Spanisch-Portugiesischer Befreiungskrieg von 1808-1814

[470] Spanisch-Portugiesischer Befreiungskrieg von 1808–1814 (Krieg auf der Pyrenäischen Halbinsel). I. Veranlassung des Kriegs. Auf dem Thron von Spanien, welches seit 1796 mit der Französischen Republik verbündet war, saß Karl IV., dessen Macht ganz in der Hand seiner Gemahlin u. des Friedensfürsten Don Manuel Godoy (s.d. 1) lag. Eben als Napoleon im Begriff stand den Krieg mit Preußen zu beginnen, erließ der Friedensfürst am 3. October 1806 einen Aufruf an das spanische Volk, in welchem er einen nahen Krieg ankündigte. Der Feind war zwar nicht genannt, u. auf die deshalbige Anfrage von Frankreich wurde der Sultan von Marokko als solcher bezeichnet, aber es war leicht zu errathen, daß Napoleon gemeint sei, bes. da die Rüstungen nach den Siegen der Franzosen über Preußen alsbald wieder eingestellt wurden. Napoleon erhielt bei Jena Godoys Aufruf u. beschloß Spanien zu vernichten. Vor der Hand verlangte er 1807 spanische Hülfstruppen für die Besetzung von Norddeutschland, u. bald darauf zogen 16,000 Spanier unter dem Marquis de la Romana über die Pyrenäen u. durch Frankreich nach Hamburg zum Corps des Fürsten von Pontecorvo. Den nächsten Anlaß zum Ausbruch des Kriegs gab aber Portugal, welches seine Neutralität von Frankreich erkauft hatte, jetzt aber seine Häfen englischen Schiffen versperren sollte; da es diesem Befehle den Gehorsam versagte, so wurde in geheimen Verträgen zu Fontainebleau am 27. October 1807 mit Spanien beschlossen, daß von dem in drei Theile zu theilenden Portugal die Provinz Entre Minho y Duero, nebst der Stadt Oporto der König von Hetrurien als souveräner König von Nordlusitanien; Alemtejo u. das Königreich Algarbien der Friedensfürst Godoy als souveräner Fürst von Algarbien erhalten u. die Provinzen Beira, Tras los Montes u. portugiesisch Estremadura bis zum allgemeinen Frieden zur Disposition bleiben sollten, wo dann Frankreich u. Spanien über sie entscheiden wollten. Spanien sollte das Protectorat über Algarbien u. Nordlusitanien bekommen. Eine geheime Convention besagte außerdem, daß ein französisches Armeecorps von 25,000 M. Infanterie u. 3000 Reitern, verstärkt durch ein spanisches Heer von 8000 M. Infanterie u. 3000 Reitern durch Spanien gegen Lissabon gehen sollte, während 10,000 Spanier die Provinz Entre Minho y Duero u. 6000 M. Algarbien in Besitz nehmen sollten. Bis zum 20. Nov. sollte ein französisches Heer von 40,000 M. sich bei Bayonne sammeln u. bereit sein dorthin zu marschiren, wo England Truppen landen ließe, dorthin zu marschiren.

II. Ausbruch des Kriegs, Feldzug in Portugal. Schon zu Anfang October waren die Divisionen Laborde, Loison, Travot u. die Reiterdivision Kellermann bei Bayonne vereinigt; Junot führte das Obercommando. Am 17. Octbr. brach das Corps in zwei Colonnen auf, die erste über Tolosa nach Valladolid, wo die zweite, welche die spanische Grenze bei St. Jean Pied de Port überschritt, zu ihr stoßen sollte. Vom 12. Nov. an rückten diese Truppen über Salamanca u. Ciudad Rodrigo nach Alcantara vor, vereinigten sich dort mit dem spanischen Hülfscorps des Generals Caraffa u. drangen dann auf dem rechten Tajoufer gegen Lissabon vor. Die Franzosen hatten schon in Spanien viel Ungemach zu bestehen, theils wegen der ungesunden Lebensmittel u. der schlechten Quartiere, theils weil viele von den spanischen Landleuten ermordet wurden, u. am 18. November, wo die Franzosen sich zu Alcantara mit der spanischen Division verbanden, war dasfranzösische Corps um ein Drittel geschmolzen, bes. hatte die Cavallerie u. Artillerie viele Pferde verloren u. viel Geschütz war aus Mangel an Bespannung zurückgeblieben. Junot setzte nun sein Material schleunigst in Stand, schickte acht verdächtige spanische Bataillone zurück u. überschritt am 20. November mit der französisch-spanischen Verhut bei Segura u. Idanha a Nova die[470] portugiesische Grenze. Das Corps folgte in zwei Colonnen, durch einen Tagmarsch von einander entfernt; die Spanier deckten die Flanke der Franzosen. Der Marsch über Castel Branco nach Abrantes war sehr schwierig, er ging durch öde, bergige Gegenden, welche fast lauter Pässe bildeten, welche durch wenig Leute vertheidigt werden konnten, dabei war abscheuliches Wetter u. der Nahrungsmittel so wenig, daß die Brodportionen auf ein Viertel herabgesetzt werden mußten. Deshalb waren in Abrantes, wo das Corps am 24, 25. u. 26. November ankam, kaum noch ein Drittel der Truppen zusammen, die Cavallerie hatte fast alle Pferde verloren u. die Artillerie war noch weit zurück. In Abrantes fanden die Franzosen viel Lebensmittel u. neues Schuhwerk u. setzten den 26. November den Marsch gegen Santarem fort. Der Prinz-Regent von Portugal, Johann, glaubte Anfangs nicht an eine feindselige Absicht der Franzosen u. wurde erst durch das Manifest vom 11. November, welches erklärte, daß das Haus Braganza zu regieren aufgehört habe, anderer Meinung; er wollte aber durchaus die Feindseligkeiten nicht beginnen u. hoffte durch Nachgeben den Sturm abzuwenden. Statt daher die Franzosen beim Marsch nach Abrantes anzugreifen, verbot er jeden Widerstand, ließ das feste Schloß von Castel Branco unbesetzt u. sperrte, wenigstens zum Schein, den Engländern seine Häfen, worauf der Admiral Sir Sidney Smith die portugiesische Küste in Blockadezustand erklärte. Als aber die Franzosen immer weiter vorrückten, schiffte sich der Regent sammt Familie u. Hof am 27. November nach Brasilien ein u. verließ am 29. mit 17,000 M., 36 Segel stark, den Tajo. Als Junot am 1. December 180, in Lissabon einzog, war er nur von 1500 Grenadieren begleitet; die Division Laborde, welche am andern Tage nachkam, war von 9000 M. auf 1500 geschmolzen u. die andern Divisionen, welche später folgten, waren nicht stärker, u. drei Wochen nach Junots Einzug zählte sein Corps mit den angekommenen Nachzüglern noch nicht 10,000 M.; er hatte also, ohne einen Schuß gethan zu haben, 16,000 M. auf dem Wege von Bayonne bis Lissabon verloren Auch Oporto war von den Spaniern besetzt worden. Alles Eigenthum der portugiesischen Regierung wurde nun in Beschlag genommen, eine französische Regierungsbehörde unter Junots Vorsitz errichtet u. die portugiesischen Festungen besetzt, der zurückgebliebene Theil des Heers aber entwaffnet u. aufgelöst od. als Hülfstruppen nach Frankreich geschickt.

III. Vorgänge in Spanien bis zur Thronentsagung der Bourbons. Während Junot gegen Lissabon vorrückte, sammelte sich vertragsmäßig ein Heer von 40,000 Franzosen, dessen Oberbefehl später (im Februar) Murat übernahm, an der spanischen Grenze, welche es am 13. Jan 1808 überschritt. Den stipulirten 40,000 M. folgten aber noch mehr Truppen u. bald sah sich Murat bei Vitoria an der Spitze von 70–75,000 M. Er hatte sich der Festungen Figueras, Barcelona, Pampluna u. San Sebastian durch List od. Gewalt, aber mit Bewilligung des Königs Karl IV. bemächtigt. Das Corps der Westlichen Pyrenäen unter Bessières bestand aus den Divisionen Merle, Verdier u. Lasalle; das dritte unter Moncey aus den Divisionen Musnier, Gobert, Morlot u. Grouchy; das zweite unter Duhesme aus den Divisionen Lecchi, Chabran u. Bossiere; das vierte der Gironde, unter Dupont, aus den Divisionen Mouton, Barbou u. Vedel. Später kam die Division Gobert zum vierten u. Mouton zum ersten Corps. Am spanischen Hofe herrschte unterdessen Zwietracht u. namentlich trat der Kronprinz Ferdinand den Ansichten seiner Eltern u. des Friedensfürsten Godoy entgegen. Er war bes. von dem Herzog von Infantado u. seinem Lehrer Escoiquiz berathen. Beide Parteien schmeichelten dem französischen Kaiser. Zu Anfang 1807 hatte der Kronprinz seine erste Gemahlin, eine Prinzessin von Portugal, durch den Tod verloren, u. um Napoleon zu gewinnen, bat er denselben schriftlich, 11. October, um die Hand einer seiner Nichten, was Napoleon kalt aufnahm, ohne es gerade zurückzuweisen. Sein Vater Karl IV. aber war über diesen Schritt sehr erbittert u. befahl die Papiere des Prinzen zu durchsuchen u. ihn hierauf mit seinen Vertrauten, dem Herzog von Infantado u. Escoiquiz, am 29. October zu verhaften u. öffentlich anzuklagen, daß er seinem Vater in der Verschwörung von Escurial nach Thron u. Leben gestrebt habe. Da man aber nun das dem Kronprinzen ergebene Volk u. den Zorn Napoleons fürchtete, so bewog der Friedensfürst den Prinzen an seinen Vater u. seine Mutter zu schreiben, sich schuldig zu bekennen u. um Verzeihung zu bitten, welche er auch am 5. November erhielt. Da verbreitete sich plötzlich im März 1808, als Murat bereits in Vitoria u. der Hof in Aranjuez war, das Gerücht, daß Napoleon die Abtretung Nordspaniens bis an den Ebro verlange u. daß der König deshalb nach Mexico fliehen wolle. Reiseanstalten wurden in Madrid wie in Aranjuez bemerkt u. eine Proclamation Godoys, worin er das Gegentheilversicherte, fand keinen Glauben. In der Nacht vom 17. zum 18. März brach deshalb ein Aufruhr in Aranjuez los, bei welchem das Leben des Friedensfürsten in Gefahr kam, denn die königlichen Garden, welche ihn zu dämpfen befehligt wurden, schlugen sich auf die Seite des Volkes u. verfolgten Godoy, welcher sich durch die Flucht rettete. Am 19. März legte Karl IV. die Krone zu Gunsten seines Sohnes Ferdinand VII. nieder u. gab am 29. März Napoleon hier von Nachricht. Die Ruhe wurde nun sogleich hergestellt, aber dennoch rückte Murat am 23. März mit der Division Musnier in Madrid ein, angeblich um die Spaltungen im Staatsrathe auszugleichen u. der rechtmäßigen Regierung Schutz angedeihen zu lassen. Die anderen französischen Divisionen lagerten um Madrid. Alle fremden Gesandten hatten Ferdinand VII. anerkannt, nur der französische nicht. Am 7. April traf der General Savary als außerordentlicher Abgesandter in Madrid ein, verkündigte Napoleons baldigen Besuch u. bewog Ferdinand VII. mit seinen Ministern Cevallos, dem Herzog von Infantado u. dem Canonicus Escoiquiz dem Kaiser bis Burgos entgegen zu gehen Nachdem Ferdinand für seine Abwesenheit eine Regierungsjunta unter dem Vorsitz seines Oheims, des Infanten Antonio, niedergesetzt hatte, trat er die Reise an u. kam 10. April nach Burgos. Da er aber Napoleon hier nicht traf, so beredete ihn Savary seine Reise bis Vitoria fortzusetzen u. ging selbst dorthin voraus. In Vitoria erfuhr Ferdinand wieder, daß Napoleon erst in Bordeaux angelangt sei, u. auf Savarys Rathsetzte er seine Reise bis Bayonne fort, wo er am 20. April ankam, mit königlichen Ehren empfangen wurde u.[471] von Napoleon einen Besuch erhielt, welchen er sogleich erwiderte. Savary eröffnete ihm aber hierauf, daß es Napoleons Entschluß sei ihn zur Abtretung Spaniens zu Gunsten der Familie Bonaparte zu bewegen. Nun kam auch Godoy u. nach ihm der König Karl IV. mit seiner Gemahlin in Bayonne an. Der alte König war gegen seinen Sohn sehr aufgebracht, hatte schon früher seine Thronentsagung widerrufen u. verwarf die Vorschläge, welche ihm Ferdinand VII. am 1. Mai machte, nachdem er die Entscheidung des Zwistes den zu Madrid zusammenzuberufenden Cortes überlassen hatte. Gleich nach Karls IV. Ankunft hatte Napoleon erklärt nur mit diesem unterhandeln zu wollen u. zwang Ferdinand VII. am 5. Mai vor ihm u. seinen Eltern zu erscheinen. Hier überhäuften ihn Vater u. Mutter mit Schmähungen u. verlangten die unbedingte Thronentsagung. Der Prinz machte Vorstellungen u. berief sich auf sein Recht; aber ein Machtwort, welches Napoleon ihm zurief u. womit er ihm im Nothfall mit dem Tode drohte, brachte ihn zur Thronentsagung. Er mußte dies der Regentschaft sogleich melden u. unterzeichnete darauf am 6. Mai den Tractat von Bayonne, in welchem er alle seine Rechte auf die spanischen Reiche seinem Freund u. Bundesgenossen Napoleon gegen eine jährliche Rente von 30 Mill. abtrat; am 12. Mai entsagten auch die drei Infanten von Spanien, Ferdinand u. Karl als Söhne u. Antonio als Bruder des Königs, u. am 25. Mai erschien ein kaiserliches Decret, welches die Notabeln des Königreichs auf den 15. Juni nach Bayonne berief u. wodurch Murat als Generallieutenant des Königs bestätigt wurde, eine Stelle, welche ihm Karl IV. am 4. Mai übertragen hatte; u. am 15. Juni erließ Napoleon auch eine Proclamation an die Spanier, in welcher er ihnen versprach der Wiederhersteller ihres Vaterlandes zu werden. Am 6. Juni übergab Napoleon die Krone Spaniens seinem Bruder Joseph, dem bisherigen König von Neapel; am 15. Juni wurde die Versammlung der Cortes eröffnet, Joseph als König anerkannt. u. denselben eine Constitution für Spanien zur Berathung vorgelegt. Schon am 3. Mai, als die Königin von Hetrurien, Karls IV. Tochter, von Madrid nach Frankreich abreisen wollte, hatte ein Aufstand in Madrid stattgefunden, welcher von den Franzosen nur nach blutigem Kampf gestillt werden konnte, u. als am 20. Mai in einer Proclamation die Thronentsagung Karls IV. u. Ferdinands gemeldet wurde u. kurz darauf Duponts Armeecorps gegen Cadiz u. Monceys Corps gegen Valencia aufbrach, ergriff ganz Spanien, voll Unwillens über die ihm angethane Schmach, die Waffen, überall bildeten sich Regierungsjunten u. die von Sevilla übernahm mit dem Titel einer Centraljunta die oberste Leitung der Angelegenheiten Spaniens. Die Junta von Asturien trat sogleich mit England in Unterhandlung, dessen Regierung die spanischen Patrioten schnell mit Waffen u. Munition versah. In Valencia, Cadiz, Cartagena u. Granada wurden die Generalcapitäne, in Cuenca, San Lucar u. an vielen anderen Orten die höchsten Gerichtspersonen, in Saragossa der Oberst u. 33 Offiziere eines spanischen Dragonerregiments ermordet, weil man sie für französisch gesinnt hielt; überall herrschte der wüthende Pöbel.

IV. Anfang des Krieges bis zur Wiederabreise des Königs Joseph aus Madrid u. Räumung Portugals. A) Vorgänge in Südspanien. Zunächst mußte sich nun am 14. Juni 1808 die französische Escadre von fünf Linienschiffen u. einer Fregatte, welche seit der Schlacht von Trafalgar unter dem Admiral Rosilly in dem Hafen von Cadiz, von den Engländern blockirt, lag, an die Spanier ergeben, welche die Besatzung kriegsgefangen machten. General Dupont war zu Ende Mai nach Südspanien aufgebrochen u. hatte am 7. Juni Cordova besetzt, sich aber gleich darauf nach Andujar, am rechten Ufer des Guadalquivir, zurückgezogen, da ihm die Spanier alle Lebensmittel abschnitten u. Castaños u. Reding die Truppen aus Andalusien in Sevilla zusammenzogen, um ihn zu bekämpfen. Er schickte zwar den General Vedel mit einer Division von 6000 Mann nach der Sierra Morena, um die von Madrid erwartete Verstärkung aufzunehmen; aber Reding stellte sich zwischen beiden Divisionen auf u. eroberte nach einer Reihe von Kämpfen Baylen. Bei den Franzosen fehlte es an Lebensmitteln, Arzneien u. Bindezeug. Dupont trat deshalb jetzt seinen Rückweg nach La Carolina in der Sierra Morena an, wohin er auch Vedel u. Gobert beorderte, da dieser zur Erhaltung der Verbindung mit Ersterem in die Mancha entsendet worden war. Dupont fand am 19. Juli, bei La Carolina angekommen, Reding mit 25,000 Mann in drei Linien vortheilhaft aufgestellt, um ihm den Rückzug abzuschneiden, u. da er um jeden Preis sich durchschlagen wollte, so machte er mit Hülfe seiner Artillerie sieben Bayonnetangriffe, wurde jedoch zurückgeschlagen u. mußte so, von Vedel u. von Madrid abgeschnitten, die Capitulation von Baylen schließen u. sich den 20. Juli ergeben. In diese Capitulation war auch die Division Vedel eingeschlossen, welche jetzt gegen La Carolina heranrückte u. auf ihrem Marsche das Regiment Cordova theils niedermachte, theils gefangennahm. Auch sie mußte sich ergeben, 14,000 Franzosen streckten die Waffen u. wurden nach Cadiz transportirt, wo sie nach Frankreich eingeschifft werden sollten; aber die Spanier brachen den Vertrag u. steckten Offiziere u. Soldaten in Kerker u. Pontonschiffe, in denen die meisten umkamen. Mit Dupont zugleich war Marschall Moncey von Madrid gegen Valencia gezogen, wo er am 26. Juni mit 15,000 Mann ankam u. die Vorstädte nahm, aber eine Überraschung der Stadt mißlang u. er bombardirte dieselbe daher zwei Tage lang. Da er von einem spanischen Armeecorps unter General Caro im Rücken bedroht wurde u. für seine Communication mit Madrid besorgt war, so zog er sich dorthin zurück, schlug die Spanier im Passe von Almanza am 4. Juli u. langte glücklich in Madrid an. Unterdessen hatte auch König Joseph am 20. Juli seinen Einzug in Madrid gehalten.

B) Vorgänge in Nordspanien. Der General Cuesta hatte in Galicien ein Heer von etwa 35,000 Mann gesammelt u. rückte damit in Leon ein, wo Bessières mit den Divisionen Merle u. Mouton u. der Reiterdivision Lasalle stand. Cuesta griff am 14. Juli bei Medina del Rio Secco die Franzosen an; Lasalle aber entschied durch einige schnelle Angriffe die Schlacht. Dieses Sieges ungeachtet verließ der König Joseph Madrid am 1. Aug. wieder, indem das französische Heer, aus Monceys Corps u. der Besatzung von Madrid unter Savary (welchem Murat bei seiner Abreise das Amt als Gouverneur übergeben hatte) bestehend, selbst mit [472] Bessières in Galicien u. Duheame in Catalonien kaum 50,000 Mann mehr zählte u. durchaus nicht hinreichte den Aufstand zu bezwingen. Die französischen Truppen wurden nun hinter dem Ebro concentrirt u. das Hauptquartier Josephs kam nach Vitoria. Durch diesen Rückzug wurde auch am 14. Aug. Saragossa entsetzt, welches, obgleich eine offene Stadt, vom General Palafox seit dem 15. Juni gegen die Franzosen unter Verdier u. Lefebvre-Desnouettes vertheidigt wurde. Auch Gerona, welches von Duhesme belagert wurde, widerstand den Franzosen auf das Tapferste.

C) Vorgänge in Portugal. Nachdem Junot am 1. Febr. 1808 erklärt hatte, daß das Haus Braganza zu regieren aufgehört habe, stand auch hier die Bevölkerung in Masse auf. Am 6. Juni erklärte sich Oporto; von den dort garnisonirenden Spaniern aufgereizt, ergriff es die Waffen u. setzte im Namen des Königs eine provisorische Regierung ein; bald folgte der ganze Norden Portugals nach, ungeachtet aller Anstrengungen der Franzosen dies zu hindern, u. am 6. Aug. landeten 9000 Engländer unter Arthur Wellesley (nachmals Wellington) in der Mondegobai, zu denen zwei Tage darauf noch 5000 Engländerstießen, welche General Spencer von Gibraltar herbeiführte. Mit. diesen 14,000 Mann u. durch 6000 Portugiesen verstärkt, rückte Wellesley gegen Lissabon vor u. vertrieb am 17. Aug. den General Laborde aus Roriça. Am 20. besetzten die Engländer Vimeiro, wo noch 4000 Mann sich mit ihnen vereinigten. Junot rückte den Engländern mit 13,000 Mann entgegen, bedrohte am Morgen des 21. Aug. den englischen linken Flügel u. griff dann das Centrum in Colonnen an. Er verlor sieben Geschütze u. mußte sich zurückziehen. Der Angriff auf den linken englischen Flügel mißglückte ebenfalls u. dabei wurden sechs Kanonen verloren. Junot zog sich nun in die Defileen von Torres Vedras zurück. Seine Lage war verzweifelt u. kaum der Rückzug durch das noch dazu insurgirte Land möglich, er schickte daher am 22 Aug den General Kellermann in das britische Laaer, wo über Nacht der eigentliche Oberbefehlshaber, General Dalrymple, angekommen war, schloß dort einen Waffenstillstand u. einen vorläufigen Vertrag, dem zufolge die französische Armee nicht als kriegsgefangen betrachtet werden sollte. Obgleich nun während der eine Woche lang dauernden Unterbandlungen der General Moore mit der Reservedivision landete, die englische Armee bis auf 30,000 Mann verstärkte u. so eine Übermacht erreichte, welche die französische Armee unter Junot augenblicklich erdrückt haben würde, so hielt doch Dalrymple sein Wort u. ratificirte am 30 Aug. die Convention zu Cintra, der zufolge das französische Armeecorps in Portugal mit Waffen, Bagage u. Geschütz auf englischen Schiffen nach Frankreich gebracht wurde Dieser Capitulation wegen wurde Dalrymple nach England zurückgerufen u. vor ein Kriegsgericht gestellt, welches ihn zwar freisprach, aber dennoch das Obercommando nicht wieder ertheilte; auch Burrard wurde zurückberufen, Wellesley dagegen vom Kriegsgericht ehrenvoll freigesprochen.

