Telegraph

[322] Telegraph (vom Griechischen τῆλε, in die Ferne, u. γράφειν, schreiben), eine Vorrichtung od. Maschine zur schnellen Fortpflanzung von Nachrichten in größere Fernen. Das Bedürfniß Nachrichten in größere Fernen, als es durch die menschliche Sprache geschehen konnte, u. mit größerer Geschwindigkeit, als durch einen Boten, fortzupflanzen, machte sich schon sehr frühzeitig fühlbar, u. daher finden sich bereits im Alterthume nicht allein berittene Boten, z.B. im Persischen Reiche (s.u. Post S. 417), sondern auch eine Art optische T-en, s. unten IV. Das Telegraphiren beschränkte sich meist auf das Fortpflanzen von Nachrichten über bestimmte Ereignisse durch vorher verabredete Signale (daher Signalkunst). Die Vervollkommnung der Telegraphie u. namentlich die Lösung der Aufgabe in ihrer Allgemeinheit, jede beliebige Gedankenreihe zu jeder beliebigen Zeit u. auf jede beliebige Entfernung möglichst schnell fortzupflanzen u. mitzutheilen, blieb der neuesten Zeit vorbehalten; denn erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts erlangten die optischen T-en eine gewisse Vollkommenheit u. fanden so eine Zeit lang eine ausgedehntere Anwendung, während die elektrischen T-en, durch welche das Höchste in der Telegraphie geleistet wurde, seit kaum 25 Jahren betriebsfähig geworden sind, in dieser kurzen Zeit aber auch eine ungemeine Ausbildung u. Ausbreitung gewonnen haben. Rücksichtlich der Mittel, deren man sich zu verschiedenen Zeiten zum Telegraphiren bedient od. die man dazu vorgeschlagen hat, nennt man die T-en akustische, hydraulische, pneumatische, optische u. elektrische.

I. Die Akustischen T-en haben die Aufgabe, durch unmittelbare Einwirkung auf das Gehör eine Nachricht fortzupflanzen. Für kleinere Entfernungen u. einfache Mittheilungen pflanzt man den Schall einfach durch die freie Luft fort u. bedient[322] sich zu seiner Erregung der Signalmittel, als der Trompete, des Horns, der Trommel, der Glocken, der Signalpfeifen, der Lärmkanonen, des Sprachrohrs etc. In anderen Fällen u. bes. auf größere Entfernungen muß man sich besonderer Vorrichtungen bedienen, da in der freien Luft die Stärke des Schalles zu schnell abnimmt, wodurch die Verständigung erschwert werden würde, u. die Geschwindigkeit des Schalles zu gering ist. Den Schall benutzten schon die alten Perser zum Telegraphiren, indem sie sich die Nachricht von Posten zu Posten zuriefen, u. dabei legte die Nachricht den Weg, welchen ein Mann in 30 Tagen durcheilen konnte, in 1 Tage zurück. Solche Rufposten hatte Xerxes von Persien bis Griechenland angelegt. Ähnliches berichtet Cäsar von den Galliern, indem, wenn etwas Wichtiges passirte, dies durch Flur u. Gau ausgerufen u. so von Gau zu Gau verbreitet wurde; so gelangte eine Nachricht in einem Tage 30–40 Meilen weit. Im Jahre 1782 schlug der Cisterciensermönch Dom Gauthey die Anwendung von Schallröhren vor, in denen der Schall nur sehr wenig geschwächt wird, so daß selbst ein leiser Ton noch in ziemlicher Ferne vernehmbar bleibt. Dasselbe hatte der Neapolitaner Porta schon 1579 vorgeschlagen. Wiederholte Versuche, z.B. von Biot u. Hassenfratz, in einer 951 Meter langen Röhre u. von Jobard, in einer 600 Fuß langen, elfmal rechtwinklig abgebogenen Röhre haben die Möglichkeit des Telegraphirens in Metallröhren außer Zweifel gesetzt, doch sind die Anlagekosten zu groß, als daß für das Weite Anwendung von ihnen gemacht werden dürfte. Wohl aber sind solche Schallröhren im Kleinen zweckmäßig u. daher häufig in größeren Privathäusern, Gasthöfen, Werkstätten, Dampfschiffen etc. angewendet worden. Meist spricht man dabei die Worte unmittelbar in die Schallröhren hinein. So beförderten Jobard u. Stieldorff in Belgien 1833 bei ihrem T., welchen sie Logophor (d.i. Wortträger) nannten, mündliche Mittheilungen in unterirdischen Röhren fort. Auch Romershausen wollte 1838 bei seinem Telephon halbzöllige Bleiröhren benutzen. Doull schlug zum Telegraphiren für Eisenbahnen u. Dampfschiffe die Anwendung von Pfeifen mit verschiedener Stimmung vor, auf denen die Signale mittels comprimirter Luft gegeben werden sollten. Auch das Wasser, in welchem sich der Schall viermal so schnell als in der Luft fortpflanzt, hat Colladon zur akustischen Telegraphie zu benutzen versucht, doch ebenfalls ohne besondern Erfolg. Nach W. Sudre's musikalischem T. (Telephonium) sollten die sieben Noten od. Töne der Tonleiter zu einer allgemein verständlichen musikalischen Sprache combinirt u. in dieser die Nachrichten mittels musikalischer Instrumente (bes. mittels der Trompete, welche 3 Meilen weit vernehmbar sein soll) telegraphisch weiter gegeben werden. Akustische T-en nennt man auch diejenigen elektrischen T-en, welche hörbar Zeichen geben, s.u. V.

II. Die Pneumatischen T-en, bei denen man sich der Luft zur Fortpflanzung der Nachricht bedient, fanden ebenfalls keinen Eingang. E. B. Rowley schlug 1838 vor, Stationen in Entfernungen von je 10 engl. Meilen durch je 6 Bleiröhren zu verbinden u. telegraphische Zeichen dadurch zu geben, daß man aus einem Luftbehälter aus diesen Röhren an der entfernten Station abwechselnd Luftblasen in die mit Wasser gefüllten Gefäße am Ende der Röhren austreten ließ. Crosley (1839) wollte blos eine mit Luft gefüllte Röhre anwenden u. nach der entfernten Station dadurch Zeichen geben, daß er 10 verschiedene Gewichte abwechselnd auf den Luftbehälter auflegte. In neuerer Zeit hat man das Princip der Atmosphärischen Eisenbahn (s.d. S. 375 f.) zur Beförderung von Briefen u. kleinen Packeten anzuwenden gesucht; so machte 1853 I. S. Richardson in Boston das Modell zu einem solchen pneumatischen od. atmosphärischen T.; derselbe besteht aus einer Röhrenlage zwischen zwei Stationen; in dieser Röhre befindet sich ein Kolben (Plunger), an welchen die in einem Beutel verpackten Gegenstände befestigt werden u. welcher durch den Druck der Atmosphäre, welche von hinten auf ihn wirkt, fortgestoßen werden soll, während vorn die Luft durch eine Luftpumpe verdünnt ist. Einen andern derartigen Versuch stellte 1863 die Pneumatic Dispatch Company in London zwischen zwei Bahnhöfen an, bei welchen ein kleiner Wagen auf einer Eisenbahn in einer Röhre von 30 Zoll Durchmesser u. 1/3 engl. Meile Länge lief. Auch durch Elektromagnetismus hat man einen Wagen auf einer Eisenbahn in einer Drahtspirale zu bewegen versucht.

III. Bei den Hydraulischen T-en wird die Nachricht durch das Wasser fortgepflanzt. Bei der einen Art dieser T-en spielt das Wasser fast die Rolle eines Klingelzugs; es liegt nämlich eine mit Wasser gefüllte Röhre von etwa 11/2 Zoll Weite in der Erde, ist an ihren beiden Enden aufwärts abgebogen u. trägt zwei kleine Kolben; wird der eine dieser Kolben durch einen Druck od. durch Ablassen od. Zufüllen von Wasser gesenkt od. gehoben, so folgt der zweite Kolben auf der entfernten Station der Bewegung in gleichem Schritt u. zeigt die zu telegraphirenden Buchstaben auf einer Skala an. Solche T-en construirten Bramah 1796, Jobard 1827, Jowett 1847; Wallance gab 1824 dem Kolben eine horizontale Bewegung u. erleichterte ihre rückgängige Bewegung durch einen Gegendruck auf die andere Kolbenfläche, welchen er durch comprimirte in einem besonderen Gefäße enthaltene Luft ausüben ließ. Außerdem suchte Wishaw in London 1837 eine in einer Röhre eingeschlossene Wassersäule auch so zum Telegraphiren zu benutzen, daß er durch sie in ihrer Längsrichtung eine Bewegung, etwa die durch einen Schall entstehenden Erzitterungen, sich fortpflanzen ließ u. dieselben am Ende auf einen Zeiger od. einen sonstigen telegraphischen Apparat zu übertragen versuchte. Auch der T. des Äneas Taktikos (im 4. Jahrh. v. Chr.) könnte ein hydraulischer genannt werden: an den beiden Stationen, zwischen denen telegraphirt werden sollte, befanden sich zwei gleiche Gefäße mit Wasser, worauf Korke mit, auf verschieden langen Stäbchen steckenden Täfelchen schwammen, auf denen verschiedene Nachrichten aufgeschrieben waren; durch eine Fackel wurde das Signal zum Öffnen eines Hahns gegeben, u. man ließ nun das Wasser ausfließen, bis ein zweites Signal gegeben wurde, was in dem Momente geschah, wo das Täfelchen mit der zu befördernden Nachricht, u. zwar in beiden Gefäßen gerade im Niveau des Gefäßrandes stand.

IV. Die Optischen T-en geben unmittelbar durch das Auge wahrnehmbare Zeichen u. ermöglichen durch diese zum Theil ein sehr schnelles Fortgeben einer Nachricht. A) Feuer- u. Rauchtelegraphen. [323] Spuren dieser optischen Telegraphie finden sich schon bei den ältesten Völkern. So sandte Agamemnon die Nachrichtnom Falle Trojas durch Feuersignale an seine Gemahlin Klytämnestra nach Argos, indem auf dem Ida in Troas, dann auf dem Hermäos in Lemnos, Athos, Mgkistos in Euböa, Mesapios in Böotien, Kithäron, Ägiblanktos in Megaris u. Arachnäos in Argolis Wächter mit Fackeln aufgestellt waren u. nachdem der erste auf dem Ida sein Fackelzeichen gegeben hatte, die wigenden dasselbe weiter gaben, so daß die Kunde noch in derselben Nacht von Troja in Argos ankam. Solche Feuer- u. Fackelzeichen wurden später allgemein in Griechenland, angewendet; sie hießen Pyrsoi. Ähnliche Flammenzeichen bei Nacht od. Rauchzeichen bei Tage wurden bei verschiedenen anderen alten Völkern zur Mittheilung vorher verabredeter Ereignisse benutzt, z.B. von den Römern, Skythen, Briten, von den Chinesen auf der chinesischen Mauer; ebenso benachrichtigten sich die Ureinwohner Nordamerikas untereinander durch Signalfeuer auf den Bergspitzen vom Eindringen eines Feindes od. Nahen einer andern Gefahr, u. Fremont fand dergleichen Feuer noch neuerlich in Hochcalifornien unter den Indianern. Selbst in Europa waren zu Anfang des 19. Jahrh. noch ähnliche Rauch- u. Feuersignale an großen Flüssen in Gebrauch, um den gefährdeten Anwohnern von dem Verlauf der Hochwässer u. dem Eisgange Nachricht zu geben. Von den Griechen Kleoxenos u. Demokritos (um 450 v. Chr.) sollen schon mit dem Fackeltelegraphen den Buchstabengraben verbunden haben, indem die Buchstaben in fünf Reihen auf eine Tafel geschrieben waren u. nun durch 1–5 auf der linken Seite einer Blendung vorgehaltene Fackeln angegeben wurde, in welcher Reihe der zu telegraphirende Buchstabe stand, während durch 1–5 gleichzeitig auf der rechten Seite vorgehaltene Fackeln angezeigt wurde, der wievielste Buchstabe er in dieser Rethewar; bei Tage nahm man Flaggen anstatt der Fackeln. Bei den Römern zündete man 1–8 Feuer links, in der Mitte od. rechts an, um einen der 8 ersten, der 8 mittelsten od. der 8 letzten Buchstaben des Alphabets zu bezeichnen. Nach Vegetius wurden Nachrichten durch, auf Thürmen aufgehängte, bald erhobene, bald gesenkte Holzstücken fortgepflanzt. Keßler in Wetzlar schlug 1617 vor, die Buchstaben so zu telegraphiren, daß man ein in einer Tonne brennendes Feuer so viel mal sehen läßt od. mit einer Klappe verdeckt, als die Stelle des Buchstabens im Alphabete erfordert. In der neueren u. neuesten Zeit werden zum Telegraphiren innerhalb engerer Grenzen, namentlich beim Militär, Signalraketen angewendet; Bergsträßer in Hanau, welcher 1784 die Einrichtung einer Signalpost zwischen Leipzig u. Hamburg vorschlug, wollte sich zum Telegraphiren vier verschiedener Arten von Raketen (mit u. ohne Schlag, mit Leuchtkugeln, mit Goldregen) bedienen. Signallampen zum Telegraphiren bei Nacht waren u. sind noch jetzt bei den optischen Zeichentelegraphen, besonders bei den Eisenbahntelegraphen u. auf Schiffen, in Gebrauch.

Die vollkommensten u. vor der Einführung der elektrischen T-en sehr ausgebreiteten optischen T-en sind die B) Zeichentelegraphen (Semaphoren). Die ersten Versuche telegraphischer Mittheilungen durch Zeichen od. Figuren machte 1633 der englische Marquis von Worcester; ihm folgten Rob. Hooke in London, welcher seine Erfindung durch geometrische, mittelst beweglicher Lineale gebildete Figuren zu telegraphiren, 1684 der Londoner Akademie vorlegte, u. 1763 errichtete Edgeworth die erste Telegraphenlinie zu seinem Privatgebrauch zwischen London u. Newmarket. Allein erst der französische Ingenieur Claude Chappe (s.d. 2) machte diese T-en wirklich brauchbar. Schon im Seminar zu Angers suchte sich Chappe mit seinen beiden, in einem 1/2 Stunde entfernten Pensionate befindlichen Brüdern telegraphisch zu verständigen. 1791 machten die drei Brüder größere Versuche, u. da die Bevölkeruug denselben feindselig entgegen trat, so legte sich der französische Nationalconvent ins Mittel u. befahl den 25. Juli 1793 die Errichtung einer Telegraphenlinie zwischen Paris u. Lille; auf diesen 30 Meilen wurden 22 T-en errichtet u. jede Maschine kostete 4400 Livres. Die erste nach Paris beförderte Nachricht war die Wiedereroberung von Quesnoy am 15. August 1794 (nach And. die Capitulation von Condé). In der Vervollkommnung ihres Systems waren den Gebrüdern Chappe der Consul Leon Delauny u. der Uhrmacher Breguet behülflich. In Frankreich wurden nun viele andere Linien gebaut; 1798 wurde eine Linie von Paris nach Strasburg u. nach Brest eröffnet, 1803 die Linie über Lille bis Brüssel verlängert, 1805 eine Linie nach Mailand hergestellt u. 1810 bis Venedig fortgesetzt; auch nach Lyon u. Toulon, nach Bordeaux u. Bayonne wurden Linien angelegt. Von Paris nach Toulon (155 Meilen) gelangte ein Zeichen in 13 Minuten. In anderen Ländern wurden bald ähnliche T-en errichtet; so 1795 in Schweden von Stockholm nach Drottningholm; 1796 in England von London nach Dover u. Portsmouth; auf der 31 Meilen langen, noch 1852 vorhandenen Linie Liverpool bis Holyhead langte die Antwort nach 35 Secunden an; 1802 in Dänemark von Nyeborg nach Korsört 1798 in Frankfurt am Main, 1833 in. Preußen von Berlin nach Magdeburg, 1835 in Österreich von Wien nach Linz, in Rußland 1839 von Warschau nach Petersburg; in Ostindien 1823 eine Linie von Calcutta nach Chunar, u. um dieselbe Zeit ließ Mehemed Ali eine Linie mit 19 Stationen von Alexandria nach Cairo anlegen, auf welcher eine Nachricht 40 Minuten brauchte. Doch wurden diese Linien blos für Staatszwecke benutzt; erst 1830 gestattete man in Frankreich deren Benutzung für Privatzwecke u. zwar für 20 Frcs. auf 100 Meilen, u. in England legte Watson 1827 eine 16 geogr. Meilen lange Linie für den Handelsverkehr an. a) Die französischen T-en. Der eigentliche Telegraphenapparat befindet sich auf einem, 14–15 Fuß über das Dach des weithin sichtbaren Stationshauses hervorragenden, aufrecht stehenden Mastbaume u. besteht aus drei Haupttheilen, dem Regulator u. den beiden Flügeln od. Indicatoren, welche sämmtlich nach Art der Jalousien eingerichtet u. mit einer vom Hintergrunde sich gut absetzenden Farbe angestrichen sind. Der Regulator, ein 14 Fuß langer, 13 Zoll breiter u. nur 2 Zoll dicker Rahmen, ist mit seiner Mitte auf eine horizontale Achse am Mastende aufgesteckt, so daß er sich in einer verticalen Ebene frei um seine Achse drehen kann; an jedem seiner Enden ist ein 6 Fuß langer u. 1 Fuß breiter Flügel in gleicher Weise um eine horizontale Achse frei drehbar angebracht; die Drehachse des Flügels sitzt an dessen Ende, u. deshalb ist jeder Flügel durch eine über seine Achse hinausgehende[324] dünne u. daher aus der Ferne nicht sichtbare eiserne Stange äquilibrirt, welche an ihrem Ende einen schweren eisernen Knopf trägt. Die Drehung des Regulators u. der Flügel läßt sich sehr leicht von dem Beobachtungszimmer des Stationshauses aus bewerkstelligen. Damit dem Telegraphisten stets das gezogene Signal vor Augen stehe, ist im Beobachtungszimmer ein ähnlicher Apparat im verjüngten Maßstabe vorhanden, u. dieser steht durch Rollen u. darüber gelegte endlose Ketten mit dem Regulator u. den Flügeln derart in Verbindung, daß letztere alle Bewegungen des unteren Apparates nachmachen müssen. Von den unzähligen möglichen Stellungen des Regulators u. der Flügel werden blos beim Telegraphiren die verticale, horizontale u. die beiden unter 45° gegen den Horizont geneigten schrägen benutzt; daraus ergeben sich also für den Regulator vier Stellungen: horizontal, vertical, rechts schräg, links schräg; jeder Flügel dagegen kann, da zur Verhütung von Verwechselungen von den beiden Stellungen, wo der Flügel dieselbe Richtung wie der Regulator hat, nur die eine beim Telegraphiren verwendet wird, noch sieben verschiedene Stellungen gegen den Regulator einnehmen. Denkt man sich also den Regulator u. den ersten Flügel in einer bestimmten Stellung, so kann der zweite Flügel sieben verschiedene Stellungen einnehmen, es sind also bei jeder Stellung des Regulators 7 × 7 verschiedene Flügelstellungen möglich, u. es stehen dem Telegraphisten demnach im Ganzen 4 × 7 × 7 = 196 verschiedene Zeichen zu Gebote. Dieser Zeichen bediente sich indessen Chappe nicht ohne weiteres, sondern, um der nächsten Station zugleich Gewißheit über die Correctheit der gezogenen Signale zu verschaffen, setzte er fest, daß jedes Zeichen nur bei einer schrägen Lage des Regulators formirt werden u. nicht eher Gültigkeit haben sollte, als bis der Regulator mit Beibehaltung des Zeichens in die verticale od. horizontale Lage zurückgebracht worden wäre; auf diese Weise lassen sich ebenfalls 196 verschiedene Signale aufstellen u. von diesen waren 98 für die eigentliche telegraphische Correspondenz, die anderen 98 dagegen lediglich zu, auf den Dienst bezüglichen Notizen bestimmt. Die Arbeiten, welche die auf einer Station befindlichen beiden Telegraphisten bei jedem Zeichen der Reihe nach vornehmen mußten, waren: Beobachtung des auf der vorhergehenden Nachbarstation in der schrägen Stellung formirten Zeichens, Nachmachen desselben mit dem eigenen T., Beobachtung, ob es in die horizontale od. verticale Stellung umgesetzt wurde, gleiches Umsetzen des eigenen Zeichens. Niederschreiben des Zeichens, Nachsehen, ob die nächstfolgende Station das Zeichen richtig nachgemacht hat. Für jedes Zeichen erfordern diese sechs Arbeiten etwa 20 Secunden. Die einzelnen telegraphirten Zeichen bedeuten nicht immer blos einzelne Buchstaben, sondern zum Theil ganze Begriffe, z.B. gibt es ein Zeichen für den König, für Unruhen, für Sieg, für todt etc. Später zog man vor, den Regulator in seiner horizontalen Stellung fest zu legen u. durch einen höher gestellten Flügel (das Mobile) die Stellung anzudeuten, in welche er eigentlich zu bringen wäre; man erlangte so eine einfachere Bewegung der Flügel u. vermied Störungen, welche früher oft dadurch herbeigeführt wurden, daß ein od. der andere Flügel sich bei der Bewegung des Regulators mitdrehte. b) Die englischen T-en, nach dem System des Lord Murray, bestehen aus einem auf dem Stationsgebäude aufgerichteten viereckigen Rahmen, in welchem drei Paar achteckige Tafeln übereinander um Achsen derart drehbar angebracht sind, daß sie dem Beobachter bald die schmale, bald die volle breite Fläche zuwenden. Jede Tafel hat zwei Stellungen, daher sind im Ganzen 2× 2 × 2 × 2 × 2 × 2 = 64 Zeichen möglich. Die Bewegung der Tafeln od. Klappen erfolgt ebenfalls vom Beobachtungszimmer aus durch, um ihre Achsen gelegte Schnuren ohne Ende. c) Die schwedischen T-en glichen den englischen, nur hatten sie nicht sechs, sondern zehn solcher Tafeln, gestatteten daher 1024 verschiedene Zeichen. d) Die holländischen T-en bestehen aus einem Maste mit drei Querstangen; an der oberen sind zwei, an der mittleren vier, an der unteren sechs Teller so befestigt, daß sich jeder auf die Seite klappen u. dadurch in der Ferne unsichtbar machen läßt, aber auch wieder herabgeklappt werden kann u. sich dann in seinem ganzen Durchmesser zeigt. Dieser T. ermöglicht 4096 verschiedene Zeichen. Ähnlich waren die dänischen T-en. e) Die preußischen T-en bestehen aus einem 20 Fuß hohen Maste, an welchem an drei über einander liegenden Rollen drei Paar 4 Fuß lange u. 11/4 Fuß breite Flügel (Indicatoren) angebracht sind, welche sich durch Rollen u. darüber gelegte Schnuren vom Beobachtungsraum aus, der eine links, der andere rechts hervortretend, in verschiedene Lagen gegen den Mast bringen lassen; man wählt für die Zwecke des Telegraphirens, ähnlich wie bei den gewöhnlichen Eisenbahntelegraphen, die vier Lagen der Flügel, in denen sie mit dem unteren Mastende einen Winkel von 0, 45, 90, 135° einschließen; daher sind im Ganzen 4 × 4 × 4 × 4 × 4 × 4 = 4096 verschiedene Zeichen möglich. Zwischen Köln u. Berlin befanden sich 50 Stationen in Entfernungen von je etwa 2 Meilen; f) Die Eisenbahntelegraphen sind meist Masten mit zwei Flügeln. Besondere Schwierigkeit macht das Telegraphiren bei Nacht, wenn man sich nicht auf wenige u. ganz einfache Signale beschränkt; am zuverlässigsten arbeitet der Treutlersche Tag- u. Nachttelegraph (s. unten g); vgl. Eisenbahn S. 574. g) Tag- u. Nachttelegraphen. Die Geschwindheit, mit welcher die Signale bei den optischen T-en fortgegeben werden, hängt bei der großen Geschwindigkeit des Lichtes (42,000 Meilen in 1 Secunde) wesentlich ab von der Zeit, welche zur Einstellung der Signale erforderlich ist, u. daher wird die Fortpflanzungsgeschwindigkeit um so geringer, je mehr Stationen vorhanden sind, also je länger die Linie ist u. je näher die Stationen wegen besonderer örtlicher Verhältnisse an einander liegen müssen. Mit einem guten Fernrohre kann man die Signale 6–8 Stunden weit deutlich sehen, doch ist die mittlere Entfernung der Stationen nicht über 2 Meilen anzunehmen. Rücksichtlich der Leistungsfähigkeit u. Geschwindigkeit der vorstehend beschriebenen T-en blieb nun zwar nicht viel zu wünschen u. zu verbessern übrig, dagegen waren sie sämmtlich mit dem großen Mangel behaftet, daß bei dichtem Nebel, heftigem Regen u. Schneefall u. bes. bei Nacht nicht telegraphirt werden konnte. Diesen Mangel zu beseitigen bemühten sich schon die Gebrüder Chappe, doch mit nicht besserem Erfolge als Andere nach ihnen. Unter denen, welche die Signale auf größere Fernen u. auch bei Nacht sichtbar zu machen bemüht waren,[325] sind zu nennen: vier große, in einer horizontalen Reihe aufgestellte Hohlspiegel sollten das Licht von Gaslampen nach der nächsten Station werfen u. die Signale durch abwechselndes Heben der Lampen u. Spiegel gegeben werden. Gauß schlug die Anwendung des Heliotrops für telegraphische Zwecke vor, da dessen Spiegel dem freien Auge in einer Entfernung von 5–6 Meilen sichtbar sind; Steinheil vereinfachte den Apparat u. suchte bei Nacht das Sonnenlicht durch das Drummondsche Kalklicht zu ersetzen. Der Tag- u. Nachttelegraph von Villalongue war ein Chappescher T. mit festem Regulator u. Mobile, doch waren die drei Flügel durch drei kreisrunde schwarze Scheiben von 2 bis 3 Meter Durchmesser ersetzt, auf denen ein weißer Halbmesser von 0,2 Meter Breite gezogen war; die Scheiben selbst waren in entsprechenden Öffnungen des Stationsgebäudes angebracht u. bei Nacht wurde der Raum hinter ihnen hell erleuchtet u. anstatt des weißen Halbmessers ein ähnlicher Schlitz in den Scheiben zum Zeichengeben benutzt; den Regulator bildete ein weißer, bei Nacht ebenfalls hell erleuchteter horizontaler Streifen zwischen den beiden unteren Scheiben. Der T. von Gonon enthielt vier Pfeile auf zwei verschiedenen hohen Säulen u. sechs Fensterchen in dem Zwischenraum zwischen den Pfeilern; aus den überhaupt möglichen Zeichen wählte Gonon 40,960 aus u. suchte außerdem die Leistungsfähigkeit seines T-en bes. durch die Aufstellung eines höchst vollkommenen, die Signale entziffernden telegraphischen Wörterbuches zu erhöhen. G. A. Treutler in Berlin construirte (1843) einen Tag- u. Nachttelegraphen für Eisenbahnzwecke u. suchte die bei demselben angewendete Beleuchtungsweise auch auf den Staatstelegraphen anzuwenden. Dieser T. war ein Mast mit zwei Flügeln, die Flügel waren aber aus vielen kleinen Spiegelstücken hergestellt, u. diese Spiegel hatten eine solche abwechselnde Lage im Flügel, daß sie das Licht von zwei vor u. hinter dem Mast aufgestellten Laternen in jeder Flügelstellung nach beiden Seiten hin bis zu dem nächsten T. reflectirten, wodurch es möglich wurde bei Nacht genau dieselben Signale durch die Flügelstellungen zu geben, wie bei Tage; die Laternen hatten vorn ein rothes Glas u. markirten so zugleich der nächsten Station den Punkt, um welchen sich die Flügel drehten. Außer diesen wurden noch einige andere Vorschläge gemacht: Bürjas in Berlin wollte 1794 mit sehr großen gewöhnlichen Buchstaben in Röhren telegraphiren u. dabei die Buchstaben durch ein dahinter angemachtes Feuer beleuchten; ähnlich Moulines; Achard in Berlin wählte 1794 ein System aus Zirkel, Lineal u. Dreieck; 1795 empfahl Professor Fischer ein System aus zehn Laternen; 1826 Robinson Crusoe in Portsmouth sechs Lampen auf einem dreieckigen eisernen Gestell, wobei die Lampen. mit Gas erleuchtet u. dadurch telegraphirt werden sollte, daß das Gas bald zugelassen u. entzündet, bald abgeschlossen wurde; Ferrier wählte 1833 zwei Arme an zwei verticalen Stangen mit je zwei Laternen, von denen die eine um die andere bewegt werden konnte, während zwischen den beiden Stangen noch eine fünfte Laterne befestigt war; Coad versuchte 1835 in Liverpool mit Sauerstoff-Wasserstoff-Gas bei Nacht zu telegraphiren. Auch Luftballons versuchte man sich zu bedienen; so wollte der Ärostal Condé zu Meudon in die Luft steigen u. mit acht über einander hängenden Cylindern von Wachstaffet, welche 265 Veränderungen fähig waren, signalisiren; einen anderen Luftballon ließ er steigen u. an die Erde mit Stricken befestigen, so daß die Signale von der Erde aus dirigirt wurden. Obgleich die optischen T-en rücksichtlich des Aufwandes u. der Geschwindigkeit, selbst bei Benutzung guter Fernröhre, den elektrischen T-en nachstehen u. aus diesem Grunde u. weil sie bei Nacht u. Nebel kaum dienstfähig sind, von letzteren verdrängt worden sind, so haben sie doch z.B. für militärische Zwecke für gewisse Fälle den sehr gewichtigen Vorzug, daß die Verbindung zwischen zwei Stationen nicht unterbrochen werden kann; sie sind daher nicht nur bei Eisenbahnen beibehalten worden, sondern noch in der neuesten Zeit waren Verona u. Mantua durch einen solchen T. mit einander verbunden. Auch wurden in neuerer Zeit in Frankreich Versuche angestellt, ob sich mit Spiegeln eine optische Telegraphie für Kriegszwecke herstellen lasse.

V. Die elektrischen T-en bringen die telegraphischen Zeichen mittelst Elektricität hervor. Durch die Entdeckung des elektromagnetischen T-en ist der optische T. fast ganz außer Gebrauch gekommen, denn jener hat vor diesem nicht nur den Vorzug der bei weitem größeren Schnelligkeit, sondern auch den der ungehinderten Anwendbarkeit, da seine Wirksamkeit von der Tageszeit, von den Witterungs- u. atmosphärischen Verhältnissen, mit Ausnahme der Gewitter, sehr wenig abhängig ist; ferner den der Sicherheit, da bei aufmerksamer Bedienung Mißverständnisse nach den neuesten Vervollkommnungen kaum vorkommen können; dann auch den der Wohlfeilheit, weil keine unnöthigen Zwischenstationen, in den Stationen selbst aber ein minder zahlreiches Bedienungspersonal nöthig ist; endlich auch den der allgemeinen Nutzbarkeit. da eben bei der Schnelligkeit u. Sicherheit des Expedirens die T-n nicht mehr blos für Staatszwecke, sondern auch für die verschiedensten Zwecke des geselligen u. wirthschaftlichen Lebens angewendet werden können.

