weil er spottend über die zu niedrige Mäuer sprang), wurde von Romulus getödtet. Um seiner Stadt mehr Einwohner zu gewinnen, eröffnete Romulus auf dem Saturnischen, nachher Capitolinischen genannten Berge ein Asyl, in welches eine Menge Flüchtlinge u. Abenteurer aus der Nähe u. Ferne kam. Da es ihnen aber an Weibern fehlte, u. die Nachbarvölker diesen ruhmlosen Leuten ihre Töchter nicht in die Ehe geben wollten, so stellte Romulus ritterliche Spiele, die Consualia, an u. lud dazu die Latiner u. Sabiner mit Weibern u. Töchtern ein; aus der Zahl dieser Gäste aber raubten die Römer auf das Geheiß des Romulus während od. nach den Spielen sich Gattinnen (Raub der Sabinerinnen). Die Anverwandten der Geraubten wollten die Ihrigen mit Waffengewalt zurückholen; die Latiner aus Antemna, Cäninau. Crustumerium wurden geschlagen, aber die Sabiner aus Cures unter T. Tatius eroberten den Quirinalis u. bemächtigten sich von da aus durch den Verrath der Tarpeja, einer Sabinerin, des Capitoliums. Es entspann sich nun ein Kampf auf der Stelle des nachmaligen Forum, welcher aber durch die Dazwischenkunft der andern mit Römern verheiratheten Sabinerinnen beigelegt wurde. Die Sabiner blieben auf dem Quirinalis u. ihre Stadt stand in engem Bunde mit der römischen auf dem Palatinus; Romulus aber u. T. Tatius regierten gemeinschaftlich, bis Tatius von den Laurentinern erschlagen wurde, worauf Romulus als einziger König beide, nun in Eins zusammengezogene Städte regierte u. ihnen eine gemeinsame Verfassung zu geben anfing; er wählte sich einen Ausschuß von 100 Familienvätern (Senat), welche den Staatsrath bildeten, gab Gesetze (s. Regia lex) u. errichtete eine Reiterschaar (Celeres). Schon früh kam auch ein etruskischer Häuptling (Lucumo) mit einem Gefolge nach R., welcher steh auf dem Coelius mons niederließ. Diese Latiner, Sabiner u. Etrusker, in[275] drei Tribus getheilt, bildeten die ersten römischen Bürger, welche Theil an dem Besitz des Stadtgebiets (Ager romanus) hatten, die andern waren Clienten u. Sklaven u. hatten kein Bürgerrecht. Von den Kriegen, in welche die Römer bereits unter Romulus mit den benachbarten Völkern verwickelt wurden, ist der gegen Veji der bedeutendste, weil die Römer in demselben Eroberungen machten; die Vejenter traten sieben Gaue u. die Salzwerke (Salinae) an dem Tibris ab. Aus diesen Eroberungen entstand der Ager publicus, in dessen Besitz sich die Bürger theilten u. die Clienten darauf als Hintersassen setzten. Nach 38 jähriger Herrschaft wurde Romulus 716 v. Chr. bei einer Musterung des Heeres unter Donner u. Sturm plötzlich den Augen des Volks entrückt u. als Heros (Quirinus) göttlich verehrt. Nach ihm wurde der Sabiner Numa Pompilius (s.d.) zum König gewählt. Er war bemüht Einheit in das noch lose Staatswesen zu bringen u. suchte die Verschiedenheit der Stämme durch gemeinschaftliche religiöse Institute aufzuheben. Das Gemeinsame in der Vorstellung der alten Italer war die vom reinen Elementarfeuer (Vesta), daher errichtete er einen Vestatempel u. gab der Göttin Priester, an deren Spitze der Pontifex maximus stand; auch gründete er das Collegium der Auguren (s.d.) zur Erforschung des Willens der Götter bei den Unternehmungen des Volkes; ließ den Ager romanus von dem Ager publicus bestimmt scheiden, zur Sicherung des Eigenthums Grenzsteine mit religiöser Unverletzbarkeit (Termini) aufstellen u. ernannte bestimmte Magistratspersonen, denen die Pflege des Ackerbaues anvertraut war. Überdies setzte er Festtage ein, ordnete den Kalender u. befestigte die vorgefundene Verfassung. Die Nymphe Egeria soll seine Rathgeberin dabei gewesen sein. Kriege führte er nicht; er st. 673 v. Chr. Auf Numa folgte Tullus Hostilius (s.d.). Unter ihm begannen die Kriege mit Alba Longa; die Mißhelligkeiten wurden (668 od. 669) durch den Kampf der drei (römischen) Horatier u. drei (albanischen) Curiatier entschieden (s.u. Horatius 1), die römische Partei siegte, u. beide Staaten schlossen ein Bündniß. Als darauf das verbündete Fidenä mit Veji von den Römern abfiel, kämpften die Albaner auf römischer Seite gegen sie, aber mitten im Kampfe gingen die Albaner zu dem Feinde über, weshalb Alba zerstört, die Einwohner nach R. geführt u. ihr Anführer, Mettus Fuffetius, hingerichtet (durch Pferde zerrissen, s. Quadrigarum supplicium) ward. Die Albaner erhielten ihre Wohnungen wahrscheinlich auf dem Cölius, wo schon die Etrusker saßen; da sie aber ihre Besitzungen in Alba behielten, so bekamen sie keinen Theil an dem Römischen Gebiet. Aus diesem Verhältniß entstand in R. eine neue Gattung Bürger, die Plebejer; denen gegenüber die Altbürger, Proci (die Patricier), als bevorzugter Adel erscheinen (s.u. Rom, Ant. I. C); die Clienten blieben in ihrem alten Zustand. Tullus starb, nachdem er noch die Sabiner besiegt hatte, 640 (638) v. Chr., u. ihm folgte Ancus Marcius (s.d.). Unter seiner Regierung wurde Ostia an der Mündung des Tibris als Hafen angelegt, weniger zur Betreibung des activen Handels, als um fremden Schiffen Gelegenheit zur Zufuhr für R. zu geben; der Mäsische Wald (Maesia) in