V. Feldzug Napoleons in Spanien Septbr. 1808 bis 17. Jan. 1809. A) Kriegsrüstungen in Spanien u. Frankreich. Während die Franzosen hinter dem Ebro Verstärkung aus Frankreich erwarteten, strömten die Spanier überall her zu dem Heer, welches bald eine Stärke von 170–200,000 Mann erlangte. Da es ihnen aber an Disciplin, Waffen u. Anführern fehlte, so war es ein großer Gewinn für sie, daß am 20. Sept. 1808 das Corps des Marquis de la Romana auf Spaniens Nordküste bei Santander landete. Sobald Romana nämlich Nachricht von dem Ausbruche des Krieges in Spanien erhielt, trat er von Jütland aus, wo sein Corps cantonnirte, mit den Engländern in Unterhandlungen u. erreichte, durch einige schnelle Märsche dem Prinzen von Ponte-Corvo entgehend, mit 7000 Mann die Flotte des Admirals Kreats am 11. Aug. 1808, welche ihn nach Spanien überführte. Die Spanier zogen ihre Heere nun am Ebro zusammen; ihren rechten Flügel bildeten die Truppen von Catalonien u. Aragonien u. wurden von Palafox befehligt; er zählte. 10,000 Mann, die Besatzungen in den Festungen eingerechnet, 54,000 Mann u. cantonnirte in Aragonien u. Catalonien. Das Centrum wurde von den Corps von Castilien, Andalusien u. Valencia (50,000 Mann) unter Castaños gebildet u. stand längs dem Ebro von Logroño bis Tudela. Der linke Flügel (die Nordarmee) wurde unter dem General Blake aus den Corps von Galicien, Estremadura u. Leon gebildet (40,000 Mann); er stand von Bilbao an bis Tudela u. sollte durch Romanas Corps noch verstärkt werden. Die zweite Linie bildete eine 30,000 Mann starke Reservearmee unter dem Marquis von Belvedère, welche zur Deckung Madrids bestimmt war. Ein Theil der catalonischen Truppen blockirte Figueras u. Barcelona. Um die Spanier zu unterstützen, befahl das englische Gouvernement die Zusammenziehung eines Heeres bei Valladolid, welches Generallieutenant John Moore commandiren sollte. 20,000 Mann in Portugal sollten durch 13,000 Mann unter General Barrel, welche Mitte Octobers bei Cocuña landeten, verstärkt werden. Gegenseits überschritten noch vor der Mitte Octobers 72,000 Franzosen u. Rheinbundstruppen die Pyrenäen; Napoleon hatte mit dem Kaiser Alexander von Rußland u. den Fürsten des Rheinbundes eine Zusammenkunft in Erfurt gehabt, welche vom 27. Sept. bis zum 14. Oct. dauerte u. wobei Joseph von Alexander als König von Spanien u. Joachim Murat als König von Neapel anerkannt wurde. Am 29. Oct. brach Napoleon, nachdem er in Paris am 25. die Sitzungen des Corps législatif in Person eröffnet hatte, nach Spanien auf, um den Feldzug zu eröffnen; ihn erwarteten dort 120–130,000 Mann, darunter 22,000 Reiter. Den äußersten rechten Flügel bildete das vierte Corps unter Marschall Lefebvre (Divisionen Sebastiani u. Leval); zu seiner Unterstützung befand sich das erste Corps unter Victor (Divisionen Vilatte, Russin u. Lapisse). Ihm zunächst stand das zweite Corps des Marschalls Bessières, Hauptquartier in Miranda (Divisionen Lorge, Merle, Mermet u. Lasalles [Reiterei], 25,000 Mann); im Laufe des Feldzuges erhielt der Marschall Soult über dasselbe den Befehl u. Bessières übernahm den der Reservecavallerie. Der Centralarmee gegenüber stand bei Tafalla das dritte Corps des Marschalls Moncey (Divisionen Verdier, Grandjean, Musnier u. Suchet, 25,000 Mann) u. das sechste Corps unter Marschall Ney (Divisionen Marchand u. Bonnet). Den linken Flügel des französischen Heeres bildete das siebente Corps in Catalonien unter Gouvion St. Cyr (Divisionen Chabran, Lechi, Pino [beides Italiener], Chabot, [473] Souham u. Reille); Duhesme blieb Gouverneur von Barcelona mit 15,000 Mann Besatzung. Zur Verstärkung des Centrums kam einige Tage später die Reservearmee unter Marschall Lagrange, Morlot, Moritz Mathieu u. Lefèbvre-Desnouettes (Reiterei) nach. Das fünfte Corps unter Mortier war noch zurück; die kaiserlichen Garden lagen in u. um Vitoria.

B) Feldzug von 1808 gegen die Spanier. Am 5. Nov. kam Napoleon in Vitoria an, aber schon war General Blake gegen Vitoria vorgedrungen u. über Zornoza hinaus, als er am 31. Oct. vom Marschall Lefèbvre heftig angegriffen u. bis über Bilbao zurückgeschlagen wurde. Lefèbvre verfolgte seinen Vortheil u. brachte im Verein mit Victor durch mehre Gefechte, welche er den Spaniern bei Guénes (7. Nov.) u. bes. bei Espinosa (am 10. u. 11. Nov.) lieferte, das Heer Blakes in solche Unordnung, daß der Marquis de la Romana, welcher seit dem 14. Nov. den Oberbefehl über die Nordarmee führte, nichts als ungeordnete Truppen vorfand. Ein Theil des Heeres von Estremadura (der Reservearmee, 10,000 Mann) war, von Belvedere befehligt, von Madrid aus nach Burgos gekommen u. hatte sich dort verschanzt, wurde aber am 10. Nov. bei Gamonal, eine halbe Stunde von Burgos, von Soult, welcher jetzt das zweite Corps führte, geschlagen u. Burgos eingenommen. In Burgos nahm Napoleon sein Hauptquartier u. blieb bis zum 22. Nov. dort. Jetzt war noch Castaños übrig, zu welchem Palafox, da er nicht unter ihm dienen wollte, als Repräsentant der Centraljunta in Madrid mit der Armee von Aragonien gestoßen war. Gegen diese Armee zogen die Corps von Moncey u. Lannes gen Tudela, wohin ihnen ein Theil des ersten Corps unter Victor folgte, während Ney den Auftrag erhielt über Lerma mach Aranda am Duero zu marschiren, um dem Feind in den Rücken zu kommen. Hier kam er aber zu spät an, denn am 23. Nov. war es bei Tudela zwischen Castaños einer- u. Moncey u. Lannes anderseits zur Schlacht gekommen, in welcher das spanische Heer geschlagen wurde u. 7 Fahnen, 30 Kanonen u. 3000 Mann verlor; die Franzosen hatten angeblich blos 68 Todte u. 460 Verwundete. Palafox eilte mit dem Reste des aragonischen Heeres nach Saragossa; Castaños flüchtete über Tarragona nach Agreda u. Madrid, wurde aber von der Centraljunta des Oberbefehles entsetzt u. dieser ebenfalls dem Marquis de la Romana übergeben. Nachdem Soult zur Beobachtung der Nordarmee u. der Briten an den Grenzen Leons zurückgelassen u. Moncey zur Belagerung Saragossas befehligt war, rückte Napoleon am 22. von Burgos nach Aranda vor, vereinigte sich dort mit Victor u. brach nun mit den Garden, Victors u. Lefèbvres Corps u. der Reiterreserve unter Bessières, im Ganzen mit 50,000 Mann, ins Tajothal, während Ney vom Ebro her über Tarragona den Rücken der geschlagenen Spanier bedrohte. Am 30. Nov. mit Tagesanbruch erschien das erste Corps am Fuße der Somosierra, wo der Feind unter Don Benito San Juan den stark verschanzten Engpaß mit 14,000 Mann u. 16 Kanonen vertheidigte. Die Division Lapisse stürmte die Verschanzungen, aber nur durch die Hülfe von 6 Kanonen u. einem Regiment polnischer Ulanen nahmen sie die Schanzen, u. so fielen 10 Fahnen, 16 Kanonen u. viele Gefangene in die Hände der Franzosen. Nun entsendete Napoleon Lefèbvre gegen Segovia u. erschien selbst am 2. Dec. vor Madrid, blos von der Garde, den Reiterdivisionen Latour-Maubourg, Lahoussai u. Lasalle begleitet; Victors Corps kam erst am 2. u. 3. Dec. an. In Madrid befehligte der General Morla, u. es schien, als sollte es tapfer vertheidigt werden; 6000 Mann, 100 Kanonen u. dabei gegen 50,000 Mann aus dem Volke sollten es vertheidigen, dazu rückte noch General Moore heran u. war am 28. Nov. schon in Salamanca, während sein Vortrab bis in die Nähe von Escurial streifte. Napoleon hatte aber zur Eroberung kaum 38,000 Mann. Aber schon am 3. Dec. erstürmte Victor mit der Division Villate das befestigte u. von 4000 Mann vertheidigte Schloß Buen Retiro u. am 4. Dec. capitulirte Madrid. Victor drang hierauf nach Nordosten vor u. zwang in dem Gefecht von Tarragona (13. Jan. 1809) das Corps von Venegas die Waffen niederzulegen.

C) Feldzuggegen die Engländer. Indessen war der englische General Moore in Salamanca in totaler Unwissenheit über das, was in u. um Madrid vorfiel, u. wollte eben zu Gunsten Madrids eine Diversion machen: als ihm am 14. Dec. eine Depesche aus dem französischen Hauptquartier in die Hände fiel u. ihn von dem Falle jener Stadt u. zugleich davon unterrichtete, daß Napoleon ihn in vollem Rückzuge glaubte u. dem Marschall Soult Befehl gegeben habe mit seinem Corps von etwa 18,000 Mann ihm nach Galicien zu folgen. Moore sah schnell, in welche Verlegenheit Soult gerathen müsse, wenn er sich auf ihn würfe, u. entschloß sich eine Bewegung gegen dessen linken Flügel über Toro zu unternehmen. Am 23. Dec. war schon seine Reiterei mit der Soults handgemein, als er jedoch erfuhr, daß Napoleon seinen Plan geändert habe u. ihn einschließen wolle, eilte er den Rückzug nach Coruña anzutreten, vereinigte am 26. Dec. eine Division bei Benavente u. zog von da eilig nach Astorga. La Romana suchte vergebens sich mit ihm zu vereinigen; er wurde am 30. Dec. von dem französischen General Franceschi mit einer Reiterdivision erreicht u. bei Mansilla gänzlich geschlagen. Napoleon war am 1. Jan. 1809 in Astorga, wo er mit dem 6. Corps blieb u. Soult mit dem 2. u. 3 Corps die Verfolgung der Engländer überließ. Moore erreichte am 11. Jan. die Höhe von Cocuña, aber er mußte seine Transportschiffe von Vigo kommen lassen, u. während dieses Verzugs ereilte ihn Soult. Am 16. Jan. kam es bei Cocuña zur Schlacht, in welcher der linke englische Flügel durch 3 französische Colonnen angegriffen wurde, General Biard den Arm verlor, Moore aber tödtlich verwundet wurde u. nach zwei Stunden starb, an seiner Stelle erhielt General Hope den Oberbefehl, General Paget aber stellte mit der Reserve die Schlacht her. Die Franzosen griffen nun das Mitteltreffen u. den linken Flügel an, wurden aberzurückgeschlagen. Die Transportschiffe kamen während der Schlacht an u. noch in der Nacht vom 16. zum 17. Jan. befahl Hope die Einschiffung. Das britische Heer hatte auf dem Rückzuge durch übermäßige Anstrengungen über 7000 Mann u. 5000 Pferde, die Franzosen aber auch verhältnißmäßig verloren. Am 20. Jan. ergab sich Cocuña u. am 27. Ferrol an die Franzosen. Ney blieb mit seinem Corps (18,000 Mann) bei Astorga zur Beobachtung Leons stehen u. Napoleon kehrte mit den Garden nach Valladolid zurück. Schon am 4. Dec. hatte er sechs Decrete erlassen, in denen er[474] ganz wie der Landesherr verfuhr, den Hohen Rath von Castilien auflöste, die Klöster auf 1/3 verminderte, die Inquisition, die Binnenzölle u. das Feudalrecht aufhob. Am 14. Jan. 1809, als die Franzosen überall Sieger waren u. die Pyrenäische Halbinsel gänzlich bezwungen schien, indem nur noch einzelne Punkte widerstanden, schlossen die Engländer u. Spanier einen Vertrag, in welchem Erstere versprachen nie einen anderen König anzuerkennen als Ferdinand VII. od. dessen gesetzmäßigen Nachfolger. Indessen reiste Napoleon wegen des drohenden Krieges mit Österreich eiligst am 17. Jan. von Valladolid nach Paris ab, 15,000 Mann von der Garde folgten ihm. Sein Bruder Joseph kehrte am 22. Jan 1809 nach Madrid zurück.

D) Ereignissein Südspanien. Die Trümmern der bei Eröffnung des Feldzugs geschlagenen spanischen Central- u. Reservearmee hatten sich jenseit des Tajo unter General Galluzo wieder gesammelt, um den Übergang über den Tajo zu vertheidigen; aber Lefebvre ging, nachdem Sebastiani Tags zuvor bei Puente del Arzobispo über den Tajo gesetzt hatte, am 24. Dec. 1808 bei Almaraz über diesen Fluß, griff die spanischen Divisionen einzeln an, zersprengte sie u. jagte sie über Truxillo hinaus bis nach Madrid. Während die Reiterei die Spanier verfolgte, blieb Lefèbvre in Almaraz, verließ diese Stadt aber, als er die Nachricht erhielt, daß sich ein feindliches Corps bei Plasencia zeige, u. setzte am 29. Dec. über den Tietar. Nachdem die Division Sebastiani glücklich durch den Fluß gewatet war, schwoll dieser so an, daß die Division Valence nicht folgen konnte u. so beide von einander getrennt wurden. Lefèbvre gerieth hierdurch in große Noth; ohne Fahrzeuge zum Übersetzen u. ohne Lebensmittel, blieb der Division Valence nur der Rückzug nach Toledo, u. er selbst mußte sich mit der Division Sebastiani von Plasencia über die Sierra de Gredos nach Avila, Escurial u. Madrid zurückziehen, wo er den 11 Jan. 1809 ankam u. auf welchem Marsch er durch den Feind, das Wetter u. die schlechten Wege viel litt Napoleon sendete ihn nach Paris zurück u. übergab die Führung des 4. Corps an Sebastiani.

E) Vorgänge in Ostspanien. Der in Catalonien befehligende General St. Cyr hatte nach Eröffnung des Feldzugs Rosas durch Reille belagern lassen, es capitulirte am 6. Dec.; er entsetzte hierauf das von den Spaniern eingeschlossene Barcelona u. schlug am 21. Dec. den General Reding, welcher die Linientruppen der Provinz befehligte, am Llobregat. Sen dem 27. Nov. 1808 hatte Moncey mit dem 3. Armeecorps Saragossa wieder eingeschlossen, welches schon einmal von Palafox gehalten worden war. In dieser blos von einer Mauer umgebenen Stadt, in welcher jedoch die an dieser Mauer gelegenen Klöster zu Citadellen eingerichtet u. später jedes Haus zur Festung umgeschaffen war, standen etwa 20,000 Mann u. neben diesen noch vielleicht eben so viele bewaffnete Einwohner u. Männer der Umgegend Nach blutigen Gefechten hatten sich die Franzosen der nahen Höhen u. auch am 1. Jan. 1809 des vorliegenden Klosters St. Joseph bemächtigt. Junot hatte Ende December 1808 an des erkrankten Moncey Stelle den Oberbefehl über die Belagerung bekommen u. Laborde befehligte wieder für ihn provisorisch das 8. Corps, Lannes deckte an den Grenzen der Provinz Cuença die Belagerung. Da aber das 3. Corps gegen die Belagerten zu schwach war, so verstärkte Mortier dasselbe mit dem 5. Corps u. der Marschall Lannes erhielt am 20. Jan. 1809 das Obercommando über die Belagerungsarmee. Am 26. Jan. wurde das Feuer gegen die Stadt begonnen u. die erste Bresche schien schon am folgenden Tage zugänglich. Die Franzosen nahmen am 27. Jan. das Kloster Santa Grazia u. mehr als dreißig Häuser mit Sturm, aber dadurch war nichts gewonnen, da alle Straßen mit Traversen u. Barricaden durchschnitten waren u. die Communicationswege der Vertheidiger durch die steinernen Häuser gingen. Drei Minengänge wurden nun neben einander fortgeführt u. jeden Tag mehre Häuser in die Luft gesprengt. Bes. wurden die befestigten Klöster hartnäckig vertheidigt; oft waren die Franzosen schon der einen Hälfte eines derselben Meister, während die andere noch mit Wuth vertheidigt wurde. Aus allen Häusern, welche noch in den Händen der Spanier waren, wurde ein mörderisches Gewehrfeuer auf die Belagerer unterhalten, u. diese mußten durch die Straßen Laufgräben von Erdsäcken machen, um sich dagegen einigermaßen zu schützen. Erst den 6 Febr. gelangten die Franzosen bis zum Corso (der Hauptstraße) u. den Kais des Ebro. Am 17. Febr. wurde nun auch die Vorstadt auf dem linken Ebroufer erobert, die Brücke nach der Stadt von der Division Gazan besetzt u. so 4000 Spanier mit 30 Kanonen, welche die Vorstadt jenseit des Ebro besetzt hielten, gefangen; am 21. Febr. ergab sich der letzte Theil der ganz verheerten Stadt an die Franzosen. 10–12,000 Mann wurden mit Palafox nach Frankreich gebracht, über 20,000 Mann hatten bei der Vertheidigung u. in den Lazarethen der Stadt den Tod gefunden, aber auch die Franzosen hatten gegen 10,000 Mann bei der Belagerung verloren.

VI. Fortsetzung des Krieges während des Jahres 1809. A) Ereignisse in Portugal. Der Marschall Soult drang mit dem 2. u. 3. Corps von Galicien, der Marschall Victor aber vom Tajo aus im Februar gegen Portugal vor, während General Lapisse von des Letztern Corps mit seiner Division von Salamanca aus vorrückte. In Portugal war indessen Alles geschehen, um die Nation kriegerisch zu bilden; von England kam auch wieder Verstärkung an u. der Marschall Beresford übernahm im Februar 1809 den Oberbefehl über das portugiesische Heer. 20,000 Portugiesen wurden in britischen Sold genommen, u. da es dem General Cuesta, welcher das geschlagene Heer des Generals Galuzzo reorganisirt hatte, gelang Victor einige Zeitlang von dem Übergang über den Tajo abzuhalten, so gestaltete sich die Lage der Dinge für Portugal wieder günstiger. Indessen behielt Ney Galicien mit 17,000 Mann besetzt, während Soult zu Anfang März in den Norden Portugals einbrach. Ohne großen Widerstand eroberte er am 7. März Chaves u. drang auf unwegsamen Straßen weiter vor. Der portugiesische General Freire, welcher sich vor dem drohenden Sturm zurückzog, wurde von seinen Soldaten ermordet u. der englische General Eben, welcher nach ihm das Commando erhielt, gezwungen Soult die Spitze zu bieten. Am 19. März kam es bei Carvalho da Este, unweit Braga, zur Schlacht; die Portugiesen, etwa 20,000 Mann stark, wurden von Soult geschlagen, worauf dieser am 27. März vor [475] Oporto erschien u. diesen Platz nach mehren Gefechten am 29. erstürmte. Auch Victor war unterdessen, durch die Division Lval vom 4. Corps u. durch die Reiderdivision Lasalle u. Latour-Maubourg verstärkt, am 19. März bei Almaraz über den Tajo gegangen u. hatte, weiter südlich nach dem Guadiana vordringend, am 28. März bei Medellin die Spanier unter Cuesta gänzlich geschlagen u. am 27. Sebastiani mit den noch übrigen zwei Divisionen des 4. Corps die spanische Division Venegas u. Urbins bei Ciudad Real am Guadiana, oberhalb Medellin, auseinandergesprengt. Nun stand Victor, da Cuesta sich südwärts zurückzog, der Weg nach dem nur von 7000 Engländern unter General Craddock gedeckten Lissabon offen. Diese waren bei Abrantes, das Hauptcorps der Engländer in u. um Leiria, nordwärts von Lissabon, aufgestellt. Am 22. April unternahm Wellesley (Wellington), welcher aus England zurückgekehrt war, wieder den Oberbefehl in Portugal u. brach am 2. Mai von Leiria mit 16,000 Briten auf, während Beresford mit 6000 Portugiesen bei Lamego über den Douro ging, um Soult in den Rücken zu kommen. General Loison räumte deshalb die feste Stellung von Amarante, u. nun war die Communication Soults mit Ney unterbrochen. Am 12. Mai räumte Soult Oporto, welches sogleich von den Briten besetzt wurde, u. zog sich rasch durch die Gebirge nach dem Minho zurück; am 18. Mai erreichte er die Grenze, am 20. überschritt er den Minho bei Orense u. am 23. hatte er seine Verbindung mit Ney wieder hergestellt. Die Franzosen hatten jedoch auf diesem Rückzug sehr viele Menschen, ihr Gepäck u. den größten Theil ihres Geschützes eingebüßt. Nun wendete sich Wellesley rasch gegen Victor, welcher die Division Lapisse wieder an sich gezogen, bei Alcantara den Tajo überschritten hatte u. Lissabon bedrohte; u. als sie Anfangs Juni an dem Tajo ankamen, so zog auch Victor sich zurück.

