Hebräer [3]

[135] Hebräer. I. Älteste Geschichte bis zur Rückkehr aus Ägypten nach Kanaan. Die H. waren ein asiatisches Volk u. hatten ihren Namen daher, weil ihr Stammvater Abraham von jenseit (hebr. Eber) des Euphrat nach Kanaan gekommen war. Tharah, ein Nachkomme Sems, Emir seines nomadisirenden Stammes, war um 2000 v. Chr. von Ur in Chaldäa in das Land Haran in Mesopotamien eingewandert. Als hier Abraham, dessen Sohn u. Nachfolger, fürchtete, daß auch sein Stamm von der hier verbreiteten Abgötterei angesteckt u. von dem Dienste seines Stammgottes Jehovah abgeführt werden möchte, so begab er sich mit seinem Bruderssohn Lot nach Kanaan. Ein Besitzer zahlreicher Heerden zog er im Lande umher u. erhielt von Gott die Verheißung, daß er einst das Land Kanaan als Eigenthum besitzen u. sein Volk groß u. geehrt u. im Besitze Kanaans (daher Land der Verheißung, Gelobtes Land) erhalten werden solle Auch führte Abraham zum Zeichen der besondern Verbindung mit Gott die Beschneidung (s.d.) ein Isaak, sein u. seines Weibes Sara einziger Sohn, erbte des Vaters Besitzungen u. war ein nicht minder standhafter Anbeter Jehovahs. Isaaks Sohn, Jakob, folgte seinem Vater u. stiftete später durch seine 12 Söhne, Ruben, Simeon, Levi, Juda, Isaschar, Sebulon, Dan, Naphthali, Gad, Asser, Joseph u. Benjamin, die 12 Stämme Israels. Joseph, durch den Verrath seiner Brüder als Sklav nach Ägypten verkauft, aber hier nach mannigfachen Schicksalen zur Würde eines Verwesers über das Reich erhoben, rief 1847 v. Chr., zur Zeit einer großen Theuerung, seine Familie nach Gosen[135] (s.d.), wo dieselbe, jeder Verbindung u. Vermischung mit den Eingeborenen widerstrebend, wenigstens dem Haupttheile nach, 400 Jahre lang uomadisirte u. sich so ausbreitete, daß die 70 Eingewanderten auf 21/2 Mill., darunter 600,000 streitbare Männer anwuchsen. Nach Josephs Tode wurden sie von den Pharaonen in Memphis, denen sie immer gefährlicher zu werden schienen, hart bedrückt, indem sie Kanäle graben, öffentliche Bauten aufführen u. die Backsteine dazu brennen mußten, ohne Brennmaterial geliefert zu erhalten.

Indem sie unter diesen Bedrückungen die ihrem Ahnen, Abraham, von ihrem Gott gegebenen Verheißungen auf Kanaan immer lebhafter umfaßten, entstand in ihnen der Gedanke, Ägypten zu verlassen, so daß Moses, einer ihrer Stammgenossen, erzogen am königlichen Hofe, den Entschluß, sein Volk nach Kanaan zurückzuführen, ausführen konnte. Begleitet von Aaron, seinem beredten Bruder, verlangte er von dem Pharao die Entlassung der H. Lange verweigerte der König den Abzug, bis Moses durch mehrfache Thaten, die den König schreckten u. zuletzt das Land in Betrübniß versetzten (s.u. Zehn Plagen), es endlich dahin brachte, daß ihm die Erlaubniß zum Abziehen mit seinem Volke gegeben wurde (um 1500 v. Chr.). Damit Moses die Gesinnung u. den Charakter des Volks reinigte u. befestigte, beschloß er, sie nicht auf dem kürzesten Wege durch das Philisterland, sondern auf einem Umwege durch die Wüste zu führen. Aber bald hatte es der König bereut, daß er die H. hatte ziehen lassen; er beschloß ihnen nachzusetzen u. sie zurückzuführen. Am Rothen Meere traf er sie, aber die H. gingen glücklich durch das Meer (Durchgang der Kinder Israel durch das Rothe Meer), u. die nachfolgenden Ägyptier fanden in der Fluth ihren Tod. Nach neueren Meinungen gingen die H. nicht durch das Rothe Meer, sondern nördlich auf dem Damme zwischen dem Mittelmeer u. den Landseen. Von da ging der Zug durch die Arabische Wüste, als Wegweiser dienten dem Zuge vorgetragene Becken mit Feuer, welches des Tags als Wolken- (Rauch)-, des Nachts als Feuersäule erschien. Zuerst ging es durch Sur, u. schon hier begann das der Entbehrungen u. der Reisestrapazen ungewohnte Volk unzufrieden zu werden; bei Mara machte ihnen Moses das bittere Wasser trinkbar; in dem Thal Elim fanden sie 12 Brunnen u. Erquickung im Schatten schönster Palmen; in der Wüste Sin (Zin) stillten sie ihren Hunger durch Wachteln u. Manna; in Raphidim half Moses dem Wassermangel durch Auffindung eines Felsenquelles am Horeb ab. Hier erfochten die H. auch unter Josua den ersten Sieg über die Amalekiter. Darauf kamen sie in die Wüste Sinai, wo sie, bes. um von Moses Gesetze zu erhalten, ein Jahr blieben.

