Artikel in der Wikipedia: Aachen
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[1⇒] Aachen (lat. Aquisgranum oder Civitas Aquensis; frz. Aix-la-Chapelle), Hauptstadt des preuß. Reg.-Bez. A. (4155 qkm, 614.964 meist kath. E., 1 Stadt-, 10 Landkreise) und Stadtkreis (39 qkm), an der Wurm, (1900) mit Burtscheid 135.245 E. (9354 Evangelische, 1580 Israeliten), Garnison, Land- und Amtsgericht, Oberpostdirektion, Reichsbankstelle, Handelskammer, Technische Hochschule mit Handelshochschule, Gymnasium, Realgymnasium, Oberrealschule, Lehrerinnenseminar. Bemerkenswert das 796-804 von Karl d. Gr. begonnene Münster (Gebeine Karls d. Gr. im Karlsschrein des Domschatzes, Grab Ottos III. im Chor), Rathaus (1353-70 an Stelle des Kaiserpalastes erbaut, jüngst erneuert), Bronzebild Karls d. Gr. (1620), Kongreßdenkmal (1836-44). A. ist wichtiger Handelsplatz und bedeutende Fabrikstadt (altberühmte Gold- und Silberarbeiten, Tuch-, Kratzen-, Nadel-, Zigarren-, Maschinenfabriken u.a.). Berühmt seit der Römerzeit sind die Bäder von A. und von Burtscheid, zu den alkalisch-muriatischen Schwefelthermen (45-56° C.) gehörig. – A. ist röm. Ursprungs, war Residenz Karls d. Gr., Freie Reichsstadt, 813-1531 Krönungsstadt der deutschen Könige, kam 1797 an Frankreich, 1815 an Preußen. Der Erste Aachener Friede, 2. Mai 1668, beendigte den Devolutionskrieg, der Zweite Aachener Friede, 18. Okt. 1748, den Österr. Erbfolgekrieg. Im Aachener Kongreß zwischen Österreich, Rußland, Preußen, Großbritannien und Frankreich, 30. Sept. bis 21. Nov. 1818, wurde die Zurückziehung der Okkupationstruppen aus Frankreich und gegenseitige Unterstützung der Mächte bei Revolutionen beschlossen. – Vgl. über die Geschichte Haagen (1873-74), Groß (1894), über die Bäder Beißel (1904). [⇐1]

1. Aachen.
1. Aachen.
Quelle: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 1.
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[2⇒] Aachen (franz. Aix-la-Chapelle, lat. Aquae, meist unflektiert Aquis, Aquisgranum; hierzu der Stadtplan mit Registerblatt), die uralte Krönungsstadt der deutschen Könige, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks der preuß. Rheinprovinz und Stadtkreis, 162 m ü. M., liegt in einem Kesseltal, das von der Wurm bewässert und von den Vorhöhen des Hohen Venn umgrenzt wird. A. besteht aus der innern alten und der äußern neuen Stadt, wozu noch neue Stadtteile außerhalb der ehemaligen Ringmauer und die 1897 einverleibte Nachbarstadt Burtscheid kommen. Die meisten Straßen erinnern mit ihrer breiten Flucht und modernen Gebäuden nur selten an das Mittelalter.

Wappen von Aachen.
Wappen von Aachen.

Als die schönsten sind die Wilhelms-, Hoch-, Theater-, Bahnhofs-, Komphaus- und Großkölnstraße und die sogen. Gräben (Templer-, Alexianergraben etc.), welche die Mittelstadt von den ehemaligen Vorstädten trennen, anzuführen. Neue schöne Straßen sind: die Lousbergstraße, die Ludwigs-, Monheims- und Heinrichsallee, der Adalbertstein weg, der Boxgraben etc. Von den Plätzen sind zu nennen: der Große Markt mit der Bronzestatue Karls d. Gr., der Friedrich-Wilhelmsplatz, der Theaterplatz mit dem Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. (modelliert von Schaper), der Münsterplatz, der Bahnhofsplatz mit dem Kriegerdenkmal von Fr. Drake, der Kaiserplatz mit monumentalem Springbrunnen, der Hansemannplatz mit dem Denkmal David Hansemanns von H. Hoffmeister etc. Von den ehemaligen Toren der Stadt stehen nur noch das Ponttor im NW. und das Marschiertor im S., zwischen A. und dem Stadtteil Burtscheid.

[Bauwerke.] Unter den kirchlichen Bauwerken ist zunächst das Münster zu nennen, ein architektonisches Konglomerat aus den verschiedensten Perioden christlicher Baukunst. Der älteste Teil ist die byzantinische Pfalzkapelle Karls d. Gr., ein achteckiger, 32 m hoher Bau mit Kuppel. Dieses Oktogon, das eigentliche Schiff der Kirche, wurde 796 nach byzantinischen Mustern begonnen, von Meister Udo von Metz vollendet und 805 durch Papst Leo III. eingeweiht. Die Mosaikbilder, welche die Kuppelwölbung bedeckten, gingen verloren; nur eins derselben, die Majestas Domini mit den 24 Ältesten der Apokalypse, ist wiederhergestellt worden. Westlich von dem Oktogon steht ein Glockenturm, flankiert von zwei runden (karolingischen) Treppentürmen, die nach der im Mittelalter entstandenen gotischen Reliquienkammer führen. Das 34,5 m hohe, 25 m lange und 12,5 m breite Chor, der zweitälteste Teil des Münsters, 1353–1413 im gotischen [⇐2] [3⇒] Stil ausgeführt, schließt sich an die Ostseite des Oktogons und interessiert besonders durch seine 26,7 m hohen, 5 m breiten Fenster, die mit prachtvollen modernen Glasmalereien geschmückt sind. Mehrere reichdekorierte, gotische Kapellen, im Innern restauriert, darunter die Karlskapelle und die Annakapelle, flankieren beide Seiten des Achtecks und Chors. Die Entfernung von Teilen einer dritten Bauperiode (18. Jahrh.), die das damals schon planlos erweiterte Gebäude verunzierten, so der im Zopfstil wieder aufgeführten Ungarischen Kapelle, die jetzt den Domschatz birgt, sowie geschmackloser Stuckaturen und Übermalungen im Innern und die Wiederherstellung der Kirche in ihrer ursprünglichen Gestalt hat sich der 1849 gegründete Karlsverein zur Aufgabe gemacht. In der Mitte des Oktogons bezeichnet eine Steinplatte fälschlich die Stelle, an der Kaiser Karl bestattet ist. Die Grabstätte ist indessen noch nicht gefunden. Seit 1215 ruhen seine Gebeine im schönen Karlsschrein. (Vgl. Käntzeler, Karls d. Gr. Behälter, Aach. 1858, und in den Bonner »Jahrbüchern«, Heft 33.) Über der vermeintlichen Gruft hängt ein großer Kronleuchter aus vergoldetem Kupfer, eine kunstvolle Arbeit des Aachener Meisters Wibert und vom Kaiser Friedrich I. geschenkt. Außer Karl d. Gr. wurde auch Otto III. im Münster bestattet. – Reich sind die Schätze, die das Münster birgt, an Reliquien und kostbaren Altertümern, unter letztern das angebliche Hifthorn Karls d. Gr., der weißmarmorne, später mit Gold plattierte Kaiserstuhl, die prachtvolle, mit Gold überzogene und mit Gemmen und Elfenbeinreliefs verzierte Evangelienkanzel, ein Geschenk Heinrichs II., etc. Die Reliquien werden alle sieben Jahre in der Zeit vom 10.–24. Juli (zuletzt 1902) dem Volke gezeigt. Vgl. Quix, Historische Beschreibung der Münsterkirche zu A. (Aach. 1825); Debey, Die Münsterkirche zu A. und ihre Wiederherstellung (das. 1851); Schervier, Die Münsterkirche zu A. und deren Reliquien (das. 1853); Floß, Geschichtliche Nachrichten über die Aachener Heiligtümer (Bonn 1855); Bock, Karls d. Gr. Pfalzkapelle und ihre Kunstschätze (Köln 1866–67); Kessel, Geschichtliche Mitteilungen über die Heiligtümer der Stiftskirche zu A. (Köln u. Neuß 1874); Beissel, Die Aachenfahrt. Verehrung der Aachener Heiligtümer (Freib. 1902).

Außer dem Münster besitzt A. noch 41 Gotteshäuser, darunter 10 kath. Pfarrkirchen, 3 evang. Kirchen und eine Synagoge im maurischen Stil. Nur vier dieser Kirchen sind mittelalterlichen Ursprungs: die St. Foillans-Pfarrkirche (aus dem 15. Jahrh.), die spätgotische Kirche zu St. Paul (mit einer Himmelfahrt von Schadow), die Adalbertskirche und die Nikolauskirche. Unter den übrigen sind die gotische Marienkirche und die im romanischen Stil erbaute Redemptoristenkirche als moderne Bauwerke sowie die Michaeliskirche (1628 geweiht) wegen ihres Altarbildes (einer Pieta von Honthorst) und die neue Jakobskirche im romanischen Stil hervorzuheben.

Das historisch wichtigste profane Bauwerk Aachens ist das an der Stelle der karolingischen Kaiserpfalz im 14. Jahrh. erbaute gotische Rathaus. An beiden Seiten der Nordfront erheben sich nach Vernichtung ihres Dachwerks durch die Feuersbrunst von 1883 zwei jetzt wiederhergestellte Türme, von denen der eine (östliche), der gewaltige Granusturm, zum größten Teil noch der alten Pfalz angehört. Vgl. Kessel, Das Rathaus zu A. (Aach. 1884); Rhoen, Die karolingische Pfalz zu A. (das. 1889); v. Reber, Der karolingische Palastbau (Münch. 1892). Im obern Geschoß enthält das Rathaus den schönen, fast 45 m langen und 19 m breiten Kaisersaal, der einst zur Abhaltung der Krönungsfeierlichkeiten diente und mit Wandgemälden von Rethel und Kehren geschmückt ist. Eine durchgreifende Restauration des ganzen Baues ist jetzt vollendet. Von den übrigen öffentlichen Gebäuden sind zu nennen: das Kurhaus mit großem Konzertsaal, das Suermondt-Museum, der in griechischem Stil nach Schinkels Plänen 1822–24 ausgeführte Elisenbrunnen, das Theater, das Regierungsgebäude, das gotische Karlshaus, das städtische Verwaltungsgebäude, das städtische Archiv- und Bibliotheksgebäude etc.

[Bevölkerung und Erwerbszweige.] Die Zahl der Einwohner, die 1799: 23,699, 1867: 67,923 betrug, belief sich 1900 mit der Garnison (ein Füsilierregt. Nr. 40) auf 135,245 Seelen, darunter 9354 Evangelische und 1580 Juden. In der Industrie ist besonders die Textilbranche von hervorragender Bedeutung. 1900 bestanden dort 159 Fabriken mit 13,152 Arbeitern, die Spinnerei, Weberei, Tuchfabrikation (78 mit 10,365 Arbeitern) und Färberei betrieben. Hauptprodukt sind namentlich Herren- und Damentuche. Demnächst nimmt die Nadelfabrikation einen hervorragenden Rang ein (1900: 29 Fabriken mit 4022 Arbeitern), desgleichen die Herstellung von Kratzen, Maschinen und Dampfkesseln, Wagen und Waggons, Möbeln und Zigarren sowie die Buchdruckerei. Sonst sind noch vorhanden: Fabriken für Samt-, Leinen- und Posamentierwaren, Farben, Handschuhe, Messer, Regenschirme, feuerfeste Steine, Ton- und Steingutwaren, Zement, optische und physikalische Instrumente, Knöpfe, Glocken, Tapeten, Feuerspritzen, Eisengießereien, große Brauereien und Brennereien etc. A. ist mit vier Bahnhöfen Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Köln-Herbesthal und zahlreicher andrer Linien. Eine elektrische Straßenbahn von 83 km Betriebslänge sowie ein ausgedehntes Fernsprechnetz (1710 Sprechstellen) erleichtern den Verkehr. A. ist ein wichtiger Stapelplatz des preußischen Handels. Außer den Erzeugnissen der Textil- und Nadelfabrikation, mit starker überseeischer Ausfuhr, sind namentlich Wolle, Getreide und Wein, Steinkohlen, Leder, Holz etc. wichtige Handelsartikel. Zugleich ist A. Sitz der A.-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft (gegr. 1825 von Hansemann), der Rückversicherungsgesellschaft, der A.-Höngener Bergwerksgesellschaft und der Aktiengesellschaft für Bergbau, Blei- und Zinkfabrikation zu Stolberg und in Westfalen. Den Geldverkehr vermitteln die Reichsbankstelle (Umsatz 1901: 1153,5 Mill. Mk.), die Filiale der Bergisch-Märkischen Bank, die Aachener Diskontogesellschaft, die Bank für Handel und Gewerbe etc. Ferner ist A. Sitz einer amtlichen Konditionieranstalt sowie Verwaltungsstelle einer Reihe berufsgenossenschaftlicher Organe und Sitz namhafter gewerblicher Vereinigungen (z. B. des Berg- und hüttenmännischen Vereins im Aachener Bezirk, des Vereins deutscher Nadelfabrikanten, des Tuchfabrikantenvereins etc.).

[Anstalten, Behörden.] An Bildungsanstalten besitzt A. eine technische Hochschule (1900: 421 Studierende), 2 Gymnasien, ein Realgymnasium, eine Oberrealschule, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, eine höhere Fachschule für Textilindustrie, eine gewerbliche Zeichen- und Kunstschule, eine Baugewerkschule, eine höhere Maschinenbauschule, eine Fachschule für Heizer und Maschinenwärter, eine Taubstummenbildungsanstalt etc. Daneben bestehen mehrere öffentliche Bibliotheken und zahlreiche Kunst- und naturhistorische [⇐3][4⇒] Privatsammlungen, darunter namentlich die Stadtbibliothek mit über 80,000 Bänden, das Stadtarchiv, das Suermondt-Museum (für Altertümer, Gemälde und Kupferstiche), das Stadttheater, zahlreiche wissenschaftliche Vereine etc. Von Wohltätigkeitsanstalten sind zu nennen: das Mariahilfspital (unter Leitung von Elisabethinerinnen), die Alexianer-Irrenanstalt, das Vincenzspital für Unheilbare, die Mariannen-Entbindungsanstalt, die Annunziatenanstalt für weibliche Irre (Mariabrunn und Mariaberg), das Luisenhospital, die Augenheilanstalt für den Regierungsbezirk A., das Arbeiterinnenhospiz, ein Armen- und Waisenhaus etc.

A. ist Sitz der Regierung, eines Landratsamts (für den Landkreis A.), eines Landgerichts, einer Oberpostdirektion, eines königlichen Polizeipräsidiums, eines Hauptzollamts, des Stabes der 29. Infanteriebrigade sowie einer Handelskammer. Die städtischen Behörden zählen 7 Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete. Die städtische Jahresrechnung umfaßte 1901: 8,144,000 Mk. in Einnahme und Ausgabe; die Schuld belief sich auf 17,7 Mill. Mk. Der Landgerichtsbezirk umfaßt die 16 Amtsgerichte zu A., Aldenhoven, Blankenheim, Düren, Erkelenz, Eschweiler, Eupen, Geilenkirchen, Gemünd, Heinsberg, Jülich, Malmedy, Montjoie, St. Vith, Stolberg und Wegberg. – Die Stadtfarben sind Schwarz und Gelb.

[Mineralquellen.] Die Aachener Mineralquellen (schon von den Römern benutzt) gehören zur Klasse der warmen Schwefelquellen. Man unterscheidet drei Quellgruppen, die am Abhang der das Rathaus tragenden Höhe auf der Hof- und Büchelstraße (obere Gruppe) und der Komphausbadstraße (untere Gruppe) hervorbrechen, sowie die Quellen im Stadtteil Burtscheid. In der obern Gruppe ist die mächtigste und heißeste (55°) die Kaiserquelle (vgl. die chemische Analyse in der Tabelle bei Art. »Mineralwässer«, VII) im Gebäude des Kaiserbades, die außer den eignen Bädern und dem Elisenbrunnen auch das Bad Zur Königin von Ungarn und das Neubad speist; bei dem Neubau des erstern in der Edelstraße wurden die Fundamente eines von der 6. römischen Legion zwischen 71 und 91 n. Chr. in der Nähe der Kaiserquelle errichteten Badegebäudes ausgegraben. In Verbindung mit dem Kaiserbad steht ein Inhalationssaal. Zu der obern Quellgruppe zählt auch die Quirinusquelle (50°), die das gleichnamige Bad versieht. Zu der untern Quellgruppe auf der Komphausbadstraße gehört die von allen Thermen Aachens wasserreichste, das Rosenbad und das für Unbemittelte bestimmte Komphausbad versehende Rosenquelle (47,5°); sehr wasserreich ist auch die Corneliusquelle (45,7°), die das Cornelius- und Karlsbad speist. Im Stadtteil Burtscheid befinden sich 25 Thermen (Kochsalzquellen), die mehr oder minder nach Schwefelwasserstoffgas riechen, und von denen 9 zu Heilzwecken benutzt werden, darunter die Schwertbadquelle (74,6°), die heißeste Quelle von Mitteleuropa, der Viktoriabrunnen (60°), der gewöhnlich zum Trinken benutzt wird, der Kochbrunnen (72,5°; vgl. Tabelle bei Art. »Mineralwässer«, VII). Übrigens befindet sich dort auch eine kalte Eisenquelle. Die Thermen werden zu Bädern benutzt, auch getrunken und zerstäubt eingeatmet. Sie wirken besonders auf das Pfortadersystem und die Schleimhäute und werden angewendet gegen Gicht, Hautkrankheiten, Rheumatismus, Unterleibsbeschwerden, Syphilis, Neuralgien, Lähmungen, Folgezustände von Verletzungen und Entzündungen, Metallvergiftungen, Rückenmarksschwindsucht, Skrofulose. Aus dem Thermalwasser wird auch ein Tafelwasser hergestellt (Versand jährlich 3,8 Mill. Flaschen). Zahl der Kurgäste jährlich über 40,000. Vgl. Liebig, Chemische Untersuchung der Schwefelquellen Aachens (Aach. 1851); Lersch, Geschichte des Bades A. (das. 1870); Derselbe, Die Thermalkur zu A. und Burtscheid (das. 1870); Schuster, Die Aachener Thermen. Verhaltungsregeln etc. (3. Aufl., das. 1876); Reumont, Die Thermen von A. und Burtscheid (6. Aufl., das. 1888); Derselbe, Winterkuren an Schwefelthermen (Wien 1877); Beissel, Der Aachener Sattel und die aus demselben vorbrechenden Thermalquellen (Aach. 1886); »A. als Kurort« (hrsg. von Beissel, das. 1889); Fromm, Die Literatur über die Thermen von A. (das. 1890).

Umgebung. Rings um die Stadt sind vortreffliche Promenaden angelegt (Stadtgarten in Verbindung mit einem botanischen Garten). Der nahe Lousberg, ein 250 m hoher Hügel nördlich von der Stadt, bietet herrliche Aussicht. Vom Lousberg, zugleich einem ergiebigen Fundort für Petrefakten der Kreideformation, durch einen Einschnitt getrennt, erhebt sich der Salvatorberg, mit romanischer Kapelle, 1883 bis 1884 in der frühern Gestalt neu aufgebaut. Weiterhin bildet der über 1000 Hektar große Aachener Wald (mit Aussichtsturm) schöne Partien. Ein neues. im Bau befindliches Stadtviertel, überwiegend auf Burtscheider Gebiet, umgrenzt die Frankenburg, den sagenhaften Lieblingsaufenthalt Karls d. Gr. und Fastradas, in parkartiger Umgebung.

[Geschichte.] A. ist in der Römerzeit entstanden; seine mittelalterliche Bezeichnung Aquisgrani (Aquisgranum) weist auf den Kult des Apollo Granus hin, den die Römer bei Thermen verehrten. Schon unter König Pippin bestand daselbst um 765 eine königliche Pfalz, an deren Stelle Karl d. Gr. 777–786 einen prächtigen Neubau ausführen ließ, in dem er und seine Nachfolger häufig Hof hielten. Erst 1172 bis 1176 wurde der Ort (die jetzige Altstadt) auf Geheiß Kaiser Friedrichs I. mit einer Mauer umgeben und dadurch Stadt. Um 1300 entstand der äußere Mauerring. Schon 1166 gewährte Friedrich I. und 1215 Friedrich II. A. wichtige Privilegien. Wilhelm von Holland erteilte 1250 den vom Rate beschlossenen Statuten seine Zustimmung; doch bestanden als königliche Beamte Vogt und Schultheiß fort. A. hieß »des heiligen römischen Reiches freie Stadt« und spielte im Landfriedensbund zwischen Maas und Rhein (1351–87) eine hervorragende Rolle. Von Ludwig dem Frommen bis auf Ferdinand I. (813–1531) wurden hier 32 Kaiser und deutsche Könige gekrönt. 1450 erzwangen die Zünfte durch einen Aufstand Anteil am Stadtregiment. Die Reformation fand schon früh Eingang, ja 1580 wurde der katholische Magistrat verdrängt, worauf 1598 die Reichsacht über A. ausgesprochen und von dem Kölner Kurfürsten Ernst von Bayern vollstreckt ward. Als während des jülichschen Erbfolgestreites die Protestanten abermals die Oberhand gewannen, wurden spanische Truppen unter Spinola 1614 aus den Niederlanden herbeigerufen und durch sie das im Jahre vorher erlassene Restitutionsmandat Kaiser Matthias' vollzogen. Die Verlegung der Krönungen nach Frankfurt, die Religionsstreitigkeiten und eine große Feuersbrunst 1656 führten Aachens Verfall herbei. 1801 wurde es durch den Lüneviller Frieden französisch und Hauptstadt des Roerdepartements. 1815 fiel es an Preußen. Das Bistum A., 1802 gegründet, wurde 1821 aufgehoben und bei dem Münster wiederum ein Kollegiatstift eingerichtet. [⇐4][5⇒] Von A. führen zwei Friedensschlüsse den Namen. Der erste Friede von A. beendete 2. Mai 1668 den sogen. Devolutionskrieg (s. d.) Ludwigs XIV. gegen Spanien. Ludwig XIV. mußte sich mit einigen Städten Flanderns, wie Charleroi, Douai, Tournai und Lille, begnügen, wogegen Spanien die Franche-Comté zurückerhielt. Der zweite Friede von A., 18. Okt. 1748 zwischen Österreich, England, den Niederlanden und Sardinien einerseits und Frankreich und Spanien anderseits abgeschlossen, beendigte den Österreichischen Erbfolgekrieg. Österreich trat die italienischen Herzogtümer Parma, Piacenza und Guastalla an den spanischen Infanten Philipp ab; dafür erkannten Frankreich und Spanien die Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI. an. Auf dem Aachener Kongreß (1. Okt. bis 14. Nov. 1818), zu dem die Monarchen von Österreich, Rußland und Preußen persönlich erschienen, trat Frankreich der Heiligen Allianz bei, worauf es 9. Okt. die sofortige Räumung seines Gebietes durch die verbündeten Truppen und die Festsetzung der noch zu zahlenden Kriegskosten auf 265 Mill. Frank zugestanden erhielt. Ferner erklärte der Kongreß das Großherzogtum Baden, von dem Österreich einen Teil an Bayern versprochen hatte, für unteilbar und gestand den Grafen von Hochberg das Recht der Nachfolge in Baden zu. Vgl. Schjerning, A. und seine Umgebung (Aach. 1895); Führer von Lersch (6. Aufl., das. 1900), Thissen u. a.; Wagner, Beschreibung des Bergreviers A. (Bonn 1881); Quix, Geschichte der Stadt A. (Aach. 1841, 2 Bde.); Haagen, Geschichte Achens (das. 1874, 2 Bde.); »Festschrift zur 72. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte, Aachen 1900«; Rhoen, Die ältere Topographie der Stadt A. (das. 1891); Derselbe, Die Befestigungen der freien Reichsstadt A. (das. 1894); Pick, Aus Aachens Vergangenheit (das. 1895); »Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins« (seit 1879); »Aus Aachens Vorzeit«, Mitteilungen des Vereins für Kunde der Aachener Vorzeit (seit 1887).

Der Regierungsbezirk A. (s. Karte »Rheinprovinz«) umfaßt 4155 qkm (75,46 QM.) mit (1900) 614,964 Einw. (148 auf 1 qkm), darunter 24,763 Evangelische, 585,717 Katholiken und 4325 Juden, und besteht aus den 11 Kreisen:

Tabelle

Über die fünf Reichstagswahlkreise des Regierungsbezirks s. Karte »Reichstagswahlen«. [⇐5]

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 2-5.
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[4⇒] Aachen, 1) Regierungsbezirk in der preuß. Rheinprovinz (Abth. Niederrhein), besteht aus Theilen der sonstigen Dep. Roer, Niedermaas, Ourthe u. Saar, od. aus den frühern deutschen Landen Jülich, Schleiden, Stadt A., Köln, Trier, Luxemburg, Aremberg, Stablo, Malmedy, Blankenheim u. a. od. aus Theilen derselben; 751/2 QM., 412,000 Ew.; grenzt an die Rgsbzke. Düsseldorf, Köln, Koblenz, Trier, an Belgien u. die Niederlande; gebirgig durch die Eifel u. die Hohe Veen; nördlich eben; bewässert von der Roer (mit Urft, Inde, Worm, Merz etc.), Our, Kill (zur Mosel), Erst n. Ahr (zum Rhein); hat viele Industrie (Metallwaaren u. Tücher), Acker- u. Bergbau, u. ist getheilt in die 11 Kreise: Stadtkreis A., Landkreis A., Erkelenz, Jülich, Düren, Schleiden, Malmedy, Montjoie, Eupen, Geilenkirchen, Heinsberg. 2) 2 Kreise hier, Stadt- (nur die Stadt A.) u. Landkreis A., letztrer gegen 6 QM. groß u. mit Burtscheid 63,500 Ew. 3) (Aix la Chapelle), Hauptstadt hier, Sitz der Regierungsbehörden, Landgericht, Handelskammer, Handelsgericht; Rathhaus (an der Stelle der alten königl. Pfalz) mit dem Krönungssaal (worin 37 deutsche Kaiser u. Kaiserinnen gekrönt wurden) u. mit 2 Thürmen (Granus- u. Markt- od. Glockenthurm), davor auf dem Markte Springbrunnen mit Bildsäule Karls d. Gr. u. bronzenem Bassin; Domkirche (Münster) in Form eines Achtecks, in byzant. Styl 796–804 durch Karl d. Gr. erbaut, mit bronzenen Thüren u. 1353 in goth. Styl erbautem Chor, marmornen, porphyrnen u. granitnen Säulen (von den Franzosen nach Paris geschafft, aber meist zurückgegeben), in der Mitte Karlsd. Gr. Grab (Inschrift: Carolo Magno, s. unten), mehrere Reliquien (ein Gewand der Mutter Gottes, die Windeln des Heilandes, ein Tuch Johannis d. T., das blutige Lendentuch des Heilandes), von denen die großen alle 7 Jahre unter Zuströmen von Tausenden von Menschen ausgestellt werden, der weiße Marmorstuhl, auf welchem sitzend die Leiche Karls d. Gr. beigesetzt war, diente später den neugekrönten Kaisern zum Sitz während der Gratulationscour der fremden Fürsten; sonst bis 1795 wurden die Reichskleinodien hier verwahrt; Franciscanerkirche mit Kreuzesabnahme von A. van Dyk, 16 andere kathol. Kirchen, 3 Klöster, 1 evangel. Kirche, 1 Synagoge; Freimaurerloge: Beständigkeit zur Eintracht; 1825 erbautes Schauspielhaus. Die ehemaligen Festungswerke um A. sind in Spaziergänge verwandelt. Fabriken in Dampf- u. a. Maschinen, Tuch, Buckskin, Wolle, Nähnadeln, Farben, chem. Waaren. Wohlthätigkeitsanstalten: Irrenhäuser, 2 Nonnenklöster für Kranke, Hospitäler u. Krankenhäuser, Waisenhaus, Feuerversicherungsanstalt (s. u. Assecuranz), Verein zur Beförderung der Arbeitsamkeit. Wissenschaftliche Einrichtungen: Gesellschaft für nützliche Wissenschaften u. Gewerbe, Gymnasium, höhere Bürger- u. Gewerb-, Bau-, Handels- u. a. Schulen; Bettendorfer Gemäldesammlung. A. ist als Eisenbahnknoten ein wichtiger Handelsplatz geworden; es reicht mit 2 Armen (Aachen-Kölnn. A.-Düsseldorf-Ruhrort) rückwärts nach Deutschland u. mit 2 (Aachen-Mastricht u. A.-Lüttich) nach Belgien, u. verbindet NDeutschland mit Belgien u. Frankreich, s. Eisenbahn. Ew. 52,000 Münzen, Maße u. Gewichte sind jetzt die preuß. (s. Preußen, Geogr.), von 1801–15 waren die franz. gewöhnlich. Wappen: Ein ausgebreiteter schwarzer Adler im silbernen Felde mit vergoldetem Kopf, Krone, Füßen u. Klauen. In A. u. in dem nahen Burtscheid die schon zu Karls d. Gr. Zeiten bekannten u. im 12. Jahrh. bereits viel besuchten Aachener Mineralquellen: a) 6 warme alkalisch-muriatische Schwefelquellen, u. zwar die oberen mit höherer Temperatur (55° R.), darunter die Kaiser-, Kleine u. Quirinsquelle; u. die untern Quellen: die alte Trinkquelle, seit 1827, der neue Trink- u. der Elisenbrunnen, die Rosenbad- u. Corneliusquelle; das Wasser schmeckt bitter u. dient gegen Gicht, Lähmung, Contraction, Krankheiten der Harnwerkzeuge, Syphilis u. ihre Folgen, so wie gegen die der Quecksilbercuren etc. Man benutzt sie zum Baden, zu Douchen, Tropf- u. Dampfbädern, auch zum Trinken, wozu das Wasser zu Burtscheid fast besser ist; b) 2 kalte Quellen, eisenhaltige Sauerquellen: der Spaabrunnen (nicht mehr gebraucht) u. die Eisenquelle (1829 aufgefunden). Die A-er Bäder werden jährlich von mehrern Tausenden von Curgästen besucht, deren Hauptsammelplätze die Colonnaden des Elisenbrunnens u. der Cursaal in der Redoute sind. In A-s Umgebung: die Frankenburg, neu erbaut, angeblich Lieblingsaufenthalt Karls d. Gr. u. seiner Gemahlin Fastrade; der 781 F. hohe Louis- od. Lousberg, mit einer von Napoleon erbauten, 1814 gestürzten, 1815 wieder errichteten Steinpyramide. – A. ward von den Römern im 3. Jahrh. n. Chr. um der Bäder willen angelegt u. hieß Aquisgranum (Aquae Graniae), angeblich nach dem Apollo Granus (s.d.). Chlodwig soll einen Reichstag hier gehalten haben; Theoderich wählte A. 514 zur Residenz; Karl d. Gr. wurde angeblich hier 742 geboren, er gab dem Orte Stadtrechte, baute mehrere Bäder, die Kaiserpfalz u. die Kapelle, woraus nachher das Münster entstand u. weshalb A. den franz. Namen Aix la Chapelle erhielt; von hier aus erließ er seit 788 die meisten seiner Capitularien, u. ward hier sitzend im kais. Ornate begraben. Kaiser Otto III. ließ i. J. 1000 sein Grab öffnen u. nahm die Kleinodien heraus, die zum Theil später die [⇐4] [5⇒] Reichskleinodien bildeten; die Gebeine Karls ließ Kaiser Friedrich I. 1165 in einen antiken Sarkophag legen, woraus sie 1215 in einen goldnen u. silbernen Kasten kamen, welcher noch in der Sacristei des Münsters aufbewahrt wird. Hier wurden 17 Reichstage u. die 11 Aachener Kirchenversammlungen 789, 799, 802, 809, 817, 819, 836, 841, 860, 862, 917 gehalten. 881 ward A. von den Normannen geplündert u. niedergebrannt, bald jedoch wieder aufgebaut. A. war von früher Zeit an Reichs-, u. von 813–1531 Krönungsstadt der deutschen Kaiser (zuerst Ludwig der Fromme, zuletzt Ferdinand I.). Im Mittelalter zählte A. gegen 100,000 Ew., u. A-s Bürger waren durch das ganze Reich zoll- u. dienstfrei, A. selbst ein Asylort. 1450 fand ein Aufstand gegen den Magistrat statt, wodurch die Erblichkeit desselben aufgehoben u. eine Zunftverfassung eingeführt wurde. Im 16. u. 17. Jahrh. kam A. sehr herab, bes. durch die Verlegung der Kaiserkrönung nach Frankfurt, durch die Acht, in welche die luther. Rathsmitglieder, die seit 1574 im Rathe waren u. um welche 1581 ein Aufstand war, 1598 durch Rudolf II. geriethen u. die von dem Kurfürsten von Köln vollzogen wurde, dann durch die Vertreibung der Protestanten 1614–16 u. eine große Feuersbrunst 1656, wo 4000 Häuser u. das Münster abbrannten. Hier wurden 2 Frieden geschlossen: am 2. Mai 1668 zwischen Frankreich einer- u. Spanien u. den Niederlanden andrerseits, er endete den Devolutionskrieg, s. u. Ludwigs XIV. Kriege; am 30. April 1744 u. 25. Mai 1748 zwischen Östreich u. Frankreich, endete den Östreichischen Erbfolgekrieg, s.d. 1786 brachen Unruhen gegen die Protestanten u. Freimaurer aus, welche bes. durch Preußen unterdrückt wurden. 1793 besetzten die Franzosen A., die zwar bald wieder abzogen, aber 1794 wieder erschienen; 1798 u. 1802 ward A. durch die Frieden von Campo Formio u. Luneville zur franz. Republik geschlagen u. Hauptstadt des Dep. Roer; 1814 besetzten es die Alliirten u. es ward 1815 an Preußen abgetreten. 1818 Abhaltung des Aachner Congresses, einer Zusammenkunft der Monarchen von Rußland, Östreich u. Preußen u. der Bevollmächtigten Frankreichs u. Englands (Bevollmächtigte: Nesselrode, Capodistrias, Metternich, Castlereagh, Wellington, Hardenberg, Bernstorff, Richelieu) vom 30. Sept. bis 21. Nov. Frankreich erlangte die Zurückziehung der noch in Frankreich stehenden Occupationsarmee von 150,000 M. u. eine Minderung der beim 2. Pariser Frieden ihm auferlegten Contribution, u. trat nun der Heiligen Allianz bei, die durch Protokoll vom 15. Nov. sich für fortbestehend erklärte. An dem Platze, wo die Monarchen Gott für das dadurch nun beendete Friedenswerk gedankt hatten, wurde 1844 ein Monument errichtet. 1830 im Herbst fand in Folge der Pariser Aufstände auch eine Pöbelémeute in A. statt, welche aber durch die Bürger schnell unterdrückt wurde. Aehnliche Aufstände wiederholten sich im März 1848. Vgl. Meyer, A. u. seine Umgebung, Aach. 1818; Quix, A. u. dessen Umgebung, ebd. 1818; Ders., Gesch. der Stadt A., 1841, 2 Bde.; Schreiber, Gesch. u. Beschr. von A. u. Burtscheid, Heidelb. 1824; G. Reumont, A. u. seine Heilquellen, Aach. 1828; Zitterland, Anleit. für Brunnengäste in A. u. Burtscheid, ebd. 1828; Ders., A-s heiße Quellen, ebd. 1836; Monheim, Die Heilquellen von A., Burtscheid etc., ebd. 1829; A. u. Burtscheid, ebd. 1847. [⇐5]

Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 4-5.
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[1⇒] Aachen. Reg.-Bez. der preuß. Rhein-Provinz. 751/2 QM. groß mit etwas mehr als 400000 E., gränzt an die Reg.-Bez. Düsseldorf, Köln, Koblenz, Trier, an Belgien und die Niederlande, gehört größtentheils zum Maasgebiete; Gebirge Eifel und hohe Veen; Bergbau auf Eisen und Steinkohlen, sehr bedeutende Industrie in Tüchern, Leder und Metallwaaren. Hauptstadt Aachen (Aquisgranum bei den Römern, franz. Aix la Chapelle) in dem Kesselthale der Wurm, 550' ü.d.S., Hauptstation der Rheinisch-Belgisch. Eisenbahn, mit 51622 E., unter dens. 2268 Prot., 312 Juden. Aachen ist der Sitz der Regierungsbehörden, hat ein kath. Gymnasium, Real- und Gewerbschule, höhere Töchterschule, außer den Elementarschulen mehrere Privatanstalten. Stadtbibliothek, Gesellschaft für nützliche Wissenschaften und Gewerbe, mit Museum, Bibliothek, Kunst- und Gewerbehalle, Museum des naturhistorischen Vereins für Rheinpreußen, verschiedene Vereine zu wissenschaftlichen und wohlthätigen Zwecken. Kranken- und Armenanstalten, öffentliche und private, barmherzige Schwestern, Christensernonnen, Alexianerbrüder. Aachen ist ferner ein Hauptplatz [⇐1][2⇒] deutscher Industrie, es hat: Maschinenfabriken, Nähnadel-, Tuch-, Kristall- und Spiegelfabriken, Gerbereien und Färbereien, Tabakfabriken u.s.w. und bedeutenden Handelsverkehr. A. ist einer der bedeutendsten Badeorte mit warmen Quellen (36–46° Réaum.), die durch ihren Gehalt an Schwefel, Kochsalz und freiem Kohlengas sich gegen gichtische, rheumatische Uebel und syphilitische Nachwehen sehr wirksam erweisen. Als industrielle Stadt zeigt A. Proben der modernen Baukunst, als uralte Reichsstadt aber hat sie viele Merkwürdigkeiten der Vorzeit aufzuweisen. Von dem Badeorte Aquisgranum der Römer zeugen Münzen und Inschriften, doch wird es von keinem Schriftsteller erwähnt. Die fränkischen Könige hatten hier eine Pfalz und Karl der Große machte A. durch seinen Aufenthalt und seine Bauten zur Stadt und durch sein Andenken zum Krönungsorte der späteren Kaiser (von 813–1553). Das merkwürdigste Gebäude ist der Dom mit der von Karl d. Gr. herrührenden Rotunda, wo er begraben ist, der Heiligthumskammer, sie enthält die großen Reliquien, die alle 7 Jahre ausgestellt werden; der Chor, in edlem gothischen Style, wurde im 14. Jahrh. erbaut, in ihm das Grab Ottoʼs III., die von Heinrich II. gestiftete Evangelienkanzel, die sogenannten kleinen Reliquien; der Krönungsstuhl u.s.w. Das Rathhaus 1353 erbaut, mit dem großen Krönungssaale, in welchem auch zwei Congresse der neuern Zeit abgehalten wurden. Vor dem Rathhause Springbrunnen mit Karls d. Gr. vergoldeter Bildsäule und bronzenem Bassin. In der St. Michaeliskirche die Grablegung Christi von Gerhard Honthorst, in der St. Nikolauskirche eine Kreuzesabnahme von Vandyk, die Kreuzigung von Diepenbeck. – A. war vor allen andern Städten gefreit und Asyl für jeden Geächteten, seine Bürger waren durch das ganze Reich zoll- und dienstfrei, es blieb Jahrhunderte bedeutender Handelsort, kam aber seit der Reformation herunter wie Deutschland überhaupt, und Frankfurt wurde Krönungsort. Seit 1798 war A. französisch und Napoleon that einiges für die Stadt Karls d. Gr.; seit 1815 ist A. preußisch und hat sich seitdem in langer Friedenszeit sehr gehoben. [⇐2]

Quelle: Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 1-2.
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Aachen

[1⇒] Aachen, die Hauptstadt des nach ihr genannten Regierungsbezirks der preuß. Provinz Niederrhein, ist eine der ältesten und geschichtlich merkwürdigsten Städte Deutschlands.

Schon sehr früh kannten die Römer die warmen Quellen in dieser Gegend und legten daselbst ein Kastell an, auf dessen Trümmern die fränkischen Könige eine Burg oder Pfalz erbauten, in der Karl der Große 742 geboren sein soll. Durch ihn ward später diese Burg vielfach verschönert; auch ließ er die Bäder herstellen, von denen das bedeutendste in der Stadt noch jetzt den Namen Kaiserbad führt, und zu Ehren der heiligen Jungfrau von 796–804 durch italien. Meister aus Marmor von Rom und Ravenna das Münster erbauen. Dieses prachtvolle, an Gold- und Silberschmuck reiche Gebäude umschließt auch das Grab Karl's des Großen, welcher im Alter gern in A. sich aufhielt und daselbst 814 starb. Über seinem einfachen Grabmale hängt ein großer Leuchter in Form einer Krone, welchen Kaiser Friedrich I. dahin schenkte. Im Hochmünster steht der marmorne Kaiserstuhl, auf welchem die römisch-deutschen Kaiser und Kaiserinnen bis 1558 gekrönt wurden. Die zu dieser Feierlichkeit gebrauchten Insignien (Reichskleinodien) wurden später auch hier aufbewahrt und jedesmal mit vielen Feierlichkeiten nach Frankfurt und von da zurückgebracht, bis sie 1795 in der kaiserl. Schatzkammer in Wien niedergelegt wurden. Außer mehren Kostbarkeiten sind in der Sakristei verschiedene Reliquien aufbewahrt, die alle sieben Jahre, zuletzt 1832, zur Beschauung ausgestellt werden. Als A. 1794 von den Franzosen besetzt worden, wurden mehre Säulen des Münsters und andere Kostbarkeiten, sowie die sogenannten Wahrzeichen der Stadt, die Wölfin und der Kieferzapfen von Bronze, welche vor dem Haupteingange des Münsters angebracht sind, nach Paris geschafft, kamen aber, bis auf einige Säulen, 1815 wieder zurück. Ein nicht minder merkwürdiges Gebäude ist das hier abgebildete Rathhaus, wozu im 14. Jahrh. die kön. Pfalz eingerichtet wurde. Die alterthümliche Form desselben und die großen Erinnerungen, welche sich daran knüpfen, geben dem Ganzen etwas Ehrwürdiges. In den hohen, gewölbten Sälen findet der Freund deutschen Alterhums interessante Kunstwerke. Dem Rathhause gegenüber auf dem Markte ist der Brunnen mit dem ehernen Bilde Karl's des Großen. A. besaß früher, als freie Reichs-und Krönungsstadt, große Vorrechte. Die aachner Luft machte die Verbrecher, sogar die der Reichsacht Verfallenen frei. Die Bürgerschaft war im ganzen deutschen Reiche von Hand- und Kriegsdiensten, Arresten, Pfändungen, Zoll und andern Abgaben befreit. Die Stadt hatte das Recht, Störer des Reichsfriedens in die Acht zu erklären, welche im ganzen Reiche gültig war; zudem hatte sie Meßrecht, Stapelrecht für Wollenwaaren und Münzrecht. So war A. eine der wohlhabendsten und gewerbfleißigsten Städte, bis Spinola, der Anführer des span. Heeres, 1514 gegen die daselbst ruhig lebenden Protestanten wüthete, worauf die begütertsten Bürger auf das holländ. Gebiet auswanderten. Gegenwärtig zählt die Stadt gegen 37,700 Einw., zeichnet sich durch Gewerbfleiß aus und hat vorzügliche Tuch-, Kasimir-, Messing-, Wagen-, Näh- und Stecknadelfabriken. Ihre warmen Schwefelbäder, von denen die Kaiserquelle 45° Wärme hält, sowie die mineralischen Quellen in dem nahen Flecken Burtscheid werden noch immer häufig besucht. – In der politischen Geschichte ist A. merkwürdig durch den am 2. Mai 1668 zwischen Frankreich und Spanien, und den am 18. Okt. 1748 zwischen Frankreich, England und den vereinten Niederlanden geschlossenen Frieden, sowie durch den 1818 daselbst gehaltenen Congreß. [⇐1]

Quelle: Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 1.
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[3⇒] Aachen, in früheren Zeiten die Kaiserstadt genannt, hat über 2000 Häuser und 36,000 Einwohner, gehört zu Rheinpreußen und liegt in einer heitern, fruchtbaren und gewerbthätigen Gegend. Hier wurde Karl der Große geboren und starb daselbst, hier wurden bis zu Ende des 16. Jahrhunderts 55 deutsche Kaiser gekrönt und die Reichskleinodien aufbewahrt. Geschichtliche Denkmäler, kostbare Reliquien, blühender Handel, große Privilegien und Reichthum, gaben dieser Stadt, welche ihren Ursprung von den Römern herleitet, lange Zeit einen ungewöhnlichen Glanz. Manches kostbare Besitzthum ist im Strome der Zeit untergegangen oder geschmälert worden, aber selbst die Erinnerung an die vergangene Größe, der Nimbus des Alterthümlichen, die immer noch werthvollen Denkmäler, vor Allem aber die Bäder machen Aachen noch jetzt zum Zielpunkte vieler Reisenden. Die Stadt hat 83 Fabrikgebäude, unter denen 36 Tuchmanufakturen und 14 Nadelfabriken. Auf dem Rathhause befinden sich, außer andern Sehenswürdigkeiten, die Brustbilder Napoleon's und seiner ersten Gemahlin. [⇐3] [⇐4]

Quelle: Damen Conversations Lexikon, Band 1. Leipzig 1834, S. 3-4.
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[1⇒] Aachen, eine Reichsstadt im Westphälischen Kreise, zwischen den Herzogthümern Jülich und Limburg. Sie ist von einem sehr hohen Alter, und nennt sich den königlichen Stuhl (die Residenz) von Carl dem Großen her, dessen Grabmahl auch in dem Dom gezeigt wird. Nicht weniger berühmt ist sie wegen ihrer warmen Bäder, welche aus fünf Quellen kommen. Diese ziehen jährlich eine Menge Menschen dahin, und tragen nicht wenig zu den Einkünften des Magistrats bei. Eine Gesellschaft von Franzosen zahlte allein für die Erlaubniß der Hazardspiele auf zehn Jahre 60000 Rthlr. Pacht. Allein jetzt sind die Hazardspiele in Archen verboten, sie werden aber desto stärker in der Nachbarschaft zu Burgscheid getrieben. Aachen zählt 24000 Einwohner. Es behauptet einen Platz in dem Schauplatze des gegenwärtigen Französischen Krieges. Es war den 16. Dec. 1792, daß Dumouriez, im Verfolg seines Siegs bei Gemappe, in Aachen einzog, den 2. März 1793, daß der linke Flügel der Oesterreichischen Armee (welche den Tag vorher unter Coburg die Franzosen in ihren Verschanzungen bey Altenhoven überfallen und zurück geschlagen hatte) unter dem Feldmarschall, Prinzen Ferdinand von Würtemberg, diese Stadt wieder einnahm, und den 23. Sept. 1784, daß die Franzosen nach der Schlacht bei Sprimont an der Ouvre wieder daselbst einzogen. [⇐1]

Quelle: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 1. Amsterdam 1809, S. 1.
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[1⇒] * Aachen (Franz. Aix la Chapelle), diese ehemalige Reichsstadt (wo man die Reichsinsignien, die bei jeder Kaiserkrönung nach Frankfurt a M. geschafft werden mußten, aufbewahrte, und deren Verfassung erst noch 1789 durch ein kammergerichtliches Urthel auf einen neuen Fuß gesetzt wurde) ward, nachdem sie 1794 (nicht 84) die Franzosen nach der Schlacht bei Sprimont an der Ourte (nicht Ouvre) besetzt hatten, im Jahr 1798 die Hauptstadt des Ruhr-Departements und der Sitz eines eignen Bezirks. Die Anzahl ihrer jetzigen Bewohner wird auf 25,700 angegeben. [⇐1]

Quelle: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 7. Amsterdam 1809, S. 1.
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