1 Ich zitiere die Photographien nach dem von mir in den Berichten der Berliner Akademie 1913, 769ff. veröffentlichten Katalog. Ergänzend treten die großen Aufnahmen des Tempels von Abusimbel hinzu, die mir Herr BREASTED freundlichst zur Verfügung gestellt hat.
2 Die in diesem Kapitel behandelten Fragen habe ich in dem Aufsatz: Die Volksstämme Kleinasiens, das erste Auftreten der Indogermanen in der Geschichte und die Probleme ihrer Ausbreitung, Ber. Berl. Ak. 1925, 244ff., besprochen; den Hauptteil der dort gegebenen Ausführungen habe ich hier wiederholt.
3 Zuerst in einer kurzen Skizze Mitt. DOG. 55, Dez. 1915, dann in systematischer Darstellung: Die Sprache der Hethiter (Boghazkiöi-Studien, herausg. von O. WEBER, Heft I und II), 1916f. Seitdem hat die Chetitologie bereits eine reiche Literatur entwickelt. Wenn sich auch gar manche der ersten Kombinationen HROZNÝ's als übereilt und unhaltbar erwiesen, ist doch sein Grundergebnis jetzt allgemein anerkannt. Dadurch ist zugleich bestätigt, daß in der Tat BUGGE, TORP und KNUDTZON recht hatten, wenn sie im J. 1902 die mit dieser Sprache identische der beiden Briefe aus Arzawa (in Kilikien) aus dem Amarnafund für indogermanisch erklärten, was ich Bd. I, 474 Anm. abgelehnt habe, weil der Wortschatz einen ganz fremdartigen Eindruck machte.
4 Ihm verdanken wir den ersten Nachweis der verschiedenen Sprachen: E. FORRER, Die acht Sprachen der Boghazkiöi-Inschriften, Ber. Berl. Ak. 1919, 1029ff. Gleichzeitig HROZNÝ, Über die Völker und Sprachen des alten Chatti-Landes (Boghazkiöi-Studien Heft 5, 1920). Die beste Orientierung gibt zur Zeit FORRER, Die Inschriften und Sprachen des Hattireichs ZDMG. 76, 1922, 174ff. (kürzer in MDOG. 61, Dez. 1921). Daß im einzelnen noch gar manches problematisch bleibt und im Fluß ist, bedarf kaum der Erwähnung. Eine gute Übersicht aller bis jetzt bekannten Sprachen Kleinasiens bietet JOH. FRIEDRICH, Altkleinas. Sprachen, in EBERT's Reallexikon der Vorgeschichte I 126ff.
5 Hinzu kommen das für Verträge und andere Schriftstücke, unter den ältesten Herrschern auch in ihren einheimischen Urkunden vielfach verwendete Akkadisch (hier als babili-li »babylonisch« bezeichnet) und das für die Erlernung der Schritt unentbehrliche Sumerisch, und endlich die unten S. 35 besprochenen arisch-indischen Wörter.
6 HROZNÝ, UNGNAD u. A. ziehen die gleichfalls mögliche Lesung Churri vor.
7 Die weitverbreitete Ansicht, daß Charri auch ein Name der Bevölkerung des armenischen Gebirgslandes gewesen sei, beruht dagegen auf einem Mißverständnis, s.u. Abschnitt VII.
8 Mit den Choritern in Palaestina und dem Wüstenlande im Süden mit dem Gebirge Se'îr (Bd. I, 467) können dagegen diese Charri nichts zu tun haben, da die choritischen Stamm- und Ortsnamen echt semitisch sind; die Vorliebe für Benennung der Stämme nach Tieren zeigt deutlich, daß sie Wüstenstämme sind, die in die Grenzgebiete des Kulturlandes eindringen. Der bei ihnen herrschende Sonnenkult findet sich ebensogut bei den semitischen Nomaden (so auch den Akkadiern von Sippara) wie bei den Chetitern und sonst.
9 Sardis Vol. VI, Lydian Inscriptions Part I by ENNO LITTMANN, 1916.
10 Von den wahrscheinlich erst im 12. Jahrhundert aus Thrakien eingedrungenen indogermanischen Sprachen, dem Phrygischen mit dem Armenischen und dem Mysischen sowie dem Bithynischen können wir hier absehn.
11 Von dem kleinen Stamm der Mariandyner vermutet Strabo XII 3, 4 ἔοικεν οὖν καὶ τοῦτο Θρᾴκιον ὑπάρξαι τὸ φῦλον.
12 Siehe die übersichtliche Zusammenstellung OBERHUMMER's im Artikel Kypros bei PAULY-WISSOWA XII 89f.
13 Die gangbare Betrachtung der Sprachen steht viel zu sehr unter dem Eindruck dieser Gestaltung, die sich überall erst im Verlauf der Geschichte herausgebildet hat, bei den indogermanischen und semitischen Sprachen so gut wie bei den türkischen, den melanesischen und den Bantusprachen; auch für die Ausbreitung der hamitischen Sprachen über Nordafrika wird das gleiche gelten. Dadurch erscheint die Zusammendrängung fundamental verschiedener Sprachen auf ein kleines Gebiet, wie sie in überwältigender Fülle bei den Indianern aller Teile Amerikas besteht und sich in der alten Welt im Kaukasus erhalten hat, fälschlich als Anomalie. Natürlich soll damit in keiner Weise bestritten werden, daß nicht selten auch bei primitiven Verhältnissen große Gebiete in Sprachbau und Sprechweise einen gemeinsamen Typus zeigen, wie die finnisch-ugrischen und die ihnen gleichartigen samojedischen, mongolischen, türkischen, tungusischen Sprachen, deren Zusammenschluß zu einem großen Uralaltaischen Sprachkreise vor allem HEINRICH WINKLER nachdrücklich verficht, oder wie die einsilbigen Sprachen Ostasiens. Wie weit aber dabei von wirklicher Spracheinheit und Entwicklung aus einer Ursprache nach Art des Indogermanischen die Rede sein kann, wie weit lediglich psychische und somatische Anologien und daneben immer erneute gegenseitige Beeinflussung vorliegen, das sind Fragen, die sich, so weit ich sehn kann, einer unanfechtbaren Entscheidung noch entziehn und eine definitive Lösung vielleicht nie finden werden; und das gleiche scheint auch von der Frage zu gelten, wie weit sich eine Verwandtschaft des Indogermanischen mit dem Finnisch-ugrischen erweisen läßt.
14 Eine reiche Sammlung aller kleinasiatischen Orts-und Personennamen hat J. SUNDWALL, Die einheimischen Namen der Lykier nebst einem Verzeichnis kleinasiatischer Namenstämme, Klio, 11. Beiheft 1913, gegeben, aber sie leider aus allen Gebieten einheitlich alphabetisch zusammengefaßt; eine Sonderung nach den einzelnen Landschaften und Volksstämmen wurde die Verwertung wesentlich gefördert haben. Daß manche Personennamen weit über einen einzelnen Volksstamm hinaus verbreitet sind (so Mursilis Μύραιλος, Panamû Παναμύης), soll damit natürlich nicht bestritten werden; das ist das notwendige Ergebnis jeder politischen und kulturellen Entwicklung, aber eben darum für ethnographische und sprachliche Fragen ohne Bedeutung.
15 Das Material siehe in: Reich und Kultur der Chetiter S. 12ff. 55 78ff. Auch auf dem ganz alten Siegelabdruck vom Kültepe S. 54 (u. S. 17) ist eine Gruppe mit Zöpfen und eine andere ohne solche deutlich erkennbar. – Die ägyptischen Darstellungen siehe auf Taf. IV.
16 Die chronologischen Daten sind hier und im folgenden auf Grund der Darlegungen im Nachtrag zu Bd. I gegeben; dabei habe ich mich begnügt, die niedrigeren einzusetzen, die ich für die wahrscheinlichsten halte (bei denen die sog. 2. Dynastie von Babel oder vom Meerlande völlig gestrichen wird); nach der Chronologie FOTHERINGHAM's und seiner Anhänger wären alle diese Daten vor 1750 um 120 Jahre zu erhöhen.
17 Von dieser umfangreichen Erzählung im epischen Stil, die den Titel šar tamchari, »der König der Schlacht«, führt, hat sich die erste Tafel in eigenartiger, chetitisch beeinflußter Orthographie in einem Privathause in Tell el Amarna (MDOG. 55, 1914), ein kleines Bruchstück in Assur gefunden, bearbeitet von WEIDNER, Der Zug Sargons von Akkad nach Kleinasien, Boghazkiöistudien Heft 6, 1922. Ein Fragment einer chetitischen Übersetzung bei FORRER, Boghazkiöitexte in Umschrift no. 1. Ebenda no. 2. ein weiteres von Sargon handelndes Fragment.
18 Das Material s. Bd. I, 400; das Bruchstück der Königsinschrift Cun. Texts XIII 44 aus der Bibliothek Assurbanipals wird jetzt wesentlich ergänzt durch das Fragment einer chetitischen Übersetzung bei FORRER, Boghazkiöitexte in Umschrift no. 3, wo von den Namen der koalierten Könige und Ortschaften 14 erhalten sind. Weitere Bruchstücke von Übersetzungen der Erzählungen von Naramsin ebenda no. 4. 5.