Zur Berathung über diese Gesetze ging Moses auf den Berg Sinai; beim zweiten u. dritten Besteigen desselben nahm er Aaron, Nadal, Abibu, Josua u. 70 Älteste mit; das letzte Mal blieb er 40 Tage u. Nächte dort, u. während dieser Zeit geschah es, daß sich die H. das Goldne Kalb (ein hölzernes u. vergoldetes Bild eines Stiers) als Götzen machen ließen u. dasselbe festlich anbeteten. Als Moses vom Berge kam, verbrannte er das Kalb, ließ die Asche den Götzendienern trinken u. dann 3000 derselben von den Leviten umbringen. Dann wurde das Gesetz (s. Hebräer, Ant.) proclamirt u. das erste Passahfest gehalten. Darauf ging der Zug weiter nach Idumäa. Dort bei Tabeera entstand eine Feuersbrunst im Lager, die viele hinraffte, u. wieder starben viel nach dem unmäßigen Genuß von Wachtelfleisch (die Lustgräber). Aus der Wüste Parau sendete Moses nun Männer aus, unter ihnen Josua u. Kaleb, um Kanaan auszukundschaften, u. diese brachten zum Zeichen der Fruchtbarkeit des Landes eine große Weintraube mit; aber die Erzählungen von menschenfressenden Riesen, die sie dort gefunden haben wollten, erschreckte die H. so, daß sie lieber wieder nach Ägypten zurückkehren, als dorthin ziehen wollten. Dies war der Grund, daß sie nun noch 40 Jahre in der Wüste umherziehen mußten, es sollte so das alte furchtsame, widerspenstige Geschlecht absterben u. ein neues, im Gehorsam des Gesetzes erzogenes heranwachsen. Auf der weitern Reise geschah die Empörung u. Bestrafung der Korahiten, die erbliche Übertragung des Priesterthums an die Familie Aarons, die Auffindung von Trinkwasser aus einem Felsen, in welchen Moses mit einem Stabe stieß (das Haderwasser, weil sie vorher wegen Mangels an Wasser mit Moses gehadert hatten), die Plage durch die giftigen Schlangen. Auf dem fernern Zuge eroberten sie mehrere Städte der Ammoniter, besiegten den König Og von Basan, kämpften gegen die Moabiter (vgl. Bileam) u. Midianiter. Nach Mosis Tode, vor dem schon Aaron gestorben war, wurde Josua Heerführer u. führte um 1450 v. Chr. die Stämme, von denen schon Ruben, Gad u. der halbe Stamm Manasse die zur Viehzucht geeignetsten Gegenden diesseits des Jordans in Besitz genommen hatten, über den Jordan, zerstörten Jericho, eroberten Ai u. führten einen siebenjährigen Vertilgungskrieg mit solchem Glück gegen die Fürsten des Landes, daß Kanaan, wenn es auch noch nicht ganz in den Händen der H. war, doch als unterworfen betrachtet werden konnte. Denn während die alten Bewohner theils vernichtet, theils ausgewandert waren, blieben nur noch einige unbesiegte Stämme (bes. die Jebusiter) zurück.

II. Nach der Eroberung Kanaans bis zur Wahl eines Königs. Noch ehe die Eroberung vollendet war, schritten die H. zur Theilung des Landes, so daß nach Maßgabe der Stärke des Stammes u. der Güte des Landes auch die übrigen 101/2 Stämme: Simeon, Juda, Dan, Naphthali, Asser, Isaschar, Sebulon, Benjamin, Ephraim u. die andere Hälfte Manasse ihren Antheil, der Stamm Levi aber wegen seiner priesterlichen Bestimmung (vgl. Leviten) keine Ländereien, sondern 48 Städte u. 6 Freistädte in den Besitzungen der übrigen Stämme erhielten. Die 21 Stämme blieben in ihren Sitzen bis zu Saul, wo sie, nach Besiegung von angrenzenden arabischen Völkern, das Land derselben einnahmen, sich bis Gilead ausbreiteten, unter David ihre Eroberung befestigten u. erweiterten, unter Salomo Tadmor erbauten u. ihre Ansiedelung bis zur Assyrischen Gefangenschaft behaupteten. Während jene Stämme sich so ausbreiteten, zogen sich auch die übrigen Stämme theils tiefer in die weidereichen Gegenden Arabiens, theils gegen Osten hinein; bes. wurden die Kanaaniterimmer weiter zurückgedrängt.

Nach der Constitution Mosis entwickelten sich nun in den zwölf Stämmen eben so viele föderirte Freistaaten nach dem theokratischen Princip, an ihrer Spitze stand ein gemeinschaftliches Oberhaupt u. ein[136] Oberpriester. Da aber nach Josuas Tode ein allgemeiner Heerführer fehlte, der die Verfassung nach dem Sinne Mosis entwickelte, so konnte weder die äußere Form die Eifersucht der sich immer mehr von einander lösenden Stämme unterdrücken, noch die selbst ausartende Priesterschaft den zunehmenden Verfall des ohnehin politisch nicht abgerundeten, in seinem Schooße an den nicht vertilgten alten Bewohnern noch viele unruhige Feinde nährenden Landes hindern. Denn die Richter, die von jetzt an das Volk führten, waren weder allgemeine Anführer, da sie oft nur an der Spitze einzelner Stämme standen, noch auch war ihr Amt dauernd, sondern sie waren meist nur für die Zeit des Kriegs gewählt u. traten nach Entfernung der Gefahr od. Beendigung des Kriegs in den Privatstand zurück. Daher wurden die H. nicht blos bald der Religion u. Verfassung ihrer Väter untreu, sondern sahen sich auch von den benachbarten Völkern oft beunruhigt od. unterjocht. So wurden sie, nachdem sie acht Jahre von Kuschan Rischalhalm, König von Mesopotamien, u. 18 Jahre von Eglon, König der Moabiter, der sich mit den Ammonitern u. Amalekitern verbunden hatte, unterjocht worden waren, obgleich sie von jenem durch Athniel, von diesem durch Ehud (Abod) befreit worden waren, doch von den Philisiäern besiegt u. 40 Jahre in der Sklaverei gehalten. Nur durch die gegenseitige Eifersucht der fremden Stämme u. die Großthaten ausgezeichneter Patrioten wurde die Verbindung der einzelnen Stämme erhalten u. befestigt. Unter den Richtern in diesem Heldenalter der H. zeichneten sich auch Heroinen aus, wie Debora, die mit Barak um 1250 den Sissera, Feldherrn des Königs Jabin, schlug; dann befreite sie Gideon von der Herrschaft der Midianiter (einer seiner Söhne, Abimelech, warf sich aber zum König von Sichem auf), Jephtha von den Ammonitern; am berühmtesten wegen seiner Stärke u. seines Muthes war Simson, ein geschworner Feind der Philistäer, dann Eli, der das Richter- u. Hohenpriesteramt vereinigte. Samuel, der letzte Richter, leitete eine zeitgemäße Reform der Gesetzgebung ein u. gründete in den Prophetenschulen Nationalakademien. Allein besorgend, daß das Richteramt erblich werden u. an Samuels böse Söhne gelangen möchte, u. die Nothwendigkeit eines Anführers im Krieg fühlend, forderte die Nation nach dem Beispiel anderer Völker einen König.

