1 In der Königsliste A und bei Berossos (als König der Chaldäer bezeichnet) sowie im ptolemäischen Kanon in der persischen Aussprache Πῶρος, während die babylonische Chronik ihn auch als König von Babel Tiglatpileser nennt. Im Königsbuch heißt er II 15, 19 beim Krieg gegen Menachem Pûl, dagegen II 15, 29 und 16, 7ff. unter Achaz und bei der Einnahme von Damaskus Tiglatpileser. Die ältere Aufzeichnung kennt ihn also noch unter seinem ursprünglichen Namen, die spätere hat den offiziellen an seine Stelle gesetzt. In den Anfängen der Assyriologie hat das die größten Schwierigkeiten gemacht, da man sich begreiflicherweise lange dagegen sträubte, beide als identisch anzuerkennen.
2 Texte historischen Inhalts I 21.
3 So FORRER, Provinzeinteilung des assyrischen Reichs, 1920, S. 10 und 49, der in sehr dankenswerter Weise versucht hat, den Bestand der Provinzen des Großreichs auch kartographisch festzulegen. Ob seine Vermutung zutreffend ist, daß dabei die Organisation des Reichs Urarṭu vorbildlich gewirkt habe, ist mir zweifelhaft.
4 Diese Behandlung der Gegner hat ihr Gegenstück in den entsetzlichen Hinrichtungen, mit denen z.B. Edward I. seine Gegner in Wales und Schottland, Kaiser Heinrich VI. die Normannen oder Karl XII. den Patkul bestraft hat.
5 Auch bei den Kulturvölkern aller Zeiten bis in unsere Gegenwart führt das Streben, die Widerstandskraft der Feinde zu vernichten, immer wieder zu solchen Brutalitäten. Besonders stark treten sie bei Revolutionen und in den Religionskriegen hervor; aber der Krieg gegen Deutschland ist ja von unseren Feinden ebenso aufgefaßt und betrieben worden und geht tatsächlich, durch den Lügenfrieden nur notdürftig verhüllt, noch immer in derselben Weise weiter.
6 Vgl. MANITIUS, Das stehende Heer der Assyrerkönige und seine Organisation, Z. f. Ass. 24.
7 Anders als alle seine Vorgänger und Nachfolger zählt Tiglatpileser III. sein »Antrittsjahr« nicht als chronologisch noch seinem Vorgänger gehörend, sondern beginnt mit ihm die Zählung seiner Jahre. – Quellen: Für die Chronologie geben eine sichere Grundlage die in den Chroniknotizen des Eponymenkanons bei jedem Jahr erhaltenen Angaben über das Ziel des Feldzugs. Dazu tritt die sogenannte »Babylonische Chronik B« (Bd. I, § 318 A), welche die Jahre 745-668 umfaßt (die erhaltene Abschrift geschrieben im J. 22 des Darius, 500 v. Chr.), für die die Bearbeitung von DELITZSCH, Die babylonische Chronik, Abh. Sächs. Ges. XXV 1906, grundlegend ist; der Text auch bei DELITZSCH, Assyrische Lesestücke, 5. Aufl., S. 135ff. Mit ihr stimmen die Daten der großen Königsliste A und die des ptolemäischen Kanons für die einzelnen Regierungen völlig überein. – Nur in Bruchstücken erhalten ist die Hauptquelle für Tiglatpileser, seine Annalen; die Platten, auf denen sie und die Reliefs in seinem Palast in Kalach standen, hat Assarhaddon, der ihn zerstört hat, größtenteils zum Bau seines eigenen Palastes verwenden wollen und in diesen übergeführt. Dabei sind sie stark beschädigt, abgemeißelt oder zerschlagen worden, so daß nur wenige Zeilen ganz erhalten sind, von vielen nur einzelne Wörter, sehr viele ganz fehlen. Das Erhaltene ist von ROST, Keilschrifttexte Tiglatpilesers 1893, sorgfältig bearbeitet; danach LUCKENBILL I 761ff. Über die Reliefs siehe unten S. 26. Ergänzend tritt ein verstümmeltes Annalenbruchstück hinzu, das den Feldzug des J. 731 eingehend behandelt (III R. 10, 2). Dazu kommen die zusammenfassenden Darstellungen seiner Taten, vor allem eine auf beiden Seiten beschriebene Tontafel, von der die untere (auf der Rückseite daher die obere) Hälfte verloren ist; sie umfaßt die Jahre 1-17 (745-729), erzählt aber nicht annalistisch, sondern stellt für die einzelnen Hauptgebiete (Babylonien, den Osten, Urarṭu und den Westen) das Gesamtergebnis der Feldzüge zusammen und schließt in üblicher Weise mit dem Bericht über seinen Palastbau. Gleichartig sind die Inschriften auf zwei Steintafeln, die aber beide nur den ersten Abschnitt des Textes enthalten und offenbar durch weitere verlorene Tafeln ergänzt waren.
8 Die byzantinische Chronographie hat den Beginn der Königsliste mit Nabonassar durch die Erfindung erklärt, er habe die Überlieferung über seine Vorgänger vernichten lassen, ὅπως ἀπ᾽ αὐτοῦ ἡ καταρίϑμησις γίνεται τῶν Χαλδαίων βασιλέων (Synk. p. 390). Die Chronik B beginnt nicht etwa mit seinem Regierungsantritt, sondern mit dem Antritt Tiglatpilesers und Nabonassars J. 3 (745); sie ist die erste und allein erhaltene Tafel einer Chronik Babyloniens in der Assyrerzeit.
9 Ob dieser öfter erwähnte Fluß einer der Nebenflüsse des Tigris zwischen Turnat (Diâla) und Uknû (Kerchâ, Choaspes) oder ein Tigrisbett ist, läßt sich mit Sicherheit nicht entscheiden.
10 Deshalb sind auch die weiteren Kämpfe, die in den zusammenfassenden Texten hier angefügt sind (gegen Sarrabân, Bêt-Amukkani u.a.), erst ins J. 731 zu setzen. In den Fragmenten der Annalen des ersten Jahres kommen sie denn auch nicht vor.
11 Vgl. FORRER, Provinzeinteilung 89f.
12 In die in Annalen 60f. und Tontafel av. 45f. nur lückenhaft erhaltene Liste der Verbündeten Sardurs wird gewiß auch Azrijâu von Ja'udi einzusetzen sein. Die beiden Platteninschriften I 20, II 30 nennen nur Mati'el.
13 »Zwischen Kistan und Chalpi, Bezirken von Kummuch«. Die beiden Orte sind von FORRER S. 79 wohl richtig mit Chalfati am Euphrat beim Austritt aus dem Taurusgebiet und dem westlich davon in einem Bachtal gelegenen Kuštam identifiziert worden; das Schlachtfeld lag also westlich vom Euphrat.
14 Die in den beiden Platteninschriften hier angefügten Anordnungen in Armenien, speziell in Ulluba, gehören erst ins J. 739, s.u. S. 11. Der Text der Tontafelinschrift bricht mit dem Siege über Sardur ab.
15 Die Notizen der Chronik sind nicht ganz klar. Zum J. 743 steht »in Arpad (ina Arpadda); Gemetzel von Urarṭu angerichtet«. Schwerlich mit Recht hat man daraus gefolgert, daß Tiglatpileser zunächst nach Arpad gezogen und sich von hier aus gegen den ihm nachrückenden Sardur gewandt habe; die Angaben der Annalen widersprechen dem durchaus. Bei den Jahren 742, 741, 740 steht denn gleichmäßig »nach (ana) Arpad«, bei 741 mit dem Zusatz: »im 3. Jahre genommen«; die Angabe zu 740 wird also so zu verstehen sein, daß Tiglatpileser nach Arpad geht, um von hier aus die Verhältnisse dieser Gebiete zu ordnen, entsprechend der Angabe der Annalen Zl. 91. Im J. 739 folgt dann der Zug »nach Ulluba«, 738 »Kullane genommen«; das ist nach Annalen Zl. 125 die Hauptstadt des von Ḥamât abgetrennten Küstenbezirks. – In den Annalen setzt die Lücke nach dem Bericht über die Beute aus Sardurs Lager (bis Zl. 73) ein; das nächste erhaltene Stück beginnt Zl. 90 mit den in Arpad empfangenen Tributen. Zl. 77-89 dagegen hat ROST, dem LUCKENBILL folgt, fälschlich hier eingefügt; es ist mit HOMMEL, Gesch. S. 656, 3 erst später anzusetzen, vielleicht vor 123, a.u. S. 11,3. Einzelnes bleibt bei der ganz lückenhaften Überlieferung immer problematisch.
16 Das Datum ergibt sich aus Ann. 157, wo das 9. Jahr (737) beginnt. Die Liste der Tributzahler Ann. 150ff. = Tontafel rev. 7ff., wo dann die seit 734 hinzugekommenen angefügt sind. Zum Teil sind sie auch in dem Fragment Ann. 83ff. genannt, das sich nicht weiter einordnen läßt.