19 In dem Exemplar aus Amarna geschrieben Nûrdaggal, mit einem auch sonst im Bereich des »Chetitischen« mehrfach vorkommenden Lautwandel, s. WEIDNER S. 77, 1 (vgl. die Schreibung Chaligalbat Bd. I, 465 A.).
20 Band I 435 und S. VIII der 3. Auflage.
21 Das Material hat sich über das Bd. I, 435 gegebene beträchtlich vermehrt, vor allem durch die Veröffentlichung der zahlreichen Texte des British Museums durch SIDNEY SMITH, Cun. Texts from Cappad. Tablets. Weiter gefördet ist das Verständnis vor allem durch die Arbeiten von J. LEWY, Studien zu den altassyr. Texten aus Kappad. 1922 und weiter Z. Ass. 36, 1925, 19ff. 139ff., ferner seinen Artikel Kappad. Tontafeln im Reallexikon der Vorgeschichte I 212ff. [abweichend LANDSBERGER, Z. Ass. 35, 22ff. 220ff.], ferner in der zusammenfassenden Darstellung: Zur Gesch. Assyriens und Kleinasiens im 3. und 2. Jahrtausend, Orientalische Lit.-Ztg. 1923, 533ff. [Vgl. weiter die zusammenfassende Skizze von LANDSBERGER, Assyr. Handelskolonien in Kleinasien aus dem 3. Jahrtausend, Der Alte Orient Bd. 24 Heft 4, 1925.]
22 Die seltsame Behauptung, daß der Name Λευκόσυροι, den die Griechen seit Hekataeos wegen der helleren Färbung im Gegensatz gegen die Syrer südlich des Taurus neben Σύριοι (so durchweg bei Herodot) und Ἀσσυρία für diese Bevölkerung verwenden, den Volksnamen Lukki (Lugga) enthalte (»Lukki-syrer«), ist eben so widersinnig wie die, daß ἡ κοίλην Συρία und Κοιλόσυροι den Namen der Choriter bewahre.
23 Über die ältere Geschichte Assyriens ist unser Wissen immer noch ganz dürftig. Zwar hat die Aufdeckung der ältesten Schichten des Istartempels von Assur durch ANDRAE (Die archaischen Ischtartempel von Assur, 39. Veröffentl. der DOG. 1922) einen lebendigen Einblick in die Kultur des 3. Jahrtausends gebracht, die hier, wie in dem von Baron V. OPPENHEIM ausgegrabenen Tell Ḥalâf bei Resaina an der Chaborasquelle (vgl. Bd. I, 466), im übrigen noch ganz unter sumerischem Einfluß steht, nur daß der Tempel hier nicht ein Breitraum ist wie in Sinear, mit dem Kultbild in der Mitte der Langwand, sondern ein Langraum wie dann in Syrien und Kleinasien, mit dem Kultbild auf erhöhtem Unterbau an der hinteren Schmalwand. Aber die Ausbeute an Inschriften ist in den älteren Schichten, die bis über die Mitte des Jahrtausends hinaufgehn, nur ganz gering: der vierten Schicht von unten gehört eine Gipssteinplatte mit der Bauinschrift des Zariqu, Regenten (sakkanak) von Assur und Vasalls des Pursin I., des dritten Königs der Dynastie von Ur (2220-2212) an, wahrscheinlich der vorhergehenden die eines Ititi, dessen Titel zu pa (Patesi?) abgekürzt ist. Mit dem Neubau (fünfte Schicht) des Ilusuma (um 2040, Zeitgenossen des Sumuabu, des Begründers der amoritischen Dynastie von Babel 2049-2035, vgl. Bd. I, 437) beginnt dann die fast vollständig wieder herstellbare Reihe der Patesi von Assur (s. Nachträge zum ersten Bd. S. 12ff., wodurch die Angaben in Bd. I, 463 Anm. wesentlich ergänzt und berichtigt werden). Sein Urenkel ist Sarrukin (Sargon I.) von Assyrien; der in späterer Abschrift vorliegende Text des sog. »geographischen Lehrbuchs« bei SCHROEDER, Keilschr. aus Assur verschiedenen Inhalts no. 92, der den Umfang und die Straßen des Reichs eines Sargon, »Königs der Welt (šar kiššati)«, schildert, gehört aber wahrscheinlich nicht diesem, sondern der Sage von Sargon von Akkad an (s. Nachträge S. 23). – Samsiadad, der zeit weilig ein Reich aufrichtete, das sich über Mesopotamien hinaus nach Nordsyrien und dem östlichen Kleinasien erstreckte, und daher den Titel šar kiššati annahm (Bd. I, 464), ist wahrscheinlich Samsiadad II., um 1700-1680 (s. Nachträge S. 21f. und unten S. 27).
24 Ein altassyr. Rechtsbuch, übersetzt von H. EHELOLF, mit Einleitung von P. KOSCHAKER 1922 (Mitt. aus der Vorderas. Abt. der Berliner Museen, Heft I).
25 Wenn die Zahlung erfolgt und der Gläubiger befriedigt ist, wird diese Urkunde gerichtlich vernichtet.
26 In derselben Weise, wie Xenophon Anab. IV 5, 26f. das Trinken des »süßen Gerstenweins« bei den Armeniern beschreibt und Archilochos fr. 32 [dazu WILAMOWITZ, Hermes 33, 515] es bei den Thrakern und Phrygern kennt, zeigen es seit ältester Zeit babylonische Zylinder, in Kappadokien ein ganz altes Siegel vom Kültepe (o. S. 10, 1), und im 14. Jahrhundert die Grabstele eines syrischen Söldners aus Ägypten: Reich und Kultur der Chetiter S. 55f. 154. ERMAN, ÄZ 36, 129.
27 Siehe Bd. I, 478ff. und weiter Reich und Kultur der Chetiter S. 76ff.
28 Siehe Bd. I, 416ff. und weiter Nachträge S. 28ff.
29 Neuerdings hat TH. BAUER, Die Ostkanaanäer, 1926, das gesamte sprachliche Material über die Amoriter in Babylonien gesammelt und grammatisch und lexikalisch bearbeitet. So wertvoll diese Arbeit sprachlich ist, so wenig kann ich seinen historischen Folgerungen zustimmen. Aus dem noch immer rätselhaften Titel des Elamiten Kudurmabuk »adda von Martu und von Emutbal« schließt er im Anschluß an LANDSBERGER, Z. Ass. 35, 286ff., daß das ideographisch Martu geschriebene Land, dessen Aussprache als Amurru sicher steht, im Nordosten Babyloniens zu suchen sei; daneben sei es eine Bezeichnung des Westwindes und der westlichen Weltgegend, und davon auf das Libanongebiet als das »Land am Westmeer« übertragen. Dabei ist vollständig verkannt, daß Amurru und Amoriter nach Ausweis sowohl der Texte aus Amarna und Boghazkiöi wie der ägyptischen Inschriften und der israelitischen Angaben hier ein einheimischer, scharf umgrenzter Name für Volk und Land ist. Das läßt sich von den Amoritern in Babylonien unmöglich trennen, und so muß ich an der früheren Ansicht festhalten. Es kommt hinzu, daß die Sprache, wie BAUERS Bearbeitung aufs neue bestätigt, eben ein westsemitischer (kana'anäischer oder hebräischer) Dialekt ist. Wie der Titel Kudurmabuks zu erklären ist, bleibt nach wie vor ganz unsicher, zumal wir absolut nicht wissen, was adda bedeutet; der amoritische Ursprung der Dynastie Chammurapis dagegen ist m.E. ganz unverkennbar. – In der Ablehnung der Phantasien CLAY's über die Amoriter hat dagegen BAUER natürlich vollkommen recht.
30 Das gilt gleichmäßig vom Indischen und Iranischen, dem Griechischen, dem ältesten Lateinisch und Keltisch, dem Phrygischen, und, trotz ihres späten Auftretens, vom Slawischen und Litauischen. Über das Germanische s.u. S. 38f. Analog dem Chetitischen ist nur das in zwei Dialekten vorliegende Tocharische, das stark mit fremdartigen Elementen und Neubildungen durchsetzt ist, wenn auch, soweit ich sehn kann, lange nicht in dem Umfang wie das Chetitische. Im übrigen aber vollzieht sich das volle Auseinandergehn der Sprachen überall erst in einer Zeit, aus der geschichtliche Dokumente vorliegen, und hat dann in manchen Fällen zu einer fast vollständigen Verwischung des ursprünglichen Sprachtypus geführt, so beim Irischen und beim Englischen.
31 So in den Schilderungen der Kelten, Germanen, Slawen. Auch in den indischen und den griechischen Zeugnissen ist derselbe Typus noch erkennbar. Ganz lebendig tritt uns dann dieser dem alten Orient fremde »europäische« Typus in den ägyptischen Abbildungen der nichtsemitischen Häuptlinge aus Syrien entgegen (s.u. S. 34.