Etrurien u. mehre latinische Städte erobert, deren Einwohner, nach R. abgeführt, den Aventinus zu bewohnen bekamen; nach der Annahme Einiger soll erst aus diesen, welche bei persönlicher Freiheit u. Dienstpflichtigkeit doch kein Bürgerrecht erhielten, die Plebs entstanden sein. Er sanctionirte die von Numa Pompilius gestifteten religiösen Institute, befestigte den Janiculus, baute den Pons sublicius über den Tibris, sowie das erste Staatsgefängniß u. legte die Marcische Wasserleitung etc. an. Er st. 616 (614); sein Nachfolger war Tarquinius Priscus (s.d.), welcher eigentlich aus Korinth stammte, woher sein Vater Demaratos nach Tarquinii, u. Tarquinius selbst von da wieder nach R. gezogen war. Er hatte schon bei Ancus Marcius Einfluß gehabt, war Befehlshaber der Reiterei gewesen u. zuletzt vom König Ancus zum Vormund seiner Kinder ernannt worden. Nachdem Ancus gestorben war, gewann Tarquinius Volk u. Senat u. wurde selbst zum König gewählt. Er vermehrte den Senat um 100 Mitglieder u. führte Krieg gegen die Latiner, in welchem er Apiolä einnahm u. dort so viel Beute machte, daß er die Spiele prächtiger als die früheren Könige feiern konnte. Damals wurde auch zuerst der Circus maximus zum Platz derselben bestimmt. Unter seiner Regierung entstanden viele Privatgebäude um das Forum, wozu er die Plätze vertheilen ließ, Säulenhallen, die Tabernae u. eine Mauer aus Quadern. Den letztern Bau unterbrach ein Krieg mit den Sabinern, welche er schlug u. deren Stadt Collatia er eroberte, sowie auch in einzelnen Kriegen die latinischen Städte Corniculum, Ficulea, Cameria, Crustumerium, Ameriola, Nomentum. Er suchte Ordnung in die verworrene Verfassung zu bringen u. die sich immer vergrößernde Kluft zwischen Plebejern u. Patriciern auszugleichen, zu welchem Zwecke er die gegenseitigen Ehen einführen u. noch drei plebejische Tribus errichten wollte, welche mit politisch gleichen Rechten den Patriciern gegenüberstehen sollten; doch widersetzten sich diesem Plane die Patricier. Indeß erhöhte er die Zahl der Ritter, welche er aus den Plebejern nahm. Besiegte Völker führte er nicht nach R., sondern ließ dieselben in ihrer Heimath. Sein Hauptstreben war, R. zum Haupt des Latinischen Städtebundes zu machen, in welchen er sich deshalb hatte aufnehmen lassen, doch wurde ihm auch dieser Plan vereitelt, indem er 578 v. Chr. auf Veranlassung der Söhne des Ancus von zwei Holzhauern getödtet wurde. Unter ihm wurden auch die Sibyllinischen Bücher gekauft (s.u. Sibyllen).
Tanaquil, die Gemahlin des Tarquinius, verheimlichte den Tod des Königs und machte bekannt, daß derselbe blos krank sei u. zu seinem einstweiligen Stellvertreter den Servius Tullius (s.d.) bestellt hat. Dieser war eigentlich der Sohn einer Sklavin, aber der König Tarquinius hatte ihm wegen seiner hervorragenden Talente eine gute Erziehung gegeben u. ihn zu seinem Nachfolger gebildet; nach And. war er ein aus Etrurien Eingewanderter. Servius regierte daher einstweilen u. behielt die Herrschaft auch nach der Bekanntwerdung des Todes des Tarquinius, mit dem Willen des Senates u. Volkes. Die Hauptstütze schuf er sich an den Plebejern u. kam so zu seinem Zweck, die von seinem Vorgänger projectirte Verfassung (Servianische Verfassung) durchzusetzen, welche die Theilnahme an dem Staatswesen von dem Census, dem Vermögen, des Einzelnen abhängig machte. Die ganze Bevölkerung Roms wurde, ohne Rücksicht auf ihre Gentilität, nach ihrem Wohnsitz in 30 Tribus u. diese in 193 Cen, [276] Turien, welche sich nach dem Census richteten (s. oben S. 268), getheilt. Je mehr sich Servius durch diese Verfassung die Gunst der Plebejer, welche jetzt politische Rechte erhielten, erwarb, desto mehr haßten ihn die Patricier, welche dadurch viele Vorrechte verloren, obgleich sie in der Ritterschaft noch abgesonderte Centurien u. in dem Fortbestehen der Curialcomitien Einfluß auf das höhere Beamtenwesen behalten hatten. Die Servianische Verfassung erhielt immer mehr Allgemeinheit u. blieb bis gegen 170 v. Chr. Ob er zuerst Geld schlagen ließ, ist noch unermittelt; nach Einigen geschah es schon unter Numa, nach Anderen erst unter Tarquinius II. Dem Reich nach außen gab er eine größere Festigkeit dadurch, daß er dem Latinischen Bund mehr Halt gab u. auf dem Aventinischen Berge einen Bundestempel errichtete. Er traf Vorbereitungen zum Bau des Capitolinischen Tempels, ordnete die Compitalia u. Feriae latinae an; die Stadt vergrößerte er durch die Hinzufügung des Quirinalis u. Viminalis; den Esquilinus ließ er mehr anbauen u. wohnte selbst da. Er baute auch auf der Ostseite den Wall (s. Rom a. Geogr.). Im Jahr 534 v. Chr. ward er auf Antrieb seiner herrschsüchtigen Tochter Tullia von deren Gemahl Tarquinius Superbus (s.d.) ermordet, u. dieser folgte als siebenter König. Seine Regierung begann dieser damit, daß er die Freunde des Servius entfernte u., um sich gegen Angriffe zu sichern, eine Leichwache wählte. Den Senat beleidigte er dadurch, daß er die ihrer Würde entsetzten Senatoren nicht durch andere ersetzte, sondern die Anzahl derselben immer mehr