17 Genannt werden Šulumal von Melid, Kustaspi von Kummuch (vgl. Bd. II 2, 424), Piširiš von Karkemiš, Tarchulara von Gurgum, Panammu von Sam'al, 'En-el von Ḥamât, und in Kleinasien Urikki von Que, Dadi lu der Kaškäer, Uaššurmi der Tabaläer, Usḫitti von Tuna (bei Sargon Atuna), Urballâ von Tuchana (unbek.), Tuchammi von Istunda (unbek.), Urimmi von Chubisna (bei Assarhaddon in Kilikien).
18 Hierher gehört die lange Liste der dem Reich einverleibten Festungen von Urarṭu Platteninschr. I 30ff. und in dem Fragment Ann. 77-82.
19 So richtig FORRER S. 86.
20 Die Einzelposten Ann. 138-148, die keineswegs vollständig sind, ergeben nahezu 30000 Deportierte.
21 Im masor. Text Kalne vokalisiert, LXX χαλάννη. Daneben nennt er das schon früher von Chazael zerstörte Gat. Jesaja 6, 8, der deutlich von Amos abhängig ist, nennt außer Kullani und Ḥamât Karkemiš und Arpad sowie Samaria und Damaskus.
22 Die chronologischen Daten des Königsbuchs für diese Zeit sind ganz korrupt überliefert. Halten wir an dem J. 743 für den Tod Jerobeams II. fest (Bd. II 2, 360) und setzen die ephemeren Regierungen von Zakarja (6 Monate) und Šallûm (1 Monat) in dasselbe Jahr, so stehen für die Zeit vom Antritt Menachems 742 bis zum Sturz des Peqach 732 (s.u. S. 21) 10-11 Jahre zur Verfügung. Statt dessen geben die Daten des Königsbuchs 32 Jahre: Menachem 10, Peqachja 2, Peqach 20. In Wirklichkeit kann Menachem, für den das Datum 738 durch Tiglatpileser (ann. 150) feststeht, nur etwa 7 Jahre (742-736), sein Sohn Peqachja nur ein paar Monate regiert haben, und für Peqach bleiben statt der zwanzig etwa 3-4 Jahre (735-732). Dazu stimmt, daß sein Angriff auf Jerusalem offenbar in den Anfang seiner Regierung fällt und alsbald durch das Eingreifen Tiglatpilesers unterbrochen wird.
23 Daß sich in andern Gemeinden gleichartige Entwicklungen gebildet haben, ist durchaus möglich, aber dafür fehlt jede Kunde.
24 Das fällt also noch in die Zeit Jerobeams II. Daher im Eingang seiner Schrift, als »Anfang des Wortes Jahwes an Hosea«, die Datierung »in den Tagen des Jerobeam ben Joaš Königs von Israel«, vor die in unserem Text die Datierung nach den Königen von Juda 'Uzzia, Jotam, Achaz, Ḥizqia eingeschoben ist.
25 An zahlreichen Stellen ist Juda in unserem Text deutlich späte Interpolation (1, 7. 2, 2. 4, 15. 5, 5. 6, 11. 12, 1. 3); aber 5, 10. 14. 6, 4 ist es unentbehrlich und echt, und ebenso 8, 14 die Erwähnung der Festungsbauten Judas neben den Palästen Israels.
26 Es ist sehr zu beachten, daß unter den Orten, gegen deren Kult Hosea polemisiert, Sichem nie genannt wird, vgl. Bd. II 2, 311. Denn 6, 9, wo Sichem erwähnt wird, ist, wie dieser ganze Abschnitt, so völlig korrupt überliefert, daß keiner der zahlreichen Heilungsversuche irgendwelche Überzeugungskraft hat; überdies war hier nicht vom Kult die Rede, sondern von irgendeinem dort begangenen Verbrechen.
27 4, 12 לקמ ῥάβδος wie bei Sanchunjaton; s. Bd. II 2, 149, 3.
28 Der Text des Buches Hosea ist bekanntlich an zahlreichen Stellen voll von heillosen Korruptelen, die überall zwischen schlichten, glatt verständlichen Sätzen stehen. Offenbar enthielt schon das Exemplar, das nach Juda gekommen ist, zahlreiche Schreibfehler und Äußerungen, die man nicht mehr verstand. Das hat dann weitergewuchert. Dazu kommen nicht wenige jüdische Interpolationen, die vor allem die Heilsverheißungen weiter ausmalen und dabei Juda und das messianische Königtum Davids hineintragen. So ist das Buch ein Tummelplatz einer wilden Konjekturalkritik geworden, die weit über die zulässigen Grenzen hinausgeht. Eine besonnene Kritik muß sich an solchen Stellen damit begnügen, auszusprechen, daß sie unverständlich sind und immer bleiben werden, und hat kein Recht, sie durch kühne Phantasiegebilde zu ersetzen.
29 Assyr. Raṣunnu, im hebr. Text verschrieben in Reṣîn, wie so oft. Tiglatpileser ann. 205 berichtet, daß er »Hâdara, das Vaterhaus des Reṣôn, wo er geboren war«, erobert habe; danach scheint es, daß auch Reṣôn ein Usurpator war. Nach Reg. II 15, 37 begann der Krieg noch unter Jotam, dem Vater des Achaz.
30 Bei Tiglatpileser Tontafel rev. 11 ist die vollere Namensform Jauchazi (Joachaz) erhalten.
31 Die Notiz darüber steht Reg. II 16, 3 unter den kultischen Sünden des Königs, ohne Angabe über den Anlaß. Da es ihm aber nachher ganz gut gegangen ist, wird das Opfer kaum in spätere Zeit fallen. Daß Jesaja es nicht erwähnt, ist natürlich kein Gegenbeweis; vgl. Bd. II 2, 174.
32 Aus den Annalen Tiglatpilesers sind nur Bruchstücke vom Schluß dieser Feldzüge erhalten; seine übrigen Inschriften geben keine Daten. So sind wir dafür nur auf die kurzen Notizen der Eponymenchronik angewiesen: »734 nach Pilista. 733 nach Damaskus. 732 nach Damaskus.«
33 Amos 1, 5. 9, 7 verkündet, die Aramäer sollen nach Qîr zurück, woher sie gekommen sind; das wird in der Wüste im Osten zu suchen sein. Nach dem masor. Text Reg. II 16, 9 ist die Verkündung unter Tiglatpileser erfüllt; aber der Zusatz fehlt in LXX und wird wohl Interpolation sein.
34 Nach Reg. II 15, 30 wurde Peqach von seinem Nachfolger Hosea ermordet. Damit verträgt sich Tiglatpilesers Angabe in dem Fragment Kl. Inschr. I 17 ganz gut: »ihren König Paqach stürzten sie, den Auši' setzte ich zum König über sie ein«. Vorher schon hat er (Zl. 6) nach der Einnahme von Raspuna (= Apollonia, jetzt Arsûf nördlich von Joppe) Gal'aza (d.i. Gil'ad) und Abilakka von Bet-'Omri losgerissen; ebenso in dem Fragment Kl. Inschr. III. Nach den Bruchstücken der Annalen 227ff. hatte er bereits »auf seinem früheren Feldzug« (vor der Eroberung von Damaskus) Scharen von Gefangenen aus zahlreichen israelitischen Orten fortgeführt, von deren Namen Chinaton und Qana erhalten sind und zu denen offenbar auch D'ôr, Vorort eines assyrischen Bezirks, gehört hat. Weiter über diese Vorgänge s. FORRER, Provinzeinteilung S. 59ff. und Alt, Z. Paläst. Verein 52, 220ff. [gegen die übereilten Angriffe von JIRKU, Z. Paläst. Ver. 51, 249ff.]. In diese Feldzüge gehören auch die in den Reliefs dargestellten Einnahmen der Stadt Aštartu ('Aštarot) im Haurân und die von Gazer: MEISSNER, Z. Paläst. Verein. 39, 261f.
35 Später ist Gaza wieder ein Vasallenfürstentum geworden, s.u. S. 58.
36 Gen. 25, 13 (vokalisiert Adbe'el) unter den Söhnen Isma'els, unter denen auch mehrere andere der hier sowie bei Sargon und Assurbanipal aufgezählten Stämme wiederkehren (so Mas'a und Taimâ, ferner Chajâpa = 'Epha Gen. 25, 4 unter den Söhnen Midians), vgl. DELITZSCH, Paradies 201ff.
37 Die offizielle Rechnung gibt die mit dem J. 745 beginnende »Babylonische Chronik« (o. S. 6 Anm. 2). Mit ihren Zahlen stimmt die Königsliste A überein. Der ptolemäische Kanon rechnet ebenso: Nabonassar 14 J. 747-734. Nadios (Nâdin, Verkürzung von Nabunâdinzêr) 2 J. 733-732, und läßt dann Chinzir und Poros (Pûl) zusammen 5 Jahre regieren, 731-727. Diese Rechnung läßt das Bestreben der babylonischen Tradition erkennen, die assyrische Fremdherrschaft möglichst zu eliminieren.
