Java

[208] Java (Dschawa), kleinste der Großen Sundainseln, aber als reichste und am stärksten bevölkerte Hauptsitz der niederländischen Herrschaft im Indischen Archipel (s. Karte »Hinterindien«), zwischen 5°52' 30'' bis 8°46' 51'' südl. Br. und 105°13'–114°35' östl. L., im O. durch die schmale Balistraße von Bali, im W. durch die Sundastraße von Sumatra getrennt, an der Nordküste von der Javanischen See, im S. vom Indischen Ozean bespült, von W. nach O. 1060 km lang, zwischen 22 und 81 km breit und 125,622, mit Einschluß des nahen Madura und einiger kleinen Nebeninseln 131,508 qkm groß.

Physische Verhältnisse. Die z. T. steile (im O. 300–500 m hoch), z. T. (in der Mitte) von Dünen gebildete Südküste hat nur wenig erträgliche Ankerplätze, die Nordküste dagegen treffliche Häfen (die Bantambai, die von Batavia, von Samarang, von Surabaja). Von den Nachbarinseln ist Madura (s. d.), die einzige größere, zu nennen, ferner die Prinzeninsel (122 qkm) an der Javaspitze im W. und Krakatau (s. d.), bekannt durch den furchtbaren vulkanischen Ausbruch von 1885. Längs der ganzen Nordküste[208] erstreckt sich eine breite Alluvialebene, mit reichstem Boden (33 Proz. der Oberfläche); dahinter erheben sich auf archaischer Grundlage von W. nach O. streichende vulkanische und tertiäre (38 Proz. der Oberfläche) Ketten, die durch Wechsel und Mannigfaltigkeit der Formen die Landschaft außerordentlich verschönern. Die tertiären Kalkberge erscheinen an der Südküste als eine steile Mauer und verbreiten sich weit in das Innere der Insel, das sie als hügeliges Hochland fast in der ganzen Ausdehnung (im O. gewöhnlich unter dem Namen Gunong Kidul oder Südgebirge) durchziehen, nur an einigen Stellen (an der Wijnkoopsbai, zwischen Kombangan und der Mündung des Progo und am Ostende) durch breitere Ebenen unterbrochen. Die Vulkane (28 Proz. der Oberfläche) liegen vor den südlichen Kalkbergen in einer 500 km langen Reihe, teils einzeln, teils in Gruppen, aber stets durch Sättel getrennt. Die Ebenen zwischen den Vulkanbergen sind in einigen Fällen (z. B. in Surakarta und Kediri) Tiefebenen, in andern sanft geneigte, längliche Täler, in manchen selbst kleine Hochebenen, aus den Aufschüttungen der Vulkane gebildet. J., einschließlich der Sundastraße, besitzt 121 Vulkane, von denen aber nur 14 in historischer Zeit Eruptionen (meist Asche und Steine, selten Lavaströme) gehabt haben. Die bedeutendsten sind in der Reihenfolge von W. nach O. der Salak (2000 m), südlich von Batavia, der Gede, ein Berg mit drei Gipfeln, bis 3020 m, der Papandajan (2600 m) mit dem Guwaupas (Todestal) an seinem Fuß, der Gelunggung, dessen Krater, ein 600 m im Durchmesser großer See (Telaga Rodas, von seiner durch Schwefel und Alaun bedingten milchigen Farbe genannt) ausfüllt, mit Giftbäumen an seinen Ufern, der Guntur (1982 m), der Slamat (3472 m) mit zwei rauchenden Gipfeln, der Sumbing (3336 m), Merbabu (3145 m), Merapi (2875 m), Lawu (3265 m), Walisang (3367 m), Ardjuno (3339 m), Tengyher (2577 m), den ein Sandmeer (8 km im Durchmesser) ausfüllt, endlich der Semeru (3676 m), der höchste Berg der Insel, mit einem Krater von 6950 und 9270 m im Durchmesser, der also nur dem des Kilauea auf Hawaï nachsteht. Hier ist aber der Krater in 2125 m von Asche ausgefüllt. Am äußersten Ostende der Insel erhebt sich der Raun (3332 m). Alle diese sind noch tätig; erloschen sind der Tangkuban Prahu (2080 m), Tjerimai (3077 m), Tjikurai (2820 m), Argopuro (2922 m) u. a.; bei mehreren haben sich in den alten Kratern Seen, sogen. Telaga (gewöhnlich mit schwefelsaurem Wasser), gebildet. Durch verheerende Ausbrüche sind besonders der Papandajan, Guntur und Gelunggung im W. und der Merapi in Kedu, durch seine rastlose Tätigkeit der Lamongan ausgezeichnet. Auch an andern vulkanischen Erscheinungen, wie Mofetten (Guwaupas der Eingebornen), Schlammvulkanen, Solfataren, heißen Mineralquellen, meist schwefelhaltigen, ist die Insel reich. Erdbeben sind verhältnismäßig selten, manchmal jedoch sehr heftig. Größere Ebenen sind die von Bandong, Surakarta, Madijun, Kediri und Malang.

