Krönung [1]

[839] Krönung, 1) die feierliche Einführung eines Monarchen in die Regierung durch gewisse Gebräuche u. Ceremonien, unter denen die Aufsetzung einer Krone vor dem Angesicht des Volkes der wichtigste ist. Bei den Hebräern war die K. eine religiöse Weihe. Nachdem der König, wenn er der erste aus seinem Stamme war od. Nebenkönige hatte, wie Saul, David, Jehu, Joachas, Joas etc.,[839] feierlich gesalbt, von dem Volke mit Freudengeschrei begrüßt worden u. auf den Thron gestiegen war, wurde ihm vom Hohenpriester eine Krone od. Diadem (Neser) aufgesetzt, der Stab (Scepter) überreicht, ein Gürtel umgürtet u. das göttliche Gesetz übergeben, nach welchem er das Volk zu regieren gelobte, wogegen sich das Volk verpflichtete, dem König, als dem von Gott eingesetzten Herrscher, unterthan zu sein. Bei den Persern wurde dem König in dem Tempel das Kleid angelegt, welches Kyros getragen hatte, ehe er auf den Thron gelangte, u. ihm die königliche, oben spitzige Mütze aufgesetzt. Weder bei den griechischen, noch römischen Königen, fand eine feierliche K. Statt, doch trugen erstere eine Tiare u. den römischen Königen haben spätere Schriftsteller unter den Insignien des Regimentes einen goldenen Kranz beigelegt u. die römischen Kaiser trugen das Diadem u. hingen eine Corona civica in ihrem Palast auf, wodurch sie als beständige Erhalter der Bürger u. Sieger über die Feinde bezeichnet werden sollten.

Solenne K-en weltlicher Fürsten kommen zuerst im Byzantinischen Reiche vor, hier auch bald unter activer Theilnahme der Reichsprälaten u. seines Clerus, nicht als ob der Kaiser die Krone ursprünglich u. nach einem Reichsgesetze von dem Patriarchen empfangen hätte, sondern diese gehörte ihm kraft der Erbschaft od., wo ein Neuer auf den Thron gerufen wurde, wenn dies auch im Namen Gottes geschah, doch kraft der Wahl durch die dazu Berechtigten, denn die Kaiser nahmen die Krone schon eher, als ihnen dieselbe noch aus den Händen des Patriarchen übergeben od. aufgesetzt wurde; überhaupt aber war früher weder die K. durch den Patriarchen nothwendig, sondern wahrscheinlich nur gewöhnlich, wenn ein neues Haus zur Herrschaft berufen wurde, noch die Ceremonien bei der K. immer dieselben, sondern bei verschiedenen Kaisern verschieden. Zuerst soll Kaiser Leo I. von dem Patriarchen gekrönt worden sein, gewiß ist es von Anastasius. Die K-en geschahen, unter pflichtmäßiger Betheiligung der Hof-, Civil- u. Militärbehörden u. freiwilliger des Volkes, in Constantinopel entweder auf der Rennbahn od. in einer Kirche, bes. in der Sophienkirche, od. in bestimmten Räumen des Kaiserpalastes, gern an großen Festen, namentlich am Oster- od. Pfingstfeste, dabei beschwor der Kaiser die Capitulation, u. das Krönungsgeleit schwur ihm Treue, es fanden Geldvertheilungen an das Heer, Geschenke an die Kirche, Festschmäuse u. Titulirungen im Palast, darnach auch Spiele statt. Bei der K. (Stepsis, Stepfimos) ging es gewöhnlich so her: Nachdem der Krönling auf der Rennbahn, wo sich zu diesem Zweck einestheils der Staatsrath, die Leibwache u. das Heer, anderntheils der Clerus mit dem Patriarchen eingefunden hatten, nach vorausgegangenem Gebet, auf der Bühne stehend als Kaiser ausgerufen (u. ihm zuweilen von einem Capitän eine goldene Kette um den Kopf geschlungen, auch von einem andern Capitän eine zweite in die Rechte gegeben) worden war, wobei die Fahnen u. Zeichen gesenkt wurden, schloß ein Theil der Leibwache einen Kreis um den Kaiser u. bildete mit seinen Schilden eine Wand, hinter welcher er den Kaiserornat anzog, die Krone (Diadema, Stephanos) aufsetzte u. Schild u. Lanze nahm. So zeigte er sich dem Volke, od. wurde auch auf dem Schilde vorgetragen, u. die Würdenträger huldigten ihm unter dem Zuruf der Menge. Darauf leistete er durch seinen Cabinetssecretär den Regenteneid u. ließ sogleich verkündigen, welches Geldgeschenk jeder erhalten sollte. Nachdem nun der Kaiser das Volk gesegnet hatte (Gott mit euch!), bewegte sich der Zug in vorgeschriebener Ordnung nach der Stadt, u. während der Patriarch mit dem Clerus voraus in die Hauptkirche ging, begab sich der Kaiser erst noch zu Fuß in die Feldkapelle, wo sich Presbytern befanden; nachdem er die Krone abgelegt hatte, betete er; nach Verrichtung des Gebetes setzte er die Krone wieder auf, bestieg ein weißes Pferd u., nachdem die Würdenträger auf seinen Befehl Gleiches gethan hatten, ging der Zug in die St. Johanniskirche; beim Eintritt in dieselbe nahm der Kaiser die Krone vom Haupte u. gab dieselbe dem Präpositus, welcher sie mit gesenkten Händen trug u. am Altare dem Kaiser übergab; dieser legte sie auf den Altar u. nachdem er der Kirche Geschenke an Kleinodien gemacht hatte, nahm er die Krone wieder vom Altar u. übergab sie dem Präpositus wieder, aus dessen Händen er sie beim Ausgang wieder empfing u. aufsetzte u. das Pferd wieder bestieg. In der Stadt am Palast angekommen, wechselte der Kaiser die Kleider, zog die Beinkleider, den weißen goldbesetzten Leibrock an u. nahm den Kaisermantel um; darauf bestieg er mit dem ersten Patricius eine Karosse u. zog unter Vortragung des Kreuzes u. Vorgang der Großen nach dem Constantinsplatz; hier stieg er vom Wagen u. begrüßte den Stadtpräfecten u. Senat, wogegen er von dem Senatspräsidenten u. Stadtpräfecten eine goldene Thurmkrone (unten weiter als oben) empfing (die er aber nicht aufsetzte). Nach der Begrüßung des ganzen Senats bestieg der Kaiser wieder, aber nun allein, die Karosse, u. der Zug ging in die Hauptkirche. Nachdem er hier in dem Ankleidezimmer die Kleider gewechselt u. die Krone abgesetzt u. dem Präpositus gegeben, dieser sie ihm am Altar wieder eingehändigt u. er selbst sie auf den Altar gelegt hatte, trat er vor die Chorschranken, ging in seinen Betstuhl u. hörte hier die Lection des Evangeliums, communicirte auch, wenn er wollte, darauf setzte ihm der Patriarch die auf dem Altar liegende Krone auf, u. der Kaiser verließ die Kirche. Auch die Geistlichkeit erhielt hier Geschenke. Nun verfügte sich der Kaiser in den Palast, wo ihn die Senatoren empfingen, welche ihm durch den Stadtpräfecten eine Anweisung auf eine Geldsumme einhändigten, u. alle Commandanten der Leibwache durch den Fußkuß ihm huldigten. Nachdem hierauf die Theilnehmer am Zuge klassenweise entlassen worden waren, schwuren die Palastbeamteten schriftlich dem Kaiser Treue, welche Urkunde der Kaiser immer bei sich trug, u. die Kaiserin begrüßte ihn Zur Tafel wurden die obersten Beamteten gezogen u. diese speisten mit dem Kaiser, die Offiziere aber an abgesonderten Tischen. Auch pflegte der Kaiser am Krönungstage Stellen zu verleihen. Tags darauf wurde ein Wettrennen veranstaltet u., wenn es dem Kaiser gefiel, wieder Tafel gehalten. Auch die Kaiserin wurde unter besonderen Ceremonien gekrönt; dabei segnete der Patriarch die Krone, übergab dieselbe dem Kaiser u. dieser setzte sie der Kaiserin auf; Gleiches geschah, wenn Einer zum Cäsar gewählt wurde. Unter den Byzantinischen Historikern beschreiben die Kaiserkrönung ausführlich bes. Kantakuzenos, Kodinos u. Constantinus Porphyrog., unter den Neueren bes. Selden in Titles of honour. Die byzantinischen Gebräuche liegen allen[840] denen in christlichen Staaten bei K-en beobachteten zu Grunde.