38 Die Angaben über diese Feldzüge stammen aus der Tontafelinschrift und den beiden Platteninschriften, die aber nicht chronologisch, sondern nach den großen Hauptgebieten geordnet sind (o. S. 6,2). Aus den Annalen ist hier nichts mehr erhalten.
39 FORRER, Provinzeinteil. 96 (mit falschem Zitat) identifiziert diese Namen wohl richtig mit Συρβανή, νῆσος ἐν τῷ Εὐφράτῃ, ὡς Κουάδρατος ἐνάτῳ Παρϑικῶν (Steph. Byz.).
40 Nach der Eponymenchronik zog Tiglatpileser 731 nach Sapia, blieb dagegen 730 »im Lande«; 729 wird er dann König von Babel.
41 Privilegierte Städte gab es auch sonst im Reich; so verleiht ein hoher Beamter Salmanassars IV., Belcharrânbeluṣur, den Bewohnern einer von ihm in der Wüste westlich von Mosul gegründeten Stadt Freiheit von Abgaben und Fronden (LUCKENBILL I 823f.). In der Stele darüber hat er später den Namen Salmanassars durch Tiglatpileser ersetzt; unter diesem ist er 741 Eponym geworden, s. UNGER, Stele des B., Publikationen des osman. Museums III 1917.
42 Nach Sargon (WINCKLER, Altor. Forsch. I 403f., LUCKENBILL II 132ff.) ist dies Vorgehen gegen Assur der Grund, weshalb der Götterkönig den Salmanassar V. verwarf und ihn (Sargon) zum König erhob; aber es kann nicht zweifelhaft sein, daß die Maßregel schon auf Tiglatpileser zurückgeht. Daß er ebenso die Privilegien von Charrân wiederherstellte, erwähnt Sargon oft.
43 UNGER, Reliefs Tiglatpilesers aus Nimrud, Publ. des osman. Mus. V 1917 und Reliefs Tiglatpilesers aus Arslan Tasch, ebenda VII 1925.
44 So in der babyl. Königsliste; im ptol. Kanon Ilulaios. Die babyl. Chronik nennt ihn Salmanassar.
45 Die Inschrift eines Zylinders, die LUCKENBILL I 828 ihm zuschreibt, stammt von Assarhaddon, MEISSNER, Archiv f. Orientforsch. III 13.
47 Daß die masoretische Vokalisation Sô' verkehrt und Sw', mit unbekannter Vokalisation, zu lesen ist, ist allgemein anerkannt.
48 Ann. 23ff. Prunkinschr. 33ff. Inschrift über die Privilegien von Assur Zl. 16ff.
49 Prunkinschr. 25f. Danach ist Ann. 27 zu verstehen, wo das Vorhergehende verloren ist: »(Hanno von Gaza) rief seinen (nämlich des Pharao) turtan zu Hilfe.«
50 Vielfach hat man Sewe', Sib'i mit Sabako identifizieren wollen, so zuletzt noch HALL in der Cambridge Anc. Hist. III 275. Aber dem widerspricht sowohl die Namensform wie die Chronologie. Erst später, im J. 711, beim Feldzug gegen Jaman von Ašdod, redet Sargon vom König von Melucha (Äthiopien), zu dessen Gebiet Muṣri (Ägypten) gehört: Prunkinschr. 102ff. Saal XIV 12ff.; dadurch wird deutlich, daß die Eroberung Ägyptens durch Sabako erst in die Zwischenzeit, nach 720, gehört. – Es ist zu beachten, daß die griechische Überlieferung von einem Kriegszug Tefnachts nach Arabien weiß (vgl. Bd. II 2, 56).
51 Sargon nennt ihn einen bösen Chetiter, wie er auch die Rebellen in Ašdod Chetiter nennt. Zum Namenswechsel vgl. die Umnennung des Eljaqîm von Juda in Jojaqîm Reg. II 23, 34. Die früher auch von mir vertretene Annahme, daß es in Ḥamât einen Gott Jahwe gegeben habe, war wenig überlegt; vgl. Bd. II 2, 433, 1.
52 Erhalten ist nur 727 Thronbesteigung, 726 ina [mati], bei den drei folgenden Jaliren ana ... »nach ... «.
53 Ann. 10ff., nur fragmentarisch erhalten. Die babyl. Chronik verzeichnet die Niederwerfung Samarias noch unter Salmanassar.
54 Reg. II 17, 6 = 18, 11: »in Chalach (nordöstlich von Ninive, FORRER, Prov. 112), am Chaboras, dem Flusse von Guzana (Tell Chalâf), und den Orten (LXX Bergen) Mediens«.
55 Reg. II 17, 24 und 17, 30f. werden genannt: Ḥamât, Gottheit Ašîma (vgl. Bd. II 2, 323, 1); Babel mit dem rätselhaften, wohl sicher verschriebenen Götternamen Sukkot-Benot; Kuta, Gott Nergal; Sepharwaim, d.i. der Doppelstadt Sippara, deren Leute ihre Söhne den Göttern 'Anumelek und Adarmelek opfern, d.i. dem Anu und einem nicht nachweisbaren Gott, die in der beim Sohnesopfer herkömmlichen Weise (s. Bd. II 2, 148) als »König« bezeichnet werden. Ferner ein nicht zu ermittelnder Ort 'Awa mit den gleichfalls unbekannten Göttern Nibchaz und Tartaq. 18, 34 und 19, 13 kommt noch ein Ort ענה hinzu.
56 Ann. 94ff.
57 Peqachs Sturz und Hoseas Einsetzung fällt nach Tiglatpilesers Angabe (o. S. 21.3) ins J. 732. Nach Reg. II 17, 1 hat er 9 Jahre regiert, also 732-724. So mag seine Gefangennahme in dies Jahr fallen und die dreijährige Belagerung Samarias nicht mitgerechnet sein; denn daß Reg. II 17, 6 und 18, 9f. der Beginn der Belagerung ins 7. Jahr Hoseas (= 4 Ḥizqia), die Einnahme in sein 9. (= 6 Ḥizqia) gesetzt wird, ist wohl nur aus den 3 Jahren der Belagerung errechnet. Siehe u. S. 49, 1.
58 Inschrift über Assur LUCKENBILL II 134 (vgl. Bd. II 2, 393). Die babyl. Chronik verzeichnet nur das Hinscheiden Salmanassars im Ṭebet seines 5. Jahres und die Thronbesteigung Sargons in Assyrien am 12. Ṭebet.
59 Daß die wirkliche Aussprache nur Sargan oder Sargon gewesen ist, entsprechend der alten akkadischen Schreibung Šargani, wird durch die Umschrift ןוגרס Jes. 20, 1 bestätigt; vgl. Bd. I, 518. In der Zylinderinschr. 50 deutet er den Namen »den die großen Götter mir verliehen haben«, als »gerechter König«. Wenn er in Datierungen von Urkunden mehrfach Sarrukin arku »Sargon der Spätere« genannt wird (z.B. III R. 2, 1 und 2), so ist dabei gewiß an den König von Akkad, den Reichsgründer, gedacht, und nicht an den gleichnamigen Patesi von Assur, Sohn des Ikûnum, um 1950 (Bd. II 1, 13).
60 Bab. Chron. Sargons Behauptung, er habe den Chumbanigaš besiegt, wird sowohl durch die Chronik wie durch den Fortgang widerlegt.
61 Die geschichtlichen Inschriften Sargons, zusammenfassend neu veröffentlicht und übersetzt von WINCKLER, Keilschrifttexte Sargons 1889 (danach bei LUCKENBILL; die Anordnung mehrfach verbessert durch WEISSBACH, ZDMG. 72) stammen fast alle aus seinem seit 709 erbauten Palast in Khorsabad. Bis dahin rechnen seine, nur mit vielen Lücken erhaltenen Annalen, die die ältere Zeit kürzer, die spätere immer ausführlicher behandeln. Daneben stehen, wie bei Tiglatpileser und nach dessen Vorbild verfaßt, die zahlreichen, die Hauptereignisse übersichtlich zusammenfassenden, vorwiegend geographisch geordneten Ruhmesinschriften (»Prunkinschrift«, Zylinderinschrift usw.), denen überall derselbe Urtext zugrunde liegt. Etwas älter, kurz vor der Gewinnung des Königtums von Babel verfaßt, ist eine Inschrift aus Kalach (Nimrud), etwas jünger als diese die Stele aus Kition auf Cypern (jetzt in Berlin). Ergänzend treten die Angaben der Babyl. Chronik und die der Epo nymenchronik hinzu, letztere teilweise erhalten auf der Rückseite der Tafel Rm. 2, 97 (publiziert von BEZOLD, Proc. Soc. Bibl. Arch. 1889; neubearbeitet von FORRER, Zur Chronol. der neuassyr. Zeit; Mitt. Vorderas. Ges. 1915, 3, S. 17; zum Teil mit Fehlern bei LUCKENBILL II p. 437). Hinzu kommt der ausführliche Bericht über seinen achten Feldzug, bearbeitet von THUREAU-DANGIN, Huitième Campagne de Sargon (Paris 1913).
62 Bericht über Ašdod Zl. 29; die Ammoniter in der Liste mit zu nennen, hat man offenbar vergessen. Juda wird bei Sargon noch einmal in der ganz unchronologischen Aufzählung der Inschrift von Nimrud Zl. 8 zwischen der Besiegung des Chumbanigaš von Elam und der des Jaubi'di erwähnt in der Phrase »der Unterwerfer des fern gelegenen Jaudu«.
63 Achter Feldzug Zl. 277f. 403f. Mir scheinen die von THUREAU-DANGIN und anderen gezogenen Folgerungen unabweisbar. Rusa Sohn des Sardur in der Inschrift aus Wan (bei LEHMANN-HAUPT CIChald., no. 144 der Liste auf S. II; Z. Ass. 33, 37) ist dann ein Späterer und dieses Bruchstück nicht der Oberteil der Stele von Kešiš-göl. Dagegen ist Rusa Sohn des Erimenas (den er nicht als König bezeichnet) auf den Schilden von Toprakkale (no. 154ff. der Liste) wahrscheinlich Rusa I. LEHMANN-HAUPT, Z. Ass. 33, 34ff. Armenien II 327ff. hat sich nicht definitiv entschieden; aber sein Versuch, die ältere Ansicht zu retten, ist wenig überzeugend.
64 LEHMANN-HAUPT, Armenien II 40ff.
65 Grundlegend sind die Angaben Sargons im Bericht über seinen achten Feldzug.
66 Stele von Topzawe: LEHMANN-HAUPT, ZDMG. 58, 831ff. Armenien II 289ff. Daß Muṣaṣir hier gelegen war, hat er gegen THUREAU-DANGIN erwiesen.
67 Siegel Urzanas (darauf ein geflügelter Dämon, der mit jeder Hand einen Strauß beim Hals packt) und das sonstige Material bei THUREAU-DANGIN, Huitième Camp. p. XII ff., der auch nachweist, daß diese Vorgänge vor 714 anzusetzen sind [und zwar offenbar nicht erst kurz vorher, wie LEHMANN-HAUPT annimmt, sondern schon um 720, in der Zeit der Kriege Sargons in Syrien].
68 Zu den Angaben der Annalen gehört das Fragment, welches WINCKLER in seiner Ausgabe fälschlich in die »Annalen des S es XIV« Zl. 28-47 eingereiht hat, s. WEISSBACH, ZDMG. 72, 1918. Ferner Prunkinschr. 36ff.
69 Der Name der Phryger oder Askanier kommt bei den Assyrern niemals vor; aber auch Muski findet sich nach Sargon nicht mehr.
70 Das Gedicht des Aristeas kennen wir durch Herodot IV 13. 16; dazu ein paar Fragmente περὶ ὕψους 10 und Tzetzes Chil. VII 685 mit der Form Ἰσσηδοί. Nach Steph. Byz. Ἰσσηδόνες erwähnte sie Hekatäos (fr. 193 JACOBY) ebenso wie Herodot unter diesem Namen, Alkman als Ἐσσηδόνες, wie auch die Späteren meist schreiben. Die Angeben bei Mela II 1 und Plinius 4, 88. 6, 21. 50 über ihre Wohnsitze sind freie Kombinationen ohne Selbständigen Quellenwert; sehr mit Unrecht hat HERRMANN in dem Artikel »Issedoi« bei PAULY-WISSOWA IX 2235ff. um ihretwillen die exakten Angaben des Ptolemäos verworfen und sie durch die wildesten Phantasien ersetzt.- Der λόγος, den Herodot IV 11 bevorzugt, die Skyther seien von den Massageten über den Araxes (d.i. den Iaxartes) gedrängt worden, steht im Grunde mit der Erzählung des Aristeas nicht im Widerspruch. Auch nach I 201 sind die Massageten Nachbarn der Issedonen, durch den Araxes von ihnen geschieden.
72 Der Nachweis ist vor allem von MÜLLENHOFF, Deutsche Altertumskunde, geführt worden. Daß sich daneben Wörter finden, die sich nicht deuten lassen, ist kein Gegenbeweis, sondern kehrt in allen gleichartigen Fällen und ebenso in den genau bekannten indogermanischen Sprachen wieder. Auf das Slawische hat der sich ununterbrochen fortsetzende Einstrom iranischer Völker in Südrußland stark eingewirkt.
73 de aëre etc. 18ff.
74 ψιλὴν τὴν σάρκα; die Skythen der Denkmäler dagegen haben einen vollen Bart, dazu langes Haupthaar. Auf Grund der Schilderung des Hippokrates hat NIEBUHR (Kl. Schr. I, Unters. über die Gesch. der Skythen, Geten und Sarmaten), dem NEUMANN, Hellenen im Skythenlande, KIEPERT u.a. folgen, die Skythen für Mongolen erklärt; ähnlich MINNS in dem alles Material zusammenfassenden Werk »Scythians and Greeks« 1913.
75 Herod. V 9. Strabo XI 11, 8 kennt sie und ihre auch von Herodot beschriebenen Ponys im Bereich des Kaspischen Meeres, mit persischer Sprache.
76 So NIEBUHR; dann vor allem ABEL, Makedonien vor König Philipp, dem auch ich früher gefolgt bin.
77 THUREAU-DANGIN, Huitième Camp. p. XIV f. Ferner LEHMANN-HAUPT im Artikel »Kimmerier« bei PAULY-WISSOWA XI sowie Armenien II S. 328f.
78 So nach den Annalen 139, wonach er sich mit seinem eisernen Dolch selbst erstach »wie ein Schwein«. Der ausführliche Bericht über den 8. Feldzug schildert nur seine Verzweiflung und Erkrankung (Zl. 150f. 411ff.).
79 Dargestellt in Khorsabad. Ausführliche Aufzählung der Beute im Bericht über den 8. Feldzug. THUREAU-DANGIN hat in seiner Ausgabe Muṣaṣir falsch angesetzt (vgl. Bd. II 2, 420); ebenso unhaltbar ist, daß er Sargon vom Urmiasee aus um den Wansee herumziehen läßt, vgl. LEHMANN-HAUPT, Armenien II 318ff.; der Zug geht vielmehr durch das Tal des oberen Zab in der Landschaft Chubuskia, deren Herrscher Ianzu in dieser Zeit den Titel »König von Nairi« erhält.
80 Hierher gehört die Namenliste, die ich in der Z. f. vergl. Sprachforsch. 42, 1908, behandelt habe; jetzt sind zahlreiche weitere Namen im 8. Feldzug Zl. 42ff. hinzugekommen.
81 Seine Verwandtschaftsverhältnisse sind ganz unklar, wie ja überhaupt einheimische Zeugnisse für diese Zeit, abgesehen von der fiktiven Genealogie der Gottesweiber von Theben (vgl. Bd. II 2, 53), so gut wie ganz fehlen. Ein Sohn Pi'anchis ist Sabako schwerlich gewesen.
82 Diese Angabe wird richtig sein, steht aber in auffallendem Widerspruch zu der Sympathie, mit der er von der Tradition Herodots II 13ff. (danach Diod. I 65) behandelt wird; danach hätte er kein Todesurteil vollzogen und schließlich Ägypten freiwillig geräumt, um nicht Unrecht zu begehen. Da tritt die Idealisierung der Äthiopen hervor, die für die Spätzeit charakteristisch ist.
83 So heißt bei Assarhaddon und Assurbanipal der Fürst von Ašdod; Achimiti bei Sargon (Ann. 219, Prunkinschr. 94, Prisma A, Fragment D Zl. 3) wird Schreibfehler sein. Die Bewohner bezeichnet Sargon als Chetiter (Chattî), wie dieser Name überhaupt allmählich zur Bezeichnung der gesamten westlichen Welt wird, was dann der Priesterkodex übernommen hat.
84 Daß Jaman (Jawan) nicht Eigenname, sondern Volksname ist, wird dadurch bestätigt, daß die Annalen Zl. 220 dafür Iatna, den assyrischen Namen von Cypern, einsetzen.
85 Später unter Sanherib (Kg. Mitinti) und seinem Nachfolger (Kg. Achimelek) hat Ašdod wieder eigene Fürsten erhalten, ebenso wie die übrigen Philisterstädte.
86 Ganz unmöglich ist die Deutung WEISSBACHS, ZDMG. 72, 179, der König von Melucha selbst sei den Assyrern ausgeliefert worden.
87 Über die Vorgänge in Ašdod haben wir außer den Angaben der Annalen und sonstigen Inschriften Bruchstücke des Berichts des Prisma A (bei WINCKLER Taf. 44 No. D). Seltsamerweise hat WINCKLER in seiner Umschrift und Übersetzung S. 186, im Widerspruch mit seiner eigenen Publikation, verführt durch eine Angabe von G. SMITH, damit aus dem Annalenbruchstück S. 2022 (von ihm Taf. 45 publiziert) den Eingang des 9. Feldzugs verbunden, aus dem nur noch das Wort Ašdod erhalten ist. [Nach diesem Fragment wird man annehmen dürfen, daß die Verwicklungen damals, im J. 713, begannen.] Der Sachverhalt ist richtiggestellt von OLMSTEAD, Western Asia in the days of Sargon, 1908, p. 11ff.; danach LUCKENBILL II 190ff. 214. – Nach den Inschriften ist Sargon selbst gegen Ašdod gezogen, nach Jes. 20, 1 dagegen sein Feldmarschall (turtân); letzteres wird richtig sein. Die Auffassung Jesajas, der das Schicksal der Ägypter und Kušiten, auf die man hofft, dadurch verkündet, daß er (drei Jahre lang?) ohne Obergewand und barfuß geht wie ein Gefangener, stimmt aufs beste zu der Angabe Sargons, daß man versuchte, Juda und die übrigen Staaten dafür zu gewinnen, an »Pharao König von Ägypten, einen Fürsten, der sie nicht retten konnte«, Geschenke zu schicken; nur hätte statt Pharao hier Sabako König von Melucha (Kuš) gesagt werden müssen.
88 LAYARD, Babylon and Niniveh p. 156.
89 Woher der Name Jatnan stammt, mit dem die Assyrer Cypern bezeichnen, ist völlig dunkel. Sargon sagt meist: »7 Könige von Ja'nagî in Jatnan.«
90 Außer Sargons Berichten, bietet der große Kudurru Mardukbaliddins für Belacherib im Berl. Museum (übersetzt von PEISER in der Keilinschr. Bibl. III 184ff.) einigen Aufschluß.
91 Man hält Dilmun jetzt meist für die Bahreininsel Tylos; aber dafür ist die von Sargon gegebene Entfernung von 30 Doppelstunden viel zu gering. Es wird, wie DELITZSCH annahm, eine Insel vor dem Mündungsgebiet der Ströme sein, die seitdem durch die Anschwemmungen des Šatt el 'Arab Festland geworden ist; vgl. u. S. 61 Anm. 1.
92 WINCKLER, Altor. Forsch. I 411ff.
93 II R. 69 rechts unten; Übersetzungsversuche bei SCHRADER, Keilinschr. Bibl. I 215; ganz anders DELITZSCH, Beitr. zur Assyriologie I 615 und Babyl. Chronik S. 39 [danach die Kombinationen von OLMSTEAD, Western Asia in the time of Sargon p. 157 und SIDNEY SMITH in der Cambridge Ancient History III 59]. – Gänzlich irreführend ist LUCKENBILLS Behandlung der Eponymenchronik II p. 438, der dies Fragment nicht aufgenommen und dafür Rm. 2, 97 [Keilschr. Bibl. III S. 146] eingesetzt hat, ohne anzudeuten, daß hier die Eponymen lediglich ergänzt sind.
94 Statt dieser schrecklichen von den Masoreten geschaffenen Unform haben LXX Σεναχηρειβ (meist verlesen in -ρειμ) und Herodot II 141 Σαναγάριβος die Aussprache Sin-achê-rîb (vgl. UNGNAD, ZDMG. 62, 721f.) noch richtig bewahrt.
95 Die babyl. Königsliste und die babyl. Chronik lassen übereinstimmend auf Sargon (5 J., 709-705) Sanherib mit 2 Jahren (704, 703) folgen und nennen dann Mardukzakiršum »Sohn eines Knechtes« mit 1 Monat und Mardukbaliddin mit 9 Monaten; beide sind deutlich in die Jahre Sanheribs eingerechnet (der ptol. Kanon verzeichnet sie als 2 Jahre ἀβασιλεύτου πρώτου). Es folgt der von Sanherib eingesetzte Bel-ibni mit 3 J. (702-700), dann Assurnadinšum mit 6 J. (699-694); die Fortsetzung s.u. S. 62. Dazu stimmt ganz gut, was Eusebius chron. I 27 aus Berossos (vermittelt durch Alexander Polyhistor) angibt: auf den Bruder des Sanherib [wenn das richtig ist, hat dieser seinen Bruder als Regenten eingesetzt] folgt Akises, der nach 30 Tagen von Mardukbaliddin getötet wird. Dieser wird wieder nach 6 Monaten von Elibos (d.i. Bel-ibni) getötet, den im 3. Jahr seiner Regierung Sanherib besiegt, der dann seinen Sohn Asordanios (Verwechslung mit dem Namen Assarhaddon) einsetzt. Im Namen Akises steckt deutlich Iqiša-marduk, der Sohn des Mardukbaliddin, der in dessen Urkunde für Belacherib (o. S. 44, 1) der erste Zeuge ist. Dieser, der für seinen Vater aufgetreten sein wird, ist hier also mit dem Usurpator Mardukzakiršum zusammengeworfen.
97 So schreibt er selbst seinen Namen; assyrisch Tarqu, Reg. II 19, 9 mit Umstellung הקהרת Tirhaqa, LXX Θαρακα, Joseph. X 17 Θαρσέκης; bei Manetho Τάρακος, bei Strabo, nach dem er bis an die Säulen des Herakles vorgedrungen ist, I 3, 21. XV 1, 6 Τεάρκων.
98 In Tanis, s. SCHÄFER, ÄZ. 38, 51f. BREASTED IV 892ff. Über seine Verwandtschaftsverhältnisse und den gelegentlich neben ihm genannten König Pi'anchi vermag ich zu einer Entscheidung nicht zu gelangen. Daß er Negerblut hatte, zeigt sowohl sein Porträtkopf in Kairo, wie daß Assarhaddon ihn auf der Stele von Sendjirli als Neger darstellt.
99 Daneben redet er II 18, 21 vom Pharao. Ganz gleichartig ist, daß Sanherib in seiner Darstellung überhaupt keinen Namen nennt, sondern ganz allgemein von »den Königen Ägyptens und den Schützen, Wagen und Rossen des Königs von Äthiopien (Melucha)« redet; »den Obersten der Wagen und die Söhne der Könige von Ägypten sowie den Obersten der Wagen des Königs von Melucha« habe er mit eigener Hand gefangengenommen. Wie zur Zeit Pi'anchis und nachher unter Assurbanipal werden die lokalen Dynasten im Delta auch unter den Äthiopen zum Teil den Königstitel geführt haben; das ägyptische Material ist zu dürftig, um darüber Genaueres erkennen zu lassen.
100 Die Chronologie ist in der Überlieferung des Königsbuchs heillos zerrüttet, offenbar vor allem durch Verschreibungen in den Zahlen. Die gesicherten Daten sind: 841 Ermordung Achazjas durch Jehu; 734 Achaz; 701 Ḥizqia; dann Tributzahlung Manasses unter Assarhaddon und Assurbanipal. Nach dem Königsbuch folgt auf Achazja zunächst die Usurpation der 'Atalja mit 6 Jahren, dann Joaš mit 40 Jahren; man wird aber annehmen dürfen, daß darunter die Jahre der 'Atalja mitbegriffen sind, so daß beide zusammen auf 841-802 angesetzt werden können. Dann folgt Amaṣja 29 J., 'Azarja ('Uzzia) 52 J., Jotam 16 J., Achaz 16 J., Ḥizqia 29 J., in dessen 4. und 6. Jahr Reg. II 18 die Belagerung und Zerstörung Samarias (724-722) ansetzt (o. S. 30,3), der also danach bereits im J. 727 auf den Thron gekommen wäre. Nach II 18, 13 dagegen fällt der Angriff Sanheribs auf Ḥizqia im J. 701 in dessen 14. Jahr; danach wäre dieser erst 714 König geworden. Eine sichere Entscheidung ist nicht möglich; zu dem ersteren Datum stimmt einigermaßen, daß die für die folgenden Könige überlieferten Zahlen, von Josias Tod bei Megiddo im J. 608 zurückgerechnet, für Ḥizqia etwa 726-697 ergeben. Dagegen sind die Zahlen für Ḥizqias Vorgänger ganz unbrauchbar; sie ergeben von Joaš bis Achaz, beide eingeschlossen, 153 Jahre, während dafür nur höchstens 115 (841-727) in Frage kommen; es sind also rund 40 Jahre zu streichen. Der Fehler wird zum Teil daher stammen, daß nach Reg. II 15, 5 'Uzzia aussätzig wurde und sein Sohn Jotam für ihn die Regierung führte, diese Jahre also doppelt gerechnet sein werden. Doch reicht das in keiner Weise aus; auch nur annähernd sichere Daten sind für diese ganze Zeit nicht zu gewinnen. [Über gleichartige Fehler in der israelitischen Liste s.o. S. 13,1.]
101 Die Liste der Vasallenstaaten bei Sanherib und dann bei Assarhaddon und Assurbanipal (LUCKENBILL II 239. 690. 876) nennt außer den Fürsten der phönikischen und philistäischen Städte, die von Juda, Ammon, Moab, Edom und den einer Stadt Šamšimuruna, die sonst nicht nachweisbar ist; vermutlich war es ein im Küstengebiet von Samaria gebildetes kleines Fürstentum.
102 Auch dieser Abschnitt (c. 6) ist deutlich nur ein Fragment, dem der Abschluß fehlt.
103 Ebenso gibt er nach 8, 1ff um dieselbe Zeit einem weiteren Sohn den Namen »Eilig-Raub-Schnittbeute« (vgl. 8, 18). Die Erzählung erscheint zwar als ein Bericht des Jesaja selbst; aber die Sätze sind so abgerissen und zusammenhangslos, daß sie im günstigsten Fall doch nur ein Auszug aus einer ausführlicheren Darstellung sein können. Überdies ist sie der Erzählung Hoseas nachgebildet, und v. 4 (»ehe der Knabe ‹mein Vater› und ‹meine Mutter› zu rufen gelernt hat, wird man den Reichtum von Damaskus und Samaria vor den König von Assur tragen«) variiert die Worte über Immanuel 7, 16.
104 Auch dieser ganze Abschnitt c. 7 ist uns nur bruchstückweise überliefert und voll von Unklarheiten. Weshalb er den Šearjašûb mitnehmen soll, wird nicht gesagt, und ebensowenig, wie die Geburt des 'Immanuel für Achaz ein Zeichen sein kann. Die Prophezeiung 7, 15ff. bleibt großenteils unverständlich. Wahrscheinlich sind einzelne Worte weit später von Jesaja aufgezeichnet oder diktiert und dabei mehrfach umgestaltet.
105 Bd. I § 297. II 1, S. 424f.
106 Das habe ich früher verkannt. Aber daß Amos 9, 8ff. nicht von ihm stammt, sondern jüdischer Zusatz ist, ist mir nicht mehr zweifelhaft (vgl. Bd. II 2, 358, 2); und Hosea glaubt wohl an die Bekehrung und Errettung eines Restes, aber das Königtum verwirft er, und das messianische Reich Jesajas würde sich mit seinen Schilderungen der neuen Erziehung des Volkes, die er in Ägypten erwartet, in keiner Weise vertragen.
107 Das Wort Messias findet sich in der erhaltenen Literatur zuerst bei Deuterojesaja 45, 1; aber daß dieser ihn in Kyros zu erkennen glaubt, beweist, daß der Terminus damals längst geläufig war.
108 Es kommt noch hinzu, daß seine Hauptwirkung auf der Schrift c. 40ff. beruht, die im Kanon ganz willkürlich an das Buch Jesaja angehängt ist.
109 Wenn er 8, 3 seine Frau האיבנה »die Prophetenfrau« nennt, so ist »Prophet« geradezu titular geworden.
110 Nichts mit Jesaja zu tun haben Deutero- und Tritojesaja c. 40-66 und die gleichfalls aus exilischer und nachexilischer Zeit stammenden Stücke c. 13f. 24-27. 32-35, ferner die aus dem Königsbuch eingefügte Geschichtserzählung c. 36-39. Aber auch in dem verbleibenden Rest stammt vieles nicht von Jesaja. Im einzelnen gehen hier die Urteile sehr stark auseinander, und ebenso die Datierungen der als echt betrachteten Stücke; sehr lehrreich ist, wie gering der Bestand an sicher jesajanischem Gut bei GUTHE in der vierten Auflage der von KAUTZSCH herausgegebenen Übersetzung (1922) im Vergleich mit seiner ersten Ausgabe (1894) geworden ist. Die ersten Kapitel (1-5) sind eine Bearbeitung von Aussprüchen aus verschiedenen Zeiten, bei denen die Bezugnahme auf den äußeren Anlaß weggelassen ist [unecht ist jedenfalls 2, 1-5]. Der Geschichte der Berufungsvision c. 6 fehlt der Abschluß. c. 7-11 geben gute, wenn auch überarbeitete Überlieferung (vgl. S. 50 Anm. 3), ebenso das Orakel aus dem Krieg gegen Ašdod 20, 1ff. (o. S. 42) und das über Sebna 22, 15ff., ferner manche Stücke in c. 28-31. Mindestens aufs stärkste überarbeitet sind die Orakel über Kuš und Ägypten c. 18. 19. In den Orakeln über andere Völker 14, 28ff. 15-17. 21. 23 ist wohl kaum irgendwelches jesajanisches Gut.
111 Reg. II 18, 4. Unser Text schreibt ihm, in Sätzen voll sprachlicher Fehler, auch die Beseitigung der bamôt, der Maṣṣeben und der Ašera zu, was in der Zeit Jesajas und vor Josia völlig unmöglich ist.
112 An sein früheres Königtum ist schwerlich zu denken. Reg. II 20, 12f. motiviert die Gesandtschaft damit, daß Ḥizqia von einer Krankheit genesen sei, und knüpft daran eine Prophezeiung des Jesaja über das babylonische Exil.
113 Reg. II 18, 8. Dazu stimmt, daß Sanherib das dem Ḥizqia abgenommene Gebiet an die Könige von Ašdod, 'Aqqaron und Gaza verteilt.
114 Über diese Vorgänge s. Bd. II 2, 127. Menander (bei Joseph. Ant. IX 284f.) nennt den Gegner des Eluläos fälschlich Σελάμψας, d.i. Salmanassar. Sanherib nennt den Lulî König von Sidon (aus »König der Sidonier« entstellt) und erwähnt Tyros überhaupt nicht, weil er das Scheitern des Angriffs auf Tyros ebenso verschweigt, wie er den Mißerfolg gegen Jerusalem vertuscht; aber im übrigen stimmen der assyrische und der phönikische Bericht vollständig überein, so daß an der Identität kein Zweifel sein kann. – Der Nachfolger des Itoba'al von Sidon wird Abdimilkût sein, der bei einem Aufstande gegen Assarhaddon erliegt; von da an erwähnen die Listen Assarhaddons und Assurbanipals in Phönikien wieder nur drei Staaten: Arados, Byblos, Tyros.
115 Reg. II 18, 17-36. Eine wesentlich jüngere Dublette ist 19,9-14, wo aus der Rede ein Brief Sanheribs an Ḥizqia gemacht ist, der durch die Kunde von dem bevorstehenden Angriff Taharqas veranlaßt sein soll. Den Abschluß bildet beide Male, daß Ḥizqia sich im Gebet an Jahwe wendet und Jesaja ihm durch ein Orakel die Rettung verkündet.
116 Zu dem schwer verständlichen Satz Prisma III 31ff. über seine Truppen s. UNGNAD, Z. Ass. 38, 196.
117 Reg. II 18, 14-16, eine Angabe, die völlig isoliert neben den übrigen Erzählungen steht. Nach ihr zahlt Ḥizqia 30 Talente Gold und 300 Silber, nach Sanherib 30 Gold und 800 Silber.
118 Reg. II 19, 7. 9. Daran wird seine Ermordung (im J. 681) unmittelbar angeknüpft.
119 Reg. II 20, 20. Es ist der durch die Inschrift über seine Erbauung berühmt gewordene Siloatunnel; s. vor allem GUTHE, ZDMG. 36, 1887, 725ff.
120 Daß dieser Zug identisch wäre mit dem zur Schlacht bei Elteqe, wie man oft angenommen hat, ist wenig wahrscheinlich.
121 Vielfach hat man vermutet, das Gerücht, das nach Jesajas Prophezeiung Reg. II 19, 7 Sanherib zum Abzug veranlaßt haben soll, sei der Aufstand des Bel-ibni in Babel (u. S. 60) gewesen. Ich kann es jedoch nicht für richtig halten, wenn man die Katastrophe, von der die jüdische und die ägyptische Erzählung übereinstimmend berichten, aus der Geschichte streichen will. Wie häufig große Unternehmungen durch eine solche Epidemie jäh zusammengebrochen sind, lehrt die Kriegsgeschichte aller Zeiten.
122 Jes. 30. 31. In 10, 5ff. übernimmt er die Worte des assyrischen Unterhändlers; allerdings ist es hier wie in zahlreichen anderen Fällen stark umstritten, wieweit seine Worte intakt überliefert sind.