Die Flüsse sind zahlreich, aber kurz und nur im untern Teil befahrbar. Der größte ist der nahe der Südküste entspringende, gegenüber Madura mündende, 260 km lange Solo oder Bengawan, der von November bis Juli auch von großen Fahrzeugen befahren werden kann. Außer ihm sind der Brantes, der in der Ebene von Malang entspringt, Kediri durchfließt und bei Surabaja mündet, der Seraju in Bagelen, der Tandui im südlichen Tscheribon, der Manuk und Tarum in den Preanger Regentschaften die bedeutendsten. Größere Seen fehlen. Die geologische Bildung des Landes erklärt den Mangel an Mineralschätzen; die vorhandenen Eisen-, Mangan-, Quecksilber- (in kleinen Mengen bei Samarang in Trentang) Erze sind kaum abbauwürdig, desgleichen der Goldstaub in den Flüssen. Die eocäne Kohle von Bantam hat ausnahmsweise genügende Mächtigkeit, die den übrigen zahlreichen Kohlenvorkommen fehlt; Naphtha und Asphalt finden sich in den vulkanischen Gebieten sehr reichlich; Salz wird vielfach aus Quellen gewonnen. Erheblich ist die Petroleumgewinnung im O. (Surabaja, Madura), die Quelle von Wonokromo liefert allein 1200 Kisten (zu je 37,8 Lit.) täglich.

Das Klima ist tropisch, aber nach der Höhenlage abgestuft. Temperatur: Batavia (Nordküste) Jahr 25,9°, kälteste Monate Januar-Februar 25,3°, wärmste Mai und Oktober 26,4° (mittlere Jahresextreme 32,7° und 20,6°); Buitenzorg Jahr 25°, kältester Monat Februar 24,5°, wärmster Juli 25,5° (mittlere Jahresextreme 32,7° und 20,6°); Banjuwangi (Ostküste) Jahr 26,7°, kältester Monat Juli 26°, wärmster April 27,3°. Auf den hohen Bergspitzen ist die Bildung von Reif und Eis beobachtet, Schnee niemals. Die Jahreszeiten werden von den Monsunen (s. d.) beherrscht. Die Regenzeit (Nordwestmonsun) dauert von November bis April, beginnt meist mit furchtbaren Gewittern und gilt als schlechte Jahreszeit. Die Bäche und Flüsse treten aus ihren Ufern, Eidechsen und Schlangen kommen bis in die Wohnungen, die schwüle Luft ist außerordentlich feucht, alles schimmelt. Die regenärmere Zeit dauert vom Mai bis Oktober bei regelmäßig wechselnden Land- und Seewinden. Nach dem Innern zu nimmt der Unterschied zwischen Trocken- und Regenzeit mit der Höhe ab. Heitere Morgen und Nächte, stets gleichmäßige Witterung bezeichnen die obern Regionen der Insel, die von 1600–2000 m an ausschließlich unter dem Einfluß des Südostpassats stehen. Regenmengen: Batavia 1802, Buitenzorg 4427 mm.