Bei den germanischen Völkerschaften kommen Kronen schon bei den Merovingern als königlicher Schmuck vor, aber nicht die K. Bei ihnen galt die Erhebung auf den Schild (Elevatio) u. das Umhertragen auf dem Schilde (Gyratio) als Zeichen der Einsetzung als König, s.u. Deutschland (Ant.). Die Könige der Franken wurden, seitdem sie Christen geworden waren, zu Rheims von den Bischöfen gesalbt aus einem Ölfläschchen, welches bei Chlodwigs Salbung eine Taube vom Himmel gebracht haben soll. Die Ceremonie der K. fand nicht bei allen Königen Statt. Auch fand eine K. der Longobardenfürsten mit der sogenannten Eisernen Krone (s.d.) in der Kathedrale zu Mailand od. zu Monza Statt. Die K. bekam aber erst ihre völlige Form, als Papst Stephan 800 Karl dem Großen zu Rom die kaiserliche Krone aufsetzte. Nach der Zersplitterung des Karolingischen Reichs ließen sich die Erben jeder von dem vornehmsten Geistlichen seines Theils krönen; der Vorzug, in Rom vom Papste gekrönt zu werden, blieb aber den deutschen Königen, die von Otto I. bis Friedrich IV. fast alle in Rom zu Kaisern gesalbt u. gekrönt wurden, u. erst seit Leopold I. blieb in der Wahlcapitulation die Formel weg, daß er sich nach Rom verfügen möchte um sich dort krönen zu lassen. Früher war die K. des römisch-deutschen Kaisers eine vierfache, er hatte sich nämlich außer der K. zum römischen Kaiser in Rom, die dann meist der Papst od. in dessen Abwesenheit ein Legat od. Cardinalbischof gewöhnlich in der Kirche zu St. Johann vom Lateran verrichtete, noch einer lombardischen, burgundischen u. deutschen K. zu unterziehen. Die lombardische K. geschah meist in Mailand od. Monza in der Regel vom Patriarchen von Mailand u. die burgundische zu Arles von dem Erzbischof dieser Stadt. Letztere kam nur bei 5 Kaisern (Konrad II., Heinrich III., Friedrich I., Friedrich II. u. Karl IV.) vor. Bei ihr verrichteten arelalanische, bei der lombardischen auch zuweilen italienische Große die Erzämter.

Die K. in Deutschland geschah sonst gewöhnlich in Aachen, welches seit Karl dem Großen als Hauptstadt des Deutschen Reichs galt. Vor der Goldenen Bulle wurden 18 Kaiser daselbst gekrönt, u. wenn ein Kaiser an einem anderen Orte gekrönt war, so mußte die K. in Aachen wiederholt werden. Seit der Goldenen Bulle, welche noch Aachen gesetzmäßig als Krönungsort bestimmte, sind Wenzel, Sigismund, Albrecht II., Friedrich III., Maximilian I., Karl V. u. Ferdinand I. dort gekrönt worden, nach dieser letzten K. (1531) wurde aber Aachen wegen Nähe der französischen Grenze zum Krönungsplatz für unpassend gehalten u. Regensburg, Augsburg, am häufigsten aber seit 1711 Frankfurt a. M. dazu gewählt. Stets wurde aber der Stadt Aachen die Versicherung gegeben, daß dies wegen augenblicklicher Nothwendigkeit geschehe u. dadurch ihr Recht keineswegs präjudicirt werden solle. Nach erfolgter Wahl sendeten die Kurfürsten u. Reichsfürsten dem Erwählten Glückwünschungsschreiben zu. Dieser begab sich hierauf nach dem Krönungsort u. hielt, vor den Thoren von den Kurfürsten empfangen, seinen feierlichen Einzug unter Paradirung der Bürgerschaft u. des Bürgermilitärs u. unter Läuten aller Glocken u. 300 Kanonenschüssen; in der Wahlkirche leistete er den Eid auf die Wahlcapitulation (s.d.). Von jetzt an führte er den Titel Römischer König. Die Kaiserkrönung in der letzten Zeit des Deutschen Reiches war so: Am Krönungstage, welchen der Erwählte bestimmte, wurden die Reichskleinodien (s.d.), welche in der Krone, dem Scepter, dem Reichsapfel, den Schwertern Karls des Großen u. des St. Moritz, den Sporen, dem Kaiserhabit bestanden u. von Nürnberg u. Aachen, wo sie verwahrt, wurden, feierlich herbei gebracht waren, in Frankfurt in sechsspännigen Wagen in die Kirche gebracht, wo sie die Reichserbthürhüter empfingen. Die geistlichen Kurfürsten sendeten die Krone, das Scepter, den Reichsapfel u. das Schwert des St. Moritz durch einige Domherren in einem sechsspännigen Mainzer Paradewagen zum Kaiser. Die anwesenden weltlichen Kurfürsten versammelten sich nun in der Kurkleidung, od. wenn sie nur Gesandte geschickt hatten, diese in spanischer Tracht, auf dem Römer u. begaben sich von da paarweise in den Palast des Kaisers. Bei der Procession ritten sie dann mit unbedecktem Haupt vor dem Kaiser her, unmittelbar vor ihm der Reichserbtruchseß mit dem Reichsapfel, vor ihm der Reichserbkämmerer mit dem Scepter, links der Reichserbschatzmeister mit der Krone, dann einzeln der Reichserbschenk u. der Reichserbmarschall mit dem entblößten Schwerte des St. Moritz. Nun folgte der Kaiser zu Pferd in seinem Hausornat u., wenn er ein geborner König war, mit der Hauskrone u. seinen Orden geziert, unter einem von 10 Stadtdeputirten Frankfurts getragenen Baldachin. Ihm zur Seite gingen mehrere Herren des Hofstaates; ihnen folgten seine Leibgarden, dann kam eine Bürgercompagnie mit klingendem Spiel u. fliegender Fahne, das Gefolge des Kaisers u. der weltlichen Kurfürsten, prächtige Equipagen etc. schlossen den Zug. Bei dem äußeren Kreuzgang des Doms, wo die Mainzer Schweizergarde paradirte, angelangt, stieg der Kaiser vom Pferde, der Kurfürst von Mainz überreichte ihm, von den andern geistlichen Kurfürsten umgeben, das Weihwasser, u. er betrat nun die Kirche, an deren Thür innen die kursächsische Schweizergarde aufgestellt war. Die Reichserbthürhüter (die Grafen von Pappenheim u. Werther) waren in spanischer Tracht gekleidet.

