Wagner [2]

[745] Wagner, 1) Johann, der Famulus Fausts, s.d. 2). 2) Friedrich, geb. 1693 zu Karo im Magdeburgischen, wurde 1716 Feldprediger in Berlin u. 1721 Inspector zu Nauen, dann Consistorialrath im Herzogthum Pommern u. Fürstenthum Kamin, Propst u. Pastor an der St. Marienkirche zu Stargard u. erster Professor der Theologie u. Hebräischen Literatur an dem dortigen Gymnasium, 1736 Hauptpastor zu Hamburg u. 1743 Senior des Ministeriums; er st. 1760 u. schr.: u.a.; Über den wahren Begriff von der Freiheit des Willens, Berl. 1730; Christianus Democritus, Vera demonstratio evangelica,, ebd. 1732 f., 2 Bde.; Allgemeine Beobachtungen über die geoffenbarten Mysterien des Christenthums, ebd. 1737. 3) Johann Franz, geb. 1733 in Ulm, wurde 1762 Adjunct der philosophischen Facultät in Helmstädt, 1764 Conrector in Braunschweig u. 1766 Rector u. Professor in Osnabrück, wo er 1778 starb; er übersetzte Julius Cäsar, Stuttg. 1765; Curtius, Lemgo 1768, 2 Thle.; Livius, ebd. 1776–77, 2 Thle., fortgesetzt von Westphal, u.a.m. 4) Johann Augustin, geb. 1734 in Lohmen bei Pirna, war 37 Jahre hindurch Conrector zu Merseburg (obgleich er fast taub war) u. st. 1807; er übersetzte den Dio Cassius, Frankf. a. M. 1784, u. Ammianus Marcellinus, ebd. 1792; gab den Alkiphron, Lpz. 1798, u. Valerius Flaccus, Gott. 1805, auch Dithmars Chronicon heraus. Unvollendet hinterließ W. eine Übersetzung des Chrysostomus u. eine kritische Ausgabe des Ammianus Marcellinus, welche Erfurdt, Lpz. 1808, vollendete. 5) Heinrich Leopold, geb. 1747 in Strasburg u. st. 1779 als Advocat in Frankfurt a. M.; er schr.: die Schauspiele: Die Reue nach der That, Frankf. 1775; Die wohlthätige Unbekannte, ebd. 1775; den Roman: Leben u. Tod Sebastian Silligs, ebd. 1776; das Trauerspiel: Die Kindesmörderin, ebd. 1776. 6) Friedrich Ludwig, geb. 1764 in Seeheim an der Bergstraße, wurde 1790 Präceptor an der Garnisonsschule in Darmstadt, 1794 Subconrector u. 1799 Conrector am Gymnasium daselbst, 1802 Garnisonsprediger, 1803 Hofbibliothekar, 1806 Kirchen- u. Schulrath, trat 1832 in den Ruhestand u. st. 1835. Er schr.: Lehren der Weisheit u. Tugend in Fabeln, Erzählungen u. [745] Liedern, Lpz. 1792, 23. Aufl. 1858, von W. 14) herausgegeben; Handbuch des Wissenswürdigsten für Volksschulen, 1. Theil Lesebuch, 20. Aufl. Stuttg. 1852, 2. Theil Naturkunde, Erdkunde, Geschichte, Deutsche Sprache etc., 17. Aufl. ebd. 1852; Neues evangelisches Gesangbuch für das Großherzogthum Hessen, Darmst. 1811 u.a. 7) Ernst, geb. 2. Febr. 1769 zu Roßdorf in Meiningen, studirte in Jena die Rechte, wurde erst Gerichtsactuar u. Rittergutsverwalter in seinem Geburtsorte, dann 1804 Privatsecretär des Herzogs Georg von Meiningen, blieb nach dessen Tode in Meiningen u. st. daselbst 28. Febr. 1812. Er schr.: die Romane: Willibalds Ansichten des Lebens, Meiningen 1805, 3. Aufl. 1821, 2 Bde.; Die reisenden Maler, Lpz. 1806, 2 Bde.; Neue Ansichten des Lebens, Gießen 1807; Ferdinand Miller, Tüb. 1809. u. Isidora, ebd. 1812; Die Reisen aus der Fremde in die Heimath, Hildburgh. 1808, 2 Thle.; Das historische A B C eines 40jährigen Fibelschützen, ebd. 1810; Sämmtliche Schriften, Lpz. 1827 ff., 12 Bde. Vgl. Mosengeil, Briefe über E. W., Schmalk. 1826. 