Tag

[990] 1. Alen Doach hîsch, äs mäkest hîsch; un Sangtich hîsch, dâd äs hîsch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 368.


2. All Dag is ken Joarmarkt. (Strelitz.)


3. All Dage is kîn Sonndag (kîn Karkmess, sün kîn Fangeldage). (Oldenburg.)


4. All Doag wat Nîgs, mîn Doag nischt Gôds. (Pommern.)


[991] 5. All Tag voll und übersatt, all Wochen zwey mal im Bad machen endlich eine böse Hofstatt.Chaos, 209.


6. All tag wee, stirbt nimmermeh.Franck, I, 82b; Lehmann, II, 33, 19; Eiselein, 586.

Lat.: Multum decubare, et nunquam espirare. = Qui semper aegrotant, duitissime vivant.


7. Alle Dag um den Hêrd, ist des Sündags unwêrt (schämenswerth).Schütze, I, 199; Petri, II, 8; Körte, 5843.

Wenn ein Frauenzimmer ihren besten Kleiderstaat in der Woche am Herde aufschleppt, so hat sie Sonntags nichts Angemessenes anzuziehen.


8. Alle Tage ein ander Werk.

Lat.: Fininut pariter, renovant que labores gantur. (Sutor, 409.)


9. Alle Tage ein Fädlein ist ein Hemdsärmel im Jahr.

Holl.: Alle dagen een draadje is een hemdsmouw in het jaar. (Harrebomée, II, 112a.)


10. Alle Tage einen Faden, macht des Jahres ein Hemde.Masson, 219.


11. Alle Tage einen Stich macht das Jahr noch keinen Schuh.

Lat.: Otia dant vitia. (Chaos, 708.)


12. Alle Tage einmal, ist keine Qual.


13. Alle Tage findet sich bei einem alten Manne etwas Neues.


14. Alle Tage gleich satt, macht zuletzt eine wüste Hofstatt.


15. Alle Tage ist's nicht Feiertag, als für die Narren.


16. Alle Tage sing' und sage: Lob der Himmelskönigin.

Lat.: Omnia die, die Mariae. (Chaos, 503.)


17. Alle Tage voll macht das Haus leer.


18. Alle Tage was macht am Ende des Jahres einen Haufen.

Holl.: Alle dagen wat maakt aan het einde des jaars een grooten hoop. (Harrebomée, I, 112a.)


19. Aller Tage Abend ist noch nicht gekommen. Schottel, 1114a; Beyer, I, 83; Bücking, 110; Müller, 70, 4; Pauli, Postilla, 552a; Ramann, Unterr., III, 29; Siebenkees, 260; Lohrengel, I, 22; für Ostfriesland: Eichwald, 271; Kern, 1217.

Sagt man, wenn die Ausführung eines Geschäfts bezweifelt wird; es kann noch zu Stande kommen vor dem Jüngsten Tage. Auch: die Folgen seines leichtsinnigen oder sträflichen Wandels, die bisjetzt ausgeblieben sind, können immer noch kommen. Der letzte Tag ist noch nicht gewesen.

Böhm.: Však není ještĕ všem dním večer. (Čelakovsky, 195.)

Dän.: Alle dages aften er ikke endnu kommen. (Prov. dan., 17.)

Frz.: Le dernier jour n'est pas encore passé. – Nous ne sommes pas encore au bout de la piece.

Holl.: Aller dagen zon is nog niet onder. – Het is aller dagen avond niet. (Harrebomée, I, 112a u. 115a.)

It.: Non è ancor sera a Prato.

Lat.: Accidit in puncto quod non speratur. – Multa cadunt inter calicem supremaque labra. – Nescit quid serus vesper vehat. – Non dum omnium dierum sol occidit.

Schwed.: Alla dagars afton är icke kommen. (Grubb, 121.)


20. Am Dage hess du mi Swin un iek die Fiärken, dann könnt et Oawens de Lü nit miärken. (Iserlohn.) – Woeste, 77, 293.


21. Am guten Tage ein gutes Werk.

Frz.: A bon jour bonne oeuvre. (Cahier, 1184.)


22. Am guten Tage sei guter Dinge.Philippi, I, 226.


23. Am heiligen Tage soll die Arbeit ruhen.

Böhm.: V den svatý práce mají spáti. (Čelakovsky, 9.)


24. Am Jüngsten Dage gellet de Kauflad' so viel as 'ne Pistole. (Westf.)


25. Am jüngsten Tag wird Gott allen Blinden den Stahr stechen.Petri, II, 13; Henisch, 419, 62.


26. Am Jüngsten Tag wird offenbar, wer hie ein frommer Pilger war.Lehmann, II, 27, 44; Henisch, 380, 60; Chaos, 422; Körte, 5819; Sutor, 680.

Bei Tunnicius (706): To dem jungesten dage sal men wol sein, we gût is. (Quis bonus? aetherei sententia iudicis effert?)

Holl.: Men sal ten jonxten daghe wael sien, wie goet pelgherien is. (Harrebomée, I, 116b; Tunn., 18, 2.)

Lat.: Tempus iudicii vitam pandet peregrini. (Fallersleben, 491a; Sutor, 332; Loci comm., 61; Henisch, 380, 62.)


[992] 27. Am jüngsten Tag wirt mancher schawen, was er hie hab für bier gebrawen.Henisch, 374, 1; Simrock, 1077; Körte, 5816.


28. Am Jüngsten Tage gilt der Beutel so viel als das Geld. (Rott-Thal.)


29. Am Jüngsten Tage wird man sehen, wer den grössten Arsch hat.

Bei Tunnicius (727): Men sal wol sein, we den grotesten êrs heft. (Cui maior podex refert pars ultima vitae.)

Holl.: Men zal ten jongsten dage wel zien, wie den wijdsten aars heeft. (Harrebomée, I, 116b.)


30. Am Tag ein Betler, zu Nachts ein Dieb.Henisch, 693, 37; Petri, II, 14; Mathesy, I, 73b.


31. Am Tage der Schlacht marschirt alles nach dem Kanonendonner.

»Die alte Soldatenregel: Am Tage der Schlacht marschirt alles nach dem Kanonendonner, ist tief in das preussische Blut übergegangen.« (Wacht am Rhein, Leipzig 1870, Nr. 20, S. 211.)


32. Am Tage des Sieges lässt man sich keine Strapaze verdriessen.Burckhardt, 768.


33. Am Tage erleiert (erdreiert), des nachts verdreiert (verleiert).

Was man bei Tage mit der Leier verdient, das geht des Nachts wieder in den Wind.


34. Am Tage errungen, am Abend verschlungen.


35. Am Tage Licht ist Augengift. (Braunschweig.)


36. Am Tage siehst du nichts und in der Nacht schwatzest du. (Neugriech.)


37. An böse Tage denkt man länger als an gute.

Frz.: Memoire du mal alongue trasse memoire du bien tuntost passe.

Lat.: Maior longe ac diuturnior malorum quam bonorum memoria. (Bovill, II, 59.)


38. An die guten Tage soll man denken und die bösen überwinden.

Engl.: Think of ease, but work on. (Bohn II, 6.)


39. An einem schönen Tage muss man nicht ohne Mantel (Schirm u.s.w.) ausgehen.

Span.: El dia de calor, ese te arropa mejor. (Bohn I, 217.)


40. An einem sommerlangen Tage kann man viel sagen.


41. An guten Tagen sind Morgen und Abend nicht weit auseinander.

D.h. sie erscheinen kurz, vergehen schnell. Die Finnen drücken denselben Gedanken durch den sprichwörtlichen Wunsch aus: Lässt Gott denn alles kommen, ohne dass man seiner erwähne, weil im fröhlich erlebten Tage der Abend plötzlich da ist. (Bertram, 45.)


42. An heiligen Tagen wird man am meisten geschlagen.


43. Anderer Tag, andere Plag'. (Innsbruck.) – Frommann, VI, 35, 28.


44. Auch am längsten Tage sinkt die Sonne.


45. Auch der heutige Tag hat seinen Abend. (Lit.)

Darum säume nicht!


46. Auch die warmen Tage im Winter sind kalt, auch die kalten Tage im Sommer sind warm.Bertram, 80.


47. Auf den hellsten Tag folgt eine dunkle Nacht.Altmann VI, 449.


48. Auf den Jüngsten Tag wird eine Grafschaft so viel gelten als ein Fürstenthum.Sprichwörterschatz, 156.


49. Auf einen bösen Tag folgt selten eine gute Nacht.

Engl.: A bad day never hath a good nigth. (Bohn II, 5.)


50. Auf einen heitern Tag folgt oft eine trübe Nacht.

Böhm.: Co den, to radost, ale slz neubývá. – Den mrká nocí, a človĕk žalostí. (Čelakovsky, 181.)

It.: Per un giorno di gioia souvente se nè hà mille di noia. (Pazzaglia, 150, 3.)


51. Auf frohe Tage ein guter Trunk macht alte Leute wieder jung.

Holl.: Op blijde dagen malsche teugen kan 't hart van jong en oud verheugen. (Harrebomée, II, 328b.)