123 Micha 3, 12, als unter Ḥizqia gesprochen von Jeremia 26, 18f. zitiert.
124 Wenn DUHMS Deutung des Orakels Jer. 22, 1ff. zutrifft, hat das Volk den Abzug der Assyrer mit einem Freudenfest gefeiert, worüber Jesaja entrüstet ist. Das ist sehr wahrscheinlich; aber ein sicheres Verständnis des Textes ist hier wie an zahlreichen anderen Stellen nicht zu erreichen.
125 Für das orthodoxe Judentum war es ein schwerer Anstoß, daß dieser böse König unbestraft davongekommen sein sollte. So hat der Chronist eine Geschichte erfunden, daß Manasse von den Assyrern in Ketten nach Babel (!) fortgeschleppt wird und sich hier bekehrt und daher durch Jahwe die Freiheit und Rückkehr erhält. Es ist unbegreiflich, daß diese alberne Geschichte immer noch Gläubige findet.
126 Die Nachricht darüber verdanken wir der babylonischen Chronik (»Jahr 3 des Bel-ibni: Sanherib zog nach Akkad und gründete Akkad; Bel-ibni und seine Magnaten wurden nach Assur gebracht. Sanherib setzte den Assurnadinšum, seinen Sohn, in Babel auf den Thron«), mit der die Angaben des Berossos bei Eusebius wörtlich übereinstimmen (nach KARSTS Übersetzung: »Im 3. Jahr des Elibos sammelte Senecheribos, König der Assyrer, ein Heer gegen die Babylonier, bot Stirne gegen sie und siegte; und gefangennehmend ihn samt seinen Freunden ließ er sie in das Land der Assyrer führen. Er herrschte über die Babylonier und setzte als König über sie seinen Sohn Asordanises; und er selbst zog ins Land der Assyrer«). In seinen Inschriften, die auch sonst häufig unzulänglich sind, erwähnt Sanherib nur den Zug nach Bet-Jakin und die Einsetzung seines Sohnes. Für diesen Sohn hatte er in Assur einen Palast gebaut (Keilschr. histor. Inhalts I Nr. 49. LUCKENBILL II 471).
127 Die Angabe zeigt, daß der Euläoa (Qârûn) damals noch selbständig ins Meer mündete. Der Šatt el 'arab, in den jetzt Euphrat und Tigris münden, existierte noch nicht, sondern statt dessen ein Meerbusen, der zur Zeit Alexanders zu einem Lagunensee geworden war, wie Nearchs sehr anschauliche Beschreibung zeigt, s. die Ausgabe und Karte K. MÜLLERS in seinen Geogr. Graeci minores. Danach mit Recht DELITZSCH, Paradies 173ff. In diesem Meerbusen lag auch die Insel Dilmun (o. S. 45 Anm. 1).
128 Nach der babylonischen Chronik hat er 699 seinen Bruder Šutruknachundi (o. S. 44, reg. 717-699) vom Thron gestoßen. Challusus Statue ist unter den von Assurbanipal aus Susa fortgeführten (Rassamcyl. 6, 54).
129 In seinen Inschriften braucht Sanherib für ihn nur die Kurzform Šuzub, den er durch den Zusatz »der Babylonier« von dem gleichnamigen Chaldäer unterscheidet. (Prisma 4, 35). Auf der Tafel von Nabi Junus (I R. 43 Zl. 28; LUCKENBILL II 351) nennt er ihn Sohn des Gachul. Die volle Namensform geben die babylonische Chronik (mit 1 J. 6 Mt.) und die Königsliste. Im ptolemäischen Kanon heißt er Ῥηγεβὴλος (reg. 1. J., 693).
130 Sanherib verwendet ebenso wie bei seinem babylonischen Vorgänger (S. 61 Anm. 3) nur die Kurzform Šuzub, mit dem Zusatz »der Chaldäer« (Prisma 3, 45. 5, 8ff.). Den Namen Mušezibmarduk haben die babylonische Chronik, die Königsliste und der ptolem. Kanon (Μεσησιμόρδακος), die ihm übereinstimmend 4 Jahre (692-689) geben. Durch sie wird der einseitige und unvollständige Bericht Sanheribs ordentlich ergänzt und der Hergang aufgeklärt. – Mardukbaliddin wird inzwischen gestorben sein; sein Sohn Nabušumiškun hat am Kampf teilgenommen und wurde in der Schlacht bei Chalûle gefangen (Ba vian Zl. 37. I R. 43, 50, vgl. Prisma 5, 34).
131 Dazu die Notiz, daß das Jahr der Schlacht nicht bekannt sei. Da das Prisma, in dem sie ausführlich erzählt wird, vom 20. Adar 691 datiert ist, wird sie in den Anfang dieses Jahres zu setzen sein. – In der Bavianinschrift schließt er an die Schlachtschilderung und die Heimkehr die Behauptung, die Elamiten hätten sich im Schrecken in die unzugänglichen Berge geflüchtet; diese Phrase soll verschleiern, daß er nicht nach Elam gezogen ist [bei LUCKENBILL II 338 falsch übersetzt].
132 Das Datum 15/1 gibt die bab. Chronik; gestorben ist er erst fast zwölf Monate später, am 7/12. Sein Nachfolger ist Chumbachaldaš I., 688-681.
133 Sanherib nennt ihn hier wie auch sonst »Fluß Arachtu«. Daß das der offizielle Name des Euphrat im Stadtgebiet von Babel ist, haben, wie KOLDEWEY gezeigt hat, die Inschriften der Kaimauern erwiesen; vgl. jetzt WETZEL, Stadtmauer von Babylon S. 32ff. – Auch die von Sargon gebaute Ufermauer ist damals natürlich in den Euphrat geworfen worden; doch haben sich Reste von ihr erhalten.
134 Als erste königslose Zeit wenden in ihm die beiden Jahre 704 und 703 unter Sanherib vor der Einsetzung des Bel-ibni gerechnet. – Sanherib erwähnt, daß bei der Einnahme Babels auch die zur Zeit Tiglatpilesers I. im Jahr 1106 von Marduknadinache fortgeführten Götterbilder nach Ekallate zurückgegeben wurden (s. Bd. II 2, 382); ebenso wurde das früher einmal von Tugultininurta I. zeitweilig erbeutete Siegel des Šagaraktišuriaš (Bd. II 1, 533, 2. 537) wiedergefunden.
135 Hierher gehört der Bericht über den »fünften Feldzug« im Bereich des Berges Nipur, der sich nicht genauer lokalisieren läßt. Das dabei genannte Land Dâje mag mit dem Dajaeni Tiglatpilesers I. (Bd. II 2, 378) identisch sein. In der Inschrift von Nebi Junus und sonst (LUCKENBILL II, 328f. 348f.) sind damit die Kämpfe in Kilikien und gegen Tilgarimmu verbunden.
136 Berossos nach Alexander Polyhistor bei Eusebius, übersetzt von KARST, S. 14; daraus die Überarbeitung durch Abydenos ebenda S. 18, wo der »Tempel der Athener« des armenischen Textes, auf dessen Säulen er seine Inschriften setzt, offenbar aus Anchiale entstellt ist.
137 Arrian II 5. Kallisthenes fr. 34 Jacoby bei Photios und Suidas. Aristobul bei Strabo XIV 5, 9. Athen. XII 529. Der Name Sardanapal ist natürlich willkürlich, wie schon in der Erzählung von seinen Schätzen Herod. (II, 150). Auf die verwickelte Geschichte der Überlieferung kann ich hier nicht eingehen; vgl. meine Forschungen zur alten Gesch. I 203ff. II 541ff. Der Gestus ist als Schnalzen mit den Fingern gedeutet worden, und daran sind die bekannten Verse angeknüpft, daß außer den sinnlichen Genüssen alles andere wertlos sei; danach ist dann die populäre Geschichte von dem Wolllüstling ausgestaltet, die schon Aristophanes av. 1021 kennt und die dann Ktesias in seinem Roman ausgeführt hat, vgl. u. S. 88. Danach ist dann ein Denkmal in den Schutthügeln von Ninive gedeutet worden (Amyntas der Bematist Alexanders bei Athen. XII 529 e; ebenso Kallisthenes), auf dem der König mit zusammengelegten Händen dargestellt war; das wird als Beifallklatschen gedeutet.
138 LUCKENBILL II 358 und 536 (Prisma A Assarhaddons col. 2, 55ff.)
139 Assurbanipal erwähnt, daß auch Sanherib in ihm auf gewachsen ist.
140 III R. 16, 3 (LUCKENBILL II 613), zuerst erkannt von WINCKLER, Altor. Forsch. II 55f.). Diesen Namen führte er noch zu Anfang seiner Regierung auf Amuletten aus Assur (MESSERSCHMIDT, Inschr. histor. Inhalts I 53. 54, ebenso Cun. Texts 36, 14. LUCKENBILL II 723. 761); dann hat er ihn aufgegeben. – Die offizielle Darstellung über seine Einsetzung und den Kampf gegen seine Brüder gibt Assarhaddon in den Zylindern B und S (LUCKENBILL II 499ff.). Beim Tode seines Vaters zieht er gegen seine Brüder eiligst nach Ninive; mithin kann er bis dahin nur in Assur (oder etwa Kalach?) residiert haben. WINCKLER hat eine Statthalterschaft Assarhaddons in Babylon erfunden (mit grobem Mißverständnis der Angabe des Berossos über Assurnadinsum, o. S. 60,2); das hat SCHMIDTKE in der gänzlich verfehlten Abhandlung »Assarhaddons Statthalterschaft in Babylon« (Altor. Texte I 2, herausgegeben von MEISSNER) weiter ausgeführt. – Im J. 687, in dem Sanherib Eponym war, nennt Kanon III statt seiner den Assarhaddon; und drei Texte bei EBELING, Keilinschr. relig. Inhalts Nr. 14 bis 16 sind aus dessen Eponymat datiert. Da mag er also seinen Vater vertreten haben. Aber er führt hier noch seinen ursprünglichen Namen, war also noch nicht zum Thronfolger designiert.
141 Die bab. Chronik nennt nur einen Sohn als Mörder (ebenso Nabonid in der Inschrift Mitt. Vorderas. Ges. 1896, 1), offenbar den, der sich dann zum König zu machen suchte; ebenso Berossos bei Eusebius (KARST, Eus. Chronik S. 14), bei dem er Ardumuzan heißt [die Angaben des Abydenos ebenda S. 18 sind konfus]. Aber Assarhaddon redet von mehreren Brüdern, deren Namen er natürlich nicht nennt; dadurch wird Reg. II 19, 37 bestätigt, wo die Namen (etwa Adarmalik und Sar'uṣur zu sprechen) wohl verschrieben sind; der Gottesname ךרסנ (Nisrok, LXX Εσδραχ, Joseph. X 23 Αρασκη) wird aus Assur entstellt sein. – Erwähnt wird Sanheribs Ermordung von Assurbanipal, als er im J. 648 den Rest der Genossen des Šamaššumukin nach Ninive brachte und dort abschlachtete (siehe die Rede eines Gottes, wohl des Assur, an den König Cun. Texts 35, 13; UNGNAD, Z. Ass. 35, 50; LUCKENBILL II 1103ff.). Die Erzählung darüber Rassamzyl. 4, 70ff. lautet: »Den Rest der Leute habe ich lebend an (ina) den Stierkolossen, die meinen Großvater Sanherib dort (ina libbi) weggetilgt hatten, jetzt habe ich zur Sühne für ihn diese Leute dort (ina libbi) weggetilgt«, und zwar, indem er ihre Fleischstücke den Tieren vorwerfen ließ. Diese Stelle ist in der Regel ganz sinnlos dahin gedeutet worden, daß die Gehilfen des Šamaššumukin 32 Jahre vorher den Sanherib ermordet hätten und daß er womöglich in Babylon ermordet worden sei; und umgekehrt haben LANDSBERGER und BAUER, Z. Ass. 37, 66ff. nachzuweisen gesucht, daß in Wirklichkeit Assarhaddon der Mörder Sanheribs sei. Ihre Deutung haben sie ebenda S. 215ff. teilweise zurückgenommen; aber auch die Übersetzung, die sie jetzt geben, ist weder erschöpfend noch irgendwie haltbar.
142 Von seinen Annalen sind nur einzelne Bruchstücke, vor allem über den 9. und 10. Feldzug, erhalten; dazu kommen die Daten der babyl. Chronik [von der die sogenannte Assarhaddonchronik bei SMITH, Babyl. histor. Texts, 1924, ein Duplikat ist; vgl. dazu LANDSBERGER und BAUER, Z. Ass. 37, 64. 73ff. 221]. Die übrigen Texte, auf Zylindern und Prismen sowie auf den Siegesstelen von Sendjirli, Til-Barsip (Tell Aḥmar) und am Nahr el Kelb geben, wie bei seinen Vorgängern, ausführliche oder kürzere Zusammenfassungen ohne chronologische Ordnung. Weiteres bringen die Bauinschriften, vor allem die über Babylon.
143 In Wirklichkeit fällt Assarhaddons Entschluß bereits ins zehnte Jahr, 680, aus dem auch die Texte LUCKENBILL II 659 und 659 a datiert sind; aber die Ausführung hat Jahre erfordert und ist erst unter seinem Nachfolger zum Abschluß gelangt.
144 Das Exzerpt aus einer Chronik bei SMITH, Babyl. hist. Texts, pl. 4 bemerkt, daß Bêl unter Sanherib und Assarhaddon in den Jahren 688-669 in Assur war und daher das Neujahrsfest in Babel nicht gefeiert werden konnte.
145 KNUDTZON, Gebete an den Sonnengott aus der Zeit Assarhaddons und Assurbanipals, 1893.
146 IV R. 61 (2. Aufl.). SCHMIDTKE, Assarhaddons Statthalterschaft S. 117ff.; LUCKENBILL II 617ff.
147 Zur Lesung von Bab. Chron. s. LANDSBERGER und BAUER, Z. Ass. 37, 77. Eine Anfrage Assarhaddons an den Sonnengott über Urtagis Verhalten bei KNUDTZON Nr. 76. – Kämpfe mit dem auch von Sargon und Sanherib und später von Assurbanipal bekämpften Stamme Gambûlu in dem Sumpfgebiet an der Grenze von Elam: LUCKENBILL II, 539. 549. KNUDTZON Nr. 153.
148 Bei Assarhaddon wird für diese Stämme mehrfach zusammenfassend der alte Name Gutäer oder Qutäer verwendet. Ebenso erwähnt er hier Kämpfe gegen die Sutû, die Nomaden der Wüste. Auf die Eroberung der Stadt Šar-iqbi durch die Mannäer (Assurbanipal Zyl. B, III 24) bezieht sich die Anfrage KNUDTZON Nr. 16.
149 Patus'ara, bei Darius Pâtišuvari, Strabo XV 3, 1 Πατεισχορεῖς, ist die spätere Landschaft Χοαρηνή östlich der Kaspischen Pforten. Die Häuptlinge heißen Sidirparna d.i. Citrafarna Τισσαφέρνης und Eparna d.i. Vifarna.
150 Die Anfragen schreiben Iškuzai, Assarhaddon in seinen Inschriften Asguzai oder Ašguzai; das zeigt, daß der anlautende Vokal nur Vorschlag zur Erleichterung der Aussprache ist.
151 KNUDTZON Nr. 29. Ganz unsicher ist seine Ergänzung von Nr. 35, in der er ein Vordringen der Iskuzäer gegen die Mannäer und durch den Paß von Chubuskia (im Zagros) gegen Assyrien zu erkennen glaubt; darauf haben WINCKLER, Altor. Forsch. I 484, und Andere weitgehende politische Kombinationen gegründet, die durchaus problematisch bleiben, so verlockend sie erscheinen mögen.
152 KNUDTZONS Ergänzungen der ganz verstümmelten Texte Nr. 25 und 30 dürfen geschichtlich nicht verwendet werden. Erhalten sind nur die Volksnamen Gimirai und Iškuzai in 25 Rs. 10. 11 sowie Iškuzai und »Bezirke der Meder« in 30, 7. Rs. 3. 5.
153 Die einzige Erwähnung ist in dem ausführlichen Bericht Assarhaddons über die Unterwerfung der Landschaft Šubria im Bereich des oberen Tigris im J. 673, wo der König, der die dorthin entflohenen assyrischen Untertanen grausam verstümmelt, sich rühmt, er habe die Flüchtlinge aus Urarṭu sämtlich an dessen König Ursâ ausgeliefert (WINCKLER, Altor. Forsch. II 27ff.; LUCKENBILL II 592ff.). Hierher gehört auch die Anfrage an den Gott KNUDTZON Nr. 48, in der Zl. 7 auch ein Eingreifen der Kimmerier als möglich erscheint. Rs. Zl. 6 hat KNUDTZON den Namen des Ursâ wohl richtig ergänzt; aber von einer Verbindung desselben mit den Kimmeriern ist dabei mit keinem Wort die Rede, sooft das auch in neueren Darstellungen [gegen WINCKLER S. 52] behauptet wird.
154 Herod. IV 12. [Scymn.] 941ff.
155 Strabo I 3, 21; vgl. Steph. Byz. Συασσός, ein Dorf Phrygiens, in dem ihnen ein großes Getreidemagazin in die Hände fällt; als Datum gibt Hieronymus' Chronik 696 v. Chr.
156 Das Datum gibt das Duplikat der babyl. Chronik bei SMITH, Babyl. hist. Texts, wo die Kimmerier genannt sind, aber der Ort ihrer Niederlage Kušeichnu geschrieben ist.
157 Chubusna wird von J. Lewy (Forsch. zur Gesch. Vorderasiens, Mitt. Vorderas