Preußisch-Russischer Krieg gegen Frankreich 1806-1807

[566] Preußisch-Russischer Krieg gegen Frankreich 1806–1807. Der Friede von Presburg hatte am 26. Decbr. 1805 den Krieg zwischen Österreich u. Frankreich beendigt, die Alliirten Österreichs, die Russen, waren nach der Schlacht von Austerlitz nach Hause gegangen, die in Niedersachsen gelandeten Engländer u. Russen hatten sich wieder einzeschisst u. nur ein schwaches Corps Schweden hielt noch Lauenburg besetzt. Preußen befand sich in einer gefährlichen Lage, es hatte bisher drohend in der linken Flanke Napoleons gestanden, der 15. Decbr. 1805 war zur Kriegserklärung gegen Frankreich bestimmt gewesen u. Haugwitz wie dem Ultimatum nach Wien gesendet. Dort hatte Haugwitz nach erfolgtem Waffenstillstande auf eigene Gefahr einen neuen Vertrag mit Frankreich geschlossen, worin Preußen Ansbach, Kleve u. Neufchatel abtrat, aber ein Arrondissement von 20,000 Seelen nahe bei dem Baireuthischen u. Hannover als Entschädigung zugesichert erhielt; der König Friedrich Wilhelm III. nahm nach einigem Zögern den Vertrag an, jedoch nur unter der Bedingung, daß Preußen Hannover nur einstweilen pfandweise bis zum allgemeinen Frieden besetze, wo England Hannover entweder förmlich abtreten, od. eine Entschädigung für Preußen vermittelt werde. Preußen entwaffnete nun u. besetzte Hannover. Napoleon ratificirte aber nicht, schlug die verheißene Entschädigung in Franken aus, forderte dagegen die ungesäumte definitive Besitznahme Hannovers u. die Schließung der Elbe u. Weser für England. Preußen war gezwungen das Ultimatum anzunehmen, u. im Febr. nahmen die Franzosen Ansbach u. Kleve, Preußen dagegen am 1. April Hannover definitiv in Besitz. In Folge davon erklärte England am 11. Juni. an Preußen den Krieg; gleiches that auch Schweden, welches Hannover den Besitz seiner Länder jenseit der Elbe, also Lauenburgs, garantirt hatte, legte Embargo auf die preußischen Schiffe u. blockirte mit einem englischen Geschwader zugleich die preußischen Ostseehäfen. Inzwischen hatte in Preußen eine Partei, welche, durch Napoleons Anmaßungen entrüstet, Krieg gegen Frankreich wollte, die Oberhand bekommen; an der Spitze derselben standen Hardenberg, Rüchel u. Prinz Ludwig; auch Rußland, wo der Kaiser Alexander die Ratification des Friedens mit Frankreich verwarf, u. England, wo mit Fox' Tode die Friedenssucht mit Frankreich aufgehört hatte, bemühte sich Preußen von Frankreich ab- u. zu sich hinüber zu ziehen. Während der König bes. wegen Geldverlegenheit noch unschlüssig war, entschied endlich die Errichtung des Rheinbundes (s.d.) u. die Gewißheit, daß Napoleon in den Unterhandlungen mit England Preußen um seine Entschädigung habe betrügen wollen, gegen Frankreich, u. der Krieg wurde beschlossen. Ende Augusts wurde Schweden die Forderung Lauenburg im Namen Englands zu besetzen zugestanden, das schwedische Embargo auf preußische Schiffe aufgehoben u. im September vorläufig auch mit England die friedlichen Verhältnisse wieder hergestellt, Subsidien u. eine Diversion unterhandelt, die englische Blockade der Elbe, Weser u. Ems wieder aufgehoben. Dennoch kam der förmliche Friede mit England erst am 28. Jan. 1807 in Memel zu Stande, in welchem Preußen alle Ansprüche auf Hannover aufgab. Im August wurde die preußische Armee, mit Ausnahme der ostpreußischen u. eines Theils der südpreußischen Inspection u. der Festungsbesatzungen, mobil gemacht, sie zählte damals 137,000 Mann u. bestand aus 2/3 Inländern u. 1/3 geworbenen Ausländern. Jene waren zum Theil Cantonisten (Söhne von Bauern u. Handwerkern), welche fast das ganze Jahr beurlaubt in der Heimath lagen; zum Theil Leute, welche erst seit Kurzem preußisch geworden waren u. für ihre neue Regierung keine Sympathie hatten. Auf die [567] Ausländer war vollends nicht zu rechnen. Rußland, England u. Schweden waren zwar sichere Alliirte, aber ihre Heere zu entfernt, um im Anfang des Feldzuges thätig zu sein. Nur nothgedrungen sagte Sachsen mit 34,000 Mann Hülfe zu, jedoch sollte der Krieg nicht auf sächsischem Gebiet geführt u. Dresden nicht als Festung angesehen werden; die Herzöge von Braunschweig u. Weimar leisteten als preußische Generale Beistand; Hessen-Kassel machte Schwierigkeiten sich schon jetzt für Preußen zu erklären u. erhielt von Preußen Neutralität zugesagt.