verminderte; das Volk aber dadurch, daß er eigenmächtig über Krieg u. Frieden bestimmte. Seinen Stolz zeigte er auch gegen den Latinischen Bund, dessen Vertreter er bei einer Versammlung bis zum Abend auf sich warten ließ, u. da sich Turnus Herdonius von Aricia darüber beschwerte, so ließ ihn Tarquinius ermorden, schloß aber doch den Bund mit den Latinern fester, besiegte die Volsker, eroberte von ihnen Suessa Pometia, bemächtigte sich mit List der latinischen Stadt Gabii (s.d.), machte mit den Äquern Friede u. erneuerte mit den Etruskern das Bündniß. Den Frieden benutzte er zum Bau des Capitolinischen Tempels, zur Errichtung der Gänge in dem Circus maximus, zur Vollendung der großen Kloake. Nach Signia u. Circeji schickte er Colonien. Unterdessen brach ein Krieg gegen die Rutuler aus, u. während Tarquinius mit dem Heere vor Ardea stand, beging einer seiner Söhne, S. Tarquinius, einen Frevel an der Lucretia (s.d.), der Tochter des Patriciers Collatinus, welcher, um die der Tochter angethane Schmach zu rächen, das Volk gegen die königliche Familie aufreizte u. es dahin brachte, daß es dieselbe 509 v. Chr. verbannte. Die Revolution leitete nebst Collatinus noch L. Junius Brutus (s.d.), ein Verwandter des Königs. Als Tarquinius selbst nach R. zurückkehrte, wurden ihm die Thore verschlossen.
II. Rom als Republik. Das Königthum wurde nun abgeschafft, u. statt eines Königs zwei Consuln (s.d.) mit königlichen Rechten u. Vorzügen, aber nur einjähriger Amtsdauer, aus dem Patricierstande gewählt. Der patricische Senat wurde die Seele des ganzen Staatswesens, da die Consuln fast nur dessen Organe waren; das Oberpriesterthum wurde einem eigenen, ebenfalls aus den Patriciern gewählten Rex sacrorum (s.d.) auf Lebenslang übertragen. Im Übrigen wurde die von Tarquinius II. abgeschaffte Servianische Verfassung wieder eingeführt. Die ersten Consuln waren L. Junius Brutus u. L. Tarquinius Collatinus, doch mußte der Letztere wegen seiner Geschlechtsverwandtschaft mit Tarquinius, alsbald zurücktreten, u. P. Valerius Publicola wurde an seiner Stelle Consul. In R. hatte aber der König Tarquinius immer noch eine starke Partei für sich, bes. unter der patricischen Jugend, welche eine Verschwörung gegen die neue Staatsordnung zum Besten der Tarquinier machte; sie wurde aber durch einen Sklaven verrathen, u. der Consul Brutus ließ seine eignen Söhne, welche dabei betheiligt waren, hinrichten, Der vertriebene Tarquinius suchte nun, um sich die Rückkehr auf den Thron zu erzwingen, Hülfe bei den Nachbarvölkern, namentlich in Etrurien, u. zog mit einer Schaar aus Veji u. Tarquinii gegen R. Diese schlug der Consul Brutus beim Walde Arsia, fiel aber im Kampfe, u. an seine Stelle trat Spurius Lucretius, u. als dieser bald darauf starb, M. Horatius Pulvillus. Tarquinius wendete sich nun an Porsena, den König von Clusium in Etrurien, welcher mit Heeresmacht vor R. kam u. die Stadt belagerte. Ungeachtet der Heldenthaten des Mucius Scävola u. Horatius Cocles (s. b.) eroberte Porsena 507 R., nahm den Römern die im Vejentischen Kriege gemachten Eroberungen wieder ab u. brachte sie in ein abhängiges Verhältniß zu sich; Tarquinius aber kam nicht wieder auf den Thron. In dem darauf folgenden Kriege der Clusiner gegen die Cumäer machte sich R. von diesem Verhältniß wieder frei.
Bald begannen jedoch in R. die inneren Kämpfe zwischen den Patriciern u. Plebejern, welche Letzteren ihre Rechte als Staatsbürger sichern wollten, aber zum großen Theil nach der Abtretung der Vejentischen Äcker besitzlos geworden waren, wogegen die Patricier einen bedeutenden Zuwachs durch 250 unter Atta Clausus (Appius Claudius) im Jahr 504 in R. einwandernden sabinischen Familien erhielten. Die Patricier versuchten im Gefühl ihrer Überlegenheit einen Angriff auf die Plebejer, doch unterblieb die Ausführung vor der Hand wegen eines Krieges mit dem Latinischen Bunde, welcher von Oct. Mamilius, einem Verwandten des Königs Tarquinius, gegen die Römer gereizt worden war. Wegen der Gefährlichkeit des Krieges wählte man statt der zwei Consuln 501 einen Dictator (s.d.) aus den Patriciern, welchem unumschränkte Macht gegeben wurde, dieser war T. Lartius. Durch den Sieg der Römer über die Latiner beim See Regillus 498 wurde dieser Krieg beendigt u. der Bund unter der Bedingung gleicher Berechtigung der Latiner mit den Römern erneuert. Tarquinius aber, zu dessen Wiedereinsetzung dieser Krieg ein neuer Versuch gewesen war, wendete sich, da auch dieser ihm mißlungen war, nach Cumä u. starb daselbst 15 Jahre nach seiner Vertreibung. Nach dem Frieden singen die Patricier wieder die Bedrückungen der Plebejer an; diese waren größtentheils Schuldner der Patricier u. wurden als solche von jenen hart gedrückt. Die Unzufriedenheit der Plebejer kam 495, als Truppen zum Kriege gegen die Volsker ausgehoben werden sollten, zum Ausbruch, u. der Aufstand wurde nur dadurch unterdrückt, daß alle, welche Schulden halber als Knechte gehalten wurden, ihre Freiheit wieder bekamen. Nun geschah die Aushebung,[277] u. der Krieg wurde glücklich geführt. Als über darnach