Nach Beendigung der Antiphonien führten die Kurfürsten von Köln u. Trier den Kaiser zum Altar, wo ihn der Kurfürst von Mainz, als die K. verrichtend, im erzbischöflichen Ornat erwartete. Der Kaiser kniete nieder, der Kurfürst von Mainz sprach Gebete über ihn, dann stand der Kaiser wieder auf u. nahm in seinem Betstuhle Platz Nachdem der Kurfürst von Mainz den Meßornat angelegt hatte, begann er ein feierliches Hochamt. Bevor das Evangelium abgesungen wurde, begab sich der Kaiser, vom Hausornat u. seinen Ordenszeichen entkleidet, in leichter Hauskleidung wieder zu dem Altar u. kniete nieder; die geistlichen Kurfürsten beteten über ihn. Nach geendigter Litanei fragte ihn der Kurfürst von Mainz in lateinischer Sprache: ob er dem katholischen Glauben treu bleiben u. ihn durch Werke bethätigen wolle, ob er Schützer der Kirchen u. ihrer Diener sein, ob er gerecht regieren u. das Reich schirmen, ob er die Rechte derselben erhalten, die ungerecht zerstreuten Güter wieder sammeln u. solche zum Nutzen des Reichs verwenden, ob er gerechter Richter der Armen u. Reichen, der Wittwen u. Waisen u. deren Vertheidiger sein, ob er den: Papst u. der Römischen [841] Kirche die schuldige Unterwürfigkeit leisten wolle? Auf jeden dieser Punkte antwortete der Kaiser Volo (ich will)! stieg dann die Stufen des Altars hinauf u. beschwor dies Versprechen auf das Evangelienbuch aus Aachen. Hierauf wendete sich der Kurfürst von Mainz an alle Anwesende u. fragte sie, ob sie diesen Fürsten annehmen, sein Reich befestigen, seinen Befehlen gehorchen wollten, u. Alle antworteten: Fiat! fiat! fiat! (es geschehe!). Nach abermaligem Gebet des Kurfürsten von Mainz über den Kaiser erhob sich letzter von den Knien, stieg wieder zum Altar hinauf u. wurde dort seines Oberkleides entkleidet. Das Unterkleid hatte an, den Stellen, wo der Kaiser gesalbt werden sollte, Öffnungen; der Kurfürst setzte sich nieder u. salbte nun den Kaiser auf Scheitel, Brust, Nacken, zwischen den Schultern, auf den rechten Arm, in das Gelenk des rechten Armes u. in die flache Hand. Bei jeder Salbung sprach er: ich salbe dich zum König im Namen des Vaters, des Sohnes u. des heiligen Geistes. Zwei Weihbischöfe, gewöhnlich der von Mainz u. Erfurt, trockneten darauf dem Kaiser das Salböl mit Baumwolle u. Roggenbrod ab, der brandenburgische Gesandte band ihm mit Hülfe der Hofämter die offenen Stellen des Kleides wieder zu u. die Kurfürsten von Trier u. Köln geleiteten ihn in das Conclave. Dort ließ sich der Kaiser nieder, die Nürnberger Deputirten zogen ihm Strümpfe u. Schuhe des kaiserlichen Ornats, der brandenburgische Gesandte aber die Dalmatica u. die Alba an, zwei Nürnberger Deputirte reichten ihm kniend den Gürtel zum Aufbinden u. er selbst schnallte ihn zu, der Kurfürst von Brandenburg als Erzkämmerer od. dessen Gesandter warf ihm die Stola um. Er begab sich nun wieder in die Kirche, wo der Kurfürst von Mainz einige Gebete sprach u. dann die von Trier u. Köln dem Kaiser das entblößte Schwert Karls des Großen reichten, welches er so lange in der rechten Hand hielt, als der Kurfürst von Mainz ein Gebet sprach, darauf gab er es dem Kurfürsten von Sachsen als Erzmarschall, welcher es in die Scheide stieß u. mit Beihülfe der übrigen Kurfürsten den Kaiser damit umgürtete. Der Rector des Chors u. Propst des Bartholomäusstiftes überreichte ihm nun die zum kaiserlichen Ornat gehörigen Handschuhe auf einem Credenzteller; er zog sie an, steckte den Ring an, nahm das Scepter in die Rechte, den Reichsapfel in die Linke, das Schwert Karls des Großen zog der Kurfürst von Sachsen aus der Scheide u. gab es dem Erbmarschall (Grafen von Pappenheim), der dafür das Schwert des St. Moritz, welches er bisher geführt hatte, auf den Tisch neben dem Altar legte. Der Reichserbkämmerer legte dem Kaiser darauf mit Hülfe der Nürnberger Deputirten das Pluviale um u. der Reichserbschatzmeister brachte die Reichskrone herbei, welche dem knienden Gesalbten die drei geistlichen Kurfürsten, als Erzkanzler der drei Reiche Deutschland, Arelat u. Italien, gemeinschaftlich aufsetzten, der Kurfürst von Mainz sprach wieder ein Gebet, u. der Kaiser erstieg hierauf, von allen Kurfürsten u. kurfürstlichen Assistenten begleitet, wieder die Stufen des Altars hinan u. legte dort lateinisch, dann deutsch einen dem vorigen ähnlichen Eid ab. Die Reichsinsignien wurden hierauf den Reichserbämtern wieder übergeben, u. der Kaiser, begleitet von den Kurfürsten od. deren Gesandten, in seinen Betstuhl geführt. Das Hochamt wurde fortgesetzt u. der Kaiser empfing (ohne Krone) das Abendmahl. Er bestieg dann mit Krone den kaiserlichen Thron u. empfing hier die Glückwünsche der Kurfürsten durch den Kurfürsten von Mainz, worauf dieser am Hochaltar das Tedeum anstimmte, welches von 100 Kanonenschüssen u. dem Glockengeläute begleitet wurde. Das Volk brach in das Geschrei: Es lebe der Kaiser! aus. Die geistlichen Kurfürsten legten nun ihre Kurkleider wieder an, der Kaiser blieb aber auf dem Throne sitzen, u. der Kurfürst von Sachsen gab ihm das Schwert Karls des Großen, womit er diejenigen zum Ritter schlug, welche