III. Die Hebräer unter Königen bis zur Theilung des Reichs. Samuel, in der Monarchie für Freiheit, Verfassung u. Gesetz fürchtend, gab nur ungern den Wünschen des Volkes nach u. salbte 1095 Saul, einen Vornehmen aus dem Stamme Benjamin, zum König, nachdem derselbe jedoch erst feierlich erklärt hatte, sich in Sachen der Religion nicht mischen zu wollen. Da nicht alle Stämme, namentlich Ephraim, mit seiner Wahl zufrieden waren u. ihm wegen seiner Willkür, Unbesonnenheit u. Grausamkeit noch abholder wurden, so kehrte er wahrscheinlich wieder in den Privatstand zurück, u. erst in Folge der durch den Ammoniterkönig Nahas eintretenden Kriegsgefahr trat er factisch an die Spitze des Volkes, das ihm nun zu Gilgalum so lieber huldigte, als er glücklich gegen die Feinde war. Er stritt glücklich gegen die Philistäer, Moabiter, Idumäer, bes. gegen die Amalekner, aber da ihm gänzliche Ausrottung dieses Volkes durch Samuel befohlen war, u. er deren Häuptling Agah am Leben ließ, so erregte dies die Unzufriedenheit des Volkes von Neuem. Da er nun sogar in die Vorrechte der Priester eingegriffen hatte, so verlor er auch Samuels Vertrauen, u. dieser salbte insgeheim (1063) David zu dessen Nachfolger. Saul, wegen der Feindseligkeit Samuels gegen ihn tiefsinnig geworden, verlor eine Schlacht mit den Philisiäern u. stürzte sich in sein eignes Schwert.

David ließ sich nun 1055 v. Chr. öffentlich in Hebron salben, wurde aber nur vom Stamme Juda anerkannt; die übrigen elf Stämme wählten auf Abners Anregung Sauls Sohn, Isboseth, u. erst nach sieben Jahren, als Isboseth von Baena u. Rechob ermordet worden war, gelang es David, eine scheinbare Vereinigung des gesammten Volkes zu bewirken. Er verlegte seine Residenz von Hebron nach Jerusalem, welches den Jebusitern abgenommen worden war, erhob dies zum bleibenden Sitz der Regierung u. des Nationalcultus des Jehovah, gab den Leviten eine zweckmäßigere Verfassung, in der er die königliche Gewalt mit dem Ansehen der Priester u. Propheten zu versöhnen wußte, u. hob durch Ordnung des Kriegswesens den Muth der Nation. Unterstützt durch Helden wie Joab, war er siegreich in mehreren Kriegen u. dehnte die Grenzen seines Reichs von Ägypten u. dem Arabischen Meerbusen bis nach Thapsakos, vom Euphrat bis an das Mittelmeer aus. In der Friedenszeit zierte er seine Hauptstadt mit einem von Tyrern erbauten prächtigen Palast (Burg auf Zion) u. bereitete den Bau des Jehovahtempels vor. Künste blühten unter ihm, vorzüglich die religiöse Dichtkunst, die er selbst u. die Sänger an seinem Hofe ausbildeten. So hoch verdient er sich aber auch um seine Nation machte, so gelang es ihm doch nicht, die Trennung zwischen Juda u. Israel ganz auszugleichen; so wie in den Unfällen in seiner Familie u. durch die Empörungen seiner Söhne, von denen die des Absalom ihn sogar zur Flucht von Jerusalem nöthigte, die verderblichen Folgen einer Serailregierung sich zeigten. Noch durch ähnliche Mißhelligkeiten gegen das Ende seiner Tage tief erschüttert, starb David nach vierzigjähriger Regierung 1015 u. hinterließ seinem Lieblingssohn Salomo, den er, mit Umgehung des ältesten Sohnes Adonia, noch bei seinem Leben zum Könige hatte salben lassen, das Reich.

Salomo ließ bei seiner Thronbesteigung, um sein Reich zu befestigen, seinen Bruder Adonia u. einige mißvergnügte Große, namentlich den alten mächtigen Joab, hinrichten, verband sich durch Heirath mit Ägypten u. begann unter Beistand des Hiram, Königs von Tyrus, im vierten Regierungsjahre den Bau des Tempels auf Moria, den er in sieben Jahren vollendete. Durch diese u. andere Verschönerungen der Hauptstadt u. anderer Städte, namentlich Hazor, Megiddo, Bethaven, Baalath, durch Belebung des Handels, durch bessere Einrichtungen im Staatshaushalt etc., so wie durch glückliche Kriege gegen die Feinde, seinen glänzenden Hofstaat, seine Gerechtigkeitsliebe erwarb er sich hohen Ruhm im ganzen Orient. Vorzüglich schloß er mit Tyrus einen Handelsvertrag u. ließ aus dem von David eroberten Hafen Eziongeber am Rothen Meer Flotten nach Ophir segeln, die Gold, Silber, Elfenbein, Sandelholz, Affen, Pfauen etc. zurückbrachten. Er selbst trieb einen bedeutenden Pferdehandel aus Ägypten nach Syrien. Während er durch die unternommenen großen Bauten den Gewerbfleiß seines [137] Volkes belebte, weckte er durch die Einfuhr kostbarer Erzeugnisse des Auslandes mit dem Kunstsinn zugleich Prachtliebe, was nur nachtheilig wirkte. Er errichtete eine 12,000 M. starke Reiterei u. 1400 Streitwagen, stellte 12 Rentbeamten über die Domänen an, von denen jeder einen Monat lang die Lieferung der Hofbedürfnisse besorgen mußte; diese Bedürfnisse waren aber ungeheuer u. führten bald dahin, daß die Unterthanen mit drückenden Steuern belegt wurden. Dieß führte schon zu Unzufriedenheit der Unterthanen, dazu kam, daß Salomo einer viel zu universellen Denkungsweise huldigte, als das Mosaische Nationalinteresse erlaubte; ja er ergab sich später, verleitet von den ausländischen Frauen seines Harems, der Abgötterei u. hielt sich in seinen spätern Regierungsjahren nicht frei von Ungerechtigkeiten. Etwaige Versuche zu Verschwörungen scheiterten an seiner wohlbefestigten Macht, allein sobald er starb (975 v. Chr.), brach offene Empörung aus, u. sein Sohn Rehabeam, der ihm folgte, war so wenig im Staude, das drohende Ungewitter zu beschwören, daß vielmehr sein unkluges Benehmen gegen die, um Minderung der Auflagen bittenden u. ihm eine Wahlcapitulation vorlegenden Abgeordneten, zehn Stämme zum förmlichen Abfall brachte. Der hebräische Staat theilte sich nun in die Reiche Juda u. Israel.