B) Ereignisse in Nordspanien. Auf der ganzen Halbinsel bildete sich Anfangs 1809 mehr u. mehr das System der Guerrillas (s.d.) aus; es entstand ein Krieg der Einzelnen gegen Einzelne, in welchem die Franzosen den Kürzern ziehen mußten. Alle Lebensmittel- u. Munitionstransporte, alle Verwundete, Couriere etc. mußten von großen Truppenabtheilungen gedeckt werden. Die Grausamkeiten, welche die Franzosen gegen die Guerrillas aus übten, machten das Übel nur ärger, indem diese Repressalien brauchten. In Galicien zeigte sich zuerst die bewunderungswerthe Ausdauer u. Standhaftigkeit der Spanier. Kaum war Soult in Portugal eingefallen u. Ney allein zurückgeblieben, so begann der Marquis de la Romana seine geretteten Truppen in Bewegung zu setzen, überall von den Einwohnern des Landes kräftig unterstützt. Ende März ging das von 1300 Franzosen besetzte Vigo verloren; am 17. April wurden in Villa Franca zwei französische Bataillone gefangen, u. nun rückte Romana in Asturien ein. Zwar zog ihm Ney sogleich nach, besetzte am 18. Mai Oviedo u. trieb Romana in die Gebirge, aber dieser schiffte sich in Gijon ein, landete in Galicien u. blockirte Lugo, von wo ihn aber Soult auf seinem Rückzug aus Portugal wiedervertrieb Soult vereinigte sich nun mit Ney u. Beide durchstrichen Galicien, um den Marquis de la Romana zur Schlacht zu bringen, aber sie konnten ihn nirgends erreichen, ermüdeten ihre Truppen u. erlitten so viele Verluste, daß sich Soult am 24. Juni nach Sanabria zurückzog. Ney aber, nachdem er Coruña u. Ferrol am 22. Juni hatte räumen lassen, Galicien ganz verließ u. sein Hauptquartier in Lugo nahm.

C) Ereignisse in Aragon, Valencia u. Catalonien. In der Provinz Valencia hatten die Spanier zu jener Zeit ebenfalls ein bedeutendes Heer versammelt; Führer war General Blake, welcher Saragossa wieder erobern wollte. In Aragon befehligte, nachdem Junot zu seinem Corps (dem 8.) u. Lannes zur Armee in Deutschland abgereist war, Suchet das 3. Corps. Blake griff dasselbe am 15. Juni bei Santa Fé an der Huerba an, ward aber geschlagen u. mußte sich in das verschanzte Lager bei Belchite zurückziehen. Am 18. Juni erschien Suchet vor demselben, überflügelte es u. brachte durch einige Granaten, welche er unter die Munitionswagen warf, das ganze hager in Verwirrung. Alles floh eilig Valencia wieder zu. In Catalonien war durch die Schlacht am Llobregat Redings Corps zwar zerstreut u. Barcelona entsetzt, aber schon im Jan. 1809 näherte sich Reding der Festung Gerona u. vereinigte sich mit 8000 Spaniern, welche unter Palasor-Lazan aus Gerona kamen. Die Division Pino, welche das Belagerungscorps deckte, gerieth dadurch in große Gefahr, aber Gouvion St. Cyr begab sich mit der Division Souham nach Vales u. zog die von Pino nach Reus zurück. Am 25. Febr. griff Reding Souham bei Vales an, wurde aber, da St. Cyr rasch herbeikam, in die Berge getrieben. Von nun an beschränkten sich die Spanier in Catalonien auf den kleinen Krieg, welcher aber mit solcher Thätigkeit geführt wurde, daß Gouvion St. Cyr sich auf die Belagerung von Gerona beschränken mußte, welches, ohne alle Hoffnung auf Entsatz, fortfuhr sich auf das Hartnäckigste zu vertheidigen. Der General Verdier, welcher mit 15,000 Mann vor dieser Stadt lag, leitete die Belagerung.

D) Ereignisse in Castilien u. Leon. Der Obergeneral der Engländer, Arthur Wellesley. welcher nach einem langsamen Marsche in Plasencia angekommen war u. von dort aus lange mit Cuesta verhandelte, brach endlich am 11. Juli von dort mit den englischen Divisionen Sherbrooke, Campbell, Hill u. Mackenzie u. den Reiterbrigaden Paine, Cotton, Arson, Langwerth u. Fane, zusammen mit etwa 20,000 Mann, auf u. vereinigte sich am 20. bei Oropesa mit der 38,000 Mann starken Armee Cuestas. Von dort aus ging er gegen Talavera vor, wo Victor stand. Währenddem war auch der spanische General Venegas mit 14,000 Spaniern auf dem linken Tajoufer vorgegangen, um wo möglich Toledo wegzunehmen u. Aranjuez zu bedrohen, der englische General Robert Wilson war aber mit der Lusitanischen Legion (5000 Mann) bis Escalona vorgedrungen u. beunruhigte den rechten Flügel u. den Rücken der Franzosen. Am 22. Juli traf die vereinigte britisch-spanische Armee Victor, welcher sich mit 25,000 Mann an der Alberche aufgestellt hatte, sich aber über diesen Fluß zurückzog u. bei Torrijas mit 10,000 Mann unter Sebastiani vereinigte. König Joseph war selbst mit der Reserve der Armee, 15,000 Mann unter Desolles, aus Madrid gegen die Alberche aufgebrochen, hatte Mortier von Valladolid entboten, vereinigte sich mit Victor u. übernahm den Oberbefehl, Major-General war Marschall Jourdan. Am 27. Juli zu Mi, tag ging derselbe über die Alberche, drängte den[476] englischen General Mackenzie zurück u. begann am 28. Juli die Schlacht bei Talavera de la Reyna. Die Franzosen machten mit sämmtlichen Truppen am Morgen u. Nachmittag zwei sehr lebhafte Frontangriffe, welche jedoch beide abgewiesen wurden; zu einer eigentlichen Entscheidung kam es nicht, doch behaupteten die Engländer das Schlachtfeld. Die Franzosen verloren einen General u. 8000 Mann, vie Engländer zwei Generalen. 6200 Mann. König Joseph ging nun über die Alberche zurück u. entsendete den General Sebastiani gegen Toledo, welches von Venegas hart bedrängt wurde. Aber auch die Engländer mußten, obgleich General Crawford den Tag nach der Schlacht mit 3000 Mann anlangte, an den Rückzug denken, denn sowohl Mortiereilte von Valladolid zur Verstärkung des Königs herbei, als auch Soult hatte auf die Nachricht von dem Vorrücken der Verbündeten einen Theil des 6. Corps (Ney) mit dem seinigen in Leon vereinigt, war mit 35,000 Mann durch den Paß von Bannos vorgedrungen u. stand am 1. Aug. schon in Plasencia, also in der linken Flanke u. im Rücken der Engländer. Am 3. Aug. trat daher Wellesley seinen Rückzug nach Oropesa an, indem er Cuesta bei Talavera stehen ließ. Aber in Oropesa erhielt er die Nachricht, daß Soult in Navalmoral stehe u. ihn so von der Brücke bei Almaraz abgeschnitten habe u. daß Cuesta, gegen Victor zuschwach, Talavera räumen u. sich mit ihm vereinigen würde, was auch in der Nacht vom 3. zum 4. Aug. geschah u. wodurch Wellesleys rechte Flanke bloßgestellt wurde. Er wendete sich nun südlich gegen die Brücke bei Arzobispo zu u. zog sich in die Gegend zwischen Merida u. Badajoz zurück, wo er am 20. Aug. ankam; die spanische Armee aber unter Cuesta, welche ihm folgte, wurde am 8. Aug. bei Arzobispo von Mortiers Vorhut erreicht u. ihre ganze Arrieregarde gefangen, da eine französische Reiterabtheilung eine Fuhrt durch den Tajo durchwatete u. sie so abschnitt. Cuesta legte hierauf sein Commando nieder. Noch schlimmer ging es Wilson mit der Lusitanischen Legion, indem er bei dem Passe von Bannos am 12. Aug. von Ney geschlagen wurde; er rettete sich mit großer Mühe nach Castello Branco in Portugal, wo sich die Legion wieder sammelte. Venegas hatte am Tage der Schlacht bei Talavera (28. Juli) einige Granaten nach Toledo hineingeworfen u. war, als am 29. Juli König Joseph mit dem 4. Corps anrückte, links ab nach Aranjuez marschirt, wo er einen unbedeutenden Vortheil über ein kleines französisches Corps erfocht. Später griff er aber, wahrscheinlich den Vortheil bei Talavera überschätzend, am 11. Aug. den General Sebastiani bei Almonacid an u. wurde, obschon die Spanier sehr tapfer fochten u. den Franzosen weit überlegen waren, geschlagen u. zum Rückzug in due Mancha gezwungen; er vereinigte sich späterhin mit Cuestas Heer, welchesnen organisirt u. unter die Befehle des Generals Ariezaga gestellt wurde. Der König Joseph kehrte triumphirend in seine Hauptstadt zurück; in seinem Heere ging damals die Änderung vor, das das 8. Corps (Junot) aufgelöst u. die Truppentheile mit den anderen Corps vereinigt wurden; an Jourdans Stelle trat Soult als Major-General des Heeres u. sein Corps wurde Laborde übergeben, später aber aufgelöst u. unter die anderen vertheilt; für Ney, welcher Krankheits wegen nach Frankreich ging, erhielt der General Marchand das Commando des 6. Corps u. Augereau übernahm an Gouvion St. Cyrs Stelle im October den Befehl in Catalonien. Bei den Engländern u. Spaniern dagegen wurde Arthur. Wellesley seines Siegs bei Talavera wegen zum Lord Wellington Viscount von Talavera ernannt; der Marquis de la Romana kam zum Staatsrath der Centraljunta u. der Herzog del Parque erhielt an seiner Stelle den Oberbefehl in Galicien, Asturien u. Leon. Der Herzog del Parque griff nun am 18. Oct. den General Marchand bei Tomavacas mit Übermacht an, warf ihn über den Duero zurück u. besetzte am 25. Oct. Salamanca, von wo aus er bis Carpio auf der Straße nach Madrid vordrang. Aber General Kellermann rückte ihm mit dem, durch Verstärkungen aus Deutschland zahlreicher gewordenen 6. Corps (15,000 Mann) entgegen. Del Parque zog sich nach Albade Tormes bei Salamanca zurück, aber hier ereilte ihn Kellermann u. schlug ihn am 28. Nov. gänzlich, nahm ihm alles Geschütz ab u. besetzte am 29. Salamanca wieder. Noch zuvor versuchte der neue Obergeneral der spanischen Südarmee, Ariezaga, sein Glück gegen die Franzosen, er ging mit seinen 56,000 Mann auf Madrid los, fand aber bei Toledo das ihm entgegenkommende französische 4. u. 5. Corps u. einen Theil der Dessoliesschen Reserve (30,000 Mann) unter dem Marschall Soult. Er zog sich zurück, wurde aber in der Ebene von Ocaña am 18. Nov. eingeholt, in einer Stelle an einer tiefen Schlucht, Ocaña besetzt haltend, angegriffen, sein rechter Flügel durch das 4. Corps umgangen, dieser Angriff, eben als die Franzosen zu wanken begannen, durch das 5. Corps unterstützt u. der Sieg endlich durch einen Angriff des rechten französischen Flügels unter Dessolles entschieden u. Ocaña erstürmt. Verlust der Spanier mit den in den nächsten Tagen eingebrachten Gefangenen 20,000 Mann, 50 Kanonen u. 30 Fahnen; der französische Verlust betrug etwa 6000 Mann. Die geschlagenen Spanier flohen der Sierra Morena zu.

E) Weitere Begebenheiten in Catalonien u. Aragon. In Catalonien war unterdessen die Belagerung von Gerona fortgesetzt worden u. am 11. Aug. hatten die Franzosen nach vielen Stürmen sich des Castells von Monjuich bemächtigt. Überdieß drohte der Hunger die Festung in die Hände der Franzosen zu bringen. Um dieses zu verhindern, suchte Blake, welcher nach der Niederlage von Belchite sein Heer wieder gesammelt hatte, die Garnison mit Lebensmitteln zu versorgen u. sie zu verstärken. 4000 Mann u. 1500 beladene Maulthiere sammelten sich unter dem General Garzia Condé bei Olot, um von da nach Gerona zu dringen, während Blake am 30. Aug. den General Souham bei Brañola angriff. Gouvion St Cyr eilte diesem mit einem Theile des Belagerungsheers entgegen, u. diese Entfernung benutzend, drang Garzia Condé in die Stadt u. zerstörte die Belagerungsarbeiten. Gouvion St. Cyr sah sich daher nach drei abgeschlagenen Stürmen am 19. Sept. gezwungen die Belagerung wieder von vorn anzufangen. Wegen dieses Versehens wurde er zurückgerufen u. Augereau an seine Stelle gesandt. Aber auch dieser machte nur langsame Fortschritte, u. erst am 10. Dec. 1809, nachdem alle Vorräthe aufgezehrt waren, ergab sich Gerona durch Capitulation. In Aragon hatte der General Musnier Ende September die Abtei San Juan de la Peña erstürmt u. am 26. Oct. wurde Villecampe, der 7000 [477] Spanier befehligte, bei Villar de Zas von der Brigade des Obersten Henriot von Haberts Division gänzlich geschlagen. Der kleine Krieg dauerte indessen immer noch fort. Die Engländer zogen zu Anfang Dec. 1809 von Badajoz weg wieder nach Portugal. Die Centraljunta hatte sich schwach u. selbstsüchtig gezeigt, u. erst am 28. Oct. war es dem Marquis de la Romana endlich gelungen sie zu bewegen einen besonderen Ausschuß zur Vollziehung ihrer Beschlüsse zu ernennen u. einige zweckmäßige Einrichtungen zu treffen. Indessen hatte sie doch das Vertrauen verloren u. berief, um dies wieder zu gewinnen, am 28. Oct. 1809 die Cortes zu ihrer Unterstützung. Größeres geschah unter britischer Leitung in Portugal. Der Prinz Regent hatte von Brasilien aus nämlich eine Regierungsjunta von drei Mitgliedern ernannt u. den Oberbefehl über die bewaffnete Macht Wellington übertragen. Der neue König von Spanien erließ im Laufe des Jahres 1809 auch mehre organische Decrete; so hob er am 13. Aug. die Klöster ganz auf, verbesserte den Zustand der Weltpriester u. schaffte den Index der vom Inquisitionstribunal verbotenen Bücher ab.

VII. Feldzug des Jahres 1810 in Spanien u. Portugal bis im Mai 1811. A) Ereignisse in Südspanien. Nach dem Frieden von Wien den 14. Oct. 1809, durch welchen Österreich von dem Kampfplatz abtrat, wurden französischer Seits die gewaltigsten Anstalten zur Bezwingung Spaniens u. Portugals gemacht. Außer den Verstärkungen, welche die Corps erhielten, wurden auch drei neue gebildet: das 2. (Division Merle u. Foi) unter Reynier, das 8. (Division Clauzel, Solignac u. Lagrange) unter Junot u. das 9. (Division Gardanne, Conroux u. Claparede) unter Drouet. Das 6., 2. u. 8. Corps waren zur Armee gegen Portugal bestimmt, das 9. sollte die Reserve ausmachen, u. Marschall Massena diese, ohne die Reserve 72,000 Mann (worunter 6000 Reiter unter General Montbrun) starke Armee, welche sich bei Salamanca sammelte, befehligen. Schon bevor das Heer gebildet war, war der König Joseph bemüht gewesen den Süden Spaniens vollends durch den Marschall Soult mit dem 1., 4. u. 5. Corps, sowie einen Theil von Dessolles Reserve (55,000 Mann) zu unterwerfen. Der König selbst wollte dies Heer begleiten u. am 19. Jan. 1810 war sein Hauptquartier in Sta. Cruz de Mudela. Diesem Heere gegenüber stand längs der stark befestigten Sierra Morena der General Ariezaga mit zwei Divisionen, zusammen etwa 24–30,000 Mann, u. hielt die Bezwingung dieses Gebirgs für unmöglich. Aber die Spanier waren in zu viel Abtheilungen zersplittert, um irgendwo ernstlichen Widerstand zu leisten, u. am 20. Jan. vertrieb daher Soult mit Leichtigkeit die Spanier aus allen ihren Stellungen; mit einem Verlust von 6000 Mann u. 25 Geschützen (ohne das zu rechnen, was auf der Flucht sich noch zerstreute) war Ariezaga nach Granada geflohen, u. so stand jetzt die Straße nach Sevilla dem Sieger offen. Sebastiani folgte dem Feinde, während Victor gegen Sevilla vorrückte; Cordova u. Jaen ergaben sich u. die Centraljunta floh nach Cadiz. Am 29. Jan. erschien Soult vor Sevilla, welches sich am 1. Febr. an die Franzosen ergab. Die Centraljunta hatte, im Vertrauen auf die Festigkeit der Sierra Morena, Cadiz fast unbesetzt gelassen, u. nur der Herzog von Albuquerque rettete durch einen Eilmarsch mit 8000 Mann diese Festung, indem er kurz vor den Franzosen ankam, welche den 5. Morgens vor Cadiz erschienen. Bald folgte das 1. u. 5. Corps u. der König Joseph selbst nahm sein Hauptquartier zu Santa Maria. Die Besatzung bestand aus 16,000 Spaniern, 4000 Briten unter General Graham u. 1200 Portugiesen. Soult unternahm mit dem 1. Corps u. einem Theile des Reserveheeres die Belagerung, während Mortier sich gegen Estremadura wendete, um wo möglich Badajoz zu erobern. Sebastiani, welcher dem geschlagenen Ariezaga gefolgt war, hatte denselben am 28. Jan. nochmals bei Granada getroffen u. zerstreut u. Granada besetzt. Am 5. Febr. kam er in der Gegend von Malaga an. Hier hatte sich der spanische Oberst Abeillo des Oberbefehls bemächtigt u. sogar den General Cuesta einsperren lassen. Priester u. Mönche predigten förmlich einen Kreuzzug gegen die Franzosen u. 6000 Mann von drei Kapuzinern befehligt, zogen den Franzosen entgegen. Alle Bergschluchten u. Gebirgspässe waren von ihnen besetzt. Sebastiani trieb aber diese Banden vor sich her bis Malaga, u. als sie hier, auf seine Aufforderung zur Übergabe mit Gewehrfeuer antworteten, ließ er seine Cavallerie einen Chok ausführen u. drang mit den Flüchtlingen zugleich in die Stadt ein, welche sich nach lebhafter Gegenwehr unterwarf.

B) In Catalonien belagerte Marschall Augereau seit dem 20. Jan. Hostalrich, wo Don Juan de Estrada mit 2000 Mann eingeschlossen war, u. wurde von den Divisionen Souham u. Palombini gedeckt. Schon war die Stadt ein Steinhausen u. die Besatzung ausgehungert, als Augereau am 11. Mai den Gouverneur zur Übergabe aufforderte. Dieser antwortete abschlägig u. suchte in der Nacht zum 12. sich durchzuschlagen. Von 1300 Mann kamen 800 Mann unter dem Obersten Baños glücklich nach Vique, wo sie von der spanischen Division Roviera aufgenommen wurden; aber Estrqda selbst mit der anderen Colonne von 500 Mann, verirrte sich u. gerieth in die Hände der Franzosen. Die Franzosen besetzten nun sogleich die Stadt u. zwei Tage darauf das Fort Hostalrich. Übrigens verursachten die Guerrillas, in welche zuerst Juan Martin Diaz genannt Empecinado eine Ordnung gebracht hatte, in Catalonien den Franzosen so großen Schaden, daß Napoleon, mit Augereau deshalb unzufrieden, denselben am 27. Mai durch den Marschall Macdonald ablösen ließ.

C) Feldzug gegen Portugal. Das französische, gegen Portugal bestimmte Heer (das 6. [Neo], 8. [Junot] u. 2. [Reynier] Corps) unter Massena war Ende April größtentheils in u. um Salamanca versammelt. Das 8. Corps hatte im Laufe des Frühjahrs Astorga, eine offene, aber von den Einwohnern auf das tapferste vertheidigte Stadt, nach einer förmlichen Belagerung u. drei Stürmen zur Übergabe gezwungen. Den Franzosen, welche wohl 72,000 Mann zählen mochten, hatte Wellington etwa 50,000 Mann englischen u. portugiesischen Fußvolks u. 3000 Reiter entgegenzusetzen, wozu noch eine große Anzahl portugiesischer Milizen stoßen konnten. Massena mußte aber mit sehr beschränkten Lebensmitteln in einem Lande kämpfen, in welchem jeder Einzelne Feind der Franzosen war, während das britische Heer von den Einwohnern auf jede Art unterstützt wurde. Als die Corps von Ney u. Junot Ciudad Rodrigo einschlossen, hatte Wellington sein Hauptquartier in Viseu u. seine [478] Armee cantonnirte in dessen Umgegend. Dieselbe bestand aus den Divisionen Spencer, Cole, Picton u. Crawford (30,000 Mann). General Hill stand mit der 4 Division (13,000 Mann) bei Portalegre zur Beobachtung des Generals Reynier u. bei Thomar befehligte General Leith eine Reservedivision von 10,000 Mann. Die Belagerung von Ciudad Rodrigo, welches am 6. April vom 6. u. 8. französischen Corps eingeschlossen worden war, während das 2., der Verpflegung wegen, auf das linke Ufer des Tajo verlegt ward, wurde durch schlechtes Wetter sehr verzögert u. erst am 11. Juni konnten die Laufgräben gegen dasselbe eröffnet werden; einen Monat später, am 10. Juli, capitulirte der Commandant, General Herrasti.