Preußen beabsichtigte mit dem im August gesammelten, vom Herzog Karl von Braunschweig befehligten Heer (rechter Flügel bei Mühlhausen, Centrum bei Magdeburg, linker Flügel bei Bunzlau, Reserve bei Küstrin, Avantgarde bei Weimar, detachirte Corps rechts in Westfalen, links im Baireuthischen) mit dem Centrum über Eisenach u. Vach nach Frankfurt vorzudringen. Der rechte Flügel sollte die rechte Flanke decken, der linke über Baireuth u. Amberg gegen die Mitteldonau vordringen. Hiervon geschah aber sehr wenig, denn der rechte Flügel ging nur bis Eisenach vor, die Mitte bis Weimar, der linke Flügel bis Chemnitz, die Reserve bis Magdeburg. Nun wurde das Heer so organisirt: die Avantgarde (Herzog von Weimar) zählte 11,600 Mann, der rechte Flügel (Rüchel), zu dem das westfälische Corps Blüchers gestoßen war, 21,200 Mann (7000 Mann waren außerdem unter Lecocq in Westfalen zurückgeblieben); die Hauptarmee (der König u. Feldmarschall Möllendorf), drei Divisionen u. eine Reserve von zwei Divisionen, 47,000 Mann; der linke Flügel (Fürst Hohenlohe), eine preußische u. eine sächsische Division mit dem abgesonderten Corps unter Tauenzien u. der Avantgarde unter Prinz Ludwig, 41,000 Mann, die Reserve (Prinz Eugen von Württemberg) 15,400 Mann. Das Ganze bestand demnach, ohne Lecocq, aus 137,000 Mann, darunter 27,700 Mann Cavallerie. Die französische Armee hatte Deutschland nach dem Frieden von Presburg gar nicht verlassen (nur das zweite Corps war nach Dalmatien marschirt, die Garden nach Paris zurückgekehrt), sondern cantonirte am Inn, in Franken, Baiern u. Schwaben, um Österreich sich nicht einer neuen Coalition anzuschließen zu lassen, Preußen Schach zu bieten u. die deutschen Fürsten, welche den Rheinbund bilden sollten, zu bewegen sich Napoleons Verlangen zu fügen. Als Ende Augusts u. Anfang Septembers über den Ausbruch eines neuen Krieges kein Zweifel blieb, stellte sich Napoleon als fürchte er den Krieg u. unterhandelte scheinbar versöhnter u. nachgiebiger als früher. In der Stille rüstete er jedoch mächtig, u. das Einrücken der Preußen in Sachsen entschied den Bruch. Am 24. Sept. erließ Berthier, welcher in Napoleons Abwesenheit von München aus die Armeebewegungen leitete, an sämmtliche Corps den Befehl, sich zu sammeln u. an den Main vorzurücken, zugleich an den König von Baiern die Einladung 15.000 Mann an den Inn zur Ablösung des vierten Corps zu schicken, 8000 Mann aber zu Eichstädt zum Abmarsch bereit stehen zu lassen; 8000 Württemberger sollten zu derselben Zeit in Elwangen, 4000 Badner in Mergentheim, 4000 Darmstädter in Frankfurt stehen. Auch Würzburg trat Ende September als Großherzogthum zum Rheinbund u. stellte sein Contingent. Die Infanterie der Garde schickte Napoleon Anfang Octobers aus dem Lager zu Meudon an den Rhein, ließ 20,000 Mann Nationalgarden zur Deckung der Grenzen Frankreichs aufstellen u. den König von Holland ein Corps bei Wesel versammeln. Die französische Armee bestand aus folgenden Corps: Gardecorps (die Infanterie unter Lefebre, die Cavallerie unter Bessières 1 Division Infanterie, 1 Division Dragoner zu Fuß, 1 Division Cavallerie), 12,400 Mann; das erste Corps (Bernadotte, 2 Divisionen Infanterie, 21/2 Cavallerie), 34,000 Mann; das dritte Corps (Davoust, 3 Divisionen Infanterie, 1 Brigade Cavallerie), 37,000 Mann; das vierte Corps (Soult, 3 Divisionen Infanterie, 21/2 Cavallerie), 50,800 Mann; das fünfte Corps (Lannes, 3 Divisionen Infanterie, 1 Brigade Cavallerie), 35,000 Mann; das sechste Corps (Ney, 3 Divisionen Infanterie, 11/2 Cavallerie), 40,000 Mann; das siebente Corps (Augereau, 2 Divisionen Infanterie, 11/2 Cavallerie), 28,400 Mann, darunter die Darmstädter; das achte Corps (Mortier, 2 Divisionen Infanterie, 1 Regiment Cavallerie), 15,700 Mann, war noch in der Bildung begriffen; die Reservecavallerie unter dem Großherzog von Berg (2 schwere Cavalleriedivisionen, 4 Dragonerdivisionen), 20,693 Mann, die Reserveartillerie u. das Geniecorps (Songis), 8000 Mann. Mit auf dem Marsch begriffenen Truppen zählte das Heer 218,000 Mann, worunter 45,000 Mann Cavallerie. Für den Augenblick standen aber, da manche Corps noch zurück waren, 200,000 Mann gegen 137,000 Preußen u. Sachsen.