IV. Von der Theilung des Reiches bis zum Babylonischen Exil. A) Reich Israel. Zu Israel gehörten die zehn Stämme: Ephraim, Dan, Simeon, Manasse, Isaschar, Sebulon, Asser, Naphthali, Gad u. Ruben; die Haupt- u. Residenzstadt war Anfangs Sichem, dann Samaria. Obgleich Israel der größere u. volkreichere Staat war, so stand es doch an Würde dem Reiche Juda nach, da bei diesem die alte Hauptstadt, der Tempel u. die Priesterschaft geblieben war. Die abgefallenen zehn Stämme wählten Jerobeam I., einen alten Feldherrn Salomos, zu ihrem König. Dieser nahm seine Residenz in Sichem u. führte, um einen Gegensatz zu dem Jehovahcultus in Jerusalem aufzustellen u. seine Unterthanen von den Wallfahrten nach Jerusalem abzuhalten, in Bethel u. Dan ägyptischen Thierdienst ein, nahm auch die Priester nicht aus dem Stamme Levi. Bald begannen die Kämpfe Israels gegen Juda. Jerobeam st. 953, u. sein Sohn Nadab, ein lasterhafter Fürst, regierte nur kurze Zeit; 952 wurde er schon von Baesa, seinem Feldherrn, erschlagen u. sein Geschlecht ausgerottet; Baesa führte geradezu den Götzendienst in Israel ein, deshalb überzog ihn Assa, König von Juda, mit Krieg, machte ihm seinen Bundesgenossen, den König von Damask, abspenstig u. vertrieb ihn mit dessen Hülfe 930. Baesas Nachfolger, Ella, fiel schon 929 durch seinen Feldherrn Simri; dieser wurde jedoch schon nach sieben Tagen durch Omri (Amri) gestürzt u. verbrannte sich, in Thirza von Omri belagert, mit seinem Palaste. Auch gegen Omri stand Thibni als Gegenkönig auf, aber dieser st. 925 u. Omri regierte unangefochten bis 918. Er gründete die Stadt Samaria u. verlegte die Residenz von Sichem hierher. Sein Sohn u. Nachfolger war der schwache Ahab; seine Gemahlin Isebel, eine sidonische Königstochter, veranlaßte ihn den Baalsdienst anzunehmen. Gegen die damit Unzufriedenen erregte Isebel harte Verfolgungen, denen auch der Prophet Elias ausgesetzt war. Den verwirrten Zustand des Reiches benutzte Benhadad von Damask, er zog von Samaria u. schlug den Ahab 897 in einer Schlacht, in welcher derselbe auch selbst blieb. Ihm folgte 897 sein Sohn Ahasja (Ochoz), u. da dieser schon im folgenden Jahre starb, dessen Bruder Joram (896–884). In einem Kriege gegen die Syrer wurde er verwundet, u. während er krank darnieder lag, überfiel ihn der, von Elisa zum Könige gesalbte Jehu, Sohn Josaphats, ermordete sowohl ihn, als seine ganze Familie u. ließ den Baaldienst wieder abschaffen. Sein Sohn Joahas (856–840) verlor gegen die Syrer sein ganzes Heer, u. das Reich wurde denselben auf einige Zeit zinsbar. Joas, Joahas' Sohn, schüttelte das syrische Joch wieder ab u. kämpfte gegen die Moabiter. Sein u. seines Vaters Rathgeber war Elisa. Unter beiden begann das Reich Israel wieder zu blühen. Jerobeams II. lange Regierung (825–784) war glücklich; er stellte die alten, oft verrückten Grenzen gegen Syrien wieder her u. befreite die drei Stämme jenseits des Jordan von der syrischen Gewalt. Nach seinem Tode war ein zwölfjähriges Interregnum, dann kam 773 sein Sohn Zacharias (Sacharja) auf den Thron. dieser wurde aber, nachdem er ein halbes Jahr schlecht regiert hatte, durch eine Verschwörung wieder gestürzt. Sein Mörder, Sallum, wurde König, aber nach einem Monat geschah ihm 773 Gleiches von Menahem, unter welchem dem Reiche an den Assyrern mächtige Feinde erstanden. 770 drang Phul siegreich in das von Parteien zerstörte Israel ein, unterwarf das Reich u. legte ihm einen Tribut auf, welchen der König merkwürdiger Weise von den Soldaten erhob. Menahems Sohn u. 761 Nachfolger Pakajah wurde 759 wieder von Pekah ermordet; dieser verband sich gegen Juda mit den Syrern; aber da Juda den Tiglathpilesar, König von Assyrien, zum Schutze herbeirief, wurde Israel, nachdem Pekah 740 von Hosea ermordet worden war, von dem Sieger 731 bis auf das samaritanische Land verwüstet u. ein großer Theil der Einwohner in die Gefangenschaft abgeführt. Nach neunjährigem Interregnum (731–722) kam Hosea auf den Thron von Israel. Dieser verweigerte, gestützt auf ein Bündniß mit dem Ägyptierkönig, dem Salmanasser den schuldigen Tribut u. versuchte wieder unabhängig zu werden; aber Salmanasser fiel 772 in das Land; das Reich wurde zerstört u. das Volk theils in andere Länder Asiens, größtentheils jenseits des Euphrat, verpflanzt (Assyrische Gefangenschaft), theils mit neuen Colonisten vermischt.