A) Die Entwickelung der elektrischen Telegraphie hielt Schritt mit den Entdeckungen im Gebiete der Elektricität, des Galvanismus, der Elektrodynamik u. des Elektromagnetismus (s.d. a.), eigentlich lebensfähig aber wurden die elektrischen T-en, als man die magnetischen u. chemischen Eigenschaften des elektrischen Stromes (s. Galvanismus S. 896) kennen gelernt hatte. a) Die ersten Versuche wurden mit der Reibungselektricität angestellt u. folgten auf die 1746 von Winkler in Leipzig, 1747 von Watson in London (welcher auch einmal die Erde mit in die Leitung einschaltete) u. Le Monnier in Paris angestellten Versuche über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Elektricität, wobei man fand, daß die Elektricität selbst 1/2 Meile lange Drähte augenblicklich durchlief. Der älteste Vorschlag ist in einem mit E. M. unterzeichneten, vom 1. Febr. 1753 datirten Briefe aus Renfrew enthalten, welcher 1854 aufgefunden wurde u. desser Verfasser ein System von so viel Drähten, als Buchstaben sind, an Träger mit Glas od. Harzkitt isolirend befestigen, an ihrem Ende mit Kugeln versehen u. abwechselnd durch eine Elektrisirmaschine elektrisiren wollte, so daß nun die Kugel ein kleines, unter ihr liegendes, mit einem Buchstaben beschriebenes Papierstück an sich heranziehen sollte; anstatt der Buchstaben sollte man auch eben so viele Glocken von verschiedener Größe nehmen u. auf diesen den elektrischen Funken überspringen lassen[326] können. Ähnlich war der Vorschlag von Lesage in Genf 1774: für die 24 Buchstaben sollten 24 Drähte angewendet werden u. auf der Empfangsstation von jedem einem Paar Hollunderkügelchen an Fäden herabhängen, welche sich auseinander bewegen mußten, sobald ihr Draht durch eine Elektrisirmaschine elektrisirt wurde. Der Franzose Lemond wollte 1787 nur einen Draht ausspannen u. die Buchstaben durch Combinationen der Bewegungen der Hollundermarkkügelchen bezeichnen. In demselben Jahre (nach And. 1798) experimentirte Bétancourt mit einer Leydener Batterie auf einer zwischen Madrid u. Aranjuez gespannten Leitung. Reißer wollte 1794 die Buchstaben auf, mit Stanniolstreifen belegten Glastafeln (Blitztafeln) aussparen u. durch den elektrischen Funken illuminirt erscheinen lassen, wozu er 26 Drähte brauchte; Böckmann dagegen schlug um dieselbe Zeit vor, blos zwei Drähte zu spannen u. die überspringenden Funken zu Buchstaben zu gruppiren. Ähnlich waren die Vorschläge von Cavallo 1795 u. von Salva in Madrid 1796. Der Engländer Ronalds 1816 stellte auf jeder der beiden Stationen ein Uhrwerk auf, ließ durch jedes in vollkommener Übereinstimmung eine mit Buchstaben beschriebene Scheibe in Umdrehung versetzen u. gab durch ein elektrisches Signal den Moment an, in welchem der zu telegraphirende Buchstabe auf beiden Stationen vor einem kleinen Fensterchen in einem Schirme vor jeder Scheibe erschienen war. Alle Versuche die Reibungselektricität zum Telegraphiren zu benutzen scheiterten aber an dem Umstande, daß diese Elektricität so schwer zu isoliren ist u. außerdem die Wirkung der Elektrisirmaschine so sehr von der Feuchtigkeit der Luft etc. abhängt. B) Nicht viel günstigeren Erfolg hatten die Versuche mit der galvanischen Elektricität, so lange man die elektromagnetischen Wirkungen des Stromes noch nicht kannte. Samuel Thomas v. Sömmering in München construirte 1808 einen T. mit 35 Drähten, nämlich 24 für die Buchstaben, 10 für die Ziffern u. einen für die Rückleitung des Stromes, leitete die ersteren 34 durch 34 mit Wasser gefüllte u. mit den Buchstaben u. Ziffern bezeichnete Gläschen u. zersetzte in demjenigen Gläschen das Wasser durch einen galvanischen Strom (vgl. Galvanismus S. 896), dessen Buchstabe eben telegraphirt werden sollte. Sömmering versah seinen T. auch mit einem eigenthümlichen Wecker, er ließ die entwickelten Gasblasen auf einen Hebel wirken, welcher dadurch eine Kugel herabfallen ließ u. durch diese ein Läutewerk ausrückte. Dieser T. kam in München, Paris, Petersburg, Genf auf kurzen Strecken zur Ausführung. Schweigger benutzte nur zwei Drähte u. zwei Gläser, in denen er abwechselnd das Wasser zersetzte u. diese abwechselnden Zersetzungen zur Bezeichnung der Buchstaben combinirte. Einen ähnlichen Vorschlag wie Sömmering machte 1810 Coxe in Philadelphia. Vorsselmann de Heer, ein niederländischer Physiker, wollte 1830 die physiologische Wirkung des Stromes zum Telegraphiren benutzen; bei seinem physiologischen T-en waren zehn Metalltasten der einen Station durch zehn Drähte mit zehn Metalltasten der anderen Station verbunden; führte nun der Zeichengeber die Poldrähte einer galvanischen Batterie zu irgend zwei Tasten, während der Zeichenempfänger seine zehn Finger auf die Tasten legte, so wurde der Strom durch beliebige zwei Finger geleitet, wodurch die Möglichkeit von 45 beliebigen Zeichen gegeben war. Vgl. die chemischen T-en unten B) b). c) Von besserem Erfolg waren u. zu einer Lösung der Aufgabe führten endlich die Versuche den Elektromagnetismus zum Telegraphiren zu benutzen. Als Örsted in Kopenhagen zu Ende 1819 die Ablenkung der Magnetnadel durch den elektrischen Strom u. Schweigger 1820 den Multiplicator erfunden hatten, machte Ampère 1820 den Vorschlag 60 Drähte auszuspannen u. jedes Paar derselben um eine von 30 Magnetnadeln herumzuführen, diese mit Buchstaben zu bezeichnen, durch galvanische Ströme abzulenken u. so zu telegraphiren: Ritchie führte später danach ein Modell aus. Unabhängig hiervon schlug Techner in Leipzig 1829 die Anwendung von 24 Nadeln mit 48 Drähten vor. Davy in London u. 1837 Alexander in Edinburg vereinfachten dies Verfahren wenigstens insofern. als sie sämmtlichen 24 Multiplicatoren einen gemeinsamen Rückleitungsdraht gaben u. somit die Zahl der 48 Leitungsdrähte auf 25 reducirten. Jedoch auch diese Zahl war noch zu bedeutend, um eine Ausführung im Großen zu gestatten. Triboaillei schlug 1828 vor einen einzigen erst mit Schellack, darüber mit Seide u. dann mit Harz isolirten Draht in die Erde zu legen u. die Ablenkungen der Nadel zu einem Alphabet zu combiniren. 1832 construirte der russische Staatsrath Schilling von Canstadt einen T. mit fünf Nadeln (später 1837 mit blos einer Nadel u. zwei Drähten) u. combinirte die Ablenkungen nach links u. nach rechts zur Bezeichnung der einzelnen Buchstaben. Den ersten Versuch im Großen u. zwar mit zwei kupfernen Leitungsdrähten brachten 1833 Gauß u. Wilhelm Weber zu Stande, indem sie die Sternwarte u. das 3000 Fuß davon entfernte Physikalische Cabinet u. 1834 die Sternwarte u. das Magnetische Observatorium in Göttingen durch, über die Häuser u. Thürme der Stadt geführten Drähte in Verbindung setzten. Sie bedienten sich nur eines Multiplicators, dessen Nadel Anfangs durch einen galvanischen Strom, später (1835) durch einen Magneto-Inductionsstrom bald nach rechts, bald nach links abgelenkt wurde; durch eine Combination dieser zwei Elementarzeichen konnten sie unter Anwendung von höchstens vier zusammengesetzten Stößen alle möglichen Buchstaben u. Zahlen andeuten. Von Gauß u. Weber dazu aufgefordert, verfolgte Professor Steinheil in München den Gegenstand weiter u. vollendete 1837 die Leitung von der königlichen Akademie in München nach der 3/4 Meile entfernten Sternwarte Bogenhausen; 1838 machte Steinheil auf der Nürnberg-Fürther Eisenbahn den Versuch die Schienen als Telegraphenleitung zu benutzen u. entdeckte dabei, daß man die Erde als Rückleiter der Elektricität benutzen kann, wenn man das zweite Ende des Multiplicators an der empfangenden Station, sowie den einen Poldraht an der mittheilenden mit einer in die Erde versenkten Metallplatte (Erdplatte) verbindet. Als die Leitung von München nach Bogenhausen bereits fertig u. in so einfacher Weise betriebsfähig war, nahmen in England Wheatstone u. Cooke (s. unten B) a) bb) am 12. Juni 1837 ein Patent auf einen Nadeltelegraphen, wobei sie noch fünf Leitungen brauchten; sie machten die Erfindung zuerst durch den Betrieb auf größeren Strecken, bes. für die Eisenbahnzwecke nutzbar. Im September[327] 1837 beschrieb auch S. F. B. Morse (s.d.) zuerst seinen T., zu welchem er 1832 auf der Reise von Europa nach Amerika die erste Idee gefaßt zu haben behauptet, während andererseits von einem auf demselben Schiffe mitreisenden Engländer Jackson Anspruch auf diese Idee erhoben wurde. So große Verdienste auch Wheatstone u. Morse sich um die Telegraphie erworben haben, so haben doch Gauß u. Weber den rechten Weg angebahnt u. Steinheil denselben weiter geebnet; allein erst nachdem England, wo 1845 die Länge der Leitungen von 14 auf 108 deutsche Meilen stieg, u. auch Amerika, wo 1843 der Congreß 30,000 Doll. zu T-en bewilligte, Morse 1844 die erste 18 Meilen lange Leitung von Washington nach Baltimore baute, 1845 schon 194 Meilen von New York nach Boston u. über Albany bis Buffalo u. 1852 schon 260 Meilen gezogen waren, lange Telegraphenlinien hatten, wurde die deutsche Erfindung auch für Deutschland fruchtbringend, u. zwar ließ 1843 die Direction der Rheinischen Eisenbahn bei Aachen für eine Art Zeigertelegraphen mit sechs Buchstaben auf dem Zifferblatte eine kurze Leitung mit immer noch vier Drähten durch einen Engländer ausführen, worauf 1844 eine zweite Leitung von Fardely aus Manheim oberirdisch längs der Taunuseisenbahn angelegt wurde (vgl. B) c), u. zwar mit nur einem Draht u. mit einem Bauaufwande von 600 Fl. für eine deutsche Meile. Im Jahre 1845 erhielt Frankreich seine erste, 140,000 Frcs. kostende Telegraphenlinie von Paris nach Rouen. Rußland erhielt Anfang 1844 die erste Linie von Petersburg nach Zarskoe-Selo. In Preußen wurde die erste Linie 1846 von Berlin nach Potsdam angelegt, u. in demselben Jahre baute der Conservator u. Akademiker Steinheil unter Mitwirkung des Professors Steinheil die Linie an der Eisenbahn von Münden nach Nanhofen. In Belgien hatten Wheatstone u. Cooke im August 1846 die erste Linie zwischen Antwerpen u. Brüssel eröffnet. Holland erhielt 1847, die Schweiz 1852, Norwegen 1855 die erste Linie. Schon 1847 wurde die belgische Thronrede von 842 Worten mit 4661 Buchstaben in 47 Minuten von Brüssel nach Antwerpen, die englische binnen 2 Stunden nach 60 Stationen Englands u. Schottlands verbreitet, 55 Buchstaben in einer Minute.

B) Die in Gebrauch gekommenen Telegraphenapparate sind sowohl rücksichtlich ihrer Einrichtung u. der Mittel, wodurch die telegraphischen Zeichen hervorgebracht werden, als auch rücksichtlich der Beschaffenheit dieser Zeichen wesentlich von einander unterschieden. Bei den elektrochemischen T-en bedient man sich der chemischen Eigenschaften des elektrischett Stroms zum Zeichengeben, bei den elektromagnetischen T-en hingegen der magnetischen Eigenschaften desselben, u. zwar theils der Ablenkung der Magnetnadel, wie bei den Nadeltelegraphen theils der anziehenden u. abstoßenden Kraft von Elektromagneten, wie bei den Zeiger-, Druck- u. Typendruck-T-en. Die auf den T-en gegebenen Zeichen sind theils blos hörbare, wie gewöhnlich bei den Eisenbahnläutewerken; theils blos sichtbare, wie bei den Zeigertelegraphen, den chemischen T-en u. bisweilen bei den Nadeltelegraphen; theils endlich zugleich sichtbare u. hörbare, wie bei den Drucktelegraphen u. einigen Nadeltelegraphen. Die sichtbaren Zeichen aber sind wiederum entweder blos augenblickliche, nach ihrem Erscheinen sofort verschwindende, od. bleibende, auf eineut Papierstreifen fixirte. Diejenigen T-en, welche bleibende Zeichen geben, nennt man im allgemeinen Druck- od. Schreibtelegraphen; der erste derselben wurde bereits 1837 von Steinheil erfunden u. war ein Nadeltelegraph. Die telegraphischen Zeichen sind endlich entweder für Jedermann lesbar, wie bei den Zeiger- u. den Typendrucktelegraphen; od. nur den Eingeweihten, insofern der T. nur einige sogenannte Elementarzeichen gibt u. aus diesen durch eine passende Gruppiruuli ein entsprechendes Alphabet u. die sonst nöthigen Zeichen zusammengesetzt werden, man also in einer Art Chifferschrift telegraphirt. Zum Telegraphiren bedarf man stets zwei von einander wesentlich verschiedene Telegraphenapparate, den einen, den Zeichengeber, zum Absenden der Zeichen auf der Station, von welcher die telegraphische Nachricht ausgeht, u. einen andern, den Zeichenempfänger, zum Hervorbringen der Zeichen auf der Station, an welche die telegraphische Nachricht gerichtet ist. Gewöhnlich ist auf jeder Station ein Zeichengeber u. ein Zeichenempfänger vorhanden u. alle vier Apparate sind in eine u. dieselbe Drahtleitung eingeschaltet. Außer diesen beiden Telegraphenapparaten im engern Sinne sind auf allen Stationen noch eine Anzahl anderer übereinstimmender Apparate nöthig (s. unten C.). Der Zeichengeber u. der Zeichenempfänger sind einerseits durch die Telegraphenleitung (s. unten E) mit einander leitend verbunden, u. andererseits ist die Leitung durch die Zeichengeber u. Zeichenempfänger hindurch auf beiden Stationen (der gebenden u. empfangenden) durch die Erdleitung mit der Erde in leitende Verbindung gesetzt, so daß auf diese Weise ein geschlossener Kreislauf für den elektrischen Strom hergestellt ist, indem die Telegraphenleitung die eine u. die Erde die andere Hälfte dieses Kreislaufs bildet. Den zum Hervorbringen der Zeichen nöthigen elektrischen Strom liefert in den meisten Fällen eine constante galvanische Batterie (s. Galvanismus S. 892), bisweilen verwendet man auch Inductionsströme. Von den Batterien sind namentlich die von Daniell (diese namentlich in neuester Zeit in einer sehr zweckmäßigen Abänderung von Meidinger), von Grove, von Bunsen u. von Smee in Anwendung gekommen. Das Telegraphiren selbst erfolgt aber in zwei verschiedenen Weisen: beim Telegraphiren mit Arbeitsstrom ist die Leitung für gewöhnlich von keinem Strome durchflossen, u. es wird jedesmal in dem Moment ein Strom durch die Leitung gesendet, in welchem man ein Zeichen geben will, welches eben durch den Strom hervorgebracht wird; beim Telegraphiren mit Ruhestrom dagegen ist die Leitung für gewöhnlich von einem Strome durchflossen, u. man bringt die telegraphischen Zeichen dadurch hervor, daß man den Strom unterbricht.

a) Die Nadeltelegraphen sind die ältesten elektromagnetischen T-en (vgl. oben A) c) u. geben die telegraphischen Zeichen durch eine od. mehre Magnetnadeln, welche durch einen in einer Multiplicatorspüle parallel zur Nadel um sie herumgeführten positiven Strom aus ihrer Ruhelage nach der einen Seite, durch einen negativen Strom nach der andern Seite hin abgelenkt wird.

aa) Der Nadeltelegraph von Steinheil in München (1837) war zur Erregung des Stroms mit einer magnetoelektrischen Inductionsmaschine nach Clarkescher Einrichtung versehen; durch diese [328] Maschine konnte der Telegraphist zu jeder Zeit bequem nach Bedarf einen positiven od. negativen Strom in die Leitung senden. Der Zeichenempfänger enthielt in einer Multiplicationsspule zwei um verticale Achsen leicht drehbare Magnetstäbchen, welche an den beiden sich zugewandten Enden von entgegengesetzter Polarität jeder mit einem messingenen Fortsatz versehen waren, mit diesem aus der Spule herausragten u. hier ein kleines mit schwarzer Flüssigkeit gefülltes Gefäß trugen; durch einen positiven Strom wurde der eine, durch einen negativen der andere Magnetstab so abgelenkt, daß das Gefäß mit einer hohlen Spitze an seinem Ende gegen einen durch ein Uhrwerk in stetiger Bewegung an den Spitzen vorbei geführten Papierstreifen anschlug u. auf diesem einen schwarzen Punkt machte. Das Zurückgehen der Stäbchen in ihre Ruhelage wurde durch zwei andere feststehende Magnete (Richtmagnete) bewirkt, während ein paar Vorsprünge es dem Stäbchen unmöglich machten, sich in entgegengesetzter Richtung über ihre Ruhelage hinaus zu bewegen; sollte der T. hörbare Zeichen geben, so wurden an Stelle der Schreibgefäße zwei kleine Hämmerchen an den beiden Magnetstäben angebracht u. schlugen an zwei verschieden gestimmte Glöckchen an. Die telegraphischen Elementarzeichen waren also Punkte in zwei verschiedenen Zeilen; diese combinirte Steinheil in Gruppen zu 1–4 Zeichen u. erhielt so folgende 30 Zeichen für die Buchstaben u. Ziffern:

Telegraph

Beim Relegraphiren mußte man zwischen je zwei Buchstaben eine kleine Pause, zwischen je zwei Wörtern eine etwas größere Pause machen.

bb) Die Nadeltelegraphen von Wheatstone u. Cooke in London. Im März 1836 machte William Fothergill Cooke in Heidelberg den Plan zu einem T-en, welcher sechs Drähte bedurfte u. mit drei Nadeln ein Alphabet von 26 Zeichen geben sollte. Kurze Zeit darauf machte er sich darüber, eine Art Zeigertelegraphen für Eisenbahnzwecke zu construiren, wobei er anfänglich die mechanische Einrichtung der Spieldosen nachzuahmen suchte, bald jedoch (Juli 1836) ein durch zwei Elektromagnete abwechselnd hin u. her bewegtes Pendel mit Echappement anwandte. 1837 machte Cooke mit Charles Wheatstone, Professor am King's College, vereinigt wesentliche Verbesserungen u. nahmen darauf am 12. Juni 1837 ein Patent darauf. aaa) Der so erfundene T. mit fünf Nadeln u. fünf Leitungen kam 1840 auf der Great-Western Bahn zur Ausführung, doch wegen seiner ungeheuern Kosten (250–300 Pfd. Sterl. für eine engl. Ml.) nur in einer Länge von 8 Mln. Die fünf Nadeln waren auf einem rautenförmigen Rahmen angebracht u. von ihnen wurden beim Zeichengeben stets zwei, u. zwar nach verschiedenen Seiten abgelenkt; da wo sich die Richtungslinien der beiden Nadeln schnitten, war am Rahmen der durch das Zeichen gemeinte Buchstabe angeschrieben; der Zeichengeber war eine Claviatur mit fünf Tasten, von denen bei jedem Zeichen zwei niedergedrückt wurden u. nun den Strom in der einen der beiden zu diesen beiden Tasten gehörigen Leitungen hin u. in der andern her gehen ließen. Man konnte so 20 Zeichen geben. bbb) Der einfache Nadeltelegraph bedarf nur einer Drahtleitung, wenn der Strom durch die Erde zurückgeleitet wird; in ihm ist nur eine Nadel, u. zwar eine astatische, um sie dem Einfluß des Erdmagnetismus zu entziehen, vorhanden u. wird abwechselnd durch positive od. negative Ströme nach rechts od. links abgelenkt. Mittelst eines Schlüssels od. Commutators kann man nach Belieben positive od. negative Ströme in die Leitung senden, wenn man den aus dem Gehäuse, in welchem sich der Multiplicator mit der Nadel befindet, vorstehenden Griff des Schlüssels rechts od. links umdreht; an der Achse des Griffs sitzt eine Holzscheibe mit sieben eingelegten Metallstücken, von denen das erste mit dem vierten, das zweite mit dem fünften u. siebenten, das dritte mit dem sechsten metallisch, also den Strom leitend, verbunden ist; auf dem Rande der Scheibe schleifen vier Metallfedern auf, von denen die erste mit der Erde, die zweite u. dritte mit den beiden Batteriepolen u. die vierte durch den Multiplicator mit der Telegraphenleitung in Verbindung steht. So lange nicht telegraphirt wird, steht der Griff vertical, die zweite u. dritte Feder schleifen auf Holz, die Batterie ist also nicht geschlossen u. es geht kein Strom in die Leitung; dagegen stehen die zum Multiplicator u. die zur Erde führende Contactfeder mit dem siebenten u. dem zweiten Metallstück u. durch diese unter sich in Verbindung, damit ein von einer anderen Station kommender Strom hierdurch seinen Weg nehmen u. Signale zu Stande bringen kann. Dreht man den Griff nach rechts, so kommt der positive Batteriepol durch seine Feder u. das sechste Metallstück mit der vierten Feder u. dem Multiplicator u. der negative Pol durch das sechste u. dritte Metallstück u. die erste Feder mit der Erde in Verbindung. Da nun der Multiplicator durch den nach der Empfangsstation führenden Leitungsdraht mit dem in der Empfangsstation befindlichen Multiplicator u. dem dortigen in der Ruhestellung stehenden Schlüssel u. endlich mit der Erde in Verbindung steht, so ist die Batterie geschlossen, u. der Strom lenkt die Nadel auf der gebenden u. empfangenden Station gleichzeitig nach rechts ab. Dreht man den Griff nach links, so kommt der positive Pol durch seine jetzt auf dem vierten Metallstück schleifende Feder mit der auf dem ersten Metallstück schleifenden ersten Feder u. der Erde, der negative Pol dagegen durch die jetzt auf dem fünften u. siebenten Metallstück liegenden Federn mit dem Multiplicator in Verbindung, u. die Batterie ist jetzt so geschlossen, daß der Strom nach entgegengesetzter Richtung die Multiplicatoren durchfließt, mithin einen Ausschlag nach links bewirkt. Später erhielt der Schlüssel eine etwas andere Einrichtung. Die Buchstaben werden durch Gruppen von ein bis vier Nadelablenkungen bezeichnet, weshalb das Telegraphiren mit diesem Apparat etwas zeitraubend ist. ccc) Der Doppelnadeltelegraph hat in einem Gehäuse zwei astatische Nadeln mit zugehörigen Multiplicatoren u. Schlüsseln, mithin auch doppelte Drahtleitung, u. gestattet wegen der Vermehrung der gegebenen Elementarzeichen eine Vereinfachung aller daraus combinirten Signale u. Steigerung der Geschwindigkeit, ist aber der doppelten Leitung wegen kostspieliger. Dessen ungeachtet ist dieser T. in England, wo[329] Wheatstone's Patent fast jedes andere Telegraphensystem ausschloß, fast allein auf den Staats- u. Eisenbahnlinien in Anwendung gewesen; er gibt etwa 17 Worte in einer Minute. Auf den Linien der Magnetic Company in Großbritannien ist ein Doppelnadeltelegraph in Gebrauch, welcher mit Magneto-Inductionsströmen arbeitet; die ursprünglichen derartigen, 1848 von Henley u. Forster construirten Apparate wurden von den Gebrüdern Bright wesentlich verbessert. cc) Der Nadeltelegraph von Bain in Edinburg unterscheidet sich von dem vorhergehenden bes. dadurch, daß die Windungen des Multiplicators nicht parallel einer Magnetnadel, sondern senkrecht zu den zu bewegenden Magneten laufen. Die letzteren haben zu dem Ende die Gestalt zweier halbkreisförmiger Stahlmagnete, welche sich ihre gleichnamigen Pole innerhalb auf Holzspulen gewundener Multiplicatorrollen zuwenden u. durch eine, um eine verticale Achse drehbare Messingstange zu einem ganzen Kreise verbunden sind. Wird durch die Drahtrollen ein Strom nach der einen od. anderen Richtung geleitet, so dreht sich in Folge dessen der Kreismagnet nach der einen od. anderen Richtung, u. ein mit ihm verbundener Zeiger weist nach rechts od. links Auch der Commutator ist bei diesem T. anders, als bei dem Nadeltelegraphen von Wheatstone; es liegen nämlich die Metallstückchen in zwei concentrischen Kreisen u. auf ihnen schleift ein um den Mittelpunkt dieser Kreise drehbarer Hebel mit zwei Federn. Dieser Nadeltelegraph ist auf mehren Bahnen Englands in Gebrauch. Der Mechanikus Ekling in Wien fügte zu diesem T. zwei Glöckchen von verschiedener Stimmung, an welche der Zeiger anschlägt, verbesserte außerdem den Commutator, dem er zwei horizontale Tasten gab, welche abwechselnd niederzudrücken sind, wenn man positive od. negative Ströme in die Leitung senden will, u. änderte endlich auch die Elementarzeichen, indem er die Ablenkungen nach links u. rechts noch in kurze u. lange unterschied u. so alle Buchstaben u. Ziffern durch je zwei Bewegungen telegraphiren konnte, während Bain deren bis zu vier brauchte. In dieser Gestalt war der T. etwa bis 1857 auf den österreichischen Staatsbahnen in Gebrauch.

b) Die Zeigertelegraphen (Buchstabentelegraphen, rotirenden T.) wurden eine Zeit hindurch in Deutschland u. Frankreich als Eisenbahntelegraphen gebraucht u. sind zum Theil erst in der allerneusten Zeit von dem Morseschen T. verdrängt worden. Das charakteristische Merkmal dieser T-en ist, daß die Buchstaben, Ziffern u. sonstigen Zeichen auf einer Scheibe im Kreise herum verzeichnet sind u. durch die Wirkung des elektrischen Stroms ein im Mittelpunkte der Scheibe angebrachter Zeiger schrittweise auf der Scheibe fortrückt u. endlich vor dem zu telegraphirenden Zeichen stehen bleibt. Den ersten Versuch einen solchen T. zu construiren machte Cooke bereits 1836 (vgl. oben B) a) bb). Darauf ließ sich Edward Davy in England am 4. Juli 1838 einen elektro-magnetisch-chemischen T. patentiren, bei welchem er durch ein Uhrwerk eine Walze in Gang setzen, durch Einwirkung eines Elektromagnets auf das Echappement des Uhrwerks letzteres zu einer schrittweisen Bewegung nöthigen u. nach jedem Schritte den Strom einer Hülfsbatterie an sechs verschiedenen Stellen durch ein mit Jodkalium getränktes, auf der Walze liegendes Papier führen u. so Zeichen geben wollte (vgl. unten d); Davy brauchte drei od. vier Leitungen u. drei Nadeln, u. sein T., eigentlich zugleich ein Nadel- u. ein Chemischer T., ist zwar nicht zur Ausführung gekommen, bahnte aber den Weg zu Wheatstone's Zeigertelegraphen. Außer Wheatstone haben viele Engländer, z.B. Bain, Mapple u. Brown, Highton, Nott, Barlow, Zeigertelegraphen construirt, doch ohne besonderen praktischen Erfolg; der Zeigertelegraph des Franzosen Breguet war auf den französischen Eisenbahnen vielfach in Gebrauch, auch Froment construirte einen sehr einfachen Zeigertelegraphen; ferner entwarf Glösener in Lüttich verschiedene Zeigertelegraphen; die höchste Ausbildung aber erlangten die Zeigertelegraphen in Deutschland durch William Fardely in Manheim, Leonhard in Berlin, Drescher in Kassel, Stöhrer in Leipzig, Kramer in Nordhausen, Siemenz u. Halske in Berlin. Für den gewöhnlichen Dienst an Eisenbahnen sind die Zeigertelegraphen, obwohl sie ziemlich langsam arbeiten (in einer Minute 20–40 Buchstaben) u. keine bleibenden Zeichen geben, doch sehr brauchbar, weil sie die verlangten Buchstaben unmittelbar ablesen lassen u. daher zu ihrer Handhabung einen weit geringeren Grad geistiger u. technischer Befähigung erfordern. aa) Der im Herbst 1839 erfundene, am 21. Jan. 1840 patentirte Zeigertelegraph von Wheatstone bedurfte zwei Drähte; die Buchstabenscheibe saß auf der Achse des Steigrades eines Echappements, dessen Lappen sich abwechselnd durch die Anziehung eines Elektromagnetes od. die Wirkung einer Feder in die Zähne des Steigrades einlegen, welches seinerseits sammt der Buchstabenscheibe durch die Einwirkung eines Gewichtes sich beständig umzudrehen strebte. Der Zeichengeber od. Communicator bestand aus einer mit demselben Zeichen wie die Buchstabenscheibe des Zeichenempfängers od. Indicators beschriebenen Messingscheibe, welche an ihrem Umfange mit vorstehenden Rippen versehen war; so oft eine solche Rippe sich bei der Umdrehung des Communicators an eine mit dem einen Batteriepol verbundene Feder anlegte, war die Batterie geschlossen (daher die Messingscheibe = Schließungsrad), der Elektromagnet im Indicator zog seinen Anker an, der erste Lappen des daran befindlichen Echappements ließ das Steigrad los u. dieses machte mit der Buchstabenscheibe einen Schritt vorwärts, bis der zweite Lappen sich in das Steigrad einlegte; ging dann die Rippe an jener Feder vorbei, so wurde der Strom der Batterie wieder unterbrochen u. die Feder am Echappement zog dieses sammt den Anker in die Ruhelage zurück, der zweite Lappen ließ das Steigrad los u. dieses machte mit dem Zeiger einen zweiten Schritt, bis sich der erste Lappen wieder einlegte; dieses Spiel ging fort, bis der zu telegraphirende Buchstabe vor einem kleinen Fensterchen des Gehäuses angekommen war. Da hierbei eine gewisse Drehungsgeschwindigkeit des Schließungsrades nicht überschritten werden darf, damit die Buchstabenscheibe des Indicators folgen könne, so hat man diese Geschwindigkeit durch ein Uhrwerk zu reguliren gesucht, so daß der regelmäßige Gang durch dieses allein besorgt wird u. der Telegraphist nur durch Eindrücken von Knöpfen od. Tasten nach Belieben das Ganze in Gang od. in Stillstand zu setzen hat. Bei Benutzung der Erde zur Rückleitung des Stroms würde bei diesem Zeigertelegraphen blos eine Leitung nöthig sein. Bei einer andern Modification wurde der Anker mit dem Echappement[330] durch zwei Elektromagnete hin u. her bewegt u. das Steigrad drehte blos einen leichten Zeiger auf auf einer feststehenden Buchstabenscheibe fort; dabei wurde das Steigrad entweder durch ein Uhrwerk od. unmittelbar durch das Echappement in Umdrehung versetzt, im letztern Falle waren drei Leitungen nöthig, wenn die Erde nicht zur Rückleitung gebraucht wurde. Auf der Great-Western-Bahn wurde ein solcher Apparat mit Magneto-Inductionsströmen probirt. Der Zeigertelegraph von Fardely war dem von Wheatstone sehr ähnlich. bb) Der französische Staatstelegraph von Breguet (1845) ist rücksichtlich des Zeichengebens genau dem Chappeschen T. (s. oben IV) B) a) nachgebildet, damit die bei diesem verwendeten Telegraphisten sofort an dem neuen T. Dienst thun konnten. Der Zeichenempfänger (Recepteur) enthält in einem Kästchen zwei Uhrwerke, deren jedes mit einem Zeiger auf der Außenseite des Kästchens verbunden ist u. den Zeiger sprungweise um je 45° fortbewegt, so oft das Echappement seine Lage ändert, einmal durch die Anziehung eines Elektromagnetes in dem Momente, wenn ein Strom die Leitung durchläuft; das andere Mal durch die Wirkung einer Feder, welche das Echappement in seine Ruhelage zurückführt, sobald der Strom wieder unterbrochen wird. Da jeder Zeiger acht verschiedene Lagen. einnehmen kann, so sind 64 verschiedene Zeichen möglich; eins derselben wird in Verbindung mit einem der andern 63 gebraucht, um anzudeuten, daß das letztere nicht in horizontaler, sondern in vertikaler Lage zu lesen sei, wodurch man noch 64 Zeichen erhält. Der Zeichengeber (Manipulateur) enthält zwei drehbare Scheiben, deren jede bei einer vollen Umdrehung viermal einen Strom in die zugehörige Leitung sendet u. viermal denselben wieder unterbricht. Es waren also zwei Leitungen nöthig. Verbessert wurde dieser T. von Regnault. cc) Höchst einfach war der Zeigertelegraph von Pelchrzim in Potsdam (1848) für eine Leitung, welcher eine Zeit lang zwischen Berlin u. Potsdam in Gebrauch war; der Communicator wurde durch ein Uhrwerk in gleichmäßige Umdrehung versetzt u. der Telegraphist setzte dieses blos in Gang u. hielt es zur rechten Zeit wieder an; der Communicator schloß u. unterbrach abwechselnd den Strom, wodurch der Anker des Indicators angezogen u. durch ein Gegengewicht wieder in die Ruhelage zurückgeführt wurde; der Ankerhebel griff unmittelbar in ein Zahnrad, auf dessen Achse der Zeiger saß, u. schob es bei jedem Spiele um einen Zahn weiter, während ein Sperrhaken das Zahnrad gegen rückgängige Bewegung schützte. Ähnlich ist der Zeigertelegraph des Professor Braun, vgl. Programm des Gymnasium zu Altenburg, Ostern 1849. dd) Beim Zeigertelegraph von Drescher wurde der Communicator ebenfalls durch ein Uhrwerk beim Ziehen eines Stiftes in Gang gesetzt u. seiner Zeit durch Niederdrücken einer mit dem zu telegraphirenden Buchstaben bezeichneten Taste aufgehalten; der Zeiger des Indicators rückte währenddessen bei jeder Schließung u. Unterbrechung des Stroms um einen Schritt fort, getrieben durch ein Uhrwerk, dessen Echappement abwechselnd durch die Anziehung eines Elektromagnetes u. die Kraft einer Feder hin u. her getrieben wurde ee) Bei Kramers Zeigertelegraphen, welcher auf mehren preußischen-Bahnen in Anwendung war, wurde ein Relais (s. unten C) e) unter dem Namen Pendel angewendet; übrigens ähnelt der T. dem von Wheatstone; der Anker des Elektromagnets u. ein Gegengewicht bewegen das Echappement eines Uhrwerkes, welches sowohl den Zeiger in Bewegung setzt, als auch, da das Schließungsrad auf der Welle des Steigrades sitzt, beim Telegraphiren das Schließen u. Unterbrechen des Stroms bewirkt. Dieser T. kam auf der Linie Berlin-Deutz in Anwendung. ff) Bei dem auf mehren preußischen Linien eingeführten Zeigertelegraphen von Siemens u. Halske ist das Neefsche Princip der Selbstunterbrechung des Stroms angewendet. Der hufeisenförmige Elektromagnet steht vertikal; sein fast Sförmig gestalteter Anker ist in horizontaler Ebene drehbar u. wird, wenn der Strom in die Windungen des Elektromagnets eintritt, sogleich von beiden Polplatten angezogen, beim Verschwinden des Stroms aber durch eine Spiralfeder wieder zurückgezogen. An der Achse des Ankers ist ein Führungsarm mit einem Haken angebracht, welcher bei seiner Hin- u. Herbewegung zwischen zwei Stellschrauben jedesmal ein kleines Rädchen um einen Zahn mit sich fortnimmt. Von dem Führungsarme wird gleichzeitig ein kleiner metallener Schlitten an einem Metallhebel hin- u. hergeschoben u. dadurch der Kreislauf des Telegraphirstromes in dem Augenblicke unterbrochen, wo der Anker von Magneten angezogen wird, dagegen die Kette wieder geschlossen, wenn der Anker durch die Spiralfeder von dem durch die Unterbrechung des Stroms wieder unmagnetisch gewordenen Pole wieder abgezogen wird. Die Hin- u. Herbewegung des Ankers u. die sprungweise Drehung des Rädchens wird demnach durch die Selbstunterbrechung des Stroms hervorgebracht u. dauert so lange, bis der Zeichengeber die Bewegung des Rädchens auf mechanische Weise durch einen eingreifenden Stift hemmt. An der Achse des Rädchens ist nämlich der über den Buchstaben des Zifferblatts sich bewegende Zeiger befestigt, u. an jedem dieser Buchstaben ist eine Taste angebracht; wird diese niedergedrückt, so hemmt ein Stift die Drehbewegung des Zeigers, sobald er an den zugehörigen Buchstaben angelangtist. gg) Der Zeigertelegraph von Stöhrer wurde seit 1847 auf den sächsischen u. baierischen Bahnen angewendet; er wurde durch die Inductionsströme einer magneto-elektrischen Rotationsmaschine ohne Commutator getrieben; diese liefert bei jeder Umdrehung zwei entgegengesetzt gerichtete Ströme; bei jedem dieser regelmäßig auf einander folgenden Richtungswechsel des Stromes kehren sich auch die Pole des vom Strom umflossenen Elektromagnetes um, u. in Folge dessen schwingt ein zwischen den Polen liegender, durch einen großen Richtmagnet unverändert stark magnetisch gemachter Eisenlappen zwischen den Polen des Elektromagnetes regelmäßig hin u. her u. versetzt das Echappement des mit dem Zeiger verbundenen Steigrades in gleiche Bewegung. Auch Siemens u. Halske haben einen magnetoelektrischen Zeigertelegraphen construirt. hh) Der französische Eisenbahntelegraph von Breguet wurde 1849 erfunden u. 1850 patentirt. Der Indicator wird durch ein Uhrwerk getrieben, dessen Echappement abwechselnd der Anziehung des Elektromagnets u. der Wirkung einer Feder unterliegt. Der Zeichengeber enthält eine Buchstabenscheibe, welche auf ihrer Unterseite eine schlangenförmige Furche hat u. mittelst derselben bei der Umdrehung der Scheibe einen durch einen[331] vorstehenden Stift in die Furche hineinragenden Hebel zwischen zwei Stellschrauben hin u. her bewegt u. so die Batterie, von welcher ein Pol mit der einen Stellschraube, der andere mit der Erde in Verbindung steht, abwechselnd schließt u. öffnet. ii) Ein Zeigertelegraph von Glösener ist im Princip dem Kramerschen ähnlich, aber das Echappement wird blos durch die Anziehung zweier Elektromagnete bewegt. Die beiden Lappen des Echappements sind gegen einander isolirt, der Strom geht durch das Steigrad u. tritt abwechselnd durch den eben an einem Steigradszahn anliegenden Lappen in den einen od. den andern Elektromagnet u. bewegt so das Echappement hin u. her. kk) Beim Zeigertelegraphen von Regnard geht der Zeiger (wie auch an dem 1848 erfundenen Zeigertelegraphen von Mapple) nach jedem Zeichen in die Ruhelage zurück, damit ein bei dem einen Zeichen etwa begangener Fehler sich nicht svrtpslanzt u. auch die noch nachfolgenden Zeichen fehlerhaft mache; der Zeiger ist außerdem in eigenthümlicher Weise mit zwei Kurbeln verbunden u. wird von diesen durch zwei Steigräder bewegt, deren jedes durch ein besonderes Uhrwerk getrieben wird; die Echappements der beiden Steigräder werden durch die Anker zweier Elektromagnete bewegt, von denen der eine nur angezogen wird, wenn ein positiver, u. der andere, wenn ein negativer Strom die Leitung durchfließt; der Zeiger beschreibt dabei keinen Kreis, sondern seine Spitze streicht über die in sieben Reihen auf einem Schirm stehenden Buchstaben hin; ein drittes Uhrwerk führt den Zeiger in die Ruhelage zurück.

c) Die Typendrucktelegraphen drneken das Telegramm auf der Empfangstation mit gewöhnlichen Buchstaben auf Papier, also in bleibenden u. für Jedermann lesbaren Zeichen; sind aber wegen ihres langsamen Ganges, wegen ihrer meist sehr künstlichen u. zusammengesetzten Einrichtung u. ihrer damit zusammenhängenden geringeren Zuverlässigkeit in Deutschland, Frankreich, England u. Rußland nur vorübergehend in Gebrauch gewesen, nur in Nordamerika hat sich der T. von House sehr ausgebreitet; ihre Handhabung ist aber sehr einfach. In jedem Typendrucktelegraphen müssen nach einander vier Verrichtungen vollzogen werden: es muß der zu telegraphirende Buchstabe an die Stelle gebracht (eingestellt) werden, wo er auf das Papier aufgedruckt werden soll, dort erfolgt das Aufdrucken u. nach diesem wird das bedruckte Papier ein Stück fortgerückt, endlich müssen die Typen regelmäsiig mit Druckfarbe versehen werden. Die Typen befinden sich ohne Ausnahme an einer Scheibe (Typenrad) u. gelangen bei deren Umdrehung an den Ort, wo das Aufdrucken erfolgt; beim Umdrehen der Scheibe streifen die Typen an eine Schwärzwalze u. werden so mit Farbe versehen; das Fortrücken des Papierstreifens vermittelt gewöhnlich der Druckapparat bei seinem Rückgange; das Einstellen u. Aufdrucken besorgt der elektrische Strom, zum Theil unter Mitwirkung von Uhrwerken. Der Typendrucktelegraph wurde 1837 von dem Nordamerikaner Alfred Vail erfunden; etwa gleichzeitig od. doch nicht viel später machte Wheatstone (vgl. oben B) b) wahrscheinlich unabhängig dieselbe Erfindung. Auch Fardely in Manheim verwandelte seinen Zeigertelegraph in einen Typendrucktelegraphen, welcher 1844 auf der Taunusbahn in Anwendung kam. Seitdem sind von Amerikanern, Engländern, Franzosen u. Deutschen viele Typendrucktelegraphen angegeben worden, sie stehen in Bezug auf die Drehung des Typenrades den Zeigertelegraphen sehr nahe. aa) Bei der ersten Klasse von Typendrucktelegraphen erfolgt das Einstellen des zu telegraphirenden Buchstaben durch zwei gleichgehende Uhrwerke, von denen das eine auf der gebenden Station einen Zeiger auf einer Buchstabenscheibe, das andere auf der Empfangsstation das Typenrad gleichmäßig fortbewegt; von der Übereinstimmung der beiden Uhrwerke hängt die Zuverlässigkeit des Telegraphirens ab. Bei den T-en von Vail (1837) u. von Alexander Bain in Edinburg (1840) werden die beiden Uhrwerke gleichzeitig durch die Unterbrechung eines elektrischen Stromes losgelassen u. nach der Einstellung durch Herstellung des Stromes gleichzeitig arretirt u. der Druckapparat in Thätigkeit gesetzt. Bei dem T. von Theiler dagegen läßt ein kurzer Strom die beiden Uhrwerke los, u. ein zweiter arretirt sie nach dem Einstellen u. besorgt das Aufdrucken; um die Zuverlässigkeit des Apparates, freilich auf Kosten der Geschwindigkeit des Telegraphirens, zu erhöhen, richtete Theiler seinen T. so ein, daß er nach dem Abdruck eines jeden Buchstabens sich von selbst auf einen bestimmten Ausgangspunkt einstellte. bb) Die zweite Klasse stellt das Typenrad durch zwei beliebige Uhrwerke ein, deren Gang während des Einstellens durch die Wirkung elektrischer Ströme auf ein Echappement regulirt wird u. nach dem Einstellen wird das Drucken durch einen Strom von entgegengesetzter Richtung (T. von Th. du Moncel in Paris 1853 u. T. von Digney in Paris 1858; letzter T. ist aus dem französischen Eisenbahntelegraphen, s. oben B) b) hh), hervorgegangen), od. durch einen kräftigeren gleichgerichteten Strom (T. von Freitel, Pariser Ausstellung 1855) herbeigeführt, od. es ist eine besondere Ausrückvorrichtung vorhanden, welche mit Hülfe einer Frictionskuppelung (T. des Amerikaners Royal E. House 1846) od. unter Mitwirkung eines hydraulischen Apparates (T. des ursprünglich mit House vereinigten Engländers Jakob Brett) den Druckapparat erst dann in Thätigkeit treten läßt, wenn das Typenrad, sei es durch einen dauernden Strom od. durch eine längere Unterbrechung, still steht. cc) Bei der dritten Klasse wird das Typenrad von einem unmittelbar (also ohne Uhrwerk) durch abwechselnd hergestellte u. unterbrochene elektrische Ströme hin u. her bewegten Echappement in Umdrehung versetzt, u. das Aufdrucken des eingestellten Buchstaben erfolgt dann durch einen fallenden Hammer erst bei einer längeren Unterbrechung des Stroms (T. von Moses Poole in London 1846 u. T. von Siemens u. Halske in Berlin 1852; letzter ist aus dem Zeigertelegraphen mit Selbstunterbrechung, s. oben B) b) ff), entstanden), während bei einem dauernden Strom ebensowohl als einer raschen Folge von Unterbrechungen der Druckapparat unthätig bleibt. Die Uhrwerke sind beim Typendrucktelegraphen, wie bei den Zeigertelegraphen ganz entbehrlich; das Aufdrucken aber wird am einfachsten durch einen entgegengesetzt gerichteten, od. durch einen kräftigeren gleich gerichteten Strom bewirkt. Das zu bedruckende Papier war bei den älteren Typendrucktelegraphen als Blatt auf einem sich drehenden Cylinder befestigt u. das Telegramm wurde in Schraubenlinien darauf gedruckt; später bediente man sich eines schmalen Papierstreifens, auf welchem das Telegramm nur eine Zeile bildete;[332] der T. von Freitel u. auch der T. von Ed. Schreder in Wien (1862) endlich druckte das Telegramm in untereinander gesetzten Zeilen auf ein Blatt. Der T. von Digney soll 45, der von House gar 300 Buchstaben in einer Minute geben. Wendet man zwei Typenräder auf einer Achse an, so erhält man das Telegramm auf einem breitern Streifen doppelt u. kann den Streifen dann zerschneiden.

d) Die chemischen T-en u. die Copirtelegraphen. Auch die chemische Wirkung des elektrischen Stromes (s. Galvanismus S. 896) hat man zum Telegraphiren benutzt. Den ersten Versuch machten Sömmering (s. oben A) b) schon 1808 u. Coxe 1810; ihnen folgte 1838 Davy (s. oben B) b), welcher die Anwendung des Jodkaliums versuchte; doch erst Bain, welcher darauf bezügliche Patente 1843, 1846 u. 1849 nahm u. dessen T. lange zwischen London u. Liverpool u. in Amerika thätig war, Bakewell u. Gintl machten den chemischen T. lebensfähig. aa) Die chemischen T-en beruhen auf der einfachen Thatsache, daß der Strom chemische Verbindungen zersetzt; wenn man also einen Papierstreifen mit einer farblosen Verbindung tränkt, deren Bestandtheile aber farbig sind, so wird der Streifen an allen den Stellen gefärbt werden, an welchen man den Strom hindurch gehen läßt. Solche Verbindungen sind: 1 Theil Jodkalium, 20 Theile dicker Stärkekleister, 40 Theile Wasser od. 7 Theile Cyankalium, 45 Theile Wasser, 1 Theil Salzsäure, 16 Theile gesättigte Kochsalzlösung (wobei jedoch der Schreibstift des T. aus Eisen sein muß), od. 5 Theile gelbes Blutlaugensalz, 150 Theile salpetersaures Ammoniak, 100 Theile Wasser. Der Telegraphenapparat von Gintl, welcher längere Zeit in Wien in beschränkterem Maße gebraucht wurde, hat eine höchst einfache Einrichtung: durch ein Uhrwerk wird der angefeuchtete Streifen über einen halbrunden Metallsteg u. unter einem spitzen Metallstift hinweg geführt, welche beide in den Stromkreislauf eingeschaltet sind; durch einen Morseschen Taster (s. oben E) e) aa) läßt man beim Telegraphiren den Strom abwechselnd circuliren u. unterbrechen u. erhält so die farbigen telegraphischen Zeichen auf dem vom Strome mit durchlaufenen Streifen, etwa Punkte u. Striche, woraus man das Alphabet zusammensetzt. Trotz seiner Einfachheit hat dieser T. mehre Mängel, welche seiner Ausbreitung im Wege standen; wird nämlich der Streifen trocken, so kann man gar nicht telegraphiren, da trockenes Papier den Strom nicht leitet; außerdem hat man keine hörbaren Zeichen, die sichtbaren werden leicht klexig u. verschwimmend u. die herabtröpfende Flüssigkeit verunreinigen die Apparate. Sehr vollkommen in seiner Art ist der 1852 erfundene chemische Doppelstiftapparat von Stöhrer (vgl. unten B) e) bb), bei welchem man auf einer Linie abwechselnd mit positiven u. negativen Strömen telegraphirt, der Strom stets durch beide Stifte u. das zwischenliegende Papier hindurchgeht u. so das farbige Zeichen bald an dem einen, bald an dem andern Stifte an der obern Seite des Streifens erscheinen läßt. bb) Die Copirtelegraphen (Schreibtelegraphen) lassen auf der Empfangsstation eine getreue Nachbildung eines Schriftstückes, Planes od. einer Zeichnung entstehen. Der erste wurde von dem Amerikaner Bakewell Ende 1848 erfunden; die Originalschrift wird mit nicht leitender Tinte auf leitender Unterlage (Stanniol) aufgetragen; das Copirpapier, auf der jenseitigen Station, ist mit Jodkaliumlösung getränkt, u. wird wie das Original auf einen sich gleichmäßig umdrehenden in den Stromkreis eingeschalteten Cylinder befestigt. Auf beiden Cylindern laufen metallene Schreibstifte u. lassen den Strom circuliren, so lange der Stift der gebenden Station auf dem leitenden Grunde steht; so werden die Zeichen in der Copie ausgespart. Besser ist es mit leitenden Zügen auf nicht leitendem Grunde im Original, aber selbst dann hat man noch die Unbequemlichkeit, daß die Buchstaben in der Copie nicht in fortlaufenden Zügen, sondern durch parallel über einander gereihte kleine Striche wieder gegeben werden u. daß daher, um die Schrift leserlich zu machen, die Buchstaben ziemlich groß sein müssen, was das Schreiben langsam macht. Einen ähnlichen Apparat construirte 1851 Matth. Hipp in Reutlingen, darauf auch Du Moncelu. 1853 Seugraff; Giov. Caselli in Florenz gab seinem 1856 erfundenen T. den Namen Pantelegraph. Der Copirtelegraph von Brooman in London ist kein chemischer, sondern ein elektromagnetischer T. mit gewöhnlichem Schreibstifte, übrigens nach demselben Princip construirt. Im Jahre 1851 construirte Hipp noch einen Buchstabenschreibtelegraphen, bei welchem auf der Empfangsstation ein Schreibstift an einem Hebel ununterbrochen einen u. denselben Zug macht, in welchem sämmtliche Buchstaben des lateinischen kleinen Alphabets enthalten sind; auf der gebenden Station drückt der Telegraphist die mit dem zu telegraphirenden Buchstaben beschriebene Taste einer Claviatur u. der dadurch hergestellte Strom wirkt auf jenen Schreibstift so, daß er denselben Buchstaben mit Tinte auf Papier schreibt; so können in einer Minute 120 Buchstaben telegraphirt werden u. brauchen nicht weiter abgeschrieben zu werden. Später construirte Hipp nach demselben Princip auch einen elektrochemischen Copirtelegraphen.

e) Die Drucktelegraphen schreiben od. drucken die Wörter nicht mit Buchstaben, sondern mit besonderer, aus Strichen u. Punkten zusammengesetzter Schrift auf einen Papierstreifen (vgl. oben B) a) aa). Durch seine große Einfachheit zeichnet sich aa) der Drucktelegraph von Morse od. der Amerikanische Drucktelegraph vortheilhaft aus. Der Zeichenempfänger (Schreibapparat) enthält einen Elektromagnet, dessen Anker von ihm abwechselnd angezogen u. durch eine Feder wieder zurückgezogen wird. Der Anker sitzt an dem einen Ende eines Doppelhebels, am andern Ende dieses Hebels (Schreibhebel) befindet sich ein stählerner Schreibstift u. dieser wird beim jedesmaligen Anziehen gegen einen Papierstreifen gedrückt, welcher durch ein, von einem Gewichte getriebenes Räderwerk mit gleichmäßiger Geschwindigkeit an dem Stift vorübergeführt wird; der Schreibstift macht daher auf dem Papiere einen erhabenen Punkt od. einen Strich, je nachdem der den Magnetismus des Elektromagneten erzeugende Strom nur einen Augenblick od. eine längere, wiewohl immerhin noch sehr kurze Zeit andauert. Von den das Papier vorüberführenden Walzen hat die eine an der Stelle, wo der Stift an sie anschlägt, eine Rinne, in welche der aufschlagende Stift das Papier eindrückt, wodurch die Zeichen sehr deutlich werden. Die Bewegung des Ankers u. des Schreibstiftes wird nach der Stärke des Stroms durch zwei Stellschrauben regulirt. Der Zeichengeber (Schlüssel, Taster) ist eben so einfach u. gleicht etwa der Klinke eines[333] älteren Thürschlosses; er hat die Bestimmung, die Telegraphirbatterie (Linienbatterie) nach Bedarf in die Leitung einzuschalten, so daß der Strom circuliren kann, u. darauf den Strom wieder zu unterbrechen. Am gebräuchlichsten telegraphirt man mit Arbeitsstrom (s. oben S. 328), dann ist die Drehachse des metallenen Tasterhebels fest mit der Leitung verbunden u. der Hebel wird in seiner Ruhelage von einer Feder mit der an seinem vordern Ende befindlichen Stellschraube auf ein in die hölzerne Gestellplatte eingelassenes Metallstück (Ruhecontact) niedergedrückt, während der Telegraphist beim Telegraphiren den Hebel an einen am hintern Ende angebrachten Holzgriffe erfaßt u. mit einem am hinteren Ende befindlichen metallenen Vorsprung auf ein zweites aus dem Holzgestelle vorstehendes Metallstück (Ambos, Arbeitscontact) auftreffen läßt, so oft u. so lange er den Strom circuliren lassen will; der Ruhecontact ist mit dem einen Ende des Drahtes des Multiplicatorgewindes am Elektromagnet in Verbindung gesetzt, während das andere Drahtende des Multiplicators mit der Erde verbunden ist; der eine Batteriepol steht ebenfalls mit der Erde, der andere mit dem Ambos in leitender Verbindung; auf beiden Stationen ist die Apparatverbindung (Einschaltung) ganz gleich, ja es können selbst beliebig viele Stationen auf diese einfache Weise mit einander in Verbindung gesetzt werden, wobei nur bei den in der Mitte liegenden Stationen (Zwischenstationen) der erste Batteriepol u. das zweite Ende des Multiplicatordrahtes nicht mit der Erde, sondern mit dem nach der einen, die Tasterachse mit dem nach der andern Nachbarstation führenden Leitungsdrähte verbunden werden müssen. Der Vorgang beim Telegraphiren ist sehr leicht zu übersehen: so lange kein Taster auf den Ambos niedergedrückt ist, fließt kein Strom in der Leitung; wird der eine niedergedrückt, so geht der Strom von der zugehörigen Batterie durch den Taster in die Leitung, auf der Empfangsstation durch den in der Ruhelage befindlichen Taster, um den Elektromagnet, zur Erde u. in dieser zurück zum andern Batteriepol. Der Anker des Schreibapparates wird demgemäß angezogen u. der Schreibstift gräbt das Zeichen in den Papierstreifen ein, sofern man das Uhrwerk, welches ihn jortbetoegt, in Gang gesetzt hat. Dieser einfache ist dauerhafte T. gibt sichtbare u. hörbare, bleibende Zeichen u. arbeitet so schnell (etwa 100 Buchstaben in einer Minute), so sauber u., weil ein vorgekommener Fehler die nachfolgenden Zeichen nicht unrichtig macht u. Correcturen sehr leicht bewerkstelligt werden können, auch so sicher, daß er sich nicht blos in Amerika, sondern auch über ganz Europa verbreitet hat. Über die namentlich auch bei ihm nöthigen, zur vollen Ausrüstung der Stationen noch erforderlichen Apparate s. unten C). Da die Schrift dieses Schreibapparates, welche im Relief auf dem Papier erscheint u. sich nur durch den Schatten absetzt, die Augen sehr angreifen, so hat man in Frankreich u. Deutschland angefangen Apparate zu verfertigen, welche die Zeichen farbig auf dem Streifen hervorbringen u. deshalb Schwarzschreiber genannt werden. Bei dem Schwarzschreiber von Beaudoin u. Digney in Paris, welcher sich in Frankreich bewährt hat u. von Siemens u. Halske in Berlin etwas abgeändert wurde, wird eine kleine sich beständig drehende Walze von einer andern Walze mit Farbe versehen, u. eine am Schreibhebel befindliche Schneide drückt den Papierstreifen an die erstere Walze an, so oft ein Zeichen geschrieben werden soll. Bei deut Schwarzschreiber von G. Wernicke in Berlin befindet sich die flüssige Druckfarbe in einem kleinen, in eine seine stählerne Röhre endenden u. mit Wolle ausgefüllten Gefäße, welches auf einem Winkelhebel so angebracht ist, daß es vom Schreibhebel aus bewegt wird u. sich mit seiner stählernen Röhre auf den Papierstreifen neigt, so oft ein Zeichen gegeben wird. Will man das Telegraphiren erleichtern, so kann man sich der von Morse erfundenen Schreibplatte bedienen; dieselbe ist eine nicht leitende Tafel, in welche kürzere od. längere, den Punkten u. Strichen in den Signalen der einzelnen Buchstaben entsprechende Metallstücke eingelegt sind, welche alle mit dem einen Pol der Batterie in leitender Verbindung stehen u. über welche man nur einen mit der Leitung verbundenen Metallgriffel hinzuführen braucht, um die Batterie ebenso zu schließen, wie mit dem Drücker des Schlüssels. Bei dem Morseschen T. sind alle Zeichen aus den beiden Elementarzeichen Punkt u. Strich zusammengesetzt. Die Buchstaben enthalten (mit Ausnahme des é) ein bis vier Zeichen, die Ziffern fünf, die Interpunktionszeichen sechs; außerdem kommen noch einige Phrasenzeichen vor. Die Zeichen sind folgende:

Telegraph

Staatstelegramme, welche selbst den Telegraphenbeamten unverständlich sein sollen, werden in einer Chifferschrift telegraphirt. Das ganze Telegramm bildet stets eine einzige Zeile auf dem Papierstreifen. Der Vorgang beim Telegraphiren ist folgender: die Station, welche ein Telegramm hat, ruft diejenige, an welche das Telegramm gerichtet ist, indem sie den Anruf ertönen läßt u. die Namen der rufenden u. gerufenen Station nennt, z.B. Berlin von Wien; ist Wien zum Empfangen bereit, so meldet es sich, indem es antwortet: Berlin hier, u. nun gibt Wien das Telegramm, nach dessen Beendigung [334] Berlin den Empfang bestätigt, alle in dem Telegramm vorgekommenen Zahlen u. ihm verdächtig scheinende Worte zurückgibt, damit wonöthig eine Correctur erfolgen kann. In Deutschland erwarben sich besondere Verdienste um die Vervollkommnung des Morseschen T. der zur Einführung desselben nach Preußen berufene Amerikaner Robinson, Siemens u. Halske, Stöhrer.

