Artikel in der Wikipedia: Düsseldorf
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465. Düsseldorf.
465. Düsseldorf.

[472⇒] Düsseldorf, Hauptstadt des Reg.-Bez. D. (5473 qkm, 2.599.806 E., 26 Kreise, darunter 10 Stadtkreise) der preuß. Rheinprovinz, an der Mündung der Düssel in den Rhein, (1900) 213.711 E., Garnison, Oberlandes-, Land-, Amtsgericht, Reichsbankstelle, Oberpostdirektion, Handels-, Handwerkerkammer, königl. Kunstakademie, 2 Gymnasien, Realgymnasium, Oberreal-, 4 höhere Mädchenschulen und Lehrerinnenseminar, städtische Bildergalerie, Kupferstich-, Antikenkabinett, Histor. Museum, Sternwarte; bedeutende Industrie (Walzwerke, Eisenbahnwagen, Dampfkessel, Gießerei, Weberei, Spinnerei, Gerberei, Färberei, Mostrich-, Likör-, Punschfabriken) und Handel, Schiffahrt. D., 1288 zur Stadt erhoben, Residenz der Herzöge von Jülich, Cleve und Berg, kam nach deren Aussterben (1609) an Pfalz-Neuburg, 1806-14 Hauptstadt des Großhzgts. Berg, seitdem preußisch. – Vgl. »Geschichte der Stadt D.« (1888), »D. und seine Bauten« (1904). [⇐472]

Quelle: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 472.
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[312⇒] Düsseldorf (hierzu der »Stadtplan«), Hauptstadt (Stadtkreis) des gleichnamigen Regierungsbezirks in der preuß. Provinz Rheinland, ehemals des Herzogtums Berg, liegt in einer fruchtbaren Ebene am rechten Ufer des Rheins, an der Mündung der Düssel, 50 m ü. M., und besteht aus der Altstadt, dem ursprünglichen D. mit engen, unregelmäßigen Straßen, der Karlstadt, der Neustadt, der Friedrichsstadt, der Königstadt, Pempelfort, Unterbilk, Oberbilk, Flingern, Derendorf und acht Außenortschaften.

Wappen von Düsseldorf.
Wappen von Düsseldorf.

Unter den öffentlichen Plätzen sind bemerkenswert: der Alle Markt, seit 1711 mit der kolossalen bronzenen Reiterstatue des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz (modelliert von Grupello) geschmückt, der Schwanenmarkt mit Springbrunnen, der Maxplatz mit der 1873 errichteten Mariensäule, der Kirchplatz mit Fontäne, der Corneliusplatz mit dem Corneliusdenkmal und Springbrunnen, der Schadowplatz mit dem Schadowdenkmal, der Wilhelmsplatz am Bahnhof, der Graf Adolf-, Königs-, Schiller- und Frankenplatz; mit Ausnahme des letztern sind alle mit Anlagen versehen. An neuen Denkmälern hat die Stadt ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. (modelliert von Janssen), ein Bismarckdenkmal (von Rötger), ein Moltkedenkmal (von Tüshaus u. Hammerschmidt), ein Kriegerdenkmal (von Hilgers) und Standbilder Immermanns und Mendelssohns. Unter den 37 gottesdienstlichen Gebäuden (26 katholische, 9 evangel ische und eine Garnisonkirche, außerdem eine Synagoge) sind die St. Lambertspfarrkirche mit 58 m hohem Turm und Mausoleum des Herzogs Wilhelm IV. (auf dem Piedestal, von acht Löwen umgeben, ruht die Marmorstatue des Herzogs), die schön gebaute, aber mit Zierat überladene Andreaskirche (ehemals Jesuiten- und Hofkirche, von 1620) mit der Fürstengruft, die Maximilianskirche mit schönen, neuen Fresken, die angeblich im 8. Jahrh. gegründete, jetzt restaurierte romanische Martinskirche, die neue gotische Marienkirche, die romanische Rochuskirche, die mit schönen Fresken ausgemalte Friedenskirche und die romanische Johanniskirche hervorzuheben. Die bemerkenswertesten weltlichen Gebäude sind: das Regierungsgebäude (ehemals Jesuitenkollegium), das Postgebäude im italienischen Palaststil, das Rathaus (auf dem Alten Markt, 1567 erbaut), das Landgerichtsgebäude, die städtische Tonhalle mit drei großen Festsälen, das Künstlerhaus Malkasten, das Stadttheater, das Provinzialständehaus in reichem italienischen Renaissancestil, die Kunstakademie im strengen Renaissancestil, die Kunsthalle, die Kunstgewerbeschule, das Kunstgewerbemuseum, das historische Museum etc. Die Zahl der Einwohner betrug 1780: 8000, 1816: 26,655, 1900: mit der Garnison (ein Füsilierregiment Nr. 39, ein Husarenregiment Nr. 11, ein Ulanenregiment Nr. 5 und eine reitende Abteilung Feldartillerie Nr. 7) 213,711 Seelen, davon 59,964 Evangelische und 2131 Juden. Die Industrie ist bedeutend. D betreibt großartige Maschinenfabrikation, Metall- und Eisengießerei, Puddel-, Eisen- und Röhrenwalzwerke, Lokomotiven-, Dampfkessel- und Eisenbahnwagenbau, Metallwarenfabrikation, Kammgarn- und Baumwollspinnerei [⇐312][313⇒] und -Weberei, Druckerei, Türkischrotfärberei etc., ferner Fabrikation von Farben, Möbeln, Pianofortes, Papier, Zündhütchen und Patronen, Heizungs- und Ventilationsanlagen, Leder, chemischen Artikeln etc., Glasschleiferei, Bierbrauerei, photographische und lithographische Anstalten, Dampfsägemühlen, Dampfmühlen für Getreide und Farbholz, bedeutenden Obst- und Gemüsebau etc. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Börse, eine Börsenvereinigung für den Kolonialgroßwarenhandel, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1902: 2029 Mill. Mk.), durch die Landesbank der Rheinprovinz und andre Bankinstitute, mehrere Konsulate etc., ist bedeutend als Speditionshandel in Getreide, Hülsenfrüchten, Kolonialwaren etc. Mit fünf Bahnhöfen ist D. Knotenpunkt der Staatsbahnlinien D.-Hagen-Soest, Köln-Duisburg, D.-Neuß, D.-Löttringhausen, Speldorf-Mülheim a. Rh. und andrer Linien; für den Betrieb der Dampfschiffahrt auf dem Rhein, für die ein großartiger Rheinhafen mit Speichern etc. seit 1896 besteht und seit 1902 eine dem Schnellverkehr dienende Werft mit Kasematten eröffnet worden ist, ist D. Sitz der Dampfschiffahrtsgesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein und der Niederrheinischen Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft. Es besteht direkte Verbindung (außer mit den Rheinhäfen) mit London, Hull, Bremen, Hamburg, Lübeck, Kiel, Kopenhagen, Riga, Reval, St. Petersburg und italienischen Häfen. Der Schiffsverkehr belief sich 1900 auf 7465 beladen ein- und abgegangene Schiffe mit 620,301 Ton. Gütern. Mit der Eisenbahn wurden 1901: 2,935,000 T. Güter befördert. Elektrische Bahnen vermitteln den Verkehr in der Stadt und mit der Umgebung. Unter den Bildungsanstalten nimmt die 1767 vom Kurfürsten Karl Theodor gestiftete und 1822 vom König Friedrich Wilhelm III. erneuerte Kunstakademie den ersten Rang ein. Die früher hier befindliche Gemäldegalerie, 1690 von dem Kurfürsten Johann Wilhelm gestiftet, ward 1805 nach München gebracht, nach dem Kriege von 1866 von Preußen zurückgefordert, aber 1871 freiwillig an Bayern überlassen. Nur ein Meisterwerk, Rubens' Himmelfahrt Mariä, ist in D. geblieben. Eine städtische Gemäldegalerie (seit 1846) enthält meist Gemälde neuerer Düsseldorfer Künstler. Die Stadt hat außerdem eine Sammlung von 248 Aquarellnachbildungen der wichtigsten Werke der italienischen Malerei von J. A. Ramboux, der Akademie gehört eine Sammlung von etwa 15,000 Handzeichnungen und 80,000 Kupferstichen sowie von Gipsabgüssen antiker Skulpturen. Sonstige wissenschaftliche und gemeinnützige Anstalten sind: die Sternwarte Bilk (s. d.), ein Botanischer Garten (s. unten), eine Landesbibliothek von 50,000 Bänden (1770 vom Kurfürsten Karl Theodor gestiftet), ein Staatsarchiv, ein Kunstverein, ein historisches Museum (vorzugsweise lokalen Charakters), ein Gewerbemuseum, ferner ein königliches und ein städtisches Gymnasium, letzteres mit Realgymnasium, ein Reformrealgymnasium, Oberrealschule, Realschule, Kunstgewerbeschule, Konservatorium für Musik, 2 Theater, Bezirksirrenanstalt, Korrektionshaus, 16 Krankenanstalten etc. Von Behörden haben ihren Sitz in D.: die Regierung, die Provinzialverwaltung der Rheinprovinz, die Provinzialfeuersozietät, die Landesversicherungsanstalt, eine Generalkommission, ein Landgericht, eine Oberpostdirektion, ein Hauptsteueramt, ein Landratsamt; ferner der Stab der 14. Division, der 28. Infanterie- und der 14. Kavalleriebrigade. Die städtischen Behörden bestehen aus dem Magistrat (11 Mitglieder) und 36 Stadtverordneten. Die städtischen Einnahmen betrugen 1901: 60,9 Mill., die Ausgaben 60 Mill. Mk.; einer Schuld von 51,3 Mill. steht ein Vermögen von 76,5 Mill. Mk. gegenüber. Der schönste und besuchteste unter den zahlreichen Spaziergängen in und um D. ist der Hofgarten mit dem Botanischen Garten, dessen westliche Fortsetzung nach dem Rhein der Kaiser Wilhelm-Park (Platz der Gewerbeausstellung von 1902) bildet. Am Ende des Hofgartens, im Stadtteil Pempelfort, steht der Jägerhof, ein königliches, von schöner Gartenanlage umgebenes Schloß. Des Schriftstellers Jacobi Haus und Garten in Pempelfort ist Eigentum des Künstlervereins »Malkasten« (s. d.). Im O. der Stadt liegt der Zoologische Garten mit prächtigen Anlagen, im S. der Floragarten, im SW. der Volksgarten. Im frühern Dorf, jetzt Stadtteil Derendorf im N. wohnten eine Zeitlang Immermann und die Gräfin Ahlefeld. Im NO. liegen Düsselthal, mit einer vom Grafen von der Recke 1819 angelegten Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder im ehemaligen Trappistenkloster, und Grafenberg, mit schöner Aussicht am Stadtwalde. Hier ist auch der Ostpark und eine Villenkolonie. In D. wurden die Dichter und Schriftsteller Joh. Georg und Fr. Heinrich Jakobi, Varnhagen v. Ense und Heinr. Heine, die Maler Peter v. Cornelius u. Peter v. Heß geboren.

Geschichte. D. wird urkundlich zuerst 1159 erwähnt, ward 14. Aug. 1288 vom Grafen Adolf von Berg nach der Worringer Schlacht zur Stadt erhoben und 1348 die Residenz der spätern Herzöge von Berg. 1377 wurde der Rheinzoll von Duisburg nach D. verlegt, und 1465 erhielt die Stadt einen Freihafen, der erst 1827 aufgehoben wurde. Nach dem Aussterben des jülich-bergischen Regentenstammes (1609) wurde D. zunächst von spanischen Truppen besetzt, fiel nach Beilegung des Erbfolgestreits mit Jülich-Berg an Pfalz-Neuburg und ward Residenz dei Pfalzgrafen, die 1685 Kurfürsten von der Pfalz (s. d.) wurden. Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz gründete die Neustadt, Kurfürst Karl Theodor aus der Linie Pfalz-Sulzbach die Karlstadt und errichtete die Malerakademie, die Landesbibliothek, eine Rechtsschule und eine anatomische Lehranstalt. Seit 1732 befestigt, ward die Stadt im Siebenjährigen Kriege 1757 von den Franzosen besetzt und 1758 vom Herzog Ferdinand von Braunschweig eingenommen, jedoch bald wieder verlassen. 1795 wurde sie nach einem heftigen Bombardement den Franzosen übergeben und blieb in deren Besitz, bis sie im Frieden von Lüneville 1801 an Bayern zurückgegeben wurde, worauf die Schleifung der Festungswerke erfolgte. 1806 ward sie Hauptstadt des Großherzogtums Berg und kam mit diesem 1815 an Preußen. 1880 und 1902 fanden rheinische Industrie- und deutsche Kunstausstellungen in D. statt. Vgl. »Geschichte der Stadt D.« (Festschrift, Düsseld. 1888); Ferber, Historische Wanderung durch die alte Stadt D. (das. 1889–90); Clemen, Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 3, Heft 1: Stadt und Kreis D. (das. 1894); Meydenbauer, Die Stadt D. und ihre Verwaltung (das. 1902); Brandt, Studien zur Wirtschafts- u. Verwaltungsgeschichte der Stadt D. im 19. Jahrh. (das. 1902); Lokalführer von Bone, Hofacker u.a.

Der Regierungsbezirk D. (s. Karte »Rheinprovinz«), der nördlichste Teil der Rheinprovinz, hat 5473 qkm (99,40 QM.), zählt (1900) 2,599,806 Einw. (475 auf 1 qkm), darunter 1,075,107 Evangelische, 1,489,715 Katholiken und 17,664 Juden, und besteht aus den 26 Kreisen: [⇐313]

Tabelle

[314⇒] Zum Landgerichtsbezirk D. gehören die zwölf Amtsgerichte zu: D., Gerresheim, München-Gladbach, Grevenbroich, Krefeld, Neuß, Odenkirchen, Opladen, Ratingen, Rheydt, Ürdingen und Viersen. – Über die zwölf Reichstagswahlkreise des Regierungsbezirks s. Karte »Reichstagswahlen«. [⇐314]

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 5. Leipzig 1906, S. 312-314.
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[427⇒] Düsseldorf, 1) Regierungsbezirk der preußischen Rheinprovinz, umfaßt bei einer Größe von 1001/3 QM. die ehemaligen deutschen Reichslande: das Herzogthum Cleve, Geldern, das Fürstenthum Mörs zum größten Theile, sowie Theile des Erzstiftes Köln, die Herzogthümer Jülich u. Berg, die geistlichen Stifter Essen, Werden u. Elten, nebst den Herrschaften Broich, Styrum, Hardenberg, Bedbur-Dyk, Wickerad u. Mylendonk; ist auf dem linken Ufer des Rheines eben u. fruchtbar, auf dem rechten Ufer zum Theil Gebirgs-, zum Theil Hügelland, welches am rechten Ufer der Lippe in Flachland übergeht; bewässert wird das Land durch den Rhein u. dessen Nebenflüsse, die Wupper, Erst, Ruhr, Emscher u. Lippe, ferner durch die Niers, einen Nebenfluß der Maas. Dem rechten Rheinufer entlang zieht sich bis Duisburg die Köln-Mindener, von dort bis zur holländischen Grenze die holländische Eisenbahn; auf dem linken Rheinufer liegt die Köln-Crefelder u. die Düsseldorf-Aachener Bahn; in 58 Städten, 24 Flecken u. über 1200 Dörfern u. Weilern wohnen 1,017,500 Einwohner, wovon 3/4 Katholiken, die übrigen, bis auf wenige Juden, Protestanten sind; in Fabrikdistricten, bes. im Wupperthale, sind übrigens fast alle protestantischen Secten vertreten. Die Industrie ist in außerordentlicher Blüthe, namentlich die Fabrikation von Seide, Baumwolle, Wolle, Stahl u. Eisen u. der Steinkohlenbergbau in dem mächtigen Steinkohlenbecken des Ruhrthals. Eintheilung: die Kreise D., Duisburg, Rees, Elberfeld, Lennep, Solingen, Grevenbroich, Neuß, Gladbach, Crefeld, Kempen, Geldern, Cleve u. Mörs; 2) der Kreis D. ist 71/2 QM. groß, 85,560 Ew.; 3) Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirkes am Rhein, über welchen eine Schiffbrücke führt, wird von zwei Armen der Düssel, unter dem Pflaster der Stadt her durchströmt; zerfällt in vier Stadttheile (Altstadt, Karlsstadt, Friedrichsstadt u. Neustadt) u. hat 45,000 Ew., wovon 7000 Protestanten u. gegen 600 Juden, die anderen Katholiken sind. Außer einigen krummen u. engen Straßen in den ältesten Stadttheilen, zeichnet sich die Stadt durch schöne gerade Straßen, darunter bes. die Alleestraße, aus. Auf der Landseite umziehen die Stadt Promenaden, welche, an die Stelle der ehemaligen Festungswerke getreten, sich im Nordosten (Hofgarten, an dessen Ende das Schlößchen Jägerhof, bis 1848 Residenz des Prinzen Friedrich von Preußen, gegenwärtig vom Fürsten Anton von Hohenzollern-Sigmaringen bewohnt) u. im Süden der Stadt zu Parkanlagen verbreitern. Eine Vorstadt D-s, mit der Neustadt fast verschmolzen, ist das südlich davon gelegene Dorf Bilk. Altstadt u. Karlsstadt mit dem Karlsplatz, Schwanenmarkt u. Exercierplatz liegen innerhalb des ehemaligen Festungsgrabens, welcher, von der Düssel bewässert, an mehreren Stellen zu Teichen erweitert ist. Der neueste Stadttheil, die Friedrichsstadt vor dem Karlsthore, hat erst wenige Straßen, darunter die Königsallee. D. ist Sitz der Regierung, des Divisionscommandos, Land- u. Friedensgerichts, Oberpostamts, Hauptsteuer- u. Rheinzollamts, Handels- u. Gewerbegerichts, der Handelskammer u. Salzfactorei. An öffentlichen Denkmälern besitzt die Stadt zwei Statuen des Kurfürsten Johann Wilhelm: die eine aus Marmor, im Hofe der Kunstakademie, die andere, eine eherne Reiterstatue, auf dem Marktplatze. Wissenschaftliche u. Kunstanstalten: die Kunstakademie, welcher D. seinen Ruf verdankt, befindet sich in dem neuerbauten Flügel des alten Schlosses; dieses war ehedem die Residenz der Grafen von Berg, der Herzöge von Jülich, Cleve, Berg u. später der Kurfürsten, 1758 wurde es von den Hannoveranern bombardirt u. 1794 durch ein abermaliges Bombardement von den Franzosen zertrümmert. Der linke Flügel gehörte ursprünglich nicht zum Schlosse, sondern wurde im Jahre 1710 von Kurfürst Johann Wilhelm zur Aufnahme einer Gemäldegallerie erbaut. Diese Gallerie, welche die Landstände später noch durch Ankäufe von Originalzeichnungen, Kupferstichen etc. bereicherten, bildete die Grundlage der von dem Kurfürsten Karl Theodor 1777 gestifteten Malerakademie. Im Jahre 1805 wurde die Gallerie der Kriegsunruhen wegen nach München transportirt u. die Akademie, welche auch nach dem Frieden ihrer Kunstschätze beraubt blieb, gerieth fast gänzlich in Verfall, bis die preußische Regierung 1820 Cornelius zur Regeneration der Anstalt nach D. berief. Erst unter dessen Nachfolger, Wilhelm von Schadow, seit 1826, nahm indeß die Kunstschule den Aufschwung, welcher sie zu einer epochemachenden Erscheinung in der modernen Kunstgeschichte erhob (vgl. Deutsche Kunst, auch Malerei [Gesch.]). Mit der Akademie verbunden ist ein Antikencabinet u. die Rambouxsche Sammlung von Aquarellzeichnungen im neuen Ständehause, zu welchem ein anderer neu erbauter Theil des Schlosses eingerichtet ist; ferner eine jährliche Gemäldeausstellung, welche indeß in neuester Zeit von den hervorragenden Malern D-s nur spärlich beschickt wird; endlich eine städtische Gemäldegallerie, welche erst in der neuesten Zeit zum Ersatz der nach München gewanderten Sammlung entstanden ist. Die Bilker Sternwarte, vom Professor Benzenberg der Stadt vermacht, ehedem ein Jesuitencollegium, ist in neuerer Zeit durch mehrere auf derselben vom Director, R. Luther, gemachten astronomischen Entdeckungen bekannt geworden. Unterrichtsanstalten: 1 Gymnasium 1 Realschule, die Herchenbachsche Privaterziehungsanstalt u. Handelsschule, mehrere Bürgerschulen u. Kleinkinderbewahranstalten. Heil- u. Besserungsanstalten: Irrenanstalt, Zucht- u. Arresthaus, 3 Krankenhäuser, Asyl für alte Männer u. Frauen, die arbeitsunfähig geworden sind, die Rheinisch-Westfälische Gefängnißgesellschaft. Öffentliche Gebäude: das alte Schloß (s. oben); 10 Kirchen, zwei derselben gehören dem evangelischen Bekenntnisse an u. eine ist für die Garnison [⇐427][428⇒] bestimmt; merkwürdig ist die St. Lambertuspfarrkirche, schon im 7. Jahrhundert eine Kapelle, 1288 zu einer Collegiatkirche erweitert, mit dem marmornen Grabmale Wilhelms des Reichen (st. 1592) u. dem Grabe Wilhelms des Guten u. seiner Gemahlin Jacobe von Baden (st. 1597); Reliquienkasten der Heil. Apollinaris u. Willaicus, über demselben ein Ölgemälde von Andreas. Achenbach; in der St. Andreaskirche befinden sich Ölgemälde von Deger u. Mücke, in der Maxkirche ein großes Freskobild von Setegast; 1 Synagoge, 1 Cavallerie- u. 1 Infanterie- u. Artilleriecaserne mit gegen 2000 Mann Garnison, 1 Theater, ehedem berühmt durch die unter Immermanns Leitung herangebildete Schauspielergesellschaft. Handel- u. Gewerbthätigkeit: eine Commandite der Preußischen Bank, Versicherungsgesellschaft für See-, Fluß- u. Landtransport, Dampfschiff- u. Schleppschifffahrtsgesellschaft; den Verkehr vermitteln außer dem Rheine die Köln-Mindener u. die Düsseldorf-Aachener Eisenbahn. Die Gewerbthätigkeit der Stadt erstreckt sich auf Schifffahrt, Speditionshandel, Senffabrikation (Düsseldorfer Senf), Manufactur von wollenen u. halbwollenen Stoffen, Weberei, Kammgarnspinnerei, Färberei, Druckerei u. Eisenwaarenfabrikation. Die Kunstindustrie erstreckt sich vorzugsweise auf die graphische Vervielfältigung von Erzeugnissen der Bildenden Kunst durch Stahlstich, Steindruck, Buntdruck, Holzschnitt etc.; außer zwei politischen Zeitungen, dem Düsseldorfer Journal u. der Düsseldorfer Zeitung, erscheinen hier noch die Westdeutschen Blätter, eine von L. Schücking u. O. von Schorn redigirte belletristische Zeitschrift, u. das illustrirte Witzblatt: Düsseldorfer Monatshefte. Eine permanente Gemäldeausstellung, welche eine Übersicht der Kunstproduction gewährt, befindet sich in der Buddeusschen Kunst- u. Buchhandlung (Schulte). Vereine u. Gesellschaften: in naher Beziehung zur Kunstakademie stehen die Künstlergesellschaft Malkasten, welche, 1848 gegründet, die Künstler zu heiteren u. ernsten Zwecken vereinigt u. durch Veranstaltung öffentlicher Festlichkeiten, namentlich der Frühlingsfeste u. der damit verbundenen Maskenaufzüge, auf das gesellige Leben der Stadt einen großen Einfluß ausübt; ferner der Kunstverein für Rheinland u. Westfalen, gegründet 1829; mehrere Musik- u. Männergesangvereine, Landwirthschaftlicher Verein, Gewerbeverein, Turnverein, Freimaurerloge zu den drei Verbündeten, Schützengesellschaft. Der heitere Charakter der Stadt entspricht dem geselligen Leben u. Treiben der Bewohner, deren Zahl durch die Niederlassung reicher Privatleute in den neuen Stadttheilen in jüngster Zeit einen großen Zuwachs erhalten hat. Für Kunst-, Natur- u. materielle Genüsse ist in reichem Maße gesorgt. Dem öffentlichen Vergnügen dient die Golzheimer Heide, wo alljährlich ein Pferderennen u. Schützenfest gehalten wird, der Geislersche u. Beckersche Garten, der Ananasberg im Hofgarten u.a.m. Eine historische Berühmtheit hat der Jacobische Garten, so benannt von dem Philosophen Fr. Jacobi, dessen Gastfreundschaft dort vielen berühmten Männern seiner Zeit, als Goethe, Wieland, Herder u. And., einen angenehmen Aufenthalt gewährte. Zu entfernteren Ausflügen bieten die Grafenberge, östlich von der Stadt, mitihren landschaftlichen Reizen günstige Gelegenheit. D. ist der Geburtsort vieler berühmter Schriftsteller u. Künstler, als Friedr. u. Joh. Georg Jacobi, Schenk, H. Heine, Varnhagen von Ense, Cornelius, Heinr. u. Pet. Heß, W. Camphausen, des Theologen Binterim u. des Grafen Hompesch, letzten Großmeisters des Malteserordens. – D. war um das Jahr 1288 noch ein Dorf mit einer festen Burg, nach dem benachbarten Dorfe Bilk eingepfarrt u. nach Ratingen in die Gerichtsbarkeit gehörend. Im Jahre 1288 erhob es Graf Adolf von Berg zur Stadt u. stattete dieselbe mit vielen Gerechtsamen aus, die den Ort schnell zur Blüthe brachten. Anfangs hatten die Grafen von Berg nur zeitweilig ihre Residenz hier, seit der Reformation wurde D. deren stetiger Wohnsitz. Nach dem Aussterben der Herzöge von Berg wurde D. seit 1609 von Brandenburg u. Neuburg gemeinschaftlich regiert. Während der Erbfolgestreitigkeiten (bis 1666 dauernd) erweiterte u. verschönerte Wolfgang Wilhelm die Stadt; er zog religiöse Orden in die Stadt u. erbaute mehrere Kirchen. Johann Wilhelm (1669–1710 Kurfürst) legte den Grund zu dem Kunstleben, welches D. noch heute auszeichnet. Unter Karl Theodor (1743–1800) wurde die Karlsstadt erbaut; 1758 fiel D. nach der Schlacht von Crefeld, durch die Hannoveraner bombardirt, in die Hände des Feindes. Ein zweites Bombardement fand 1794 durch die Franzosen statt, unter deren Herrschaft es 1806 gelangte, wo Prinz Mürat als Großherzog von Berg hier residirte. 1815 wurde es Preußen zugetheilt u. später Residenz des Prinzen Friedrich. Die Restauration der Akademie (1820) hob die Stadt u. wirkte auch auf die industriellen Verhältnisse derselben günstig ein. Im Aug. 1848 kam es in D. zu Reibungen zwischen dem Pöbel, welcher den durchreisenden König von Preußen insultirte, u. dem Militär. Am 9. u. 10. Mai 1849 veranlaßte die Widersetzlichkeit der Landwehr eine militärische Occupation der Stadt u. die Erklärung des Belagerungszustandes. [⇐428]

Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Band 5. Altenburg 1858, S. 427-428.
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[466⇒] Düsseldorf, Hauptstadt des preuß. Reg.-Bez. gleiches Namens in der Rheinprovinz, am rechten Rheinufer, aus der Alten-, der Karl- und Neustadt bestehend, Sitz der Behörden des Reg.-Bez., hat 25713 E., in den Außengemeinden 17020, der Mehrzahl nach Katholiken. D. ist wohlgebaut, sehr industriell (Fabriken für Wolle- und Baumwollewaaren, Tapeten, Wagen, Bleiweiß, Leder, Eisengießereien, Brennereien), an der Köln-Mindener, D.-Elberfelder, Aachen-D.-Ruhrorter Bahn gelegen, ist Freihafenstation der Rheinschiffahrt, deßwegen einer der wichtigsten Handels- und Speditionsplätze in Deutschland. Bekannt ist D. durch seine Malerakademie, die mehrere der besten deutschen Künstler geliefert hat. D. gelangte mit dem jülichclevʼschen Erbe zuerst an Pfalz-Neuburg, dann an Kurpfalz, verdankt seine erste Blüthe dem Kurfürsten Johann Wilhelm, der hier längere Zeit (bis 1690) residirte und die Gemäldesammlung anlegte. 1795 wurde die damals feste Stadt an die Franzosen von dem pfälzischen Minister Hompesch (wahrscheinlich in Folge geheimer Instructionen) ohne Schuß übergeben; 1806 Hauptstadt von Berg kam D. 1815 an Preußen, unter welchem es sich ungemein gehoben hat. Der Reg.-Bez. D. hat auf 98 QM. 907000 E., die blühendste deutsche Industrie, Handel, Bergbau auf Eisen u. Steinkohlen. [⇐466]

Quelle: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 2, S. 466.
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[613⇒] Düsseldorf, am rechten Rheinufer und an der Mündung der Düssel in einer fruchtbaren Ebene gelegen, war früher die Hauptstadt und Residenz der 1609 ausgestorbenen Herzöge von Kleve und Berg, dann die Hauptstadt des an die Kurfürsten von der Pfalz gefallenen Herzogthums Berg, bis dieses 1806 der König von Baiern an Napoleon abtrat, der ein Großherzogthum daraus machte, das 1815 an Preußen fiel. D. ist seitdem die Hauptstadt des Regierungsbezirks gleiches Namens, hat 31,000 Einw. und gehört zu den schönsten Städten am Rhein. Es besteht aus drei Theilen: der Altstadt, der von 1690–1716 angelegten Neustadt und der seit 1787 angelegten Karlsstadt, und so eng und düster die Straßen der Altstadt, so freundlich und regelmäßig sind die der beiden letztern; namentlich zeichnet sich die Friedrich-Wilhelmsstraße aus. Auf dem alten Markte, einem der fünf Plätze der Stadt, steht die bronzene Bildsäule des um die Stadt sehr verdienten Kurfürsten Joh Wilhelm (gest. 1716). Das Schloß ist 1794 durch die Franzosen größtentheils zerstört worden, sodaß nur noch ein Flügel desselben steht; daneben ist das Galeriegebäude, in welchem bis 1805 die herrliche, jetzt in München befindliche, von Joh. Wilhelm 1710 gestiftete Gemäldesammlung sich befand, von der nur wenige unbedeutende Gemälde und 37,000 Kupferstiche und Zeichnungen zurückgeblieben sind; jetzt ist das Gebäude für die 30,000 Bände starke Bibliothek und die Kunst- und Malerakademie und deren Sammlungen bestimmt, die seit 1822 unter der Leitung des trefflichen Schadow ausgezeichnete Künstler gebildet hat. Auf dem Platze vor dem Schlosse und dem Galeriegebäude steht eine zweite, marmorne Bildsäule des verdienten Joh. Wilhelm und sein Grab ist in der Lambertuskirche zu sehen, wie in der Hof- oder Jesuitenkirche hinter dem Hochaltare die Fürstengruft mit den Särgen der alten Herzöge und Kurfürsten. D. hat ein Gymnasium, eine Gewerbsschule, ein medicinisch-chirurgisches Institut, eine Gesellschaft zur Beförderung der Künste und Gewerbe und eine Sternwarte. Unter den Fabriken zeichnen sich die Leder- und Tabacksfabriken aus; auch werden hier gute Wagen verfertigt. In der Umgegend der Stadt wird starker Gemüsebau betrieben, und der düsseldorfer Senf ist durch ganz Deutschland berühmt. Auf dem Rheine treibt D. eine lebhafte Schiffahrt, ist seit 1829 ein Freihafen und auch die Dampfschiffe legen über Nacht hier an. Die Umgebungen der Stadt sind sehr angenehm, da seit 1802 die alten Festungswerke durch die Franzosen abgetragen worden sind, und es reiht sich hier ein Obst- und Gemüsegarten an den andern. Besonders lieblich liegt das benachbarte Pempelfort, das als eine Vorstadt von D. zu betrachten und von Landhäusern und Gärten umgeben ist und wo die beiden Brüder Joh. Georg und Friedr. Heinrich Jacobi, jener als Dichter, dieser als Philosoph berühmt, 1740 und 1743 geboren wurden. [⇐613]

Quelle: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 613.
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[244⇒] Düsseldorf, die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks in Rheinpreußen, liegt am Rhein, hat 30,000 Einwohner, ist größtentheils regelmäßig gebaut und enthält herrliche Gebäude. Merkwürdig sind: das alte Schloß, die Lambertikirche mit Grabmählern der alten Fürsten, das ehemalige Jesuiterkollegium, der Jägerhof etc. Die dortige Kunstakademie, eine der ersten Deutschlands, hat vortreffliche Maler gebildet. – Sehenswerth sind noch die Naturalien- und Kunstsammlungen, die Bibliothek mit 30,000 Bänden, das Kupferstichkabinet etc. – Die Fabriken in Baumwolle, Tabak, Leder, Tapeten etc. sind nicht unbedeutend, der Speditionshandel und die Rheinschifffahrt aber von großer Wichtigkeit. Düsseldorf ist seit 1829 ein Freihafen. Berühmt ist der düsseldorfer Senf. [⇐244]

Quelle: Damen Conversations Lexikon, Band 3. [o.O.] 1835, S. 244.
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[374⇒] Düsseldorf, die Hauptstadt des Herzogthums Berg, ist befestigt, und vorzüglich wegen der dasigen Sammlung von Gemählden berühmt, welche unter die vorzüglichsten in Deutschland gehört, allein bei der Annäherung der Franzosen (welche diesen Ort noch behaupten) weggebracht worden ist. Auch ist eine Mahlerakademie und eine 1776 errichtete Handlungsakademie daselbst. [⇐374]

Quelle: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 1. Amsterdam 1809, S. 374.
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[302⇒] *Düsseldorf ist jetzt die Hauptstadt des Großherzogthums Berg, mit ungefähr 20,000 Einwohnern, nebst einem schönen Residenzschloß, einer Malerakademie, Sternwarte, einem Oberappellationsgericht etc. [⇐302]

Quelle: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 7. Amsterdam 1809, S. 302.
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Geschichten aus dem Sturm und Drang II. Sechs weitere Erzählungen

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Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Für den zweiten Band hat Michael Holzinger sechs weitere bewegende Erzählungen des Sturm und Drang ausgewählt.

424 Seiten, 19.80 Euro

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