Am 24. Juli überschritt Massena, welcher jetzt den Oberbefehl in Spanien erhalten hatte, die portugiesische Grenze u. begann 26. Juli Almeida zu belagern. Vergebens hoffte er, daß Wellington zum Entsatz in die Ebene Almeidas herabsteigen würde, u. er sah, daß er entweder die Berge stürmen od. die Flügel umgehen müsse; Ersteres war aber schwierig, Letzteres wegen des Standes der Portugiesen gefährlich. Unterdessen war Reynier aus seinem Hauptquartiere Merida mit der Division Foy gegen Alcantara aufgebrochen, die Division Merle aber mußte zu derselben Zeit den entgegengesetzten Weg einschlagen, am 6. Juli über den Guadiana setzen u. den spanischen General Imaz nach Xeres zurückdrängen, worauf er dem Marsche Reyniers wieder folgte, welcher über Coria nach Guarda zu ging u. so Wellingtons rechte Flanke bedrohte; diese wurde aber durch Hills Corps wieder gedeckt, welches von Portalegre, Reyniers Marsch folgend, über den Tajo u. an das rechte Ufer des Zezere gegangen war. Unterdessen hatten die Divisionen Marchand u. Loison am 15. Aug. die Laufgräben gegen Almeida eröffnet, u. als am 26. Aug. das Pulvermagazin der Belagerten in die Luft flog, so capitulirte am 27. die Festung. Jetzt zog Massena auch das 2. Corps an sich u. drang am 16. Septbr. gegen Wellington, welcher sich auf dem linken Ufer des Mondego langsam zurückzog, auf dem rechten Ufer des Mondego vor. Drei Meilen von Coimbra führt die Straße über die Serra de Busaco, welche sich bis an das Ufer des Mondego erstreckt, u. hier war Wellington. auf das rechte Ufer des Mondego übergegangen u. hatte das Gebirge besetzt, während die entsendeten Divisionen von Hill u. Leith dahin berufen waren u. am 26. Sept. zu gleicher Zeit mit der französischen Armee daselbst eintrafen. Massena war ohne Nachricht über den Marsch derselben geblieben u. griff am 27. Sept., in der Meinung, daß Wellington allein mit seinen 28,000 Mann die Position besetzt habe, dieselbe an. Der Sturm mißlang, dennoch währte den 27. u. 28. Sept. das Gefecht fort, aber es wurde blos zum Schein von französischen Tirailleurs unterhalten, denn am 28. Sept. früh brach das 8. Corps gegen Sardao auf, um auf einem höchst beschwerlichen Wege durch die Serra Caramula den linken Flügel der Engländer zu umgehen, da Massena die Unmöglichkeit einsah die feste Stellung der Engländer durch einen Frontangriff zu bewältigen. Dem 8. Corps folgten die andern; Sardao, das zu vertheidigen eine portugiesische Division zu spät kam, wurde glücklich erreicht u. Wellington so gezwungen seine feste Stellung aufzugeben. Er zog sich über Coimbra bis in die Linien von Torres Vedras zurück, welche er zum Schutz von Lissabon hatte anlegen lassen u. welche er am 8. Oct. besetzte. Der linke Flügel derselben lehnte sich an das Meer, der rechte bei Alhandra an den Tejo u. nahm so eine Länge von sechs Meilen ein. Die Berge waren abgeböscht, Flüsse gedämmt, Überschwemmungen angelegt u. alle Straßen, welche die Franzosen benutzen konnten, zerstört, dagegen im Rücken des Lagers Communicationswege angelegt. Starke Verschanzungen waren an den schwächeren Punkten aufgeworfen u. zu ihrer Vertheidigung viel Geschütz aufgestellt. Lissabon konnte zu Lande nicht angegriffen werden, bevor dieses Lager erobert war, denn es umfaßte die ganze Landzunge, auf welcher man zu dieser Stadt gelangen konnte. Massena hatte am 1. Oct. Coimbra erreicht, ließ Kranke u. Verwundete unter schwacher Bedeckung dort zurück u. langte dann am 12. Oct. mit etwa 60,000 Mann vor dem englischen Lager an. Die Streitkräfte der Verbündeten waren den französischen jetzt ziemlich gleich, denn am 9. Oct. war der Marquis de la Romana mit 6000 Spaniern zu Wellington gestoßen, mehre Guerrillas unter dem Oberst Trant bedrohten überdieß noch den Rücken der Franzosen u. hatten am 7. Oct. schon Coimbra wieder eingenommen u. alle dortige Franzosen gefangen. Massenas Lage war damals schwierig, vor sich hatte er ein stark besetztes feindliches Lager, hinter sich ein verheertes Land u. eine ergrimmte Bevölkerung, dazu Mangel an Lebensmitteln u. schlechtes Wetter. Aber dennoch wollte Massena wenigstens einen Versuch zur Bezwingung der Engländer machen u. stellte sich so auf, daß die Armee in vier Stunden concentrirt werden konnte; so blieb er einen Monat stehen. Der Dienst im Lager der Verbündeten wurde sehr beschwerlich; alle Morgen standen die Truppen, den Angriff erwartend, unter Gewehr, aber in der ganzen Zeit geschah nichts. Als Massena aber sah, daß die Engländer sich nicht verleiten ließen aus ihrem Lager zu gehen, trat er am 14. Nov. 1810 den Rückzug an, um sein erschöpftes Heer bei Thomar in Cantonnirungsquartiere zu führen, u. gab diesen Sicherheit durch eine feste Stellung bei Santarem hinter dem Rio Major. Sein linker Flügel war hier durch den Tejo, der rechte durch die Reiterei gedeckt. Hier wollte Massena Verstärkung u. Nachrichten aus Spanien erwarten, welche ihm seit drei Monaten fehlten. Die Verbündeten folgten u. wollten am 18. Nov. Santarem angreifen, unterließen dies aber, da sie sahen, daß die Franzosen entschlossen waren Stand zu halten. Wellington cantonnirte bei Cartaxo; Lord Hill aber ging mit seinem Corps auf das südliche Tejoufer, um den Franzosen die Verbindung mit dem Süden u. die Lebensmittel, welche sie etwa aus der Provinz Alemtejo ziehen möchten, abzuschneiden. Am 16. Dec. 1810 langte General Drouet mit den Divisionen Gardanne u. Conroux bei dem französischen Heere an u. mehrte dieses so um 12,000 Mann. Die 3. Division des 9. Corps war unter General Claparède zu Guarda stehen geblieben, um die Verbindung mit Spanien offen u. die irregulären portugiesischen Truppen im Zaume zu halten. Diese waren zu einer beträchtlichen Stärke angewachsen u. thaten den Franzosen viel Schaden, aber am 30. Dec. ward Silveira, welcher sie commandirte, von Claparède bei Trancoso geschlagen; am 9. Jan. 1811 wiederholte sich dies mit einem englischen Regiment u. der Reiterei bei Sarceda u. am 11. bei Villa de Porte. Claparède ging nun[479] nach Lamego u. setzte sich über Viseu mit der Hauptarmee in Verbindung. In der Hoffnung, daß die Armeen aus dem südlichen Spanien ihm die Hand bieten würden, blieb Masseua bis Ende Februar 1811 in seiner Stellung, aber dann mußte er, da alle Lebensmittel aufgezehrt u. das Land eine Wüste war, am 5. März Santarem, wohin Wellington, zu dessen Heer zugleich 7000 Mann frische Truppen unter General Houston stießen, sogleich sein Hauptquartiec verlegte, u. ganz Portugal, wo er 30,000 Mann verloren hatte, räumen. Sein Rückzug ging auf Pombal, während Drouet eine Seitenbewegung gegen Moliano machte, um die Verbündeten zu täuschen, aber am 7. zum Gros stieß. Leiria u. Pombal wurden verbrannt; die Engländer thaten den Franzosen großen Schaden. Am 14. März überschritt Massena mit der Hauptmacht die Ceira, wo es am 15. März zwischen dem 6. französischen Corps u. dem englischen Vortrab zu einem Nachtrabgefecht kam, in welchem die Franzosen gegen 4000 Mann verloren. Am 19. März erreichten die Franzosen Moira u. am 20. Celorico, wo die Division Claparède zu ihnen stieß. Von hier aus nur noch schwach verfolgt, kam Massena am 23. März nach Guarda u. ging am 29. bei Sabugal über die Coa, den Grenzfluß Portugals. Reynier blieb hier stehen, wurde aber am 3. April von Wellington zum Rückzug über die Grenze genöthigt. Von Celorico aus hatte Ney sein Corps, gegen Massenas Ordre, gerade nach Almeida geführt, weshalb ihn Massena nach Frankreich zurückschickte u. sein Corps einstweilen dem General Loison gab. Die französische Armee bezog nun auf einige Tage Erholungsquartiere bei Ciudad Rodrigo, Salamanca u. Ledesma. Wellington ließ am 9. April Almeida von den Portugiesen einschließen, doch hatte er kein Geschütz zur Belagerung u. das Hanptheer bezog Cantonnirungen bei Villaformosa. Massena dagegen, durch Ergänzungsmannschaft u. eine Abtheilung kaiserlicher Garde verstärkt, ging am 2. Mai mit 45,000 Mann wieder über die portugiesische Grenze, um Almeida zu verproviantiren. Wellington zog hierauf sein 40,000 Mann starkes Heer hinter der Azava zusammen u. am 3. Mai kam es bei dem Dorfe Fuentes (de Honor) zur Schlacht. Vergebens suchte seit 2 Uhr das 2. französische Corps dies Dorf zu nehmen, den englischen rechten Flügel zu umgeben u. auf sein Centrum zu werfen. Am Morgen des 4. Mai stürmte das 6. Corps wieder vergeblich, u. obschon Montbruns Cavallerie am anderen Punkte Vortheile erfocht, so stellte die englische Infanterie das Gefecht immer wieder her. Wellington verschanzte nun seine Stellung, u. Massena blieb bis zum 9. Mai ihm gegenüberstehen, wo er sich gegen Salamanca zurückzog; der Commandant von Almeida, General Brenier, erhielt aber durch einen Kundschafter den Befehl die Festungswerke durch Minen ebenfalls zu zerstören u. sich auch auf Salamanca zurückzuziehen. Er führte dies am 10. Abends aus u. kam mit 200 Mann Verlust glücklich über die Agueda, wo ihn Massena aufnahm. Die französische Armee bezog nun wieder Cantonnirungen; Massena aber kehrte bald darauf nach Frankreich zurück u. Marmont übernahm den Oberbefehl des 2., 6., 8. u. 9. Corps, von denen das 6. statt Ney Marchand zum Chef erhalten hatte.

D) Ereignissel in Catalonien, Aragon u. Asturien. Nachdem der General Suchet bei Villastar, an der Grenze von Valencia u. Aragon, einen Insurgentenhaufen durch General Lavalam 18. Februar 1810 hatte sprengen u. die Verschanzungen bei Villel erobern lassen, drang er in das Königreich Valencia ein. General Habert forcirte den Engpaß bei Morella, am 2. März wurden auch die Spanier von der Brücke über den Misarez bei Alventosa vertrieben, u. am 4. März stand Suchet schon vor Murviedro u. seine Vortruppen streiften bis vor Valencia. Aber am 7. März erfuhren die Franzosen, daß O'Donnell, welcher an Blakes Stelle die Spanier in Catalonien u. Aragon befehligte, die Belagerungsarmee von Lerida sehr dränge, u. traten deshalb am 8. den Rückmarsch an. Am 23. April kam es zwischen ihm u. O' Donnell, welcher etwa 15,000 M. befehligte, bei Lerida zur Schlacht. Die französischen Kürassiere nahmen die Spanier in die Flanke u. die Husaren zersprengten dieselben vollends; 5600 M. wurden gefangen, 3 Kanonen u. 4 Fahnen erbeutet; die Franzosen zählten kaum 100 Todte. Nun wurde die Belagerung mit Eifer betrieben u. am 12. Mai ergab sich Lerida, am 8. Juni Mequinenza u. am 2. Januar 1811 auch Tortosa. Im Februar hatten die spanischen Guerrillas in Asturien den General Bonnet zur Räumung von Oviedo gebracht, um sich bei Pola de Sierra zu concentriren, hier schlug sie aber Bonnet am 14. Februar u. trieb sie in die Gebirge zurück. 1810 versuchten die Engländer einigemal im Norden Spaniens zu landen, ohne aber viel auszurichten; Anfang Juli besetzten sie zwar auf einige Tage Santander, aber am 8. Juli wurden sie von den Franzosen wieder daraus vertrieben u. eben so am 27. October, wo sie bei Santoña zu landen versucht hatten. In Catalonien, wo jetzt die Divisionen Verdier, Souham, Severoli (Italiener), Pignatelli (Neapolitaner) u. Rouyer (Deutsche) standen, waren zwar Barcelona, Rosas, Gerona u. Hostalrich in den Händen der Franzosen, aber dennoch war nirgends Ruhe. Augereau hatte, während Verdier Hostalrich belagerte, am 20. Februar zwar Of Donnell bei Vique geschlagen, dagegen wurde die Brigade Schwarz von. der Division Rouyer, nachdem sie Manresa erobert hatte, von der spanischen Division Roviérra auf dem Rückzuge vom 5. bis 7. April fast gänzlich aufgerieben. Als nun Macdonald an Augereaus Stelle den Oberbefehl übernahm, suchte er sich mit dem 3. Corps, welches Tortosa belagerte, in Verbindung zu setzen. Er ging daher bis an den Llobregat vor, vertrieb die Catalonier aus Cervera u. Tarrasa, schob von Villafranca aus eine Division bis in die Gegend von Tarragona vor u. versorgte nach einem hitzigen Gefechte Pignatellis mit Öl Donnell das isolirte Barcelona auf 3 Monate mit Lebensmitteln.

E) Ereignisse in Südspanien. In Andalusien hatten im October 1810 die Engländer einen Versuch gemacht Malaga durch den General Lord Blaney mit 3000 M., welche bei Castello de la Fuengirola landeten, von Gibraltar aus wieder zu erobern. Aber die schwache polnische Besatzung ergab sich nicht, u. als Sebastiani mit 1200 M. herbeieilte, wurden die Engländer am 15. October geschlagen u. meist gefangen. Soult hatte die Belagerung von Cadiz eifrig fortgesetzt, ohne aber große Fortschritte zu machen. Vom Monat März 1810 an befehligte der englische General Graham die Garnison, zu deren Schutz auch eine spanische Flotte diente. Am 21. April 1810 eroberten indessen[480] die Franzosen das Fort Matagorda, von wo aus sie Cadiz bombardirten, ohne jedoch der Festung großen Schaden zu thun, doch benutzten 1500 auf dem Blockschiffe la Castilla befindliche französische Gefangene, unter ihnen 600 Offiziere, die Nähe ihrer Kameraden, entwaffneten in der Nacht zum 16. Mai die spanische Besatzung auf dem Schiffe, kappten die Ankertaue u. ließen das Schiff nordwestlich von Matagorda, nur 2000 Schritt von den französischen Batterien, an den Strand laufen. Durch die Hülfe ihrer Landsleute wurden sie, trotz des lebhaften Feuers aus mehren spanischen Batterien u. der sie verfolgenden Kanonenböte u. des ungestümen Meeres, fast Alle gerettet. Als zu Ende Mai die Garnison in Cadiz durch 4000 Spanier aus Alicante verstärkt worden war, entsendete Graham den General Bowes mit 4000 M. nach Algeciras, um in Verbindung mit den Insurgenten von Murcia u. Valencia gegen den Guadalquivir vorzudringen. General Girard vom 5. Armeecorps. zerstreute aber die Insurgenten u. Bowes kehrte nach Cadiz zurück. In Estremadura, wo Mortier befehligte, hatte Girard am 11. August den Marquis de la Romana bei Bienvenida. geschlagen, u. auch Blake, welcher in Murcia eine neue Armee zu bilden bemüht war, wurde vom General Godinot von Sebastianis Corps gedrängt u. am 4. November beim Flusse Almanzara abermals geschlagen. Am 17. April erging von Sevilla aus ein Decret des Königs Joseph, dem zufolge Spanien in 38 Präfecturen, u. am 23. April 1810 eins, worin es in 15 Militärgouvernements getheilt u. jedem ein Gouverneur mit einem Truppencorps zugetheilt wurde. In Madrid war Belliard Gounerneur der Stadt u. des 1. Militärgouvernements; in Navarra befehligte Reille als solcher 8–9000 M., in Asturien Bonnet eben so viel, in Burgos Dorfenne 15,999 M., in Leon Caffarelli, in Valladolid Kellermann 8–9000 M. etc. Diese Truppen waren Anfangs keinem Corps zugetheilt, wurden aber Ende 1810 zu der etwa 44,000 M starken Reservearmee unter Bessières vereinigt, welcher im Februar 1811 sein Hauptquartier nach Valladolid verlegte. Ende 1810 machte Soult einen Versuch gegen Südportugal, um sich mit Massena in Santarem in Verbindung zu setzen. Mit 14,000 M. (dem 5. Corps, 1 Division vom 4. u. der Reiterdivision Latour-Maubourg) erschien er am 11. Januar 1911 vor Olivença an der portugiesischen Grenze u. zwang die Besatzung, 7 Bataillone Spanier, am 22. Januar sich auf Discretion zu ergeben u. schuf Olivença zu einem Waffenplatz um, während Mortier schon am 26. Januar Badajoz einschloß u. am 11. Februar zu beschießen anfing. Schon zuvor hatte Wellington den Marquis de la Romana mit 3 Divisionen Spaniern von Lissabon aus Badajoz zur Hülfe geschickt, aber Romana starb am 23. Januar 1811, u. an seine Stelle trat General Mendizabal, welcher nun zum Entsatz der Stadt herbeizog, am 9. Febr. auf den Höhen von Cristoval erschien u. sich mit der Besatzung von Badajoz in Verbindung setzte. Mortier aber ging mit 6000 M. (der Division Girard u. der Reiterdivision Latour-Maubourg) über die Geoora u. zersprengte die 11,000 M. starken Spanier unter Mendizabal gänzlich. 1400 M. waren todt od. verwundet, 2000 M. flohen nach Elvas, 3590 M. nach Badajoz, über 3500 mit dem General Viruez wurden gefangen. In Badajoz befehligte der spanische General Menacho 9000 M. Am 20. Febr. setzten sich die Franzosen auf dem rechten Guadianaufer fest, eroberten die Werke von Pardelleras u. führten aus denselben zwei Parallelen gegen die Festung. Am 4. März fiel Menacho, für welchen General Imaz den Oberbefehl übernahm; am 9. wurde Bresche gelegt u. am 10. capitulirte die Festung. Am 15. März fiel auch Albnauerque u. am 23. Campo Mayor. Seit December 1819 bestand die Belagerungsarmee von Cadiz nur aus Victors Corps, u. Graham wollte dieses schlagen u. die Franzosen zur Aufhebung der Belagerung zwingen. Schon am 27. Januar 1811 hatte ein starkes Corps Spanier, welches aus der Sierra Morena hervorbrach, vergebens versucht das Fort von Medina Sidonia, 5 Stunden von Leon, den Franzosen zu entreißen; später verließen 299 Schiffe, welche 3000 Engländer u. 7000 Spanier am Bord hatten, unter General Graham selbst u. la Peña die Bai von Cadiz, um sich mit den Spaniern aus dem Gebirge zu vereinigen u. Victor im Rüchen anzugreifen. Am 21. Februar landeten die Engländer in Algeciras u. verbanden sich den 27. mit den von widrigen Winden aufgehaltenen Spaniern zu Tarifa, rückten gemeinschaftlich gegen Chiclana vor, griffen am 5. März einen Theil des Vietorschen Corps an u. nahmen sie, schifften sich aber, de la Peña gänzlich unthätig blieb, am 6. März wieder nach Cadiz ein. Indessen bewog die Nachricht von dieser Expedition Soult mit den Divisionen Godinot u. Latour-Maubourg Badajoz am 15. März zu verlassen, um Victor zu Hülfe zu eilen, u. er kam am 19. März nach Sevilla. Durch Soults Abzug war indessen Mortier in Gefahr gekommen, denn Beresford war von Wellington nach Massenas Abzug aus Santarem mit 2 englischen u. 1 portugiesischen Division zur Wiedereroberung von Badajoz entsendet worden. Mortier, zu schwach, zog sich, nachdem er in Badajoz den General Philippon zurückgelassen hatte, gegen Sevilla zurück, wobei 400 Franzosen zu Olivença gefangen wurden. Beresford rückte nun vor Badajoz u. begann Anfangs Mai die Belagerung, aber schon am 13. hob er sie wieder auf, da Soult mit 23,000 M. (dem 6. Corps, welches jetzt an des erkrankten Mortier Stelle Latour-Maubourg befehligte, der Division Godinot u. allen entbehrlichen Besatzungen in Andalusien) zum Entsatze herbeieilte, u. zog sich nach Valverde zurück. Hier stießen mehre spanische Corps zu ihm, so Blake, welcher in Ayamonte gelandet war, u. Castaños, welcher an Mendizabals Stelle die linke Flügelarmee gebildet u. durch Vallesteros sich bis auf 25,009 M. verstärkt hatte. Am 15. Mai erschien Soult vor Beresfords Stellung hinter dem Albuherafluß, da wo die Straße von Sevilla sich in zwei Arme theilt, von denen dereine nach Badajoz, der andere nach Olivença führt. Blake u. Castaños bildeten den rechten, die Division Stewart das Centrum, die von Hamilton den linken Flügel, Coles Division das zweite Treffen. Am 16. Mai griff Soult bei la Albuhera zuerst Blake an u. warf ihn; Beresford schickte ihm die Division Stewart zu Hülfe, deren Vorhut aber von den polnischen Uhlanen über den Haufen geworfen wurde. Dadurch geriethen die Engländer in Unordnung, u. die Schlacht wäre verloren gewesen, wenn nicht im rechten Augenblick die Division Cole erschienen wäre. Die Spanier u. Stewarts Division setzten sich wieder u. warfen die Franzosen von[481] den Anhöhen herab, u. Soult zog sich in der Nacht gegen Sevilla zurück. Die Verbündeten, welche auch großen Verlust erlitten, kehrten vor Badajoz um, u. am 27. Mai begann die Belagerung von Badajoz von Neuem, von Wellington selbst geleitet. Marmont hatte unterdessen nach dem Rückzug aus Portugal in Salamanca sein Heer zu retabliren gesucht u. wendete sich nun gegen Ciudad Rodrigo, um sich Soult zu nähern, ging dann am 13. Juni bei Almaraz über den Tajo u. vereinigte sich am 18. bei Merida mit der Südarmee, ohne daß es Wellington hätte verhindern können. Die Armee Soults wuchs dadurch u. durch andere Verstärkungen bis auf 70,000 M., unter ihnen gegen 10,000 M. Cavallerie. Wellington bot unterdessen Alles auf, um Badajoz zu erobern, u. versuchte am 5. u. 8. Juni das Fort Cristoval zu stürmen; als nun Soult heranzog, hob er am 17 Juni die Belagerung auf, zog sich über den Guadiana zurück u. nahm eine verschanzte Stellung bei Campo Mayor. Nachdem die französischen Marschälle Badajoz von Neuem verproviantirt u. die Besatzung verstärkt hatten, zog sich Marmont nach Truxillo; Latour-Maubourg blieb zur Erhaltung der Communication zwischen der Südarmee u. der von Portugal am Guadiana u. Soult kehrte zur Belagerung von Cadiz zurück.