32 Eine Erinnerung an die Kämpfe, in denen das Land erobert wurde, scheinen die Kampfspiele in einem Festritual zu bewahren, das EHELOLF, Ber. Berl. Ak. 1925, 269ff., behandelt hat. Hier wird das Heer in zwei Teile geteilt, die »Mannschaft von Chatti« und die »Mannschaft von Maša (sprich Masa)«; jene erhalten Waffen von Bronze, diese Waffen von Rohr; natürlich siegen die Chetiter und überliefern einen Gefangenen als Beuteanteil an die Gottheit. Masa lag wahrscheinlich in den westkilikischen Gebirgen. Der Gegensatz der Bewaffnung ist offenbar geschichtlich zutreffend; falls das Kampfspiel wirklich in die Urzeit zurückgeht, müssen wir allerdings annehmen, daß die Bezeichnung der Sieger als »Männer von (der Stadt) Chatti« – beide Namen sind auch hier, wie durchweg in den chetitischen Inschriften, mit dem Stadtdeterminativ geschrieben – erst später eingesetzt ist, als Chatti der Name des Reichs und seines Volkes geworden war.
33 Ob diesen beiden Sprachen irgendwie die oben S. 10 besprochenen Unterschiede in Haartracht und Bewaffnung entsprechen, läßt sich bisher nicht erkennen.
34 Reich und Kultur der Chetiter S. 51ff., 153ff. (vgl. Bd. I, 435 A. 455 A.).
35 Jetzt im Museum von Florenz (Bd. I, 520 A. durch Flüchtigkeit als Wagen Thutmosis' IV. bezeichnet), bei NUOFFER, Der Rennwagen im Altertum, 1904 S. 12ff. und Taf. I; über das Material siehe SCHUCHHARDT, Praehist. Z. II 1910, 327ff. und berichtigt IV 1912, 447. Die ganz dünnen Räder haben nur vier Speichen, nicht sechs, wie später; die Brüstung ist ein dünnes Geländer, nicht ein Wagenkasten. Gleichartig sind nach den ägyptischen Abbildungen die Wagen in Syrien zur Zeit der 18. Dynastie, so auch der als Tribut gebrachte im Grabe des Mencheperre'senib, Fremdvölkerphot. 721.
36 Ob der bei Naramsin genannte König Pamba von Chatti (oben S. 12) den Protochattiern oder den späteren Chetitern angehört, ist natürlich nicht zu sagen.
37 FORRER, Boghazkiöitexte in Umschrift I S. 1ff.
38 Siehe Bd. I, 452 und Nachträge S. 7ff.
39 Der Text bei FORRER, Boghazkiöitexte in Umschrift no. 7 und 30. Übersetzungsversuch von JOH. FRIEDRICH, Aus dem hethit. Schrifttum Heft I (Der Alte Orient 24, 3, 1925). – In dieselbe Zeit gehört wohl auch König Bimbiras, FORRER no. 9, der neben anderen Königen und Königinnen der alten Zeit auch in der Opferliste FORRER 28, 7 erwähnt wird.
40 Auch Labarna geschrieben; als wahre Aussprache vermutet HROZNÝ wohl mit Recht Tlabarna.
41 Mit ihm beginnt der umfangreiche Bericht des Telibinus über die Geschichte des Reichs, FORRER no. 23; Übersetzungsversuch von HROZNÝ, Boghazkiöistudien III (dazu V 49ff.) und von FRIEDRICH a.a.O. Auch von der akkadischen Fassung des Textes sind Bruchstücke erhalten (Keilschrifttexte aus Boghazkiöi I no. 27).
42 So besonders deutlich in der zweisprachig (chetitisch und akkadisch) vorliegenden »Tafel des Großkönigs Tabarna, als der Großkönig Tabarna in der Stadt Kussar erkrankt war und den Sohn Mursilis zum Königtum berief«; FORRER no. 8, übersetzt von GÖTZE, Z. Ass. 34, 1922, 170ff. Hier »sagt der Tabarna zu seinen Beamten: ich habe jetzt meinen Sohn zum Tabarna über euch eingesetzt«. [Der nach seiner Mutter geartete Sohn, gegen den der König die schwersten Vorwürfe erhebt, kann aber nicht der jetzt eingesetzte Mursilis sein, sondern nur sein jetzt entrechteter Bruder; Zl. 3 wird zu übersetzen sein: »ihn, den Sproß seiner Mutter, habe ich, der König, gerufen« u.s.w.]. Der Vater kann nicht der König Tabarna sein, da auf diesen zunächst Chattusilis I. und dann erst Mursilis I. gefolgt ist. – Ein Siegel des Tabarna Großkönig Chuzzia (des vierten Nachfolgers des Mursilis) bildet den Verschluß einer akkadisch geschriebenen Schenkungsurkunde (FORRER, ZDMG. 76, 1922, 183; abgebildet in Reich und Kultur der Chetiter S. 44 no. 34); dagegen wird das von FORRER angeführte Siegel »Tabarnas des Großkönigs« auf einer gleichartigen Urkunde in der Tat von dem alten König stammen.
43 So indem Vertrage des Mursili II. mit Chalab Zl. 11, wo angegeben wird, daß Chattusil I. mit diesem in guten Beziehungen stand, aber Mursili I. »das Königtum von Chalab und das Land Chalab vernichtete«. Vgl. u. S. 30.
45 Die Königsfolge ist: der Mundschenk Chantili ermordet mit Zidantas zusammen den Mursilis. Nach seinem Tode rottet Zidantas seine Nachkommen aus und wird selbst König. Er erliegt einer Verschwörung, an deren Spitze sein eigener Sohn Ammunas steht. Auf diesen folgt Chuzzijas.
46 FORRER im Text zu den Boghazkiöitexten in Umschrift S. 13* ff. hat versucht, die Königsliste herzustellen. Aber auch wenn seine Kombinationen sich als im wesentlichen stichhaltig bestätigen sollten, wird sie doch schwerlich schon vollständig sein.
47 So von den Chetitern (Vertrag mit Aleppo Zl. 17. 19, mit Mitani Zl. 23), dem Assyrerkönig (Amarna 16, 22. 26), einem palaestinensischen Dynasten (Am. 255, 10. 20); auch Dušratta nennt sein Reich gelegentlich Chanigalbat (Am. 18, 9. 20, 17. 29, 49). Kadašmancharbe von Babel hegt den Verdacht, die seinem Sohn als seine Schwester gezeigte Haremsdame sei in Wirklichkeit »die Tochter eines Armen (muškinu) oder eines Gagaeers oder Chanigalbataeers oder aus Ugarit« (Am. 1, 37). Gagaeer, wohl identisch mit den von den Chetitern oft erwähnten Gasgaeern in Kleinasien (Gašgaš auch im Arzawabrief Am. 31, 25), scheint die Stämme im Norden im allgemeinen zu bezeichnen, wie hebr. Gôg. – Weiteres s. Bd. I, 465 A.; bei Salmanassar I. (jetzt bei WEIDNER, Inschr. der altassyr. Könige, S. 116 Zl. 20) wechselt Chanigalbat mit Chani. Verfehlt war meine Annahme Bd. I, 454, daß Chani oder Chana mit den Chetitern zusammenhänge und diese nach der Ausplünderung Babels hier am Chaboras ihren Herrschersitz aufgeschlagen hätten. – Woher der Name Mitani für das Reich kommt, ist ganz dunkel.
48 Wie ich fälschlich Bd. I, 459 vermutet habe.
50 Siehe Bd. I, 466; V. LUSCHAN, Ausgrabungen in Sendschirli III S. 202ff. und Taf. 34-36, sowie die Löwen S. 232ff. und Taf. 46, Ferner Reich und Kultur der Chetiter S. 58f.
51 Reich und Kultur der Chetiter S. 110ff.
52 Hier sind die ältesten Löwen der Laibungen meist später überarbeitet und etwas naturwahrer gestaltet worden, wobei aber die ursprüngliche Gestalt noch in nicht getilgten Resten erkennbar blieb.
53 Siehe Bd. I, 478ff. und Reich und Kultur der Chetiter 85ff. 159f. Von den Grabstelen, die eine Frau, einen Mann oder ein Ehepaar beim Totenmahl zeigen (a.a.O. S. 37ff.), dürfte dagegen keine bis in die hier behandelte Epoche zurückgehn, so primitiv z.B. die von Jarre am Sangarios und manche aus Mar'aš und Malatia sind. Sie stehen offenbar schon unter ägyptischem Einfluß, auch die vereinzelt vorkommenden Streitwagen sind wesentlich jünger. Dann kommen Beischriften in chetitischen Hieroglyphen, schließlich in aramäischer Schrift auf. Die Sitte wird etwa um 1500 aufgekommen sein.
55 Vgl. u. S. 102f. Daß viele dieser marjanni charrische (Mitani-) Namen tragen, ist durchaus natürlich, spricht aber nicht gegen die Ableitung dieses Wortes aus dem Indischen, wie GUSTAVS, Z. Ass. 36, 297ff. meint.
56 Siehe Abbildung Taf. I und unten Abschnitt VIII sowie S. 103.
57 Bezeichnend ist bei zweien dieser alten Männer die über die Schläfe lang herabhängende Haarflechte, während im übrigen der Schädel kahl ist.