bb) Doppelstistsapparat von Stöhrer. Mit Beibehaltung des beim Amerikanischen Systeme angewandten Princips im Allgemeinen hat Stöhrer 1852 eine Verbesserung des Apparats angebracht, indem er durch abwechselnd positive u. negative Ströme bald den einen, bald den andern zweier künstlicher permanent magnetisirter Eisenanker anziehen läßt u. so bald den einen, bald den andern von zwei Schreibstiften in Bewegung setzt, welche an einem vorübergeführten Papierstreifen Punkte u. Striche in zwei parallel laufenden Linien verzeichnen. Offenbar ist hiermit die Zahl der Elementarzeichen von zwei bis auf vier gesteigert, denn es gibt nun einen Punkt od. einen Strich in der oberen od. unteren Linie, u. die Buchstaben können nun durch eine geringere Anzahl derselben gegeben werden; die Geschwindigkeit des Telegraphirens wird mithin beinahe verdoppelt. Der zugehörige Zeichengeber (Commutator) hat zwei Tasten, um nach Bedarf abwechselnd einen positiven od. negativen Strom in die Linie zu senden. Auch bei diesem T. wird ein Relais (s. unten C) e) benutzt, dessen Einrichtung dem oben beschriebenen Schreibapparate ähnlich ist, während dann der Schreibapparat einfacher wird u. zwei Elektromagnete enthält. Der Doppelstistsapparat ist od. war in Sachsen, Baiern u. Brasilien im Gebrauch. Auch Siemens hat einen Doppelstifttelegraphen construirt.

f) Eisenbahnläutewerke u. andere Eisenbahnbetriebstelegraphen. Von besonderer Wichtigkeit sind telegraphische Mittheilungen für den Betrieb der Eisenbahnen; für einen vortheilhaften Betrieb überhaupt, namentlich aber zur Sicherstellung der Fahrenden u. der Betriebsmittel ist es nöthig, daß die Vorgänge auf den einzelnen Bahnstrecken wenigstens an den Endstationen dieser Strecken, oft auch an Zwischenpunkten bekannt seien, u. in gewissen Fällen wird es selbst wünschenswerth, daß man von jedem Punkte der Bahn eine Nachricht möglichst schnell nach einer Station befördern könne. Um die auf den Stationen die Züge abfördernden Beamten von dem Verkehr anderer Züge auf der Bahn zu unterrichten u. sie zu vergewissern, daß die Bahn für den abzusendenden Zug wirklich frei ist, wird der Abgang jedes Zuges durch einen elektrischen T. allen dabei betheiligten Stationen mitgetheilt. Sonst benutzte man dazu vorwiegend Zeiger- u. Nadeltelegraphen, wegen der einfachen Handhabung derselben, jetzt aber sind diese durch den Morseschen Drucktelegraphen fast gänzlich verdrängt. Gleichzeitig benutzt man für denselben Zweck meist auch noch einen optischen T. (s. IV. B) f), welcher von den Bahnwärtern bedient wird, diese also zugleich von dem Abgange des Zuges unterrichtet, u. dessen Signale stehen bleiben, bis der Zug an dem betreffenden Wächterhause vorbeigegangen ist. Neben od. als Ersatz für die optischen T-en sind auf vielen Bahnen Läutewerke in Gebrauch, welche theils auf den Stationen, theils an allen Wächterhäusern angebracht sind, um dem gesammten Aufsichtspersonal durch besondere hörbare Zeichen den Abgang der Züge kund zu geben u. sie so vor der Ankunft des Zuges zur Erfüllung ihrer Pflichten bes. aufzufordern. Die Eisenbahnläutewerke sind gewöhnliche Uhrwerke (vgl. Schlagwerk 1), welche durch die Wirkung eines Elektromagnets ausgerückt werden u. nun eine bestimmte Anzahl Schläge auf einer od. zwei Glocken ertönen lassen. Das erste Läutewerk führte der Berliner Uhrmacher Leonhard aus; nach gegebenem Signal mußte der Bahnwärter das Läutewerk erst wieder einrücken, bevor ein neues Signal gegeben werden konnte; später fügte Leonhard noch ein zweites Uhrwerk hinzu, welches das Läutewerk nach jedem Signal wieder einrückte. Das erste sich von selbst nach jedem Signal wieder einrückende Läutewerk stellte Kramer 1847 auf der Strecke Magdeburg-Buckau auf; die Ausrückung desselben erfolgte durch einen durch den Elektromagnet losgelassenen fallenden Hammer. Weiter vervollkommnet wurden die Läutewerke unter Andern von Siemens u. Halske, welche dieselben für den Betrieb mittels einer Magneto-Inductionsmaschine (Läuteinductor) einrichteten. Sehr häufig richtet man die Läutewerke gleich so ein, daß man von verschiedenen Punkten der Bahn aus Signale geben od. selbst in emen ausgedehnteren Verkehr mit den Nachbarstationen treten kann; es ist dies von Vortheil, wenn dem Zug unterwegs ein Unglück begegnet u. er Hülfe braucht. od. er vor einer ihm drohenden Gefahr gewarnt werden soll. Will man in einfacher Weise die Bahnwärter in Stand setzen Signale zu geben, so telegraphirt man mit Ruhestrom, wobei der Elektromagnet das Läutewerk arretirt erhält, so lange er vom Strom umflossen ist, u. er dasselbe los läßt, sowie der Strom unterbrochen wird, wozu man jedes Wächterhaus mit einer einfachen, dem Morse'schen Taster ähnlichen Vorrichtung versieht; die Batterien stehen auf den beiden Endstationen. Andere Einrichtungen der Art gaben Teirich in Wien u. C. Frischen in Hannover an. Andererseits hat man auch versucht den Locomotivführer in den Stand zu setzen, an jeder Stelle der Bahn mit den benachbarten Stationen in Verkehr zu treten, damit er diesen von etwaigen Unfällen od. sonstigen Ereignissen Nachricht geben, Hülfe fordern könne u. dgl. Den ersten Vorschlag dazu scheint Wheatstone od. Bain 1841 gemacht zu haben, in Deutschland Fardely, Steinheil, Stöhrer; 1848 erfand Breguet seinen Telegraphe mobile (T. portatif), einen Zeigertelegraph (s. oben B) b) hh), welcher auf dem Zuge befindlich u. im Fall des Bedarfs in die Eisenbahntelegraphenleitung eingeschaltet wurde, indem man einen Draht dieses T. mit den Wagenrädern, einen andern mit der Leitung selbst in Verbindung setzte. Ähnliche Einrichtungen ersannen Stöhrer u. 1851 Gintl. 1855 erfand Bonelli den Locomotivtelegraphen, er legte von Station zu Station zwischen den Schienen eine isolirte Eisenschiene, ließ auf dieser eine von der Locomotive herabreichende Feder schleifen u. setzte so einen auf der Locomotive befindlichen Apparat nebst Batterie (ähnlich wie Breguet) mit den beiden Nachbarstationen in Verbindung setzte. In ähnlicher Weise hat man die benachbarten Stationes von Zeit zu Zeit über die Geschwindigkeit u. den jedesmaligen Ort der zwischen ihnen fahrenden Züge telegraphisch zu unterrichten versucht. Endlich wurden vielfach besondere Apparate vorgeschlagen, durch welche man dem Locomotivführer[335] rechtzeitig telegraphisch Gewißheit über Gefahr od. Gefahrlosigkeit geben wollte, z.B. über die Stellung von Weichen, Drehscheiben etc. Dergleichen T-en construirte z.B. der Franzose Regnault. Den Eisenbahnläutewerken in ihrer Einrichtung sehr ähnlich sind die Feuertelegraphen (vgl. Feuerpolizei B), welche die Aufgabe haben die Feuerwache sehr schnell von der Entstehung einer Feuersbrunst zu benachrichtigen; derartige T-en construirten Siemens u. Halske.

C) Nebenapparate, welche zur Ausrüstung der Stationen gehören. Außer den in B) besprochenen Telegraphenapparaten, auf denen die eigentliche telegraphische Correspondenz geführt wird, fordert die Sicherheit, Schnelligkeit u. die Vielgestaltigkeit des telegraphischen Verkehrs, sowie der Schutz der Apparate u. Beamten auf den Stationen noch eine Anzahl anderer Apparate, bes. bei den Morseschen T-en. a) Die Umschalter od. Wechsel dienen dazu, dem elektrischen Strome den nach dem jedesmaligen Zwecke allein zulässigen Weg durch die andern Apparate anzuweisen, od. ihn wohl auch ganz von den Apparaten auszuschließen. Zuerst wendete man (schon Cooke 1837) Drähte an, welche in Quecksilbernäpfchen tauchten u. nach Bedarf aus diesen herausgehoben u. in andere eingelegt werden konnten; später verwendete man Klemmenwechsel, welche starke, federnde, messingene Arme enthielten, welche auf die eine od. andere von mehren, durch Drähte mit verschiedenen Apparattheilen verbundenen, kleinen Metallplatten aufgelegt werden konnten u. so dem Strome verschiedene Wege anwiesen; jetzt gebraucht man vorzugsweise die von Steinheil zuerst angegebenen Lamellenwechsel, bei welchen die Leitungsdrähte durch Klemmschrauben in mehren in einer Holzplatte von eineinander isolirten, entweder neben od. kreuzweiseüber einander liegenden, mit Löchern versehenen kurzen Messingstäben (Lamellen) befestigt sind u. nach Bedarf durch in die Löcher der Lamellen eingesteckte messingene Stöpsel in verschiedener Weise mit einander verbunden werden können. Die Linienwechsel leisten bes. wichtige Dienste auf Stationen, in welche mehre Leitungen einmünden u. wo mandiese Leitungen durch sie nach Bedarf bald unmittelbar, bald mittelbar zur Translation (s. unten S. 337) verbinden, bald wieder trennen u. jede einzeln in Betrieb nehmen kann. Ähnlich sind auch die Batteriewechsel eingerichtet, mit deren Hülfe man je nach Maßgabe der Länge od. Beschaffenheit der Leitungen mit einem größeren od. kleineren Theile der Telegraphirbatterie telegraphiren kann. b) Das Galvanometer od. die Bussole ist eine von einem in die Leitung eingeschalteten Multiplicatordrahte umgebene, empfindliche, d.h. sehr leicht bewegliche Magnetnadel, welche auf allen Stationen vorhanden ist, damit man selbst die schwächsten in der Leitung vorhandenen Ströme bemerken u. ihnen entsprechend die Apparate sein einstellen kann; jede Station erkennt, wenn sie selbst telegraphirt, zugleich an der Bussole, ob ihre Batterie einen guten Strom in die Leitung sendet; auch Unterbrechungen der Leitungen, starke Ableitungen an denselben u. Fehler in den Stationsapparaten kann man bei geschickter Benutzung der Bussole mit deren Hülfe leicht auffinden. c) Der Wecker ist eine Vorrichtung, durch welche man bei Nadel-, Zeiger- u. chemischen T-n durch hörbare Zeichen auf den Beginn des Telegraphirens aufmerksam macht. Die Wecker enthalten eine Glocke, deren Klöppel man durch den vom Strom erregten Elektromagnetismus nach Belieben von der entfernten Station aus anschlagen lassen kann. Schon Sömmering gab einen Wecker an (s. oben B) b). Der Wecker von Wheatstone war so construirt, daß der Telegraphist für jeden einzelnen Schlag an die Glocke den Strom einmal durch die Leitung senden mußte. Bei den elektrischen Weckern ist das Princip der Selbstunterbrechung (s. oben B) b) ff) angewendet u. die einmal geschlossene Batterie erzeugt einen sich fortwährend selbst unterbrechenden Strom, welcher ein so lange andauerndes Geläute veranlaßt, als der Telegraphist die Batterie geschlossen erhält, od. es magnetisirt nach Stöhrers Princip (s. oben B) b) gg) ein in abwechselnder Richtung durch den Draht gesandter Strom einen Elektromagneten an der entfernten Station in abwechselnd entgegengesetztem Sinne, so daß ein über den Polen schwebendes Eisenstück, in welchem ein genäherter künstlicher Magnet bereits Magnetismus inducirt hat, bald von diesem, bald von jenem Pole angezogen, dabei in schwingende Bewegung versetzt wird u. die Glocke ertönen läßt. Bei dem Morseschen T, welcher schon hörbare Zeichen (Klappern des Schreibhebels) gibt, wendet man ihn nur in Ausnahmsfällen an. Während des Telegraphirens selbst wird der Wecker aus der Leitung ausgeschaltet. d) Die Blitzableiter für die T-en sollen theils die Leitung, theils die Telegraphenapparate u. Beamten gegen die zerstörenden Einflüsse der atmosphärischen Elektricität schützen; diese Störungen bestehen theils darin, daß der Draht u. die denselben tragenden Stangen (oft 20 u. noch mehr zugleich) durch den Blitz getroffen, zersplittert u. zerrissen werden; theils darin, daß die vertheilende Wirkung vorüberziehender Gewitter, od. der mit jeder Entladung der Wolken durch den Blitz verknüpfte Rückschlag, od. der verschiedene elektrische Zustand der Luft an verschiedenen Punkten der Leitung Ströme in dem Draht verursachen, welche einen unregelmäßigen Gang der Apparate zur Folge haben, in denselben den Multiplicatordraht schmelzen u. so die Apparate zerstören, ja selbst die Beamten verletzen. Der den Betrieb der T-en störende Einfluß der Gewitter u. überhaupt der atmosphärischen Elektricität läßt sich kaum beseitigen; dagegen schützt man sich gegen Zerstörungen durch Blitzableiter, welche theils an den Tragsäulen zum Schutz der Leitung, theils im Apparatzimmer zum Schutz der Apparate angebracht werden. Die Blitzableiter für T-en wurden 1846 erfunden u. zwar vier verschiedene zugleich, von Steinheil in Deutschland, Highton in England, Breguet in Frankreich u. Reid in Nordamerika. Die durch den atmosphärischen Einfluß in dem Drahte freigewordene Elektricität ist nämlich von bedeutenderer Spannung, als die durch die Batterie entwickelte. Wenn sie daher die Wahl hat entweder von einem Punkte der Leitung zu einem durch eine sehr dünne Luftschicht getrennten Punkte überzuspringen, od. auf einem sehr weiten Umwege durch den continuirlichen Draht ebendahin zu gelangen, so wählt die atmosphärische Elektricität den ersten, während die galvanische den langen Draht durchläuft. Breguet verband die Apparate mit der Leitung durch einen sehr dünnen Draht, welcher durch die atmosphärische Elektricität (vgl. Galvanismus S. 895) abgeschmolzen wurde, bevor[336] sie in die Apparate eintreten konnte. James Reid in Philadelphia wandte einen dem Morseschen Schreibapparate ähnlichen Apparat an, durch welchen sich jeder stärkere atmosphärische Strom ebenfalls den Weg nach den Apparaten abbrach. Den Steinheilschen Blitzableiter wandelte Meißner in Braunschweig in die Blitzplatten um; bei diesen wird der Leitungsdraht, ehe er in die Windungen der Elektromagnete eintritt, auf eine Metallplatte geführt, welcher eine zweite, durcheineschr dünne Luftschicht getrennte gegenübersteht, welche letztere durch die Erdleitung (s. unten E) in guter Verbindung mit der Erde ist; dann springt alle atmosphärische Elektricität in Form von Funken von der ersten Platte zur zweiten über, während die galvanische den continuirlichen Weg von der ersten Platte aus um die Elektromagnete einschlägt. Hightons Blitzableiter war den Blitzplatten im Princip ganz ähnlich. Die jetzt gebräuchlichen Blitzableiter sind die Spitzenableiter, bei welchen sich nicht Platten, sondern Ränder mit stellbaren Spitzen od. kreisförmigen Schneiden gegenüberstehen u. gleichzeitig auch die Idee von Breguet in Anwendung gebracht ist. e) Das Relais (Übertrager). Bei sehr langen Linien ist der durch die lange Leitung gesendete Strom der gewöhnlichen Batterien nicht kräftig genug, um den Schreibhebel (s. oben B) e) sicher zu chewegen u. im Papier deutliche Zeichen hervorzubringen. Nach einem von Wheatstone zuerst (1837) bei einem Wecker angewandten Princip bringt man daher außer der, den Strom nach der entfernten Station hinsendenden sogenannten Telegraphir-, Linien- od. Leitungsbatterie eine zweite, die Bewegung des Schreibhebels im Schreibapparate bewirkende sogenannte Localbatterie nebst einem Relais in Anwendung, d.i. einem dem Schreibapparate nachgebildeten Apparate, bei welchem der Anker des Elektromagnets an einem sehr leichten Hebel sitzt u. sehr leicht beweglich ist; wird der Anker durch den Strom der Linienbatterie angezogen u. bewegt, so wird die Localbatterie geschlossen, da ein Pol derselben mit der Achse des Hebels, der andere Pol mit einer Stellschraube (Contactschraube) verbunden ist, auf welche sich der angezogene Relaishebel auflegt, u. der Strom der Localbatterie durchläuft nun zugleich den Multiplicator am Schreibapparate u. bewegt den Schreibhebel. Die Localbatterie besteht aus nur wenigen großen Elementen, da ihr Strom durch eine verhältnißmäßig kurze Kette aus dickem Draht geführt ist. Morse selbst wendete 1844 das Relais bei seinem T. an. Um das Relais recht empfindlich, d.h. seinen Hebel recht leicht beweglich zu machen, hat man verschiedene Einrichtungen. Meist wird der Hebel beim Aufhören des Stroms durch eine Spiralfeder in seine Ruhelage zurückgeführt; diese Feder muß der Stromstärke entsprechend gestellt werden, wenn die Zeichen deutlich werden sollen. Um die Feder u. das wiederholte Reguliren derselben zu umgehen, hat man dem Anker einen Richtmagnet gegenübergestellt, welcher den Anker magnetisirt (polarisirte Relais) u. nach Aufhören des Stroms wieder in die Ruhelage zurückführt. Man hat in neuester Zeit wiederholt versucht, das Relais ganz wegzulassen, so namentlich Digney in Paris bei seinem polarisirten Schwarzschreiber. Das Doppelstistrelais für den Stöhrerschen T. (s. oben B) e) bb) muß eine ähnliche Einrichtung haben, wie man diesem T. ohne Relais geben müßte; auch bei Zeigertelegraphen kann man ein Relais anwenden (vgl. obenn) b) ee). f) Die Translation (Übertragung) besteht darin, daß man die Depeschen nicht an den Endstationen der einzelnen Linien aufnimmt u. mit der Hmd weiter telegraphirt, sondern daß die Depeschen durch die einzelnen Stationen durchtelegraphirt werden, an denen man die Linien durch eine Vorrichtung zum Selbstübertragen (Translator) in einer solchen Weise verbindet, daß die auf der einen Linie in der Translationsstation anlangenden Zeichen durch den Translator sofort u. ohne Zuthun eines Beamten durch einen neuen, von der Translationsstation ausgehenden Strom in die andere Linie weiter fortgegeben werden. Alle wichtigeren Knotenpunkte des europäischen Telegraphennetzes sind jetzt darauf eingerichtet, daß sie nach Bedarf übertragen können; dadurch wächst unter Umständen die Schnelligkeit u. Correctheit, mit welcher die Telegramme ihr Ziel erreichen. Durch mehrmalige Translation konnte z.B. Triest über Wien, Warschau, Petersburg, Moskau direct Telegramme mit Odessa od. Manchester über Haag, Berlin, Petersburg, Moskau, Odessa mit Nikolajew (600 Meilen) Telegramme wechseln; Fardely schlug die Translation schon 1844 bei seinem Typendrucktelegraphen vor; Ezra Cornell soll sie 1846 zwischen New York u. Buffalo angewendet, auch Morse schon 1836 an sie gedacht haben. Man kann mit einer gewöhnlichen od. besser mit zwei bes. eingerichteten Relais (Translations- od. Doppelcontactrelais) übertragen; am sichersten benutzt man nach Steinheils Vorschlage zwei Schreibapparate, was zunächst vom Deutsch-österreichischen Verein angenommen wurde u. jetzt allgemein üblich istz dabei hat der Schreibhebel die Gestalt ⊤ u. die beiden Linien sind in folgender Weise symmetrisch eingeschaltet: die erste Linie ist nach der Achse des Schreibhebels im zweiten Schreibapparate geführt u. der aus der ersten Linie kommende Strom läuft von dem unteren Fortsatze dieses Schreibhebels, welcher in der Ruhelage ist, erst nach dem Relais der ersten Linie; mit der Stellschraube, auf welcher der Schreibhebel sich auflegt, wenn er ein Zeichen schreibt, ist der eine Pol der Linienbatterie verbunden u. diese sendet daher bei jedem auf der ersten Linie einlangenden, auf dem ersten Schreibapparate erscheinenden Zeichen einen Strom durch den Schreibhebel dieses ersten Schreibapparates in die zweite Linie, u. umgekehrt. Der Schreibhebel spielt also bei der Translation ganz die Rolle eines Tasters. g) Unter Zweigsprechen versteht man diejenige Art des Telegraphirens, bei welcher jedes auf einer Linie in einer Station einlangende Zeichen von dieser Station aus selbstthätig, ohne Zuthun der Beamten in mehren Linienweiter gegeben wird; man kann es ohne u. mit Translation ausführen. h) Zur selbstthätigen Ein- u. Ausschaltung von Schleifenlinien (s. Schleife 6) benutzt man bes. construirte lpolarisirte) Relais u. Ströme von verschiedenen Vorzeichen, so daß z.B. die positiven Ströme die Schleife mit durchlaufen, während negative die Schleife ausschalten, indem sie die beiden Enden der Hauptleitung unmittelbar mit einander verbinden.

D) Unter Doppeltelegraphie versteht man die gleichzeitige Beförderung zweier Depeschen auf Einem Drahte; je nachdem beide Depeschen in entgegengesetzter od. in gleicher Richtung befördert werden, nennt man das Doppeltelegraphiren[337] entweder Gegensprechen od. Doppelsprechen, Wegen der großen Schwierigkeiten, welche namentlich in der unvollständigen Isolation der Leitung u. der veränderlichen Stromstärke der Batterien ihren Grund haben, ist die Doppeltelegraphie nicht zu allgemeiner Anwendung gelangt, höchstens bedient man sich des Gegensprechens mitunter zur Collationirung langer Depeschen, indem man diese durch die Apparate der Empfangsstation zur Controle gleichzeitig nach der gebenden Station zurückgeben läßt. a) Das Gegensprechen wurde im Juli 1853 von dem österreichischen Telegraphendirector W. Gintl erfunden u. erfordert eine etwas abweichende Einrichtung u. Einschaltung der Apparate. Bei der einfachen Telegraphie durchläuft der Strom jeder Station das Relais dieser Station nicht mit; bei der Doppeltelegraphie soll jedes Relais für die von der andern Station kommenden Zeichen zugänglich sein, mag die eigene Station sprechen (Zeichen geben) od. nicht, daher muß auch der Strom jeder Station durch ihr Relais Mit hindurchgehen, aber es muß Vorkehrung getroffen werden, daß dieser Strom auf dem Relais der Stationen, von welcher er ausgeht, kein Zeichen hervorbringt. Letzteres erreichte Gintl beim Morseschen u. beim Chemischen T-en durch Anwendung einer Ausgleichungsbatterie, welche durch den von ihm angewendeten Doppeltaster gleichzeitig mit der Telegraphirbatterie geschlossen wurde u. die elektromagnetische od. chemische Wirkung der letzteren aufhob, da ihr Strom mit dem der letzteren von gleicher Stärke aber entgegengesetzter Richtung war. Nach der Methode von Frischen in Hannover (März 1854) u. von Siemens u. Halske in Berlin (Herbst 1854), wendet man keine Ausgleichungsbatterie an, sondern theilt den Strom der Linienbatterie u. führt denselben in zwei entgegengesetzt gerichteten Zweigströmen von gleicher Wirkung um die Kerne des Elektromagnets herum, so daß also ebenfalls auf dem eigenen Relais kein Zeichen erscheint. Weitere Vorschläge u. Versuche wurden gemacht von Edlund in Stockholm (März 1854), Stark in Wien (1855), Schreder in Wien (1860), W. Kohl in Wien (1862, mit gewöhnlichem Relais). b) Das Doppelsprechen wurde von Gintl 1853 erfunden; eine Lösung derselben Aufgabe veröffentlichten bald darauf Stark (1855), Siemens (1855), Bernstein in Berlin (Oct. 1855), Bosscha in Leyden (27. Oct. 1855), Nyström in Örebro in Schweden (4. Dec. 1855), Kramer in Berlin (13. Febr. 1856), Schreder (1860). Bei der gleichzeitigen Beförderung zweier Telegramme in derselben Richtung kommen drei verschiedene Stromstärken vor, je nachdem ein Zeichen blos auf einem, od. auf dem andern, od. auf beiden Tastern gegeben wird; man erlangt diese drei verschiedenen Stromstärken entweder durch verschiedenstarke gleichgerichtete od. entgegengesetzte Ströme zweier Telegraphirbatterien; man bedarf nun auf der Empfangsstation drei Relais, welche auf diese drei verschiedenen Ströme ansprechen u. die Zeichen auf zwei Schreibapparaten aufzeichnen. Man kann so gleichzeitig zwei Telegramme in derselben Richtung von einer od. zwei verschiedenen Stationen nach zwei od. einer anderen Station befördern. Auch wurde (1851 u. 1860) der Vorschlag gemacht mit Hülfe zweier gleichgehender Pendel in den Zwischenpausen zwischen den Zeichen einer Depescheeine zweite zu befördern.

E) Die Telegraphenleitung ist ein Kupfer- od. Eisendraht, welcher sich ohne Unterbrechung von einer Station bis zur andern erstreckt, damit der Linienstrom, d.h. der Strom der Linienbatterie (s. oben C) e) in ihm, von der einen zur andern Station gelangen kann, was mit einer Geschwindigkeit von 13,000–62,000 Meilen in einer Secunde geschieht; auf der Empfangsstation geht der Linienstrom durch die Apparate u. wird dann mittels eines dicken Drahtes (Erdleitung) nach einer entsprechend großen, in die feuchte Erde eingegrabenen Metallplatte (Erdplatte) geleitet, geht von dieser in die Erde selbst, welche also die Rückleitung des Stroms bildet, über u. kehrt nach der Erdplatte u. durch die Erdleitung der telegraphirenden Station zum andern Pol der Linienbatterie zurück; od. auf der einen Station wird die positive, auf der andern die negative Elektricität der Linienbatterie in die Erde übergeführt u. beide vereinigen sich in der feuchten Erde, welche eine Leitung zwar von sehr geringer Leitungsfähigkeit, dafür aber von sehr großem Querschnitte bildet, weshalb die Erde den Strom sehr gut leitet. Die Leitung muß ferner auf ihrer ganzen Länge möglichst vollständig gegen die Erde isolirt sein (vgl. Isolation 2), damit nicht der Strom ganz od. theilweise zur Erde gelangt, bevor er zur Empfangsstation kommt; befinden sich viele Nebenschließungen, d.h. Stellen, wo einzelne Theilchen des Linienstromes zur Erde gelangen können, an einer Leitung, so wird der nach der Empfangsstation kommende Stromtheil so schwach, daß er keine deutlichen Zeichen hervorbringen kann. Die in Anwendung gebrachten Leitungen sind: a) die oberirdische Luft- od. Stangenleitung. Früher stellte man sie aus Kupfer her, da dieses die Elektricität sechsmal besser leitet als Eisen. Man nahm Kupferdraht von einer Linie Dicke, von welchem ein Centner 50–60 Thlr. kostete u. 5–6 Centner zu einer Leitung von einer Meile Länge nöthig waren. Gegenwärtig benutzt man fast nur Eisendraht von, 3/16 Zoll Dicke, wovon ein Centner 7–8 Thlr. kostet u. etwa 20 Centner auf eine Meile nöthig sind. Der Eisendraht gestattet wegen seiner größeren Dicke u. Festigkeit größere Spannweiten von einem Unterstützungspunkte zum andern; gegen das Rosten schützt man ihn durch Verzinken, was 2–3 Thlr. für einen Centner kostet, od. durch Überstreichen mit Asphaltlack, was 1/2 Thlr. für einen Centner kostet. Die Enden der einzelnen Drahtstücke, woraus die Leitung hergestellt wird, werden meist um einander herumgewunden u. mit Bindedraht umbunden od. zusammengelöthet (seltener geschweißt), od. man befestigt beide Enden in einem Metallmuffe od. einer Metallklemme. Zur Unterstützung der Drähte benutzt man vorwiegend hölzerne Tragsäulen, in Abständen von 100–200 Fuß; ihre obere Stärke wechselt zwischen 3–6 Zoll, ihre Höhe zwischen 16–32 Fuß; sie stehen einige Fuß tief in der Erde u. werden, um sie gegen Feuchtigkeit u. Fäulniß zu schützen, unten verkohlt od. mit einer Mischung aus Asphalt u. Steinkohlentheer bestrichen od. mit Kupfervitriol imprägnirt. Hölzerne Tragsäulen nebst Ausrüstung kosten etwa 150–200 Thlr. auf eine Meile. Tragsäulen aus Stein, aus Eisen od. aus Stein u. Eisen sind viel theurer; lebende Bäume lassen sich nicht gut als Träger für Telegraphenleitungen benutzen, da sie im Winde zu sehr hin u. her schwanken. In Städten befestigt man die Leitungen meist[338] auf eisernen Trägern an od. auf den Häusern. Die Isolirung des Drahtes ist sehr verschieden; man muß stets zwischen Leitung u. Säule einen isolirenden Körper bringen, welcher bei jeder Witterung trocken bleibt, weil die nasse Säule den Strom zur Erde ableiten würde. Man legt den Draht gewöhnlich auf einen glockenförmigen Körper (Isolator) aus Glas, Porzellan od. Steingut, welchen man auf die Tragstangen selbst od. auf deren befestigte kurze Eisenstützen aufkittet; der Draht wird dabei um den Isolator herum gewickelt, od. in eine Rinne des Isolators gelegt u. festgebunden. In neuerer Zeit hat man die Isolatorglocken oft in gußeiserne Glocken eingekittet, um sie so besser gegen Beschädigung zu sichern. Hat eine Linie mehre Drähte, so braucht man nicht für jeden Draht eine besondere Tragsäule, sondern man legt sämmtliche Drähte (in England oft mehr als 30) auf eine Säule; bei Leitungen mit mehren Drähten muß man aber in gewissen Abständen Spannvorrichtungen anbringen u. durch diese die Drähte entsprechend anspannen, damit sie sich nicht dehnen, schlaff herabhängen, einander berühren u. so das Telegraphiren stören. In Deutschland wandten schon Weber (1833) u. Steinheil (1837) Luftleitungen an, in England erst Looke (1843). b) Unterirdische Leitung. Vorzüglich um die Leitungen dem Muthwillen der Menschen, den Einflüssen der Witterung u. den durch die atmosphärische Elektricität hervorgerufenen Störungen zu entziehen, hat man den Leitungsdraht früher oft in die Erde gelegt, während man jetzt diese kostspieligen Leitungen etwa nur noch in Städten anwendet. Erst nach vielen Versuchen mit Glasröhren (Jacobi in Petersburg), mit Kautschukbändern (Wheatstone), mit gefirnißter Baumwolle (in Amerika Morse) etc. gelang es unterirdische Leitungen genügend zu isoliren; 1846 versuchte der preußische Lieutenant W. Siemens Guttapercha zu verwenden u. 1847 legte er 300 Meilen, welche jedoch, weil der Guttapercha Schwefel beigemischt war, bald den Dienst versagten. Eine Meile Guttaperchadraht mit einem Kupferdraht kostet etwa 800 Thlr. In neuerer Zeit liefern deutsche u. englische Fabriken sehr vollkommene mit Guttapercha umkleidete Drähte. Man schließt dabei theils einen, theils mehre Drähte in eine gemeinschaftliche Hülle, umwickelt sie dick mit getheertem Hanfgarn u. endlich mit verzinkten Eisendrähten, bestreicht sie außerdem beim Legen noch mit Asphalt u. etwas Mineraltheer. Bei der Pariser Stadtleitung hat man 1855 die Drähte in ein Bett von Asphalt gelegt u. so isolirt; in Wien legte man sie in Cement in Kanäle aus Mauerziegeln; in Berlin legte man Guttaperchadrähte in 6 Zoll weite eiserne Röhren, in England in Holzrinnen od. Röhren von Gußeisen od. Steingut. Zur leichten Aufsuchung schadhafter Stellen legt man meist in gewissen Abständen besondere Untersuchungsbrunnen an, in denen man bequem zur Leitung gelangen kann. c) Die Unterseeische Leitung (Telegraphenkabel, Telegraphenseil, Telegraphentau) verbindet zwei durch Meere, Seen od. Flüsse getrennte Stationen u. wird auf den Grund der Gewässer gelegt. Schon 1840 legte Wheatstone dem Unterhause einen Plan zur Verbindung von Dover u. Calais vor; 1842 machte Morse die ersten Versuche. Die erste unterseeische Leitung wurde in England Ende November 1846 in dem Hafen von Portsmouth vom Watering-Island in Dock-Yard bis zur Landungstreppe bei Royal-Clarence-Yard auf der Insel Wight gelegt; 1848 führte Siemens einen Draht von Deutz nach Köln durch den Rhein; 1849 telegraphirte Walker im Hafen zu Folkstone auf einem 2 Meilen langen, in das Meer versenkten Kabel. Das erste, von Jac. Brett am 28. Aug. 1850 von Dover nach Calais od. vielmehr dem Cap Grinez gelegte, 6 deutsche Meilen lange Telegraphentau war nach wenigen Tagen gerissen; doch wurde es 1851 erneuert. In diesem waren vier Kupferdrähte mit einer doppelten starken Hülle von Guttapercha umgeben, unter Hinzunahme von Hanf, Theer u. Talg zu einem Stricke von 1 Zoll Durchmesser zusammengewunden u. endlich mit einer Metallhülle aus 10 verzinkten Eisendrähten von 41/2 Zoll Dicke versehen. Eine große, vom Ingenieur Fenwick eigens dazu erbaute Maschine diente dazu, ein möglichst genaues Aneinanderschließen dieser 10 äußeren Drähte herzustellen, so daß sie eine vollkommene feste Decke bildeten, welche allen Hinzutritt des Wassers verhindert. Vom 25.–28. Septbr. 1851 wurde dieses Riesentau von az Zoll Dicke, 7 Meilen Länge, 180 Tonnen Gewicht, in das Meer versenkt. Die Verbindungspunkte sind auf der englischen Küste South Foreland, auf der französischen Saangate (1 Meile südlich von Calais). Die Leiter des Unternehmens waren Wollaston u. Crampton. Anfang Juni 1852 wurde England (Holyhead) mit Irland (Dublin) durch einen unterirdischen T. verbunden; Anfang Mai 1853 eine gleiche Verbindung zwischen England u. Belgien (Middelkerke bei Ostende) auf eine Entfernung von gegen 65 Meilen u. Ende Mai eine zweite zwischen England (Port Patrick) u. Irland (Donaghadee) hergestellt. Die letztern sind dem erstern ganz gleich eingerichtet, die Zahl der Leitdrähte aber ist sechs, die der umhüllenden Eisendrähte zwölf. In dem englischen Amerika wurde der erste unterseeische T. im Dec. 1852 zwischen dem Vorgebirge Termentine (Neu-Braunschweig) u. Carlton Head (Prinz Edward-Insel) gelegt. Bald folgten nun größere Unternehmungen im Mittelmeere; am 24. Juli 1854 legte John Wattkins Brett das 20,000 Centner schwere Kabel von Spezzia (bei Genua) nach Corsica u. verband Corsica mit Sardinien, aber die Verbindung dieser Insel mit der afrikanischen Küste bei Bona mißlang zweimal (1855 u. 1856) u. wurde erst 1857 glücklich vollendet; die Leitung ist seitdem an der Nordküste von Afrika nach Ägypten u. Ostindien hin fortgesetzt worden. Ebenfalls 1857 wurde Sardinien mit Malta u. Corfu durch ein Tau verbunden, welches 154 Meilen lang ist u. mit Einschluß der Apparate 125,000 Pfd. Sterl. kostete. Andere Taue liegen zwischen England u. Hannover, im Bodensee, zwischen Schweden u. Dänemark, Schweden u. Gothland, im Großen u. Kleinen Belt, von Folkestone nach Boulogne, zwischen Athen u. Skios, Barcelona u. Mahon, Corfu u. Otranto, im Rothen Meere von Suez über Kosseir, Suakin, Aden, Kooria-Moria u. Mascat nach Currachee, von Toulon nach Algier, zwischen Neufundland u. Cap Breton. Bis Ende 1861 waren 2479 geogr. Meilen Kabel ins Meer versenkt, aber kaum noch 650 Meilen in Thätigkeit; vielfach riß das Kabel beim Legen, oft wurde es von der Fluth an Felsecken zerscheuert, häufig die isolirende Hülle von Schiffsankern verletzt od. von Zoophyten u. Pflanzen zerstört u.s.f. Der mit der Tiefe wachsende Wasserdruck erhöht die Isolationsfähigkeit, ist also eher zuträglich als nachtheilig,[339] sofern die isolirende Hülle nicht Rißchen bei der Fabrikation od. dem Legen erhalten hat. Das großartigste Unternehmen der Art ist aber die Verbindung von Europa mit Amerika durch ein transatlantisches Kabel; schon 1843 regte Morse diese Idee an, doch erst 1856 brachte sie der Amerikaner Cyrus Field der Ausführung näher, es bildete sich eine Gesellschaft u. am 6. August 1857 begann die Legung des Taues von der Valentia-Bai an der Westküste Irlands aus, aber am 11. August riß das Tau in einer Entfernung von 73 Meilen von der Küste. 1858 wiederholte man die Legung von der Mitte des Oceans aus mit zwei Schiffen, von denen der Agamemnon nach Valentia in Irland, der Niagara nach der Trinity-Bai auf Neufundland segelte; beide langten am 6. Aug. glücklich an, ein wirkliches Telegraphiren gelang aber erst am 21. Aug., dauerte jedoch nur bis zum 4. Septbr. Um nicht etwa bei einem dritten Versuche den hohen Aufwand für das 475 geogr. Meilen lange Kabel abermals ganz aufs Spiel zu setzen, hat man verschiedene andere Wege zur Verbindung der beiden Erdtheile vorgeschlagen: entweder von Schottland über die Faröer-Inseln, Island, Grönland, Labrador nach Neufundland, od. von Brest über die Azoren nach Neufundland, od. von der Südspitze Europas über Madeira, die Canarischen u. Cap Verde-Inseln, die Insel Dom Pedro u. die Insel Fernando Noronha nach Südamerika u. über Westindien nach den Vereinigten Staaten; auch eine Verbindung zu Lande über Sibirien u. Russisch-Amerika ist in Vorschlag gekommen. Beim Gebrauch unterseeischer Leitungen sind die Apparate etwas abweichend construirt; die Leitung bildet nämlich mit dem sie umgebenden Meerwasser eine große Leydener Flasche, wird nebenbei geladen so oft ein Strom hindurchgeht u. beginntsich zu entladen, sobald der Strom unterbrochen wird; der bei dieser Entladung entstehende, entgegengesetzt gerichtete Entladungsstrom (Rückstrom) durchläuft auch die Apparate u. muß unschädlich gemacht werden, wozu Siemens u. Halske den Submarintaster, Varley den Switch (d.i. Ruthe) od. Kabeltranslator vorschlugen; bei ersterem telegraphirt man mit Strömen von wechselnder Richtung u. benutzt so den jedesmaligen Rückstrom zur Verstärkung des nächstfolgenden, ihm gleichgerichteten Telegraphirstroms, das Relais aber ist während des Telegraphirens ausgeschaltet; ähnlich, dochumständlicher, wirkt der Switch. d) Tragbare od. ambulante Leitungen. Im Sept. 1853 machte Gintl in dem Lager von Olmütz Versuche mit ambulanten T-en; die Apparate waren auf Wagen, welche sich theils in der Nähe des Kaisers, theils in der der Corpscommandanten befanden, an welche die kaiserlichen Befehle telegraphirt werden sollten. Die Leitung wurde von einer Abtheilung Reiter nach Bedarf auf dünnen Stangen ausgespannt, verlegt od. abgebrochen Ähnliches geschah im Krimkriege, in dem Englisch-indischen Kriege, 1859 im Italienischen Feldzuge u. 1861 im Lager von Chalons.

F) Die Ausbreitung der T-en u. des telegraphischen Verkehrs beginnt erst von dem Zeitpunkte, wo die T-en aufhörten blos dem Eisenbahn- u. Staatsinteresse zu dienen u. auch den Privat-, namentlich den Handelsinteressen zur Benutzung überlassen wurden. In Amerika scheint dies zuerst u. zwar von 1843 an der Fall gewesen zu sein. In Deutschland wurde schon 1847 eine Linie von Bremen nach Vegesack zum Gebrauch für Jedermann angelegt, während England 1848, Preußen u. Österreich 1849, Frankreich erst durch das Gesetz vom 1. Aug. 1851, Dänemark den 1. Febr. 1854 Privattelegramme zuließ. Den größten Einfluß aber übte in Deutschland der Deutsch-österreichische Telegraphenverein, welcher nach dem Vertrag vom 25. Juli 1850 am 15. Aug. 1850 in Dresden zwischen Österreich, Preußen, Sachsen u. Baiern abgeschlossen wurde, die T-en seiner Staaten auch der Privatcorrespondenz eröffnete u. nur diejenigen Depeschen ausschloß, deren Inhalt gegen die Gesetze verstieß. Schon 1849 hatten sich Österreich, Preußen, Sachsen u. Baiern über die Weiterbeförderung ihrer Staatsdepeschen geeinigt. Die Vereinsstaaten hielten vom 1.–14. October 1851 die erste Telegraphenconferenz in Wien, wo sie durch die technischen Vorstände ihrer Telegraphenanstalten, bes. über die zeitgemäße u. einheitliche Gestaltung u. weitere Ausbildung dieses so wichtigen Instituts berathen ließen. Dem Vereine war bereits auch Württemberg beigetreten. Zur Vermeidung des verzögernden Umtelegraphirens an den Landesgrenzen empfahl Österreich die Anwendung der Translation (s. oben S. 337) u. das in seinen Staaten eingeführte Princip der Translatoren, u. es wurde vereinbart, daß bis zum 1. Juli 1852 wenigstens eine directe Verbindung der Hauptstädte der Vereinsstaaten stattfinden sollte. Ferner stellte man eine gemeinschaftliche telegraphische Schriftsprache fest. Auch wurde ein neuer Theilungsmodus der Gebühren für die internationale Correspondenz angenommen, nach welchem die Erträgnisse für solche Depeschen unter den Vereinsregierungen nach Maßgabe der Länge der in Betrieb befindlichen Telegraphenlinien jeder Regierung vertheilt würden, so daß es bei der einzelnen Depesche gleichgültig wäre, ob dieselbe ein od. das andere Gebiet berührt hätte od. nicht. Diese Bestimmungen enthält der erste Nachtragsvertrag vom 14. Octbr. 1851. Nachdem inzwischen auch Hannover u. die Niederlande beigetreten waren, wurde vom 2. bis 23. Septbr. 1853 die zweite Telegraphenconferenz in Berlin gehalten. Die Hauptbeschlüsse derselben sind in dem zweiten Nachtragsvertrag vom 23. Septbr. 1853 enthalten: vom 1. Juli 1853 bis dahin 1854 soll versuchsweise ein anderer gerechterer Theilungsmodus der Einnahmen angewendet werden, u. zwar soll die Proportionszahl, welche die Vertheilung des gemeinsamen Einkommens bestimmt, gebildet werden aus dem Producte der höchsten Zonenzahl jedes Staates mit der Zahl der im Laufe des Quartals angekommenen, abgegangenen u. Transitdepeschen. Ferner sollen die bisher von Österreich für Phrasen angewendeten Schriftzeichen für den internationalen telegraphischen Verkehr innerhalb des Vereins eingeführt werden. Es können fortan auch Privatdepeschen in Französischer u. Englischer Sprache zur Beförderung innerhalb des Vereinsgebietes zugelassen werden. Zugleich wurde eine Dienstanweisung für die Telegraphisten entworfen u. der Nachtdienst bei den Hauptstationen eingeführt. Unter den nachfolgenden Conferenzen (München 1855, Stuttgart 1857, Haag 1861 u. Hannover 1863) wurde bes. die Stuttgarter wichtig wegen der auf ihr erfolgten Revision des Vereinsvertrags auf die Zeit vom 1. April 1858 bis 31. März 1864 u. der beschlossenen[340] Herabsetzung der Beförderungsgebühren. Letztere wuchsen im Vereine stets mit der directen (d.h. in der Luft gemessenen) Entfernung der Aufgabe- u. Empfangsstation des Telegramms; seit dem 1. April 1858 ist die Wortzahl des einfachen Telegramms auf 20 festgesetzt u. kostet bis zur Entfernung von 10, 25, 45, 70, 100, 135, 175 geogr. Meilen imit diesen Entfernungen als Halbmesser schlägt man um die Aufgabestation Kreise u. erhält so die erste, zweite, dritte etc. Zone) beziehungsweise 12, 24, 36, 48, 60, 72, 84 Ngr.; für je 10 Worte mehr wächst die Gebühr um die Hälfte. Nach den Beschlüssen der Conferenz in Hannover (Mai 1863) wird vom 1. Oct. 1863 eine Änderung der Zoneneintheilung u. Herabsetzung des Tarifs eintreten; danach wird das gesammte Vereinsgebiet fortan nicht mehr in 10, sondern in 4 Zonen getheilt: 10, 45, 100 Meilen u. darüber, resp. 8, 16, 24, 32 Ngr. Der Verein vergrößerte sich noch durch den Beitritt von Mecklenburg u. Baden (1854) u. schloß auch seit 1852 Verträge mit der Schweiz, Frankreich, England, Belgien, Rußland, den Donaufürstenthümern, Türkei, Sardinien, Rom u. Neapel. Die Depeschen können englisch, französisch od. deutsch, zum Theil auch italienisch u. holländisch abgefaßt werden. In Rücksicht auf die Priorität für die Absendung werden drei Kategorien angenommen: Depeschen der Regierungen (Staatsdepeschen), dann die der Telegraphenverwaltung (Amtsdepeschen), zuletzt die von Privatleuten Depeschen an Orte, welche nicht an der Telegraphenlinie liegen, können von der letzten Station entweder durch Post od. Extraboten weiter befördert werden. Depeschen mit einem Inhalt, welcher gegen die guten Sitten verstößt od. Störung der öffentlichen Ordnung bezweckt, sollen zurückgewiesen werden. Chiffern sind blos für Regierungsdepeschen anwendbar. Die meisten Staaten des Vereins haben für die Correspondenz im Inlande einen erniedrigten Tarif. Von Vereinsstaaten werden mit verwaltet die T-en in Hessen-Kassel, Hessen-Darmstadt, Altenburg, Weimar, Reuß etc. Selbständige Verwaltungen haben z.B. Oldenburg u. Braunschweig. Im internationalen Verkehre der außerdeutschen Nachbarländer galten früher nach der Pariser Convention vom 4. Octbr. 1852 die Bestimmungen des Vereinstarifs. Nach dem Tarif der Pariser Convention vom 19. Decbr. 1855 zwischen Frankreich, Sardinien, Spanien, Belgien u. der Schweiz kostete eine Depesche von 15 Worten Text u. fünf Worten Adresse auf 100, 250, 450, 700, 1000 Kilometer (d.i. 131/3, 331/3, 60, 931/3, 133 geogr. Meilen) 11/2, 3, 41/2, 6, 71/2 Francs. Der Tarif der Brüsseler Convention (übereinstimmend mit dem Berner Vertrag, dem Friedrichshafener Vertrag u. dem Stuttgarter Vereinsvertrag) behält für den Verein die Vereinszonen, für die andern Staaten die der Pariser Convention bei u. setzt die Gebühr der einfachen Depesche von 20 Worten auf 12 Ngr. Auch die Schweiz, Frankreich, Belgien haben ermäßigte Tarife für den inländischen Verkehr.

Ein Blick auf die Ausdehnung u. Benutzung der Telegraphenlinien gibt folgende Zusammenstellung für das Jahr 1859, in welcher die erste Zahl die Länge der Linien, die zweite die Länge der gespannten Drähte, die dritte die Zahl der Stationen u. die vierte die Gesammtzahl der aufgegebenen Depeschen angibt; die Zahl der angekommenen Depeschen darf etwa eben so groß angenommen werden die durch die betreffenden Staaten blos durchgegangenen [Transito-] Depeschen sind außer Acht gelassen: Österreich 1532 geogr. Mln., 3272 geogr. Mln., 160, 604321; Preußen 980, 2711, 110, 336827; Baiern 274, 664, 39, 145078; Sachsen 138, 190, 27, 85866; Hannover 162, 309, 30, 93972; Württemberg 85, 135, 19, 42658; Baden 144, 272, 38, 38677; Mecklenburg, Schwerin 46, 56, 12, 18435; Niederlande 172, 396, 45, 269063; der ganze Verein 3533, 7104, 480, 1597918. Mehre Vereinsländer haben auch die Telegraphenämter der Eisenbahnstationen dem Privatverkehr zugänglich gemacht, u. dadurch würde sich die Zahl der Stationen als beträchtlich größer herausstellen. Zu Anfang 1862 waren in den Staatendes Deutsch-österreichischen Telegraphenvereins die Zahl der Vereinsstationen, die Länge der Vereinslinien u. die Gesammtlänge der Drähte in geogr. Meilen folgende: Österreich 209, 1782, 2916; Preußen 143, 1143, 3387; Baiern 39, 275, 656; Sachsen 27, 138, 204; Hannover 31, 205, 364; Niederlande 59, 219, 501; Württemberg 40, 134, 191; Mecklenburg 14, 53, 64; Baden 65, 177, 309; Summa 627, 4125, 8591. Zu Ende 1850 hatte der Verein 88 Stationen u. 978 Meilen Linien u. zwar Österreich 486, Preußen 330, Baiern 114 u. Sachsen 48 Meilen. Die Zahl der aufgegebenen Depeschen betrug ferner 1859 in der Schweiz 228, 137, in Frankreich 598, 701 bei 240 Stationen u. 2167 Meilen Leitung, in Belgien 105, 427, in Dänemark 119, 785, in Schweden 171, 720, in Norwegen 117, 250. Auf der Linie Pittsburgh-Cincinnati wurden 1850364, 559 Depeschen befördert; New York befördert jährlich über 700,000 Depeschen. Anfang 1856 hatte Sardinien 90, die Schweiz 99, Preußen 67, Österreich 69, der Verein 234, Belgien 42, Dänemark 8, Schweden 27, Norwegen 18, das Europäische Rußland 24 Stationen; 1855 hatte England 421 u. Nordamerika 794. Anfang 1856 hatte Belgien 98, Sardinien 265, Preußen 617, Österreich 951, Rußland 723, die Schweiz 322, Dänemark 73, Schweden 311, Norwegen 102 Meilen Leitung. Anfang 1859 hatte Belgien 68, Frankreich 687 (mit Einrechnung der Eisenbahn-Telegraphenstationen), Spanien 99, Portugal 30, Großbritannien u. Irland 658, die Schweiz 126, Sardinien u. Corsica 93, Malta 1, Corfu 1, Modena 4, Parma 2, Kirchenstaat 13, Toscana 16, beide Sicilien 63, Serbien 7, Moldau 14, Walachei 5, Türkei 11, Rußland 39 (u. 49 blos für den inneren Verkehr eröffnete Stationen), Norwegen 52, Schweden 67, Dänemark 43, Holstein 6, Oldenburg u. Bremen 8, Braunschweig 17, niederländische Privatlinien 10, Taunusbahn 6, Algier 29 Stationen. Auch auf Java in Hindustan u. in Australien sind ausgedehnte Linien.

Vgl. I. A. B. Bergsträßer, Synthematographik, Hanau 1784–87; Böckmann, Versuch über Telegraphik, Karlsr. 1794; Bergsträßer, Über Signal-Ordre u. Zielschreiberei, Frankf. 1795; Sömmering, Über einen elektrischen T., Münch. 1811; Denkschriften der Münchener Akademie, 1808 u. 1810; Gauß u. Weber, Resultate aus den Beobachtungen des Magnetischen Vereins im Jahre 1836, Gött. 1837; Steinheil, Über Telegraphie, bes. durch galvanische Kräfte, Münch. 1838; Fardely, Der elektrische T. (aus dem Englischen), Manh. 1844; Drescher, Die elektrische Telegraphie, Kassel 1848; Pelchrzim, Der elektromagnetische T., Berl. 1848; Vail, Darstellung des elektromagnetischen T-en nach[341] dem System des Professor Morse (deutsch von Gerke), Hamb. 1848; Poppe, Die Telegraphie, Frankf. 1848; Schellen, Der elektromagnetische T., Braunschw. 1850, 3. Aufl. 1861; Steinheil, Beschreibung u. Vergleichung der galvanischen T-en Deutschlands, Münch. 1850; Gerke, Der praktische Telegraphist, Hamb. 1851; L. Bergmann, Die Telegraphie, Lpz. 1853; Lardner, Populäre Lehre von den elektrischen T-en, deutsch von Hartmann, Weim. 1856; Galle, Katechismus der elektrischen Telegraphie, 2. Aufl. Lpz. 1859; Knies, Der T. als Verkehrsmittel, Tüb. 1857; Viecheimann, Elemente der unterseeischen Telegraphie (nach Delamarche), Berl. 1860; Dub, Die Anwendung des Elektromagnetismus, ebd. 1862 f., 2 Bde.; Scharff, De veterum re telegraphica, 1842; Zeitschrift des Deutsch-österreichischen Telegraphenvereins, Berl. 1854 ff.; Annales télégraphiques, Par. 1855 ff.; Vail, The American Electrotelegraph, Philad. 1847; Highton, The Electric telegraph, Lond. 1852; Turnbull, The Magneto-electric telegraph, 2. Aufl. Philad. 1853; Shaffner, The telegraph manual, a complete history and description etc., New York 1859; Prescott, History etc. of the Electric telegraph, London; Moigno, Traité de télégraphie électrique, Par. 1849; V. Bois, La télégraphie électrique, ebd. 1853; L. Strens, La télégraphie électrique, Brüss. 1855; Blavier, Cours de télégraphie électrique, Paris; Breguet, Manuel de télégr. électr., 3. Aufl. ebd. 1856; Du Moncel, Exposé des applic. de l'électricité, 2. Aufl. Par. 1856, 3 Bde.; Glösener, Traité général des appl. de l'électr., Par. u. Brüssel, 2 Bde.

Quelle:
Pierer's Universal-Lexikon, Band 17. Altenburg 1863, S. 322-342.
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