Am 24. Sept. beschloß man im preußischen Hauptquartier einen anderen Operationsplan. Hohenlohe sollte sich zwischen Saalfeld u. Jena auf dem linken Saalufer, die Hauptarmee aber bei Weimar u. Erfurt aufstellen, u. Rüchel den rechten Flügel zwischen Gotha u. Eisenach bilden, so das Heer eine Linksschwenkung vornehmen u. den rechten Flügel gegen Frankfurt, die Hauptarmee über Meiningen nach Würzburg, den linken Flügel über Hildburghausen gegen das Bambergische zu dirigiren. Im Fall eines Angriffs auf den linken Flügel war Hochdorf bei Blankenhain zum Sammelplatz bestimmt. Man ließ so die linke Flanke, wo die Hauptstraße über Hof u. Plauen gerade in den Rücken der Preußen führte, mehr als 5 Meilen breit ungedeckt, beobachtete sie nur durch das schwache Tauenziensche Corps u. gab Napoleon Gelegenheit diese Flanke zu umgehen. Napoleon war den 1. Octbr. von Nancy abgereist u. hatte am 3. sein Hauptquartier in Würzburg. Sein Heer stand in zwei großen Colonnen, der linke Flügel auf der Straße von Würzburg nach Gotha, der rechte auf der von Nürnberg nach Leipzig. Der Kaiser von der Entblößung der linken preußischen Flanke unterrichtet, beschloß mit seiner ganzen Armee die Saale abwärts zu gehen, die Rückzugslinie der Preußen nach der Oberelbe u. Schlesien zu durchschneiden, die nach der Mittelelbe u. nach Berlin zu bedrohen, die preußische Armee zu schlagen u. ihr nur den Rückzug nach Magdeburg offen zu lassen, Thüringen aber, Westfalen, Sachsen u. das ganze linke Elbufer durch einen Schlag zu erobern. Er rief daher den linken Flügel von der Straße nach Münnerstadt u. Meiningen ab, dirigirte Lannes den 5. Septbr. über Haßfurt, Augereau nach Bamberg u. ließ das übrige Heer über Hof, Lobenstein u. Koburg vordringen; er selbst ging nach Bamberg u. den 8. nach Kronach. Am[568] 4. Septbr. war das preußische Hauptquartier nach Erfurt verlegt worden u. dort fand am 5. u. 6. ein Kriegsrath statt. Der Herzog von Braunschweig, in der Meinung, daß Napoleon sich hinter der Fränkischen Saale auf die Defensive beschränken werde, blieb bei dem Plan den Thüringer Wald zu überschreiten u. ließ den Herzog von Weimar in die Pässe des Thüringer Waldes nach Suhl u. Ilmenau vorgehen. Am 9. Octbr. wurde das Kriegsmanifest des Königs von Preußen erlassen. Da die inzwischen am 7. u. 8. Octbr. eingehenden Nachrichten Tauenziens u. des Herzogs von Weimar Napoleons Plan, zunächst den linken preußischen Flügel anzugreifen, außer Zweifel setzten, ließ der Herzog von Braunschweig die Hauptarmee bei Erfurt, das Rüchelsche Corps bei Gotha, das Hohenlohesche bei Hochdorf, zwischen Blankenhain u. Teichel, sich concentriren, das Reservecorps aber von Magdeburg nach Halle vorrücken u. Blücher eine neue Avantgarde des Centrums bilden. Mitlerweile hatte am 8. Octbr. Abends französischer Seite die Spitze des Bernadotteschen Corps den Paß von Saalburg durch 1700 Mann vom Tauenzienschen Corps besetzt gefunden; Tauenzien selbst stand mit 9000 Mann bei Schleitz, um nöthigen Falls Detachements aufzunehmen. Die französische Cavallerie passirte die Saale unterhalb Saalburg, umging die Preußen u. zwang dieselben zum Rückzug. Am 9. Octbr. Morgens zog sich Tauenzien zunächst hinter den Wiesenbach, wo er sich, Schleitz vor der Fronte besetzt haltend, aufstellte, dann aber, in der linken Flanke umgangen, auf Auma u. Mittelpöllnitz zurück. Die Arrieregarde unter General Biela litt einen Verlust von 400 Todten u. Verwundeten u. 300 Gefangenen. Am 9. October Abends stand der rechte. Flügel der Franzosen Soult bei Hof, Ney bei Münchberg, die Mitte Bernadotte bei Schleitz, Davoust einen halben Marsch zurück, der linke Flügel Lannes, welcher die Vorposten des Prinzen Ludwig zurückgedrückt hatte, bei Gräfenthal, Augereau bei Koburg. Bei Saalfeld erwartete der Prinz Ludwig mit der Avantgarde des Fürsten Hohenlohe (11,000 Mann Preußen u. Sachsen) die Franzosen. Er hatte zwar Befehl sich in kein Gefecht einzulassen, sondern sich auf den General Grawert bei Orlamünde zurückzuziehen, aber in der Meinung, nur ein Seitencorps vor sich zu haben, u. um das bedeutende Magazin in Rudolstadt zu erhalten, ging er am 10. Octbr. Morgens mit seinem Gros nach Saalfeld vor. Jetzt griff die Division Suchet u. die Cavallerie vom Lannesschen Corps Garnsdorf bei Saalfeld an, warf die Sachsen aus der Stadt u. umging den linken Flügel des Prinzen. Dieser, welcher jetzt erst dem Fürsten Hohenlohe von seiner Lage Meldung machte, mußte sein Corps zwischen Wöhlsdorf u. Graba, den Rücken gegen die Saale, aufstellen u. schon gegen Mittag war durch das Artilleriefeuer der Franzosen ein Schwanken in den Reihen bemerkbar; ein Angriff des Prinzen in der Mitte mißlang, u. nun nahmen die Franzosen auch eine wichtige Höhe auf dem rechten Flügel u. warfen mit ihrer Cavallerie die Linie zwischen Wöhlsdorf u. Graba u. trieben die Sachsen auf den linken Flügel über die Saale; der rechte Flügel floh über Schwarza, wo der sächsische General Bevilaqua gefangen wurde, Rudolstadt zu, die Mitte that ein Gleiches, der linke Flügel rettete sich durch Saalfeld über die Brücke; der Prinz Ludwig, von den Flüchtigen nach der Saale zu fortgerissen, wurde dort von französischen Husaren umringt u., da er sich nicht gefangen gab, erstochen. Die Preußen u. Sachsen hatten 1000 Mann Todte u. Verwundete, 1800 Gefangene, 4 Fahnen, 33 Kanonen verloren, die Franzosen kaum 5–600 Mann. Der preußische General Pelet, welcher rechts nach Blankenburg detachirt war, zog sich nach Stadt Ilm zurück.

Hohenlohe ging nun den 10. u. 11. Octbr. über Kahla u. Jena zurück u. schlug am 12. Octbr. ein Lager zwischen Kapellendorf u. der Schnecke auf. Tauenzien allein blieb auf dem rechten Ufer der Saale, beobachtete die Defilees von Kamburg, Dornburg, Burgau u. Lobeda u. zog die Division Grawert, welche die Trümmer des Corps des Prinzen Ludwig bei Rudolstadt aufgenommen hatte, über Magdala an sich. Die Franzosen drangen indessen immer über Auma, Mittelpöllnitz u. Gera vor u. Napoleon beschloß, da er die preußische Hauptarmee noch auf dem linken Saalufer vermuthete, die Umgehung derselben noch weiter fortzusetzen u. am 12. u. 13. Octbr. selbst die Straße von Weimar nach Leipzig bei Naumburg zu durchschneiden. Murat mit der Avantgarde sollte von Gera nach Zeitz marschiren u. sich, wenn die preußische Hauptarmee noch am linken Ufer der Saale wäre, nach Naumburg wenden; der rechte Flügel, Soult, sollte nach Gera, Ney nach Auma eilen, die Mitte, Bernadotte, hinter Murat nach Zeitz marschiren, Davoust aber von Mittelpöllnitz aus nach Naumburg vorrücken, die Garden u. die schwere Reservecavallerie dem Hauptquartiere nach Gera folgen, der linke Flügel, Lannes, von Neustadt gegen Jena, Augereau nach Kahla rücken. Am 13. Morgens traf die Avantgarde von Lannes die Vorposten Tauenziens bei Winzerle, eine Stunde von Jena, u. sah, als der Nebel fiel, die preußische Armee auf den Höhen jenseit Jena aufmarschirt. Lannes rückte in Jena ein u. Napoleon zog sogleich alle Corps u. die Garde dahin, nur Davoust u. Bernadotte sollten in Bewegung bleiben, um die linke Flanke der Preußen zu bedrohen u. nach Umständen zu handeln. Die ganze Schlachtordnung beider Theile hatte sich geändert; die Franzosen hatten den Rücken der Oberelbe, die Preußen dem Rhein zugewendet. Das Terrain war den Preußen sehr günstig. Die Armee war den 12. concentrirt; das Hohenlohesche Corps stand hinter der Chaussee von Jena nach Weimar, mit dem rechten Flügel an Kapellendorf, mit dem linken an die Schnecke gelehnt; die Armee des Königs zwischen den Chausseen von Weimar nach Jena u. Naumburg, u. hinter ihm, zwischen Weimar u. Erfurt, das Rüchelsche Corps. Dieser Aufstellung, bes. der des Hohenloheschen Corps, lag die Ansicht zu Grunde, daß die Franzosen die Preußen von Magdala her, nicht aber die linke Flanke angreifen würden. Als der Herzog von Braunschweig am 13. erfuhr, daß Franzosen am 12. in Naumburg eingerückt wären, beschloß er, weil er dies nur für ein Streifcorps hielt, mit der Armee des Königs den 13. nach Auerstädt, den 14. über Freiburg nach Weißenfels zu gehen u. sich mit dem Reservecorps des Herzogs Eugen von Württemberg zu vereinigen, die Division Schmettau aber sollte den Paß von Kösen besetzen u. Hohenlohe stehen bleiben, bis Rüchel von Erfurt der Hauptarmee folge, den Herzog von Weimar an sich ziehen u. dann der Hauptarmee als Arrieregarde folgen, sich aber durchaus auf kein ernstliches [569] Gefecht einlassen. Schon in der Nacht vom 12. auf den 13. hatte Tauenzien Jena verlassen u. sich jenseit Jena, zwischen Lützeroda u. Kospoda, die Frontnach dem Mühlthale zu, aufgestellt, dagegenden Landgrafenberg so wie den ganzen Thalrand unbesetzt gelassen, Lannes aber beide schnell besetzt. Dennoch blieb Hohenlohe am 13. Octbr. unthätig u. ließ nur den Paß bei Dornburg u. Kamburg durch General Holtzendorf mit 6000 Mann decken, an dessen Stelle die sächsische Brigade Cerrini zur Verstärkung Tauenziens auf die Höhe des Dornbergs, links von Tauenziens Corps, die Front gegen die Saale gerichtet, vorrückte. Am 13. Oct. Abends traf Rüchel mit 15,000 Mann (die sämmtlichen leichten Truppen waren bei Blüchers Avantgarde) auf dem rechten Flügel des Hohenloheschen Corps bei Lehnstädt vorwärts Weimar ein. Dennoch zählten mit ihm alle bei Jena versammelten Truppen, da Hohenlohes Corps kaum 31,000 Preußen u. 17,000 Sachsen stark war, nicht viel über 48,000 Mann. Obgleich Hohenlohe in der Nacht vom 13./14. Octbr. Nachricht von der Stellung des Feindes erhielt u. er wohl einsah, daß kein Angriff von Magdala, sondern von dem Saalthal her erfolgen werde, glaubte er diesen doch nicht so nahe u. wollte den 14. Octbr. eine Stellung zwischen Kapellendorf über Romstädt u. Stetten, gegen Utenbach hin, Apolda im Rücken lassend, nehmen, dort sich enger mit Rüchel verbinden, den Herzog von Weimar, welcher von Ilmenau her im Marsch war, erwarten u. den 15. dem Hauptcorps folgen. Unterdessen sammelte Napoleon, welcher schon seit dem 13. Nachmittags 4 Uhr gegenwärtig war, sein ganzes Heer auf u. um den Landgrafenberg; er selbst mit den Garden u. das Lannessche Corps bivouacquirlen auf demselben, den rechten Flügel gegen das Rauthal vorgeschoben; Augereau stand am Eingang des Mühlthales, Ney mit 3000 Mann bei Jena, sein übriges Corps vorwärts Roda, Soult zwischen Jena u. Zwätzen, ein Theil der Reservecavallerie bei Kamburg. Im Ganzen mochten die französischen bei Jena vereinigten Streitkräfte 130,000 Mann betragen, davon aber kamen mindestens 40,000 Mann nicht ins Gefecht. Nach Napoleons Disposition sollten in der Schlacht bei Jena Lannes u. Ney mit grauendem Morgen die Mitte der Preußen angreifen, Augereau sich links nach der Schnecke wenden u. Soult den linken preußischen Flügel umgehen. Morgens nach 6 Uhr griffen zwei Divisionen von Lannes im dicken Nebel Klosewitz u. das nahe Holz an u. warfen gegen 8 Uhr den Gegner. Gegen 9 Uhr war Lannes bis vor Kospoda vorgedrungen, zugleich erschien Soult durch das Rauthal (durch welches der Pfarrer Putsche aus Wenigenjena ihm den Weg zu zeigen gezwungen wurde) u. über Zwätzen, warf die Preußen u. Sachsen auf Lützerode, Krippendorf u. Alten-Gönna zurück, schlug eine Cavalleriecharge Holtzendorf's ab, verfolgte die Preußen bis Rödchen, machte 400 Gefangene u. schnitt das Holtzendorfsche Corps von den übrigen Corps ab. Andererseits drang Augereau durch das Mühlthal gegen den Flöhberg vor, u. die französische Armee fand nun auf dem Plateau vorwärts Kospoda u. der Schnecke Terrain sich zu entwickeln. Jetzt erfolgte ein allgemeiner Angriff, u. Tauenzien u. Cerrini wichen, auf das Tapferste fechtend, durch Lützerode u. Krippendorf auf Isserstädt u. Vierzehnheiligen zurück. Unterdessen hatten die ersten Kanonenschüsse bei Kospoda das Hauptquartier zu Kapellendorf in Bewegung gebracht; Hohenlohe, immer noch in der Meinung, daß es heute noch zu keiner Schlacht kommen werde, gab nur mit Mühe der Division Grawert Erlaubniß, sich zwischen Kötschau u. Romstädt, die Infanterie in einer Linie, die Cavallerie hinter ihr u. zwei Batterien auf den Flügeln, aufzustellen. Als gegen 9 Uhr der Nebel fiel, sah Hohenlohe wohl, daß er es mit einer beträchtlichen Truppenmasse zu thun habe, ging nun gegen Isserstädt u. Vierzehnheiligen vor, versuchte letzteres Dorf wieder zu nehmen u. befahl dem sächsischen General Zeschwitz mit dem rechten Flügel sich zwischen der Schnecke u. dem Isserstädter Forste aufzustellen, zugleich aber den Schwabhäuser Grund wegen Umgehungen zu beobachten. Anfangs ging Alles gut; die preußische Artillerie wirkte bedeutend; die französische Cavallerie, welche die Batterie auf dem rechten Flügel angriff, wurde geworfen, französische Kanonen erobert u. die Franzosen von der Cavallerie verfolgt. Aber das brennende Vierzehnheiligen, welches Hohenlohe nicht zu nehmen vermochte, war der Wendepunkt der Schlacht, u. vergebens sah er sich nach dem zögernden Rüchel um. Gegen 11 Uhr nahm dort Ney u. Lannes die Preußen in die linke Flanke, ein wenig später umging auch Soult über Hermstädt u. Romstädt den preußischen linken Flügel; rechts meldete Zeschwitz das Anrücken Augereaus durch das Mühlthal. Schon war gegen 1 Uhr der Rückzug befohlen, als ein Frontangriff der ganzen französischen Linie vollständig glückte; die Division Grawert wurde gegen Groß-Romstädt geworfen, die Cavallerie floh der Straße von Weimar nach Naumburg zu, die sächsische Brigade Dyherrn verlor ihre Artillerie u. wurde fast ganz zersprengt. In diesem Augenblick langte endlich Rüchel mit 9000 Mann an. Schon vom Feinde beschossen, marschirte er auf dem Sperlingsberg bei Kapellendorf, die Front gegen Groß-Romstädt gewendet, auf. Kaum begann er aber zu avanciren, so faßte ihn Soult in der linken, Augereau in der rechten Flanke u. Lannes in Front, u. trotz einer glücklichen Cavallerieattake auf den linken Flügel u. trotz der Tapferkeit der preußischen Infanterie zog er sich mit Resten des Hohenloheschen Corps nach Weimar zurück. Die Niederlage Hohenlohes bei Vierzehnheiligen trennte zwei Brigaden Sachsen, welche den rechten Flügel bildeten, von den übrigen Corps, u. nun griff die Division Heudelet von Augereaus Corps die Schnecke an. Das Artillerie- u. Pelotonfeuer der Sachsen unter Zeschwitz hielt sie etwas auf, als aber die von Rüchels Verfolgung zurückkehrende französische Cavallerie im Rücken der Sachsen erschien, begannen diese den Rückzug in Quarrés, wurden aber, eben als sie in die Chaussee einbiegen wollten, von der französischen Infanterie in Front, von der Cavallerie im Rücken angegriffen, gesprengt u. gefangen. Nur die Cavallerie schlug sich durch u. erreichte nach vielem Verlust die Ilm über Frankendorf u. Wiegendorf. Die Reste der preußisch-sächsischen Armee verließen nun um 4 Uhr das Schlachtfeld u. eilten entweder auf der Chaussee von Weimar nach Erfurt, od. suchten (bes. die Trümmer des Rüchelschen u. Tauenzienschen Corps) über Tiefurt, Dennstädt od. Ullrichshalben hinter die Ilm zu entkommen. Am Webicht, einem Gehölz dicht vor Weimar, sollte Cerrini sein Corps sammeln, auch stellte Hohenlohe einige Escadronen, Bataillone u. eine Batterie auf, um den rechten Flügel aufzunehmen,[570] als er aber dessen Schicksal erfuhr, befahl er den Rückzug über die Ilm gegen Buttelstädt, der jedoch nicht ohne Verlust geschah u. wobei das preußische Regiment Treuenfels viel litt. Ein glücklicher Angriff der sächsischen Cavallerie auf die französische deckte den Rückzug quer durch das Webicht, doch ging dieser unaufhaltsam nach Erfurt zu, der Hohenlohes, welcher 20 Escadrons gesammelt hatte, nach Buttstädt u., als er die Niederlage des Königs erfuhr, nach Schloß Vippach zwischen Buttstädt u. Erfurt.

Die französische Armee brachte die Nacht vom 14. auf den 15. auf dem Schlachtfelde, Napoleon in Jena zu. Die preußische Hauptarmee war den 13. Octbr. früh von Weimar nach Freiburg u. Weißenfels in einer Colonne links abmarschirt, erst um Mitternacht kamen die letzten Bataillone bei Auerstädt ins Bivouak; die Division Schmettau war am 14. zum Besetzen des Kösener Passes bestimmt, während die übrige Armee am 14. nach Freiburg u. Laucha gegen Weißenfels marschiren sollte. Obgleich unterrichtet, daß die Franzosen schon bis Hassenhausen streiften u. daß Davoust bis Naumburg vorgedrungen sei, sendete Schmettau dennoch nicht einmal einige Bataillone nach dem 2 Stunden entfernten Paß von Kösen. Thätiger war Davoust, welcher von Naumburg aus Kösen noch in der Nacht vom 13./14. mit zwei Bataillonen besetzt hatte u. am 14., während Bernadotte bei Dornburg über die Saale ging, seine Colonnen über Kösen vorschob, freilich nicht ahnend, daß er mit 26,000 M. die feindliche 42,000 M. starke Hauptarmee vor sich haben werde. Die Division Gudin ging früh bei Kösen über die Saale u. die zwei Bataillone, welche den Paß die Nacht über besetzt gehalten hatten, eilten gegen Hassenhausen vor; die Divisionen Morand u. Friant folgten schnell. Preußischer Seite befahl der König dem General Blücher, während seine Avantgarde sich bilden sollte, das Commando von 3 Bataillonen, 25 Escadronen, der Division Schmettau u. der Reserve, u. von einer reitenden Batterie zu übernehmen. Diese Avantgarde war aber noch nicht gebildet u. die Division Schmettau rückte daher einzeln u. ohne eine Avantgarde vor sich zu haben nach Hassenhausen. Ein dicker Nebel deckte das Land, u. die französischen vorgeschobenen Truppen stießen gegen 7 Uhr auf die Division Schmettau, ohne dieselbe vorher gesehen zu haben. Die Schlacht bei Auerstädt begann. Blücher griff sogleich die französischen bei Hassenhausen an, diese zogen sich hinter zwei Regimenter Infanterie, zu beiden Seiten der Chaussee, u. eine Batterie zurück; als die preußischen Escadronen auch diese angriffen, wurden sie zurückgeworfen, die Bedeckung der reitenden Batterie Blüchers durch Kartätschenfeuer zersprengt u. 6 Kanonen von den französischen Voltigeurs genommen, Hassenhausen auch von den Franzosen besetzt. Ungewißheit herrschte nun in den preußischen Bewegungen, indessen marschirte Schmettau auf, u. Wartensleben u. Oranien, welche schon auf dem Marsch gegen Freiburg waren, wurden zurückgerufen. Davoust ließ nun eine Brigade gegen Spielberg u. Punischerau aufstellen. Als der Nebel ein wenig fiel, bemerkte Blücher, daß er in der rechten Flanke u. im Rücken der französischen Linie stehe u. griff diese mit seiner Reiterei an. Aber kein Bataillon wurde gesprengt, u. als die Preußen sich nach großem Verlust gegen Spielberg zurückzogen, wurden sie von den eben über Puntscheran debouchirenden französischen Chasseurs in die Flanke gefaßt u. der Rückzug verwandelte sich in Flucht. Erst bei Eckartsberga, eine Stunde vom Schlachtfelde, gelang es Blücher, sie wieder zu sammeln. Jetzt erschien Wartensleben von Gernstädt aus auf dem Schlachtfelde u. rückte rechts der Chaussee gegen Hassenhausen vor. Vergebens attakirte er mit seiner Cavallerie die Division Gudin. Gegen 8 Uhr sendete Davoust die Division Friant auf den rechten Flügel Gudins, sie nahm 6 Kanonen u. vertrieb die Preußen aus Spielberg. Davoust suchte nun die Entscheidung in einer Umgehung des linken Flügels, während der Herzog von Braunschweig wieder den linken Davousts bei Hassenhausen zu forciren strebte. Hierbei wurde der Herzog unweit Hassenhausen durch einen Schuß am Kopfe tödtlich verwundet, wie auch kurz vorher Schmettau. Das preußische Heer war so seiner Führer beraubt u. das allgemeine Vorrücken gegen Hassenhausen kam wieder ins Stocken; die Division Schmettau zog sich selbst bis nach der Chaussee zwischen Tauchwitz u. Hassenhausen zurück. Zwölf auf dem Kirchhofe zu Spielberg placirte Geschütze nahmen die Preußen in die Flanke u. zwangen sie zu weichen; gegen den rechten Flügel rückte unterdessen die Division Morand an, Prinz Wilhelm von Preußen machte vergebens mit seiner Cavalleriebrigade zwei Angriffe gegen dieselbe. Langsam wich nach 11 Uhr auch die Infanterie des rechten Flügels nach Rehhausen u. Sonneborn. Schon früher hatte der linke Flügel, von Friant umgangen, Gleiches gethan. In der neuen Stellung von Rehhausen u. Sonneborn nahm nun die Reserve unter Kalkreuth die geworfenen Divisionen auf, u. ein lebhaftes Gefecht entspann sich. Bei Sonnendorf versuchte der König, welcher jetzt selbst commandirte, einen Angriff mit 4 Bataillonen Garde u. mehren leichten Bataillonen, allein das französische Artilleriefeuer vereitelte den Angriff. Nun wurden die Reste der geworfenen Divisionen aus Rehhausen u. Sonneborn u. die Brigade Prinz Heinrich aus Poppel, dem Stützpunkt des linken Flügels der neuen Stellung, vertrieben. Schmettau zog sich nach Eckartsberga, Wartensleben nach Reisdorf, Oranien nach Auerstädt zurück. Noch stand aber Kalkreuth u. Blücher mit einigen gesammelten Schwadronen auf den Höhen zwischen Gernsdorf u. der Emsermühle, aber der Versuch, die Schlacht wieder herzustellen, war vergebens; um 3 Uhr befahl der König den Rückzug. Der rechte Flügel zog sich nach Auerstädt, der linke nach Eckartsberga. Bei der Vertheidigung von Auerstädt wurde dieser Flecken von den Franzosen in Brand geschossen u. die preußischen Garden aus ihrer Position vorwärts Eckartsberga von Gudin u. Friant vertrieben. Nach 5 Uhr waren die Preußen überall in vollem Rückzug. Es war die Absicht des Königs sich auf Hohenlohe u. Rüchel, welche er noch ungeschlagen meinte, zurückzuziehen u. am folgenden Tage die Schlacht zu erneuen. Anfangs ging der Rückzug des rechten Flügels ziemlich geregelt von Statten, als man aber im Ilmthal angekommen jenseit Apolda das Bernadottesche Corps aufmarschirt bemerkte, wurden die Truppen von einem panischen Schrecken ergriffen u. bogen regellos rechts aus der Straße. Der König selbst verließ mit einigen Bataillonen die Straße u. ging über Buttelstedt nach Sömmerda, wo er den Oberbefehl dem General Kalkreuth übergab u. nach Magdeburg[571] eilte. Die Franzosen lagerten erschöpft auf dem Schlachtfelde, eine lebhafte Verfolgung war daher unmöglich. Nur auf der Straße nach Buttstädt verfolgte Villannes mit dem dritten Regiment Chasseurs die Preußen. Der Verlust der Preußen an Todten u. Verwundeten bei Jena betrug 10,000 Mann, bei Auerstädt 9000; tödtlich verwundet waren der Herzog von Braunschweig u. General Schmettau, schwer Rüchel u. Möllendorf u. 24 Generale; 18,000 Mann, darunter 12,000 Sachsen, waren bei Jena, bei Auerstädt etwa 4000 Mann gefangen; verloren wurden über 60 Fahnen u. über 300 Geschütze. Die Franzosen verloren bei Jena 5000, bei Auerstädt 6000 Todte u. Verwundete.

Den 15. Octbr. u. die folgenden Tage wurde die Flucht der preußischen Armee fortgesetzt; denn fast kein Corps (ausgenommen die Reserve unter Kalkreuth u. einige Cavallerie, welche den Rückzug unter Blücher deckte) war mehr zusammen, die Infanterie hatte ihre Gewehre größtentheils weggeworfen. Die Division Grawert floh gegen Erfurt; das Hohenlohesche Corps zog sich über Schloß Vippach u. Buttelstedt, wo es sich mit den Trümmern der bei Auerstädt geschlagenen Armee des Königs vereinigte, gegen Sömmerda, Langensalza u. Sondershausen zurück. Der König war den 15. in Sömmerda, beantwortete von hier aus den Friedensantrag, welchen Napoleon ihm schon nach ausgebrochenen Feindseligkeiten durch Montesquiou zugeschickt hatte, u. trug auf einen Waffenstillstand an. Am 17. übergab der König von Sondershausen aus dem Fürsten Hohenlohe den Oberbefehl über die Armee diesseit der Elbe, um die geschlagene Armee wo möglich bei Nordhausen, sonst bei Magdeburg zu sammeln u. zu reorganisiren, u. reiste hierauf über Magdeburg nach Küstrin ab. Napoleon war den 15. Octbr. noch in Jena u. gab Befehl, daß die Hälfte der Reservecavallerie unter Murat, von Ney gefolgt, gegen Erfurt vordringen u. dies zu nehmen suchen solle, der Rest der Reservecavallerie u. Soult sollte als Mitte den Feind über Weißensee u. Sömmerda verfolgen, Bernadotte über Nebra u. Querfurt nach der unteren Saale, Davoust von Naumburg über Leipzig nach Wittenberg marschiren, Lannes u. Augereau bei Jena als Reserve in Bereitschaft sein. Am 15. Octbr. Nachmittags erschienen Murat u. Ney vor Erfurt. Der Herzog von Weimar, welcher eben aus den Defiléen des Thüringer Waldes bei Erfurt angelangt war, suchte vergebens die Flüchtigen aufzuhalten u. zog sich am Abend über Langensalza zurück. Unterwegs schloß sich ihm der General Winning von Rüchels Corps an, welcher mit einigen tausend Mann von Eisenach aus eine Demonstration auf Hammelburg gemacht hatte. Erfurt mit seinen großen Vorräthen capitulirte den 16. Oct.; die Garnison war kriegsgefangen, die Offiziere behielten die Degen u. kehrten in ihre Heimath zurück, gaben jedoch ihr Ehrenwort in diesem Kriege nicht gegen Frankreich zu dienen. Feldmarschall Möllendorf u. der Prinz von Oranien wurden gefangen. Die Gefangenen wurden nach Frankfurt a. M. abgeführt, doch bei Eisenach überfiel am 18. Octbr. der Lieutenant Hellwig, vom Corps des Herzogs von Weimar, welcher einen Streifzug unternommen hatte, mit 30 Husaren die Bedeckung von 5000 Mann Gefangenen u. befreite diese, welche sich nun sogleich zerstreuten u. großtentheils ihre Heimath erreichten. Währenddem verfolgte Soult u. die Hälfte von Murats Cavallerie die Preußen auf der Straße von Nordhausen. Der französische General Klein mit einer Dragonerdivision schob sich am 16. Octbr. bei Weißensee zwischen die Hauptarmee u. die von Kölleda kommende vom General Lasalle verfolgte Arrieregarde unter Blücher ein. Blücher ritt keck nach Weißensee hinein, versicherte dem General Klein, daß ein Waffenstillstand bereits abgeschlossen sei u. daß er Befehl erhalten habe, nicht auf die Franzosen feuern zu lassen, verlangte u. erhielt gleiches Versprechen von Klein u. setzte seinen Marsch mitten durch französische Cavallerie nach Greußen fort. Hier fanden Kalkreuth u. Blücher die Franzosen unter Soult aufmarschirt, versuchten aber vergebens auch Soult vom Bestehen eines Waffenstillstandes zu überreden, vielmehr wurden sie angegriffen u. zogen sich, Blücher nach Sondershausen u. Kalkreuth nach Nordhausen zurück, wo Letzter am 17. Oct. wieder angegriffen u. geworfen wurde. Kalkreuth wurde nun abberufen, um die ostpreußische Inspection zu übernehmen, u. Blücher sollte die Nachhut befehligen. Die geschlagene Armee bei Nordhausen konnte nicht gesammelt werden, u. Hohenlohe setzte daher den Weg in drei Colonnen fort; die rechte unter Hohenlohe selbst über Stollberg, Quedlinburg u. Egeln; die zweite über Blankenburg, Halberstadt nach Magdeburg, wo Hohenlohe am 20. ankam; Blücher sollte die dritte (8000 Mann Fußvolk, 600 Mann Cavallerie, 32 Zwölfpfünder) über Osterode, Seesen nach Tangermünde über die Elbe führen. Aber auch bei Magdeburg, wo der General Kleist Gouverneur war, war die Unordnung zu groß, um die Reorganisation der Armee beginnen zu können; zudem war die rechte Flanke durch den Elbübergang der Franzosen bei Roßlau u. Wittenberg bedroht, u. als Soult den 21. Octbr. hinter der Sülze, zwei Stunden von