58 Zuerst erkannt von P. JENSEN, Ber. Berl. Ak. 1919, 367ff. und gleichzeitig von HROZNÝ, Bogh.-Stud. Heft 3 S. XII. Weiteres bei FORRER, ZDMG. 76, 252ff. Die Zahlwörter 1 aika [spezifisch indische Form], 3 tera, 5 panza, 7 satta, 9 nava sind immer mit vartana = Sanskrit vartani »Geleise, Bahn« zusammengesetzt. In vasanna sucht FORRER wohl mit Recht ein Lehnwort für die Rennbahn (»Stadion«). Weiter gefördert ist das Verständnis dieses Textes durch SOMMER und EHELOLF, Ritual des Papanikri, Bogh.-Stud. 10 S. 38f.
59 Wahrscheinlich mit Recht sucht JIRKU, Z. Ass. 36, 74f. 164 Indra auch in den Namen des Dynasten Indar-uta von Akšaf (Ekdippa) in Phoenikien.
60 FORRER, ZDMG. 76, 247 sucht den Namen dieser Arier in den Mandascharen (ummân Manda), der in Babylonien seit alters üblichen Bezeichnung der Nomadenstämme des Nordens oder Nordostens (Bd. I, 395 A. 400); es sei die ältere Form von Madai oder Amadai Μῆδος. Aber diese auch sonst aufgestellte Annahme (kritisch J. LEWY, Forsch. zur alten Gesch. Vorderasiens, Mitt. Vorderas. Ges. 1924, 2 S. 3ff.) ist in keiner Weise erweisbar, die weiteren Kombinationen mit Μαντιανοί, Ματιήνη, Μάρδοι (Ἄμαρ δοι), den Mannaeern der Assyrer u.a. sind vollends gänzlich willkürlich. Später bezeichnet Manda die Skythen, die im 7. Jahrhundert Vorderasien überschwemmen und damals neben den Medern stehn, auf die der Name Manda gelegentlich gleichfalls übertragen wird.
61 Dabei ist natürlich von den nach China gerichteten Völkerbewegungen Ostasiens abgesehn, bei denen aber auch wieder das zentralasiatische Hochland den Ausgangspunkt bildet. Die einzigen Ausnahmen sind der Einbruch der ägaeisch-thrakischen Stämme nach Kleinasien und Syrien im 12. Jahrhundert, der sich in dem Vordringen der Armenier in ihre späteren Sitze fortsetzt, die Keltenwanderung des 3. Jahrhunderts, die durch die Ablenkung der Keltenscharen aus Italien veranlaßt ist und schließlich die Galater nach Kleinasien führt, und etwa noch die Ausbreitung germanischer Stämme, der Bastarner, Goten u.a. in die südrussische Ebene. Aber alle diese Wanderzüge sind in ihrem Umfang beschränkt und haben über die Mittelmeerwelt nicht hinausgeführt; hinter den großen Bewegungen, von denen hier die Rede ist, stehn sie weit zurück.
62 Die mit arta gebildeten Namen in Mitani und Syrien, wie Artatâma, Artašumara, Artamanja und manche andere, haben eher iranische als indische Färbung, und ebenso natürlich Kundaspi und Kustaspi (o. S. 34); die letzteren Namen beweisen, daß die Berührung dieser Dynasten im Taurusgebiet (Kommagene) mit den Stammesgenossen im Osten sich dauernd erhalten haben muß; die beiden Namen Vindâspa und Vištâspa (Hystaspes) zeigen hier bereits im 9. und 8. Jahrhundert den Wandel des Anlautes vi- in gu-, der sich sonst erst im Mittelpersischen vollzogen hat.
63 Das Germanische hat daneben in beiden Tempora noch den Konjunktiv bewahrt, das Chetitische dagegen das Medium. Außerdem hat dieses noch eine zweite Konjugation gebildet, die in der ersten Person Sing. des Praesens durch die Endung -hi – gegenüber dem indogermanischen -mi der Mehrzahl der Verba – charakterisiert wird.
64 Beim Schreiben und Lesen empfinden wir oft genug peinlich daß dafür ein Zeichen fehlt, namentlich bei Zusammensetzungen (z.B. allein und all-ein).
65 Hierin wie in der beschränkten Zahl der Tempora und Modi deckt sich die Gestaltung des Germanischen mit dem Semitischen. Die Übereinstimmung ist dann dadurch noch größer geworden, daß infolge des Ablauts und des Umlauts auch in den germanischen Sprachen die Konsonanten in einem beträchtlichen Teil des Wortschatzes (wenngleich nicht so ausschließlich wie im Semitischen) die alleinigen Träger der Bedeutung, die Vokale die der grammatischen Form geworden sind.
66 Mehrfach [so HÜSING und ihm folgend FORRER, Ber. Berl. Ak. 1919, 1036] hat man vermutet, der Name der Kaššû, Κοσσαῖοι, sei identisch mit dem der Κάσπιοι, Kaspier, letzteres eine Weiterbildung mit dem elamitischen Pluralsuffix -p, –pe; die Kossaeer seien durch die Arier vom Kaspischen Meer verdrängt worden. Aber diese Kombinationen schweben vollständig in der Luft; die Kaspier sitzen in der persischen und griechischen Zeit im Westen des Meeres, das ihnen den Namen verdankt, und haben mit den Kossaeern nicht das mindeste zu tun. Mit Namensanklängen läßt sich jederzeit alles beweisen.
67 Die früher versuchte Gleichsetzung der Hyksos mit den Kossaeern oder den Chetitern ist hinfällig. Die Kossaeer haben nie eine wirkliche Großmachtstellung besessen, und chetitische Typen erscheinen in den ägyptischen Darstellungen nicht vor der 19. Dynastie. Daß die Ägypter die Hyksos oft mit der allgemeinen Bezeichnung der asiatischen (semitischen) Stämme als 'amu, »Völkerschaften«, benennen, ist sehr begreiflich, sagt aber über ihre Nationalität nichts aus.
68 Siehe jetzt FIMMEN, Die kretisch-mykenische Kultur, 1921, S. 172; ebenda über die derselben Schicht angehörende Dioritstatue des Mittleren Reichs (12.-13. Dynastie, vgl. Bd. I, 518).
69 Siehe Bd. I, 519. Der Einwand von EVANS, Palace of Minos I 300, 1, daß der Alabasterdeckel mit dem Namen Chians »to the penultimate epoch of Middle Minoan III« gehöre, die Zerstörung des älteren Palastes (Middle Minoan II) aber älter sei, scheint mit wenig treffend: wenn Chian den Palast zerstörte, kann ein seinen Namen tragendes Gefäß sehr wohl in dem folgenden Neubau gestanden haben und dann weggeworfen worden sein.
70 In einer Glosse im Amarnabrief 263. 35, im Plural zu-u-[zi-ma] geschrieben.
71 Geschrieben auch ss-t und smsm.
72 Die einzigen Fälle, wo geritten wird, sind meines Wissens zwei der ganz primitiven Reliefs am südlichen Stadttor von Sendjirli (V. LUSCHAN, Ausgrabungen III 205f. Taf. 34c u. d und Taf. 35, vgl. o. S. 32) und die Darstellung der syrischen Kriegsgöttin 'Anat in Redesie unter Sethos I (LD III 138).
73 Daneben kommt dann der Lastwagen auf, hebr. und ägypt. ’aqâlat; aber dafür wird das kostbare Pferd zunächst nur selten verwendet worden sein.
74 Auf den »hetitischen« Jagdreliefs von Malatia und Saktschegözü fehlt dagegen der Schildträger. – Im einzelnen zeigen die Wagen natürlich in der Gestalt der Räder und des Gestells oder Kastens mancherlei Verschiedenheiten. Das Material ist sorgfältig bearbeitet in den sich ergänzenden Arbeiten von NUOFFER, Der Rennwagen im Altertum, erster (und einziger) Teil (der Orient) 1904. STUDNICZKA, Der Rennwagen im syrisch-phönikischen Gebiet, Arch. Jahrb. 22, 1907. E. V. MERKLIN, Der Rennwagen in Griechenland, erster Teil 1909. H. NACHOD, Der Rennwagen bei den Italikern. 1909.
75 Allerdings hat sich die früher auch von mir geteilte Annahme als irrig erwiesen, einzelne vom Königsring umschlossene Namen, die sich gelegentlich (so in den Listen des Totenkultus aus Dêr el Medine, LD. III 2a. d. aus der 20. Dyn.) neben den ersten Königen, Königinnen und Prinzen aus der 18. Dyn. finden, seien solche Dynasten, die sich den Thebanern angeschlossen und daher königliche Ehre erhalten hätten. A’ḥmose se Pa’ar heißt im Pap. Abbott 3, 13 fälschlich König, weil seine Grabpyramide zwischen denen von wirklichen Königen lag (SETHE, Unters. I S. 4. 71), und gehört in die Zeit Amenophis' I. (LACAU, Stèles de nouvel empire no. 30004. 34005. 34029 = MARIETTE, Mon. div. 89. PETRIE, Hist. II p. 44); Uaẕmose ist ein Sohn Thuthmosis’ I. (SETHE, Unters. I 9, vgl. DARESSY, Ann. du Serv. I u.a.); ebenso wird wohl auch der Bd. I, 309 A. erwähnte A’aḥmose Binpu zu erklären sein [ebenda ist das Zitat S. 326 Zl. 2 in PSBA. 25, 1903, 358 zu korrigieren].