er selbst dazu ernennen wollte, od. die ihm die Kurfürsten (jeder höchstens 12, von 4 Ahnen u. welche kein Verbrechen begangen haben durften) dazu vorgeschlagen hatten; vor allen hatte die Familie Dalberg seit Kaiser Friedrich I. Ansprüche auf diesen Ritterschlag, u. war keiner unter den zum Ritter zu Schlagenden, so erging der Ruf: Ist kein Dalberg daß laut in die Kirche. Im Betstuhl nahte sich ihm nun der Stiftsdechant von Aachen, nahm ihn zum Canonicus des Aachner Stiftes auf u. ließ ihn den dortigen Eid schwören. Der Kaiser ging hierauf, mit den Reichsinsignien bekleidet, zu Fuß unter einem Baldachin, dessen Stangen die ältesten Frankfurter Schöffen trugen, aus dem Dom nach dem Römer. Zu den Reichserbämtern war aber noch der Stellvertreter des Kurfürsten von Mainz gekommen, welcher das Reichssiegel an einem silbernen Stabe trug. Das gelb, schwarz u. rothe Tuch auf dem Bret (Brücke), über welche der Zug schritt, wurde dem Volke preisgegeben.

Noch vor dem Krönungsmahle verrichteten, von starken Wachen begleitet, die Erzämter ihre Pflichten; der Kurfürst von Sachsen als Erzmarschall, od. in dessen Abwesenheit der Reichserbmarschall von Pappenheim, setzte sich nämlich zu Pferde u. ritt in den vor dem Römer aufgeschütteten Haferhaufen hinein, so daß der Hafer dem Pferde bis an den Bauch reichte, füllte ein silbernes Maß mit Hafer, strich es mit einem silbernen Streicher ab, schüttete den Hafer wieder aus und gab das Mast dem Reichsquartiermeister. Der Kurfürst von Brandenburg, als Erzkämmerer, od. in seiner Abwesenheit der Fürst von Hohenzollern als Reichserbkämmerer, ritt an den mit einem weißen Tuch gedeckten Tisch vor dem Römer, nahm das dort stehende silberne Handbecken mit Gießkanne u. Handquele u. brachte dies in den Speisesaal. Der Kurfürst von der Pfalz, als Erztruchseß, od. der Graf Waldburg als Reichserbtruchseß, holte zu Pferd von dem in der dort errichteten hölzernen Küche ganz gebratenen, mit Hafen gespickten Ochsen ein Stück in einer silbernen Schüssel u. brachte dies dem Kaiser. Der König von Böhmen, als Erzerbschenk, od. der Graf von Althann als Reichserbschenk, ritt zu einer Tafel u. holte einen darauf stehenden silbernen Becher u. reichte ihn dem Kaiser. Der Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg, als Erzschatzmeister, od. in dessen Abwesenheit der Reichserbschatzmeister Graf von Sinsendorf, ritt auf den Römerberg durch das Volk u. warf aus 2 Beuteln goldene u. silberne Krönungsmünzen aus. Die Pferde u. das Silber, welches sie überbrachten, waren Eigenthum der Erbämter; dem Volke wurde aber der Hafer u. der gebratene Ochse preisgegeben. Auch aus dem Springbrunnen auf dem Römerberge, aus welchem rother u. weißer Wein sprang, konnte jeder trinken, welcher beikommen konnte.[842]

Nun folgte die Krönungstafel im Römer, welche entweder für den Kaiser allein od. für den Kaiser u. die Kaiserin bereitet war; auch war wohl für die Letztere eine Tafel drei Stufen unter jener servirt. Der Kurfürst von Mainz sprach das Tischgebet. Während dessen 100 Kanonenschüsse. Der Reichserbschenk nahm dem Kaiser die Krone vom Haupt, der Reichserbkämmerer reichte das Wasser u. das Handtuch. Der Reichserbtruchseß trug die erste Speise, unter Voraustritt des Reichserbmarschalls, des Reichsquartiermeisters, der Reichsherolde u. in Begleitung der kaiserlichen u. sächsischen Schweizer, ein, die andern wurden von 40 Reichsgrafen überbracht. Der Reichserbschenk schenkte das Getränke ein, der Erztruchseß schnitt vor. Während der Tafel legte der Kurfürst von Mainz dem Kaiser die Reichsiegel vor, welche dieser aber sogleich zurückgab, worauf dieselben der Kurfürst nun um den Hals hing. Für die Wahlbotschafter der weltlichen Kurfürsten, wenn diese nicht selbst zugegen waren, war für jeden eine besondere Tafel unter einem Baldachin servirt u. mit drei zugedeckten Schüsseln besetzt, allein sie speisten daheim, erschienen jedoch vor aufgehobener Tafel wieder in dem kaiserlichen Speisesaal. In den Nebenzimmern speisten die Erbämter, die kaiserlichen Oberhofämter, so wie die Deputirten Nürnbergs u. Aachens, einige Glieder des Frankfurter Magistrats u.a. Nach aufgehobener Tafel legte der Kaiser seinen Ornat wieder an u. zeigte sich so dem Volke von dem offenen balkonartigen Fenster im Kaisersaal, das Volk begrüßte ihn mit: Es lebe der Kaiser! Dann fuhr der Kaiser im Ornat, begleitet von den Kurfürsten u. Wahlbotschaftern, zu Wagen, unter Vortragen der Reichsinsignien durch die Erbbeamten zu Pferde, in seinen Palast. Gratulationen der Reichsstände u. Reichsstädte, Freudenfeste aller Art, Illuminationen, Dankpredigten etc schlossen die Feierlichkeit. Auch pflegte der Kaiser die Huldigung Frankfurts persönlich anzunehmen. Die Juden nahm ein kaiserlicher Commissarius in Pflicht. Sie erlegten darauf die Kronsteuer. Bei der Abreise des Kaisers paradirten die Bürgerschaft u. zur Begleitung die städtischen Compagnien zu Pferde u. donnerten 300 Kanonenschüsse. Jeden Kurfürsten begleiteten bei seiner Abreise 125 Kanonenschüsse. Die letzte deutsche Kaiserkrönung erfolgte am 14. Juli 1792 an Franz II.