F) Fernere Ereignisse in Catalonien. Der Besitz des von den Divisionen Musnier u. Laval eingeschlossenen Tortosa war für Suchet u. die Franzosen von höchster Wichtigkeit, denn es schnitt Catalonien von dem Beistande des übrigen Spanien ab. Catalonien u. Valencia bot daher Alles auf, um Tortosa zu erhalten. Suchets Macht betrug im Ganzen nicht 15,000 M., u. da ein Drittel in Aragonien blieb, so konnte er blos 10,000 M. zur Belagerung u. deren Deckung verwenden, dagegen zählte das valencianische Heer unter Dono Caro gegen 15,000 M. in 3 Divisionen (Bassecourt, Odonoju u. Porta) u. wurde noch durch ein anderes aus Cuenca, Molina u. Aragonien unter dem General Carrajal von 8–10,000 M. unterstützt. Von Catalonien aus konnte Suchet nur auf wenig Hilfe rechnen, denn wenn auch das 7. Corps noch gegen 30,000 M. zählte, so hatte Macdonald doch genug zu thun, um sich der catalonischen Armee, welche jetzt wieder von O'Donnell befehligt wurde u. sich auf 25,000 M. unter Campoverde, Obispo, Georget, Garzia, Navarro, Sarsfield u. Eroles belief, zu erwehren, der zahlreichen Guerrillasbanden nicht zu gedenken. Tortosa vertheidigte sich bes. durch Ausfälle (am 6., 8. u. 12. Juli). Fortwährend suchten Dono Caro u. O'Donnell, in Verbindung mit den Guerrillas von Aragon, durch drohende Bewegungen die Belagerung von Tortosa zu verzögern; Letzter eroberte am 14. September das Fort La Bisbal, in welchem General Schwarz mit 650 M. gefangen wurde. Dennoch gelang es Macdonald Ende September das Belagerungsgeschütz auf dem, durch den Regen angeschwollenen Ebro vor Tortosa zu bringen. Auch vereitelte Suchet durch den polnischen General Chlopicki mit 7 Bataillonen vom Belagerungscorps die Überrumpelung von Saragossa durch die spanischen Generale Carvaje u. Villa Campa; Chlopicki schlug nämlich am 12. November Villa Campa bei Villassecas u. zwang dadurch die Armee von Aragon für den Winter zur Unthätigkeit. Auch die Armee von Valencia, welche seit der Berufung Dano Caros in die Regentschaft nach Cadiz General Bassecourt befehligte, wurde vom General Musnier am 22. November 1810 bei Uldecona, unweit der Cenia, u. wenige Tage darauf wieder bei Vinaroz geschlagen, nachdem zwei spanische Divisionen von der catalonischen Armee, welche zu ihm stoßen sollten, am 19. November von Habert bei Falset besiegt u. zum Rückzug gezwungen worden waren. Nun hatte Suchet nichts mehr zu fürchten, u. am 19. wurden unter General Rogniat die Belagerungsarbeiten begonnen u. am 30. Bresche gelegt; am 1. Januar 1811 capitulirte die Stadt, am 2. die Citadelle; der Commandant, Graf Antocha, wurde mit 9400 M. gefangen nach Frankreich gebracht u. er in seiner Abwesenheit, wegen schlechter Vertheidigung, von einem spanischen Kriegsgericht zum Tode verurtheilt. Am 10. Januar eroberte General Habert auch das Schloß Balaguer mit Sturm.

VIII. Krieg vom Mai bis Ende 1811. A) Ereignisse in Südspanien. Die zu Ansang von 1810 zu Cadiz erwählte Regentschaft konnte nur wenig für das Wohl des Landes thun u. wurde deshalb im September 1810 von den eben zusammengetretenen Cortes aufgehoben u. im October durch eine neue ersetzt, welche aus dem General Blake u. den Seeoffizieren Agar u. Ciscar bestand. Die Mitglieder der aufgelösten Centraljunta wurden vielfach verleumdet, viele des Verraths beschuldigt u. verbannt, mehre eingekerkert u. einige sogar ermordet. Durch die neue Regentschaft aber u. durch die Cortes kam neues Leben u. neuer Eifer unter das Heer; es selbst wurde verstärkt u. in allen Provinzen bildeten sich neue Guerrillas, in Altcastilien unter Don Juan Sanchez, in Aragon unter Longa, in Navarra unter Mina, in Asturien unter El Marquisito, in den Guadalaxaragebirgen unter Empecinado. Nachdem sich Wellington von Badajoz wieder zurückgezogen hatte, war Blake mit 10,000 M. von dem verbündeten Heere abmarschirt u. am 22. Inni bei Jurumenha über den Guadiana gegangen u. bis nach Niebla vorgedrungen. Soult gerieth dadurch in große Verlegenheit, da er blos 1 Regiment vom 1. Corps u. die Garnison von Sevilla bei sich hatte u. das 4. Corps unter General Leval noch nicht heran war. Aber Blake verlor 6 Tage vor dem von 300 Schweizern vertheidigten Fort Niebla, u. so gewann Soult Zeit Truppen an sich zu ziehen, mit denen er am 8. Juli von Sevilla gegen Blake marschirte Dieser wartete die Franzosen nicht ab, sondern zog sich eiligst nach Ayamonte an der Mündung des Guadiana zurück u. schiffte sich nach Cadiz ein. Von dort aus segelte er nach Almeira u. drang bis Báza in Graf nada vor, wo sich General Freire, welcher die Armee von Murcia befehligte, mit ihm verband. So bis auf 20,000 M. verstärkt, rückte er in der Absicht dem von Suchet bedrohten Königreich Valencia zu Hilfe zu eilen bis nach Lorca vor, während sich die schwachen französischen Besatzungen in Oftgranada auf das 4. Corps zurückzogen, mit welchem Soult von Sevilla u. Granada herbeieilte. Am 9. August holte er die Spanier ein, u. während Soult, Leval u. Latour-Maubourg, welcher die Reiterei befehligte, den Angriff für den 10. August vorbereiteten, hatte General Godinot, welcher mit seiner Division von Jaen aus gegen die rechte Flanke der Spanier vordrang, schon den rechten Flügel Blakes gänzlich geschlagen. Blake wagte nun nicht s. in festes Lager bei Baul zu vertheidigen u. zog [482] Hill u. Graham vorwärts gegen Merida entsendet wurden, um Soult zu beobachten. Am Abend des 17. März wurden die Laufgräben gegen das detachirte Fort Picurnia eröffnet, das Feuer gegen dasselbe begann erst am 24. März, worauf er. es am 25 Abends mit Sturm nahm; die zweite Parallele u. eine Breschebatterie wurde nun errichtet u. in acht Tagen drei weite Breschen gelegt. Am 6. April Nachts erstürmte General Picton das Castell u. nun rangen die Engländer auch von der Stadtseite ein, beide jedoch mit einem Verlust von fast 3400 Mann, u. nahmen so Badajoz. Wellington ging hierauf, da Soult nur zwei Tagmärsche zum Entsatz entfernt war, über den Guadiana zurück; auch Soult zog sich nach Sevilla zurück.

C) Gleichzeitige Ereignissein Portugal. Während die verbündete Armee vor Badajoz lag, hatte Marmont, in der Meinung, daß Soult allein den Entsatz von Badajoz bewirken könne, einen Einfall in Portugal unternommen u. erschien von Salamanca aus am 3. Aprilvor dem schlecht verproviantirten Ciudad Rodrigo, ließ es durch eine Division blockiren u. rückte selbst vor Almeida. Da er dies aber in gutem Vertheidigungszustande fand, marschirte er von dort weg nach Castel Branco u. trieb die portugiesische Miliz vor sich her, kehrte aber, da ihm Wellington entgegen eilte, über Portugals Grenze zurück. Zu jener Zeit begann Napoleon seinen Zug nach Rußland, u. die französische Armee in Spanien erhielt daher keine Unterstützung aus Frankreich mehr, mußte vielmehr der großen Armee noch Unterstützung (bes. die kaiserlichen Garden u. viele Generale) senden. Spanien hatte durch die Capitulation von Valencia seine besten u. geübtesten Truppen verloren; die Guerrillas, welche jetzt Sold u. Kleidung verlangten u. dies, da die Regierung kein Geld hatte, von dem Lande selbst forderten, zogen sich oft zu ganzen Corps zusammen, wurden aber so immer von den Franzosen geschlagen. Dagegen war die englisch-portugiesische Armee vortrefflich, aber freilich zu schwach, um die ganze Halbinsel mit einem Schlage von den Feinden zu befreien. Wellington suchte indessen wenigstens die Franzosen aus den südlichen Provinzen Spaniens zu vertreiben. Er wollte zuerst Marmont angreifen, um Soult auf sich zu ziehen, u. ließ nur ein Armeecorps zur Beobachtung Soults zurück. Um aber Jourdan u. Suchet zu beschäftigen, veranlaßte er, daß 10,000 Engländer von Sicilien aus nach Mallorca gesendet wurden, welche sich dort mit 6000 auf Englands Kosten ausgerüsteten Spaniern vereinigen u. dann als Diversion in Ostspanien landen sollten.

B) Ereignisse in Leon, Castilien u. Asturien. Um die Communication zwischen dem Norden u. Süden Spaniens noch mehr zu erschweren, sollte Hill die stark verschanzte Brücke bei Almaraz über den Tajo zerstören; er umging daher am 18. Mai das von den Franzosen besetzte Castell von Mivarete, südlich von Almaraz, auf sehr schwierigen Wegen, griff die stark verschanzte Brücke unvermuthet an, eroberte dieselbe nach kurzem Widerstande, zerstörte sie u. zog sich dann wieder zurück. Der französische Offizier, welcher die Brücke so schlecht vertheidigt hatte, wurde vor ein Kriegsgericht gestellt u. erschossen. Vergebens versuchte Soult durch das 5. Corps Hill den Rückzug abzuschneiden; Hill hatte, als es ankam, Truxillo auf seinem Rückmarsche schon wieder passirt. Wellington brach nun von der Agueda auf u. ging am 17. Juni ober- u. unterhalb Salamanca über den Tormes. Die Franzosen hatten dort große Vorräthe u. Salamanca mit drei Forts stark verschanzt. Während die Division Clinton die Belagerung begann, stand die verbündete Armee auf den Höhen von S. Cristoval, eine starke Stunde vorwärts Salamanca. Die Forts wehrten sich aber tapfer, u. am 20. Juni erschien Marmont mit einem Theile seines Heeres vor der englischen Stellung u. blieb dort bis zum 23. stehen; da er aber die Verbündeten zu stark fand, um sie zur Aufhebung der Belagerung zu zwingen, so zog er wieder ab u. manövrirte einige Tage oberhalb Salamanca am Tormes hin, um die Besatzung an sich zu ziehen. Die Engländer stürmten am 27. Junidie Forts, in denen 700 Mann standen, Marmont aber zog sich auf das rechte Ufer des Duero zurück u. sammelte, von den Engländern verfolgt, die Division Bonnet von Asturien an sich ziehend, 47,000 Mann auf dem rechten Ufer des Duero. Die Stellung war sehr stark u. Wellington wagte daher keinen Angriff, sah aber mit Gewißheit voraus, daß er wegen Mangels an Lebensmitteln bald die Position verlassen müßte. Aber Marmont verleitete am 17. Juli durch ein Manöver seinen Gegner nach Fuente la Peña u. Cañizal zu marschiren, während er bei Tordesillas über den Duero ging u. am Morgen des 18. am Trabancos anlangte. Durch diesen Übergang wurde das Heer Marmonts dem des Centrums näher gebracht u. zwei englische Divisionen zum eiligen Rückzug auf das herbeikommende Hauptcorps genöthigt. Am 20. Juli marschirten beide feindliche Heere in gleichlaufender Richtung durch eine offene Gegend, oft nur einen halben Kanonen schuß weit von einander entfernt; am 21. nahm die englische Armee die Stellung bei S. Cristoval, wo sie während des Angriffes auf die Forts von Salamanca gestanden hatte, ein u. Marmont ging bei Alba u. Huerta über den Tormes, um die Straße nach Ciudad Rodrigo zu gewinnen. Die Verbündeten passirten aber noch Abends bei Salamanca den Tormes u. besetzten am 22. Juli früh eine feste Stellung, deren rechter Flügel sich bei den Felshöhen los Arapiles, der linke an den Tormes lehnte; vor ihm war ein dichtes Gehölz, welches die Stellung des Feindes deckte. Gegen 8 Uhr brach die 8. französische Division unter Bonnet aus dem Walde hervor u. besetzte den einen der Arapilen u. Wellington darauf den anderen. Um 1 Uhr begann Marmont den Angriff auf den rechten Flügel der Verbündeten, wobei er nun die 7. Division, welche den linken französischen Flügel bildete, zu weit sich ausdehnen ließ. Wellington benutzte dies sogleich u. machte eine Frontveränderung Während die Truppen diese Bewegung vollzogen, machte Marmont mehre vergebliche Angriffe auf das Dorf Arapiles, welches von einer Abtheilung englischer Garden besetzt war; jetzt aber griffen die Divisionen Cole, Leith, Clinton u. Hope die Franzosen am Waldsaume von vorn an, während General Packenham, welcher den ausgedehnten linken Flügel der Franzosen mit seiner Reiterei umgangen hatte diesen in der Flanke angriff u. gegen sein Centrum aufrollte. Auch die französische Division am Waldsaume u. bei Arapiles wankten, Marmont führte zwar zwei Divisionen zur Hülke herbei, wurde aber schwer verwundet u. nach einem hartnäckigen Gefechte, wobei der britische General Cole u. der[483] zareth u. die Batterien des Grao, durch welche das Feuer einiger englischer Schiffe zum Schweigen gebracht wurde. Am 27. Dec. wurde Valencia von den Franzosen eingeschlossen; am 28. Dec. versuchte Blake sich mit 12,000 Mann durchzuschlagen, blos O'Donne'l sollte mit seiner Division die Stadt vertheidigen; aber der Bersuch mißlang. Am 1. Jan. 1812 eröffnete Suchet die Laufgräben gegen die Außenwerke, welche am 4. genommen wurden, u. als er nach einem dreitägigen Bombardement auch Anstalten traf gegen vie Stadt die Tranchéen zu eröffnen, so ergab sich Blake am 9. Januar. Blake, 12 Generale, 19 Brigadiers, 800 Offiziere u. 16,000 Mann, der Kern der spanischen Armee, wurden gefangen. In Catalonien waren die Briten aus Mataco im November vertrieben worden, u. dort wie in Aragonien wurden die Insurgenten von jetzt an ziemlich niedergehalten.

E) Vorfälle in Leon u. Estremadura. Nach Aufhebung der Belagerung von Badajoz bezog Wellington vier Wochen lang Marmont gegenüber ein festes Lager zwischen Elvas u. Campomayor u. begann dann die Wiedereroberung von Ciudad Rodrigo, was seit dem 10. Juli 1810 in französischen Händen, aber 15 Meilen von den französischen Vorposten entfernt u. sehr schwer zu verproviantiren war. Marmont aber zog sich aus Mangel nach Truxillo zurück. Wellington erreichte am 10. Aug. Fuente Guinaldo u. stellte sich hinter der verschanzten Agueda auf; zwei Divisionen waren auf das rechte Ufer der Agueda vorgeschoben. Sein Belagerugsgeschütz ging den Duero herab nach Villa de Ponte; Beresford blieb im Lager vor Cintra, Hill der zweiten Division zur Deckung von Alemtejo zurück. Marmont aber rückte zur Verproviantirung von Ciudad Rodrigo vor, welche ihm auch gelang, indem sich die zwei vorgeschobenen Divisionen aw 25. u. die britische Hauptarmee am 25. Sept. zurückzogen; am 27. Sept. kam es zu einem Arrieregardengefecht bei Aldea de Ponte, hierauf hielt Wellington Stand, Marmontaber, welcher Ciudad Rodrigo verproviantirt hatte, zog sich auf Salamanca zurück. Bis Ende October fiel nun nichts vor, da Wellington eine völlige Belagerung von Ciudad Rodrigo hätte unternehmen müssen, indessen liest er das Belagerungsgeschütz nach Almeida, welches er wieder befestigte, kommen, den General Hill Streifzüge vorwärts unternehmen u. die Division des General Girard, welche Castaños aus ganz Estremadura verjagt hatte, zu Arroyo Molinas in der Nacht zum 27. überfallen; 1000 Mann mit einem General u. dem Herzog von Arenberg wurden hierbei gefangen u. der Überresider Brigade, 500 Mann, in die Gebirge gesprengt; die andere Brigade entkam glücklich. Als hierauf Drouet sich näherte, ging Hill nach Portalegre zurück u. erfocht erst im December bei Almendralejo Vortheile u. bewog Soült sein Heer zurückzuziehen. Castilien war 1811 von der französischen Centralarmee besetzt, wolche aus zwei Infanterie- u. einer Cavalleriedivision bestand; sie sollte den Guerrillas wehren, welche bes. unter Empecinado oft Madrid selbst bedrohten, doch hielten sich diese, obschon oft geschlagen, immer tapfer.

F) Ereignisse in Südspanien. In der zweiten Hälfte von 1811 war in Nieder-Andalusien u. vor Cadiz nichts von Bedeutung vorgefallen. Zwar hatte Ballesteros mit einer Division des spanischen Heeres in Andalusien im October versucht Sevilla wieder zu nehmen, war aber von der Division Vilatte, von Victors Corps, mit Verlust in das Lager von San Roque zurückgetrieben worden. Am 5. Nov. ecschien Ballesteros mit 5000 Spaniern vor Bornos, während andere 2000 von Tarifa aus gegen Bejer de la Frontera marschirten u. die französische Division Semelé vertrieben. Als aber Leval mit dem 4. Corps herbeikam, zogen sich die Spanier wieder zurück u. das 4. Corps belagerte nun Tarifa, während General Barrois vom 1. Armeecorps das Lagec bei San Roque einschloß. Am 30. Dec. 1811 stürmte Leval vergebens Tarifa u. hob Tags darauf die Belagerung auf, worauf er sich, um nicht von Victor abgeschnitten zu werden, zurückzog. Vor Cadiz geschah durch Victor sehr wenig, die Aufmerksamkeit der Franzosen richtete sich vielmehr auf Cartagena, wo das Gelbe Fieber ausgebrochen war; das 4. Corps mußte dagegen einen Cordon ziehen, wodurch es von Bewegungen gegen den Feind zurückgehalten wurde.

IX. Krieg im Jahre 1812. A) Vorgänge in Asturien u. Leon. Wellington begann am 7. Jan. 1812 die Belagerung von Ciudad Rodrigo. Schon am 9. Jan. wurde die erste Parallele angelegt, am 14. Jan. das Feuer der Batterien begonnen u. nach Bestürmung des Klosters Francisco am 21. zwei gangbare Breschen gelegt; in der Nacht zum 22. Jan. erstürmten die Engländer die Festung unter großem Verlust; 1700 Franzosen unter General Barrié wurden gefangen. Die Belagerung war deshalb so eilig betrieben worden, weil Wellington von den Entsatzrüstungen Marmonts Kunde erhielt. Hierauf zog sich Wellington über die Agueda zurück u. legte Spanier nach Ciudad Rodrigo in. Besatzung. B) Vorgänge in Andalusien, Estremadura u. Catalonien. Zu Anfang des Jahres 1812 führten auch die spanischen Generale Lacy u. Eroles 10,000 Mann gegen Tarragona, welches von. zwei englischen Linienschiffen bombardirt wurde, u. General Sarsfield beunruhigte mit catalonischen Insurgenten die Gegend von Gerona. Der französische Obergeneral Decaen schickte ihnen daher den General Lamarque mit 5000 Mann entgegen, u. dieser schlug am 23. Jan. den General Eroles bei Altasulla. Suchet ließ aber Tarragona durch die Division Reille entsetzen. Am 19. Jan. fiel auch Denia u. am 2. Febr. Peniscola. Auch jagte Decaen die catatonischen Insurgenten in ihre Berge zurück u. eröffnete die Verbindung zwischen Gerona u. Barcelona wieder. Während nun Suchet in Valencia die Belagerung von Alicante vorbereitete, hatte Ballesteros 4000 Mann Verstärkung aus Cadiz erhalten u. versuchte am 29. Jan. die Stellung der Franzosen von Gibraltar zu durchbrechen. Obgleich zurückgewiesen, griff er dennoch am 16. Febr. bei Cartama die feste Stellung der Franzosen an u. zwang dieselben zum Rückzug bis in die Gegend von Malaga. In der Mancha, in Guadalaxara u. in den Alpujaren wurden im Januar u. Februar mehre Gesichte geliefert; in Murcia wurde Villa Campo, welcher sich nach Valencias Eroberung dahin geflüchtet hatte, von dem Brigadegeneral Soult am 28. Jan. geschlagen. Wellington rückte jetzt Anfangs März rasch vor Badajoz, indem er eine Division an der Agueda zurückließ, um die Franzosen über seinen Marsch zu täuschen, u. schloß es am 16. März mit drei Divisionen ein, während zwei andere unter [484] Hill u. Graham vorwärts gegen Merida entsendet wurden, um Soult zu beobachten. Am Abend des 17. März wurden die Laufgräben gegen das detachirte Fort Picurnia eröffnet, das Feuer gegen dasselbe begann erst am 24. März, worauf er es am 25 Abends mit Sturm nahm; die zweite Parallele u. eine Breschebatterie wurde nun errichtet u. in acht Tagen drei weite Breschen gelegt. Am 6. April Nachts erstürmte General Picton das Castell u. nun drangen die Engländer auch von der Stadtseite ein, beide jedoch mit einem Verlust von fast 3400 Mann, u. nahmen so Badajoz. Wellington ging hierauf, da Soult nur zwei Tagmärsche zum Entsatz entfernt war, über den Guadiana zurück; auch Soult zog sich nach Sevilla zurück.

C) Gleichzeitige Ereignisse in Portugal. Während die verbündete Armee vor Badajoz lag, hatte Marmont, in der Meinung, daß Soult allein den Entsatz von Badajoz bewirken könne, einen Einfall in Portugal unternommen u. erschien von Salamanca aus am 3. April vor dem schlecht verproviantirten Ciudad Rodrigo, ließ es durch eine Division blockiren u. rückte selbst vor Almeida. Da er dies aber in gutem Vertheidigungszustande fand, marschirte er von dort weg nach Castel Branco u. trieb die portugiesische Miliz vor sich her, kehrte aber, da ihm Wellington entgegen eilte, über Portugals Grenze zurück. Zu jener Zeit begann Napoleon seinen Zug nach Rußland, u. die französische Armee in Spanien erhielt daher keine Unterstützung aus Frankreich mehr, mußte vielmehr der großen Armee noch Unterstützung (bes. die kaiserlichen Garden u. viele Generale) senden. Spanien hatte durch die Capitulation von Valencia seine besten u. geübtesten Truppen verloren; die Guerrillas, welche jetzt Sold u. Kleidung verlangten u. dies, da die Regierung kein Geld hatte, von dem Lande selbst forderten, zogen sich oft zu ganzen Corps zusammen, wurden aber so immer von den Franzosen geschlagen. Dagegen war die englisch-portugiesische. Armee vortrefflich, aber freilich zu schwach, um die ganze Halbinsel mit einem Schlage von den Feinden zu befreien. Wellington suchte indessen wenigstens die Franzosen aus den südlichen Provinzen Spaniens zu vertreiben. Er wollte zuerst Marmont angreifen, um Soult auf sich zu ziehen, u. ließ nur ein Armeecorps zur Beobachtung Soults zurück. Um aber Jourdan u. Suchet zu beschäftigen, veranlaßte er, daß 10,000 Engländer von Sicilien aus nach Mallorca gesendet wurden, welche sich dort mit 6000 auf Englands Kosten ausgerüsteten Spaniern vereinigen u. dann als Diversion in Ostspanien landen sollten.

B) Ereignisse in Leon, Castilien u. Asturien. Um die Communication zwischen dem Norden u. Süden Spaniens noch mehr zu erschweren, sollte Hill die stark verschanzte Brücke bei Almaraz über den Tajo zerstören; er umging daher am 18. Mai das von den Franzosen besetzte Castell von Mivarete, südlich von Almaraz, auf sehr schwierigen Wegen, griff die stark verschanzte Brücke unvermuthet an, eroberte dieselbe nach kurzem Widerstande, zerstörte sie u. zog sich dann wieder zurück. Der französische Offizier, welcher die Brücke so schlecht vertheidigt hatte, wurde vor ein Kriegsgericht gestellt u. erschossen. Vergebens versuchte Soult durch das 5. Corps Hill den Rückzug abzuschneiden; Hill hatte, als es ankam, Trurillo auf seinem Rückmarsche schon wieder passirt. Wellington brach nun von der Agueda auf u. ging am 17. Juni ober- u. unterhalb Salamanca über den Tormes. Die Franzosen hatten dort große Vorräthe u. Salamanca mit drei Fortsstark verschanzt. Während die Division Clinton die Belagerung begann, stand die verbündete Armee auf den Höben von S. Cristoval, eine starke Stunde vorwärts Salamanca. Die Forts wehrten sich aber tapfer, u. am 20. Juni erschien Marmont mit einem Theile seines Heeres vor der englischen Stellung u. blieb dort bis zum 23. stehen; da er aber die Verbündeten zu stark fand, um sie zur Aufhebung der Belagerung zu zwingen, so zog er wieder ab u. manövrirte einige Tage oberhalb Salamanca am Tormes hin, um die Besatzung an sich zu ziehen. Die Engländer stürmten am 27. Juni die Forts, in denen 700 Mann standen, Marmont aber zog sich auf das rechte Ufer des Duero zurück u. sammelte, von den Engländern verfolgt, die Division Bonnet von Asturien an sich ziehend, 47,000 Mann auf dem rechten Ufer des Duero. Die Stellung war sehr stark u. Wellington wagte daher keinen Angriff, sah aber mit Gewißheit voraus, daß er wegen Mangels an Lebensmitteln bald die Position verlassen müßte. Aber Marmont verleitete am 17. Juli durch ein Manöver seinen Gegner nach Fuente la Peña u. Cañizal zu marschiren, während er bei Tordesillas über den Duero ging u. am Morgen des 18. am Trabancos anlangte. Durch diesen Übergang wurde das Heer Marmonts dem des Centrums näher gebracht u. zwei englische Divisionen zum eiligen Rückzug auf das herbeikommende Hauptcorps genöthigt. Am 20. Juli marschirten beide feindliche Heere in gleichlaufender Richtung durch eine offene Gegend, oft nur einen halben Kanonenschuß weit von einander entfernt; am 21. nahm die englische Armee die Stellung bei S. Cristoval, wo sie während des Angriffes auf die Forts von Salamanca gestanden hatte, ein u. Marmont ging bei Alba u. Huerta über den Tormes, um die Straße nach Ciudad Rodrigo zu gewinnen. Die Verbündeten passirten aber noch Abends bei Salamanca den Tormes u. besetzten am 22. Juli früh eine feste Stellung, deren rechter Flügel sich bei den Felshöhen los Arapiles, der linke an den Tormes lehnte; vor ihm war ein dichtes Gehölz, welches die Stellung des Feindes deckte. Gegen 8 Uhr brach die 8. französische Division unter Bonnet aus dem Walde hervor u. besetzte den einen der Arapilen u. Wellington darauf den anderen. Um 1 Uhr begann Marmont den Angriff auf den rechten Flügel der Verbündeten, wobei er nun die 7. Division, welche den linken französischen Flügel bildete, zu weit sich ausdehnen ließ. Wellington benutzte dies sogleich u. machte eine Frontveränderung Während die Truppen diese Bewegung vollzogen, machte Marmont mehre vergebliche Angriffe auf das Dorf Arapiles, welches von einer Abtheilung englischer Garden besetzt war; jetzt aber griffen die Divisionen Cole, Leith, Clinton u. Hope die Franzosen am Waldsaume von vorn an, während General Packenham, welcher den ausgedehnten linken Flügel der Franzosen mit seiner Reiterei umgangen hatte, diesen in der Flanke angriff u. gegen sein Centrum aufrollte. Auch die französische Division am Waldsaume u. bei Arapiles wankten, Marmont führte zwar zwei Divisionen zur Hülfe herbei, wurde aber schwer verwundet u. nach einem hartnäckigen Gefechte, wobei der britische General Cole u. der[485] französische Bonnet, welcher an Marmonts Stelle das Commando übernommen hatte, verwundet wurden, mußten die Franzosen die Höhen verlassen u. der Sieg wurde vollständig durch einen Angriff der englischen Reiterei unter Cotton, bei welcher noch der britische General le Marchant fiel. Clauzel, nun der älteste General der französischen Armee, hielt mit dem rechten Flügel, welcher durch die Flüchtlinge vom linken u. aus dem Centrum verstärkt worden war, die heftigsten Angriffe der Engländer in Front u. Flanke aus u. zog sich erst in der Nacht nach Alba de Tormes zurück, woraus er die Spanier wieder vertrieb. General Foy befehligte die Nachhut. Verlust der Franzosen in der Schlacht an den Arapilen (bei Salamanca) drei Generale todt, vier Generale verwundet, 5000 Mann todt u. verwundet, ein General u. 6000 Mann gefangen; der der Engländer: ein General todt, fünf (Beresford, Cotton, Cole, Leith u. Alten) verwundet, 5000 Mann Todte u. Verwundete. Clauzel setzte seinen Rückzug über Valladolid nach Burgos fort, so schnell, daß ihn Wellington nicht einholen konnte; zu ihm stieß ein Theil der Nordarmee unter General Souham, da Dorsenne krank nach Frankreich zurückgekehrt war, aber trotzdem konnte er nicht im Felde erscheinen, u. Wellington marschirte gerade nach Madrid. Er ging deshalb am 31. Juli von Valladolid über den Duero zurück u. nahm sein Hauptquartier in Cuellar (4. Aug.), von wo aus er der Centralarmee unter König Joseph entgegenging. Dieser hatte nämlich die Centralarmee um Madrid versammelt, um zu Gunsten des bei Salamanca bedrohten Marmont eine Diversion zu machen. Er brach am 21. Juli mit den Divisionen Merlin u. d'Armagnac u. der Reiterdivision Treillard (12,000 Mann Infanterie, 2500 Pferde, 16 Kanonen) von Madrid auf u. marschirte über Guadarrama, Espinar nach Blasco Sancho gegen den feindlichen rechten Flügel; aber hier erhielt er die Nachricht von Marmonts Niederlage u. kehrte nach Segovia um, wo er am 27. Juli ankam. Er wollte über Olmedo nach Valladolid manövriren, als er aber die Nachricht bekam, daß General Hill über Avila Madrid bedrohe, trat er am 1. Aug. den Rückmarsch dahin an, wo er am 3. Aug. eintraf u. wo die italienische Division Palombini u. zwei Cavallerieregimenter von Suchets Corps zu ihm stießen. Am 6. Aug brach Wellington, nachdem er eine Division zur Beobachtung Clauzels zurückgelassen hatte, über Ildefonso u. das Guadarramagebirg gegen Madrid auf. Am 11. Aug. fand ein lebhaftes Vorpostengefecht statt, in welchem Treiliards Reiterdivision einige Vortheile errang u. unter anderen zwei englische Obersten gefangen nahm, durch welche König Joseph erfuhr, daß Wellington mit seiner ganzen Macht im Anzug sei. Da der König zu schwach war ihm zu widerstehen, so besetzte er die Verschanzungen des Buen Retiro mit 1700 Mann u. zog sich am 12. Aug., begleitet von 20,000 spanischen Flüchtlingen aus dem Civil, über Aranjuez, el Toboso u. Almansa auf der Straße nach Occano zurück. Wellington hielt aber am 12. Aug. seinen Einzug in Madrid u. am 14. ergab sich auch der befestigte Buen Retiro. Am 25. Aug. langte König Joseph, nach einem sehr beschwerlichen Marsub, im Königreich Valencia an, an dessen Grenze ihm Suchet mit der Division Harispe entgegenkam u. das Commando der Centralarmee übernahm. Suchet hatte in Valencia strenge Mannszucht gehalten, daher fehlte es ihm auch weder an Lebensmitteln, noch an Fourage; die Truppen waren alle gut gekleidet u. regelmäßig bezahlt.

E) Ereignissein Castilien, Valencia, Catalonien u. Asturien. Dagegen wurde Wellington spanischer Seits wenig unterstützt, nur die Guerrillasbanden waren thätig; sie besetzten Astorga u. Bilbao an der Nordküste wieder, auch nahm Empecinado 700 Mann Franzosen in dem Guadalaxaragebirg gefangen. Indeß schloß der spanische General Santocildes mit einem Theile der galicischen Armee Astorga ein, zu dessen Entsatz General Clauzel, da von Wellington in Madrid nichts zu fürchten war, den General Foy mit zwei Divisionen Infanterie u. einer Reiterdivision abschickte. Aber den Tag vor seiner Ankunft, den 19. Aug., hatte sich Astorga schon ergeben, doch zog Santocildes am 20., nachdem er. die Stadt zerstört u. geplündert hatte, wieder ab, u. Foy besetzte die Stadt, mußte sich aber wieder zurückziehen, da ein portugiesisches Corps unter Silveira u. der englische General Anson mit 1000 Reitern in der Gegend zwischen Valladolid u. Astorga erschienen u. seine Verbindung mit Clauzel bedrohten. Bilbao war von einer Abtheilung der Division Roguet besetzt, als es von Mendizabal, Marquesito, Pinto u. Renovales angegriffen wurde, welche durch eine englische Flotille von dem Hafen von Santander aus unterstützt wurden. Die Besatzung räumte nun die Stadt, aber General Caffarelli, welcher in den baskischen Provinzen befehligte, ließ sogleich die Division Roguet vorrücken, um Bilbao wieder zu besetzen. 5000 Spanier u. 600 Engländer hatten aber ein festes Lager bei Zornoza bezogen u. empfingen die Franzosen, welche es am 21. Aug. angriffen, so tapfer, daß sich Rognet über die Arabeque zurückziehen mußte. Bilbao blieb nun in den Händen der Spanier, bis Wellington später, Ende October, sich von Burgos zurückzog, wonach es wieder in französische Gewalt fiel. Dagegen war die von Sicilien abgesendete englische Expedition nach Valencia u. Aragon gänzlich verunglückt. O'Donnell fand nämlich in den von Suchet besetzten Provinzen große Schwierigkeiten ein Heer zu sammeln, u. als ihm dieses endlich in Alcante doch gelang, so verdarb seine Ungeduld Alles. Am 10. Juli hatten sich Suchet u. Decaen in Reus getroffen u. gegenseitig Maßregeln zur Behauptung ihrer Provinzen verabredet; sie drängten zuerst Lacys Corps, welches gegen die Küste sich bewegte, zurück, dann entsetzte Suchet Liria, welches der spanische General Villa Campo mit 4000 Mann eingeschlossen hatte, u. concentrirte seine Streitkräfte bei Segorbe, Requena u. Alcira. Nun brach O'Donnell, ohne die Briten abzuwarten, welche widrige Winde von der Küste abhielten, am 21. Juli in vier Colonnen gegen Castalla vor, wo die Division Harispe stand u. griff an. Die französischen Dragoner nahmen gleich zu Anfang des Gefechtes die spanische Hauptbatterie; Castalla wurde ebenfalls von den Franzosen im Sturm erobert u. nach kurzem Gefechte flohen die Spanier überall; drei spanische Generale waren geblieben, einer verwundet u. 800 Mann todt u. verwundet; drei Generale, 2800 Mann gefangen. Als nun der britische General Maitland am 10. Aug. bei Alicante landete, brachte er, statt 16,000 Mann, nur 6000 Mann, u. der geschlagene O'Donnell war auch nicht stärker. Dagegen stand ihm Gubei mit 14,000 Mann am Xucar gegenüber[486] u. der König Joseph war mit 13,000 Mann im Anzuge von Madrid. Maitland blieb daher in Alicante, welchen Aufenthalt Suchet benutzte sich am 25. Aug. durch die Division Harispe mit der Centralarmee Josephs zu vereinigen. Ein Versuch Suchets am 8. Oct. Maitland aus Alicante herauszulocken war vergebens. Kurz darauf kehrte Maitland nach Sicilien zurück u. übergab den Befehl seines Corps in Alicante an Clinton, welcher ihn auch bis Ende November behielt, wo General Murray mit 4000 Mann Verstärkung anlangte u. ihn übernahm. In Catalonien hatte General Lamarque am 30. Juli das verschanzte Kloster von Monserrat zur Capitulation gezwungen. Der spanische General Lacy, obgleich von Suchet u. Decaen geschlagen, überraschte in der Nacht vom 20. zum 21. Oct. Olot u. eroberte es, mußte es aber wieder verlassen, da die Franzosen das Fort desselben hartnäckig vertheidigten. Herauf griff Decaen Lacy nochmals am 2. Nov. bei Vique an u. schlug ihn.

F) Vorfälle in Andalusien. Bis zur Schlacht in den Arapilen (s. oben S. 485) war Soult ruhig in Sevilla geblieben; sein Heer vor Cadiz (1. Corps nach Victors Abreise unter Villatte), in Granada (4. Corps, Leval) u. in Estremadura (5. Corps, Drouet d' Erlon) vertheilt. Sevilla war der Centralpunkt aller Militäradministrationen der südlichen Armee; die Verbindung war durch den bis Andujar schiffbar gemachten Guadalquivir erleichtert, die Posten waren gut bezahlt u. beritten, die Polizei auf den Straßen trefflich; es fehlte weder an Holz, noch an Lebensmitteln, nur die Pferde waren auf Grünfutter beschränkt. Am 11. Juni griff General Slade von Hills Corps bei Llerena die Cavallerie des 5. Corps unter General l'Allemand an u. wurde zurückgewiesen, u. da Soult u. Drouet gegen ihn anrückten, mußte sich Hill selbst nach la Albuhera bei Badajoz zurückziehen. Auch Ballesteros, von Cadiz aus verstärkt, drang in der Mitte Juni aus dem Lager von San Roque vor, aber Raimond u. Conroux zwangen ihn zum Rückzug in dasselbe. Zahlreiche französische mobile Colonnen durchzogen das Land u. säuberten es von den Guerrillas. Währenddem stand Hill in dem festen Lager bei la Albuhera, beobachtet von Drouet. Anfang Augusts langte die Nachricht von der Schlacht in den Arapilenn. der Einnahme von Madrid u. zugleich der Befehl des Königs Joseph zum Rückzug an; Soult machte dies am 15. Aug. seinem Heere bekannt, ließ am 25. die Werke vor Cadiz schleifen u. das Geschütz vernageln u. brach gegen Murcia auf, um sich mit der Centralarmee zu vereinigen. Hill überraschte nun sogleich am 27. Aug. Sevilla, welches noch nicht völlig geräumtwar, u. nahm dort 2000 Mann gefangen; auch Ballesteros traf Anstalten den Rückzug der Franzosen zu beunruhigen, bis er auf die Nachricht, daß Wellington spanischer Generalissimus geworden sei, aus Ärger Hill selbst Hindernisse in den Weg legte. Ballesteros verlor hierauf (Ende October) das Commando u. an seine Stelle trat Virues, dann Elio, welcher wieder durch Castaños ersetzt wurde.

G) Fernere Operationen Wellingtons u. Soults. Als Wellington von Hill erfuhr, daß Soult aus Andalusien abmarschirt sei, erhielt er auch die Nachricht, daß Clauzel die Armee Marmonts wieder in Stand gesetzt habe u. mit einem Theil der Nordarmee vereinigt, sich dem Duero nähere, um die Besatzungen von Toro u. Zamora aufzunehmen. So vom Norden u. Süden bedroht, gab Wellington den Generalen Hill u. Ballesteros Befehl Soult so viel als möglich zu beschäftigen, er selbst aber, zwei Divisionen als Besatzung in Madrid lassend, zog am 1. Sept. mit vier Divisionen, zu denen noch die Armee von Galicien unter Castaños (12,000 Mann) stieß, gegen Clauzel. Am 7. Sept. besetzte er Valladolid; Clauzel machte nur einmal, am 17. Sept., vor Burgos Halt, aber so bald die Verbündeten ihn angreifen wollten, zog er sich nach Burgos hinein u. vereinigte sich dort mit der Division Souham (9000 Mann) von der Nordarmee. Souham übernahm jetzt den Oberbefehl, besetzte das Castell von Burgos mit 3000 Mann, räumte dann die Stadt u. zog sich mit 20,000 Mann nach Briviesca zurück. Das Castell von Burgos, in welchem General Dubreton befehligte, wurde nun von den Verbündeten sogleich belagert u. ein Hornwerk, welches dasselbe deckte, noch in der ersten Nacht (vom 19. auf den 20. Sept.) erstürmt. Dagegen mißlang am folgenden Tag ein Sturm gegen das Castell. Als durch Minen Breschen gelegt worden waren, stürmten die Briten am 29. Sept., 4. u. 18. Oct. das Castell wiederum vergeblich, am 18. eroberten sie zwar die erste Umfassungsmauer, wurden aber von dem inneren Replis zurückgeschlagen. Am 19. Oct. rückte Souham mit seiner ganzen Macht vor, u. es schien zur Schlacht kommen zu wollen, indem in u. bei den von der englischen Vorhut besetzten Dörfern Quintanapalla u. Olmos am Abend den 20. beider Vorhuten hitzig fochten, aber in der Nacht kam die Nachricht, daß Soult mit der Süd- u. Centralarmee gegen den Tajo vorrücke, u. Wellington trat am 21. früh seinen Rückzug an. Die Belagerung von Burgos hatte die Verbündeten 2150 Mann gekostet. Wellington gewann nun, durch einen Nachtmarsch an den Wällen des Castells vorbeigehend, dem General Souham einen Marsch ab, so daß dieser ihn erst am 23. Abends einholen konnte, wo die französische Vorhut die englische Nachhut über den Haufen warf. Wellington zog dann nach Palencia u. ging am 29. bei Tudela u. Puente del Duero über den Duero, bis wohin ihn Souham verfolgte, u. bezog dann Tordesillas gegenüber ein festes Lager, wo er bis zum 6. Nov. stehen blieb; am 8. besetzte er bei Salamanca die schon zweimal inne gehabte Position bei S. Cristoval. Soult hatte, nachdem Sevilla am 27. Aug. von Hill erobert u. dadurch eine von Cadiz gekommene Colonne von 7000 Franzosen genöthigt worden war sich eilig rechts nach Utrera u. Carmona zu wenden, seinen Rückzug fortgesetzt. Die Colonne, welche ihre Richtung über Antequera u. Granada nahm, wurde von Ballesteros verfolgt u. ihr Nachtrab bei Loja geschlagen, worauf die Spanier in Granada einzogen. Von hieraus aber verfolgte Ballesteros die Franzosen nicht weiter u. machte es so der Centralarmee u. Soult möglich sich am 30. Sept. bei Tobarra zu vereinigen. Ungesäumt ließ nun Soult seine Vorhut unter Graf Drouet auf der großen Straße nach Madrid vorrücken. Dieser belagerte das Fort Chinchilla u. eroberte es nach fünftägiger Belagerung. Unterdessen erreichte die Centralarmee nach höchst beschwerlichen Märschen am 11. Oct. Requena u. am 24. Cuenca, woraus am 20. Drouet die Spanier unter Empecinado vertrieben hatte. Drouet übernahm hier den Oberbefehl über sie u. führte sie nach dem Tajo zu;[487] am 19. vereinigte sie sich wieder mit Soult u. ging über den Tajo u. heide Armeen erschienen am. 20. vor Hills Heere, welches auf einer fast unzugänglichen Höhe hinter Aranjuez am rechten Ufer des Xarama aufgestellt war. Hill ließ aber, als er Ernst sah, sein Geschütz abfahren, sprengte die Brücke über den Xarama u. zog in der Nacht vom 30. auf den 31. Oct. ab. Am 2. Nov. besetzte hierauf die Division Villatte Madrid, von wo alle compromittirten Anhänger der spanischen Nationalsache abgezogen waren. Die Südarmee setzte sogleich ihren Marsch über Guadarama nach Fontiveros fort; ihr folgte am 6. Nov. die des Centrums; am 10. Nov. langten beide in Fontiveros an, wo sich Soult mit Sonham am Tormes vereinigte. Am 11. Nov. waren die drei Armeen vereinigt; der König Joseph hatte kein Hauptquartier in Penaranda u. übertrug hier Soult den Oberbefehl über die Centralarmee, Drouet aber über die von Portugal, da Souham erkrankt war. Jetzt hatte Wellington mehr als 70,000 Mann gegen sich, denen er u. Hill nur etwa 55,000 Mann entgegenstellen konnten; er zog sich daher am 19. u. 20. Nov. über die Agueda zurück. Beim Übergang über die Huerba kam es zu einem Gefechte, in welchem der britische General Paget gefangen wurde. Hierauf bezog Soults Armee. in u. um Toledo Winterquartiere, König Joseph ging nach Madrid. Die Armee von Portugal, jetzt unter Reilles Oberbefehl, lagerte in u. um Valladolid, die Centralarmee in u. um Madrid. Wellington war im Laufe des Feldzuges zum Obergeneral der spanischen Armee ernannt, von Rußland die Cortes anerkannt u. am 20. Juli 1812 zu Welicki Lucki ein Bündniß dieses Kaiserreichs mit der Regentschaft von Spanien abgeschlossen worden, in welchem Ferdinand VII. als König anerkannt wurde. Das Ansehen der Cortes stieg dadurch ungemein, u. ihre Constitution vom 18. März 1812 (s.u. Spanien S. 345 u. 283) gewann immer mehr Anerkennung.

X. Krieg in Spanien 1812 bis zum Übergang der Verbündeten über die Pyrenäen. A) Wellingtons Operationen in Nordspanien. Im Winter von 1812 zu 13, welcher für das französische Heer in Rußland so unheilvoll war, rief Napoleon den Marschall Soult, den General Souham nebst mehren andern Generalen aus Spanien u. 40,000 Mann alte Truppen von den spanischen Heeren zu sich, welche durch Recruten ersetzt wurden, Jourdan aber erhielt, an Soults Stelle, das Obercommando; England dagegen verstärkte seine Macht in Spanien so, daß das englisch-portugiesische Heer über 76,000 Mann stark wurde, u. Spanien stellte auch eine Armee von 50,000 Mann unter den Generalen Giron, Freyre u. O' Donnell. Am 27. März nahm König Joseph sein Hauptquartier in Valladolid u. ließ blos den General Leval mit wenig Truppen in Madrid. Im Mai brach Wellington über die portugiesische Provinz Tras os Montes auf, um die rechte Flanke u. den Rücken von Josephs Armee zu bedrohen. Er täuschte durch geschickte Manöver den General Vilatte, welcher sich endlich aus der Stellung hinter den Tormes am 26. Mai eiligst über den Duero zurückzog, dabei aber fast seine ganze Artillerie verlor. Am 27. Mai erstürmten die Spanier unter Morillo Alba de Tormes. Als König Joseph endlich das Drohende von Wellingtons. Manöver erkannte, ließ er Madrid aut 27. Mai räumen u. zog alle Truppenabtheilungen an sich, brach am 4. Juni von Valladolid auf u. zog sich nach Burgos zurück; aber auch diese Stadt verließ er bei Annäherung der Verbündeten u. kam am 20. Juni bei Vitoria an. Er hatte den General Foy mit zwei Divisionen nach Bilbao u. den General Clauzel mit eben so viel nach Logroño entsendet, wodurch er seine Macht um 24,000 Mann geschwächt u. also den Verbündeten nur etwa 60,000 Mann entgegenzustellen hatte, während diese mit den Spaniern über 90,000 Mann zählten. Am Morgen des 21. Juni setzte sich Wellington in Bewegung u. begann den Angriff. Zuerst kam Hill bei Puebla mit dem linken Flügel in Kampf. General Reille glaubte hier blos mit einem Scheinangriff zu thun zu haben u. setzte keinen großen Widerstand entgegen; daher wurden seine Truppen nach kurzem Gefecht geworfen. Jetzt zwar eilte er mit Verstärkung herbei u. erneuerte den Kampf, aber die Verbündeten gewannen endlich die Oberhand, gingen, den Franzosen auf dem Fuße folgend, über die Zadorra u. eroberten das dicht vor dem linken Flügel liegende Dorf Sabijana de Alva. Dieses Dorf war der Schlüssel der Stellung; es sollte durchaus wiedergenommen werden, aber alle Versuche der Franzosen scheiterten. Das französische Centrum, seines Hauptschutzes beraubt, wurde nun durch General Cole, welcher ebenfalls über die Zadorra ging, angegriffen u. nach Vitoria zurückgeworfen. Kurz darauf gelang es auch dem General Graham den rechten Flügel der Franzosen von den Höhen oberhalb Abeehucho zu vertreiben, u. da hierdurch die Straße nach Bayonne versperrt wurde, so ließ der König ein Corps noch weiter rechts gehen u. die an der Zadorra gelegenen Dörfer Groß- u. Kleingamarra besetzen. Durch den Besitz dieser Punkte war der Rückzug gesichert, Graham schickte daher eine spanische Division unter Longa gegen das eine u. eine unter General Oswald gegen das andere Dorf u. griff zugleich das Dorf Abeehucho an. Die Dörfer wurden genommen, aber die Franzosen schickten frische Truppen zur Unterstützung, konnten die Dörfer jedoch nicht wieder nehmen. Noch hielten zwei französische Reservedivisionen den Kampf auf dem linken Ufer der Zadorra u. vertheidigten die Flußübergänge sehr tapfer, allein auch diese wurden, nachdem das Centrum u. der linke Flügel der Verbündeten in Vitoria eingedrungen waren, zurückgeworfen u. der Übergang bewerkstelligt. So auf seiner ganzen Linie geschlagen u. von der Straße nach Bayonne abgeschnitten, mußte der König über Hecken u. Gräben, durch Wälder u. Sümpfe seinen Rückzug nach Pampeluna nehmen. Alle Kanonen bis auf eine (152 Stück) u. über 2000 Wagen mit dem Schatze gingen verloren, den König selbst rettete nur die Schnelligkeit seines Pferdes u. die Tapferkeit von 50 Dragonern, welche seine Escorte bildeten; Verlust der Franzosen 6000 Mann, die Kranken in Vitoria, welche gefangen wurden, mit eingeschlossen; der der Verbündeten fast eben so hoch. In Pampeluna hielt Joseph einen Kriegsrath, in welchem mehre Generale darauf antrugen die Wälle zu sprengen, da der Platz nicht verproviantirt sei; aber der König befahl Pampeluna mit Gewalt zu verproviantiren. Hierdurch erhielten die Franzosen einen leidlichen Rückzug gegen die Pyrenäen. Der linke Flügel von Wellingtons Armee marschirte vom Schlachtfelde ab gegen. Bilbao,[488] um dem General Foy den Rückzug abzuschneiden; dieser hatte jedoch, von der Niederlage unterrichtet, sogleich den Rückzug nach Bayonne angetreten u. Tolosa glücklich erreicht, welches er verbarricadirte, um sich dort zu setzen. Aber General Graham griff sie Stadt an, eroberte sie u. gönnte den Franzosen keine Ruhe, bis sie über die Grenze getrieben waren. Gefährlicher war die Lage des General Clauzel, welcher mit zwei Divisionen (etwa 13,006 Mann) bei Logroño stand. Ihm war das Ereigniß bei Vitoria unbekannt geblieben, u. so brach er am 22. Juni dahin auf, ging aber, da er Vitoria vom Feinde besetzt sah, nach Logroño zurück, wo er einige Tage stehen blieb, um Nachrichten vom König Joseph einzuziehen. Um ihm den Rückzug abzuschneiden, marschirten am 28. Juni drei Divisionen gegen Tudela, während zwei gegen Logroño zogen, um ihn dort anzugreifen. Clauzel ging am 27. Juni bei Tudela über den Ebro u. führte, da er erfuhr, daß ihm der Weg über Sanguessa abgeschnitten sei, sein Corps wieder auf das rechte Ebroufer, bog dann links gegen Saragossa u. erreichte über diese Stadt glücklich Jaca. Hier blieb er bis zum 14. Juli, wo er, die Besatzung dieses Platzes mit sich ver. einigend, durch den Engpaß von Jaca nach Frankreich aufbrach, um dort mit seinem Corps den linken Flügel der Armee zu bilden. Er büßte jedoch hierbei sein Geschütz ein. Einige Tage nach der Schlacht gelangte O'Donnell mit der neuerrichteten Reservearmee der Spanier vor dem kleinen Castell von Pancorra zwischen Burgos u. Vitoria an u. zwang durch ein Bombardement die 700 Mann starke Besatzung sich zu ergeben. Hill verfolgte aber die Franzosen durch die Pyrenäen, vertrieb sie überall, wo sie sich setzen wollten, u. nahm endlich auf dem höchsten Punkte des Passes bei Maya eine Stellung; Wellington aber blockirte mit dem Hauptcorps Pampeluna u. belagerte durch den General Graham (10,000 M.) S. Sebastian, das durch eine sandige Erdzunge mit dem festen Lande verbunden ist; diese Erdzunge war nur mangelhaft befestigt u. die deckenden Werke konnten von einigen unbefestigten Sandhügeln im Rücken genommen werden. General Rey vertheidigte die Festung mit 3000 Mann; die Engländer aber errichteten auf den Sandhügeln Batterien, legten bald zwei Breschen u. stürmten am 25. Juli, zur Zeit der Ebbe, die Festung. Tapferempfangen, konnten sie indessen die Breschen nicht ersteigen u. der Sturm wurde mit 500 Mann Verlust abgeschlagen.

B) Soults Operationen gegen Wellington. Auf die Nachricht von der Niederlage bei Vitoria hatte Napoleon von Dresden aus den Marschall Soult zu dem spanischen Heere zurückgesendet. Am 23. Juli übernahm dieser den Oberbefehl über das Heer wieder; es war zwar von Geschütz entblößt u. durch Verluste aller Art bis auf 70,000 Mann geschmolzen, während Wellington ihm mit 100,000 Mann entgegenstand, aber sein Erscheinen hob den Muth des Heeres von Neuem. Soults Absicht war zuerst Pampeluna zu entsetzen u. wo möglich bis an den Ebro vorzudringen, deshalb versammelte er sein Heer bei St. Jean Pied de Port, um durch die Pässe von Roncesvalles u. Maya vorzudringen, deren Wege beide bei Pampeluna zusammentreffen. Beide Ausgänge hatte Wellington wohlbesetzt; seine Aufstellung mochte etwa 13 Meilen betragen. Am 25. Juli, an demselben Tage, wo der Sturm auf S. Sebastian mißlang, griff Drouet mit 13,000 Mann den linken Flügel Hills an, welcher sich oberhalb der Quelle der Bidassoa ausdehnte. Die Briten thaten entschlossenen Widerstand; aber die Angreifenden warfen ihn von Position zu Position, nahmen acht Kanonen u. zwangen ihn mit fast 2000 Mann Verlust zum Rückzug hinter die Bidassoa; hier vereinigte Hill sein Corps u. nahm eine vortheilhafte Stellung. Zugleich war Soult selbst mit etwa 35,000 Mann von St. Jean Pied de Port her bei dem Paß von Roncesvalles angekommen u. griff diesen in der Fronte mit wenig Ernst an, indeß er General Clauzel rechts detachirte, um die Verbündeten zu umgehen. Clauzel warf einen Theil der Division Cole mit Verlust zurück u. Soult griff nun die Fronte der Verbündeten mit Macht an, warf die Brigade Byng zurück u. zwang die Spanier unter Morillo zum Rückzug hinter Roncesvalles, wo auch Cole seine Division gesammelt hatte. Ader in den Flanken bedroht, konnten sie auch hier nicht Stand halten, sondern wichen Nachts bis Bizoam zurück u. zogen dort eine portugiesische Brigade an sich. Hill ging in Folge dieser rückgängigen Bewegung bis hinter Irneta zurück. Am Morgen des 26. Juli setzten die Franzosen sich wieder in Marsch; allein wegen des bösen Weges u. dicken Nebels konnte Soult erst um zwei Uhr Nachmittags vor der Stellung der Alliirten ankommen. General Picton war unterdessen mitseiner Division herangekommen u. übernahm den Oberbefehl; die Verbündeten zogen sich nun fechtend zurück, bis sie auf einer Bergebene ankamen, von wo sie des Nachts den Rückzug fortsetzten. Am 27. Juli ging Picton bis Pampeluna zurück, wo sie auf Wellingtons Befehl Halt machten, da O'Donnell heranzog. Bald kam Wellington selbst vor S. Sebastian an, er hatte unterwegs allen ihm begegnenden Corps befohlen Hill u. Picton zu Hülfe zu eilen. Picton hatte nun eine Stellung zwischen der Arga u. Lanz genommen, durch welche es die beiden aus den Pässen von Maya u. Roncesvalles kommenden u. bei Pampeluna sich vereinigenden Straßen deckte. Hill mußte bis über die Lizarza zurück u. sich bei dem Dorfe Lizarza aufstellen. Soults Stellung war der der Verbündeten entsprechend; sein Heer lagerte auf einem Bergrücken, welcher sich quer von einer der genannten Straßen zur andern zog. Die Franzosen nahmen sogleich das Dörfchen Sorauren auf dem linken Flügel der Verbündeten u. behaupteten es auch. Am andern Morgen kam die Division Packenham bei den Verbündeten an u. wurde zur Unterstützung des linken Flügels auf den Anhöhen hinter Sorauren, die Fronte dem Dorfe zu, aufgestellt, weil Wellington hier den Hauptangriff vermuthete. Die Franzosen griffen auch lebhaft an u. attakirten die ganze Linie zwischen Villaba u. Huarte. Allenthalben wurden sie zurückgewiesen, obgleich der linke Flügel unter Cole beim vierten Angriff wankte, doch retablirte Wellingtons Cavallerie gegen Abend das Gefecht, eines der heißesten, welches in Spanien gefochten wurde. Soult ging in seine Position zurück, in welcher er auch am 29. Juli verharrte. Die Verbündeten machten jetzt nach dem Eintreffen der Division Dalhousie am 29. nur Ein Heer aus, u. weil Wellingtons linker Flügel früher als die Franzosen in das Bidassoathal gelangen konnte, vereinigte Soult sich mit dem General Drouet u. griff die linke Flanke der Verbündeten an. Aber [489] Wellington attakirte sogleich am 30. Juli die Flanken des zurückgebliebenen kleinen französischen Corps u. warf dieselben aus der festen Stellung bis jenseit Olaque. Hill hatte am 30. Juli ein heftiges Gesecht mit Soult u. zog sich, durch einen Flankenmarsch Drouets auf seinem linken Flügel bedroht, zurück. Soult sah hierdurch sein Vorhaben Pampeluna zu entsetzen od. zu verproviantiren vereitelt u. trat in der Nacht zum 31. seinen Rückzug durch den Paß von Donna Maria an. Ein Corps blieb zur Deckung seines Rückzugs zurück, wurde aber von Hill u. Dalhousie so gedrängt, daß der Rückzug bald zur Flucht wurde. Wellington marschirte, die Bidassoa umgehend, durch den Paß von Velate auf Irneta. In allen diesen Gefechten hatten die Verbündeten 6000 Mann, die Franzosen 8000 Mann verloren. Soults Anstalten allein verdankten sie, daß sie weder Kanonen noch sonst etwas von Material einbüßten. Die Gefechte vom 25._– 31. Juli werden mit dem Gesammtnamen Schlacht in den Pyrenäen genannt. Nun wurde die Belagerung von S. Sebastian wieder aufgenommen, welche in eine matte Beschießung von der Seeseite aus übergegangen war; 80 Geschütze spielten jetzt gegen die Wälle. Am 31. Aug. waren zwei Breschen gangbar u. noch an demselben Tage, um 11 Uhr, ließ Graham die Stadt stürmen. Die Belagerten ließen einige Flatterminen spielen, dennoch langten die Colonnen ohne großen Verlust am Fuße der Breschen an; sie wurden mehrmals zurückgeworfen, drangen aber endlich durch eine dritte Bresche in einer Courtine in die Festung ein, überwältigten die Barricaden in der Stadt u. warfen die Vertheidiger bis in das Castell zurück. 2000 Verbündete waren todt u. verwundet, 700 Franzosen gefangen. Das Castell wurde bombardirt u. ergab sich am 8. Sept.; 1300 Franzosen wurden hier noch gefangen; die Briten verbrannten die Stadt. Am 31. Aug. war auch Soult wieder vorgedrungen, um S. Sebastian zu entsetzen od. wenigstens die Besatzung desselben an sich zu ziehn. Zwei Divisionen gingen bei Irun über die Bidassoa, die spanischen Deckungscorps ließen sie ruhig den Thalrand erklimmen, warfen sie aber oben stets vom Berge herunter. Drei andere Divisionen, welche weiter oberhalb über die angeschwollene Bidassoa gingen, wurden in den Fluß geworfen, da die Brücke gebrochen war. Glücklicher war das bei Salin übergegangene Corps, welches durch Linksziehn den rechten Flügel der Verbündeten zu umgehen drohte. Es warf die Portugiesen u. die englische Brigade Inglis bis zum Kloster S. Antonio zurück; aber hier erschienen die Divisionen Cole u. Dalhousie u. schlugen die Franzosen wieder zurück. Verlust der Franzosen 2000 Mann. Nach der Schlacht in den Pyrenäen stand Soult, 60,000 Mann stark, zwischen der starken Position la Rhune u. Anfore, das Hauptquartier zu Orthez, General Foy mit seiner Division abgesondert bei St. Jean Pied de Port; Wellington mit 100,000 Mann ihm gegenüber, zwischen Roncesvalles u. S. Sebastian; er schickte Graham mit zwei Divisionen u. den spanischen General Freyre mit der Armee von Galicien über die Bidassoa auf französisches Gebiet. Am 8. Oct. griff General Alten mit der leichten Division, von Longas Spaniern unterstützt, den Paß von Vera, General Giron aber mit der Armee von Andalusien die Anhöhen von la Rhune an; die Franzosen hielten sich nur auf letzter Höhe, räumten dieselbe aber, fast abgeschnitten, am folgenden Morgen. Soult zog sich hinter die Nivelle zurück. Verlust der Franzosen 11 Kanonen u. 1000 Mann, der Verbündeten 1400 Mann. Pampeluna capitulirte nun nach viermonatlicher Blockade am 31. Oct.

C) Vorgänge in Valencia. Ende 1812 hatte Murray den Oberbefehl über die englischsicilianische Armee bei Alicante übernommen u. dieselbe nach u. nach bis 20,000 Mann verstärkt, theils Briten, theils in Mallorca geworbene Spanier; hierzu kamen 12,000 Spanier in Murcia unter General Elio. Beide rückten im März gemeinschaftlich vorwärts; Elio besetzte auf dem. linken Flügel Yecla u. Villena, Murray lagerte in Castalla u. hatte seine Vorhut in Biar. Am 11. April wollte Elio von Yecla aufbrechen, um vor dem anrückenden General Harispe weiter rückwärts eine Position zu nehmen, er zog aber unvorsichtig seine Vorposten schon Abends ein, u. Harispe überfiel die Stadt, sprengte die Spanier gänzlich aus einander u. nahm 1000 Mann in Villena gefangen. Am 12. April rückte Suchet gegen Murray vor, drängte die Vorposten aus Biar u. griff die starke Stellung bei Castalla an. Die Briten wehrten sich aber sehr tapfer, u. Suchet mußte sich nach San Felipe zurückziehen. Am 31. März schiffte sich Murray ein, um in Catalonien zu landen, dort eine Festung am Meere zu erobern u., auf diese gestützt, mit den dortigen Spaniern zu agiren. Käme aber Suchet noch vor dieser Eroberung an, so sollte Murray nach Valencia sich einschiffen u. dies erobern. Der Herzog del Parque mit der spanischen Armee von Murcia u. Granada sollte zugleich gegen Suchet vordringen u. dessen Stellung am Xucar bedrohen. Murray landete am 3. Juni bei Tarragona, schloß es sogleich ein, nöthigte das auf dem Col de Balaguer gelegene Fort am 4. Juni zur Übergabe, zerstörte dann in Tarragona selbst mehre Außenwerke u. wollte sogar diese Festung in der Nacht vom 10. zum 11. Juni stürmen. Aber schon nahte Suchet, da das Fort Balaguer den gewöhnlichen Weg sperrte, durch das Gebirge, General Moritz Matthieu aber mit 8000 Mann von Barcelona. Murray hob daher am 12. Juni die Belagerung auf u. wollte sich bei Tarragona einschiffen, das Belagerungsgeschütz ließ er aber in den Laufgräben zurück u. dasselbe ging verloren. Als die Cavallerie bei Col de Balaguer angekommen war, näherte sich die französische Reiterei von Tortosa her u. begann ein kleines Gefecht, wodurch Murray verleitet wurde zur Deckung ihrer Einschiffung Fußvolk wieder ausschiffen zu lassen, u. so wurde nach u. nach die ganze Armee an das Land gesetzt, wo sie Lord Bentinck noch traf, welcher am 17. Juni ankam u. den Oberbefehl übernahm. Bentinck ließ nun das Fort Balaguer sogleich sprengen u. schiffte sich eiligst nach Alicante ein, um von dort die Verschanzungen am Xucar zu erobern, noch bevor Suchet anlangte. Aber Suchet brach sogleich auf u. eilte mit einer Division von 5000 Mann den bedrohten Punkten zu Hülfe; schon am 24. Juni war er in Valencia, an demselben Tage, an welchem Bentinck in Alicante landete. General Harispe, welchen Suchet mit zwei Divisionen zur Deckung Valencias zurück gelassen hatte, war unterdessen am 9. Juli auf Befehl Suchets nach San Felipe zurückmarschirt. Am 13. bedrohte Elio die Division Harispe mit[490] einem Doppelangriff auf. Alcira u. die Brücke von Alberique, General del Parque aber griff die Division Habert bei Carcaxente an, wurde jedoch zurückgeworfen. Er ließ seinen Nachtrab bei dem Passe von Olleria zurück. Hier griff ihn nun Suchet selbst an, warf ihn zurück u. besetzte San Felipe wieder mit zwei Divisionen, während sich die des Generals Musnier am 27. Juni mit 5000 Mann gegen Requena wendete, von dort Elio mit 9200 Mann zum Abzug bewog u. das Schloß von Requena eroberte. Aber der Rückzug Soults aus Spanien, welchen jetzt Suchet erfuhr, nöthigte ihn am 5. Juli auch Valencia zu räumen u. sich nach Tortosa zurückzuziehen; jedoch ließ er in Denia, Peniscola, Murviedro, Tortosa, Mequinenza u. Lerida 12,000 Mann als Besatzung zurück. Bis Tolosa folgte ihm ein Theil der Engländer u. die Spanier, Bentinck selbst schiffte sich aber ein, um ihm bei Col de Balaguer den Weg zu versperren. Sein Gepäck u. Geschütz in Tortosa zurücklassend, ging Suchet jetzt an dem Ebro hinauf bis nach Gandesa, um sich im Falle der Noth durch Aragon Bahn nach Frankreich zu brechen; aber auch Bentinck ging ihm nach Lerida entgegen, um ihm dort den Weg zu versperren. Suchet kehrte sogleich um, nahm in Tortosa Geschütz u. Gepäck wieder mit, ging in der Nacht vom 15. Juli durch den verlassenen Paß von Col de Balaguer u. setzte seinen Marsch über Villafranca nach Barcelona ungestört fort. Bentinck kehrte jetzt auch um u. erschien vor Tarragona, welches er am 29. Juli einschloß u. am 3. Aug. zu belagern anfing. Suchet war am 29. Juli schon nach Villafranca zurückgekehrt, um Tarragona zu entsetzen, aber zu schwach allein etwas zu unternehmen, erwartete er erst vom General Decaen aus Catalonien Verstärkung u. brach, als diese am 14. Aug. unter Matthieu u. Lamarque anlangte, sogleich gegen das von Bentinck schwer bedrängte Tarragona auf. Bentinck zog sich, als Suchet erschien, am 16. Aug. Abends nach Col de Balaguer zurück, die Franzosen aber verließen u. sprengten die Festungswerke von Tarragona am 18. u. zogen sich mit Suchet hinter den Llobregat zurück.