alsbald die plebejischen Schuldner von ihren patricischen Gläubigern mit der vorigen Härte in Anspruch genommen wurden, so versammelten sich die Plebejer auf dem Aventinus, verließen R. u. zogen unter C. Sicinius Bellutus auf den Heiligen Berg (Mons sacer), jenseit des Anio (Secessio plebis), wo sie eine neue Stadt gründen wollten. Die darüber bestürzten Patricier schickten eine Gesandtschaft unter Menenius Agrippa (s.d.) ab, welcher jene unter vortheilhafter Bedingung zurückzukehren veranlaßte; vornehmlich wurde das Schuldenwesen regulirt (vermuthlich dadurch, daß man die Asses leichter prägte u. sie in der Zahlung für voll annahm) u. den Plebejern verstattet, eigene, ihr Interesse vertretende Magistratspersonen, Tribuni plebis, zu wählen u. darnach auch besondere, von ihren Tribunen geleitete Comitien (Comitia tributa, s.d.) zu halten, deren Zweck war den Plebejern ihre Rechte zu sichern. Die Kriege gegen die Volsker, denen 492 die Stadt Corioli entrissen wurde, u. gegen die Äquer wurden nun mit Glück fortgesetzt. Durch die Auswanderung u. die während der Organisirung fortbestehenden Parteikämpfe waren die Acker vernachlässigt worden; jetzt fehlte es an Getreide; die Patricier glaubten in dieser Verlegenheit der Plebejer eine passende Gelegenheit gefunden zu haben, denselben die zugestandenen Rechte wieder zu entreißen; man versprach ihnen Getreide um billige Preise zu liefern, wenn sie ihre Tribunen wieder abschafften. Sogleich versammelten sich die Tributcomitien u. luden den C. Marcius Coriolanus, welcher der Urheber jenes Vorschlages war, vor. Die Patricier wollten dies mit ihren Clienten verhindern u. leugneten, daß die Plebejer das Recht hätten Patricier vor ihre Comitien zu laden. Nichts desto weniger wurde Coriolanus, als er nicht erschien, 491 verurtheilt u. ging in das Exil zu den Volskern nach Antium. An der Spitze der Volsker machte er 488 einen Zug gegen R. u. kam bis in die Nähe der Stadt, wo er die Güter der Plebejer plünderte, deshalb wollten diese den Frieden, aber als Coriolanus die Bedingung stellte, den Volskern die ihnen entrissenen Ländereien zurückzugeben, ging der Senat nicht darauf ein. Coriolanus bedrängte R. immer mehr, u. erst eine Deputation von römischen Frauen, an deren Spitze seine Mutter Veturia, seine Gemahlin Volumnia u. seine Schwester Valeria standen, vermochten ihn abzuziehen. 486 wurde Sp. Cassius Viscellinus Consul; er nahm die Herniker in den Römisch-Latinischen Bund auf u. brachte das erste Ackergesetz (Agraria lex) in Vorschlag, nach welchem alle Römer, sowie die Latiner u. Herniker, Theil an den Staatsländereien (die bis jetzt die Patricier allein gehabt u. die Nutznießung ihren Clienten überlassen hatten) erhalten sollten. Da er zur Durchführung dieses Vorschlages die Bundesgenossen nach R. gerufen hatte, so wurde er nach dem Ablauf seines Amtsjahres angeklagt, sich gewaltsamer Mittel zur Durchführung des Ackerbaugesetzes bedient zu haben, verurtheilt u. vom Tarpejischen Felsen herabgestürzt. Unter den Kriegen ist bes. merkwürdig der 479 gegen die Vejenter geführte, in welchem der Consul Cäso Fabius mit seinen 300 Gentilen nebst deren Clienten (Fabier) am Fluß Cremona den Heldentod starben. Nach glücklicher Beendigung des Krieges gegen die Volsker gewannen die Plebejer 472 wegen einer unklugen Härte der Patricier, durch den Tribunen Volero Publilius, einen großen Vortheil dadurch, daß sie ohne Einfluß der Centuriatcomitien ihre Tribunen wählen durften (Publilia lex). Der Gedanke, daß jetzt die Plebejer an Macht u. Ansehen den Patriciern fast gleich ständen, stellte Letztere jenen immer noch schroffer gegenüber. In dem Krieg gegen die Volsker 471 zeigte sich das Heer dem Consul App. Claudius Sabinus, einem Feinde der Plebejer, widerspenstig, die Schlacht war unglücklich, u. hier wurde zuerst die Decimation angewendet. Nach Beendigung des Krieges wurde die Ländervertheilung von Neuem gefordert, aber wegen Fortdauer der Kriege immer wieder hinausgeschoben. Deshalb wurden die Plebejer müde immer für die Patricier zu fechten, u. der 464 begonnene Krieg mit den Äquern nahm in beiden folgenden Jahren einen sehr unglücklichen Fortgang für die Römer. 462 machte der Volkstribun C. Terentillus Arsa einen Vorschlag, daß die Amtsgewalt der Consuln durch Gesetze beschränkt werden sollte (Terentilla lex); mit Ungestüm wurde die Forderung 461 erneuert u. auf eine allgemeine Gesetzgebung zur Feststellung der gütigen Rechtsverhältnisse ausgedehnt. Auf dem Forum entspann sich ein Kampf, die Patricier trieben unter dem Consul L. Quintius Cincinnatus die Plebejer zurück, wobei die Tribunen verletzt wurden. Cincinnatus besänftigte die Plebejer, welche Genugthuung forderten, dadurch, daß er freiwillig in das Exil ging. Die Unruhen in R. aber benutzte der Sabiner Appius Herdonius u. überfiel mit einer Schaar römischer Clienten u. Exilirten das Capitol, wurde jedoch mit Hülfe eines tusculanischen Heeres unter L. Mamilius wieder vertrieben, gefangen u. getödtet. Vergebens suchte inzwischen Cincinnatus aus dem Exil eine Verschwörung gegen die Plebejer zu unterhalten; nachdem die Patricier noch 7 Jahre die neue Verfassung verweigert hatten, mußten sie endlich nachgeben.
In der neuen Verfassung diente das Aequum jus (Gleichheit der Rechte) als Basis; Sp. Postumius Albus, A. Manlius Vulso u. S. Sulpitius Camerinus gingen 454 in die Städte Großgriechenlands, um die verschiedenen Verfassungen kennen zu lernen, u. 451 wurden statt der zwei Consuln u. unter Aufhebung der anderen höhern Magistrate zehn Männer aus den Patriciern als Commission zur Abfassung von Gesetzen (Decemviri cum consulari potestate legibus scribendis) gewählt, Sp, Veturius Crassus, C. Julius Julus, A. Manlius Vulso, Sev. Sulpitius Camerinus, P. Sestius Capitolinus, P. Curiatius Fistus, T. Romilius Rocus, Sp. Postumius Albus, an ihrer Spitze die diesjährigen Consuln App. Claudius Crassinus u. T. Genucius Augurinus, u. beigegeben wurde ihnen der Grieche Hermodoros. Sie verfaßten binnen zwei Jahren ein Grundgesetz auf zwölf Tafeln (s. Zwölf Tafeln). App. Claudius hatte im ersten Jahr den Plebejern sehrgeschmeichelt, im zweiten aber trat seine u. der anderen Decemvirn Willkür unverholen hervor, kein öffentliches Gericht wurde gehalten u. die Plebejer hart verfolgt. In dem Kriege mit den Volskern erlitten die Römer eine schwere Niederlage auf dem Algidus. Einen tiefen Eindruck machte auf die Patricier die zweite Secession der Plebejer auf den Aventinus (449), veranlaßt durch die Ermordung des Plebejers L. Siccius u. die von Appius Claudius beabsichtigte Entehrung der Virginia (s. d), welche ihr Vater, um ihre Ehre zu retten, erstach, Das [278] Volk wurde durch neue Bestätigung der Tribunen versöhnt, die Decemvirn gestürzt, unter Beibehaltung der Zwölftafelgesetze als Rechtsgrundlage die alte Verfassung wieder eingeführt u. zwei neue Consuln, L. Valer. Publicola u. M. Horatius Barbatus, gewählt. Durch ein Gesetz erhielten die Tributcomitien, an denen nun auch Patricier theilnahmen, für ihre Beschlüsse allgemein gültige Kraft. Im Jahre 445 wurde durch ein vom Volkstribun Canulejus eingebrachtes Gesetz das Heirathsrecht zwischen beiden Ständen nachgegeben, u. da die Berechtigung der Plebejer zur Theilnahme an dem Consulat nicht durchging, 444 statt der Consuln Tribuni militum cum consulari potestate (worunter auch Plebejer sein konnten) gewählt. Dafür wurde 443 für die Patricier in den Censoren (s.d.) eine neue Magistratswürde für die Geschäfte des Census geschaffen, zu welcher die Plebejer keinen Zutritt hatten. Die folgenden Jahre zeichneten sich durch innere Unruhen aus; eine Hungersnoth entstand 439, welche Sp. Mälius durch Kornvertheilung unter die Plebejer lindern wollte; der ernannte Dictator L. Quinctius Cincinnatus forderte den Mälius, welcher bezichtigt war Waffen in sein Haus getragen zu haben, vor Gericht, u. da dieser sich weigerte zu kommen, wurde er von dem Magister equitum Servilius Ahala getödtet. 437 hatten sich die Etrusker wieder gegen R. erhoben, wurden zwar 436jenseit des Anio besiegt, erschienen aber 435 vor den Thoren Roms; der Dictator Q. Servilius Priscus schlug sie wieder; Fidenä wurde genommen u. 425 mit Veji Waffenstillstand geschlossen. Als Fidenä 424 wieder abfiel, zerstörten die Römer diese Stadt. R. wuchs nun an äußerer Macht u. innerer Einigkeit. Durch das Recht der Plebejer auf die höheren Magistratsstellen entstand jetzt der Amtsadel (Nobilitas, s. Rom, Ant. I. C) a); 421 setzten die Plebejer auch durch, daß sie zu Quästoren gewählt werden konnten. Die 416 erneuerten Forderungen wegen einer neuen Ackervertheilung, da der Ager publicus durch Eroberung mehrer Stadtgebiete an Ausdehnung gewonnen hatte, konnten nicht durchgesetzt werden, da die Mehrzahl der Volkstribunen selbst dagegen stimmte. 405 war der zwanzigjährige Waffenstillstand mit Veji zu Ende; damit der neue Vejentische Krieg freudiger unternommen würde, beschloß man den Soldaten einen Sold (Stipendium) zu geben. Die Belagerung von Veji war die erste planmäßige, u. das Heer blieb auch im Winter im Felde; der erste Angriff war nicht glücklich u. die Römer erlitten mehre Niederlagen; erst Furius Camillus (s.d.) gab dem Kampfe den Ausschlag, indem er sich zuerst gegen die Bundesgenossen der Vejenter richtete, u. nachdem diese gedemüthigt waren, erfolgte nach zehnjähriger Belagerung 396 die Einnahme der Stadt; 395 wurde auch Falerii genommen. Zur Unzufriedenheit der Plebejer wegen der Vertheilung der Beute kam noch die getäuschte Hoffnung, Theil von dem Vejentischen Gebiet zu bekommen; dafür mußte Camillus, des Beuteunterschleifes bezichtigt, in das Exil gehen. Um diese Zeit brachen Schwärme von Senonischen Galliern (Celten) vom Norden in Italien ein, sie belagerten unter Brennus Clusium u. verlangten von dem römischen Senat Hülfe. Da aber die römischen Abgeordneten im Gegentheil die Clusiner zur Gegenwehr aufforderten, so zogen die Gallier 390 vor R. Ein römisches Heer ging ihnen bis zur Allia entgegen, wurde aber geschlagen, u. ein Theil floh nach Veji, ein anderer nach R.; die Vertheidigung der Stadt wurde ganz aufgegeben u. nur das Capitolium unter M. Maulius besetzt. Die Gallier nahmen u. verbrannten die Stadt u. belagerten das Capitolium. (Einen nächtlichen Überfall der Gallier sollen die Gänse auf dem Capitol durch ihr Schnattern verrathen haben). Dieser Krieg mit den Galliern wurde für R. um so gefährlicher, da die Latiner u. Herniker, die Bedrängniß der Römer benutzend, von denselben abfielen u. sich mit den Volskern verbanden. Zur Rettung der Stadt wurde endlich der verbannte Camillus zurückgerufen; er schlug die Gallier u. betrat triumphirend die Stadt, welche nun wieder aufgebaut wurde. Seit dieser Zeit traten die Römer muthiger u. kühner in Italien hervor u. schickten Colonien in die eroberten Städte. Die Kämpfe der Plebejer gegen die Patricier begannen in Folge des erneuten Druckes ihrer Gläubiger von Neuem, sie waren namentlich durch den Neubau ihrer Häuser verschuldet worden. 375 wurden gar keine ordentlichen Magistrate gewählt, weil die Volkstribunen die Comitien der Kriegstribunen nicht zu Stande kommen ließen; diese Anarchie dauerte bis 371. Die Tribunen setzten endlich 367 die drei Gesetze (Leges Liciniae) durch: bezahlte Zinsen sollten von dem Capital abgerechnet werden; Niemand sollte vom Ager publicus mehr als 500 Jugera besitzen; ein Plebejer sollte jedes Jahr mit Consul sein. Der erste plebejische Consul wurde L. Sextius. Für diesen Verlust an Vorrechten gründeten die Patricier die beiden ausschließlich patricischen Würden der Curntischen Ädilen u. der Prätoren; doch auch diesen Vorzug verloren sie schon 337, nachdem sie bereits die passive Wahl zur Dictatur 356 u. zur Censur 351 erlangt hatten u. endlich auch im Jahr 300 durch die Lex Ogulnia die Wählbarkeit in die Collegien der Pontifices u. Auguren erlangten. So war der wesentliche Unterschied zwischen Patriciern u. Plebejern, welcher bei 140 Jahren der Gegenstand harter Kämpfe gewesen war, geschwunden od. hatte wenigstens keine politische Wichtigkeit mehr.
Nach außen hatte R. sein altes Ansehen durch die Demüthigung der Herniker 358 u. durch die Erneuerung des Bundes mit den Latinern wieder hergestellt. Seit 343 beschäftigten die Samnitischen Kriege R. über ein halbes Jahrhundert; die Veranlassung zum ersten Samnitischen Kriege war die Unterstützung, welche die Römer den Sidicinern u. Campanern gegen die Samniten leisteten; die Samniter wurden 341 von M. Valerius Corvus am Berg Gaurus u. bei Suessula besiegt. Aus diesem Krieg entstand der Latinische Krieg. Die Römer hatten die stipulirten Gleichheitsrechte der Latiner immer mehr verletzt, darum verlangten die Latiner jetzt, wenn das Bündniß fortbestehen sollte, daß aus ihrer Mitte jährlich ein Consul u. die Hälfte des Senats gewählt werden müsse. Da die Römer das Verlangen nicht erfüllten, hoben die Latiner den Bund auf u. sagten zugleich den Campanern Hülfe gegen die Samniten zu. Gegen sie zog ein römisches Heer, u. ad Veserim kam es 340 v. Chr. zur Schlacht; die Römer wichen schon, da widmete sich der eine Consul, P. Decius Mus (s.d. 1), den unterirdischen Göttern (s. Devotion 1), u. seiner Aufopferung verdankte R. den Sieg. In einem zweiten Treffen zwischen Minturnä u. Sinuessa siegten die Römer unter T. Manlius Tor[279] quatus wieder über die Latiner, deren Land nebst dem der Volsker unterworfen wurde; die Städte wurden theils Municipalstädte, z.B. Lanuvium, Aricia, Nomentum, Pedum u.a.; andere erhielten das Bürgerrecht ohne stimmfähig zu sein u. Ansprüche auf Staatswürden zu haben; andere wurden unbedingte römische Unterthanen. Die Samniten versuchten das ihnen von den Römern entrissene Gebiet wieder zu erobern, u. so begann 336 der zweite Samnitische Krieg. Der Krieg wurde Anfangs von den Römern unter dem Dictator L. Papirius Cursor u. dessen Magister equitum Q. Fabius Maximus glücklich geführt; als aber die Consuln T. Veturius u. Sp. Postumius unvorsichtig in Samnium eindrangen, wurden sie in den engen Pässen von Caudium (ad furcas Caudinas) 321 eingeschlossen u. gefangen. Der Samniter C. Pontius rieth seinen Landsleuten die Gefangenen alle entweder zu tödten od. freizulassen, aber sie zogen es vor einen für die Römer schimpflichen Vertrag zu schließen, nach welchem 700 römische Ritter als Geißeln gestellt werden u. das andere Heer durch das Joch (s. Joch 6) gehen mußte, welches eine entehrende Ceremonie war. Darauf vernichteten die Römer 314 die Aufoner, befreiten unter O. Fabius Maximus 310 Sutrium von den diese Stadt belagernden Etruskern u. schlugen dieselben 309 bei Pernsia (worauf Etrurien zum Frieden gezwungen wurde), sowie 306 die gegen Rom rückenden Umbrer bei Mevania. Inzwischen hatten sich die Marser u. Peligner mit den Samnitern verbunden, wurden aber besiegt u. nun 394 Friede mit den Samnitern geschlossen, auch die Äquer, welche sich nochmals erhoben hatten, wieder unterworfen. In Folge ihres Bündnisses mit den Lucanern wurden die Römer 298 in den dritten Krieg mit den Samnitern verwickelt; mit Letzteren verbanden sich die Etrusker, Gallier, Umbrer u. Apuler; aber diese alle wurden 295 bei Sentinum von den Römern unter Q. Fabius u. P. Decius Mus, welcher Letztere sich, wie einst sein Großvater, ebenfalls devovirte, u. nochmals 293 bei Aquilonia entscheidend geschlagen, u. nachdem sie einzeln vollends aufgerieben waren, zuletzt durch M' Curius Dentatus, kam 290 der Friede mit den Samnitern zustande. Auch die rebellirenden Sabiner wurden jetzt wieder unterworfen. Bald darauf begannen die Kriege im Norden gegen Gallier u. Etrusker wieder; eine Niederlage, welche die Römer 283 bei Arretium erlitten, rächten sie sogleich durch Cornelius Dolabella, welcher die Senonischen Gallier unterwarf; die folgenden Jahre wurden die Bojischen Gallier u. Etrusker nochmals am Vadimonischen See besiegt u. mit den Ersteren Friede, mit den Letzteren ein Bündniß geschlossen. Darauf begann wieder ein Krieg mit den Samnitern, Lucanern u. Bruttiern, welche 276 Q. Fabius Maximus Gurges schlug, worauf sich die Besiegten gegen die Römer an dem inzwischen ausgebrochenen Tarentinischen Kriege betheiligten. Im Jahre 281 hatten nämlich die Tarentiner römische Schiffe frevelnd angegriffen u. zum Theil vernichtet u. die Bemannung zu Sklaven gemacht; da sie die von den Römern geforderte Genugthuung nicht nur verweigerten, sondern auch die Gesandtschaft beleidigten, so wurde ihnen der Krieg angekündigt. Die Tarentiner wendeten sich an den Epirerkönig Pyrrhos. Dieser brachte eine ganz neue Kriegführung, nämlich die mit Elephanten, nach Italien, welche ihn gegen die Römerin Vortheil setzte. Aber weder die unter P. Valerius Lävinus 280 bei Heraclea erlittene Niederlage konnte die Römer bewegen den Friedensvorschlägen des bis Präneste vorgedrungenen Pyrrhos durch seinen Gesandten Kyneas Gehör zu geben, so lange der Feind siegreich im Lande war; noch vermochte eine zweite Niederlage bei Asculum ihnen den Muth zu brechen. Damals war C. Fabricius (s.d.) Legat, welchem ein Epirer das Anerbieten, seinen König zu ermorden, gemacht haben soll. Gegen die Carthager 278 nach Sicilien gerufen, unterbrach Pyrrhos den Krieg mit den Römern, welche dagegen den Abzug dieses Feindes benutzten u. die italischen Völker fortbekriegten. Als Pyrrhos aus Sicilien zurückkehrte, wurde er von M' Curius Dentatus 275 bei Benevent geschlagen u. verließ darauf Italien. Nun besiegten u. unterwarfen die Römer die Samniter, Lucaner u. Bruttier u. eroberten 272 Tarent. Damit war Roms Herrschaft über Italien gegründet. Das Loos der Städte in den unterworfenen Ländern war verschieden, einige behielten ihre Freiheit u. erlangten das römische Bürgerrecht als Municipia (s.d.), andere wurden ganz abhängig von Rom als Praefecturae (s.d.); eine besondere Art, die Städte u. Landschaften dem Römischen Reiche zu erhalten, waren die Colonien (s.d.).
Nun gingen die Römer weiter südlich, wo sie mit den Carthagern zusammentrafen. Bisher hatten sie mit denselben in Freundschaft gelebt u. seit 509 mehre Handelsverträge abgeschlossen, zuletzt noch 278 ein Bündniß gegen Pyrrhos. Aber ihre Furcht, die Carthager möchten sich Siciliens bemächtigen, u. ihr Wunsch, selbst diese kornreiche Insel zu besitzen, führte die Römer nach Sicilien, u. dort entspannen sich die in der Geschichte Roms Epoche machenden Punischen Kriege (s.d.). Im ersten Punischen Kriege (264242), welcher um Sicilien geführt wurde, zeichneten sich von carthagischer Seite Hanno u. Hamilkar Barkas aus, von römischer App. Claudius Caudex, App. Claudius Pulcher, C. Duilius, welcher 260 das erste Seetreffen den Puniern lieferte u. gewann, Lutatius Catulus, M. Atilius Regulus (s.d. 2), welcher seit 256 den Krieg nach Afrika überspielte, aber dort nicht glücklich war. Zu Ende des Krieges war R. Siegerin, hatte sich auch eine Seemacht geschaffen u. die erste auswärtige Eroberung an dem westlichen, bis dahin den Carthagern gehörenden Theile von Sicilien gemacht, s. Punische Kriege A). Darauf entrissen die Römer den Carthagern 238 auch Sardinien u. Corsica, welche Inseln aber erst nach langen Kämpfen völlig unterworfen wurden. Im Vertrauen auf ihre Seemacht versuchten sie jetzt die Illyrier, welche als Seeräuber die Küsten des Adriatischen Meeres schwer heimgesucht hatten, in die Schranken zurückzuweisen, zwar im Interesse aller jener beunruhigten Länder, zunächst aber zu Hülfe gerufen von der Insel Issa. Die Verhöhnung des römischen Gesandten bei der Königin Teuta hatte 229 den Illyrischen Krieg (ersten Seeräuberkrieg) zur Folge, die Consuln L. Postumius u. Cn. Fulvius bemächtigten sich bald der Küste von Illyrien um so leichter, da nicht nur alle Inseln u. mehre Völker des Festlandes zu ihnen abfielen, sondern auch Demetrius, Teuta's Statthalter von Pharos, ihnen Kerkyra verrieth. 228 mußte die Königin Frieden machen, jährlichen Tribut versprechen, den größeren Theil des Küstenlandes abtreten u. sich verpflichten ihre bewaffneten Fahrzeuge nicht weiter als bis zum Busen von Lissos zu[280] schicken. 219 versuchte Demetrius sich von den drückenden Bedingungen zu befreien, aber auch er wurde besiegt (s.u. Illyrien S. 827). Wichtig war dieser Krieg für die Römer deshalb, weil sie dadurch einen Fuß nach Griechenland bekamen, denn die Griechen, durch den Sieg der Römer von den frechen Seeräubern befreit, schickten Gesandte nach R., um dem Senat zu danken u. demselben einen Ehrenplatz bei den Isthmischen Spielen anzutragen. An den Illyrischen schloß sich der Insubrische od. Gallische Krieg 225219 gegen die Cisalpinischen Gallier, welche ihre Landsleute, denen die Römer ihr Gebiet genommen u. unter römische Bürger vertheilt hatten, in Verbindung mit anderen oberitalischen Völkern zu rächen beschlossen u. in Etrurien einfielen. Den lange unentschiedenen Krieg, in welchem die Römer z.B. bei Fäsola 224 geschlagen wurden, endete M. Claudius Marcellus; er eroberte Mediolanum, unterwarf das ganze Gebiet am Padus u. legte dann zur Vertheidigung der gemachten Eroberung die Colonien Cremona u. Placentia an. An diesen Krieg reihete sich der zweite Punische Krieg, 213210, welcher in Spanien durch die Einnahme des mit den Römern verbündeten Sagunt durch Hannibal veranlaßt, Anfangs durch Hamilkar u. Hasdrubal in Spanien u. durch Hannibal in Italien siegreich gegen die Römer geführt wurde (denn diese wurden von den Puniern 218 am Ticinus u. an der Trebia, 217 am See Trasimenus u. trotz der geschickten Kriegsführung durch Q. Fabius Maximus Cunctator bes. 210 bei Cannä u. in vielen anderen kleineren Schlachten geschlagen), aber doch, nachdem Hannibal nach Carthago zurückgerufen u. 212 Syrakus u. damit das östliche Sicilien durch M. Claudius Marcellus erobert worden war, zu Gunsten der Römer, welche 202 unter P. Cornelius Scipio nach Afrika übergegangen waren, durch die für sie siegreiche Schlacht bei Zama endigte, s.u. Punische Kriege B). Eine Folge des zweiten Punischen Krieges, welcher durch den ungünstigen Frieden die Macht Carthagos für immer gebrochen hatte, war der Macedonische Krieg (Philippische Krieg, 200197). König Philippos III. von Macedonien hatte, im Bunde mit Hannibal, um der ihm von Rom drohenden Gefahr zu begegnen, eine Armee nach Italien schicken wollen, allein es war durch die Unvorsichtigkeit der Boten verrathen worden, u. die Römer sendeten ihm ein Heer unter M. Valerius Lävinus nach Illyrien entgegen, welches in Verein mit den ebenfalls gegen Philippos aufgebrachten Griechen ihn in deren Lande beschäftigte u. von Italiens Grenzen fern hielt. Nach dem Ende des zweiten Punischen Krieges verbanden sich die Römer noch mit dem Pergamenerkönig Attalos u. mit Rhodos u. kündigten 200 den Macedoniern den Krieg an. Nachdem der Krieg einige Jahre ohne Energie geführt worden war, schlug der Consul T. Quintius Flamininus die macedonische Phalanx zum ersten Male 198 bei Kynoskephalä, u. sogleich bat Philippos um Frieden, welchen er unter der Bedingung erhielt, daß er auf alle Besitzungen außerhalb Macedonien verzichtete, seine Flotte auslieferte, keinen Krieg außerhalb Macedoniens Grenzen ohne Vorwissen u. Genehmigung der Römer führen wollte, 1000 Talente als Kriegskosten zahlte u. seinen Sohn Demetrios als Geißel nach R. schickte. Flaminiuns ließ nun bei den Isthmischen Spielen die Freiheit Griechenlands von der macedonischen Herrschaft verkünden, begründete aber dadurch den römischen Einfluß auf Griechenland. Die Ätoler hatten den Römern in diesem Kriege Hülfe geleistet u. gehofft, daß ihnen dafür von den Römern eine Erkenntlichkeit werden würde; getäuscht in ihren Erwartungen, forderten sie den König Antiochos von Syrien auf eine Armee nach Griechenland zu schicken, um die noch daselbst weilenden Römer zu vertreiben (Syrischer od. Antiochischer od. Asiatischer Krieg). Antiochos kam, aber M' Acilius Glabrio schlug ihn 191 v. Chr. bei den Thermopylen u. nöthigte ihn nach Asien zurückzukehren. L. Cornelius Scipio Nasica verfolgte ihn nach Asien u. besiegte, mit Attalos verbunden, ihn 190 nochmals bei Magnesia am Sipylos. Antiochos bat um Frieden; er mußte das ganze Land bis an den Tauros abtreten, 15,000 Talente an die Römer zahlen u. seinen Sohn als Geißel stellen. Die Eroberungen wurden theils dem Eumenes II. von Pergamum, theils den Rhodiern abgetreten. Die Ätoler besiegte u. unterwarf 189 M. Fulvius Nobilior. Nach Beendigung des Syrischen Krieges wurde der König Philippos III. auf eine Anklage des Eumenes, der Rhodier u. Thessalier, bisher immer sein Gebiet vergrößert zu haben, vor den Richterstuhl eines römischen Legaten citirt u. mußte sich hier dessen Ausspruche fügen u. seine Grenzen beschränken. Diese Kränkung zu rächen unternahm sein Sohn Perseus; nachdem er vergebens billigere Bedingungen von den Römern verlangt hatte, gewann er die Illyrier u. andere barbarische Völker, u. 171 begann der zweite Macedonische Krieg. Vier Jahre hielt Perseus die Römer durch einen klugen Vertheidigungsplan hin, als aber der erfahrene L. Ämilius Paulus das Commando übernommen u. den König 168 bei Pydna geschlagen hatte, endigte der Krieg schnell; Perseus wurde auf seiner Flucht in Samothrake gefangen u. im Triumph nach R. geführt; sein Leidensgefährte war sein Kampfgenoß, der Illyrerfürst Gentius. Macedonien u. Illyrien wurden sogenannte Freistaaten, den Rhodiern, weil sie angeblich den Syrern geholfen hatten, ihre Besitzungen in K