Pflanzenwelt. In der heißen Region bis 700 m Höhe herrschen in den Wäldern Feigen und Anonazeen vor. Wo die Wälder zerstört sind, sind Savannen entstanden, gebildet durch das schilfartige Alanggras (Saccharum Koenigii) und das noch höhere Glagahgras (S. spontaneum), aus denen sich, Inseln gleich, Gehölze aus Palmen, Urtikazeen, Leguminosen, Pandaneen, Ebenazeen, Euphorbiazeen etc. erheben. Besonders bezeichnend ist die Gebangpalme (Corypha Gebanga). Kultiviert werden in der heißen Region Reis, Zuckerrohr, Zimt, Tabak, Pfeffer und zur Anzucht der Kochenille die Opuntia. Die Wälder der gemäßigten Region bis 1500 m sind charakterisiert durch die Rasamalabäume (Liquidambar Altingiana), die, bis 50 m hoch, das Walddickicht überragen, wo Farnkräuter und verschiedene Sträucher ein undurchdringliches Unterholz bilden. Den Savannen sind Farnbäume (Alsophila) eigentümlich. Die Kultur pflegt vorzugsweise Kaffee und Tee. In der kühlern Region bis gegen 2500 m werden die Wälder einförmiger. Am häufigsten sind Eichen und Laurazeen, mit verschiedenen Ternströmiazeen gemischt und von riesigen Podocarpus-Arten, den Koniferen Javas, überragt. Zwei Palmen (Caryota propinqua und C. furfuracea) gehören noch zu dieser Region. Die besonders an Seen und Sümpfen entwickelten Savannen sind aus Gräsern und Zyperazeen gebildet. Die trockne, kalte Region liegt zwischen 2500 und 3000 m und hat niedrigen Wald, gebildet von der[209] Erikazee Agapetes vulgaris. daneben Rhododendron-Arten, Gaultheria, Lonicera und Rubus als Unterholz. Die alpinen Savannen dieser Region weisen nahrhafte Gräser auf: Festuca nubigena und Ataxia Horsfieldii, auch viele europäische Gattungen unter den Stauden und Kräutern, wie Ranunculus, Viola, Pimpinella, Hydrocotyle, Fragaria, Alchemilla, Valeriana u. a.

Die Tierwelt gehört zur indomalaiischen Subregion der orientalischen Region und zeigt großen Artenreichtum, z. B. an Säugetieren über 50 Gattungen mit rund 100 Arten. Von den Affen sind die häufigsten der in Herden lebende Budeng (Semnopithecus Maurus) und der Makak (Inuus cynomolgus). Fledermäuse sind sehr zahlreich an Arten und Individuen, so daß ihre in den Höhlen angesammelten Exkremente eine Verarbeitung zu Salpeter lohnen; die Nagetiere sind besonders durch Eichhörnchen vertreten, erwähnenswert ist der javanische Hase (Lepus Kurgosa). An der Spitze der Raubtiere stehen der Königstiger und der auf J. und Sumatra beschränkte schwarze Panther, außerdem kommen mehrere Gattungen kleiner, den Viverren und Dachsen verwandter Raubtiere vor. J. eigen ist das Spitzfrett (Helictis orientalis Gray). Das Wildschwein ist durch mehrere Arten vertreten, auch kommen der Hirscheber (Babyrussa alforus) und das Rhinozeros (Rhinoceros javanicus) vor. Das Banteng-Rind findet sich, wie auf allen malaiischen Inseln, wild und als Haustier. Kamel, Esel und Pferd sind eingeführt; J. eigentümlich ist ein Schuppentier (Manis javanica). Trotz dieses scheinbaren Reichtums an Säugetieren hat J. weit weniger charakteristische Formen als Sumatra und Borneo. Es fehlen typische Formen der Subregion, wie der Elefant, der malaiische Bär, der Tapir und noch eine Reihe weniger bedeutender Gattungen. Bemerkenswert ist auch das gleichzeitige Vorkommen des japanischen Spitzsretts in Nordindien sowie des Rhinozeros und javanischen Hafen in der indochinesischen Region. Auch in der Vogelfauna fehlen malaiische Charakterformen, während Gattungen vorkommen, die sonst nur der indochinesischen Subregion angehören oder dort durch nahe Verwandte vertreten sind. Besondere Erwähnung verdienen das auch auf Sumatra und den Philippinen heimische Bankivahuhn, der Reisvogel und der Nashornvogel. Reptilien und Amphibien sind zahlreich, unter erstern viele giftige Arten. Die Insektenwelt ist reich und farbenprächtig.