D) In Catalonien war im Laufe des Frühlings 1813 außer kleinen Gefechten nichts von Bedeutung vorgefallen. Als aber Anfang Juni General Matthieu mit Suchet zum Entsatz von Tarragona heranrückte u. nach dessen Entsatz nach Barcelona zurückkehrte, hatten 3500 Catalonier den Engpaß von la Bisbal besetzt u. verwehrten den Rückzug. Umsonst stürmten die Franzosen an, sie mußten nach einem Verluste von 600 Mann einen andern Weg nach Barcelona einschlagen. Noch größere Einbuße erlitt eine Colonne von 1200 Mann, welche kurz darauf zum Entsatz Olots ausrückte; nur 400 Mann erreichten Barcelona wieder. Auch General Lamarque, welcher von Gerona am 6. Juli mit 1500 Mann gegen Vique auszog, wurde nach mehren Gefechten. bei Roda von 7–8000 Spaniern eingeschlossen u. kam nur, durch General Beurmann. mit vier Bataillonen befreit, mit 500 Mann Verlust wieder nach Gerona. Seit Suchet über den Llobregat zurückgegangen war, blieben beide Heere ruhig stehen, bis in der Mitte Sept. sich die Verbündeten, durch Copons Corps verstärkt, bei Villafranca zusammenzogen u. Copon am Oberllobregat gegen Manresa, Espareguera u. Martorell zu manövrirte; Bentincks 8000 Mann starke Vorhut stand am 12. Sept. bei Ordal u. hatte einen Paß besetzt, durch welchen die Hauptstraße von Villafranca nach Barcelona führte. In der Nacht zum 13. Sept. warf Suchet die Vorposten zurück u. griff die Verbündeten tu der Front an. Nach zwei Stunden umging die französische Cavallerie die Stellung Bentincks, u. nun floh das verbündete Heer; vier Kanonen u. 500 Mann gingen verloren. Am 13. Sept. setzte Bentinck seinen Rückzug fort u. erlitt mehrmals harte Verluste, bis er das Meer erreichte u., von seinen Kanonenböten gedeckt, nach Tarragona zurückging. Die Verbündeten hatten 3000 Mann verloren u. Suchet mit 20,000 Mann 30,000 geschlagen. Ende Sept. segelte Bentinck nach Sicilien u. Clinton übernahm den Oberbefehl; beide Theile blieben, sich gegenseitig beobachtend, stehen. Inzwischen fielen Lerida, Mequinenza u. Monzon durch Verrätherei des Belgiers Jan van Halen, welcher Adjutant bei Suchet gewesen, aber zum Feinde übergegangen war u. die Chiffre verrathen hatte, unter welcher Suchet an die Commandanten schrieb, in die Hände der Verbündeten; Murviedro u. Tortosa aber wurden durch die Vorsicht ihrer Gouverneure erhalten. Eben so blieben Barcelona, Figueras, Rosas, Venasque, Denia u. Morella von den Franzosen besetzt. Am 3. Dec. 1813 machte Suchet noch eine Bewegung vorwärts u. ließ Martorell besetzen; aber dieses war seine letzte Bewegung, denn nach Entsendungen aller Art Truppen nach Frankreich, außer den Besatzungen, bis auf 9000 Mann geschwächt, bewachte er nur noch die französische Grenze.

XI. Krieg vom Übergang über die Pyrenäen bis zum Vertrag von Toulouse (1. Nov. 1813 bis 18. April 1814). Am 1. Nov. zog Wellington seine Armee auf dem linken Flügel zusammen, aber das schlechte Wetter erlaubte ihm erst den 10. vorzugehen, um die Franzosen aus ihren Verschanzungen zu vertreiben, welche diese seit dem letzten Angriff in den Pyrenäen angelegt hatten. Eine Linie. derselben an der Nivelle deckte ihr Lager. Alle Brücken über die Nivelle waren verschanzt; das Dorf Sarre u. die Anhöhen von Ainhoe bildeten die Hauptpunkte dieses festen Lagers. Bes. war der rechte Flügel der Franzosen fest, weniger der linke u. das Centrum. Hill sollte nun mit dem rechten Flügel die Anhöhen von Ainhoe wegnehmen, Beresford das Dorf Sarre stürmen u. die leichte Division Alten u. Girons Spanier waren bestimmt den Doppelangriff zu unterstützen, u. zwar sollte Alten den Berg La pétite Rhune angreifen u. Giron die linke Flanke desselben decken. Hope u. Freyre mit der 2. spanischen Reservearmee bedrohten den rechten Flügel des Feindes u. hielten ihn in seiner Stellung fest. Am 12. Nov. griff Beresford das französische Centrum an; die 4. Division unter Cole war voraus u. erstürmte einige vorliegende Schanzen, das Dorf Sarre wurde ebenfalls schnell erobert. Zugleich nahm auch Altens leichte Division den Berg. La pétite Rhune u. die Hauptwerke selbst, welche die Franzosen räumten, ohne den Angriff abzuwarten; sie zogen sich von den Anhöhen herab nach den Brücken über die Nivelle zu, ein Bataillon vertheidigte eine Schanze gegen die Übermacht u. gab sich erst gefangen, nachdem mehr als die Hälfte der Mannschaft geblieben u. dem Reste der Rückzug abgeschnitten war. Eben so thätig war während der Zeit Hill mit dem rechten Flügel gewesen; er[491] war mit seinen drei Divisionen durch die Nivelle gewatet, hatte die Franzosen vor den Schanzen mit dem Bayonnet über den Haufen geworfen u. alle fünf Schanzen schnell erobert. In der Nacht zog sich Soult vorsichtig nach dem Lager bei Bayonne zurück. Verlust der Franzosen in dieser Schlacht an der Nivelle 3000 Mann Todte u. Verwundete, 1500 Gefangene, 50 Kanonen; der der Verbündeten 3000 Mann. Nach der Schlacht an der Nivelle bezogen die Engländer, Portugiesen u. Spanier zwischen der Nivelle u. dem Meere Erholungsquartiere u. verschanzten sich an mehren Stellen, die Franzosen bivouacquirlen u. cantonnirten dagegen hinter dem Lager von Bayonne. Am 3. Dec. rückte Wellington über die Nive, die französischen Vorposten zurückdrängend, bis in die Nähe von Bayonne vor. Der linke Flügel der Verbündeten u. der rechte des Centrums unter Beresford gingen nun in ihre alten Quartiere zurück, Hill aber nahm seine Stellung auf dem rechten Ufer der Nive. Die spanische Division Morillo stand bei Urcuray u. beobachtete eine französische bei St. Palais aufgestellte. Beresford setzte sich durch eine Schiffbrücke mit Hill in Verbindung. Soult, welcher durch die Festung Bayonne einen sichern Anhaltepunkt hatte u. der zwei Straßen, welche dort zusammenliefen, Meister war, suchte den Verbündeten, deren Communication durch die Nive erschwert war, eine Schlappe anzuhängen, er drang deshalb noch am 10. Dec. gegen St. Jean de Luz vor u. griff den linken Flügel der Alliirten an. Hope zog sich in eine feste Stellung zurück u. vertheidigte diese bis zur Nacht. Während derselben erhielt Hope Verstärkung, u. Soult wendete sich nun am 11. Dec. gegen die Division Alten, um diese bei Arcangues zu vertreiben; aber auch dieser Plan wurde durch Hope vereitelt. Am 11. Dec. gingen auch drei Bataillone Nassauer u. das Batallion Großherzog von Frankfurt zu den Verbündeten über, worauf Sonlt den 12. Dec. das badische Regiment auf dem Glacis entwaffnen u. in die Gefangenschaft abführen ließ. In der Nacht vom 12. Dec. ließ Soult seine ganze Armee auf das rechte Ufer der Nive übergehen, um Hill anzugreifen. Aber dieser hatte, von der Division Cole verstärkt, bei St. Pierre eine so gute Aufstellung gewählt, daß alle Versuche Soults die Mitte der Engländer zu durchbrechen scheiterten. Die Franzosen zogen sich mit 3600 Mann Verlust nach Bayonne zurück. Die Verbündeten verloren fast eben so viel. Nun trat eine durch die Witterung gebotene Waffenruhe ein. Die Franzosen cantonnirten hinter dem Adour. In der Mitte Febr. 1814, als die Witterung etwas günstiger geworden war, ließ Wellington den General Hill von Urcuray aufbrechen u. eine kleine, bei Hellate stehende französische Abtheilung vertreiben, welche sich auf das Hauptcorps zurückzog. Am 15. Febr. wurde eine bis St. Palais vorgeschobene französische Division nach tapferem Widerstande zum Rückzuge nach Pau genöthigt, da sie von Bayonne abgeschnitten war, auch ging das Centrum der Verbündeten bis an die Bidonse vor u. blos die Division Clinton u. Alten blieben zwischen der Nive u. dem Adour zurück, um Bayonne zu beobachten, da der zur Belagerung von Bayonne bestimmte linke Flügel nicht über den letzteren Fluß hatte gehen können. Am Abend des 24. Febr. hatte die Division Howard endlich den Übergang über den Adour möglich gemacht, es wurde eine Pontonbrücke geschlagen; auch machte der rechte Flügel u. das Mitteltreffen der Verbündeten eine Vorwärtsbewegung, der zufolge Soult Bayonne sich selbst überließ u. seine Armee bei Orthez sammelte. Hier kam es am 25. Febr. zur Schlacht. Beresford griff den rechten Flügel unter Reille an, welcher sich tapfer wehrte; zwar eroberte er das Dorf Boez u. drang gegen die Höhen vor, welche hinter demselben liegen, aber hier warf ihn das Feuer des französischen Geschützes u. Fußvolks zurück. Wellington ließ nun den linken französischen Flügel angreifen. Die Division Picton, von der leichten Division Alten unterstützt, drang rasch vor u. bemächtigte sich der Anhöhen desselben im ersten Anlauf. Anfangs zog er sich unter Clauzel in bester Ordnung zurück, als aber das Hillsche Corps plötzlich in seinem Rücken erschien u. die Rückzugslinie bedrohte, verwandelte sich der Rückzug in Flucht u. jetzt mußte sich auch Reille mit dem rechten Flügel zurückziehen. Die englische Cavallerie verfolgte bis Sault da Navailles. Verlust der Franzosen 7000 Mann u. 12 Kanonen, der Verbündeten 3000. Am 26. Febr. hatte Hill noch ein heftiges Gefecht bei Aire zu bestehen, indem er zwei französische Divisionen vertreiben sollte. Nach einem mißlungenen Angriff der Portugiesen kam die Division Stewart zu Hülfe u. trieb die Franzosen über den Adour u. nach Pau. Soult mußte seinen Rückzug nach Bordeaux zu nehmen, aber er verfolgte diesen Weg nur bis zum 1. März u. wendete sich dann nach Agen zu, um Suchet näher zu kommen, welcher an Cataloniens Grenze mit 9000 Mann stand. Diese Bewegung gab zwar Bordeaux Preis, welches am 12. März von Beresford besetzt wurde, aber sie führte von der Küste ab, wo Soult sonst von den überlegenen Verbündeten leicht hätte eingeschlossen werden können. Am 13. März erhielt Soult Nachricht von der Besetzung von Bordeaux, u. um dieses wo möglich zu befreien, ging er schnell bis Conchez u. Viella, die rechte Flanke der Verbündeten bedrohend, vor, warf Hills Vorposten u. machte Miene dessen Corps mit seiner ganzen Macht eine Schlacht zu liefern; Hill zog seine Armee rasch zusammen u. da er, von Wellington durch zwei Divisionen verstärkt, sich fertig machte die Schlacht anzunehmen, so bezog Soult eine feste Stellung auf dem rechten Ufer des Flusses Gros Lees zwischen Projan u. Mascaras, in der Hoffnung dadurch dennoch die Briten zu bewegen Bordeaur wieder zu räumen. Aber Wellington fühlte sich stark genug ihm Stand zu halten u. blieb ihm daher gegenüber stehen.

Von jetzt an begannen eine Reihe von Manövers, welche damit endigten, daß sich Soult am 19. u. 20. März vom rechten Ufer des Adour nach Toulouse zurückzog. Am 27. März erschien Wellington im Angesicht der Stadt; er führte 60,000 Mann heran, denen Soult kaum 40,000 entgegenzustellen hatte; Suchet war mit 9000 Mann noch jenseit Carcassonne. Am 31. März schlug Wellington eine Brücke oberhalb Toulouse über die Garonne, aber Wetter u. Weg verhinderten Hill auf dem rechten Ufer vorzudringen, u. so mußte Wellington am 4. April unterhalb der Stadt übergehen; Beresford ging mit drei Divisionen über, stand aber, da in der folgenden Nacht der Strom anschwoll u. die Brücke wieder abgebrochen werden mußte, auf dem rechten Ufer vereinzelt u. war in größter Gefahr. Aber Soult, beschäftigt die Stellung von Toulouse zu verstärken, versäumte Beresford anzugreifen. Als am 8. April die Strömung nachließ, wurde die[492] Pontonbrücke wieder hergestellt u. die Spanier unter Freyre gingen sogleich über. Indessen wurde, um der Brücke Hills näher zu rücken, die Pontonbrücke Beresfords noch eine Strecke höher verlegt u. so der Angriff verschoben. Am Morgen des 10. April ging die leichte Division auf das rechte Ufer über, u. nun rückte das ganze Heer auf beiden Seiten des Flusses gegen Toulouse vor. Die Franzosen, ihren Vortheil benutzend, drängten mächtig auf die Spanier, trieben sie in die Flucht u. auf der Straße von Alby vordringend, drohten sie die Divisionen Cole u. Clinton abzuschneiden, was auch gelungen wäre, wenn nicht Altens leichte Division ihnen den Weg versperrt hätte. Zugleich wurde auch die Division Picton, welche zu weit vorgedrungen war, um eine Schanze, welche eine Brücke am linken französischen Flügel deckte, zu erobern, mit großem Verluste zurückgetrieben. Noch hatten die Franzosen nur eine Schanze verloren u. behaupteten die anderen vier, u. als eine von diesen, halb vollendet u. verlassen, von einem englischen Bataillon besetzt u. gegen zwei heftige Angriffe der Franzosen behauptet wurde, verließen auch die Besatzungen der drei übrigen, noch bevor sie angegriffen wurden, diese Redouten. In der Nacht zog sich das ganze Heer der Franzosen in seine Verschanzungen hinter dem Kanale zurück, u. nun gerieth Soult, von drei Seiten schon von den Feinden umgeben, in die Gefahr eingeschlossen zu werden. Jeder Theil hatte in den bisherigen Gefechten etwa 7000 Mann verloren. Noch war keine officielle Nachricht von den Vorgängen in Paris eingetroffen, aber die Gerüchte über dieselben gewannen so viel Glaubwürdigkeit, daß beide Feldherrn sich zu einer Übereinkunft. entschlossen, der zufolge Soult in der Nacht zum 13. April Toulouse räumte u. beim englischen Lager vorbei nach Carcassonne zog. Am 13. April kam die officielle Nachricht von Napoleons Thronentsagung in Toulouse an. Die letzten Feindseligkeiten fanden vor Bayonne Statt, wo der Gouverneur in der Nacht zum 15. April einen Ausfall machte. Jeder Theil verlor hierbei, da die Engländer aus dem Dorfe St. Etienne vertrieben waren, 800 Mann; auf englischer Seite fiel der General Hay u. Hope, der Befehlshaber des Belagerungscorps, war gefangen. Am 18. April schloß Wellington mit Soult u. Suchet zu Toulouse eine Convention, der zufolge alle Feindseligkeiten aufhörten u. eine Demarcationslinie zwischen beiden Heeren bestimmt wurde. Die französischen Garnisonen aus den spanischen Festungen Santona, Venasque, Tortosa, Murviedro, Peniscola, Barcelona, Gerona, Figueras u. Rosas zogen mit allen ihnengehörigen Kanonen, Munition, Kassen u. Gepäck ab u. übergaben die Plätze den Spaniern; den französischen Festungen Bayonne, St. Jean Pied de Port, Navarreins u. Blaye aber wurde ein gewisser Bezirk angewiesen, aus welchem sie ihre Bedürfnisse bezogen. Bald nachher traten die Spanier u. Portugiesen den Rückmarsch in ihre Heimath an u. die Engländer marschirten nach Bordeaux, um dort nach England eingeschifft zu werden. Die französische Armee, durch Abberufung der meisten Generale ihrer Anführer u. bald auch aller Subsistenzmittel beraubt, löste sich auf u. die Soldaten kehrten in ihre Heimath zurück. Unabhängig von den Operationen war die Rückkehr Ferdinands VII. nach Spanien gewesen. Dieser Monarch wurde nämlich noch vor Abschluß des Pariser Friedens von Napoleon aus Valençai, dem Orte seines gezwungenen Aufenthaltes, entlassen, nachdem er am 11. Dec. 1813 einen Tractat unterzeichnet hatte, worin Vieles zu Gunsten Frankreichs u. zum Nachtheil der Engländer u. Portugiesen bestimmt war. Mit diesem Tractate reiste am 18. Dec. der Herzog von San Carlos von Valençai nach Madrid ab u. legte denselben den dortigen Cortes vor; aber die Regentschaft verwarf ihn am 8. Jan. 1814, weil der König nicht frei gewesen sei, u. die Cortes faßten den 30. Jan. den Beschluß den König Ferdinand erst dann anzuerkennen, wenn er den Eid auf die neue Verfassung geleistet hätte. Am 13. März hatten indessen Ferdinand VII. u. sein Bruder Carlos Valençai mit französischen Pässen verlassen u. sich in Suchets Lager begeben, wo sie bis zum 22. März blieben; dann reisten sie nach Spanien ab, mit dem Versprechen die französischen Besatzungen sogleich abziehen zu lassen. Das Weitere s.u. Spanien (Gesch.) S. 384 ff.

Vgl. H. Zschokke, Der Krieg Napoleons gegen den Aufstand der spanischen u. portugiesischen Völker, Aarau 1813; A. I. M. Rocca, Mém. sur la guerre des Français en Espagne, Lond. 1814; A. de Beauchamp, Histoire de la guerre d'Espagne et de Portugal pendant les années 1807–13, Par. 1819, 2 Bde.; I. T. Jones, Geschichte des Kriegs in Spanien, Portugal u. im südlichen Frankreich von 1807–1814, Wien 1819, 2 Bde.; K. H. Venturini, Geschichte der spanisch. portugiesischen Thronumkehr u. des daraus entstandenen Kriegs, Altona 1812–21, 3 Bde.; F. X. Rigel, Der siebenjährige Kampf auf der Pyrenäischen Halbinsel, Darmst. 1819–21, 3 Bde.; F. W. von Cöln, Chronologische Übersicht der Kriegsereignisse in Spanien u. Portugal etc., Cobl. 1824; S. Foy, Histoire de la guerre de la Péninsule sous Napoléon, Par. 1827, 4 Bde. (deutsch von F. A. Rüder, Stuttg. 1827, 4 Bde.); R. Southey, History of the Peninsula war, Lond. 1827–32, 3 Bde.; C. W. Stewart of Vane Londonderry, History of the war in Spain, Lond. 1828; W. F. P. Napier, History of the war in the Peninsula and in the South of France, Lond. 1828–32, 3 Bde. (franz. von M. Dumas, Par. 1832 4 Bde.); L. G. Suchet, Herzog von Abulsera, Mémoires sur les campagnes en Espagne depuis 1808 jusqu'en 1814, Par. 1829, 2 Bde.; J. Muñoz Maldonaldo, Historia de la guerra de España contra Napoleon, Madr. 1830, 2 Bde.; I. Canga Arguelles, Observaciones sobre la historia de la guerra de España, que escribieron los señores Clarke, Southey. Londonderry y Napier, Madr. 1834, 4 Bde.; Toreño, Historia del levantamiento de la guerra y revolucion de España, Madr. 1835–36, 5 Bde. (deutsch Lpz. 1836–38, 5 Bde.); Schneidawind, Geschichte des Krieges auf der Pyrenäischen Halbinsel unter Napoleon, Darmst. 1838–1848, 38 Bdchn.; Leben u. Feldzüge des Herzogs von Wellington (nach dem Englischen von Maxwell, Wright u.a. bearbeitet von Bauer), Quedlinburg 1840.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 16. Altenburg 1863, S. 470-493.
Lizenz:
Faksimiles:
470 | 471 | 472 | 473 | 474 | 475 | 476 | 477 | 478 | 479 | 480 | 481 | 482 | 483 | 484 | 485 | 486 | 487 | 488 | 489 | 490 | 491 | 492 | 493
Kategorien:

Buchempfehlung

Brachvogel, Albert Emil

Narziß. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

Narziß. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

Albert Brachvogel zeichnet in seinem Trauerspiel den Weg des schönen Sohnes des Flussgottes nach, der von beiden Geschlechtern umworben und begehrt wird, doch in seiner Selbstliebe allein seinem Spiegelbild verfällt.

68 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon