Portugal [2]

[382] Portugal (Gesch.). Das Land, im Alterthum zu Spanien gerechnet, wurde von verschiedenen celtischen Völkerschaften bewohnt, namentlich bis an den Tajo von den kühnen Lusitaniern, jenseit des Tajo von den Celtikern u. im Süden von den Cyneten. Phönicier, welche vielleicht um 600 v. Chr. u. Carthager, welche zwei Jahrh. später an den Küsten P-s Niederlassungen gründeten, ließen die Lusitanier unangetastet, daher auch diese mit ihrem Feldherrn Viriathus als Bundesgenossen der Carthager gegen die Römer bei Cannä fochten. Die Römer wollten nach der Demüthigung Carthagos mit den übrigen Völkern der Pyrenäischen Halbinsel auch die Lusitanier unterjochen, doch gelang ihnen dies erst mit den südlich vom Tejo wohnenden Völkern 131 v. Chr. nach dem Falle Numantias, wogegen der Kampf mit den Lusitaniern fortdauerte u. erst mit deren Unterwerfung durch Cäsar beendigt wurde. Bei der Dreitheilung Spaniens wurde Lusitania eine eigene Provinz, welche das Land zwischen dem Atlantischen Meere, dem Anas (j. Guadiana) u. Durius (j. Douro), also das jetzige P. mit Ausnahme der Provinzen Entre Douro e Minho, Tras os Montes u. dem südöstlichen Theile von Alemtejo, aber mit Einschluß der jetzigen spanischen Provinzen Estremadura, Salamanca u. dem Westen von Toledo, begriff. Unter den Lusitaniern wohnten die Turduli, Vettones, Celtici, Turdetani; unter den 46 Städten waren 5 römische Colonien u. das Municipium Olisipo (das j. Lissabon). Nach der Sage. soll das Christenthum vom Apostel Jacobus dem Älteren hier eingeführt worden (daher ist auch St. Jago der Schutzheilige P-s) u. sein Schüler Pedro de Rages 37 n.Chr. erster Bischof von Braga geworden sein; in der That wurde das Evangelium von Afrika aus in P. verbreitet, der Sitz der Lusitanischen Kirche war in Braga, die Zahl der Christen aber bis in die Mitte des 6. Jahrh. nicht groß.

Lusitanien blieb römisch, bis zur Zeit der Zertrümmerung des Römerreiches die Alanen 409 n.Chr. sich darin niederließen. Diese wurden von den Sueven 440 überwältigt, welche in Lusitanien ein Reich gründeten, in welchem Rechilla bis 448, Rechiar bis 450, Freomar bis 460 herrschten. Nach des Letzteren Tode stritten lange mehre Bewerber um die Herrschaft, ein Jahrh. verging unter innerlichen Zerrüttungen. Endlich stellte Theodemir die Ruhe her; diesen besiegte aber 583 Leovigild, der König der Westgothen, u. vereinigte Lusitanien mit seinem Reiche. Mit diesem kam es 714 unter die Herrschaft der Araber; Ferdinand I., König von Leon, Aragonien u. Castilien, eroberte 1058 den größten Theil des Landes, welches von da an Portucale, angeblich nach Porto Cale (der Stadt Porto) genannt wurde. Ferdinand (st. 1065) theilte sein Reich unter seine drei Söhne, Sancho II., Alfons IV, u. Garcias, aber Sancho verjagte die Brüder u. erhielt das Ganze. Als er 1072 durch Meuchelmord fiel, bemächtigte sich Alfons des Reiches, welcher die Araber mit Glück bekriegte.

Unter seinen Fahnen stritt auch der Graf Heinrich von Burgund, welcher durch seine Tapferkeit sich so großes Ansehen erwarb, daß Alfons 1095 ihn mit seiner natürlichen Tochter Therese vermählte u. ihm den nördlichen Theil in Lehn gab. Heinrich besiegte die Mauren in 17 Feldschlachten u. gründete mehre Bisthümer, machte sich nach Alfons' Tode, 1109, von der Krone Castilien unabhängig u. nannte sich Graf u. Herr von P. Er wurde so Stifter der Dynastie des Hauses Burgund in P. Sein Sohn, Alfons I. der Eroberer, bei seines Vaters Tode 1112 erst 2 Jahre alt, stand unter der Vormundschaft seiner Mutter Therese, welche dem Sohne die Krone rauben wollte. Erwachsen entriß Alfons 1128 der Mutter die Herrschaft, schlug den ihr Beistand leistenden König von Castilien. Alfons VII., bei Valdevas u. stellte die Ordnung im zerrütteten Staat wieder her. Nach Theresens Tode, 1139, setzte Alfons I. des Vaters Eroberungen gegen die Mauren fort u. zertrümmerte deren Macht in der Schlacht bei Ourique, 25. Juli 1139; sein Heer rief ihn auf dem Schlachtfelde zum König aus. Alfons gab auf dem Reichstage zu Lamego dem Reiche eine Verfassung u. erhielt sich die Unabhängigkeit gegen die Ansprüche Castiliens; zu größerer Sicherheit suchte er den Papst für sich zu gewinnen u. versprach demselben 1144 einen jährlichen Zins. 1146 stiftete er den Ritterorden von Aviz; 25. Oct. 1147 eroberte er mit dem Beistande deutscher u. niederländischer Kreuzfahrer Lissabon, führte 1158 einen glücklichen Krieg gegen Leon u. nahm Alcacar do Sal u. 1166 Evora, wurde aber 1166 von seinem Schwiegersohne, dem König von Leon, vor Badajoz gefangen u. mußte die von ihm gemachten Eroberungen herausgegeben; 1171 u. 1184 schlug er die Mauren bei Santarem u. st. 6. Dec. 1185. Sein Sohn Sancho I. hatte fortwährende Streitigkeiten mit der Geistlichkeit, welche Freiheit von allen Abgaben für ihre ungeheueren Güterbesitzungen u. einen besonderen Gerichtsstand verlangten; mit Hülfe der Kreuzfahrer eroberte er 1188 Silvas u. vermehrte die durch Hunger, Pest u. Krieg in Abnahme gerathene Bevölkerung des Landes durch neue Ansiedler wieder; er st. 1211. Gegen sein Testament hielt sein Sohn Alfons II. der Dicke, die Untheilbarkeit des Reiches aufrecht u. gab seinen Schwestern die denselben bestimmten Gebiete nicht. Darüber u. weil er seine Rechte gegen die Kirche vertheidigte,[383] wurde er in den Bann gethan, doch gab er nicht nach. Durch den Sieg bei Aleacar do Sal 1217 u. die Erstürmung dieses Platzes, so wie durch spätere Kriege befestigte Alfons Il. sein Reich; er st. 1223. Auch unter seinem Sohn Sancho II. dem Kuttenträger dauerte der Kampf fort, bis ihn der Papst auch in den Bann that u. für abgesetzt erklärte. Sancho floh nach Toledo, u. sein Bruder Alfons ergriff die Zügel der Regierung; zwar kehrte Sancho 1127 zurück, da aber der Bann über ihm blieb, nahm ihn das Volk nicht wieder an; er verließ das Land von Neuem u. st. 1248 in Toledo. Alfons III. suchte nun das Reich wieder herzustellen; er eroberte 1249 Faro, 1251 Algarbien u. einen Theil von Andalusien, erkannte aber die Lehnshoheit Castiliens darüber an, bis er 1269 durch einen Vertrag sich davon befreite. Wegen seiner Festigkeit gegen die Ansprüche der Geistlichkeit wurde er 1258 mit dem Bann belegt u. mußte, um einer Empörung vorzubeugen, in einigen Punkten nachgeben; er st. 1279. Dionys der Gerechte, sein Sohn, stellte die Mißbräuche in der Verwaltung ab, beschränkte das Übermaß des geistlichen Besitzthums, verschaffte der Geistlichkeit Schutz gegen den Adel, führte eine unparteiische Rechtspflege. ein, munterte den Ackerbau, die Gewerbe u. den Handel auf, begünstigte die Wissenschaften u. stiftete zu dem Zweck 1290 die Universität zu Lissabon, welche aber schon 1303 nach Coimbra verlegt wurde; den Orden der Tempelherrn verwandelte er bei dessen Aufhebung in den Christusorden. Gegen ihn erregte 1299 sein Bruder Alfons u. dann sein Sohn u. Thronfolger Alfons Empörungen, bis 1323 ein Vergleich zwischen Vater u. Sohn den Kampf endigte. Dionys st. 1325. Sein Sohn Alfons IV. der Kühne führte Kriege gegen die maurischen Könige von Granada u. Marokko u. vernichtete 1340 bei Tariffa deren Macht. Als er Inez del Castro, die heimliche Gemahlin seines Sohnes Pedro, 1355 ermorden ließ, ergriff dieser die Waffen gegen den Vater, doch wurde durch Vermittlungen der Königin u. der Geistlichkeit dem Bürgerkriege vorgebeugt. Alfons st. 1357. Pedro I. der Strenge regierte im Geiste seines Großvaters u. st. 1367. Ferdinand I., Sohn des Vor., wollte die castilische Krone an sich bringen, wurde aber wiederholt geschlagen u. mußte, als er schon einen großen Theil des Landes von den Castiliern erobert hatte, 1373 um Frieden bitten; auch einen späteren Krieg 1381–82 führte er, obgleich er von Engländern unterstützt wurde, nicht glücklicher. Seine ränkesüchtige Gemahlin, Eleonore Tellez, welche er zum Ärgerniß des Volkes ihrem früheren Ehemann, Laurent de Acunha, abgedrungen u. 1372 geheirathet hatte, u. welche mit ihren Günstlingen herrschte, war an dem größten Theil dieser Ereignisse Schuld, doch endigte eine Vermählung der Beatrix, der einzigen Tochter Ferdinands, mit dem Kronprinzen Johann von Castilien 1382 den Krieg. Ferdinand st. 1383, u. mit ihm erlosch der legitime burgundische Mannsstamm in P.

Johann I., der dritte Bruder des Vorigen, doch außer der Ehe gezeugt, entriß nach dem Tode seines Bruders der Königin Eleonore, nachdem er deren Günstling Don Andeiro eigenhändig erstochen hatte, die Herrschaft u. wurde von den Ständen als König anerkannt. Mit ihm heftig das illegitime burgundische Haus den Thron von P. Da er nicht ehelichgeboren war, so machte Castilien Ansprüche auf die Krone von P. u. begann deshalb Krieg. Aber am 14. Aug. 1885 stegten die Portugiesen bei Aljubarota u. retteten dadurch ihre Unabhängigkeit. Der Krieg wurde unter der Leitung Pereira's bis 1411 fortgesetzt u. dann durch einen für P. rühmlichen Vergleich beendigt. 1415 unternahm Johann einen Kriegszug nach Afrika u. eroberte Ceuta. Auch gab Johann ein neues Gesetzbuch, welches bis jetzt als Hauptquelle des portugiesischen Rechts geltend geblieben ist; er baute viel, schützte die Wissenschaften u. veranlaßte so die Entdeckungen, welche unter der Leitung seines Sohnes, des Prinzen Heinrich des Seefahrers, gemacht wurden; 1418 wurde Porto Santo, 1419 Madeira u. bald darauf auch die übrigen Azoren entdeckt u. colonisirt. Durch diese glücklichen Unternehmungen war ein Thätigkeitstrieb bei den Portugiesen geweckt worden, welcher ihnen während des 15. u. 16. Jahrh. einen hohen Rang unter den europäischen Völkern gab. Johann I. st. 1433. Unter der Regierung seines Sohnes Eduard wüthete die Pest in P. Um die Eroberungen in Afrika zu erweitern, unternahm Eduard 1437 einen unglücklichen Feldzug dahin, aber von dem Sultan von Fez gezwungen, schloß er einen schimpflichen Vergleich. Als Geißel blieb unter Anderen des Königs Bruder Ferdinand in Afrika zurück. Die Cortes genehmigten den Vertrag nicht, u. Ferdinand (Calderons standhafter Prinz) blieb im Gefängniß. Auf Eduard, welcher 1438 starb, folgte Alfons V. der Afrikaner, sein unmündiger Sohn, erst unter Vormundschaft seiner Mutter Eleonore, seit 1439 unter der seines Oheims u. Schwiegervaters, des Herzogs Pedro von Coimbra, welchen er 1449 erschlug. Die Niederlage seines Vaters gegen die Mauren zu rächen, nahm Alfons 1458 u. 1471 zwei Züge nach Afrika u. eroberte Alcacar, Aguar, Arzila u. Tanger. Er hatte nach dem Todeseiner ersten Gemahlin Isabella, Tochter des Herzogs von Coimbra, sich mit Johanna, der einzigen Tochter des Königs Heinrich IV. von Castilien, verlobt u. war zum Erben von Castilien ausgerufen worden. Viele Granden von Castilien erklärten aber Johanna für ein uneheliches Kind u. sprachen der Schwester des Königs Heinrich, Isabella, die Krone zu. Deshalb kam es 1475 zum Kriege mit Castilien; Alfons V. siegte Anfangs, aber seit der Schlacht bei Toro 1478 war er unglücklich, entsagte in dem Friedensschluß von Alcacebàs 24. Sept. 1479 den Ansprüchen auf Castilien u. gab auch seine Eroberungen in Estremadura heraus. Dagegen dehnte er die Besitzungen P-s in Afrika aus: unter ihm wurden 1440 Cabo Blanco, 1444 der Gambia, 1445 der Senegal, 1449 die Inseln des Grünen Vorgebirgs, 1452 die Inseln Arguin u. 1471 Annabon entdeckt u. 1480 die Insel Canaria erobert. Durch diese Entdeckungen kam der Handel in Aufnahme, u. schon 1469 wurde eine Handelsgesellschaft für Guinea gestiftet. Alfons st. 1481. Er stiftete den Orden der Ritter vom Schwert. Sein Sohn Johann II. zog die verschleuderten Domänen ein, machte die königliche Macht unabhängig von den Großen u. unterdrückte die Verschwörung derselben, an deren Spitze die Herzöge von Bragança u. Viseu standen; dabei war er ein Schützer der Bürger u. Landleute u. übte unparteische Gerechtigkeit. Auch er beförderte die Entdeckungen neuer Länder; 1482 wurden Niederlassungen in Angola gegründet, 1484 Benin u. Congo u. 1480 durch Bartol. Diaz das Vorgebirge der guten Hoffnung entdeckt; Columbus wendete sich aber mit seinen Anerbietungen der Entdeckung einer westlichen Fahrt vergebens an ihn. Zu Lande[384] besuchten auf des Königs Befehl portugiesische Reisende Calcutta, Goa, Ormuz u. Habesch. 1491 wurde Palma u. 1494 Teneriffa erobert. 1485 u. 1491 nahm Johann II. aus Spanien vertriebene Inden auf. Er st. 1495.

Emanuel der Glückliche, Enkel des Königs Eduard u. Bruder des von Johann II. getödteten Herzogs Ferdinand von Viseu, folgte, da Johanns II. einziger Sohn Alfons 1491 gestorben war. Unter ihm war das goldene Zeitalter P-s. Die schon von Johann II. beschlossene Expedition zur Auffindung des Seeweges nach Ostindien, unter Vasco de Gama, segelte 1497 ab, traf 1498 in Calcutta ein u. kam 1499 nach Lissabon zurück. Ihr folgte eine neue Flotte unter Pedro Alvarez Cabral nach Ostindien. Cabral entdeckte unterwegs 1501 Brasilien u. knüpfte mit den Königen von Cochin u. Canarca Handelsverbindungen an. Um die Beleidigungen der portugiesischen Flotte an den ostindischen Fürsten zu rächen u. Niederlassungen zu gründen, wurde 1502 Vasco de Gama mit einer Flotte von 20 Schiffen nach Ostindien gesendet. 1503 ging Alfons Albuquerque mit einer neuen Flotte nach Ostindien, überwältigte mehre der mächtigsten Fürsten Indiens u. machte große Eroberungen. 1503 wurde die Festung Cochin, die erste portugiesische in Ostindien, erbaut; 1505 Ceylon, 1509 Malacca, 1511 die Molukken u. 1512 die Maldiven entdeckt, 1510 Goa u. 1515 Ormus erobert, 1517 Niederlassungen in Java, 1518 in Bengalen u. 1520 zu Columbo gegründet. P. war eine der Hauptmächte Europa's u. Lissabon der Hauptmarkt des Welthandels geworden. Der Krieg in Afrika währte von 1507–1513 fort. indeß wenn auch hier in Guinea eine Niederlassung angelegt wurde, so waren die Erfolge der Portugiesen in Nordafrika doch nur gering. In Folge der Vertreibung der Juden aus Spanien mußten dieselben 1496 auch aus P. auswandern, wenn sie nicht Christen wurden, u. seitdem unterschied man in P. zwischen alten u. neuen Christen, welche letztere meist insgeheim Juden blieben u. vielen Verfolgungen ausgesetzt waren. Mit der Ausbreitung der Macht P-s in andere Welttheile begann der portugiesische Clerus auch Missionäre dorthin zu senden. Emanuel st. 1521. Johann III., sein Sohn, führte, um die Juden zum Christenthum zu zwingen od. sie auszurotten, 1536 die Inquisition ein u. nahm 1541 die Jesuiten auf, welche bald alle Macht in die Hände bekamen. Kaiser Karl V. machte für Spanien auf die Molukken Ansprüche, u. P. mußte ihn, dem Tractat von Saragossa gemäß, 1529 mit 350,000 Ducaten befriedigen. In Ostindien machte her Unterkönig Nuño da Cunha neue Eroberungen u. legte 1536 die Feste Diu an; Anton Silveira de Meneses u. Juan Mascarenhas behaupteten dort hie eroberten Gebiete. 1554 starb der Kronprinz, u. als Johann III. 1557 auch starb, folgte ihm sein Enkel Sebastian, kaum drei Jahre alt. Die Königin Katharina führte Anfangs die Vormundschaft über ihn, doch trat sie diese schon 1561 an den Cardinal Heirich ab. Von den Jesuiten, seinen Erziehern, bewogen, machte Sebastian 1574 einen Zug nach Afrika zur Bekehrung der Ungläubigen, richtete aber nichts aus; u. als er 1578 abermals nach Afrika segelte, um dem Könige Mulei Muhammed von Marokko gegen den Usurpator Mulei Moluk Hülfe zu leisten, verlor er den 4. Aug. d, I. bei Alcacar-Quivir Schlacht u. Leben. Die Regierung kam nun an den altersschwachen Cardinal Heinrich Sohn Emanuels, welcher aber schon 21. Jan. 1580 starb. Mit ihm erlosch die Dynastie Burgund in P. gänzlich.

Um die Krone von P. bewarben sich: Anton, Prior von Evora, ein natürlicher Sohn Ludwigs, des zweiten Sohnes des Königs Emanuel; Katharina von Bragança, Tochter Eduards, eines anderen Sohnes von Emanuel, u. Philipp II. von Spanien, Sohn Karls I. u. der Elisabeth, der Tochter Emanuels. Anton hatte die nächsten Ansprüche u. wurde vom Volke 1580 zum König ausgerufen. Aber Philipp II., für welchen einige Große gestimmt hatten, griff P. zu Wasser u. zu Lande an u. erfocht den 25. August einen Sieg bei Alcantara. Er unterwarf auch die Insel Terceira, wies den Angriff auf Santa Cruz ab, schlug eine englische Expedition unter Franz Drake zurück u. empfing 15. April 1581 als Philipp I. in Tamar die Huldigung. Somit wurde P. mit Spanien vereinigt. P-s Wohlstand war schon früher gesunken, u. Philipps Regierung bis 1598 brachte noch mehr Unheil über das Land; die ständischen Privilegien wurden aufgehoben, alle höheren Staatsämter mit Spaniern besetzt, die Portugiesen ihrer Flotte beraubt u. zur Theilnahme an Spaniens Kriegen gezwungen. Philipp st. 1598. Während seiner Regierung traten 1585–1598 vier Prätendenten (falsche Sebastiane, s. u. Sebastian) auf, welche sich für den in Afrika gebliebenen Sebastian ausgaben. Sein Sohn Philipp II. untersagte 1600 seinen Völkern, u. folglich auch den Portugiesen, allen Handel mit den Niederländern, welche nun durch Stiftung der Ostindischen Compagnie allen Handel mit ostindischen Waaren an sich zogen u. den Portugiesen fast alle Besitzungen in Indien nach u. nach entrissen. Er st. 1621. Während der Regierung Philipps III., seines Sohnes, fiel Ormus 1622 an den Schah von Persien; die Holländer eroberten 1636 die Hälfte von Brasilien u. 1637 das Fort St. Georg del Mina in Afrika u. 1640 auch Malacca; auch der Handel mit Japan fiel in deren Hände. Von so viel Schmach u. durch die Insolenz der Spanier aufgeregt, machten Michael u. Anton von Almeida, Peter von Mendoza, Franz u. Georg von Mela u. Roderich del Cunha, Erzbischof von Lissabon, eine Verschwörung, um die rechtmäßigen Ansprüche des Hauses von Bragança auf die portugiesische Krone geltend zu machen, u. am 1. Dec. 1640 wurde der Herzog Johann von Bragança (s. Johann 48), Urenkel des Königs Emanuel u. Enkel der Katharina von Bragança, zum König von P. ausgerufen u. die Spanier vertrieben.

P. trat nun wieder unter dem Haufe Bragança in die Reihe der selbständigen Staaten. Der neue König Johann IV. wurde von den Hauptmächten Europas, außer Österreich u. dem Papst, sogleich anerkannt. Da aber Spanien nicht mit Gewalt der Waffen wieder in den Besitz P-s kommen konnte, so suchte es seinen Zweck durch eine Verschwörung gegen das Leben des Königs zu erreichen, in welche der Großinquisitor die bis dahin sehr gedrückten Juden verwickelte, welche jedoch zu rechter Zeit von d' Ayamonte 1641 entdeckt u. unterdrückt wurde. Mit Holland schloß P. in Europa ein Offensivbündniß, während sich beide Mächte in Amerika u. Ostindien bekriegten. Sie hatten zwar im Betreff der Colonien einen zehnjährigen Waffenstillstand[385] geschlossen, doch wurde er von beiden Theilen gebrochen u. 1654 die Holländer aus Brasilien vertrieben. Dagegen bemächtigten sich die Holländer in Ostindien fast aller portugiesischen Besitzungen. Da bei Johanns IV. Tode, 1656, sein Sohn Alfons VI. noch unmündig war, so führte seine Mutter Luise de Guzman die Regierung. Die Spanier suchten unter ihm P. zurück zu erobern, Don Juan d'Austria nahm 1661 Orihuela u. mehre Plätze, 1662 Villabuis, 1663 Evora u. Alcacar da Sol, aber England u. Frankreich standen den Portugiesen bei, der Marschall von Schomberg wurde ihnen von Ludwig XIV. mit englischen u. französischen Soldaten zur Hülfe geschickt u. das Volk in Lissabon zwang die Großen des Reiches zur ernsten Gegenwehr. Der Marquis von Villaflor siegte nun 1663 bei Entremos (Almexial) u. 1665 Caracena bei Villa viciosa, u. Spanien erkannte endlich in dem Frieden von Lissabon 13. Febr. 1668 die Unabhängigkeit P-s an. Die Eroberungen der Holländer in Ostindien 1661 u. 1662 wurden durch den unter englischer Vermittelung geschlossenen Vertrag im Haag 1669 gehemmt u. alle Feindseligkeiten zwischen beiden Staaten beigelegt; P. behielt Brasilien. 1662 erklärte sich der König für mündig, entfernte seine Mutter von der Regierung, welche er nun dem Grafen Castel Melhor anvertraute, u. vermählte sich 1666 mit Elisabeth von Nemours aus dem Hause Savoyen. Diese verband sich mit dem Infant Pedro, Bruder des Königs, u. den Jesuiten zu seinem Sturz, Alfons VI. wurde 1667 verhaftet u. nach Terceira u. dann nach Cintra gebracht, aber Pedro wurde Regent u. nahm nach des Königs Tode 12. Sept. 1683 den Königstitel an. Unter Pedro II. wurde das freundliche Verhältniß zwischen P. u. dem Päpstlichen Stuhle wieder hergestellt u. 1698 die reichen Goldbergwerke in Brasilien entdeckt. Pedro II. schloß 1703 einen Handelsvertrag mit England (Methuenvertrag, s.d.), wodurch P. ganz abhängig von diesem wurde u. auch das 1701 wegen der spanischen Erbfolge mit Frankreich geschlossene Bündniß aufgeben, dagegen sich mit England gegen Frankreich verbinden mußte. Im Frieden zu Utrecht 1713 erhielt P. von Frankreich die Oberherrschaft über den Amazonenfluß u. die Colonie S. Sagramento. Die Verfassung des Landes wurde gebrochen, indem seit 1697 die Cortes nicht mehr berufen wurden. Pedro II. st. 1706. Johann V., sein Sohn, suchte zwar die Wissenschaften zu heben u. gründete 1720 die Akademie der Reichsgeschichte u. 1721 die Akademie in Setubal, allein für die Stiftung u. Dotirung eines Patriarchats statt des Erzbisthums in Lissabon (1716) u. für den Bau des Klosters Mafra (1716–30), verschwendete er unermeßliche Summen, u. dazu brachte der Kapuziner Kasper von Geova, sein Finanzminister, die größte Verwirrung in die Finanzen. Die Schätze aus den in Brasilien entdeckten Diamantgruben konnten diese Verwirrung nicht lösen. Johann milderte die Strenge der Inquisition u. wurde wegen der Cardinalsernennung mit dem Papst in Händel verwickelt, welche jedoch unter Clemens XII. beigelegt wurden. Wegen Verletzung des Gesandtenrechtes entstanden 1735 zwischen P. u. Spanien Zwistigkeiten, welche zu Feindseligkeiten führten, doch wurde durch England u. Frankreich der Friede in Paris 1737 vermittelt. 1748 ertheilte der Papst dem König Johann den Ehrentitel Rex fidelissimus. Ihm folgte 1750 sein Sohn Joseph I., welcher sogleich dem Marquis von Pombal die Sorge der Regierung übertrug, u. dieser begünstigte den Ackerbau, regte den Kunstfleiß an, belebte den Handel, verbesserte das Kriegswesen, beschränkte die Macht des Adels u. nahm den Jesuiten den Einfluß auf die Staatsangelegenheiten, brachte auch das Finanzwesen in Ordnung. Das Unglück, welches durch das Erdbeben 1755 über Lissabon u. andere Städte des Reiches gekommen war, linderte er auf alle Weise. Am 3. Sept. 1758 wurde ein Mordversuch auf den König gemacht, die der Theilnahme daran Beschuldigten, unter ihnen der Herzog von Aveiro, die Marquise von Tavora u. der Jesuit Malagrida, hingerichtet u. ihre Güter confiscirt, die Jesuiten aber durch ein Edict vom 3. Septbr. 1759 aus dem Königreiche verbannt, worauf die Regierung völlig mit dem Papst Clemens XIII. brach u. den Nuncius zurückschickte u. den portugiesischen Gesandten von Rom abberief. Erst unter Clemens XIV. wurde das Einverständniß wieder hergestellt. In dieser Zeit erklärte Spanien an P. den Krieg u. wollte es zwingen, sich mit ihm gegen England zu verbünden; da berief Pombal den Grafen Wilhelm von Lippe-Bückeburg als Anführer des portugiesischen Heeres, doch wurde dieser Krieg durch den Vertrag in Fontainebleau 1762 beendigt. In diesem Vertrage verpflichtete sich Spanien, Almeida u. S. Sagramento an P. abzutreten; da es aber zauderte diese Bedingungen zu erfüllen, eroberte eine portugiesische Flotte den 23. Febr. 1777 beide, u. Spanien mußte im Tractat zu Ildefonso den 1. Oct. Sta. Katarina an P. überlassen, wogegen es S. Sagramento u. die Inseln Annabon u. Fernando da Po in Afrika abtrat.

Am 24. Febr. 1777 starb König Joseph, ihm folgte seine älteste Tochter Maria, seit 1760 Gemahlin ihres Oheims Pedro III.; sie entließ sogleich Pombal u. folgte in ihrer Regierung gänzlich der Leitung ihrer Beichtväter u. des hohen Adels. Die Anstalten, welche Pombal getroffen hatte, um des Landes Wohlfahrt zu begründen, wurden aufgehoben u. die alte Staatsverfassung wieder hergestellt. Als die Königin 1792 gemüthskrank wurde, übernahm ihr Sohn, der Kronprinz Johann, als Regent, vom Minister Graf Arcos unterstützt, die Regierung. Er stand unter Englands Einflusse, schloß mit dieser Macht 1793 ein Bündniß gegen die Französische Republik u. vereinigte sein Heer mit dem spanischen. Als darauf Spanien im Frieden zu Basel 1795 sich mit Frankreich aussöhnte u. auch P. von Frankreich der Friede angetragen wurde, wußte England den Frieden zu hintertreiben, u. als darauf die französischen Waffen eine Zeit lang minder glücklich waren, vereinigten die Portugiesen ihre Flotte mit der britischen. Nun erklärte 1801 Spanien an P. den Krieg, doch kam schon den 6. Juni 1801 der Friede in Badajoz zu Stande, nach welchem P. Olivenza abtrat u. den englischen Schiffen seine Häfen verschloß. Im Frieden zu Madrid mit Frankreich, am 29. Dec. 1801, trat P. an Frankreich einen Landstrich von Guinea ab. Bei dem Wiederausbruche des Krieges zwischen England u. Frankreich erkaufte sich zwar P. durch Preußens u. Rußlands Vermittelung für 16 Mill. Franken Neutralität; da aber Bonaparte darauf drang, daß die portugiesischen Häfen den britischen Schiffen verschlossen sein sollten, die Briten aber[386] mit der Wegnahme aller Colonien drohten, so weigerte sich P. Bonaparte's Forderungen nachzugeben. Nun wurde ein Heer unter Junot gegen Min Bewegung gesetzt, P-s Theilung im Tractat zu Fontainebleau den 27. Octr. 1807 ausgesprochen, die königliche Familie gezwungen sich nach Brasi-lien einzuschiffen u. P. von den Franzosen besetzt, s. Spanisch-Portugiesischer Freiheitskampf. Als aber Spanien sich gegen Frankreich erhob, griffen auch die Portugiesen zu den Waffen. In Porto bildete sich 1808 die Junta, welche von England unterstützt wurde, englische Truppen landeten, u. bald waren die Franzosen von allen Seiten bedrängt. In der Schlacht bei Vimeira am 21. Aug. d. I. erlitten die Franzosen eine Niederlage u. mußten, dem Tractat in Cintra gemäß, ganz P. räumen. 1809 rückte zwar Soult mit einem neuen französischen Heere an, schlug die Portugiesen u. stand lange vor den Linien von Torres Vedras, doch zwang ihn endlich Wellesley mit einem britisch-portugiesischen Heere zum Rückzuge, u. der Krieg wurde nun in Spanien fortgesetzt, s. Spanisch-Portugiesischer Freiheitskampf. Unterdessen stand P. unter Englands Oberhoheit, u. Lord Beresford übernahm die Regierung des Landes; als aber Napoleon gestürzt war, wurde dem Hause Bragança der Besitz von P. aufs Neue zuerkannt, u. von Rio Janeiro aus erklärte der Prinzregent P. u. Brasilien als ein vereinigtes Königreich. Am 20. März 1816 starb die Königin Maria, u. Johann VI. folgte ihr als König, blieb aber in Brasilien u. ließ die Regierung in P. ferner durch Beresford führen. 1817 hatte Freyre d'Andrade eine Verschwörung gemacht, um die Engländer zu entfernen, sie wurde aber entdeckt u. die Verschwornen den 18. Oct. d. I. hingerichtet. Unterdessen kam es zwischen P. u. Spanien zu Zwistigkeiten, da Spanien zögerte, Olivenza dem Pariser Frieden gemäß an P. abzutreten; darum ließ der König Johann Monte Video am Plataflusse besetzen, doch kam es zu keinem Kriege. Auf die Verwendung des Papstes erhielten die Juden in P. Duldung, die Freimaurerei aber wurde 1818 streng untersagt. 1820 hatte sich eine neue Verschwörung gegen die Engländer in P. zu Porto gebildet, an deren Spitze der Obrist Se pulveda u. der Graf Antonio de Silveira standen. Sie brach am 24. Aug. aus u. gelang; das Reich wurde für eine constitutionelle Monarchie erklärt, welche bei dem Hause Bragança erblich bleibet sollte. Ein Aufruf an das Volk fand Theilnahme u. eine Junta wurde ernannt, welche die Regierung einstweilen führen sollte. Die Regierung in Lissabon schickte vergebens Truppen gegen die Aufständischen, auch die Versprechungen wegen Concessionen nahmen diese nicht an. Nun brach das Heer in Porto gegen Lissabon auf, wo 15. Sept. die Revolution anerkannt u. die englisch-portugiesische Regierung gestürzt wurde. An ihre Stelle trat eine provisorische Junta, welche den Grafen Palmella nach Rio Janeiro schickte, um den König von den Vorgängen zu benachrichtigen u. zur Rückkehr nach Lissabon einzuladen; dann berief sie die Cortes, welche die Grundzüge der Verfassung entwarfen u. dieselbe 1821 dem Könige zur Bestätigung übersandten, dieser nahm sie auch nach einigem Weigern an u. kehrte Ende 1821 nach P. zurück, seinen ältesten Sohn Dom Pedro als Statthalter mit völliger Gewalt zurücklassend. Die Verfassung, welche am 22. Sept. vollendet u. vom König am 1. October 1822 beschworen wurde, brachte aber dem Reiche viel Schwierigkeiten; da Brasilien mit seinen Wünschen nicht gehört worden war, so riß es sich im Herbst 1822 von P. los (s. u. Brasilien) u. wählte Dom Pedro zum Kaiser; im Mutterlande selbst befehdeten sich zwei Parteien, die constitutionelle u. absolute. Die Königin Charlotte, Gemahlin Johanns VI., weigerte sich die Constitution zu beschwören, u. die Constitutionellen drangen vergebens auf ihre Verbannung. In der Provinz Zamora bereitete der Graf Amarante 1823 eine Gegenrevolution, an deren Spitze sich nachher Dom Miguel, der Bruder des Königs, stellte; durch die Trennung der Constitutionellen in Demokraten u. Gemäßigte, gewann die Partei der Anticonstitutionellen den Sieg; die Cortes wurden am 3. Juni aufgelöst, auch die Verfassung von 1822 wurde aufgehoben u. die Königsgewalt wieder in ihrem vollen Umfange hergestellt, den Klöstern ihre Güter zurückgegeben, die Censur eingeführt, alle geheimen Gesellschaften streng verboten, die nicht ausgewanderten Cortes größtentheils verhaftet u. ein Schreckenssystem unter der Leitung des Infanten Miguel eingeführt. Der König Johann widersetzte sich endlich den gewaltsamen Schritten des Infanten, dieser aber nahm seinen Vater gefangen u. drang auf dessen Entsetzung. Da unterstützte der Befehlshaber der britischen Seestation im Tejo den bedrängten König u. nahm ihn am Bord seines Schiffes auf. Durch englischen Einfluß erhielt er seine Freiheit wieder, u. der Infant mußte sich seinem Vater unterwerfen, er verließ P., die Königin Charlotte wurde in ein Kloster gewiesen u. die gefangenen Minister in Freiheit gesetzt (1. Juli 1824). Die Cortes wurden nun hergestellt u. eine Junta zusammenberufen, unter deren Leitung eine Verwaltung des Landes zu Stande kommen sollte. Aber neue Verschwörungen erhoben sich gegen den König u. das Ministerium, wenn auch ohne Erfolg. Den 15. Jan. 1825 wählte der König ein neues Ministerium, welches sich einzig dem Interesse des Volkes widmen sollte. Den 29. August wurde auch Brasilien als ein selbständiges, von P. unabhängiges Reich gesetzlich anerkannt.

Nach dem Tode Johanns VI., den 10. März 1826, übergab Dom Pedro, Kaiser von Brasilien, die Regentschaft seiner Schwester Isabella Maria; gab den 26. April 1826 dem Lande eine Verfassung (Carta de Ley), nach welcher die Cortes ferner bestehen u. in zwei Kammern die Reichsangelegenheiten berathen sollten, u. ertheilte eine allgemeine Amnestie. Darauf verzichtete er auf die Krone von P. u. übertrug dieselbe seiner ältesten Tochter Maria II. da Gloria unter der ferneren Regentschaft der Isabella Maria. Aber die Absolutisten, an ihrer Spitze der Marquis von Chaves (vormaliger Graf von Amarante), regten das Volk zu neuem Aufstand auf u. machten rasche Fortschritte. Da rief die Regentin England um Hülfe an, u. eine englische Heeresmacht unter William Clinton landete in P. Die Insurgenten wurden mehrmals geschlagen u. gezwungen nach Spanien zurückzukehren, welches sie auf alle Weise unterstützt hatte. Den 3 Juli 1827 ernannte Dom Pedro seinen Bruder Dom Miguel, der sich vorher mit der Königin Maria II., seiner Nichte, verlobt hatte, zum Regenten von P., doch mit der Bedingung, daß die Regierung bis zur Volljährigkeit der Königin nach der Charte geführt werden sollte. Nun kehrte Dom Miguel von Wien zurück u.[387] beschwor den 26. Febr. 1828 die Charte, aber bereits den 3. Mai berief er die alten Cortes nach Lamego u. erklärte den Umsturz der neuen Verfassung; die ausgewanderten Absolutisten kehrten zurück, die berufenen Cortes erkannten Dom Miguel die Krone zu u. am 25. Juni 1828 wurde er als König von P. ausgerufen. Nun verließen die fremden Gesandten Lissabon; am 7. Juli schwor Dom Miguel den alten Königseid, u. eine blutige Reaction begann im ganzen Reiche; alte Staatsdiener, wie die Grafen Barrados u. Subserra, gehörten zu den Opfern, über 15,000 Portugiesen mußten flüchten. Zu diesen Scenen gab die Veranlassung der in Porto am 16. Mai ausgebrochene Aufstand, wo eine constitutionelle Junta sich an die Spitze der Unzufriedenen stellte; aber Dom Miguels General Porras schlug die Truppen der Junta bei Coimbra, 10,000 Miguelisten besetzten am 4. Juli Porto u. Dom Miguel war Herr des Reichs, bis auf die Insel Terceira, welche Graf Villaflor für Maria hielt u. welche die Miguelisten vergeblich angriffen. Als die Königin Maria nach P. kommen wollte, wehrten ihr die Miguelisten die Landung; sie ging nach London, um Hülfe zu erbitten, aber das Ministerium Wellington begünstigte Dom Miguel, sie kehrte daher im November d. I. nach Brasilien zurück. Gleichzeitig erkrankte Dom Miguel u. seine Mutter, Charlotte führte für ihn u. in seinem Sinne die Regierung, wurde aber nach seiner Genesung im Januar 1829 von allen Geschäften u. aus seinem Vertrauen verdrängt, wogegen seine Berather sein Barbier Perez (von ihm zum Baron von Queluz ernannt) u. der Herzog von Cadaval waren; die auswärtigen Angelegenheiten besorgte der Viscomte von Santarem.

Unterdessen hatte das blutige Verfahren gegen die Constitutionellen seinen Fortgang. Im October 1829 wurde Dom Miguel von Spanien als König anerkannt; der Papst u. die Vereinigten Staaten von Nordamerika folgten u. auch die übrigen Mächte sandten wenigstens Geschäftsträger nach Lissabon. Im Januar 1830 starb die Königin Charlotte, u. nun wurden Dom Miguels Maßregeln milder, dagegen reizte er England durch seinen Übermuth, mit welchem er bei Terceira, welches noch für Maria war, durch sein Blokadegeschwader auf englische Schiffe feuern ließ; aber trotzdem erkannte England die Regentschaft auf Terceira unter Palmella nicht an. Die Aufregung, welche durch Emissäre dieser Regentschaft in P. hervorgebracht wurde, bekämpfte Dom Miguet dadurch, daß er im Febr. 1831 von dem Minister Bastos das alte Schreckenssystem herstellen ließ. Die Staatseinkünfte hatten sich in 3 Jahren um mehr als die Hälfte verringert, die öffentliche Schuld stieg bis 330 Mill. Franken u. Zwangsanleihen vernichteten den Credit gänzlich. Im April 1831 blockirte ein englisches u. im Juli ein französisches Geschwader die Tejomündung u. beide Mächte mußten Dom Miguel mit einem Bombardement seines Palastes bedrohen, ehe sie Genugthuung für, an ihren Unterthanen verübten Gewaltthätigkeiten erhielten. Am 10. Juni 1831 kam Dom Pedro nach Europa u. wirkte diplomatisch günstig für seine Tochter. Alle Azoren hatten in dieser Zeit die Fahne der Donna Maria aufgepflanzt, Frankreich u. England leisteten Vorschub, so weit es ging, ohne die Neutralität zu verletzen (denn eine Verletzung derselben würde Dom Miguel in Spanien einen Bundesgenossen gegeben haben, was man zu vermeiden suchte), aber einen ihm angetragenen Vergleich wies Dom Miguel zurück. Im Sept. 1831 stellte sich der Marquis Palmella an die Spitze der Angelegenheiten der jungen Königin u. leitete diese mit solchem Erfolg, daß Frankreich in Madrid erklären ließ, es werde die Absendung auch nur eines Regimentes nach P. als Kriegserklärung betrachten, u. daß sich das britische Ministerium mit Dom Pedro in Unterhandlungen einließ. Nun riethen die spanischen Bourbons selbst dem Dom Miguel zum Rücktritt. Dieser aber rüstete sich u. machte im November wieder eine Zwangsanleihe. Im Febr. 1832 versammelte Dom Pedro seine Expeditionsflotte bet Belle Isle, landete am 8. Juli bei Porto, nahm diese Stadt ohne Widerstand, wo er sich ein ganzes Jahr gegen die Miguelisten hielt, u. ließ durch den Briten Charles Napier das Königreich Algarbien für Donna Maria erobern; dieser vernichtete auch am 5. Juli 1833 beim Cap St. Vincent die Flotte Dom Miguels u. gab so der Sache der Königin ein Übergewicht. Zugleich hatte auch der Tod Ferdinands VII. von Spanien u. der dort noch früher erfolgte Systemwechsel die Sache Dom Miguels zu einer hoffnungslosen gemacht, denn auch Spanien wurde nun entschiedener Gegner Dom Miguels. Der Herzog von Terceira schlug die Miguelisten bei Asseiceira, Napier drang in den Tejo ein, der Herzog von Cadaval mußte Lissabon am 23. Juli aufgeben u. am 24. Juli 1833 zog Villaflor in die Stadt ein u. Donna Maria II. da Gloria wurde zur constitutionellen Königin von P. u. Algarbien ausgerufen. Während am 25. Juli Bourmont vergeblich einen letzten Sturm auf Porto wagte u. in dessen Folge das nördliche Douroufer aufgab, zog am 29. Juli Dom Pedro in Lissabon ein u. übernahm am 30. die Regierung für seine Tochter. Obgleich nun Bourmont sich zwischen den Festungen Elvas u. Estremoz hielt u. Dom Miguel von Coimbra aus mit Manifesten Krieg führte, so erfolgte doch die Anerkennung der Königin Donna Maria da Gloria von Seiten Englands u. Frankreichs, u. diese ging von Paris nach P., wo sie 23. Sept. gekrönt wurde. Die Beschlüsse der Quadrupelalliance (England, Frankreich, Spanien u. P.) vom 23. April 1834 erhielten durch ein spanisches Corps unter Rodil Nachdruck, Dom Miguel mußte Coimbra verlassen u. endlich auch aus seinen Positionen zu Santarem geworfen u. bei Pomar geschlagen, am 26. Mai 1834 die Capitulation von Evora unterzeichnen, nach welcher er allen Ansprüchen auf den Thron von P. entsagte u. weder die Ruhe des Landes je wieder stören, noch das Land selbst betreten zu wollen versprach (widerrief jedoch diese Zusage von Genua aus). Dom Pedro stellte die Charte von 1826 wieder her u. wurde 17. Aug. in der Regentschaft bestätigt; er suchte nun sogleich durch Aufhebung der Klöster u. Einziehung der geistlichen Güter den Finanzen aufzuhelfen, starb aber schon am 24. Sept. 1834.

Noch während seiner Krankheit ließ er seine Tochter Maria II. für majorenn erklären u. stellte die Herzöge von Terceira (Villaflor) u. Palmella an die Spitze ihres Cabinets. Die Königin aber, seit 26. Jan. 1835 mit dem Herzog August von Leuchtenberg (welcher indeß schon am 28. März d. I. starb) vermählt, konnte sich nicht mit ihnen einigen u. stellte den Marschall Saldanha an die Spitze der Regierung, welcher indeß auch nicht im Stande[388] war, die immer drohender werdenden demokratischen Bewegungen im Lande zu unterdrücken. Die Königin vermählte sich am 9. April 1836 in zweiter Ehe mit dem Prinzen Ferdinand von Sachsen-Koburg, welcher nicht gleich die Popularität bei den Portugiesen gewann, u. dessen Ernennung zum Generalissimus der Armee die Königin erst durch zwei Cortesauflösungen erreichte. Am 9. Sept. 1836 brach der langgefürchtete Aufstand aus; die Truppen schlossen sich der Bewegung an, die Demokraten (von dem Monat des Ausbruchs Septembristen genannt) siegten u. die Königin sah sich gezwungen ihre Minister zu entlassen u. die von den Insurgenten proclamirte Constitution von 1822 anzunehmen. Der Graf Bomsin, welcher die Insurrection mit geleitet hatte, wurde Kriegsminister u. Ministerpräsident. Vergebens versuchten die Anhänger der Charte Dom Pedros (daher