8) Gottl. Heinrich Adolf, geb. 1774 in Leipzig, studirte seit 1792 Theologie, lebte seit 1798 in Jena u. später in Leipzig, beschäftigte sich aber vorzugsweise mit Sprachen u. st. 1. Aug. 1835 auf dem Gute des Grafen Hohenthal zu Großstädteln bei Leipzig. Er schr.: Lebensbeschreibungen der Reformatoren Zwingli, Wicliffe, Erasmus, Hütten, Hieronymus von Prag u. Öcolampadius, Lpz. 1800 ff., 6 Bde.; Der Bühnenschwarm, Lpz. 1804; Zwei Epochen der modernen Poesie (Dante, Petrarca u. Boccaccio, Goethe, Schiller u. Wieland), Lpz. 1806; Theater, ebd. 1810; Theatern Publikum, ebd. 1826; übersetzte Coxes Geschichte des Hauses Österreich, Lpz. 1817, 4 Bde.; Franklins Leben u. Werke, Weim. 1817 f., 5 Bde.; Byrons Manfred, Lpz. 1819; Lanzis Geschichte der Malerei, ebd. 1830, 3 Bde.; Murrays Zum europäischen Sprachenbau, Lpz. 1825, 2 Bde. Als Sprachforscher lieferte er eine neue Ausgabe von Bailey-Fahrenkrügers Wörterbuch der Englischen Sprache, Jena 1822, 2 Bde.; Glossary zu Shakespeare, Lpz. 1824; Lehrbuch der Italienischen Sprache, ebd. 1819; u. gab heraus: Parnasso italiano, 1826; Giordano Brunos Schriften, 1832; den schottischen Dichter Robert Burns u. Seumes Werke, ebd. 1835; Bojardo's Orlando innamorato, 1836. Seine Gattin schrieb als Adolphine Lotosblätter (Novellen), Lpz. 1835; Ideal u. Wirklichkeit, 1838; Märchen u. Erzählungen, 1844; Neue Märchen etc., 1846. 9) Johann Jakob, Philosoph, geb. 21. Jan. 1775 in Ulm, studirte, vorgebildet auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, seit 1793 in Jena, wo er mit Fichte in Berührung kam, u. seit 1796 in Göttingen, wo er Mitglied von Heyne's philosophischem Seminar war. Auf Fichte's Empfehlung übernahm er 1798 die Redaction der von Leuchs in Nürnberg herausgegebenen Handelszeitung, siedelte jedoch schon 1801 als Privatgelehrter nach Salzburg über u. wurde 1803 als Professor der Philosophie nach Würzburg gerufen. Bei der Reduction der dortigen Universität im Jahre 1809 wurde er pensionirt u. wählte Heidelberg zum Wohnorte, wo er sofort die Erlaubniß erhielt Vorlesungen zu halten. Als 1815 Würzburg wieder an Baiern fiel, wurde er dahin zurückgerufen. Im Jahre 1834 wurde er unerwarteter Weise quiescirt u. lebte von da an bis zu seinem Tode, 22. Nov. 1841, vorzugsweise seiner schriftstellerischen Wirksamkeit. Die philosophische Richtung W-s wurde durch den Einfluß namentlich Schellings bestimmt, mit welchem er darin übereinstimmt, daß die Philosophie eine Construction des Universums von einem einzigen Punkte aus zu leisten habe; in der Ausführung dieses Unternehmens geht er seinen eignen Weg. Da das Wesen überall nur eins sei u. nur durch die Form Verschiedenheit annehme, diese Form aber die Entwickelung des Einen durch den Gegensatz sei, welche Entwickelungsform sich immer wiederhole, so bewegt sich sein System in viergliedrigen (tetradischen) Constructionen, in denen sich das Schema des Weltgesetzes, Wesen, Gegensatz, Vermittelung u. Form, immer wiederholt. Seine zahlreichen Schriften verbreiten sich über speculative Philosophie, Naturphilosophie, Staatslehre u. Pädagogik; die wichtigsten sind folgende: Wörterbuch der Platonischen Philosophie, Gött. 1799; Lorenzo Chiaramonte od. Schwärmereien eines Jünglings (anonym), Nürnb. 1801; Über Fichte's Nicolai od. Grundsätze des Schriftstellerrechts, ebd. 1801; Theorie der Wärme u. des Lichtes, Lpz. 1802; Philosophie der Erziehungskunst, ebd. 1802; Von der Natur der Dinge, ebd. 1803; Über das Lebensprincip, ebd. 1803; Über die Trennung der legislativen u. executiven Staatsgewalt, Münch. 