In Frankreich fand zur Zeit der Bourbonen die K. in der Kathedrale von Rheims Statt. Der König begab sich nach Rheims, wo ihn die Behörden empfingen u. ihm die Stadtschlüssel überreichten; er fuhr nun zunächst in die Kathedrale, wo ihn der Erzbischof erwartete, ihm das Weihwasser überreichte u. das Evangelienbuch küssen ließ. Bei der K. selbst holten 2 Cardinäle u. andere Deputirte den König ab u. führten ihn zur Kirche; ein prächtiges Gefolge von Garden u. Hofchargen begleitete ihn. Der Stellvertreter des Connetable mit gezücktem Schwert u. 4 Rittern des Heiligen Geistordens, welche Opfergaben trugen, zeichneten sich darunter aus. Der König trug ein Kleid von Silberstoff, Schuhe mit Silberspangen, Tricots, ein Barret von schwarzem Sammt mit zwei weißen Reiherfedern u. in der Mitte ein Kreuz von Diamanten. Unter mehreren Gebeten u. Gesängen nahte der König dem Altar, kniete nieder, der Erzbischof sprach ein Gebet über ihn u. der König kehrte zu dem Sitz zurück, wohin ihm der Erzbischof folgte u. ihn mit Weihwasser besprengte. Mehrere Gesänge wurden angestimmt, unter andern das Veni creator, bei dessen erster Strophe der König niederkniete. Der Erzbischof von Rheims nahte ihm hierauf, u. der König, welcher wieder aufgestanden war, legte sitzend u. mit bedecktem Haupt auf das Evangelienbuch den Krönungseid (n. den Eid als Großmeister der Ehrenlegion) ab. Der König wurde darauf von Oberkleid u. Barett entkleidet, in einem rothseidenen, silbergestickten Wamms zum Altar geführt, wo ihn der Erzbischof sitzend erwartete. Hier wurden Ersterem violetsammtne, mit goldenen Lilien gestickte Stiefeln angezogen u. vom Dauphin goldene Sporen überreicht, welche er aber sogleich zurückgab; der Erzbischof segnete hierauf das Schwert Karls des Großen ein, gürtete es dem König um, zog es u. überreichte es dem König. Dieser erstieg den Altar, senkte das Schwert, legt es auf den Altar u. kniete nieder. Der Erzbischof nahm das Schwert von Neuem u. gab es dem König wieder, welcher es sogleich dem Stellvertreter des Connetable überreichte, sprach Gebete über ihn, nahm dann mit einer goldenen Nadel aus dem heiligen Salbungsfläschchen (s. Ampulla 3) etwas von dem in demselben enthaltenen Stoff u. mischte es mit dem Chrisam. Dem König erweiterten nun die Cardinäle die Öffnungen in dem Wamms u. führten ihn an den Altar, wo 4 Bischöfe die Litanei fangen u. ihn der Erzbischof auf den Scheitel, die Brust, zwischen den Schultern, auf die rechte u. linke Schulter u. in das rechte u. linke Armgelenk salbte. Nun wurden dem König die violet atlasne, mit goldenen Lilien gestickte Tunica u. Dalmatica, so wie der von gleichem Sammt gefertigte, mit goldenen Lilien gestickte u. mit Hermelin besetzte Mantel angelegt. Der Erzbischof salbte ihn beide Handflächen, zog ihm ein Paar Handschuhe an, steckte dann einen Ring daran fest, gab ihm das Scepter u. den Stab der Gerechtigkeit u. setzte ihm die Krone auf das Haupt. Der König bestieg nun den Thron, wo ihm der Erzbischof ein dreimaliges Lebehoch ausbrachte u. die Prinzen, dies wiederholend, nahten, um von ihm umarmt zu werden. Der leinene Vorhang, welcher das Volk von der Kirche trennte, zerriß, das Volk drang ein, Artilleriesalven ertönten, die Wappenherolde theilten Medaillen unter das Volk aus, die Vogelsteller des Königs ließen eine große Menge Tauben u. kleinerer Vögel in der Kirche fliegen, die Glocken wurden geläutet u. Vivatgeschrei ertönte. Nachdem nun der König persönlich noch die Opfergaben (eine Vase, zwei Brode von Gold u. Silber u. eine Schüssel mit Krönungsmedaillen) selbst dem Erzbischof dargebracht, den Friedenskuß durch den Großalmosenier vom Erzbischof erhalten u. an die Prinzen weiter gegeben, das Abendmahl, jedoch ohne Krone, empfangen, die Krone wieder aufgesetzt u. gebetet hatte, nahm der Erzbischof die Krone Karls des Großen vom Haupte des Königs u. setzte ihm eine leichtere auf; er übergab zugleich die schwerere einem Marschall, um sie vor dem König herzutragen. Der König durchzog nun in Procession die Kirche u. kehrte durch die Gallerie in seine Gemächer zurück. Nachdem er hier Hemd u. Handschuh übergeben hatte, welche, als von dem Chrisam berührt, verbrannt wurden, begab er sich zum Krönungsmahl, an dem nur der König u. die Prinzen von Geblüt u. an Nebentafeln die andern Großen, aber keine Damen. Theil nahmen. Begnadigungen[843] aller Art, Ordensverleihungen, Ernennungen u. Beförderungen erfolgten nun. Zuletzt wurde so Karl X. 1825 gekrönt; dessen Nachfolger, Ludwig Philipp aus dem Hause Orleans, wurde nicht gekrönt u. der Kaiser Napoleon I. setzte sich 2. Decbr. 1804 in der Notredamekirche die Krone selbst auf, während der Papst die andern Ceremonien verrichtete; der jetzige Kaiser hat sich noch nicht krönen lassen.