[Bevölkerung.] Die Bevölkerung betrug 1897 mit Madura 26,125,053 Seelen; ihre Verteilung auf die 23 Residentschaften s. unten, S. 212.

Außer den Eingebornen gab es nur 52,000 Europäer, 261,000 Chinesen, 17,000 Araber, 3000 Hindu etc. Die Volksdichte betrug 195 Einw. auf 1 qkm. Die bedeutendsten Städte sind Batavia mit 114,596, Surabaja 124,529, Surakarta 104,589, Samarang 82,962, Pekalungan 36,816, Dschokdschokarta 28,299 Einw. Die Europäer sind meist Beamte und Soldaten, nächstdem Kaufleute, Pflanzer oder Zuckerfabrikanten und ebensowenig ständige Bewohner der Insel wie die Chinesen, die, in allen größern Orten zerstreut, besonders Handwerk und Kleinhandel treiben. Die Araber sind Kaufleute oder mohammedanische Priester. Die einheimische Bevölkerung gehört zur westlichen Abteilung der malaiischen Rasse und zerfällt in zwei Stämme, die trotz naher Verwandtschaft ganz verschiedene Sprachen reden: die Sundanesen im W., ein Mittelglied zwischen Malaien, Javanern und Batta, und die Javaner im O., das höchstgebildete Volk der ganzen malaiischen Rasse; zu ihnen gehören die Maduresen, die außer Madura nebst den umliegenden kleinern Inseln den Osten von J. bewohnen, wohin sie die Javaner zurückgedrängt haben (s. Tafel »Asiatische Völker II«, Fig. 1 u. 2). Die mittlere Größe der Javaner beträgt 1,65 m, die der Sundanesen nur 1,57 m. Dabei sind letztere untersetzt und stärker, haben etwas Unabhängigeres im Auftreten, ihre Züge sind gröber, weniger regelmäßig und erinnern mehr an den mongolischen Typus. Dagegen ist die Figur der Javaner oft sehr anmutig, die kleine Nase weniger flach als bei den meisten Malaien, die Hautfarbe braun, zuweilen auch ganz hell, das Haar üppig und gleich den Augen schwarz, Männer und namentlich Frauen sind oft auffallend schön. Sanft, friedlich, lenksam, von seinen Manieren, nicht ohne Talent und einer höhern Entwickelung wohl fähig, entbehren die Javaner doch sittlicher und intellektueller Energie. Sie leben in niedrigen Bambushütten, die auf hölzernen Pfosten ca. 1 m über dem Erdboden stehen, mit Palmblättern gedeckt und zu kleinen, im Schatten der Fruchtbäume verborgenen Dörfern verbunden sind; die Wohlhabenden haben bessere Häuser, auch von Stein und den europäischen nachgeahmt. Die niedern Stände leben sehr einfach, die höhern treiben großen Luxus. Hauptnahrung ist Reis; Fleisch wird wenig gegessen, dagegen viel Fische. Zucker und Wein wird aus dem Safte der Palmen (besonders der Arenga- und Borassus-Arten) bereitet. Das Betelkauen ist allgemein, Tabakrauchen gewöhnlich, Opiumrauchen sehr verbreitet. Die Kleidung ist beim gemeinen Mann sehr einfach; die Männer tragen den Sarong, der einem Sack ohne Boden gleicht und über die Schulter gelegt, häufiger um den Leib gewickelt wird; die Frauen haben eine ganz ähnliche Tracht, dazu beide Geschlechter entweder kurze Hosen oder nur einen Schurz vor dem Unterleib mit einem Gürtel darüber, manchmal auch kurzen Hemden ähnliche Jacken. Als Kopfbedeckung dienen Turbane oder Kopftücher; die Füße sind gewöhnlich bloß, Zieraten verschiedener Art sehr beliebt. Kleine Gerätschaften, wie Trinkgefäße, Löffel, Tassen, liefert die Schale der Kokosnuß. Hohle Bäume dienen als Kahn, auch als Trog, worin Weiber den Reis dreschen und mahlen. Säcke, Hüte, Teppiche etc. bestehen aus Rotang, Bambus, Gräsern; starke Taue liefert die Büffelhaut, in dünne Riemen zerschnitten, die man zu einem Zopf flicht (vgl. Tafel »Malaiische Kultur I«, Fig. 13, und Tafel II, Fig. 15 u. 25). Vielweiberei herrscht bei den Vornehmen, die Gemeinen pflegen nur eine Frau zu haben; die Frau wird von den Eltern gekauft. Das Familienleben ist in der Regel rein und wohlgeordnet; namentlich erweisen die Kinder den Eltern große Hochachtung. Die Beschneidung findet im zehnten Jahr statt, war aber schon vor Einführung des Islams Sitte; mit dem Eintritt der Mannbarkeit werden den Kindern die Zähne spitz abgefeilt von da an dürfen sie Betel kauen. Herrschende Religion ist der Islam, aber erst seit Ende des 14. Jahrh. durch malaiische und arabische Geistliche eingeführt und allmählich unter heftigen Kämpfen über die ganze Insel verbreitet. Vorher war sowohl Brahmanismus als Buddhismus herrschend, namentlich bei den eigentlichen Javanern, die ihre Bildung, in der sie die Sudanesen bedeutend übertrafen, ursprünglich Einwanderungen aus Indien verdanken, und noch geben prächtige Ruinen von Tempeln (s. Boro Budor) und in der alten religiösen Sprache, dem sogen. Kawi[210] (s. Javanische Sprache), erhaltene literarische Werke Zeugnis von der Höhe der Bildung vor dem Eindringen des Islams. Nur an zwei Punkten sind kleine Abteilungen des Volkes der alten, freilich arg verfallenen Religion treu geblieben: die Baduwi in den Wäldern von Bantam und die Bewohner des Gebirges Tengger in Pasuruan. Die Zahl der nach Mekka ziehenden Pilger betrug 1900: 5068. Das Christentum macht schnellere Fortschritte, seit die Regierung den Missionsbestrebungen freundlicher gegenübersteht. Man zählte 1896: 19,193 Christen, gegen 5673 im J. 1873. Es arbeiteten hier 1892: 6 niederländische Gesellschaften mit 30 Missionaren auf 27 Stationen. In Batavia besteht seit 1842 unter einem Erzbischof ein katholisch-apostolisches Vikariat für J., Flores, Sumatra, Timor u. a. Die Volksbildung steht noch auf niedriger Stufe; 1900 wurden 238 Regierungsschulen von 43,617 und 259 Privatschulen von 29,905 Schülern besucht. Für Europäer bestanden 7 Mittel- und höhere Schulen mit 1051 Schülern, darunter eine Normalschule und ein Lyzeum in Batavia und je eine höhere Bürgerschule in Batavia, Samarang und Surabaja, in Batavia auch eine solche für Mädchen; außerdem 187 Elementar- und Privatschulen mit 18,402 Schülern.

[Erwerbszweige.] Der wichtigste Erwerbszweig ist der Landbau; etwa 40 Proz. des Bodens sind unter Kultur (1896 rund 10 Mill. Hektar), davon mit Reis etwa 60 Proz. Den Reisbau betreibt man besser auf künstlich überschwemmtem Boden (sawa) als auf trocknem, dessen Befeuchtung dem Regen überlassen bleibt (tipar, wenn die Felder auf höhern Ebenen mit dem Pflug bearbeitet werden, und gaga auf bergigem Boden, wo das Gehölz zur Düngung der Erde verbrannt und statt des Pfluges die Hacke angewendet wird). Seit der unter van den Bosch (s. d. 3) für Eingeborne eingeführte Zwang zum Anbau gewisser Pflanzen auf Kaffee-, Nopal- und Cinchonabäume beschränkt ist, hat besonders der Zuckerrohrbau großen Aufschwung genommen. Die Produktion von Zucker betrug 1899: 1 Mill. Ton., von Kaffee 43 Mill. kg, von Chinin 3,403.084, von Tabak 13,721,430, von Tee 5,452,773, von Indigo 783,132 kg. Die Kochenille wird auf Nopalpflanzen teils für Rechnung der Regierung, teils durch Unternehmer gezogen, und ähnlich verhält es sich mit dem Pfeffer und der Cinchona (succirubra und ledgeriana), deren Kultur 1852 eingeführt wurde. Die 1899 begonnenen Anpflanzungen von Guttaperchabäumen haben noch keinen erheblichen Erfolg erzielt. Die Regierung ist Eigentümerin des ganzen Landes, nur im westlichen Teil gibt es Privatgüter, meist von Europäern und Chinesen. Durch Gesetz von 1870 kann die Regierung nicht urbar gemachte Ländereien auf 75 Jahre in Erbpacht verleihen; die Grundsteuer ist 1872 gesetzlich geregelt worden. Die Regierung läßt Pflanzungen, namentlich von Kaffee-, Nopal- und Cinchonabäumen, anlegen und von Eingebornen bearbeiten, die auch Kaffee, Zuckerrohr, Tee, Indigo, Pfeffer, Tabak etc. auf ihren Ländereien bauen dürfen, aber gehalten sind, alle Produkte gegen bestimmte, sehr niedrige Preise in die Regierungsmagazine zu liefern. Die Bereitung des Zuckers geschieht durch Unternehmer, Europäer und Chinesen in bestimmten Dörfern, deren Bewohner das Zuckerrohr bauen und die Arbeit in den Fabriken übernehmen müssen; deren Ertrag wird der Regierung zu bestimmten Preisen von den Unternehmern geliefert, die auch die Grundsteuer für die ihnen zugewiesenen Arbeiter zu erlegen haben. Außerdem sind das Sammeln der eßbaren Schwalbennester, die Bereitung des Seesalzes, die Ausbeutung der für den Schiffbau wichtigen Dschanwälder (Tiekholz, Tectona grandis) und der Verkauf des Opiums Monopol der Regierung. Den Absatz der Produkte übernimmt für Rechnung der Regierung die zu diesem Zweck gegründete Niederländische Handelsgesellschaft (Nederlandsch Handelsmaatschappij), die sie in Europa in großen Auktionen verkauft. Gleichwohl hat sich der früher sehr bedeutende Reinertrag seit geraumer Zeit in ein Defizit verwandelt (s. Niederländisch-Indien). Der Vieh stand betrug 1897. 520,500 Pferde, 2,533,100 Rinder und 2,619,600 Büffel, 227 Stück Vieh auf 1000 Einw. Die Industrie steht noch in ihren Anfängen; man zählte 1899: 91 Reismühlen, 15 Sägewerke, 9 Arrakbrennereien, 29 Seifenfabriken, 70 Eis- und Mineralwasserfabriken und 52 Druckereien. 1500 Dampfkessel waren vornehmlich in den Zuckerfabriken aufgestellt. Aus der weiblichen Hausindustrie sind die hübschen Battiks zu erwähnen, Baumwollenstoffe, deren Muster aus freier Hand aufgetragen werden.

Der Handel ist in den letzten zehn Jahren erheblich gesunken, hebt sich indes in jüngster Zeit wieder; 1901 betrug die Einfuhr 140,8, die Ausfuhr 154,7 Mill. Gulden. Hauptausfuhrartikel sind Zucker, Kaffee, Tabak, Pfeffer, Indigo, Reis, Arrak, Tee, Häute, Stuhlrohr, Muskatnüsse, Dammaraharz, Chinarinde und Zinn (aus Banka und Billiton). Eingeführt werden namentlich Baumwoll- und Wollwaren, Säcke, Mehl und allerlei Eßwaren (auch Reis) und Getränke, Tonwaren, Metalle und Metallwaren, Petroleum, Farben, Steinkohlen. Die drei wichtigsten Häfen (Batavia, Samarang und Surabaja) wurden 1901 von 585 nichtindischen Schiffen zu 2,227,000 Ton. besucht. Den Verkehr zur See vermitteln mit Europa die Stromvaart Maatschappij Nederland-Linie und der Rotterdamsche Lloyd, zwischen den Häfen von Niederländisch-Indien die Koninklijke Packetvaart Maatschappij. Die javanische Handelsflotte zählte 1901: 1619 Schiffe von 188,594 Ton. Eine gute Heerstraße quer durch J. erbaute zuerst 1808 der Generalgouverneur Daendels, jetzt sind alle bedeutendern Plätze durch breite Hauptstraßen verbunden, auf denen der Verkehr durch Gouvernementspferde vermittelt wird, die zur Verfügung der Regierungsbeamten und Offiziere stehen, doch auch an Private vermietet werden. Den Wagenverkehr besorgen Büffelkarren, im Gebirge auch Saumpferde. Von den Eisenbahnen sind erbaut: von der Nederlandsch-Indischen Spoorweg-Maatschappij die Linien von Samarang nach Fort Willem I und nach Dschokdschokarta (203 km) und Batavia-Buitenzorg (58 km), von andern Gesellschaften die kurzen Linien Tegal-Balapulang und Batavia-Bekassi-Kedong-Gede, von der Regierung die Linien von Surabaja nach Pasuruan, von Bangil nach Malang, von Sidoardscho über Kertosono nach Paron und von Kertosono nach Tulung Agung (336 km), Buitenzorg-Tschjandschur (95 km), von Batavia bis Tandschong Priok, dem Hafen von Batavia, Madiun-Surakarta, Pasuruan-Probolinggo, Dschokdschokarta-Tjilatjap u. a.; 1901 waren 1915 km im Betrieb und brachten einen Reinertrag von gegen 9 Mill. Gulden. Dampfstraßenbahnlinien führen von Samarang nach Joana (188,2 km) und von Batavia nach Meester Cornelis (14 km). Die Telegraphenlinien haben eine Länge von gegen 5000 km; Kabel verbinden J. mit Sumatra (58 km), Madura (4,3 km) und Bali (151 km) sowie mit Port [211] Darwin (Australien). Batavia, Samarang und Surabaja wurden 1896 durch Telegraphen verbunden.

[Verwaltung.] Die Geschicklichkeit, mit der eine so geringe Zahl von Europäern ihre Gewalt über eine so zahlreiche eingeborne Bevölkerung behauptet, derart, daß seit 1849 die Ruhe auf der Insel niemals gestört worden ist, hat mit Recht Bewunderung erregt. Das Prinzip der Politik besteht darin, die alten Verhältnisse fortbestehen zu lassen und die Vornehmsten des Volkes durch Erhebung zu Regenten an das Interesse der Herrschaft zu fesseln, endlich die religiösen Vorurteile des Volkes zu schonen. Begünstigt wird diese Politik durch die Lenksamkeit des Volkes und seine Ergebenheit gegen seine Vorgesetzten. Nach dem Herkommen bildet jedes Dorf (dessa) eine selbständige Gemeinde, mehrere Dessa einen Distrikt, mehrere Distrikte eine Regentschaft, mehrere Regentschaften eine Residentschaft, deren es 23 gibt; vgl. folgende Übersicht für 1895:

Tabelle

An der Spitze jeder Residentschaft steht mit großer Machtvollkommenheit ein Resident mit Assistent-Residenten und Kontrolleuren, sämtlich Niederländer (besonderes Examen), dagegen sind die Vorsteher der Regentschaften, Distrikte und Dessa hervorragende Eingeborne, von denen die der beiden ersten von der Regierung ernannt, die der letzten von den Gemeinden gewählt und vom Residenten bestätigt werden. In den beiden »Fürstenländern« Surakarta und Dschokdschokarta regieren einheimische Fürsten unter Oberaufsicht des Residenten. Der Landbesitz einer Dessa ist Gesamteigentum der Gemeinde und wird jährlich neu verteilt. Jeder Grundbesitzer hat für seinen Anteil eine Grundsteuer zu entrichten und außerdem gewisse Frondienste zu leisten: eine Einrichtung, die allerdings vollständig nur im zentralen J. besteht, während im westlichen und östlichen J. sehr oft die ganze Flur der Gemeinde Privateigentum der einzelnen Bauern ist. In den beiden Fürstenländern werden Steuern und Frondienste den Fürsten oder denjenigen ihrer Verwandten entrichtet, denen einzelne Dessa als Besoldung überwiesen sind. Weiteres s. Niederländisch-Indien.

Geschichte.

J. bestand bald aus einem, bald aus mehreren Hindureichen und wurde von seinen Fürsten despotisch regiert. Bis zum Ende des 15. Jahrh. war das mächtigste Reich das von Madjapahit; in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. beherrschte nach langen Kriegen ein eingeborner Monarch längere Zeit als Kaiser die ganze Insel J. Um 1400 wurde der Islam eingeführt; die Mohammedaner gründeten die Reiche Bantam und Mataram und eroberten Madjapahit um 1480. Es entstanden neue Sultanate, wie Jakatra, Kedu und Madura. Bei Ankunft der Europäer auf J. bestanden hauptsächlich die Reiche Bantam, Jakatra, Tscheribon und später Mataram, das mächtigste von allen. Um 1520 hatten die Portugiesen Handelsverbindungen mit den Eingebornen angeknüpft; aber 1596 erschienen die Holländerin J., verdrängten jene und siedelten sich auf der Insel an. Sie bemächtigten sich Jakatras, erbauten 1619 Batavia, wußten die einheimischen Fürsten durch Zwiespalt zu schwächen und zu unterwerfen und verjagten auch die Engländer, die ebenfalls Kolonisationsversuche auf J. gemacht hatten. 1684 nötigten sie den Sultan von Bantam, ihnen seine Hauptstadt einzuräumen; um 1700 wurde Tscheribon unterworfen, und 1742 ward Bantam ein Lehen der Holländisch-Ostindischen Kompanie. Vom Kaiser von Mataram bald darauf gegen die Makassaren und Maduresen zu Hilfe gerufen, zwangen sie ihn, in ein Lehnsverhältnis zu ihnen zu treten. 1755 teilten sie das Reich in zwei Hälften, deren eine sie dem rechtmäßigen Erben gaben, der nun den Titel Susuhunan führte, während sie über die andre einen Seitenverwandten des Kaisers mit dem Titel Sultan setzten. Die Fürsten wurden in der strengsten Abhängigkeit erhalten und mußten nicht nur an ihren Höfen holländische Residenten aufnehmen, sondern auch dulden, daß die Holländer bei ihrer Residenz ein Fort besetzt hielten. 1811 kam die Insel in den Besitz der Engländer. Nach dem Pariser Frieden erhielten die Holländer 1815 J. zurück und behaupteten es bis heute. Eine der gefährlichsten Erhebungen war die 1825 von Díepo-Negoro; nach langen blutigen Kämpfen 1830 unterdrückt, hatte sie doch eine lange nachwirkende finanzielle Zerrüttung zur Folge. 1846 und 1848–49 mußten gegen verschiedene Fürsten auf der benachbarten Insel Bali Kriegszüge unternommen werden.

Vgl. Sir Stamford Raffles, The history of.1. (2. Aufl., Lond. 1830); Junghuhn, J., seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart (Leipz. 1852–1854, 3 Bde.); d' Almeida, Life in J. (Lond. 1864, 2 Bde.); Veth, J., geographisch, ethnologisch, historisch (2. Aufl., Haarl. 1896–1903, 3 Tle.); Hofdijk, In't harte van J. (Amsterd. 1881); van Rees und Perelaer, Neerlands Indie, 3. Teil (Bilderwerk, Leiden 1883); van Deventer, Geschiedenis der Nederlanders op J. (2. Ausg., Haarl. 1895); van den Berg, Le Hadhramout et les colonies arabes dans l'archipel indien (Batavia 1887); Bastian, Indonesien, Bd. 5 (Berl. 1894); Verbeek und Fennema, Geologische beschrijving van J.en Madoera (Amsterd. 1896, 2 Bde. und Atlas; auch franz.); Scidmore, J., the garden of the East (New York 1898); J. Chailley-Bert, J. et ses habitants (Par. 1900); H. Breitenstein, 21 Jahre in Indien, Bd. 2: J. (Leipz. 1900); Giesenhagen, Auf J. und Sumatra (das. 1901); Day, The policy and administration of the Dutch in J. (Lond. 1904); Schurtz, Indonesien (im 2. Bande von Helmolts »Weltgeschichte«, Leipz. 1902); Louw, De Java-Oorlog van 1825–1830 (Batavia 1894–1904, 3 Tle.); L. F. M. Schulze, Führer auf J. (Leipz. 1890, Batavia 1897). – Karten: »J. Residentie kaarten« (Haag[212] 1880 ff.), »Kaart van het eiland J. etc.«, 1: 50,000 (Amsterd. 1887) und die geologische Karte von J. nach den Aufnahmen Verbeeks.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 208-213.
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