1804; System der Idealphilosophie, Lpz. 1804; Grundriß der Staatswissenschaft u. Politik, ebd. 1805; Von der Philosophie u. Medicin, Bamb. 1805; Ideen zu einer allgemeinen Mythologie der Alten Welt, Frankf. a.M. 1808; Theodicee, Bamb. 1809; Mathematische Philosophie, Erl. 1811; Der Staat, Würzb. 1811; Organen der menschlichen Erkenntniß, Erl. 1830; System der Privatökonomie, Aarau 1836. Zum größern Theil gesammelt sind sie von PH. L. Adam unter dem Titel: I. I. W-s kleine Schriften, 3 Bde. u. Nachgelassene Schriften über Philosophie, 7 Thle., Ulm 1858. Vgl. I. I. W-s Lebensnachrichten u. Briefe, von Ph. L. Adam u.A., Köln 1851 u. L. Rabus, I. I. W-s Leben, Lehre u. Bedeutung, Nürnb. 1862. 10) August, geb. 1777 in Weißenfels, trat 1808 in österreichische Kriegsdienste u. wohnte dem Feldzuge von 1809 bei; er wurde dann im Kriegsarchiv angestellt, aber in dem Kriege von 1813 u. 1814 als Hauptmann in den Generalstab versetzt; 1815 trat er in preußische Dienste, wurde 1835 Oberstlieutenant im Großen Generalstabe u. starb als Generalmajor 6. Juni 1854 in Berlin. Er gab heraus: Grundzüge der reinen Strategie, Wien 1808; Plane der Schlachten u. Treffen, welche von der preußischen Armee in den Jahren 1813, 14 u. 15 geliefert wurden, Berl. 1821; Feldzug der königlich preußischen Armee am Rhein im Jahre 1793, ebd. 1831. 11) Johann Martin v.w., geb. 1777 in Würzburg, studirte Anfangs, wurde aber später Maler u. Bildhauer, ging 1801 auf die Kunstakademie zu Wien u. 1802 nach Paris, lebte 1804 bis 1808 in Rom, ging 1810 wieder nach Rom u. begab sich 1812 in Aufträgen des damaligen Kronprinzen von Baiern nach Griechenland, um Kunstschätze zu erwerben; dort brachte er den Ankauf der äginetischen Marmorstatuen für die Glyptothek in München zu Stande, schaffte dieselben mit großer Schwierigkeit (die Engländer hatten sie einmal mit Beschlag belegt u. hielten sie in Malta zurück) nach Europa hinüber, gab mit Schelling 1816 die Beschreibung derselben heraus, setzte dieselben[746] 1815–19 zusammen u. ergänzte sie nach Modellen Thorwaldsons; er modellirte 1821 die Statuen für die Reitschule in München u. lieferte 1822–39 den großen Fries, die Völkerwanderung für die Walhalla in Marmor u. für das Siegesthor in München die Statuen u. Reliefs. Außerdem kaufte er Vieles für die Münchner Kunstsammlungen an, bes. antike Vasen u. Thongefäße. Von seinen Gemälden ist eins der größten die Helden vor Troja, gegenwärtig in Schleißheim. Er war auch Generalsecretär der Münchner Kunstakademie u. st. 1858 in der Villa Malta in Rom. 12) Wilhelm, geb. 1793 in Braunschweig, war früher braunschweigischer Generalstabsarzt, Regierungs-Medicinalrath beim Polizeipräsidium, wurde 1841 Professor der Medicin u. Vorsteher der praktischen Unterrichtsanstalt für Staatsarzneikunde zu Berlin, wo er 1846 starb. Er schr.: De foeminarum in graviditate mutationibus, Braunschw. 1816; De coremorphosi, Gott. 1818; Darstellung u. Kritik der Lehre vom Contra-Stimulus, Beil. 1819; De medicorum juribus atque officiis, ebd. 1819; Über die Medicinalanstalten u. den jetzigen Zustand der Heilkunde in Großbritannien u. Irland, ebd. 1825; Karte über die Verbreitung der Cholera im Preußischen Staate, ebd. 1832; Jahresberichte über die praktische Unterrichtsanstalt für Staatsarzneikunde, ebd. 1834–36, 2 Hefte. 13) Georg Phil. Eberh., geb. 19. März 1794 in Schönbrunn bei Wolkenstein, studirte auf der Pforte u. seit 1813 in Leipzig Philologie, wurde 1816 Conrector an dem Gymnasium zu Guben, 1817 Lehrer u. 1833 Conrector an der Kreuzschule zu Dresden u. 1854 emeritirt. Er besorgte die 4. Aufl. des Heyneschen Virgil, Lpz. 1830–41, 5 Bde., u. gab eine Schulausgabe des Virgil, ebd. 1845, 2. A. 1849, heraus, u. schr.: Aphorismen über das deutsche, bes. das sächsische Gymnasialwesen, ebd. 1833; Die griechische Tragödie u. das Theater in Athen, Dresd. 1844. 14) Karl Ernst, Sohn von W. 6), geb. 1802 in Darmstadt, studirte in Heidelberg, Göttingen u. Gießen Philologie u. Theologie, wurde 1826 Lehrer an der Realschule u. 1827 an dem Gymnasium in Darmstadt, dessen Direction 1857 ihm auf ein Jahr übertragen ward, u. 1858 Oberstudienrath. Er schr.: Rerum Corinthiarum specimen, Darmst. 1824; De Periandro Corinthiorum tyranno septem sapientibus adnumerato, ebd. 1828; Deutsche Geschichten aus dem Munde deutscher Dichter, ebd. 1831, 4. Aufl. (Poetische Geschichte der Deutschen), ebd. 1858; Lehrbuch der Griechischen Sprache nach Hamilton etc., Gießen 1834, 2 Thle.; Beschreibung u. Geschichte von Darmstadt, Darmst. 1840, 3. Aufl. 1847; De Bacchiadis Corinthiorum, ebd. 1856; Zum Andenken an Dilthey, ebd. 1857; übersetzte: Stuart's u. Revett's Alterthümer von Athen, aus dem Englischen (mit Osann), Darmst. 1823 ff., 3 Bde.; Alterthümer von Attika, aus dem Englischen, ebd. 1829; Alterthümer von Jonien, aus dem Englischen, ebd. 1829; gab heraus (mit Fr. Haas) Bender's Aufgaben zum Übersetzen aus dem Deutschen ins Französische, ebd. 1834, 3. Aufl. 1853; Briefe an Joh. Heinrich Merck von Goethe, Herder, Wieland u. anderen bedeutenden Zeitgenossen, mit Merck's biographischer Skizze, Darmst. 1835; Briefe an u. von Joh. Heinrich Merck, ebd. 1838; Briefe aus dem Freundeskreis von Goethe, Herder, Höpfner u. Merck, Lpz. 1847; Flores et fructus latini, Lpz. 1856; er war auch 1848, 1849, 1854 u. 1855 Mitredacteur der Allgemeinen Schulzeitung, Darmst. 15) Rudolf, geb. 1805 in Baireuth, studirte seit 1822 in Erlangen u. Würzburg Medicin, ging 1826 nach Frankreich, um in Paris ferner Anatomie zu studiren u. an den Küsten Untersuchungen an niederen Thieren anzustellen, 1828 nach Cagliari u. München; er prakticirte hierauf als Arzt in Augsburg, wurde 1829 Privatdocent u. 1833 Professor der Zoologie in Erlangen u. 1840 Professor der Physiologie u. vergleichenden Anatomie u. Zoologie in Göttingen, wo er 13. Mai 1864 starb. Er schr.: Naturgeschichte des Menschen, Kempt. 1831, 2 Thle.; Zur vergleichenden Physiologie des Blutes, Lpz. 1833; dazu Nachträge 1838; Lehrbuch der vergleichenden Anatomie, ebd. 1834 f., 2 Abth., 2. Ausg. (Lehrbuch der Zootomie), ebd. 1843–47, 2 Thle.; Partium Partium elemnatrium organorum, quae sunt in homine atque animalibus, mensiones micrometricae, Erl. 1834; Prodromus historiae generationis hominis atque animalium, Lpz. 1836; Grundriß der Encyclopädie u. Methodologie der medicinischen Wissenschaften, Erl. 1838; Icones physiologicae, Lpz. 1839 f., 3 Hefte, neu bearbeitet von Ecker, ebd. 1853 ff.; Lehrbuch der Physiologie, ebd. 1842, 4. A. 1855; Icones zootomicae, Handwörterbuch der Physiologie, Braunschw. 1843 ff.; Handatlas zur vergleichenden Anatomie, ebd. 1841; Menschenschöpfung u. Seelensubstanz, Gött. 1854; Neurologische Untersuchungen, ebd. 1854; Über Wissen u. Glauben, ebd. 1854; Vorstudien zu einer wissenschaftlichen Morphologie u. Physiologie des menschlichen Gehirns, ebd. 1862; übersetzte mit Will Prichard's Naturgeschichte des menschlichen Geschlechtes, Lpz. 1840–48, 4 Bde.; u. ist seit 1842 Redacteur des Handwörterbuchs der Physiologie. 16) Moritz, Bruder des Vorigen, geb. 1807 in Baireuth, erlernte die Kaufmannschaft, studirte aber, nachdem er vorher für ein Marseiller Handelshaus eine Reise nach Algier gemacht hatte, in Erlangen Naturwissenschaften, bes. Zoologie; 1836–38 bereiste er Algerien u. wohnte als Mitglied der wissenschaftlichen Commission dem zweiten Zuge nach Constantine bei; nach seiner Rückkehr lebte er in Augsburg; 1844–46 bereiste er die Kaukasusländer u. Armenien u. hielt sich dann längere Zeit in Italien auf; 1850 f. besuchte er Persien u. die Kurden, 1852 mit Scherzer Canada u. die Neuenglandstaaten, die Niagarafälle, die großen Seen, die Wildnisse Wisconsins, die Indianer des oberen Mississippi, die Bleiwerke von Galena, die Eisenberge in Missouri, sie gingen dann durch die Sklavenstaaten nach dem Golf von Mexico u. New Orleans, durchforschten die weiten Ebenen Centralamerikas u. kehrten 1855 über Westindien nach Deutschland zurück. 1857 bereiste W. auf Kosten des Königs von Baiern die südamerikanischen Staaten Peru, Bolivia, Ecuador, Neugranada u. Venezuela. Er schr.: Reise in der Regentschaft Algier in den Jahren 1836, 1837 u. 1838, Lpz. 1841, 3 Bde.; Der Kaukasus u. das Land der Kosacken, Lpz. 1848, 2 Bde.; Reise nach Kolchis etc., ebd. 1850; Reise nach Persien u. dem Lande der Kurden, ebd. 1852 f., 2 Bde.; Die Republik Costa Rica, ebd. 1856; Reisen in Nordamerika, ebd. 1858. 17) Wilhelm Richard, geb. in Leipzig am 22. Mai 1813, wurde in Dresden erzogen, studirte dann in Leipzig, bes. [747] Musik u. componirte bereits 1832 eine Ouvertüre; von Magdeburg, wo er 1836 im Theaterorchester dirigirte, ging er 1837 nach Königsberg u., nach kurzem Aufenthalte in Dresden, zur Holteiischen Bühne in Riga, wo er im Sommer 1838 den Rienzi begann. 1839 ging er nach Paris u. Meudon, arrangirte hier für allerlei Instrumente, erntete mit einer Orchesterphantasie Columbus Beifall, vollendete den Fliegenden Holländer u. den Rienzi u. lehrte im Frühling 1842 nach Dresden zurück, wo er im Febr. 1843 königlicher Kapellmeister wurde. Hier componirte er die Ouvertüre zu Goethes Faust, 1844 den Gruß seiner Treuen an Friedrich August den Geliebten, 1845 das Liebesmahl der Apostel u. die Oper Tanhäuser od. den Sängerkrieg auf der Wartburg, welcher in Dresden zuerst im October 1845 aufgeführt wurde. Er nahm wesentlichen Antheil an dem Maiaufstand 1849 in Dresden, floh am 7. Mai von hier u. wendete sich bald nach Zürich, wo er das Bürgerrecht erlangte u. seit 1850 den Musikverein u. das Theaterorchester dirigirte; 1858 ging er auf eine Zeitlang nach Venedig u. erhielt 1860 die Erlaubniß nach Deutschland, mit Ausschluß des Königreichs Sachsen, zurückzukehren u. lebte seit Anfang 1862 in Bieberich. Er componirte noch die Zauberoper Lohengrin (1851), das Musikdrama Tristan u. Isolde (1859), die Operntrilogie Der Nibelungenring (aus den Musikdramen: Die Walküre, Der junge Siegfried u. Siegfried's Tod, nebst einem Vorspiele: Rheingold, 1863, bestehend); er schr.: Die Kunst u. die Revolution, Lpz. 1849; Das Kunstwerk der Zukunft, ebd. 1850; Oper u. Drama, ebd. 1851 f., 3 Bde.; Drei Operndichtungen, ebd. 1852; Die Zukunftsmusik, ebd. 1861; Die Meistersinger von Nürnberg, Mainz 1862; er dichtete auch nach Königs Roman Die hohe Braut den (von Kittl gesetzten) Text zu Blanca u. Joseph, od. die Franzosen vor Nizza u. den Text zu seinen sämmtlichen Opern. W. hat in der Oper selbständig eine neue Richtung eingeschlagen, indem er dem Unfug des gedankenlosen Textes gegenüber vorzugsweise auf die Wahl großer u. erhabener Stoffe drang, deren entsprechende Behandlung als Text dem Wesen der dramatischen Musik entsprechen müsse; er suchte deshalb die ganze Oper in eine fortlaufende musikalische Declamation zu verwandeln, entfaltete die musikalische Situationsmalerei hauptsächlich im Recitativ u. entfernte deshalb so viel als möglich die abgeschlossen musikalisch-architektonischen Gebilde der Arien, Duette u. Finale. Im Allgemeinen lehnte er sich an Beethoven an, wirkt aber in der Composition mit den stärksten Effecten u. grellsten Contrasten u. geht in dieser Hinsicht in der Instrumentation noch über Meyerbeer u. Berlioz hinaus. Vgl. Lißt, Lohengrin et Tanhäuser de Rich. W., Lpz. 1851 (deutsch Köln 1852); Raff, Die Wagnerfrage, Braunschw. 1854; W. u. die neuere Musik, Halle 1854. 18) Albert, älterer Bruder des Vor., Operntenorist u. Vater der Francisca u. Johanna W., von denen jene am Hoftheater in Schwerin als Schauspielerin agirt, letztere, von Garcia in Paris gebildet, als Bravoursängerin in Dresden, Hamburg, Berlin, London u. Breslau gefeiert u. 1853 an der Königlichen Oper in Berlin engagirt u. zur königlichen Kammersängerin ernannt wurde. Sie gehörte zu den vorzüglichsten Opernsängerinnen der neueren Zeit. 1859 verheirathete sie sich mit dem Referendar Jachmann, verließ einige Zeit die Bühne, betrat dieselbe aber im Oct. 1861 wieder, jedoch im recitirenden Drama, für welches sie auch am Königlichen Schauspiel in Berlin engagirt ist. 19) Rudolf Johannes, geb. 1822 in Leipzig, studirte, nachdem er sich einige Jahre der Pharmacie u. Chemie praktisch gewidmet hatte, in Leipzig u. Paris Chemie, machte dann eine wissenschaftliche Reise durch Frankreich, Belgien, Holland u. Deutschland, wurde 1846 Adjunct am akademischen Laboratorium der Leipziger Universität, habilitirte sich 1850 auf der Universität als Privatdocent für Chemie u. Technologie u. wurde 1851 Professor der Chemie an der Polytechnischen Schule zu Nürnberg, wo er sich nebenbei als Vorstand des Gewerbevereins um die gewerblichen Verhältnisse dieser Stadt verdient machte. Während der großen Industrieausstellung zu München leitete er neben Staatsrath von Hermann die Beurtheilungsarbeiten. 1856 wurde er Professor der Staatswirtschaft an der Universität zu Würzburg u. Director des Technologischen Conservatoriums. 1858 wurde er zum Inspector der technischen Unterrichtsanstalten Bayerns ernannt u. wiederholt zu wissenschaftlichen Reisen, wie 1858 nach England u. Holland, 1861 nach Paris, 1862 als Mitglied der internationalen Jury in London verwendet. Von seinen Schriften, welche meist der technischen u. organischen Chemie angehören, sind vorzüglich seine Untersuchungen über die Farbstoffe des Gelbholzes, über den polymeren Isomorphismus in der organischen Chemie, über das Hopfenöl, sowie über die Hefe (1847 Preisschrift) zu erwähnen; schrieb noch Lehrbuch der Chemie, 1850. 3. A. 1853; Lehrbuch der chemischen Technologie, Lpz. 1850, 3. A. 1863; Geschichte der Chemie, Lpz. 1854; Handbuch der Technologie, ebd. 1856–63, 5 Bde.; Jahresberichte der chemischen Technologie, ebd. 1855–63. Er war auch Mitredacteur der 6. A. von Schedels Waarenlexikon u. Redacteur des Handwörterbuchs der Chemie u. Physik, Berl. 1850. 20) Sebastian, s. Hofmeister.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 18. Altenburg 1864, S. 745-748.
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