B) Reich Juda. Zum Reiche Juda gehörten die beiden Stämme Juda u. Benjamin; die Hauptstadt war Jerusalem. Die beiden Stämme blieben dem Rehabeam treu; den gefaßten Plan, die abgefallenen Stämme wieder zu unterwerfen, konnte derselbe nicht ausführen. Nachdem er fünf Jahre in Frieden regiert hatte, fiel ein ägyptisches Heer in Juda ein u. plünderte den Tempel. Nach Abiam, Rehabeams Sohne, welcher drei Jahre (958–955) regierte, kam dessen Sohn Assa 955 auf den Thron. Dieser stritt mit aller Macht gegen den Götzendienst, u. da ihn Baesa, der König von Israel, deshalb mit Krieg überzog, besiegte er denselben durch syrische Hülfe u. eroberte den Stamm Naphthali; er st. 914. Sein Sohn Josaphat (914–889) war ein gerechter u. edler Fürst; aber[138] er ließ sich in ein nachtheiliges Bündniß mit König Ahab von Israel ein, u. dessen Nachfolger Ahasja suchte dasselbe durch eine Verheirathung seines Sohnes Joram an Athalja, Ahabs Tochter, zu befestigen. Im Lande suchte er den Unterricht u. die Justiz zu verbessern; in seinen Kriegen früher unglücklich, daß er sogar seine Flotte verlor, war er später glücklicher gegen die Philistäer u. andere Nachbarvölker. Aber sein Sohn Joram (889–884) begünstigte, auf Veranlassung seiner Gemahlin Athalja, den Götzendienst wieder u. verlor die Gewalt über die Edomiter. Als nach Jorams Tode (884) dessen Sohn Ahasja, welcher sich mit seinem Schwager, dem König Joram von Israel, zu einem Feldzuge gegen Damask vereinigt hatte, mit diesem von Jehu ermordet worden war, ließ Athalja, Ahasjas Mutter, alle königlichen Nachkommen ermorden, um allein den Thron zu behaupten; aber einer ihrer Enkel, Joas, Ahasjas Sohn, war von seiner Tante Josabath gerettet u. von dem Oberpriester Jojada insgeheim im Tempel erzogen worden. 877 trat Joas hervor u. wurde von den Priestern als König ausgerufen, Athalja aber, welche sich dagegen setzen wollte, ermordet. Mit ihr wurde der Baalsdienst gestürzt. Die durch die Wiederherstellung des baufällig gewordenen Tempels erlangte Gunst des Volkes verlor Joas meist wieder, weil er das Geld zum Friedenskaufe von dem Syrer Hasael aus dem Tempelschatze nahm. Darüber entstand 838 eine Verschwörung, in welcher Joas von seinen Dienern erschlagen wurde. Amazia, Sohn u. Nachfolger des Joas, besiegte zwar die Edomiter, führte aber deren Götzendienst in seinem Lande ein. Sehr unglücklich war er gegen Israel; er wurde geschlagen u. gefangen, Jerusalem von Israel erobert, die Mauern niedergerissen u. der königliche u. Tempelschatz geplündert. 825 kam Amazia wieder auf den Thron, wurde aber durch seine Unterthanen verjagt u. floh nach Lachis, wo er 811 erschlagen wurde. Sein Nachfolger Usia (Asarja) hatte Frieden mit Israel u. benutzte denselben, um sein Gebiet zu erweitern; er demüthigte die Philistäer, nahm die Häfen am Rothen Meere ein u. befestigte Jerusalem wieder. In Folge von Eingriffen in die hohepriesterlichen Functionen mußte er 788 seinem Sohne Jotham die Regierung abtreten. Als Reichsverweser ließ dieser den Tempel verschönern, besiegte die Ammoniter u. machte sich dieselben zinsbar. Nach Usia's Tode 759 trat er selbst die Regierung an u. führte sie bis 743. Gegen das Ende seiner Regierung wurde er vom israelitischen König Pekah geschlagen u. sah eine Menge seiner Unterthanen als Gefangene wegführen. Während Jotham den Götzendienst nur duldete, war sein Sohn Ahas (743–728) ein entschiedener Begünstiger desselben. Gegen Israel rief er, ungeachtet der Warnung des Propheten Jesaias, den Assyrerkönig Tiglathpilesar zu Hülfe. Dieser besiegte zwar Israel u. Syrien, aber auch Juda wurde nun den Assyrern zinsbar u. verlor seine Selbständigkeit, am meisten durch das Aufgeben der Nationalreligion. Jesaias, Micha u. andere Propheten eiferten für die Wiederherstellung des Jehovahdienstes; aber erst unter Ahas Sohne, Hiskia (728–699), gelang ihnen dies, u. der Tempel wurde unter großen Feierlichkeiten wieder gereinigt. Da Hiskia sich den Tributzahlungen an die Assyrer zu entziehen suchte, so kam Sanherib, um das Verweigerte zu erzwingen. Hiskia zahlte den Tribut, u. als Sanherib doch noch gegen ihn zog, so brach unter dem feindlichen Heere eine Seuche aus, wodurch er von der Rache der Assyrer befreit wurde. Endlich neigte er sich zu einer Verbindung mit dem Könige von Babylon u. reizte durch unvorsichtige Vorzeigung seiner Schätze dessen Habsucht. Die Ruhe u. der Glanz, welche Hiskia dem Reiche zuletzt gebracht hatte, schwand schon wieder unter seinem Sohne Manasse (699–644), welcher den Götzendienst von Neuem einführte u. von den Assyrern selbst auf einige Zeit in die Gefangenschaft abgeführt wurde. Sein Sohn Amon regierte nur zwei Jahre (644–642), darauf kam dessen achtjähriger Sohn Josia auf den Thron. Dieser eiferte unter Leitung der Priester für Abschaffung des Götzendienstes, setzte das, 624 bei einer Ausbesserung des Tempels gefundene Mosaische Gesetzbuch in Kraft u. gewann dadurch solche Gunst, daß er für den frömmsten u. besten König in Juda galt. In einem, gegen den ägyptischen König Necho begonnenen Kriege, wo ihm Syrien Hülfe leistete, wurde er im Thale Megiddo geschlagen, tödtlich verwundet u. st. 611. Nun stand Juda unter ägyptischem Einfluß. Necho setzte den, von dem Volke zum König gewählten. Joahas sogleich ab u. nahm denselben mit nach Ägypten (wo er starb); statt seiner aber setzte er 609 dessen Bruder Jojakim (früher Eljakim) auf den Thron, welcher den Ägyptiern großen Tribut zahlen mußte. Nach der Schlacht bei Karchemisch, worin die Ägyptier von Nebukadnezar geschlagen wurden, kam Juda unter die Babylonier, u. als Jojakim hierauf von Babylon wieder abfiel, kehrten die Babylonier in das Land Unter Jojakim lebte der Prophet Jeremias. Als nach Jojakims Tode, 598, dessen Sohn Jojachin (Jejancha) kaum die Regierung angetreten hatte, kam Nebukadnezar selbst in das Land, eroberte Jerusalem, führte den König u. die Vornehmsten, die meisten Waffenfähigen, Bauleute u. Schmiede in sein Land u. ließ nur einen kleinen Theil des Volkes unter Zedekia (Matthania), Jojachins Vatersbruder, zurück. Zedekia verachtete die väterliche Religion u. entweihete den Tempel; 590 versuchte er, im Vertrauen auf ägyptische Hülfe, das Joch der Babylonier abzuschütteln. Nebukadnezar fiel sogleich in Judäa ein u. eroberte Jerusalem nach zweijähriger Belagerung (588). Zedekia entfloh zwar mit den Seinen, wurde aber von den Chaldäern bei Jericho eingeholt; Nebukadnezar ließ vor ihm seine Kinder ermorden, ihn selbst blenden u. dann nach Babylon führen, wo er später auch starb. Jerusalem u. der Tempel wurden verbrannt, die Mauern geschleift u. das Volk nach Babylon in die Gefangenschaft geführt (Babylonische Gefangenschaft). Über die wenigen Zurückbleibenden setzte Nebukadnezar den Gedalja als Statthalter; als dieser aber ermordet worden war, zogen die Judeu aus Furcht vor der Strafe des Königs mit Jeremias nach Ägypten.