In England findet die K. in der Westminsterabtei Statt, wohin sich der König od. die Königin aus dem St. Jamespalast (zuletzt dem Buckinghampalast) in feierlichem Zuge zu Wagen begibt u. sich in einer dort eigens errichteten Vorhalle umkleidet. Er begibt sich nun, während Hymnen gesungen werden, im Krönungsornat u. von Hofchargen u. dem Träger der Krönungsinsignien begleitet nach einem Lehnstuhl (Faldstool, Recognitionsstuhl) u. am Schluß der ersten Hymne ruft ihn der Erzbischof von Canterbury, begleitet von vier Lords; auf der Krönungsbühne nach allen Himmelsgegenden als König aus u. fragt die Anwesenden, ob sie ihm huldigen wollten. Ein viermaliges: Gott erhalte den König! ist die mit Tuch- u. Hutschwenken begleitete Antwort. Der König steht dabei vor seinem Lehnstuhl auf der Seite, wohin er eben ausgerufen wird. Dieser Act heißt Recognition des Volkes. Hierauf naht sich der König, von zwei Bischöfen geführt, dem Altar u. opfert knieend eine goldene Altardecke u. ein Pfund Gold (Oblation offering); der Erzbischof betet über ihn, darauf erhebt sich der König u. begiebt sich auf seinen Stuhl zurück. Nachdem dem Erzbischof die Krönungsinsignien übergeben worden sind, u. zwei Bischöfe die Litanei u. die Abendsmahlsgebete verlesen haben, hält der Erzbischof von York die Krönungspredigt, worauf der König den ihn vom Erzbischof von Canterbury vorgelesenen Eid, die Hand auf die Bibel gelegt, leistet. Er kehrte zu seinem Sitz zurück, wird hier seiner Oberkleider (bei einer Königin der karmesinen Robe) entkleidet, geht wieder zum Altar, wo er sich auf dem mit Goldtuch belegten Sessel St. Eduards niederläßt, über dem vier Ritter vom Orden des Hosenbands eine goldene Decke halten. Hier empfängt er vom Erzbischof von Canterbury die Salbung in Form eines Kreuzes auf Kopf u. Hände, wobei der Dechant von Westminster das geweihte Salböl in den Salblöffel ausgießt. Derselbe bekleidet nun den König mit der Supertunica u. mit dem Schwertgürtel u. gibt die Sporen, welche auf dem Altar liegen, dem Lord-Oberkammerherrn, welcher sie dem König umschnallt (einer Königin werden dieselben von einem Oberkammerherrn überreicht, sie gibt sie aber zurück). Der Erzbischof gibt das Schwert dem König, welches ihm der Oberkammerherr umschnallt (eine Königin eine Zeit lang in der Hand behält). Der König opfert es dem Altar, doch löst es der Schwertträger für 100 Schillinge wieder ein; hierauf wird dem König die Dalmatica angezogen; der König setzt sich, der Erzbischof von Canterbury gibt ihm den Reichsapfel, welchen er jedoch dem Dechanten zurückgibt, der Erzbischof steckt ihm einen Ring an, u. der Besitzer des Ritterguts Worsop (jetzt der Herzog von Norfolk) überreicht ihm ein Paar Handschuhe, worauf das Wappen der Howards gestickt ist, u. welche der König anzieht, der Erzbischof gibt das Scepter mit dem Kreuze in seine Rechte, das mit der Taube in seine Linke, segnet dann die Krone St. Eduards u. setzt dieselbe dem König auf. Vivats, Trompeten u. Kanonendonner ertönen; die Peers, Bischöfe, der Lordmajor von London u. Wappenkönige bedecken sich, erstere mit den Krönchen, welche sie bisher in den Händen trugen, der Erzbischof von Canterbury aber übergibt dem Könige eine Bibel, welche er sogleich zurückerhält, u. spricht dann den Segen aus, worauf der König ihn u. die vor ihm knieenden Bischöfe küßt (was bei einer Königin unterbleibt). Das Tedeum wird gesungen, u. der König besteigt, von den Bischöfen u. Peers geführt, den Thron. Die Bischöfe küssen darauf des Königs linke Wange (bei einer Königin deren Hand), die Prinzen von Geblüt u. dann die Peers huldigen dem Könige knieend u. nachdem sie ihre Krönchen abgenommen. Während dessen werden Krönungsmedaillen ausgeworfen. Der König empfängt hierauf, nachdem der Erzbischof, der Dechant u. die assistirenden Bischöfe communicirt haben, das Abendmahl mit abgenommener Krone, opfert eine Goldbörse, setzt die Krone wieder auf, nimmt die zwei Scepter u. besteigt den Thron, wo er so lange bleibt, bis der Erzbischof von Canterbury die Gebete u. die Austheilung des Abendmahls vollendet hat. In der St. Eduardskapelle bekleidet sich der König mit dem königlichen Purpur u. der Sammtrobe, u. so geschmückt schreitet er nun, den Scepter in der einen, den Reichsapfel in der anderen Hand, unter Vortragung des Schwertes ohne Spitze (Curtane), auf die Krönungsbühne nach Westminsterhall zurück, während Krönungsmünzen ausgeworfen werden. Darauf begibt sich der König mit allen Insignien in den Speisesaal zum Banket, an welchem nur die königlichen Prinzen Theil nehmen. (Dieses Banket unterblieb bei der K. der Königin Victoria u. statt dessen waren große Volksfeste angeordnet). Die Speisen werden unter dem Vortritt von drei Großen des Reiches feierlich in den Saal gebracht, der Lord-Oberkammerherr reicht dem König Wasser zum Waschen, dieser wäscht u. setzt sich dann. Nach einem, vom Dechanten von Westminster gesprochenen Gebet überreicht der Lehnsträger von Addington Hafergrütze, der von Wymondeley knieend einen silbernen Becher mit Wein, aus welchem der König trinkt u. ihn sodann dem Überbringer als Geschenk zurückgibt. Gleiches geschieht von dem Herzog von Argyle mit einem goldenen Becher mit Wein. Vor der zweiten Tracht erscheint nun der Champion, ein geharnischter Ritter zu Pferde, im Westminstersaal, der einen Handschuh hinwirft, damit ihn Jeder, welcher den König nicht anerkennen will, aufhebe u. mit ihm kämpfe (der Champion erscheint 1377 bei der K. Richards II. zuerst; er war ein Ritter, welcher vorher mit einem Landstück beliehen worden war, u. bei der K. Georgs II. hob Jemand den Handschuh im Namen des Prinzen Karl Eduard Stuart auf); der König trinkt aus einem goldenen Becher auf sein Wohl, schenkt dem Champion den Becher, u. dieser verläßt den Saal (sein Pferd rückwärts ziehend, damit er dem König nie den Rücken zuwende). Gleich darauf wird der König an drei verschiedenen Orten als König in lateinischer, französischer u. englischer Sprache proclamirt. Der Lehnsträger von Nether schenkt dem König nun drei Becher von Ahornholz; der Herzog von Norfolk empfängt als Oberkellermeister ein goldenes Becken u. Waschgefäß zum Geschenk; der Lordmajor von London überreicht dem König einen goldenen Becher mit Wein, aus welchem derselbe trinkt u.[844] ihn dem Lordmajor als Geschenk überreicht; der Major von Oxford übergibt dem König eine Bowle mit Wein, wofür er die drei ahornen Becher bekommt; der Lehnträger von Lyston bedient den König mit Waffeln, der Herzog von Athol überreicht ihm zwei Falken; endlich bringt der erste Prinz von Geblüt die Gesundheit des Königs aus, welche von einem Großen in des Königs Namen für ihn u. das ganze Volk erwidert wird. Die jetzige Königin Victoria wurde am 28. Juni 1838 gekrönt.

Die Czarenkrönung in Rußland schreibt sich von dem Großfürsten Wladimir Monomach von Kiew (regierte 1113–25) her, beschränkte sich indeß bis zum Ende des 15. Jahrh. auf einen von dem Metropoliten abgehaltenen Gottesdienst u. den Eid des Volkes. Iwan III. war der erste, welcher im 15. Jahrh. eine Krönungsceremonie einführte; diese wurde zuerst bei seinem Enkel Dimitri, dann auch bei dessen Nachfolgern vervollständigt u. erweitert. Bei dieser Feierlichkeit zog der Czar in Begleitung des Hofs in die Kirche der Himmelfahrt Mariä im Kreml zu Moskau, wo die Krone u. der Krönungsmantel Wladimirs bereit lagen. Ein Gebet zur Mutter Gottes u. zu Petrus leitete die Feier ein; der Metropolit bezeichnete den Fürsten mit dem Kreuz, legte die Hand auf dessen Haupt u. betete um den Segen Gottes. Darauf reichten die Archimandriten Krönungsmantel u. Krone dar, der Metropolit das Scepter, salbte ihn auch mit dem heiligen Öl u. ertheilte ihm die Sacramente. Nach einem darauffolgenden Gesang nahm der neue Czar die Glückwünsche der Geistlichen, der Bojaren u. der Großbeamten entgegen u. betete dann vor den Heiligenbildern, den Reliquien u. den Särgen seiner Vorfahren in den Kirchen des Heiligen Erzengels u. der Verkündigung Mariä. Die Feierlichkeiten beschloß ein prächtiges Gastmahl. Der Unterthaneneid wurde von Boris Godunow eingeführt. Nach der K. fand der feierliche Empfang der fremden Gesandten statt. War der Gekrönte noch unverheirathet, so pflegte er sich in der Zeit der K. zu vermählen. Die russischen Krönungsfeierlichkeiten der neueren Zeit sind den alten ziemlich ähnlich. Einige Tage vor der K. hält der Kaiser seinen feierlichen Einzug in das festlich geschmückte Moskau, welchen Kanonensalven u. die Glocken sämmtlicher Kirchen der Stadt verkünden. Zu beiden Seiten der Straße, von dem Palaste Petrowski an der Grenze von Moskau bis zum Kreml, welche der Zug durchschreitet, bilden die Truppen Spalier. Den Zug eröffnet der Polizeimeister mit Gensdarmen, mehre Abtheilungen Tscherkessen, Lesghier u. Kosacken, welche die persönliche Escorte des Kaisers bilden, dann folgen die Mitglieder des hohen Adels u. die Abgeordneten der asiatischen Völkerschaften aus den russischen Provinzen; ihnen zunächst der gesammte Hofstaat theils zu Pferd, theils zu Fuß, theils in Paradekarossen, die Mitglieder des Reichsraths u. einige Schwadronen Garde- u. Leibregiment; nach ihnen kommt der Kaiser zu Pferde, umgeben von den Großfürsten u. den fremden fürstlichen Personen u. gefolgt von der Suite, bestehend aus Generalen; sodann die Kaiserin in einer achtspännigen Karosse u. die Großfürstinnen, nebst Hofstaat u. vier Schwadronen Leibgarde, von denen zwei den Zug schließen. Am Thor bringen der Gouverneur u. die bürgerlichen Behörden des Gouvernements Moskau dem Kaiser ihre Huldigung dar; beim Durchzug durch das Heilige Thor des Erlösers, Sparkie Vovota, wo Alle, auch der Kaiser, das Haupt entblößen, werden die Majestäten von der Commandantur Moskaus empfangen. Bei dem Auferstehungsthore, nahe dem Kreml, steigt der Kaiser vom Pferde u. die Kaiserin verläßt ihre Karosse, um dem Bilde der Mutter Gottes von Iwersk ihre Verehrung zu bezeugen. Auf den Stufen der Himmelfahrtskathedrale empfängt den Zug der Heilige Synod mit dem Kreuze u. dem Weihwasser; beide Majestäten küssen die in der Kirche befindlichen Reliquien u. Heiligenbilder, dann begeben sie sich in die Kathedrale zum Erzengel Michael, um an den Gräbern ihrer Ahnen zu beten, zuletzt in die Verkündigungskathedrale, wo sie wieder die Heiligenbilder u. Reliquien küssen. Hierauf setzt sich der Zug wieder in Bewegung u. gelangt in den Kremlpalast. An der Kapelle Unserer Lieben Frauen von Iberien verlassen die Majestäten wieder den Zug, um dort zu beten. Am Eingange zum Palast werden sie von der Hofgeistlichkeit mit Kreuz u. Weihwasser, von dem Erzmarschall der K., dem Präsidenten u. den Mitgliedern des Palastschatzes empfangen, welche der Kaiserin Salz u. Brod als Sinnbilder der Treue darreichen. 101 Kanonenschüsse verkünden den Eintritt in den Palast des Kremls; während dessen läuten die Glocken unaufhörlich u. das Volk jubelt u. betet. Die nächsten Tage vergehen mit Truppenmusterungen, Wettrennen, Vorstellungen fremder Gesandten, Theatsr etc. An einem dieser Tage wird auch durch den commandirenden General, den Ceremonienmeister u. Secretär des Senats, welche von Trompetern u. Wappenherolden begleitet werden, auf den öffentlichen Plätzen der Stadt der zur K. bestimmte Tag bekannt gemacht. Am Morgen des Krönungstages selbst gibt eine Batterie das Signal zum Läuten aller Glocken. Die Krönungsfeierlichkeit findet in der Himmelfahrtskathedrale im Kreml statt. Dort versammeln sich die Geistlichkeit, das diplomatische Corps, die Senatoren, die Glieder des Heiligen Synod u. des Reichsraths, die Vorstände der Ministerialabtheilungen, die Adelsmarschälle u. Generale; außer ihnen die Würdenträger, welche auf goldbrocatenen Kissen die kaiserlichen Insignien (die beiden Kronen, das Scepter, den Reichsapfel, den