52. Auf gute Tag folgt grosse Plag.Chaos, 544.


53. Auff ein bösen Tag gehört ein guter Abendt.Lehmann, 813, 18; Lehmann, II, 30, 44.

Mhd.: Den swaeren tag er wol vertuot, der sich versiht, daz der âbent werde guot. (Rotenburg.) (Zingerle, 145.)

Dän.: Paa en ond dag hører en god aften. (Prov. dan., 17.)


[993] 54. Auff einen guten tag dancke Gott, einen bösen tag nimb auch fürlieb.Henisch, 645, 4.

Dän.: Paa den gode dag skal man tale og giøre godt. (Prov. dan., 103.)

55. Aus Tagen werden Wochen, Monate, Jahre. Simrock, 10083; Körte, 5824.


56. Bei guten tagen vnd wein wil das podagram sein.Franck, I, 57a; Petri, II, 43; Eyering, I, 194; Lehmann, II, 47, 19; Bücking, 195; Blum, 607; Bremser, 23; Simrock, 7957; Körte, 4823; Braun, I, 3336.

Will sagen: Das Podagra ist keine Krankheit gemeiner Leute, sondern vornehmer Herren. Aber es ist doch die Frage, ob das Wohlleben, d.i. ob die guten Tage allein und nicht auch die den guten vorausgegangenen bösen Ursache an der Erzeugung des Podagra sind.

Frz.: Goutte traeassée est à demi pensée.

Lat.: Ubi uber, ibi tuber. (Seybold, 620.)


57. Bei Tage braucht man kein Licht aufzustecken.Eiselein, 422; Simrock, 6382.

Lat.: Manifesta non egent probatione. (Binder I, 949; II, 1789; Philippi, I, 241; Seybold, 297; Sutor, 367.)


58. Benutze jeden schönen Tag, Spazierengehn ist keine Plag'.


59. Besser ein Tag bei einem Weisen als ein Jahr (auch: das ganze Leben) bei einem Narren.Winckler, XI, 34.

Lat.: Quod potest fieri pauciotibus, non debet fieri pluribus. (Chaos, 867.)


60. Besser einen Tag auf einem Pferde, als eine Woche auf einem Esel.

Holl.: Beter een half jaar op een goed paard gereden, dan zijn gansche leven op een' ezel. (Harrebomée, II, 160b.)


61. Besser zwei Tage zu früh als einen zu spät.

Holl.: Maai liever twee dagen te vroeg than one too laat. (Bohn I, 332; Harrebomée, I, 116.)


62. Beym Tag kauff ein Weib und ein Tuch, sonst kauffst du Reu und Fluch.

Lat.: Nec femina, nec pannus ad caudelam emendus est. (Chaos, 507.)


63. Binnen gebundenen Tagen darf man nicht schwören.Graf, 404, 31.

Während den Festzeiten und der Ernte, d.i. der gebundenen Tage, ruhte bei den alten Deutschen das Gericht; es durfte da kein Eid abgenommen und kein Urtheil verkündet werden. Unsere Gerichtsferien.

Mhd.: Binnen gebundenen dagen ne mut man nicht sweren. (Homeyer, Sachsenspiegel, II, 10, 3.)


64. Binnen gebundenen Tagen soll man nicht richten.Graf, 405, 32.

Weder ein Urtheil fällen noch verkünden.

Mhd.: Binnen gebundenen dagen ne mut man nicht dingen. (Homeyer, II, 11, 4.)


65. Da soll einer auf seine alten Tage noch sterben, sagte (klagte) Klaus.

Holl.: Lieve Huibert-oom, must gij op uwen ouden dag nog sterven. (Harrebomée, II, 116b.)


66. Daë sind der vïele, de Moalteien näu mêre. (Driburg.) – Firmenich, I, 362, 29.


67. Das ist ein guter Tag, an dem man sich eines Narren entblösst.Winckler, XI, 64.


68. Das ist kein schlimmer Tag, auf den eine gute Nacht folgt.

Engl.: It is never a bad day, that has a good night.


69. Dat hett de hêl (ganze) Dag all sô gân, sä(de) Anke Diedels, dô lêg (lag) se mit Appels in de Göte (Gosse, Rinne). (Ostfries.) – Eichwald, 308; Hoefer, 217.

Der Volksmund bezieht hier schelmischerweise den Ausruf der Anke D. auf das Liegen in der Gosse, obgleich sie wahrscheinlich dabei an einen ganz andern Umstand gedacht hat.


70. Dat ward en hêten Dag, sä' de Hex, da schull se brennen.Diermissen, 208.


71. Dat was 'n gôden Tog, säd' de oll Frû, un zoppt sich'n Kîwit ût'n Nôrs.Hoefer, 310.


72. Dat was 'n gôden Tog, säd Hans, un treckt de Brût 'n Täk (Holzbock) ût'n Nôrs.Hoefer, 210.


73. Dat werd alle Dage schlechter, se de Krey (Krähe), dar bröken se den Galgen aw. Globus, VIII.


74. Dat will (wird) 'n hêten Dag worden, sä de Snîder, do full he ut dat Bedd mit de Nêrs in de hête Rîsebrêpott.Kern, 368.


[994] 75. Dat will van Dage 'n hêten Dag worden, sä Revertôm, do stunn he um Middag up un stappde (trat) in de hête Rîsebrê.Kern, 368.


76. Dat will van Dage 'n hêten Dag worden, se(de) de ôld Wîf, as se verbrannt worden schull.Bueren, 287; Eichwald, 2054; Hoefer, 442b; Frommann, III, 431, 212; Hauskalender, II.

»Je crève de chaud, as the Spanish chesnut said, on being rousted.« (Hagen, 104, 28.)

Holl.: Dat zal van daag een heete dag zijn, zei Martje van Assen, on zij moest verbrand worden. (Harrebomée, I, 113a.)


77. De Dag will 'n Awend hebben. (Ostfries.) – Bueren, 114; Eichwald, 278; Frommann, III, 429, 243; Kern, 1214; Hauskalender, I.

Auch der längste Tag neigt sich endlich.


78. De Tage sind völ, man de Mahlen (Mahlzeiten) noch mehr. (Ostfries.) – Bueren, 302; Frommann, IV, 143, 358; Eichwald, 279; Hauskalender, I.


79. Dem längsten Tage folgt sein Abend.


80. Den ersten Tag ein Gast, den andern eine Last, den dritten stinkt er fast.Körte, 1777; Eiselein, 207; Simrock, 3042.

Engl.: Fresh fish and strangers stink in three days. (Gaal, 582.)

Frz.: L'hôte et le prisson, en trois jours sont poison.


81. Den ersten Tag gemäss, den andern Tag gefräss, den dritten voll und toll, thut der gantzen Aderlass wohl.

Lat.: Stans in punctura.


82. Den ersten Tag ist einer ein Gast, den andern eine Last, den dritten ein Stanck, den vierdten heisst es: eile wie ein Flüchtiger, den fünften: gehe, du Kahlkopf. (S. Fisch 50 und Gast 40-42.) – Gryphius, 35.

Es wird in der Räthselweisheit a.a.O. hinzugefügt: »Den sechsten wird der Wirth ungeduldig und bezeuget seinen Unwillen durch schelten und fluchen.«

Lat.: Piscis triduanus foetet.


83. Den ersten Tag mässig, den zweiten gefrässig, den dritten aber toll und voll, so geräth der Aderlass wohl.Bremser, 30; Pistor., II, 2; Simrock, 99; Schuppius, Schr., I, 913.

In der Schweiz: Der erst Tag g'mäss, der zweit Tag g'fräss, der dritt Tag voll, thuet der ganze Lüssi wol. (Sutermeister, 128.) Aus der Aderlassperiode. Unter Tag ist nicht gerade ein Zeitraum von vierundzwanzig Stunden zu verstehen. Der gesunde Mensch, von dem hier nur die Rede ist, wird durch den Aderlass geschwächt, muss also unmittelbar darauf sehr mässig leben, später bedarf er als Ersatz nährender Speisen; und um bald wieder Aderlassen zu können, muss er sich drittens toll und voll saufen.


84. Den guten Tagen der Freier folgen böse Nächte.

Holl.: Goede dagen van de vrijers worden gevolgd door kwade nachten. (Harrebomée, II, 114b.)


85. Den guten Tag muss man (erst) am Abend loben.Gaal, 6; Siebenkees, 259.

Es ist ein bemerkenswerther, in den Volkssagen oft wiederkehrender Zug, es dürfe niemand das Gefühl der Abhängigkeit von einer höhern Macht aufgeben, wenn er nicht sofort die Strafe seiner Ueberhebung empfinden wolle. Die Mythen von Prometheus und seinem morgenländischen Verwandten Satan, der Ring des Polykrates und alle Sagen vom Neide der Götter, der Ammenaberglaube, dass man Kinder nicht loben dürfe, ohne »unbeschrien« oder »Gott behüts« hinzuzusetzen sind, wie das vorstehende Sprichwort, sämmtlich aus derselben Quelle entsprungen.