76 In den Akten einer Untersuchung über Gräberdiebstähle aus der 20. Dyn. (Pap. Abbott) werden ihre Grabpyramiden genannt; der eine hat den Beinamen ’o »der Große« (d.h. der ältere), der andere ist wahrscheinlich Ta'o qen (»der Tapfere«, so LD. III 2a und auf dem Sarge mit seiner Mumie. MASPERO, Momies royales 5. 26. DARESSY, Catal. des cercueils roy. I., PETRIE, Hist. II 6). Unter ihm diente der Vater des Admirals A’ḥmose von Elkab. Wurfholz seines Sohnes Zuju MARIETTE, Mon. div. 51b = SETHE, Urk. der 18. Dyn. 13. Grabstatue seines Sohnes A’ḥmose SETHE Urk. 12f. (vgl. u. S. 50, 1). Thronname auf dem Siegel MARIETTE, Mon. div. 52c.
77 Pap. Abbott. Die sehr einleuchtende Vermutung stammt von WINLOCK, der die Königsgräber dieser ganzen Epoche in dem Aufsatz Tombs of the kings of the 17. Dyn. im J. Eg. Arch. X 1924, 217ff., sehr sorgfältig behandelt und die Fragen wesentlich geklärt hat. Über Senechtenrê' s. Bd. I, 309 A., Karnak no. 26.
78 Pap. Sallier I.; der Eingang schon in Bd. I, 303 und 305; Übersetzung jetzt bei ERMAN, Literatur der Äg. 214f.
79 SETHE, Urk. der 18. Dyn. I 13. 18, 10.
80 Möglich bleibt natürlich auch, daß er das Opfer einer Verschwörung geworden ist.
81 Kamoses Grabpyramide im Pap. Abbott, sein Sarg bei DARESSY Ann. du Serv. IX. Wer seine Eltern waren, erfahren wir nicht; ebensowenig wissen wir etwas von seiner Gemahlin oder seinen Kindern. Aber da sein Andenken in Ehren blieb, kann er kein Usurpator sein; somit wird er ein älterer Bruder des Amosis sein, der nur wenige Jahre regiert hat. Auf dem Altar CLOT-BEY's in Marseille (Bd. I, 309 A.) wird er nach Seqenjenrê' genannt; ein Priester des Amon, der Mut und Thuthmosis' I. ist zugleich Totenpriester des Ta'o und Uaẕcheperre’ (Kamose): LACAU, Stèles du nouv. Emp. p. 64 = LEGRAIN, Rep. généal. I. Vermählt ist Ta’o mit »der großen Königstochter und Genossin der weißen Krone« A’ḥḥotep [von den Eltern und zwei Schwestern gestiftete Grabstatue ihres Sohnes A’ḥmose: SETHE Urk. 12f.]. Der Sohn der A’ḥḥotep ist nach SETHE Urk. 30, vgl. 21 König Amosis; in der Liste von Dêr el Medine LD. III 2a sitzt sie neben König Ta'o, in 2d neben Amosis. Nach der Inschrift des Amosis SETHE Urk. 27 Zl. 8, sind sein Vater und seine Mutter beide Kinder einer Königin Tetišere (also die übliche Geschwisterehe). Daher heißt A’ḥḥotep bei SETHE Urk. 21 Zl. 24f., »Gattin, Schwester, Tochter, Mutter eines Königs«. [Tetišere selbst ist nicht königlichen Geblüts, sondern stammt nach Angabe ihrer Mumienbinde von Privatleuten: DARESSY, Ann. du Serv. IX 137. Mit welchem König sie vermählt war, wissen wir nicht. Ihre Statue im British Museum bei BUDGE, Hist. 64.] Somit ergibt sich folgender Stammbaum:
Über das Grab der A’ḥḥotep mit ihrem Sarge s.u. S. 56, 1. Der Sarg einer zweiten Königin desselben Namens ist in Dêr el Bahri gefunden. Vielleicht war diese die Gemahlin Amenophis' I.; doch wird die Königin A'ḥḥotep, die in dessen 10. Jahre ihrem Beamten Kares einen Totenkult in Abydos schenkt (SETHE Urk. 45f.), da sie »Königinmutter« heißt, wohl seine Großmutter sein, die dann sehr alt geworden sein muß.
82 Erhalten auf der Holztafel eines Schülers; Übersetzung bei ERMAN, Literatur der Äg. 83f.
83 Seiner Stärke oder Tapferkeit rühmt er sich auch in der oben S. 49 angeführten Speerinschrift. Auf der goldenen Barke aus seinem Grabe ist vor jeden seiner beiden Namensringe an Stelle der üblichen Titel das Bild eines Löwen gesetzt.
84 WEIGALL, Antiq. of Lower Nubia pl. 65.
85 »Man kämpfte in dem südlich von dieser Stadt gelegenen Ägypten«, d.h. in dem Teile des Landes, der südlich von Auaris liegt. BREASTED, Anc. Rec. II p. 7, 11 und SETHE in der Übersetzung der Urk. der 18. Dyn. S. 2 verstehen unter »dieser Stadt« fälschlich Elkab und finden hier eine Angabe über die Besiegung eines Aufstandes.
86 SETHE, ÄZ. 42, 136. – Von Manethos Bericht liegen bei Josephus c. Ap. zwei Auszüge vor, von denen der erste (I 84-90) gröblich entstellt ist und die Vertreibung der Hyksos dem Misphragmuthosis, d.i. Mencheperrê’ Thutmosis III., und seinem Sohne Thummosis, d.i. Thuthmosis IV., zuschreibt. In dem zweiten Exzerpt wird als Besieger Τέϑμωσις genannt, was durch Einwirkung des ersten Exzerpts aus Ἄμωσις entstellt ist. Dieser Name, den der echte Manetho natürlich gegeben hat, ist in den Königslisten bei Africanus und Eusebius bewahrt, ebenso bei Apion. (Tatian adv. gent. 38). Vgl. Ägypt. Chronol. (Abh. Berl. Ak. 1904) S. 73f.
87 Die Nubier des Landes Sti, vgl. Bd. I, 165.
88 Man wird sich das politische und militärische Ineinandergreifen der einzelnen Mächte analog dem Untergang des Assyrerreichs vorstellen dürfen, in den uns jetzt wenigstens einiger Einblick gewährt ist.
89 Stele des Amosis aus Karnak, SETHE Urk. 14ff. Die drei Klassen Zl. 10 und 21 sind die rchīt, d.i. wahrscheinlich die »Wissenden«, die das wahre Verständnis der Religion und ihrer Geheimnisse besitzen, die ḥnmmt und die p’t; dahinter steht zusammenfassend ḥr nb »jedermann«.
90 Wörtlich: »die den Plan macht für die Vielen«.
91 'ua ns mnfīt-s. Das Verbum 'ua bezeichnet immer eine gewalttätige Handlung wie »rauben«; so vermute ich, daß es hier »die Soldaten zusammenraffen«, »zu Soldaten pressen« bedeutet.
92 nbnb ns si; nbnb bedeutet »sich jemandes annehmen, beschützen«.
93 Über die Geschichte dieses Grabfundes und des fälschlich mit ihm verbundenen aus dem Grabe des Kamose (V. BISSING, Theban. Grabfund aus dem Anfang des Neuen Reichs, 1902) s. DARESSY, Ann. du serv. 1908, 61ff. und 1912, 68, sowie jetzt die eingehende Untersuchung von WINLOCK, J. of Eg. Ar chaeol. X 1924, 250ff.
94 Über die Nachahmung der kretischen Vorbilder siehe vor allem FURTWÄNGLER, Ant. Gemmen III 20 und FIMMEN, Kretisch-myken. Kultur 204f.
95 Aus dem fünften Schachtgrab, vgl. u. S. 177. Grundlegende Abbildungen: KÖHLER, MAI. VI Taf. VIII, PERROT, BCH. X Taf. I.
96 Siehe Taf. VI. Der gefangene Šerdanahäuptling bei Ramses III., ein älterer Mann mit schmaler, gebogener Nase, trägt dagegen einen Bart. Weiteres s.u. in Abschnitt XII, auch über die bei ihnen übliche Beschneidung.
97 Vgl. FIMMEN S. 113. 119. 121. 122f.
98 Bd. I, 285. Man wird damit etwa die Beseitigung des Feudaladels der Dere-beys durch Mahmûd II. im osmanischen Reich vergleichen können. An rücksichtsloser Gewaltsamkeit wird es in dem einen Falle so wenig wie in dem anderen gefehlt haben, wenn auch die Denkmäler davon natürlich nichts berichten.
99 Die Gestaltung ist etwa dieselbe, wie wenn der Sitz der Regierung der preußischen Monarchie in Königsberg gelegen hätte. Vergleichbar ist die exzentrische Lage von Petersburg im russischen Reich im Gegensatz zu der alten und natürlichen Hauptstadt Moskau.
100 Nachdem Echnaten die Residenz nach Amarna verlegt hatte, hat Ḥaremḥab das Reich von Memphis aus regiert. Unter der Einwirkung der Beziehungen zu Asien hat dann Ramses II. die Residenz nach dem östlichen Delta verlegt. Nach ihm waren, wie die Mittel des Reichs überhaupt, so auch die Kraft Oberägyptens erschöpft. Fortan hat es eine entscheidende Rolle nicht mehr gespielt – als ein Nachhall derselben kann die vorübergehende Erhebung der Äthiopen gelten –; wohl aber hat das Ägyptertum, sich immer mehr zusammenziehend auf die völlig verknöcherte Religion, sich hier in seiner Eigenart behauptet und durch die Jahrhunderte ungewandelt weiter vegetiert, solange man es nicht antastete, in voller Passivität und kaum irgendwie berührt durch die politische und durch die kulturelle Entwicklung, die daneben einhergeht.
101 Über die Organisation des Neuen Reichs sind wir viel schlechter unterrichtet als über die des Alten und des Mittleren Reichs, weil die Grabinschriften von der Lokalverwaltung kaum je reden, sondern außer von den kriegerischen Taten nur von der Tätigkeit im Reichsdienst bei der Erhebung und Ablieferung der Abgaben und Tribute u.s.w. und den vom König verliehenen Ehren. Darin spricht sich der veränderte Charakter des Staats deutlich aus. An Einzelarbeiten fehlt es auf diesem Gebiet noch fast ganz; eine zusammenfassende Skizze gibt ERMAN, Ägypten cap. 6. Die Angaben aus späterer Zeit (so die Gerichtsakten aus Prozessen unter der 20. Dyn.) dürfen für die Blütezeit des Neuen Reichs nicht verwendet werden, da sich hier offenbar viel geändert hat. Die Hauptquelle für die 18. Dyn. sind die beiden im Grabe des Vezirs Rechmere’ (und bruchstücksweise in denen zweier anderer Vezire) erhaltenen amtlichen Aktenstücke (NEWBERRY, The Life of Rekhmara; danach bei SETHE, Urk. der 18. Dyn. 1086ff.; Übersetzung bei BREASTED, Anc. rec. II 266ff.): die Rede über die Art, wie der Vezir sein Amt verwalten soll, die der König an ihn bei seiner Einsetzung hält (neue, für den Text abschließende Bearbeitung durch SETHE, Die Einsetzung des Vezirs, Untersuch. zur Gesch. Äg. V 2, 1909; SETHE vermutet, daß der Text schon aus dem Mittleren Reich stammt), und die Dienstordnung des Vezirs (bearbeitet von FARINA, Le funzioni del Visir faraonico, R. ac. dei Lincei XXVI 1916). Dazu kommt, außer der Empfangnahme der Tribute der Fremdländer und der Inspektion der Einkünfte und Arbeiten des Amontempels, die Inspektion der Abgaben (BREASTED S. 282ff., SETHE Urk. 1119ff.) der beiden oberägyptischen Provinzen: »Kopf des Südens« (tep šma’u, vgl. Bd. I, 284), »von Elephantine und der Festung Snmt (Bige) an« bis nach Hermon this (Ani), südlich von Theben, und das Gebiet »von oberhalb Koptos bis unterhalb Siut«. Dazwischen liegt die unmittelbar unter dem Vezir stehende Hauptstadt. Leider ist von den Titeln nahezu die Hälfte zerstört, so daß sich ein vollständiger Überblick nicht gewinnen läßt. Als Organe der Verwaltung, die die »gemäß den alten Schriften« erhobenen Abgaben in Naturalien (darunter überall auch Gold und Silber in Ringform) abzuliefern haben, erscheinen: 1. die Oberhäupter der Gaustädte und einiger aus dem alten Gauverband ausgeschiedener Städte mit dem alten Grafentitel (ḥeti’o); daneben die Festungskommandanten von Bige und Elephantine und in ein paar Orten, darunter Esne (Anit), »Stadtregenten (ḥqa ḥt, vgl. Bd. I, 283)« – die altererbten Unterschiede der Titulatur werden eben so bedeutungslos geworden sein wie z.B. in den Städten Italiens in der Kaiserzeit. 2. Daneben finden wir in allen Städten eine »whm des Gaus« nebst seinem »Schreiber«; der Titel, etwa »Sprecher«, findet sich auch sonst bei Beamten des Königs, des Vezirs u.a. und mag etwa den Adjutanten bezeichnen. [Unter den Persern werden ihnen die Azdakaras entsprechen, Ber. Berl. Ak. 1911, 1043.] 3. Die Landbezirke (w) oder »Felder« (aḥt) und besonders die »Inseln« im Stromgebiet stehn unter solchen »Schreibern«. 4. Außerdem besteht in allen Stadtbezirken die qnbt n w, das »Kollegium des Bezirks«, das gleich falls Abgaben zu liefern hat. Dieser Terminus bezeichnet hier die lokalen Behörden (die z.B. auch für den Wasserstand zu sorgen haben, unter Aufsicht des Vezirs, Dienstordnung Zl. 24f.), so auch die bei den Schiffen (ebenda Zl. 35); die »große qenbet« dagegen sind die Gerichtshöfe der beiden Vezire in Theben und Memphis (GARDINER, Inscr. of Mes in SETHE's Unters, zur Gesch. Äg. IV 1905, S. 33ff. Vgl. das Edikt Ḥaremḥabs, rechte Seite Zl. 4ff.). Daneben scheint ẕaẕat die allgemeine Bezeichnung jedes Kollegiums der Verwaltung und Rechtsprechung zu sein, das einem Beamten beigegeben ist (Dienstordnung Zl. 18. 22ff. 29. 31). – Das Gebiet, das Rechmere’ unterstellt ist, entspricht dem Umfang des thebanischen Reichs vor Beginn des Hyksoskrieges. Die beiden Provinzen, in die es zerfällt, erscheinen in der Perserzeit als Tašeṭres (»Südkanal«, schon unter Dyn. 26) von Elephantine bis Hermonthis und »Provinz von No«, d.i. Θηβαΐς, s. Ber. Berl. Ak. 1911, 1041f. (wonach STEINDORFF, Die äg. Gaue, Abh. sächs. Gd. XXVII 1909, S. 896f. zu modifizieren ist). Die Organisation des »Kopfs des Südens« stammt aus der 12. Dyn., s. Bd. I, 284. Das Gebiet von Hermopolis abwärts, d.i. die sieben Gaue der Heptanomis, ist mit Unterägypten verbunden und dem zweiten Vezir, dem »des Nordlandes« mit dem Sitz in Memphis, unterstellt, vgl. GARDINER a.a.O. und A. WEIL, Die Vezire Ägyptens (1908) S. 63ff.; über dies Gebiet besitzen wir aber keine genauere Kunde.
102 Die allgemeine Bezeichnung derselben ist sr, das (ebenso wie das hebräische רש) oft irreführend durch »Fürst« übersetzt wird. Meine Annahme Bd. I, 242, es bedeute im Alten Reich »Grundbesitzer«, ist schwerlich haltbar und jedenfalls für das Neue Reich nicht zutreffend.
103 Dienstordnung 17ff. Es hat Anstoß erregt, daß alle diese Geschäfte in so zeitraubender Weise an einer einzigen Stelle zentralisiert sind. Aber im römischen Reich, wo alle Berufungen an den praefectus urbi resp. den praefectus praetorio und alle Prozesse über höhere Beträge und alle Kriminalprozesse aus ganz Italien seit dem Bundesgenossenkrieg an die hauptstädtischen Gerichte gehn, sind die Entfernungen noch viel größer. Man hielt eben eine unparteiische Entscheidung nur hier für gesichert und nahm dafür die Kosten und den Zeitverlust in Kauf. Gleichartig liegen die Dinge beim Gerichtszwang im attischen Reich.
104 Vgl. MÖLLER, ÄZ. 56, 67f.
105 In der Perserzeit ist dann der Eid bei einem Lokalgott an dessen Stelle getreten. Bei welchem Gott zu schwören ist, bestimmt hier in Zivilprozessen, wenn die beiden Parteien verschiedenen Religionen angehören, das Gericht, eventuell gemäß der Forderung des Klägers, s. Ber. Berl. Ak. 1911, 1048f.
106 Daß es noch Privateigentum an Grund und Boden gegeben hat, geht, worauf H. SCHÄFER hinweist, aus der Äußerung Echnatens hervor, das Land, auf dem er seine neue Stadt gründete, habe weder einem Gott oder einer Göttin, noch einem Magnaten (ḥqa) oder einer Magnatin noch sonst irgend jemand gehört (de G. DAVIS, Rock tombs of Amarna V p. 29). Daß solche Grundstücke steuerpflichtig waren, ist dadurch natürlich nicht ausgeschlossen.
107 Die Erlernung der Keilschrift in Babylonien und Vorderasien war noch komplizierter, s.o. S. 19f. Diejenigen ägyptischen Beamten, die die Korrespondenz dorthin zu führen hatten, haben auch diese lernen müssen; Proben davon geben einzelne Tontafeln aus Ägypten mit babylonischen Texten.
108 Siehe ERMAN, Literatur der Ägypter 238ff., ferner ERMAN und LANGE, Papyrus Lansing, Hist.-filol. Meddedelser der dänischen Ges. d. Wiss. X 3, 1925, S. 5ff., und vor allem ERMAN, Die ägypt. Schülerhandschriften, Abh. Berl. Ak. 1925.
109 SETHE, Urk. S. 75. 76. 110. 113ff.
110 In dem Gedicht von der Schlacht bei Qadeš hält Ramses II. seinen Fußsoldaten und Wagenkämpfern vor, wie er ununterbrochen für sie gesorgt, sie verpflegt, die Abgaben erlassen, auch denen, die nicht Offiziere waren, Grundbesitz gegeben habe ( ERMAN, Lit. 331f.).
111 Es ist vielleicht kein Zufall, sondern zeigt das allmähliche Eindringen der neuen Kampfweise, daß in den Texten ans dem Anfang des Neuen Reichs der Kriegswagen niemals erwähnt wird. Allerdings sind diese Texte äußerst dürftig, und bildliche Darstellungen fehlen fast ganz. Die ältesten Zeugnisse sind ein Skarabäus Thutmosis' I. auf dem Streitwagen (NEWBERRY, Scarabs, pl. 27, 4) und die Erbeutung eines Kriegswagens und seines Gespanns in Naharain durch den Admiral A’ḥmose (Inschr. Zl. 39) unter Thutmosis I.
112 Nach dem Edikt Ḥaremḥabs Zl. 25 zerfällt die Armee in zwei Korps, das des Südens und das des Nordens. Die ständige Bezeichnung des Fußvolks ist pẕt (eigentlich »Bogenschützen«), in den Amarnatafeln pidati oder bitati. Die Offiziere hießen w'w, in den Amarnabriefen weu, wichu u.a. geschrieben.
113 In den Amarnatafeln als »Leute (Truppen) von Kaši« (d.i. Kuš)» oder «von Melucha» bezeichnet.
114 »So führte Joseph die bis auf den heutigen Tag bestehende Rechtsordnung für das Ackerland Ägyptens ein, daß sie dem Pharao den Fünften geben; nur allein das Ackerland der Priester wurde nicht Eigentum des Pharao«, Gen. 47, 26.
115 In diesen Zusammenhang gehört vielleicht auch der Kalender des Papyrus EBERS, dessen früher von mir gegebene Erklärung nach den Ausführungen von SETHE, Die Zeitrechnung der alten Ägypter I, Nachr. Gott. Ges. 1919, S. 314, und weiter in der Fortsetzung ebenda 1920, S. 30ff. zu berichtigen ist. Er gleicht die Lage der an das Naturjahr gebundenen Feste in den einzelnen Monaten mit den Daten des Wandeljahres, auf die sie im 9. Jahre Amenophis’ I. fielen; damals werden also diese Daten als Regulativ aufgestellt worden sein, von denen aus sich fortan die Kalenderdaten für jedes Jahr leicht berechnen ließen.
116 Die richtige griechische Wiedergabe des Namens Amenhotep ist Ἀμενώϑης. Aber in der manethonischen Überlieferung ist dafür durchweg Ἀμενῶφϑις oder Ἀμένωφις, d.i. in Wirklichkeit der Name Amenem-'ôpe, eingedrungen, und diese Namensform ist uns so geläufig geworden, daß ich sie beibehalte.
117 Wenn dies Fest auch aus seinem Totenkult (vgl. dazu ERMAN, Ber. Berl. Ak. 1910, 344ff.) erwachsen ist, so spricht doch der Umstand, daß unter allen hier bestatteten Herschern nur er so ausgezeichnet worden ist, für die hervorragende Stellung, die ihm in der Tradition zukam. – Weshalb A'hmes-Nofret'ari gewöhnlich mit schwarzer Hautfarbe dargestellt wird, läßt sich nicht erkennen; dabei mag ein Zufall gewirkt haben, wie bei den schwarzen Marienbildern. Eine nubische Prinzessin ist sie nicht gewesen, sondern nach LD. III 3 = SETHE 25 Tochter, Schwester und Gemahlin eines Königs, mithin die Schwester des Amosis.
118 So SETHE, Unters. zur Gesch. Äg. I 5 [in einigen Annahmen modifiziert ÄZ. 36, 25f.], der sie im Anschluß an LEPSIUS mit der ἀδελφὴ Ἀμενοίς oder Ἀμεσσής identifiziert, die bei Manetho als Nachfolgerin des Amenophis I. erscheint. Aber sprachlich ist diese Gleichung sehr bedenklich, und nach LD. III 8b und 19, 1c (SETHE S. 5 u. 97) scheint diese A'ḥmose vielmehr eine Schwester Thutmosis' I. gewesen zu sein.
119 In Abydos sorgt daher Thutmosis III. für die Kapelle »seines Vaters Amosis«. SETHE Urk. 209 Zl. 12.
120 Eine Vorstufe dazu bildet das Grab Amenophis' I. im Hügelgebiet von Drah Abulnegga, tiefer einwärts von den Gräbern der älteren Könige, mit Grabkammern im Felsen, aber noch in alter Weise mit einer Ziegelpyramide gekrönt (CARTER, J. Eg. Arch. III 1916). In der Ebene davor liegt sein Grabtempel.
121 Chronologie. Die Grundlage bildet das Datum des Papyrus EBERS (vgl. o. S. 74, 1), daß im 9. Jahre Amenophis’ I. der Siriusaufgang auf den 9. Epiphi fiel. Ich halte gegen BORCHARDT an der zyklischen Berechnung des Datums fest (vgl. Nachträge zum ersten Bande S. 45), und setze es daher in die Jahre 1550/49-1547/6, von denen ich der Kürze halber das erste wähle [auch BORCHARDT's Berechnung, die den wirklich beobachteten Siriusaufgang zugrunde legt, gibt übrigens nur eine Verschiebung um wenige Jahre]. Ferner ist nach einer Opferliste aus Elephantine (LD. III 43e = SETHE Urk. 827) unter Thutmosis III. der Siriusaufgang einmal auf den 28 Epiphi gefallen; daraus folgt, daß die Jahre 1474 3-1471/0 in seine Regierung fallen; die Jahreszahl ist leider nicht erhalten. Weiteren Anhalt bieten zwei Angaben über Neumondfeste in seinem 23. und 24. Jahr (SETHE Urk. 657, 2 und 836, 2f.); dafür habe ich, unter der Annahme, daß der Neumond die Neomenie, das erste Wiedererscheinen der Mondsichel am Abendhimmel sei, Äg. Chronol. 49f., die Jahre 1479/8 und 1478/7 berechnet, seine Regierung daher in 1501-1447 gesetzt. Nach den Ausführungen von SETHE, Nachr. Gött. Ges. 1919, 289, scheint es aber, daß die Ägypter in der Tat, so unnatürlich das erscheint, die Tage des wahren Mondmonats [der ja mit dem bürgerlichen Kalender und seinen Monaten so wenig etwas zu tun hat, wie bei uns] nicht von der Neomenie, sondern vom astronomischen Neumond aus zählten oder vielmehr, da dieser sich der Beobachtung entzieht, den Tag nach dem letzten Erscheinen der alten Mondsichel am Morgenhimmel als den ersten Tag des neuen Monats betrachteten. Danach sind also diese Daten zu korrigieren. Da indessen die Untersuchungen über diese Probleme nicht abgeschlossen sind, vielmehr eine weitere Bearbeitung durch BORCHARDT in Aussicht steht, habe ich mich begnügt, die 54 Jahre Thutmosis' III. auf rund 1505-1450 anzusetzen; daß dieser Ansatz annähernd, mit einem Spielraum von etwa 10 Jahren, zutreffend ist, beweisen die babylonischen Synchronismen. – Von Amosis ist sein 22. Jahr überliefert; er ist also um 1580 zur Regierung gekommen, sein Sohn Amenophis I. um 1558. Die Länge seiner Regierung kennen wir nicht; daß er (und ebenso Thutmosis I.) das Seṭfest gefeiert hat (s. zuletzt SETHE, Nachr. Gött. Ges. 1921, 31), gibt für die Chronologie keinen Anhalt, da gänzlich unerkennbar ist, welche Ereignisse zur Feier dieses Festes den Anlaß gaben. Für Amenophis I., Thutmosis I. und II. zusammen bleiben etwas über 50 Jahre (ca. 1557-1505). – Die Königsliste steht durch die Denkmäler fest; bei Manetho dagegen ist sie völlig entstellt und so gut wie unbrauchbar, s.m. Äg. Chronol. 88ff. und oben S. 52, 2. Was in dem König Chebron stecken mag, läßt sich nicht enträtseln; die Königin Amensis oder Amesses scheint der Ḥatšepsut zu entsprechen, zu der auch die Dauer ihrer Regierung (21 J. 9 M.) stimmt. Die Listen sind:
122 Zu den bei SETHE, Urk. der 18. Dyn., zusammengestellten Texten kommen weiter die Inschriften von Sai und Tangur bei BREASTED, Second preliminary report, American J. of Semitic Lang. XXV 1908, 100ff. In der Stele von Tombos, LD. III 5 a, SETHE S. 82ff. (deren Anspielungen und Völkernamen noch viele Rätsel enthalten), aus dem 2. Jahr Thutmosis' I., erstreckt sich seine Herrschaft bereits bis an den Euphrat, obwohl sein Zug dorthin erst auf den gegen Nubien gefolgt ist [die Annahme, schon unter seinen Vorgängern habe sich das ägyptische Reich bis an den Euphrat erstreckt, widerspricht allen Zeugnissen]; der Text der Inschrift ist also, wie so oft, erst wesentlich später redigiert, als das Datum angibt.
123 Vgl. dazu BREASTED a.a.O. p. 44f.
124 Inschrift Thutmosis' II. von Assuan, SETHE S. 138 Zl. 7.
125 Damals noch Kaš gesprochen, in den Amarnabriefen Kaši.
126 Der Umfang des Gebiets »von Nechen bis Napata (nśwt-taui)« oder »von Nechen bis Kari« ist bei der Investitur des »Königssohns von Kuš« Ḥui unter Tut'anch-amon genannt: BRUGSCH Thes. V 1133ff. NEWBERRY, Scarabs pl. II. Dem entspricht, daß schon zu Anfang der 18. Dyn. der Tribut von Uauut von dem Grafen Ḥarmeni von Nechen erhoben wird: SETHE Urk. 77. Andrerseits empfängt der Vezir unter den Abgaben des Tep-šma' (o. S. 63 Anm.) auch die von Elephantine, Edfu, Nechen u.s.w.; wie sich das zu einander verhält, ist völlig unklar. – Liste aller »Viceroys of Ethiopia« REISNER, J. Eg. Arch. VI 1920. Schon unter Amenophis I. hat Turi das Amt bekleidet (SETHE Urk. S. 7. 8. 80. 89. BREASTED a.a.O. p. 108), der noch in den ersten Jahren Thutmosis' I. im Amt ist. Der Name seines Nachfolgers SETHE S. 39f., ist zerstört; dann wird Sen gefolgt sein, der »die Maẕoi insgesamt inspiziert hat«, SETHE S. 141f. – Ein Angehöriger des Königshauses hat das Amt niemals erhalten.
127 Zu beachten ist, daß eine Tochter des Königs Amosis den Namen A'ḥmes ḥont-Zmḥu, »Fürstin der Zmḥu« trägt: DARRESY, Ann. IX 95. LEGRAIN, Répert. gén. no. 33.
128 Inschr. v. Tombos Zl. 3; Inschr. d. Aneni, SETHE 55, 6; Obeliskinschrift der Ḥatšepsut Zl. 27. 29. In der poetischen Stele Thutmosis' III. Zl. 21 sitzen sie »am Anfang der Erde«.
129 Die Angaben über die Libyer Bd. I, 165. 167 sind nach den weittragenden Ergebnissen G. MÖLLER's (Die Ägypter und ihre libyschen Nachbarn, ZDMG. 78, 1924, 36ff.) zu berichtigen. Die ältere Bevölkerung sind die Zeḥenu, geschrieben mit einem auch sonst für die Fremdvölker, speziell die Semiten ('amu) gebrauchten Zeichen, das nicht, wie man gewöhnlich annahm, einen Bumerang, sondern einen kräftigen Kampfstock darstellt. Sie sind den Ägyptern und den übrigen Hamiten eng verwandt, rotbraun mit langem schwarzem Haar und Stirnlocke, Spitzbart, die Tracht wie die älteste ägyptische (Phallustasche, Tierschwänze, Straußenfedern, im übrigen nackt). Seit der 6. Dynastie dringen dann von Westen her, zu nächst in den Oasen, die Zemḥu ein (von MÖLLER Tuimaḥ gesprochen und mit den Ἀδυρμαχίσαι bei Herodot IV 168 und Skylax an der Westgrenze Ägyptens identifiziert) hellfarbig, mit blauen Augen und rotblondem Haar, langem Zopf an beiden Schläfen, in der Regel bärtig, bekleidet mit langem buntbemaltem Lederrock, tätowiert, dazu gleichfalls Phallustasche und Federn im Haar. Aus dieser Tracht, die sich bei den Guanchen der Kanarischen Inseln bis ins 15. Jahrhundert n. Chr. erhalten hat, erklärt sich die Bezeichnung libyscher Stämme als chnutiu, »Tierfellträger« (geschrieben und determiniert mit dem Tierbalg) in der Tombosstele Zl. 5. Zu ihnen gehören die Libyer von Barka, die Mašuaša (Maxyer) dagegen zu den Zeḥenu.
130 »Grafen (ḥti'o) der Oase« SETHE S. 57. 963 (»Graf von Thinis und Oberhaupt der Oase«, offenbar der von el-Charge, vgl. Bd. I, 282 A.). Tribut der Oasen im Grabe des Puemrê', SETHE S. 523f.
131 Das ergibt sich aus der Erwähnung im Eingang der Annalen Thutmosis' III., u. S. 121. In der Liste Šo 3enq's I. wird der Name Šrḥam geschrieben. Im AT. findet sich der Ortsname ןחורש nur Jos. 19, 6 am Schluß der angeblich zu Simeon gehörenden Ortschaften des Negeb (in LXX durch καὶ οἱ ἀγροὶ αὐτῶν, d.i. ןהידש, in Chron. I 4, 31 durch םירעש Σεω ρειμ wiedergegeben), die Jos. 15, 21ff. zu Juda gerechnet werden; hier ist der Name v. 32 םיחלשΣαλη oder Σελεειμ geschrieben. Offenbar war der Ort später völlig verschollen. Man wird ihn wohl nördlich von Beerseba zu suchen haben [vgl. ALBRIGHT, J. of the Palestine Oriental Soc. IV 1924, 158].
132 Dieser Feldzug darf nicht, wie es gewöhnlich geschieht, mit der Eroberung von Šaruhan identifiziert werden. Der Admiral A'ḥmose hat an ihm nicht teilgenommen, wohl aber der ein paar Jahrzehnte jüngere A'ḥmose Pennechbet, dessen militärische Laufbahn mit ihm beginnt. Aus diesem Feldzug werden die semitischen Gefangenen »aus den Fenchuländern« stammen, die Amosis in seinem 22. Jahr im Steinbruch von Turra arbeiten läßt (o. S. 74).
133 Daß Ẕahi im wesentlichen Phoenikien bedeutet, hat W. M. MÜLLER, Asien und Europa 176ff., erwiesen; die Angaben Thutmosis' III. über die Feldzüge der Jahre 29 (Produkte und Wohlleben) und 34 (die Schiffe in den Häfen) lassen darüber keinen Zweifel. In den Jahren 31. 35. 38. 39. 40. 41. 42. [die lückenhaften Texte ergänzen sich gegenseitig und sind von SETHE richtig hergestellt] werden nacheinander aufgezählt: die Lieferungen der »Großen von Rezenu«, die Ausstattung der Häfen (ebenso im J. 34), die Abgaben des Libanon, und die Ernte von Ẕahi; im J. 31 wird daneben für die Ernte von Rezenu auf die Aufzeichnungen des Schatzhauses verwiesen. Danach kann nicht zweifelhaft sein, daß wir hier drei geographisch und administrativ gesonderte Gebiete zu scheiden haben: das Küstenland Ẕahi mit den Häfen, das Libanongebiet, und Rezenu = Palaestina. Mithin wird, wenn es im J. 29. 34. 35 zu Eingang eines Feldzuges in Mittelsyrien oder dem Euphratgebiet heißt: »der König war in Ẕahi«, er auf der Küstenstraße gezogen sein (ebenso Ramses II. vor der Schlacht bei Qadeš), während: »er war in Rezenu«, J. 30. 33. 39, auf einen Zug durchs Binnenland weist. Auch in der sog. poet. Stele sind die »Großen von Ẕahi« Zl. 13 verschieden von den »'Amu von Rezenu« Zl. 14. – Daneben wird Ẕahi allerdings auch in umfassendem Sinne gebraucht, ebenso wie Rezenu oder wie Kana'an in den Amarnabriefen. So bezeichnet Thutmosis III. selbst die bei Megiddo besiegte Koalition, die er sonst Rezenu nennt, in der Inschrift des Ptaḥtempels, SETHE S. 767 Zl. 5, als »alle Gebiete von Ẕahi«; ebenso sein Kriegssekretär Ẕeneni, SETHE S. 1004, 5; und im Pap. hiérat. de l'Éremitage ed. GOLENISCHEFF pl. 17 und 22 heißen unter Thutmosis III. die Gesandten von Megiddo, Gennezaret, Akšap, Šams'edom, Ta'nak, Miš'al, Šaruna, Tnnj (= Tenni Am. 260, 14, ALT, Z. Pal. Ver. 39, 1916, 264), Askalon, Chaşor »marjanna von Ẕahi«.
134 Ich zitiere nach der Ausgabe (Transkription und Übersetzung) von KNUDTZON (auch unter dem Titel: Vorderasiatische Bibliothek II), mit ausführlichen Anmerkungen von O. WEBER (abgeschlossen 1915). Hinzu kommen sechs weitere von THUREAU-DANGIN, Rev. d'Assyr. XIX 1922, 91ff., veröffentlichte Briefe.
135 Auf eine derartige Organisation auch in Aegypten selbst weisen die Skarabaeen von »Herrschern der Fremdvölker« mit semitischen und halbsemitischen Namen aus der Hyksoszeit hin (Bd. I,