kaiserlichen Mantel u. das Banner, auf welches die Wappen der zum Reiche gehörigen Königreiche u. Provinzen gestickt sind) tragen u. sich in der Kirche aufstellen. Sobald der Kaiser aus dem Palaste tritt u. unter einem kostbaren Thronhimmel mit der Kaiserin der Kirche zuschreitet, bewegt sich die Geistlichkeit der Kathedrale, die Metropolitane von Moskau u. Nowgorod u. die Erzbischöfe u. Bischöfe aus allen Theilen des Reiches an ihrer Spitze in Procession gegen die Südpforte, um hier den Kaiser zu empfangen. Der Metropolitan von Moskau hält das Kreuz, welches der Kaiser bei seinem Eintritt in die Kirche küßt. Der Kaiser u. die Kaiserin besteigen darauf die zwei auf einer Estrade errichteten mit Perlen u. Edelsteinen bedeckten Throne; der Metropolitan von Moskau, die Stufen der Estrade beschreitend, überreicht dem Kaiser das auf geschlagene Buch, welches das Glaubensbekenntniß enthält. Nachdem der Kaiser dieses mit lauter Stimme gelesen hat, überreichen ihm die Metropolitane von Nowgorod, Kiew u. St. Petersburg auf zwei Kissen den Kaisermantel, welchen er sich selbst mit Hülfe dieser Metropolitane anlegt. Hierauf[845] legt der Metropolitan von Moskau seine Hände auf das Haupt des Kaisers u. spricht über ihn Gebete. Der Kaiser befiehlt dann die Krone herbeizubringen u. setzt sich dieselbe selbst aufs Haupt, worauf die Kaiserin vor ihrem Gemahl niederkniet u. von ihm mit der anderen Krone gekrönt wird. Nach Vollendung dieser Feierlichkeit beginnt der Gesang der kaiserlichen Kapelle, u. das kaiserliche Paar nimmt die Huldigungen der Anwesenden entgegen, während die Glocken der Stadt u. 101 Kanonenschüsse dem Volke die Beendigung der K. anzeigen. Der Kaiser verläßt dann den Thron, empfängt mit der Kaiserin aus den Händen des Metropoliten von Moskau die Salbung, begibt sich hierauf an den Hochaltar u. ertheilt sich selbst das Abendmahl. Ein Gebet für den Kaiser u. Psalmengesang beschließen die Feierlichkeit. Der Krönungszug verläßt hierauf die Kathedrale, u. die Majestäten besuchen noch in der Kirche zum Erzengel u. zur Verkündigung die Reliquien u. Heiligenbilder. Am Abend dieses Tages wird den Würdenträgern der Kirche, der Armee u. des Hofes ein großes Banket gegeben, bei welchem der Kaiser selbst präsidirt u. von seinen hohen Beamten bedient wird. Dem Tage der K. folgen eine mehrtägige Illumination Moskaus, Vorstellungen der fremden Gesandten, Bälle, Concerte, Festmähler, Theater, Jagden. Das Ganze beschließt eine große Bewirthung des Volkes unter freiem Himmel; auf der zu diesem Gastmahl bestimmten Ebene ist auch für die kaiserliche Familie ein Zelt erbaut, sobald auf dem kaiserlichen Zelt die Flagge aufgehißt wird, stürzt das Volk über die Speisen, u. zahlreiche Fontänen lassen Bier, Meth u. Wein springen. Bei der letzten K. waren auf einem Umkreis von über 3 Stunden 672 Tische aufgeschlagen, jeder derselben mit fünf gebratenen Schöpfen u. den verschiedenartigsten Speisen besetzt. Die Heiterkeit des Volkes bei dieser Bewirthung erhöhen noch Seiltänzer, Jongleurs, Kunstreiter mit ihren Vorstellungen, so wie russische Schaukeln, Carroussels etc. Die Festlichkeiten bei der letzten K. des Kaisers Alexander II. im Jahre 1856 erstreckten sich vom 29. Aug., wo der Kaiser seinen Einzug in Moskau hielt, bis zum 20. Septbr., wo das allgemeine Volksfest war; die K. selbst fand am 7. Septbr. statt.

Die K. der Könige von Schottland fand zu Scoone, die der Könige von Polen früher in Gnesen, seit dem 14. Jahrh. in Krakau statt; die der Könige von Spanien fast in jedem ihrer Erbkönigreiche auf andere Weise, unter denen die im Königreiche Leon das Ausgezeichnete hatte, daß der König seinen Eid auf Leimruthen u. Schloß ablegen mußte. Der Erzbischof von Toledo verrichtete sie, der älteste Grande schwenkte eine Fahne über ihn u. Weizenkörner wurden unter das Volk ausgeworfen. Die K. des Königs von Schweden findet in der Nicolaikirche zu Stockholm statt. Nach einer Predigt wird der König vom Erzbischof von Upsala auf Stirn, Brust, Schläfe u. Handgelenk gesalbt, ihm die Krone aufgesetzt u. der König als solcher von den Stufen des Thrones herab ausgerufen. Hierauf leistet er den Eid. Statt des gebratenen Königsochsen u. des Weinspringens auf dem Markte, fanden in neuester Zeit Geschenke von Fleisch, Weißbrod, Bier, Branntwein u. Wein an Arme u. Kranke, sowie an die in den Arbeitshäusern u. Gefängnissen Befindlichen statt. Die K. des Kaisers von Österreich als König von Ungarn pflegt in Ofen u. als König von Böhmen in Prag vollzogen zu werden. Bei der K. des ersten Königs von Preußen, Friedrichs I., am 18. Jan. 1701 setzte sich der König selbst u. dann der Königin die Krone auf. In neuerer Zeit ist in mehren Staaten die K. ganz abgekommen u. an ihre Stelle die bloße Huldigung getreten. Über die K. des Papstes, s.u. Papstwahl, u. über die bei Einsetzung des türkischen Kaisers stattfindenden Ceremonien, s.u. Türkisches Reich.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 839-846.
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