Mhd.: Mer spräkt unde is ôk al ware, allen wärken werd lov gesägd in dem ende, also men se lägt. (Laiendocter, 32.) – Guoten tac man ze âbent loben sal. (Grimm, Freidank, XCVIII.) Vgl. ferner Haupt, III, 414, 81, Die verwandten Sprüche aus dem Havamal betreffend.

Dän.: En god dag skal man rose om aftenen. (Bohn I, 365.)

Engl.: Praise a fair day at night. (Gaal, 6; Bohn II, 91.)

It.: La vita il fine e'l di loda la sera. (Bohn II, 91.) – Non lodar il bel giorno innanzi sera. (Gaal, 6.) – Ogni giorno passa an giorno.

Lat.: Diem vesper commendat. – Nescimus, quid serus vesper vehat. (Seybold, 123 u. 344.)

Ung.: A' napot nem költtén, hanem esttén dicsérik. (Gaal, 6.)


86. Den heitern Tag soll man geniessen.

Span.: El buen dia, meterle en casa; pues mientras se rie, no se llora. (Cahier, 3252.)


[995] 87. Den hunnertsten Dag noa Nijoar is gued Flass säggen. (Westf.)


88. Den nägten (neunten) Dag krigen de jung'n Hun'n ok Ogen, säd de oll Scheper Köpk. Fr. Reuter, Stromtid, II, 110.


89. Den schönen Tag soll man am Abend und das Leben nach dem Tode loben.

Frz.: Loue le beau jour au soir, et la vie à la mort. (Cahier, 906.)


90. Den schönen Tagen und den lachenden Herren ist schlecht zu trauen.

Bei Tunnicius (1269): Den klaren dagen unde lachenden heren is quât to löven. (Ne credas Phobi radiis regique sereno.)

Lat.: Ridenti domino diffide poloque sereno. (Lib. Sent. bei Haupt, VI, 304.)


91. Den Tag der Ausfahrt kennen wir, nicht den der Einfahrt.Altmann VI, 395.


92. Denke an faule Tage und arbeite darauf los. Simrock, 10072; Körte, 5828.

Frz.: Ouvre la porte au bon jour et prépare toi au mauvais. (Körte, 5828.)


93. Der alle Tag lange Weil hat, der kan nit sagen, dass ihm das Leben zu kurz sey.

Lat.: Quatuor producunt loca obscura, quies folitaria, rumor despicibilis cogitatio debilis. (Sutor, 576.)


94. Der Dag sin vill, der hungrige Mohlzike noch mih. (Köln.) – Weyden, II, 8.


95. Der erst Tag en Gast, der zweit en Ueberlast, der dritt Tag en Unflôt, wenn er nid hei goht.Sutermeister, 126.


96. Der erste Tag ist der beste in der Ehe.

Dän.: Den første dag den beste, sagde manden om sin onde konen. (Prov. dan., 103.)


97. Der erste Tag nach der Hochzeit ist oft der letzte in der Liebe.

Lat.: Heu mihi, caecus amor subitam severit in iram. (Chaos, 62.)


98. Der erste Tag nach geschlossener Ehe ist der erste von langem Wehe.


99. Der folgende Tag ist des vergangnen schüler.Eyering, II, 449; Petri, II, 87.

Dän.: Den efter følgende dag er den foregaaendes discipel. (Prov. dan., 103.)


100. Der gestrige Tag ist hin, und der morgende soll noch kommen; heute muss man leben.

Die Finnen: Den gestrigen Tag haben wir überlebt, den heutigen bis auf jetzt, für den morgenden sorgt der liebe Gott. (Bertram, 52.)

Holl.: De dag van gisteren is verleden, de dag van heden wil dien wel besteden, de dag van morgen is verborgen, daarom wil altijd voor den dood zorgen. (Harrebomée, I, 113a.)


101. Der gestrige Tag kommt nicht wieder.

Lat.: Non potest dies esse saepius, qui semel fuit. (Philippi, II, 42.)

102. Der heutig Tag ist dess gestrigen junger. Henisch, 1575, 41; Lehmann, II, 63, 122; Simrock, 10071; Körte, 5832; Braun, I, 4386.

Lat.: Discipulus est prioris posterior dies. (Henisch, 1575, 42.)


103. Der heutige Tag muss beim gestrigen in die Lehre gehen.Dove, 284.

Das vergisst nur der, der alle Tage mehr zum Stümper wird, weil er sich für einen Meister hält.


104. Der ist der guten Tage nicht werth, der nie böse erlebt hat.


105. Der Jüngste Tag ist der des Todes.

Dän.: Enhvers yderste dag er naar han døer. – Vor døds-dag er vor doms-dag. (Prov. dan., 114.)


106. Der Jüngste Tag wird bald kommen, die Esel reden Latein.

Frz.: Le jour du jugement viendra bientôt, les ânes parlent latin. (Kritzinger, 416.)


107. Der kommende Tag ist schlimmer als der gehende.

Dän.: Den dag er være der kommer end gaaer. (Prov. dan., 103.)


108. Der lange Tag baut nicht viel Land, es thut's die rührige Hand.

It.: Il lungo giorno no, ma il cuor fa l' opera. (Bohn I, 102.)


109. Der längste Tag hat auch seinen Abend. Winckler, V, 398.

»Der längst tag hat endlich och seinen obend.« (Keller, 161b.)

[996] Engl.: The longest day must have an end. (Bohn II, 84.)

Frz.: Il n'y a si grand jour qui ne vienne pas a vêpres. (Bohn I, 26.)

Holl.: De langste dag heeft ook een avond. (Harrebomée, I, 113a.)

It.: Non vien di, che non venga sera.


110. Der letzte Tag ist der klügste.

Holl.: De laatste dag is de wijste. ( Harrebomée, II, 113a.)


111. Der morgende Tag für sich selber sorgen mag.

Frz.: Chaque demain apporte son pain. (Bohn I, 13.)

Holl.: De dag van morgen baart ook zien zorgen. (Harrebomée, I, 113.)


112. Der schlimmste Tag in der Woche ist der blaue Montag.Lohrengel, I, 157.


113. Der Tag, an dem man freit (Hochzeit macht), ist der letzte guter Zeit.


114. Der Tag bringt sein Brot.

Dän.: Hver dag kommer med sin føde. (Prov. dan., 103.)


115. Der Tag, den wir fürchten, kommt schnell; die Stunde, die wir ersehnen, langsam.


116. Der Tag der Arbeit, die Nacht dem Schlafe.Petri, II, 108.


117. Der Tag, der gut vergangen, kompt nicht böss wieder.Petri, II, 108.


118. Der Tag des Unglücklichen ist lang, aber er hat auch ein Ende.Altmann VI, 422.


119. Der Tag geht hin, auch wenn man ihn verschläft.

Dän.: Dagen gaaer mens doven sover. (Prov. dan., 522.)


120. Der Tag hat Augen, die Nacht hat Ohren.

Am Tage sieht, in der Nacht hört man besser.


121. Der Tag ist der Menschen, die Nacht der wilden Thiere.Petri, II, 107.


122. Der Tag ist längst verbracht, an dem wir unser Schwein geschlacht't.

Dän.: Den dag er ganget som geden var feed. (Prov. dan., 103.)


123. Der Tag ist mein, sagte der Hahn zur Fledermaus, was soll dir der Tag!


124. Der Tag kommt, an dem die Kuh den Schwanz bedarf.

Dän.: Den dag kommer vel, at kœn haver sin hale behov. (Bohn I, 352.)


125. Der Tag kommt nie zu spät, der was Gutes in sich hat.


126. Der Tag kommt, wenn auch der Hahn nicht kräht.

Dän.: Det bliver vel dag om end hanen ei galer. (Bohn I, 358.) – Han tager dagen som han kommer. (Prov. dan., 103.)


127. Der Tag kommt zum Abende, das Jahr zum Ende. (Lit.)


128. Der Tag macht die Menschen sehend und die Fledermaus blind.

So bessert der Tadel die Guten und verschlimmert die Bösen.


129. Der Tag nimmt zu: Weihnachten einen Hahnenschrei, heiligen drei Könige einen Hirschensprung, Lichtmess eine ganze Stund'. (Henneberg.) – Unterhaltungen am häusl. Herd, Dritte Folge, II, 988; Frischbier2, 1449.

Pisanski sagt in seinen Nachträgen gegenüber der Form: »Der Tag hat einen Hahnenschritt zugenommen, das soll eigentlich heissen: ›Hahnenschricht‹, d.i. Geschrei. Die Dauer eines Hahnenschreis ist aber nicht der Zeitraum, den das einmalige Kikiriki ausmacht, sondern der, den der ganze Schrei ausfüllt, der aus sechs bis acht Kikirikis mit kleinen Zwischenpausen besteht. Der Hahn pflegt um Mitternacht zwischen 1 und 2 Uhr seinen ersten Ruf erschallen zu lassen, dann ruft er sechs bis zehnmal Kikiriki, das ist der erste Hahnenschrei. Der Hahnenschrei wiederholt sich während des übrigen Theils der Nacht noch drei- bis viermal, fast regelmässig alle Stunden bis bei Tagesanbruch der letzte erfolgt.«


130. Der Tag spottet der Nacht.


131. Der Tag vernichtet das Wort (Versprechen) der Nacht.Burckhardt, 561.

Von denen, die bei den Festen und Gelagen der Nacht viel versprechen, und am Morgen nichts davon wissen mögen.


132. Der Tag verrets all.Franck, I, 35a; Petri, II, 108; Simrock, 10084; Körte, 5834.

Ung.: Az idó mindent vilá gossá gra hoz.


[997] 133. Der Tag wächst von Weihnacht bis Neujahr so weit als die Mücke gähnt, von Weihnacht bis zum heiligen Dreikönigsfeste so weit als der Hahn schreitet, und von da bis Lichtmess so weit der Hirsch springt.

So lautet der Spruch in Oberösterreich und ist hier nicht von einem Hahnenschrei, sondern von einem Hahnenschritt die Rede. (Vgl. Baumgarten, Progr., 3.)


134. Der Tag weiss nicht, was die Nacht bringen wird.

Engl.: The day knows not, what de night may bringforth.


135. Der Tage sind viel im Jahr und der Mahlzeiten noch mehr.

»Ist das Sprichwort hie in Sachsenland.« (Pauli, Postilla, 365b.)

Dän.: Aaret er langt og maalene mange. – Der er mange dage i aaret og end flerer maaltider. (Bohn I, 356.) – Fleere ere dave end trave. (Prov. dan., 107.)


136. Der vergangene Tag kommt nicht zurück.

Die Armenier: Mit dem vergangenen Tage kann sich kein anderer vergleichen. (Ausland, 1871, 404b.)


137. Dertig Dagen hêft November, Juni, April en September, achtentwing ên allên, all de reste dertig en ên. (Münsterland.) – Archiv, 48, 365.


138. Des Tages ein Brötlein gespart, macht des Jahres etliche Säcke Mehl.


139. Des Tages zweimal essen, des Nachts zweimal pissen, in der Woche zweimal lieben und des Jahres zweimal lassen (aderlassen, arzneien) erhält die Gesundheit.

Dän.: To gange om dagen spijse, to gange om natten pisse, to gange om ugen elske, to gange om aaret bruge lægedom, er suudt. (Prov. dan., 217.)


140. Det sen de Däch, dä mer net gefalen, hat der Salomo gesôt. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 564.

141. Die alle tag feyren, fragen nicht nach dem Sonntag.Henisch, 1090, 92; Petri, II, 122.


142. Die sich des Tages zanken, lecken sich des Nachts.Masson, 233.

»Die sich des Tages zanken, liegen des Nachts auf einer Banken


143. Die sich dess tags nagen, ligen dess Nachts vnter einem plagen.Gruter, III, 22; Lehmann, II, 72, 76 u. 85, 177.


144. Die sick dess Dages haggen, die liggen dess nachtes vnder den plaggenn.Tappius, 110b; Lange, 166; Schiller, III, 4b.


145. Die Tage folgen einander wohl, aber sie gleichen einander nicht.

Frz.: Le jours se suivent pas à pas, mais ils ne se ressemblent pas. (Gaal, 1780; Lendroy, 1309; Leroux, I, 69; Bohn I, 35; Kritzinger, 403a.)

Lat.: Dies quandoque parens, quandoque noverca. (Binder I, 323; II, 770; Philippi, I, 118; Seybold, 123; Sutor, 373.)


146. Die Tage sind Brüder, aber selten ist einer dem andern gleich.


147. Dieser Tag ist ein Festtag, sprach der Jude, als man seiner Hülfe bedurfte.Burckhardt, 78.

Von Ungefälligen und allen denen, die sich jeden Dienst theuer bezahlen lassen.


148. Drai Dage nigge (neu), drai Dage oalt hiät de Moane (Mond) noh kaine Gewoalt. (Iserlohn.) – Firmenich, III, 184, 2; Woeste, 59, 16.

Holl.: De eerste dag zeg niets, te tweede dag zeg iets, de derde dag zegt meer, de vierde zet het weêr. (Harrebomée, I, 113a.)


149. Drei Dage vöer un drei Dage noa Johannesdag sind de Kamillen am besten. (Westf.)


150. Drey Tag seynd dem Menschen: gestern, heunt und morgen; thut er aber heut nit Buss, so ist gestern verloren und morgen.

Lat.: Tempora labuntut, tacitisque senescimus annis et fugiunt froena non remorante dies. (Chaos, 1010.)


151. Du bist brav drei Tage, heute ist der letzte.


152. Dünn Dâg an mie, morgen an die. (Waldeck.) – Curtze, 352, 473.

Lat.: Hodie mihi, cras tibi.


153. E jêd Dâch bräinjt det Seinje. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 791.


[998] 154. E jêd Dâch huot seinj Plôch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 790.


155. E jêd Dâch huot seinjen Ôwent. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 715a.


156. E jêd Dâch kos Gielt. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 787.


157. Eh dann drey tag vergehen bloss, wer man offt gern fisch vnd geste loss, vorauss wenns nicht gut g'saltzen seind, oder sonderlich liebe freund.

Lat.: Post tres saepe dies, piscis uilescit, et hospes, ni sale conditus sit, uel specialis amicus. (Loci comm., 87.)


158. Ein ander Tag, ein ander Plag'.

Lat.: Finiunt periter, renovatque dolores. (Sutor, 409.) – Ipsa dies quandoque parens quandoque noverca est. (Gellius.) (Chaos, 1014; Eiselein, 586; Seybold, 260.)


159. Ein einziger Tag im Leben eines Weisen ist mehr werth als das ganze Leben eines Thoren.

Inschrift im ägyptischen Palast der wiener Weltausstellung. Die Russen: Man lernt mehr, wenn man einen Tag mit den Weisen verkehrt, als wenn man ein Jahr unter den Narren zubringt.

Engl.: One day of a wise man is worth the whole life of a fool.


160. Ein guter Tag fängt des Morgens an.Eiselein, 586; Simrock, 10059; Winckler, II, 37; Braun, I, 4371.

Auch die Serben in der Herzegowina sagen: Den guten Tag kennt man am Morgen. (Hausfreund, XV, 495, 20.) Was etwas Vorzügliches, Tüchtiges werden soll, kündigt sich schon zeitig (in der Jugend) an. In Tula heisst es vollständiger: Die schlechten Tage fangen schon mit der Nacht an, die guten erst mit dem Morgen. (Altmann VI, 469.)

It.: Il buon di si conesce da (cominciada) mattina.


161. Ein guter Tag ist heute besser als ein paar versprochene in später Zeit.

Holl.: Een goede dag van heden is beter dan twee, die nog moeten volgen. (Harrebomée, II, 114a.)


162. Ein guter Tag kostet oft hundert böse Nächte.Winckler, IV, 82.

Lat.: Dives eram dudum, fecerunt me tria nadum, alea, vina venus, tribus sum factus egenus. (Chaos, 1090.)


163. Ein guter Tag vertreibt zehn schlechte.


164. Ein heiterer Tag vertreibt viel trübe.

Nämlich aus dem Gedächtniss, er macht, dass wir sie vergessen.

Holl.: Een heldere dag verdrijft vele donkere dagen. (Harrebomée, I, 114a.)


165. Ein heller Tag vertreibt viel finster Wolcken.Petri, II, 197; Henisch, 1105, 46.

Holl.: Enen claren dach verdrijft vele vuulder daghen. (Tunn., 12, 52.)

Lat.: Una serena dies multarum nubula pellit. (Fallersleben, 348.)


166. Ein ieder Tag hat sein lieb vnd leid.Gruter, I, 26.


167. Ein jeder Tag hat seine (eigene) Plag. Matth. 6, 34; Schulze, 190; Zehner, 427.


168. Ein jeder Tag hat seinen Abend.

Frz.: Il n'y a si long jour, qui ne vienne à la nuit. (Kritzinger, 402b.)

Holl.: Elk dag heeft genoeg aan zijn eigen kwaad. (Harrebomée, I, 114a.)


169. Ein klarer Tag vertreibt viel düstere Wolken.Simrock, 10073; Körte, 5829.

Bei Tunnicius: Een klâr dach vordryvet vele düstere wolken. (Fulva dies unus multorum nubila pellit.)

It.: Chi ha un giorno di bene, non ha tutto l'anno male.


170. Ein kurzer Tag erlöst oft von langer Plag'.

Lat.: Dolorem longa consumit dies. (Faselius, 67.)


171. Ein rauher Tag macht noch den Winter nicht.

Holl.: Eén gure dag makt nog geen' herfst. (Harrebomée, II, 1145.)


172. Ein schöner Tag hat auch ein Abent.Lehmann, 708, 65.


173. Ein schöner Tag macht keinen Sommer. Winckler, VII, 98; Henisch, 847, 42; Sutor, 986.

Holl.: Eén schoone dag maakt geen' zomer. (Harrebomée, I, 114a.)


174. Ein Tag bringt, was ein gantz Jar weigert. Lehmann, 257, 4 u. 743, 2.

Holl.: Enen dach verlenet, dat een heel jaer weighert. (Tunn., 12, 21; Harrebomée, I, 114a; Bohn I, 312.)

Lat.: Sepe dat una dies quod totus denegat annus. (Fallersleben, 347.)


[999] 175. Ein Tag des Weisen ist besser als das ganze Leben eines Narren.Winckler, XV, 61.

Lat.: Tanto brevius tempus, quanto felicius. (Chaos, 1012.)


176. Ein Tag folgt dem andern.Petri, II, 229; Henisch, 1171, 38.

Holl.: De eene dag is bij den anderen gelegd. – De eene volgt den anderen, maar zij gelijken niet op elkanderen. (Harrebomée, II, 113a.)

It.: Un giorno guida l'altro. (Pazzaglia, 150, 6.)


177. Ein Tag geht zum andern zu Gaste (Tische).

It.: Un giorno insegna l'altro. (Pazzaglia, 182, 1.)


178. Ein Tag gewonnen, ist oft ein Jahr gewonnen.

Holl.: Een dag vorst maakt dikwijls een jaar voorst. (Harrebomée, I, 114a.)

179. Ein Tag in Gesundheit ist viel.Burckhardt, 781.


180. Ein Tag ist des andern Schüler (Schulknabe).Eiselein, 586; Sailer, 278; Simrock, 10070; Egenolff, 185.

It.: Del primo giorno scolare è il secondo. (Pazzaglia, 138, 9.)

Lat.: Discipulus est prioris posterior dies. (Publ. Syr.) (Seybold, 548; Sutor, 981.) – Senesco semper multo addiscens. (Eiselein, 586.)


181. Ein Tag ist des andern Schul(Lehr-)meister.Petri, II, 229; Winckler, VII, 99.

Die Russen: Jeder Tag lernt vom vorigen. (Altmann VI, 492.)


182. Ein Tag ist doppelt weit für den, der alles thut zu rechter Zeit.

Frz.: Un jour en vaut deux pour qui chaque chose en son lien. (Bohn I, 62; Cahier, 308.)


183. Ein Tag ist keine Ewigkeit.

Böhm.: Jeden den není svĕt. (Čelakovsky, 195.)


184. Ein Tag ist oft voll Glück und Freud' und wieder oft voll Schmerz und Leîd.Seybold, 260.

185. Ein Tag jagt (vertreibt) den andern.Petri, II, 229; Lehmann, 809, 14.

»Es gehn alle ding in einem Circkel vmb, eins treibt das ander, ein Tag jagt den andern, der Winter den Früling, der Früling den Sommer u.s.w.; so kombts widerumb, vnnd ist nichts beständig in allen Creaturen vnnd Hausshaltungen.«

It.: Il giorno insiste al giorno. – Ogni dì ne va un di.

Lat.: Truditur dies die. (Horaz.) (Philippi, II, 224.)


186. Ein Tag kann bringen, was dem Jahr nicht mag gelingen.

Lat.: Accidit in puncto, quod non speratur in anno.


187. Ein Tag kann bringen, was ein Jahr nicht bringen mag.Braun, I, 4371.


188. Ein Tag lehret den andern, ein Tag urtheilt vom andern, der letzte von allen.Eyering, II, 122; Lehmann, II, 131, 192-193; Schottel, 1115b; Eiselein, 586; Gaal, 1494; Körte, 5833; Braun, I, 4380.

Dän.: Den eene dag lærer den ander. (Prov. dan., 102.)

Holl.: De eene dag leert den anderen. – De eene dag zegt den anderen niet. (Harrebomée, I, 118a.)

Lat.: Dies diem docet. (Binder I, 321; II, 769; Coler, 299b; Egeria, 46; Philippi, I, 118; Seybold, 123; Schonheim, D, 9; Sutor, 981.) – Unus non alium vetus annus non docet annum. (Sutor, 748.)

Schwed.: En dag lärer den andra. (Rhodin, 49; Grubb, 194.)

Ung.: Egyik nap a másiknak mestere. (Gaal, 1494.)


189. Ein Tag lehret immer den andern.Petri, II, 229; Oec. rur., 610; Coler, 299b; Winckler, XV, 14; Simrock, 10968.


190. Ein Tag leihet wol, das ein gantz Jahr wegert.Petri, II, 229; Simrock, 10075; Körte, 5835.

Bei Tunnicius (475): Ein dach vorlênt wol dat ein hêl jár weigert. (Praestat saepe dies, annus quod ferre recusat.)


191. Ein tag leitet den andern.Coler, 413a.


192. Ein tag lobet oder schilt den andern, aber der letzt lobet oder schilt sie alle.Henisch, 632, 63.


193. Ein Tag mit Druck und Pein kann morgen besser sein.

Holl.: Een dag van druk en pijn kan morgen anders zijn. (Harrebomée, I, 114a.)


194. Ein Tag nach dem andern, bis die Kuh kalbt.

Böhm.: Den za dnem přijde i Jiřího den; jenom že mnoho nedĕl dotud. (Čelakovsky, 199.)


195. Ein Tag ohne Brot ist lang.

Frz.: C'est un long jeur qu'un jour sans pain. (Bohn I, 12.)


196. Ein Tag und eine Nacht wissen mehr als alle Bücher sagen.Altmann VI, 586.


[1000] 197. Ein Tag vergeht nach dem andern, bis der letzte kommt.

In der Herzegowina: Tag für Tag vergeht, bis der letzte hinter der Thüre steht. (Hausfreund, XVI, 519, 75.)


198. Ein Tag verschoben, wird oft ein Jahr verschoben.Körte, 5836.

Holl.: Dachvorst wort dic wael jaervorst. (Tunn., 6b, 4.)

Lat.: Quando dies unus differtur sepe fit annus. (Fallersleben, 164.)


199. Ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag.2 Petri 2, 8; Schulze, 292.


200. Ein tag vrtheylt vom (richtet den) andern, der letztst von jn allen.Franck, I, 159a; Gruter, I, 7.

Dän.: Den eene dag dømmer om den anden, og den sidste om den alle. (Prov. dan., 103.)

It.: Un di giudica l'altro, l'ultimo tutti. (Pazzaglia, 151, 15.)


201. Ein Tag zeigt an, wer sey der Mann.Petri, II, 229.


202. Ein yglicher tag hat sein eygen vbel.Agricola I, 650; Gruter, I, 25; Egenolff, 252a.

Seine eigene Sorge, Plage u.s.w.

Holl.: Elke dag brengt zijne zorgen mede. (Harrebomée, I, 114a.)

Lat.: Velis, nolis, ubique sequitur puti. (Chaos, 725.)


203. Einem guten Tage muss man die Thür öffnen und den bösen erwarten.

It.: Al buon giorno apri la porta et apparecchiata per il tristo. (Pazzaglia, 150, 8.)


204. Einem Tag mit Ueberfluss, folgen viel an dem man darben muss.

It.: Per un giorno di gioja n' abbiamo mille di noja. (Cahier, 2939.)


205. Einen bösen Tag muss man mit bösem Kraute (Arznei) vertreiben.


206. Einen schönen Tag lobt man am Abend und eine gute Frau am Morgen. (Oberlausitz.) – Steiger, 17.


207. Einen Tag gehts einem wohl, dem andern übel.


208. Einen Tag vor seinem Tode soll man Busse thun.

Dän.: Gjør penitentse en dag for døden. (Prov. dan., 454.)


209. Einen Tag, welcher nicht dir gehört1, rechne nicht zu deinem Leben.Burckhardt, 754.

1) Den du nicht in unbeschränkter Freiheit geniessen, nicht nach Wunsch und Willen verleben kannst.


210. Eines Tages Frist ist wol eines Jahres Frist.


211. Eines yglichen iungster tage ist, wenn er stirbt.Agricola I, 710; Lehmann, II, 133, 15.

212. Einmal am Tage ordentlich gegessen, ist besser als alle Abende geplatscht.


213. Einn guten (schönen) tag sol man auff den Abend loben.Petri, II, 180; Lehmann, 172, 2 u. 921, 24; Eyering, II, 92 u. 561; Schottel, 1144a; Hofmann, 36, 131; Mayer, I, 193.

Mhd.: Guoten tac man zâbende loben sol. (Laurin.) – Man sol den tac niht gar volloben, die wîl noch eine stunde er hât, er sî dan vollebraht; sô wirt er denne geprîset. (Frauenlob.) (Zingerle, 145.)

Dän.: Smukke dage man skal love om aftenen og smukke qvinder om morgenen. (Prov. dan., 515.)

Lat.: Finis docet, principium fuisse bonum. (Chaos, 790.)


214. Em säl den hîschen Dâch nit fír em Owent lîwen. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 705.


215. Ên Dag in de Wêke mutt man vör Schelm un Dêfe mit arbei'n.Eichwald, 280; Kern, 306.

Das ist freilich schlimm; aber es würde gar mancher sehr zufrieden sein, wenn es bei dem Einen Tage bliebe.


216. Es bietet ein Tag, was oft ein Jahr nicht bieten mag.Eiselein, 578.

Lat.: Praestat saepe dies, annus quod ferre recusat. (Binder I, 1389; II, 2639; Philippi, II, 205; Seybold, 454.)


217. Es fugt nicht jeder Tag jedem Werck. Petri, II, 245.


218. Es geht alles übel, was man des heiligen Tags gewinnt.

Bei Tunnicius (973): It vart al ovel, dat men des hilligen dages wint. (Illico vanescit lucratum tempore festo.)


219. Es gibt nicht jeden Tag eine Bratgans.

Dän.: Der kommer ikke hvert aar hevalf til lande. (Prov. dan., 353.)

Holl.: Daar zijn meer dagen dan sau cîjzen. (Harrebomée, I, 112b.)


[1001] 220. Es gibt (kommen) Tage, die nicht sind wie andere Tage.

Dän.: Der kommer en tid, der ikke kommer altid. (Prov. dan., 353.)


221. Es hat gar mancher heitere Tag einen trüben Abend.Cahier, 2084.


222. Es ist all tag jagtag (Fischtag), aber nit all tag fahetag.Franck, I, 81a; Schottel, 1119b; Egenolff, 340a; Körte, 5823; Braun, I, 4378.


223. Es ist alle Tage der dritte Theil der Welt feil.Pistor., VII, 9.


224. Es ist alle Tage gut Geld einnehmen.Pistor., X, 18.


225. Es ist genug, das ein jeder Tag sein eigen plag habe.Henisch, 830, 36.

Engl.: Sufficient for the day is the evil there of.


226. Es ist kein Tag (im Jahr), er bringt seinen Abend mit sich.Lehmann, 922, 62; Gaal, 5; Sailer, 62; Simrock, 10061.

Mhd.: Na tage volget je de nacht. (Sachsenspiegel.) (Zingerle, 145.)

Holl.: Geen dag, die niet zijn' avond heeft. (Harrebomée, II, 112b.)

It.: Non vien dì, che non venga sera. (Bohn I, 115; Gaal, 5.) – Ogni di vien sera. (Bohn I, 116.)

Port.: Não há dia sem tarde. (Bohn I, 285.)


227. Es ist kein Tag, er hat sein Nacht, also ist kein freud ohne leid.Lehmann, 211, 48.

Die Finnen: Es ist kein Tag so lang, dass der Abend nicht kommt. (Bertram, 41.)


228. Es ist kein Tag im Jahr, er kommt.Bücking, 315.


229. Es ist kein Tag so lang, es wird wol wieder Nacht.Petri, II, 270.

Frz.: Il n'est si grand jour, qui ne vienne à vespre. (Cahier, 907.)


230. Es ist kein Tag so schön, man sieht ein Wölkchen gehn.


231. Es ist kein Tag so werth (heilig), das Feuer brennt auf dem Herd.

Dän.: Det er aldrig saa helligt, at gryden man jo syde. (Prov. dan., 279; Bohn I, 116.)


232. Es ist keiner vmb eines tags oder jahrs willen an ein stecken gebunden.Gruter, III, 34; Lehmann, II, 155, 145.


233. Es ist lange tag biss dass endlich abend wirt.Henisch, 888, 62.


234. Es ist nicht alle Tage Fastnacht.

Holl.: Het is alle dagen geen vastenavond. (Harrebomée, I, 115a.)

Dän.: En skjøn dag skal man rose om aftenen. (Prov. dan., 103.)

Lat.: Est, qui me genuit, sine me nec nascitur ipse. (Chaos, 1012.)

Schwed.: Aldrig är dagen så lång, att ej aftoven kommer. (Wensell, 6.)


235. Es ist nicht alle Tage Festtag (jüdisch: Jontef).Tendlau, 754.

Es ist nicht alle Tage Fest, dass wir immer Confect essen könnten, sagen die Perser, weil es Brauch der Mohammedaner ist, an den grossen Festen mit Confect und Zuckerwerk zu bewirthen und zu beschenken. Die Letten sagen bescheidener: Es ist nicht alle Tage Brottag. Und: Nicht alle Tage bäckt die Mutter Kuchen. Die Südslawen: Nicht jeder Tag ist Christtag. Auf der pyrenäischen Halbinsel heisst es: Es ist nicht alle Tage Weinlese. In der Herzegowina sagt man: Wäre jeder Tag Christtag, so wäre keine Eiche ganz, alle würden zu Weinachtsklötzen entzwei geschnitten werden. Es ist nämlich bei allen Serben griechischen Glaubens Brauch, dass jede Familie am heiligen Abend einen grossen Klotz unter besondern Ceremonien holt und anzündet, der das ganze Weinachtsfest über brennen muss. Haüfig nimmt man auch zu Ehren der Dreieinigkeit Gottes statt des einen Klotzes drei, und zu allen Klötzen wählt man am liebsten das Holz der Eiche.

Frz.: Coc chante ou non viendra le jour. (Leroux, I, 110.)

Holl.: Het is niet alle dag feestdag. (Bohn I, 324.)

It.: Non ogni parola, vuol risposta. – Ogni di non è festa. (Bohn I, 113 u. 116.)


236. Es ist nicht alle Tage Jagdtag.

Dän.: Det er ei hver dag bage-dag. – Det er ei hver dag græven jager. (Prov. dan., 44.)

Holl.: Het is alle dagen neen jaag-dag. (Harrebomée, II, 114b.)


237. Es ist nicht alle Tage Kirmess.Petri, I, 273; Eiselein, 578.

Holl.: Het is alle dagen geene kermis, al dansen de poppen. (Harrebomée, I, 115a.)

Schwed.: Alla dagar äro icke bakedagar. (Wensell, 6; Grubb, 346.)


[1002] 238. Es ist nicht alle Tage Markt.

Man muss die Gelegenheit benutzen.

Lat.: Fluvius non semper fert secures. (Gaal, 662.)


239. Es ist nicht alle Tage Sonntag.

Frz.: Ce n'est pas tous les jours fête. (Gaal, 1411; Lendroy, 730.)

It.: Ogni di non è festa. (Gaal, 1411; Pazzaglia, 129, 4.)


240. Es ist nicht aller tag nacht.Hauer, Kiij3; Masson, 235.


241. Es ist nicht ein Tag wie der andere.

Dän.: Stor forskiel paa en dag og anden. (Prov. dan., 103.)

It.: Non sono uguali tutti il giorni. (Pazzaglia, 150, 2.)


242. Es ist nicht gleich Tag, wenn auch ein Vogel zwitschert.

Schwed.: Det är icke straxt dager, nār en fogel quittrar. (Grubb, 80.)


243. Es ist nicht immer Tag, wenn der Hahn kräht.

Holl.: Als men den haan hoort kraaijen, moet men altijd niet gelooven, dat het dag is. (Harrebomée, I, 255.)


244. Es ist (noch) nit aller tag (Heiligen) abendt.Franck, I, 77b; II, 84b u. 95b; Egenolff, 90a u. 334b; Eyering, I, 495; II, 560; Gruter, III, 34; Petri, II, 276; Henisch, 632, 66; Lehmann, II, 136, 55 u. 156, 156; Kloster, VIII, 366; Simrock, 17; Latendorf II, 10; Braun, I, 4368.

Lat.: Finem vitae especta. (Franck, I, 74b; Hauer, Kiij3.) – Non amplius anthesteria. (Philippi, II, 31.) – Nondum omnium dierum sol occidit. (Livius.) (Binder I, 1161; II, 2254; Seybold, 366; Sutor, 974.)


245. Es ist so lange Tag, biss dass es endlich Abend wird.Petri, II, 277.


246. Es ist Tag, so lange die Sonne scheint.


247. Es ist zu langsam, den Tag von gestern hervorzurufen.Winckler, IV, 8.


248. Es kommt alles an den Tag.Simrock, 10085; Braun, I, 4375; für Waldeck: Curtze, 353, 479.

Lat.: Sol omnia aperit. (Seybold, 575.)


249. Es kommt der Tag, an dem die Kuh ihren Schwanz bedarf.

Dän.: End kommer den dag, at kœn har sin hale behov. (Prov. dan., 103.)


250. Es kommt für alles ein zahlender Tag. Wurth, 78.

Die Vergeltung bleibt nicht aus.


251. Es kompt alles ann tag, was mann vnder den schne verbirgt.Franck, II, 33b; Tappius, 240b; Egenolff, 145a; Gruter, I, 36; Petri, II, 282; Henisch, 290, 69; Simrock, 10086; Körte, 5818; Gaal, 1498.

»Es kommt alles an den Tag, was unter Schnee verborgen lag.« (Seybold.) »Es kompt offt gar viel an den tag, das vnderm schnee verborgen lag.« (Morssheim, Spiegel des Regiments.)

Böhm.: Vyjde dílo na bílo.

Engl.: At last all things come to be known. – At length innocence comes to be known.

Frz.: Il n'y a rien de si caché que le tems ne decouvre. (Kritzinger, 673a.)

Holl.: Het breekt al uit (komt weêr boven), wat onder de sneeuw verborgen is. ( Harrebomée, II, 278b.) – 'T komt al voor den dag, wat verborgen lag. (Harrebomée, II, 116b.)

It.: Non fu mai fatta liscia di notte, che non si asciugasse di giorno. – Quel che si fa all' oscuro, apparisce al sole.

Lat.: Ibyci grues. (Frob., 476; Seybold, 350.) – Nihil opertum, quod non reveletur. (Binder I, 1116; II, 2079; Seybold, 250.) – Sub nive quod legitur, cum nix perit, omne videtur. (Binder I, 1687; II, 3223; Gartner, 145; Seybold, 584; Philippi, II, 203.) – Tempus omnia revelat. (Tappius, 239b.)

Serb.: Dože delv na vidélo. (Skola, 149.)


252. Es liegt am Tage wie der Bauer an der Sonne.


253. Es sind der Tagu vil und der Malu no meh.Sutermeister, 145.


254. Es sind nicht alle Tage Feiertage.


255. Es sind nicht alle Tage gleich.

Holl.: Alle dagen zijn niet gelijk. ( Harrebomée, I, 112a.)


256. Es soll kein tag hin gon, daran nit sei etwas thon.Franck, II, 41b.

Lat.: Nulla dies abeat, quin linea ducta supersit. (Binder I, 1225; II, 2279; Buchler, 85.)


257. Es vergeht kein Tag, an dem man nicht älter werden mag.

D.h. an seiner Kraft oder Jugendschönheit Einbusse erleiden muss.

Lat.: Florem decoris singuli carpunt dies. – Singuli dies aliquid subtrahunt viribus. (Seneca.) (Seybold, 186 u. 564.)


[1003] 258. Es volgen ymmerzu böser tag.Franck, I, 51a; Henisch, 1171, 40; Petri, II, 245.


259. Es wird doch Tag, wenn auch der Hahn nicht kräht.Lehmann, 920, 28; Eiselein, 586; Simrock, 10860; Körte, 5842; Braun, I, 4372.

Holl.: Hoewel men den haan niet hoorde kraajen, zal het toch wel dag worden. (Harrebomée, I, 278b.)

Schwed.: Dagen kommer wäl, fastän icke hanen gal. (Wensell, 13; Grubb, 79.)


260. Es wird nicht eher Tag, auch wenn die Vögel singen.

Dän.: Det er ikke dag førend fugl sinuger, uden det er kragen. (Prov. dan., 206.)


261. Es wird noch einmal ein Tag kommen, an dem meine Rache wird genommen.

Frz.: Un jour viendra qui n'est venu, que je mordrai qui m'a mordu. (Kritzinger, 402b.)


262. Et äs net aller Doag Seangtog (Sonntag). (Siebenbürg.-sächs.) – Frommann, V, 177, 199.


263. Et es alle Dage niene Kiärmisse. (Iserlohn.) – Woeste, 72, 170.


264. Et es nich alle Tage Hochtît. (Lippe.)

Es ist nicht alle Tage Hochzeit.

Frz.: Tous les jours ne sont pas noces.

265. Et es nit alle Dags Kirmess. (Köln.)


266. Et giet van Dage 'n heten Dag, hedde de Häckse sacht, as se verbrannt wären soll. (Grafschaft Mark.) – Woeste, 63, 34.


267. Et is kein Dag în'n Jâre, hei kümt.Schambach, II, 139.


268. Et is nach nit oller Dâge Owend. (Waldeck.) – Curtze, 353, 483; für Köln: Firmenich, I, 475, 189; für Holstein: Schütze, I, 12; hochdeutsch bei Mayer, I, 218; Sailer, 230; Körte, 5817.

Der Abend des letzten der Tage ist noch da, sagt man, um auszudrücken, dass noch erfolgen könne, was bisher nicht erfolgt ist, dass die letzte Folge einer Handlung noch nicht eingetreten sei.


269. Et is nit alle Dage Kattenkearmiss. (Büren.)


270. Et kit ales en Dâch. (Siebenbürg.-sächs.) – Schuster, 634a.


271. Et ward all' Dag slimmer, säd' de Krei, as man den Galgen arbrük. (Hildesheim.)


272. Et ziemt nit alle Dage Broatbearen. (Westf.)


273. Eth is noch nicht aller daghe auendt gefyret.Tappius, 106a u 140a; für Hannover: Schambach, II, 99.


274. Fanget de Dage an to lengen, dann fanget se euk (auch) an to strengen. (Marsberg.) – Firmenich, I, 320, 1; für Lippe: Firmenich, I, 274; für Köln: Firmenich, I, 472, 37.


275. Fragt nicht nach dem gestrigen tag.Hauer, M.


276. Fûle Dâge sint swâr to drâgen.Schambach, II, 170.


277. Gedenck an den Tag, den niemand meiden mag.Lehmann, 172, 6; Lehmann, II, 224, 17; Masson, 331; Simrock, 10076; Sutor, 498.

Dän.: Tank paa den dag som ingen kand undgaae. (Prov. dan., 102.)

Frz.: Nous mourons tous les jours. (Masson, 311.)

Holl.: Denk om den dag dien niemand kan ontgaan. (of voorbig mag). (Harrebomée, II, 113a.)

Lat.: Memento mori. (Masson, 331.) – Respice principium potius sed prospice finem, coelum suspiciens, despiciensque solum. (Chaos, 789.)


278. Go'n Dag, harr de Voss seggt, do harr he in'n Gôskâb'n (Gänsekoben) kêk'n.Frommann, V, 429, 300; Eichwald, 2000; Hoefer, 367.


279. Guete Tag, biisst eue Hund händ er au b'bache? seit d' gattiker Vree, und thuet 's Neujohr aweusche.Sutermeister, 40.


280. Gut tag fallen einen, so mans nit tregt, darnüder.Franck, I, 66b.

Lat.: Bona nisi sustineantur, cadunt ut opprimant. (Franck, I, 66b.)


281. Gut tag kan niemandt tragen.Gruter, I, 46; Petri, II, 366; Schottel, 1122b.

Holl.: Dagen van weelde zijn zorgelijker en zwarder te dragen dan kwade dagen. (Harrebomée, I, 312b.)


282. Gut tag wöllen starck beyn haben.Franck, I, 71b; Lehmann, II, 233, 192; Latendorf II, 14; Mayer, II, 199[1004] ; Blum, 415; Bücking, 27; Gaal, 1501; Rugenroth, 1, 8; Simrock, 10056; Braun, I, 4369; Dove, 383.

Glück und Wohlleben machen leicht übermüthig. »Alles in der Welt lässt sich ertragen, nur nicht eine Reihe von guten TagenPolen und Russen meinen zwar: Viel Gutes langweile nicht.

Böhm.: Dobré bydlo rohy má. – Kdo chce dobré bydlo snésti, musí silné nohy míti. – Má chléb rohy. – Rohy v čás štĕstí příliš rostou. – Všecko človĕk snáze strpí, nežli dobré bydlo. (Čelakovsky, 152.)

Dän.: Der høre stærke been til at bære gode dage. (Prov. dan., 307.) – Gode dage starke beene. (Prov. dan., 103.)

Holl.: De goede dagen kan men allerminst verdragen. (Harrebomée, I, 213a.)

It.: Ogni cosa si supporta eccetto il buon tempo. (Gaal, 1501.)

Lat.: In magna fortuna minima est licentia. – Non facile est aequa commoda mente pati. (Gaal, 1501.)

Schwed.: Goda dagar behöfwer starka been. (Grubb, 258.)


283. Gut tag zu tragen müssen starck beyn sein.Egenolff, 135b.


284. Gute Tage fordern Schweiss.

»Ein jeder strebt nach guten Tagen, doch wil niemandt die arbeit wagen, damit man dazu kommen mucht. Denn was durch ander wege sucht vnd mit müssig gehn erlangen, bleibt offt auff halbem weg behangen, das auch die Zimmerleut an jn setzen, welch d Bindaxt auff den Dachern wetzen.« (Waldis, VI, 58.)


285. Gute Tage, gute Werke.

Frz.: A bon jour bonne oeuvre et bonnes paroles. (Leroux, I, 68; Bohn I, 8.)

Holl.: Op goede dagen doet men goed werke. (Harrebomée, II, 117a.)

Span.: En buen dia buenas obros. (Bohn I, 221.)


286. Gute tage kosten gelt.Henisch, 396, 6; Petri, II, 366; Simrock, 10058; Körte, 5822; Körte2, 7291; Braun, I, 4376.

Dän.: Gode dage koster penge. – Hvo der vil have en good kaal, faaer at koste den. (Prov. dan., 245.)

Holl.: Goeden dag en goeden avond kosten geen duizend pond. (Harrebomée, I, 114b.)

Schwed.: Goda dagar kosta mynt. (Grubb, 262.)


287. Gute Tage machen keine Christen.Henisch, 603, 18.


288. Gute Tage machen zerrissene Schuhe und Löcher in den Beutel.

Lat.: Cum fatuis chari pueri nolite jocari. (Sutor, 289.)


289. Gute Tage nehmen das Herz hin.Körte, 5821.


290. Gute Tage sind wol anzunehmen, wer sie haben kann.Petri, II, 366.


291. Gute Tage stehlen das Herz.Simrock, 10057; Sailer, 156.


292. Gute Tage werden den Regenten wol gesaltzen.Petri, II, 366.


293. Guten Tag, Bruder, sagte der Krebs zum Seiler, wir gehören beide zur Fortschrittspartei.


294. Guten Tag, Bruder, sagte der Wolf zum Schuster, wir verzehren beide Fleisch und Leder.


295. Guten Tag lass ein, der böse folgt wol ohn' Herein.

Frz.: Ouvre la porte au bon jour, et prinieres-toi pour le mauvais.


296. Guten Tag miteinander, sagte der Bauer zum Feldhüter und dessen Hunde.

Holl.: Goeden dag zaâm, zei de boer tegen den veldwachter en zijn hond. (Harrebomée, I, 114b.)


297. Guten Tag zusammen, sagte der Fuchs, als er in den Gänsestall kam.

Scherzend von denen, die unter dem Schein der Freundschaft ihre schlechten Zwecke zu erreichen streben.

Holl.: Goeden dag, a allen, zei de vos, en hij kwam in het ganzenhok. (Harrebomée, I, 114b; Bohn I, 320.)


298. Guten Tagen ist niemand feind.Henisch, 1053, 50; Petri, II, 364.


299. Guter Tage gewohnt man bald.Petri, II, 365; Mathesy, 359a.

Die alten Römer behaupten das Gegentheil, sie sagen: Bonarum rerum consuetudo pessima. (Publ. Syr.) (Philippi, I, 62.)


300. Guter Tage wird man bald müd.Petri, II, 365.


301. Hat wârt an hiaten Dâi, sâd jü Wüf, jü skul brândwês. (Amrum.) – Haupt, VIII, 360, 144; Johansen, 151.

Es wird ein heisser Tag, sagte die Frau, sie sollte verbrannt werden.


302. Heisse Tage, schwere Wetter.


[1005] 303. Heller Tag und scharfe Augen macht guten Kauf.

Schwed.: Ljus dag och klaar ögon gjöra bästa kjöpet. (Grubb, 404.)


304. Heut' ist ein guter Tag, sagte der Junge, die Mutter kocht keinen Kohl und der Cantor hält keine Schol'.

Holl.: Kool is kost, zei de jongen, mijn moêrtje kookt ze zeven maal in eene week. (Harrebomée, I, 433b.)


305. Heut' ist mein Tag und anderer Leute Helle, sagt der Schwabe an seinem Namenstage. (Wurmlingen.) – Birlinger, 484.


306. Hüt gift'n heiten Dag, sär dei Hex, da süll sei brennen. (Mecklenburg.) – Raabe, 785.

Der Kladderadatsch (1872, S. 87) parodirt das Sprichwort in folgender Weise, um die Verfolgung der beiden freisinnigen Geistlichen Lisco und Sydow seitens der buchstabengläubigen Fanatiker zu geiseln: »Heut' wird's warm, sagt Sydow zu Lisco, da brannten sie schon auf dem Scheiterhaufen

Holl.: Het zal van dag een warme daag voor ons zijn, zei de eene dief tegen den anderen, en zij zouden gegeeseld en gebrandmerkt worden. (Harrebomée, I, 115a.)


307. In alten Tagen regnete es Manna, jetzt nicht einmal Pumpernickel.

Dän.: I gamle dage gjorde de pølse i torski mave nu er verden vendt omkring nu gjøre de pølse i aalerskind. (Prov. dan., 215.)


308. In den kurzen Tagen kann man nicht an alles denken, sagte die Magd, als sie das Aufstehen vergessen hatte.

Holl.: De dagen zijn zoo kort, zei schipper Geert, dat men alles niet onthouden kann, en hìj had zijne boodschap vergeten. (Harrebomée, I, 211.)


309. In zwei Tagen thut man mehr als an einem.


310. Ist der Tag auch noch so lang, dennoch kommt der Abend.Simrock, 10062; Körte, 5825.

Die Zeit heilt jeden Schmerz.

Engl.: Be the day never so long, at bength cometh evensong. (Bohn II, 84.) – The longest day must have an end. (Gaal, 4.)

Frz.: Il n'y a point de si long jour, que la nuit ne le suive. (Gaal, 4.) – Il n'est si grand jour qui ne vienne au vespre ni temps, qui ne prenue fin. (Masson, 327.)

It.: Non vi è si lungo giorno, che non lo segua la notte. (Gaal, 4.) – Ogni di vien sera.

Lat.: Mors ultima linea rerum.

Schwed.: Aldrig är dagen så lång, att inte aftonen kommer. (Marin, 4.)


311. Je besser der Tag, je besser sei das Werk.

Engl.: The better day, the better deed. (Bohn II, 84.)

Frz.: A bon jour bon oeuvre.

Lat.: Dicenda bona sunt bona verba die.


312. Je heiliger der Tag, desto ärger ist der Teufel.

An den heiligsten Tagen werden oft die ärgsten Bubenstücke verübt.

Frz.: Au bonnes fêtes les bons coups.


313. Je kürzer die Tage, desto länger die Nächte.


314. Je länger de Dag, je köerter de Fam (Fäden). (Westf.)

In Franken: Wi lönger d'r Tôg, wi körzer 's Trumm (Stück, Faden). (Frommann, VI, 325, 378.)


315. Je länger de Tag, je schönder de Lüde. Lohrengel, I, 413; Schambach, II, 281.


316. Je länger der Tag, je kürzer der Faden. Blum, 295; Eiselein, 587; Simrock, 10082; Boebel, 97; Körte, 5844; Braun, I, 4373.

Weil, je kürzer die Abende werden, auch desto weniger gesponnen wird, da man meist bei Lampenlicht spinnt.

Dän.: Jo længere dag jo stækkere traad, thi der spindes mindst om sommeren. (Prov. dan., 102.)

Schwed.: Ju längre dag, ju stäkre tråd. (Grubb, 405.)


317. Je läng'r d' Dag, je kört'r de Fäöm. (Altmark.) – Danneil, 260.


318. Je schöner der Tag, je schöner das Werk.

Port.: Em bons dias, boas obras. (Bohn I, 276.)


319. Jedem ist sein Tag bestimmt.


320. Jeder Tag bricht ein Blum von der schönheit, darumb hat sie kein bestandt.Lehmann, 706, 39.


321. Jeder Tag bringt neue Lehr'.

Neue Erfahrungen, Gelegenheit etwas zu lernen, verständiger zu werden.

Lat.: Discenti assidue multa senecta venit. (Binder I, 340; Philippi, I, 121; Seybold, 129.)


322. Jeder Tag bringt sein Brot.

Schwed.: Hwar dag får sin föda. (Grubb, 356.)


[1006] 323. Jeder Tag bringt seinen Abend.

Dän.: Dagen er aidrig saa lang at aften maa vi jo vente. – En hver dag har sin aften. – Hver dag haver sin nat, hver glæde sin sorg. (Prov. dan., 102.)

Frz.: A chacun jour son vespre. – Nul jour sans soir. (Leroux, I, 68 u. 69.)

It.: Non vien di che non venga sera.


324. Jeder Tag gebiert mir, was ich nicht mag.


325. Jeder Tag hat sein eigen Uebel (seine Plage). Agricola I, 655; Lehmann, 920, 32; Eiselein, 586; Simrock, 10066; Körte, 5826; Mayer, II, 158; Braun, I, 4379.

In Hannover: Jeder Tag het sine Last (oder: Plage). (Schambach, II, 62.) »Jeder Tag hat seine Plage und die Nacht hat ihre Lust.« (Goethe.)

Dän.: Det er nok at hver dag haver sin egen plage. – Lat hver dag have sin egen plage. (Prov. dan., 102 u. 319.)

Frz.: A chaque jour sa peine. – A chaque jour suffit sa peine. (Bohn I, 2; Masson, 326.) – A chaque jour suffit son mal. (Gaal, 1493; Lendroy, 1385.)

Lat.: Nulla dies moerore caret. (Seneca.) (Altdorf, 59; Binder I, 2226; II, 2280; Gaal, 1493; Sutor, 1001; Seybold, 387; Philippi, II, 50; Masson, 326.)

Schwed.: Hwer dag haar sin plåga. (Grubb, 346.)


326. Jeder Tag hat sein Lieb und sein Leid. Sutor, 277; Körte, 582; Simrock, 10067.

Holl.: Elke dag heeft zijn lief een leed. (Harrebomée, I, 114a.)


327. Jeder Tag hat sein Werk (Geschäft, seine Arbeit u.s.w.).

Schwed.: Hwar dag har sin sysla. (Grubb, 356.)


328. Jeder Tag hat seine Farbe.Gaal, 1495.


329. Jeder Tag hat seinen Abend, jeder Hof seinen Verräther.

Frz.: A châque jour son vêpre et châque cour son traitre. (Kritzinger, 402a.)


330. Jeder Tag ist dem Narren ein Festtag.


331. Jeder Tag ist ein Bote Gottes.Altmann VI, 461.

332. Jeder Tag ist ein Faden zum Sterbekittel. Masson, 331.


333. Jeder Tag ist eine Treppe hinunter zum Tode.


334. Jedet Dak het sîn Ungemak. (Neumark.) – Engelien, 219, 77.


335. Jeglicher Tag ist eine Stufe niedergestiegen zum To