V. Vom Babylonischen Exil bis zur römischen Oberherrschaft. Nachdem die H. 52 Jahre im Exil gewesen u. in ihren Ansiedelungen einheimisch geworden, sogar zu hohen Staatsämtern gelangt waren, zerstörte der Perserkönig Kyros das Chaldäisch-babylonische Reich u. ertheilte 537 v. Chr. den H-n die Erlaubniß zur Rückkehr in ihr altes [139] Vaterland. Der größte Theil blieb aber in Babylonien, u. nur 42,360 Männer mit ihren Familien, aus dem Reiche Juda, weshalb die H. nach dem Exil Juden genannt wurden, zogen in zwei Karawanen unter Serubabel, Esra u. Nehemia in das Land ihrer Väter, setzten sich zu Jerusalem fest, nahmen bald die Provinzialstädte von Juda u. Benjamin ein u. gründeten, unter persischer Oberherrschaft, einen neuen Staat nach der mosaischen Constitution mit einem Hohenpriester u. Ältesten an der Spitze. Nehemia war Statthalter. Auch Jerusalem u. der Tempel wurden, nach vergeblichem Widerspruch der von dem Tempelcultus ausgeschlossenen Samaritaner, wieder aufgebaut, unter Esras u. Nehemias Leitung der Canon der heiligen Schriften gesammelt u. die große Synagoge zur Auslegung desselben eingesetzt. Ob aber gleich die jährlichen Festreisen der Juden nach Jerusalem der Stadt u. dem Tempel großen Glanz verliehen, die Juden auch durch Erwerbthätigkeit ihre Vorfahren weit hinter sich ließen, so konnte doch der Staat um so weniger sich wahrhaft begründen u. erblühen, da er in Folge seiner Lage von den damaligen politischen Kämpfen nicht unwesentlich berührt wurde. Zwar blieb das Schicksal der Juden unter Alexander dem Gr. u. während der Kriege zwischen seinen Feldherren erträglich, in sofern sie deren Freundschaft erkaufen konnten. Sie standen Anfangs unter Ägypten, u. König Ptolemäos Philadelphos zog viele Juden als Colonisten nach Ägypten, bes. nach Alexandrien, u. ertheilte den jüdischen Colonien sogar Vorrechte vor den Eingeborenen; allein als sich die Juden auf die Seite der Könige von Syrien schlugen, wurden sie deren Beute. So gut es sie H. unter Antiochos d. Gr. hatten, so übel erging es ihnen unter dessen Nachfolgern Seleukos u. Antiochos IV. Der Plan der macedonischen Politik, die Gräcisirung der orientalischen Völker, sollte nun rasch auch an den H-n ausgeführt werden, u. hier wandten sich die Syrer bes. gegen die Religion. Zwar das Volk, festhaltend am Cultus seiner Väter, widersetzte sich, u. als Antiochos eine Statue des Zeus im Tempel zur Verehrung aufstellen ließ, auch mehrere Juden bereits den Märtyrertod gestorben waren, trat der Priester Mattatja (167) u. nach ihm (166) sein Sohn Judas der Makkabäer an der Spitze einer bewaffneten Schaar, welche sie in den Gebirgen gesammelt hatten, hervor, mußte zwar vor den Syrern bei Beth Sacharja zurückweichen, focht aber dann glücklich, eroberte Jerusalem u. stellte den alten Cultus wieder her.

Mit Judas beginnt das Heldenalter der Makkabäer od. Asmonäer (Hasmonäer) in der Geschichte der H. 164 v. Chr. züchtigte Judas die Idumäer u. andere benachbarte Völker für die, seinem Volke zugefügten Mißhandlungen. Darauf suchte er die zunehmende Zerrüttung des syrischen Staates, welche namentlich durch die Streitigkeiten wegen der Thronfolge zunahm, zu benutzen u. verband sich zu diesem Zwecke mit den Römern; da zogen die Syrer unter Bakchides u. Alkimos ins Land, befestigten sich aller Orten, nahmen Jerusalem, u. Judas selbst fiel 161 v. Chr. bei Eleasa od. Bethsetha. Nur eine kleine Schaar unter Jonathan, Bruder des Judas, ergaben sich dem Bakchides nicht, sondern entwichen in die Wüste Thekoa u. machten sich von dort den Syrern u. Arabern furchtbar. Ein günstiger Umstand für die Juden war, daß 152 in Syrien gegen Demetrios ein Usurpator, Alexander Balas, auftrat, welche Beide sich um di Freundschaft Jonathans bewarben: Demetrios zog die syrische Besatzung aus den meisten Städten Judäas, u. so gelangte Jonathan in den Besitz des Tempels in Jerusalem; Alexander aber ernannte ihn zum Hohenpriester u. Statthalter, u. so vereinigte Jonathan die geistliche u. weltliche Macht in Einer Hand. Nach dem Tode des Demetrios (150) erhob sich ein anderer Demetrios gegen Alexander, welchen Jonathan 146 besiegte u. dafür das Philisterland von Alexander bekam; als Demetrios sich doch endlich gegen Alexander hielt, suchte er die Freundschaft Jonathans dadurch, daß et dem Lande Steuerfreiheit gegen einen festen Tribut gab. Als sich gegen Demetrios wieder ein Anderer, Tryphon, auf den syrischen Thron schwang, hielt es der schlaue Jonathan wieder mit diesem, büßte aber seine eigennützige Politik mit dem Leben, denn Tryphon nahm ihn durch Verrath gefangen u. ließ ihn bei Baschama 143 v. Chr. tödten. Seit Jonathans Gefangennehmung vertheidigte sein Bruder Simon, welchen Antiochos früher zum Statthalter über die ganze Küste des Mittelmeeres gesetzt hatte, das Land gegen Tryphon u. erklärte 142 sich von Syrien unabhängig, selbst den Titel Hoherpriester, Fürst u. Feldhauptmann der Juden führend. Er erneuerte das Bündniß mit den Römern u. Spartanern, eroberte Gaza, vertrieb die syrische Besatzung aus der Burg Zion, eroberte dann Joppe mit dem Hafen u. eröffnete sich das Mittelmeer. Dafür u. daß er sonst für das Wohl des Volkes sorgte, wurde er von dem Volke 140 zum erblichen Fürsten u. Hohenpriester erhoben, u. darüber eine, auf eherne Tafeln gegrabene u. im Tempel aufbewahrte Urkunde abgefaßt. Seit 139 schlug Simon auch Münzen mit seinem Namen (die ersten der Hebräer). Da Antiochos neue Anforderungen an Simon machte u. den Kendebäos nach Judäa schickte, sendete Simon ein Heer gegen diesen u. schlug ihn. Simon wurde 135 von seinem Schwiegersohn, dem Statthalter Ptolemäos von Jericho, in der Bergfeste Doch bei Jericho ermordet. Er hinterließ seinem Sohne Johannes Hyrkanos (135–107) das Reich, welches dieser, nachdem er sich wieder von syrischer Oberherrschaft frei gemacht hatte, durch Siege über die Idumäer (110), die er zum Judenthum bekehrte, u. über Samaria (109), wo seit Alexander d. Gr. Macedonier lebten, die sich feindselig gegen die Juden benahmen, erweiterte, durch Einsetzung des Hohen Rathes (Sanhedrin, Synedrium) mit einer festen Verfassung beschenkte u. durch Bildung hob. Da Johannes kein Vertrauen zu seinen Söhnen hatte, so übertrug er testamentarisch seiner Gemahlin die Regierung; aber der eine seiner Söhne, Judas od. Aristobulos I., ließ seine Mutter Hungers sterben, warf drei seiner Brüder ins Gefängniß u. erschlug den vierten; er nahm zuerst den Königstitel an, starb aber schon 106 v. Chr. Seine Gemahlin Salome (Alexandra) gab ihre drei Schwäger frei u. heirathete den einen, Jannäos (Jonathan) od. Alexander, welcher so König wurde. Er gerieth in Krieg mit dem cyprischen König Ptolemäos, welcher Judäa verwüstete; die Königin Kleopatra befreite ihn noch von diesem Feinde. Da[140] er immer vergebliche Kriege gegen Araber, Moabiter etc. führte u. daheim sehr grausam war, so erbitterte er seine Unterthanen so, daß ein sechsjähriger Bürgerkrieg ausbrach. Er ließ als Sieger gegen 800 Aufrührer kreuzigen, machte noch einige Einfälle in andere Länder u. st. 79 v. Chr. Währenddem begann der Staat wieder schnell zu sinken, denn es hatten sich die religiös-politischen Secten der Pharisäer u. Sadducäer mehr ausgebildet u. sie riefen Factionen hervor. Nach Alexander führte seine Gemahlin Alexandra die Regierung fort; sie verband sich mit den Pharisäern u. schickte die Sadducäer zur Armee u. in die Besatzungen; erließ eine allgemeine Amnestie u. regierte klug u. kräftig bis 70 v. Chr., wo sie starb. Nach ihrem Tode machten sich ihre Söhne, Hyrkanos u. Aristobulos, die Krone streitig, Hyrkanos, bei Jericho geschlagen, mußte dem Aristobulos II. weichen. Hyrkanos verband sich dagegen mit dem arabischen König Aretas, rückte mit 50,000 Mann nach Judäa, schlug den Aristobulos u. schloß ihn in Jerusalem ein. Da rief Aristobulos den römischen Feldherrn Scaurus zu Hülfe, welcher die Araber zurückwarf. Im Jahre 63 suchten Aristobulos u. Hyrkanos die Entscheidung des Pompejus in Damask; Aristobulos, nichts von dem Römer für sich hoffend, widersetzte sich, wurde aber gefangen, u. seine im Tempel verschanzten Anhänger mußten sich nach dreimonatlicher Belagerung ergeben; darauf wurden die Mauern von Jerusalem niedergerissen u. Hyrkanos zum Fürsten u. Hohenpriester gemacht, der jedoch kein Diadem tragen durfte, die Städte in Syrien u. Phönicien abtreten u. einen Tribut zahlen mußte. So wurde Judäa von Rom abhängig u. dem Statthalter von Syrien zur Verwaltung untergeben. Aristobulos wurde mit den Seinigen 61 von Pompeius zu Rom im Triumph aufgeführt.

VI. Judäa unter römischer Herrschaft bis zum gänzlichen Untergang des Staates. Im Jahr 54 v. Chr. erregte Alexander, ein Sohn des Aristobulos, der aus Rom entkommen war u. sich einen Anhang gebildet hatte, einen Bürgerkrieg; auch Aristobulos selbst wurde frei gegeben, aber von den Römern erschlagen u. Alexander hatte 49 v. Chr. dasselbe Schicksal. Die fürstliche Gewalt des Hyrkanos wurde vom römischen Statthalter Gabinius sehr geschwächt, indem er die Verwaltung des Landes dem Synedrium übertrug, welches aus fünf Provinzialdepartements zu Jerusalem, Gadera, Amathus, Jericho u. Sephoris bestand. Von den Nachkommen des Aristobulos, der von den Römern vergiftet worden war, war noch ein Sohn übrig, Antigonos. Dieser eroberte 40 v. Chr. mit Hülfe der Parther Jerusalem, verstümmelte den Hyrkanos u. schickte ihn nach Parthien; er selbst wurde Fürst von Judäa. Aber 37 kam Herodes, der Sohn des Idumäers Antipas (des Rathgebers von Hyrkanos) u. der Bruder des Phazael, des Statthalters von Jerusalem unter Hyrkanos, welcher schon von den Römern 40 v. Chr. zum König bestimmt worden war, u. nahm mit Hülfe der Römer unter C. Sosius Jerusalem; Antigonos wurde uach Antiochien geschickt u. dort hingerichtet. So endete das Geschlecht der Makkabäer. Durch Herodes d. Großen trat das idumäische Geschlecht der Herodianer an die Spitze des Staates. Herodes hatte während der Belagerung Jerusalems die Mariamne, die Enkelin Hyrkans, aus dem Geschlecht der Makkabäer, geheirathet, um so die Juden mit sich zu versöhnen. Nach der Schlacht bei Actium, 31 v. Chr., wo die Partei seines früheren Gönners Antonius gegen Octavianus unterlegen war, reiste er zu Letzterem nach Rhodus u. mußte diesen so zu gewinnen, daß er ihm nicht nur sein Reich ließ, sondern noch mehrere Städte dazu gab. Nach seiner Rückkehr ließ er seine Gemahlin Mariamne vergiften u. seine Schwiegermutter Alexandra tödten. Die Errichtung von Circusspielen nach Römerart führte Unruhen um diese Zeit u. neue Hinrichtungen herbei, doch suchte Herodes diese Greuel durch reiche Spenden in einer Hungersnoth (25 v. Chr.) wieder gut zu machen u. verkaufte sogar seine Kostbarkeiten, um dafür Getreide einzuhandeln. Von seiner ersten Gemahlin Doris, die ihren älteren Sohn Antipater nicht durch Mariamnes Söhne beeinträchtigt sehen wollte, wurde sein Argwohn auf seine zwei Söhne von Letzter, Alexander u. Atistobulos, geleitet; er holte sie 16 v. Chr. von Rom, ließ sie vor ein Scheingericht stellen u. erdrosseln. Nachdem er noch seinen Sohn Antipater, welcher mit des Königs Schwägerin eine Verschwörung gegen ihn gemacht, 2 n. Chr. hatte hinrichten lassen, starb er selbst fünf Tage darauf. Obgleich er die Juden durch den prächtigen Tempelbau sich geneigt zu machen strebte, so wurde er doch wegen seiner Grausamkeit u. des Druckes gefürchtet u. gehaßt. Unter seiner Regierung wurde Jesus geboren. Eigentlich war sein Sohn Herodes Philippos sein Nachfolger, allein aus Haß gegen dessen Mutter Mariamne hatte ihn der Vater gar nicht im Testamente bedacht, u. so wurde ein anderer Sohn, Archelaos, Ethnarch von Judäa, Samaria u. Idumäa (bis 6 od. 8 n. Chr.) u. dessen Bruder Herodes Antipas über Galiläa. Indem theils der Hof selbst Sittenlosigkeit verbreitete, theils der Gottesdienst in geistloses Ceremonienwesen ausartete, reiste das Volk einer Empörung gegen seine Unterdrücker entgegen. Vergebens suchte Jesus sein Volk durch eine gänzliche Reform der ausgearteten Mosaischen Religion u. durch moralische Besserung vom Untergange zu retten; so fest die Juden auch auf ihre messianischen Weissagungen vertrauten, so verwarfen sie doch Jesus, weil sie von ihm nur irdische Erwartungen hegten, u. seine Vorhersagung von dem Untergange des jüdischen Volkes ging in Erfüllung. Die Empörung, zu welcher die Juden, unter den Plackereien der römischen Statthalter, die neben den jüdischen Schattenfürsten (wie Herodes Agrippa u. dessen gleichnamigem Sohne, welcher der letzte König war) das Land nun völlig als römische Provinz behandelten, immer mehr gereizt wurden, brach endlich unter dem Statthalter Gessius Florus 66 n. Chr. aus. Zwar gelang es dem Florus im Lande die Empörung niederzuschlagen; allein in Jerusalem dauerte sie fort, u. nicht ohne großen Verlust konnte er seinen Rückzug antreten. Da rückte ein römisches Heer unter Vespasianus in Palästina ein, unterwarf Galiläa, verheerte Idumäa u. belagerte unter Titus Jerusalem, welches von den Juden tapfer vertheidigt, aber endlich, 70 n. Chr., von den Römern erobert wurde. Vergebens suchte Titus den Tempel zu schonen; die Stadt wurde geschleift u. was von den Einwohnern[141] nicht den Tod gefunden hatte, in die Sklaverei verkauft od. vertrieben, u. so der jüdische Staat durch die Zerstörung Jerusalems auf immer aufgelöst. Die fernere Geschichte des allenthalben in der Welt zerstreuten Volkes s.u. Juden.

Literatur. Die Schriften des A. u. N. T. u. des Josephus; Salomo Ben Virga, Schebet Juda (hebr), Prag 1609 u.ö. (lat. Historia Judaica, Amst. 1651); I. Crull, Jewish history, Lond. 1708, 2 Bde.; H. Prideaux, The Old and New Testam. etc., ebd. 1749, 4 Bde.; Berruyer, Hist. du peuple de Dieu etc., Par. 1738, 7 Bde. (bis zur Geburt Jesu), u. Haag 1755, 4 Bde. (bis zu Ende der Synagoge); B. Mahy, Histoire du peuple hébreu, Lütt. 1742, 3 Bde.; L. Hohlberg, Jüdische Geschichte, aus dem Dänischen von G. A. Detharding, Altona 1747, 2 Bde.; I. I. Heß, Geschichte der Israeliten (vor den Zeiten Jesu), Zür. 1776–1788, 12 Bde.; C. Bastholm, Geschichte der Juden, deutsch von I. F. Markus, Lpz. 1786, 3 Bde.; I. L. Maizonnet, Histoire du peuple d'Israel etc., Rotterd. 1780, 5 Bde.; Dithmar, Geschichte der Israeliten (bis zu Cyrus), Berl. 1788; G. L. Bauer, Handbuch der Geschichte der hebräischen Nation, Nürnb. 1800–4, 2 Bde.; Scherer, Geschichte der Juden (vor Jesus), Zerbst 1804, 2 Bde.; H. Leo, Vorlesungen über die Geschichte des jüdischen Staates, Berl. 1828; I. M. Jost, Allgemeine Geschichte des Israelitischen Volkes etc., ebd. 1831–32, 2 Bde.; M. Huncler, Hist. des Israelites, Paris 1837; Bianchi Giovini Storia degli Ebrei, Mail. 1844; I. M. Jost, Geschichte der Juden (seit der Zeit der Makkabäer), Berl. 1820–29, 9 Bde.; Ewald, Geschichte des Volkes Israel (bis Christus), Gött. 1843–45, 3 Bde., 2. Aufl. 1851–55, 5 Bde.; Eisenlohr, Das Volk Israel (unter der Herrschaft der Könige), Lpz. 1856.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 135-142.
Lizenz:
Faksimiles:
135 | 136 | 137 | 138 | 139 | 140 | 141 | 142
Kategorien:

Buchempfehlung

Aristophanes

Die Vögel. (Orinthes)

Die Vögel. (Orinthes)

Zwei weise Athener sind die Streitsucht in ihrer Stadt leid und wollen sich von einem Wiedehopf den Weg in die Emigration zu einem friedlichen Ort weisen lassen, doch keiner der Vorschläge findet ihr Gefallen. So entsteht die Idee eines Vogelstaates zwischen der Menschenwelt und dem Reich der Götter. Uraufgeführt während der Dionysien des Jahres 414 v. Chr. gelten »Die Vögel« aufgrund ihrer Geschlossenheit und der konsequenten Konzentration auf das Motiv der Suche nach einer besseren als dieser Welt als das kompositorisch herausragende Werk des attischen Komikers. »Eulen nach Athen tragen« und »Wolkenkuckucksheim« sind heute noch geläufige Redewendungen aus Aristophanes' Vögeln.

78 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon