Johann [2]

[268] Johann, Name zahlreicher Fürsten.

Tabelle

[Anhalt.] 1) J. Georg II., Fürst von Anhalt-Dessau, geb. 17. Nov. 1627, gest. 7. Aug. 1693 in Berlin, Sohn des Fürsten Johann Kasimir und der Prinzessin Anna von Hessen-Kassel, seit 1659 mit Henriette Katharina, Tochter des Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, vermählt, trat zuerst in schwedische, 1658 in brandenburgische (der Kurfürst war sein Schwager) Kriegsdienste. Nach dem Tode seines Vaters (15. Sept. 1660) zur Regierung in Anhalt-Dessau berufen, wurde er 1670 vom Großen Kurfürsten zum Feldmarschall ernannt und schloß im Juni 1672 das Bündnis zwischen dem Kaiser und Brandenburg in Wien ab, infolgedessen sich beide verpflichteten, je 12,000 Mann unter dem Befehl des Kurfürsten aufzustellen zur Aufrechterhaltung des Westfälischen Friedens. 1674 erhielt J. die Statthalterschaft in der Mark, konnte aber aus Mangel an Truppen den Einfall der Schweden nicht verhindern, beteiligte sich dann am Feldzug von 1675 gegen Schweden und wurde 1683 zum Kaiser nach Passau gesandt, um die Hilfe Brandenburgs gegen die Türken in Aussicht zu stellen, aber von einem Kriege gegen Frankreich abzuraten. Überhaupt war er bemüht, das Bündnis zwischen dem Kaiser und Brandenburg zu befestigen. Er hatte seinen Sohn Leopold, den berühmten »allen Dessauer«, zum Nachfolger.

[Aragonien.] 2) J. J., König von Aragonien 1387–95, geb. 1350, Sohn Peters IV., hatte um die Aufrechterhaltung der Oberherrlichkeit über Sardinien und Sizilien zu kämpfen, widmete sich aber mehr der Pflege der schönen Künste als der Politik.

3) J. II., König von Aragonien 1458–79, Sohn Ferdinands J., folgte seinem Bruder Alfons V. in Aragonien, während er durch seine erste Gemahlin, Blanca, schon seit 1425 König von Navarra war. Als solcher war er lange Jahre hindurch in die Parteikämpfe Kastiliens verwickelt; später hatte er sich wiederholter Aufstände seines Sohnes, des Prinzen Karl von Viana, zu erwehren, der ihm die Herrschaft über Navarra streitig machte, aus der ihn J. zugunsten seiner Kinder zweiter Ehe zu verdrängen suchte. Vgl. Desdevises du Dezert, Don Carlos d'Aragon, prince de Viane (Par. 1889).

[Böhmen.] 4) J. von Luxemburg, der Blinde, König von Böhmen, geb. 10. Aug. 1296, gest. 26. Aug. 1346, ältester Sohn Kaiser Heinrichs VII. und der Margarete von Brabant, ward 1310 mit Wenzels II. von Böhmen Erbtochter Elisabeth vermählt und 7. Febr. 1311 in Prag zum böhmischen König gekrönt. Er behauptete die Krone der Přemysliden gegen Heinrich von Kärnten und stellte mit Hilfe seines ersten Ratgebers, des Erzbischofs Peter von Mainz, die Ordnung in Böhmen und Mähren wieder her, fühlte sich aber zeitlebens in dem Lande fremd, dessen Regierung immer mehr in die Hände des böhmischen Adels überging. Auch das Verhältnis zu seiner Gemahlin war zeitweise sehr getrübt. Während der Rivalität zwischen den beiden Häusern Österreich und Bayern nach dem Tode des Kaisers Heinrich VII. (1313) stand er bald auf der einen Seite, bald auf der andern; doch verschaffte er in der Schlacht bei Mühldorf (28. Sept. 1322), in der er das bayrische Heer befehligte, Ludwig dem Bayer den Sieg. Im übrigen schloß er sich meist der päpstlichen und der französischen Politik an. Er erwarb für sein Haus durch die Hand der Erbtochter von Tirol, Margarete Maultasch, die er mit seinem Sohne Johann Heinrich vermählte, den Besitz dieser Grafschaft, die aber durch Mißhelligkeiten der Ehegatten, die zur Lösung der Ehe führten, schon 1340 wieder verloren ging. Die Unternehmungslust Johanns suchte Kaiser Ludwig durch die Aussicht auf italienische Besitzungen und durch Verleihung von Reichsrechten in Italien zu befriedigen, doch konnte er seine Eroberungen daselbst nur wenige Jahre behaupten. Die bedeutendste Erwerbung Johanns, durch die Böhmen einen dauernden Zuwachs an Macht erfuhr, war die Schlesiens. Im Zusammenhange mit einem Kriegszug gegen Polen 1327 erfolgte die Huldigung der Mehrzahl der oberschlesischen Herzoge und der Stadt Breslau, denen 1329 die der niederschlesischen Fürsten folgte. Durch seine Vermählung mit Beatrix von Bourbon knüpfte er sodann 1334 festere Beziehungen zu Frankreich an, die ihm jedoch in seinen Kämpfen mit Ludwig dem Bayer wenig nützten. Dagegen erreichte er es, daß sein Erstgeborner, Karl, der als Markgraf von Mähren und Mitregent in Böhmen herrschte, mit französisch-päpstlicher Unterstützung zum Gegenkönig gegen Ludwig den Bayer gewählt wurde (11. Juli 1346). J. und sein Sohn Karl zogen sodann dem König Philipp von Valois gegen die Engländer zu Hilfe, und hier fiel der seit 1340 erblindete König in der Schlacht bei Crécy 26. Aug. 1346. Vgl. Schötter, J., Graf von Luxemburg und König von Böhmen (Luxemb. 1865, 2 Bde.); v. Weech, Kaiser Ludwig der Bayer und König J. von Böhmen (Münch. 1860).

[Brandenburg.] 5) J. Cicero, Kurfürst von Brandenburg, geb. 2. Aug. 1455 in Ansbach, gest. 9. Jan. 1499 in Arneburg, ältester Sohn des Markgrafen Albrecht Achilles, übernahm an dessen Stelle die Verwaltung des 1470 diesem zugefallenen Kurfürstentums Brandenburg und erbte es nach seines Vaters Tode 1486 ungeteilt kraft des Achilleischen Hausgesetzes. Er regierte umsichtig und sparsam, brachte die Finanzen des Landes in Ordnung, kaufte 1490 die lausitzische Herrschaft Zossen und bereitete die Stiftung einer Universität in seinen Landen vor. An den Reichsangelegenheiten, namentlich den Reformen des Wormser Reichstags 1495, nahm er lebhaften Anteil. Wegen seiner Gabe, deutsch und lateinisch wohl und gelehrt zu reden, erhielt er den Beinamen Cicero. Im Dom zu Berlin ließ ihm sein Enkel Joachim II. 1550 ein herrliches Denkmal von Peter Vischer errichten.

6) J. (Hans), Markgraf von Brandenburg-Küstrin, geb. 3. Aug. 1513 in Tangermünde, gest. 13. Jan. 1571 in Küstrin, zweiter Sohn des Kurfürsten Joachim I., erhielt bei dessen Tode 1535 kraft des väterlichen Testaments, zuwider der Achilleischen Hausordnung, die Neumark mit der Hauptstadt Küstrin, verwaltete sie mit Ordnungsliebe und Sparsamkeit, tat viel für die Hebung des Wohlstandes, befestigte Küstrin und Peitz und kaufte die Herrschaften Beeskow[268] und Storkow. Die Reformation führte er 1536 ein und schloß sich dem Schmalkaldischen Bund an, blieb zwar im Schmalkaldischen Kriege neutral, unterstützte aber später die protestantische Sache. Da er keine Erben hinterließ, fiel die Neumark wieder an Kurbrandenburg. Vgl. Berg, Beiträge zur Geschichte des Markgrafen J. von Küstrin (Landsb. 1903).

7) J. Georg, Kurfürst von Brandenburg, geb. 11. Sept. 1525, gest. 8. Jan. 1598, ältester Sohn des damaligen Kurprinzen, spätern Kurfürsten Joachim II., folgte diesem 1571, suchte die Schulden seines Vaters zu tilgen, ließ dessen Geldjuden Lippold hinrichten und dessen Geliebte Anna Sydow in Spandau einkerkern. J. war sparsam, aber auch kleinlich und engherzig, und sah der von den Jesuiten betriebenen katholischen Reaktion aus kurzsichtigem Egoismus und Haß gegen die Reformierten untätig zu. An der Vereinbarung der Konkordienformel beteiligt, unterdrückte er mit Strenge jede abweichende Lehre in seinem Lande, gründete 1574 das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin, vollendete den Schloßbau und nahm viele flüchtige Niederländer in sein Land auf. Von seinen 23 Kindern aus drei Ehen überlebten ihn 15, von denen ihm Joachim Friedrich (s. Joachim 3) in der Kur folgte, während Christian und Joachim Ernst die fränkischen Fürstentümer erhielten. Das Testament, durch das er andern jüngern Söhnen Teile der Mark verlieh, hob sein ältester Sohn auf.

8) J. Sigismund, Kurfürst von Brandenburg, geb. 8. Nov. 1572, gest. (23. Dez. 1619 alten) 2. Jan. 1620 neuen Stils, ältester Sohn des Kurprinzen, spätern Kurfürsten Joachim Friedrich, studierte mit seinem Bruder J. Georg (geb. 1577, gest. 1624, seit 1603 Herzog von Jägerndorf) 1588–90 in Straßburg und folgte seinem Vater 18. Juli 1608 als Kurfürst von Brandenburg und Verweser des Herzogtums Preußen an Stelle des blödsinnigen Herzogs Albrecht Friedrich, dessen älteste Tochter, Anna, er 1594 geheiratet hatte. Diese war als Tochter der ältesten Schwester des letzten Herzogs von Jülich-Kleve nach dessen Tode 1609 auch Haupterbin von dessen reichen Besitzungen, die indes J. von verschiedenen Seiten streitig gemacht wurden (s. Jülich). Er verglich sich jedoch mit dem Hauptprätendenten, dem Pfalzgrafen von Neuburg, im Dortmunder Vertrag 1609, der durch den Vertrag von Xanten 1614 bestätigt wurde, über eine provisorische Teilung, so daß er Kleve, Mark, Ravensberg und Ravenstein erhielt. Während der Streitigkeiten über die Erbschaft war er 25. Dez. 1613 zur reformierten Konfession übergetreten, weniger aus politischen Rücksichten auf die Holländer als aus Abneigung gegen die starre, intolerante lutherische Orthodoxie. Dieser Schritt, den die im Mai 1614 veröffentlichte »Confessio« rechtfertigen sollte, führte zum Widerstande der streng lutherischen Einwohner und Stände der Mark, da diese eine »Verketzerung« des ganzen Landes fürchteten; noch mehr war dies in Preußen der Fall, wo er 1618 nach Albrecht Friedrichs Tode Herzog wurde, die Stände ihm aber unter dem Vorwande des Religionswechsels fast alle landesherrlichen Befugnisse entzogen. Die beiden unter ihm erfolgten Erwerbungen sowie sein Übertritt zur reformierten Kirche sind für die weitere Geschichte Brandenburg-Preußens von größter Bedeutung gewesen. Vgl. Töppen, Die preußischen Landtage während der Regentschaft des Kurfürsten J. Sigismund (Königsb. 1897); Kniebe, Der Schriftenstreit über die Reformation des Kurfürsten J. Sigismund von Brandenburg seit 1613 (Halle 1902).

[Burgund.] 9) J. der Unerschrockene oder ohne Furcht (Sans-peur), Herzog von Burgund, geb. 1371, gest. 10. Sept. 1419, Sohn Philipps des Kühnen, zog mit dem französischen Kreuzheer dem König Siegmund von Ungarn gegen die Türken zu Hilfe und geriet in der Schlacht bei Nikopolis 1396 in türkische Gefangenschaft, aus der er sich durch ein Lösegeld von 200,000 Dukaten befreite. Herzog von Burgund ward er 1404 nach seines Vaters Tod. Er war ein energischer, kühner, ja heftiger Charakter; wenn ihn seine unbezwingliche Leidenschaftlichkeit nicht fortriß, war er voll Gute und Wohlwollen; seine Untertanen hingen an ihm mit großer Liebe. Er machte sich in Frankreich zum Vorkämpfer der volkstümlichen Interessen gegen das verschwenderische, nichtsnutzige und selbstsüchtige Adelsregiment des Herzogs von Orléans. Endlich von Orléans aufs äußerste gereizt, ließ er diesen 1407 in Paris ermorden und erlangte damit die oberste Leitung der Staatsgeschäfte in Frankreich und die Erziehung des Dauphins. 1410 bildeten die Anhänger der Orléans die Partei der Armagnacs, denen unter Johanns Leitung die Bourguignons entgegentraten, die zugleich die volkstümliche und die religiös-reformistische Richtung verfochten. Indes die wilden Ausschreitungen des burgundisch gesinnten Pariser Pöbels, der Cabochiens, führten 1413 Johanns Niederlage herbei. Darauf trat er 1415 mit Heinrich V von England in Verbindung und bemächtigte sich 1418 wieder der Hauptstadt, wo er aufs grausamste gegen die Armagnacs wütete. Vom Dauphin Karl zu einer Unterredung auf der Yonnebrücke bei Montereau gelockt, ward er von dessen Begleiter Tanneguy-Duchâtel meuchlings ermordet. Ihm folgte Philipp der Gute.

[Dänemark.] König von Dänemark, Schweden und Norwegen, s. unten bei »Schweden« 47).

[England.] 10) J. ohne Land (John Lack-land), König von England, geb. 24. Dez. 1167, gest. 19. Okt. 1216, jüngster Sohn Heinrichs II., war von seinem Vater, der ihm einst scherzend den Beinamen »ohne Land« gegeben hatte, doch reich mit Gütern ausgestattet und besaß nach der Thronbesteigung seines Bruders Richard Löwenherz außer der Grafschaft Mortagne in der Normandie die Grafschaften Cornwall, Dorset, Somerset, Gloucester, Derby, Nottingham, Lancaster in England. Trotzdem suchte er im Bunde mit Philipp von Frankreich Richard während seines Kreuzzuges der Krone zu berauben. Als aber der König, aus der Gefangenschaft freigelassen, nach England heimkehrte, mußte J. sich ihm im Mai 1194 unterwerfen. Richard verzieh ihm und ernannte ihn sogar, mit Übergehung des zwölfjährigen Artur von Bretagne, des Sohnes seines verstorbenen ältern Bruders Gottfried, 1199 auf seinem Sterbebett zu seinem Nachfolger. J. war ein schwacher, aber eigenwilliger und grausamer Regent. Nach zwölfjähriger Ehe trennte er sich von seiner Gemahlin Hadwisa, Erbin der Grafschaft Gloucester, und verband sich 1200 mit der mit dem Grafen Hugo de la Marche bereits verlobten Isabella, Gräfin von Angoulême. Hugo appellierte hierauf an Philipp von Frankreich, ihren gemeinschaftlichen Lehnsherrn, J. wurde seiner französischen Lehen für verlustig erklärt, und es erhob sich ein heftiger Kampf zwischen ihm und seinen Feinden, in dem er 1. Aug. 1202 bei Mirebeau einen Sieg erfocht. Da er aber den hierbei in seine Hände gefallenen Herzog Artur von Bretagne ermorden ließ, fielen seine Vasallen von ihm ab, und er verlor den besten Teil seiner französischen Besitzungen. Auch mit dem Papst [269] Innozenz III. geriet er wegen der Bischofswahlen in Streit und zog sich durch seine Halsstarrigkeit Interdikt (1208) und Bann (1209) zu, mit dessen Vollstreckung 1212 Philipp von Frankreich beauftragt wurde. Von seinen Untertanen verlassen, sah sich J. genötigt, sein Reich dem Papst abzutreten und von ihm als Lehen zurückzunehmen (15. Mai 1213). Nun vom Papst unterstützt und im Bunde mit dem deutschen Kaiser Otto IV. nahm er den Krieg mit Frankreich auf, wurde aber bei Bouvines 27. Juli 1214 entscheidend geschlagen. Als darauf die englischen Barone sich gegen J. erhoben, mußte dieser ihnen durch die Magna Charta (s. d.) 15. Juni 1215 bedeutende Rechte zugestehen. Bald nachher aber begann er mit gemieteten Söldnern einen Vernichtungskrieg gegen die Barone und ließ vom Papste den Freiheitsbrief für nichtig erklären. Die Barone boten nun Ludwig, dem ältesten Sohne Philipps II. von Frankreich, die Krone an, und dieser erschien im Mai 1216 mit einem zahlreichen Heer in England. Während der Kämpfe gegen ihn starb J. in Newark am Trent. Vgl. Bémont, La condamnation de Jean Sans-Terre par la cour des pairs de FranceRevue historique«, Bd. 32, Par. 1883); Jos. Lehmann, J. ohne Land. Beiträge zu seiner Charakteristik (Berl. 1904); J. H. Ramsay, The Angevin empire: Henry II, Richard I, and John (Lond. 1904).

[Frankreich.] 11) J., der Gute, König von Frankreich, geb. 1319, gest. 8. April 1364, Sohn und Nachfolger Philipps VI., regierte 1350–64. Er war ein äußerst beschränkter Fürst, der inmitten des gefährlichsten Krieges mit seinen Günstlingen schwelgte und durch hohe Steuern sein Volk zur Verzweiflung brachte. Unter ihm begann 1351 nach Ablauf des Waffenstillstandes wieder der Krieg mit England. Eduard, der Schwarze Prinz, landete im Garonnegebiet und verwüstete Süd- und Mittelfrankreich. J. zog ihm mit einem fünfmal stärkern Heer entgegen, wurde aber bei Maupertuis (19. Sept. 1356) gänzlich geschlagen und nach tapferer Verteidigung gefangen genommen. Erst der Friede von Bretigny 1360 befreite ihn aus seiner Hast, nachdem er, außer 3 Mill. Goldstücken, mehrere Provinzen abzutreten versprochen hatte. Sein ältester Sohn erster Ehe, Karl V., war sein Nachfolger. Die von J. 1363 gestiftete Sekundogenitur des Hauses Valois, Burgund, schlug ebenfalls zu Frankreichs Verderben aus, so daß nach ihm kein Thronfolger mehr Johann genannt wurde.

[Hannover.] 12) J. Friedrich, Herzog von Hannover, geb. 1625, gest. 28. Dez. 1679 in Augsburg, dritter Sohn des Herzogs Georg, wurde auf einer Reise nach Italien 1651 katholisch, erhielt 1665 die Lande Kalenberg, Göttingen und Grubenhagen und erhob Hannover zur Residenz. An eine Bekehrung seiner Untertanen dachte er nicht, begünstigte die Wissenschaften und rief Leibniz an seinen Hof. In der äußern Politik hielt er zu Frankreich, mit dessen Hilfsgeldern er ein stehendes Heer von 14,000 Mann unterhielt, aber seine Hoffnungen auf Landerwerb erfüllten sich nicht. Er hinterließ bei seinem Tode keine Söhne, worauf ihm sein Bruder Ernst August von Osnabrück (s. Ernst 4) folgte.

[Kastilien.] 13) J. I., König von Kastilien, 1379–90, geb. 20. Aug. 1358, Sohn Heinrichs II., erhob nach dem Tode König Ferdinands 1383 Ansprüche auf Portugal, wurde aber in der Schlacht von Aljubarrota 1385 vollständig geschlagen, mußte sich nach einem verlustreichen Kampfe 1389 mit dem Herzog von Lancaster vergleichen, wollte 1390 abdanken, starb aber während der darüber gepflogenen Verhandlungen.

14) J. II., König von Kastilien, 1406–54, geb. 1405, folgte seinem Vater Heinrich III., anfangs unter der Vormundschaft seines Onkels Ferdinand, dann seiner Mutter, wurde 1419 mündig erklärt, stand aber völlig unter dem Einfluß seines Günstlings Alvaro de Luna. Die Parteikämpfe gegen die sen füllen einen großen Teil seiner langen Regierung aus und verwickelten das Land in Kriege mit Aragonien und Navarra. Doch wurde auch Granada 1431 vorübergehend tributpflichtig gemacht. Auf politischem Gebiete schwach und ohne Initiative, war J. ein eifriger Beförderer der Dichtkunst. Vgl. Perez de Guzman, Chronica del señor rey Don Juan II. (Valencia 1779); Puymaigre, La cour littéraire de Don Juan II (Par. 1873, 2 Bde.).

[Mecklenburg.] 15) J. Albrecht I., Herzog von Mecklenburg, geb. 22. Dez. 1525, gest. 12. Febr. 1576, war der Sohn Albrechts VII. und wurde, obwohl dieser der alten Kirche anhing, am brandenburgischen Hof evangelisch erzogen, diente zwar im Anfang des Schmalkaldischen Krieges im kaiserlichen Heer, führte aber nach dem Tode seines Vaters (7. Jan. 1547) in seiner Herrschaft Güstrow sofort die Reformation durch und nahm auch 1552 an der Erhebung des Kurfürsten Moritz von Sachsen gegen den Kaiser teil. Er war ein gelehrter, kunstsinniger Fürst. Vgl. Schirrmacher, J. Albrecht I., Herzog von Mecklenburg (Wism. 1885, 2 Tle.); Schreiber, J. Albrecht I., Herzog von Mecklenburg (Halle 1899).

16) J. Albrecht, Herzog von Mecklenburg, geb. 8. Dez. 1857 in Schwerin, dritter Sohn des Großherzogs Friedrich Franz II. (gest. 1883) aus erster Ehe mit der Prinzessin Auguste von Reuß, vermählte sich 6. Nov. 1886 mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar (geb. 28. Febr. 1854), schied als Oberstleutnant aus dem aktiven Militärdienst, fleht als Generalleutnant à la suite des Leibgardehusarenregiments und ist Chef des Mecklenburgischen Jägerbataillons Nr. 14. 1895 wurde er erster Präsident der Deutschen Kolonialgesellschaft und bald darauf Mitglied des Kolonialrats; noch 1895 bereiste er Ceylon und Deutsch-Ostafrika und erwarb sich um die Kolonialsache überhaupt große Verdienste. Nach dem Tode seines ältesten Bruders, des Großherzogs Friedrich Franz III. (10. April 1897), übernahm er, da der ältere Bruder, Paul, bei seinem Übertritt zum Katholizismus auf alle Thronrechte verzichtet hatte, die Regentschaft für seinen Neffen, den Großherzog Friedrich Franz IV. (s. Friedrich 36), bis zu dessen Volljährigkeit (1901). In letzterm Jahre wurde J. Ehrendoktor aller vier Fakultäten der Universität Rostock.

[Nassau.] 17) J. von Nassau, Erzbischof von Mainz, ein ehrgeiziger, ränkesüchtiger Mann, erlangte das Erzbistum 1397 durch päpstliche Ernennung und verdrängte den vom Kapitel gewählten Erzbischof Gottfried von Leiningen. Er betrieb 1400 Kaiser Wenzels Absetzung und Ruprechts von der Pfalz Wahl, gegen den er dann wieder, als er sich nicht ganz von ihm leiten ließ, 1405 den Marbacher Bund zustande brachte. Er verband sich sogar mit dem Ritterbund »Zum Luchs« und begab sich in Vasallenverhältnis zu Frankreich, um Ruprecht erfolgreichen Widerstand leisten zu können; doch starb dieser, ehe es dazu kam. Bei der neuen Königswahl stimmte J. für Jobst von Mähren, vertrug sich aber 1411 mit Siegmund. Auf dem Konstanzer Konzil[270] vertrat er die Sache Johanns XXIII., doch ohne Erfolg. Er starb 23, Sept. 1419 in Aschaffenburg.

18) J. Moritz, Fürst von Nassau-Siegen, niederländ. Feldmarschall, der »Brasilianer« genannt, geb. 17. Juni 1604 in Dillenburg, gest. 20. Dez. 1679 in Bergenthal bei Kleve, Sohn des Grafen Johann VIII. von Nassau-Dillenburg, trat 1621 in die Dienste der holländischen Republik und zeichnete sich unter dem Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien 1626 bei der Belagerung von Grol und 1632 vor Maastricht aus, eroberte, seit 1636 Gouverneur der Besitzungen der Westindischen Gesellschaft in Brasilien, mit geringen Streitkräften einen großen Teil des Landes und brachte es zu hoher Blüte. Er sandte 1637 eine Expedition an die afrikanische Küste, die den Holländern die Hauptfestung von Guinea, St. George del Mina, erwarb, und drang im Frühjahr 1638 an der brasilischen Küste südlich vor, belagerte aber vergeblich Bahia. Nach Vernichtung der portugiesischen und der spanischen Flotte durch die Holländer vor Itamarica (12.–17. Jan. 1640) begann der grausame Krieg in Brasilien aufs neue. Um die große Anzahl von Abenteurern unter seinen Fahnen zu beschäftigen, unternahm J. eine Expedition nach Chile (1643). Die Festung Moritzschloß an der Mündung des São Francisco und die Stadt Moritzstadt bei Pernambuco sind seine Gründungen in Brasilien. 1644 nach Holland zurückgekehrt, ward er Gouverneur von Wesel und General der Reiterei, trat 1647 in kurbrandenburgische Dienste, wurde Statthalter von Kleve, Mark und Ravensberg und 1652 Meister des Johanniterordens in Sonnenburg sowie deutscher Reichsfürst. 1658 war er als brandenburgischer Gesandter bei der Wahl Kaiser Leopolds I. in Frankfurt tätig, schloß 1661 den Defensivvertrag zwischen England und Brandenburg ab, erhielt 1665 das Kommando der holländischen Truppen gegen Münster, wurde 1671 erster Feldmarschall, befehligte die Holländer im Kriege gegen Ludwig XIV. (1672–74) und focht in der Schlacht bei Senef 11. Aug. 1674. Im selben Jahre Gouverneur von Utrecht geworden, zog er sich 1676 ins Privatleben zurück. Er ist in Siegen beigesetzt. Sein Palast im Haag war das »Moritzhaus« (jetzt Museum). Vgl. Driesen, Leben des Fürsten J. Moritz von Nassau-Siegen (Berl. 1849).

[Österreich.] 19) J. Baptist Joseph Fabian Sebastian, Erzherzog von Österreich, Reichsverweser von Deutschland, geb. 20. Jan. 1782 in Florenz, gest. 11. Mai 1859 in Graz, Sohn Kaiser Leopolds II. und der spanischen Infantin Marie Luise, erhielt seine Erziehung in Florenz und Wien, ward 18jährig im J. 1800 an die Spitze des geschlagenen österreichischen Heeres gestellt, unterlag jedoch bei Hoyenlinden (3. Dez.) der Übermacht Moreaus. Nach dem Frieden von Lüneville (1801) wurde er Generaldirektor des Geniewesens und Generalgouverneur Tirols. Als 1805 der neue Krieg gegen Napoleon I. zum Ausbruch kam, war die Bewaffnung der Tiroler und Vorarlberger seine erste Sorge. Er trat an die Spitze des Armeekorps, das sich Ney und den Bayern in Tirol entgegenstellte, brachte, vom heldenmütigen Landvolk unterstützt, den Bayern 2. und 3. Nov. 1805 die erste Niederlage am Strubpaß bei, mußte aber nach Macks Mißgeschick bei Ulm Tirol räumen und durchs Pustertal nach Kärnten rücken, um sich mit der italienischen Armee seines Bruders Karl zu vereinigen. Dann drangen beide Erzherzoge gegen Wien vor; aber die Schlacht bei Austerlitz und der Friede von Preßburg machten jeden Versuch, dem Krieg eine günstige Wendung zu geden, erfolglos. Tirol, bisher Johanns Lieblingsaufenthalt, ging verloren. Die folgenden Friedensjahre benutzte er hauptsächlich zu wissenschaftlichen Arbeiten, und zwar wandte er nun seine Aufmerksamkeit vor allem Steiermark und Kärnten zu, die er, von Gelehrten und Künstlern begleitet, nach allen Richtungen durchwanderte. Nach dem Wiederausbruch des Krieges im März 1809 zum Befehlshaber der unter dem Namen des Heeres von Innerösterreich bekannten Armee ernannt, rief er die Tiroler zur Erhebung auf und rückte, während Chasteler in Tirol vordrang, selbst gegen Udine vor. Er schlug den Vizekönig von Italien, Eugen, zuerst bei Pordenone, dann 16. April entscheidend bei Sacile; aber Napoleons gleichzeitiges siegreiches Vordringen an der Donau bis nach Wien veranlaßte ihn, Anfang Mai von Verona den Rückzug nach Villach und Graz anzutreten, von wo er sich nach Ungarn wendete, um bei Körmend Stellung zu nehmen. Am 14. Juni erlitt er auf dem Marsche nach Preßburg bei Raab durch die nachrückenden Franzosen eine Niederlage und begab sich nun nach Preßburg, wo er anfangs den ihm gegenüberstehenden Feind zu beschäftigen hatte, dann aber am Morgen des 5. Juli Befehl erhielt, mit allen Truppen aufzubrechen und in die Schlacht bei Wagram einzugreifen. War dieser Befehl spät genug gegeben worden, so kam anderseits J. demselben nicht rasch genug nach, und als er 6. Juli nachmittags mit 13.000 Mann in Siebenbrunn eintraf, war die Schlacht bereits zum Nachteil der Österreicher entschieden. Über die Frage des Verschuldens am rechtzeitigen Eintreffen Johanns entspann sich zwischen beiden Brüdern ein erbitterter Streit, und erst im November 1810 versöhnten sie sich. Inzwischen war von J. eine Beschreibung des Feldzuges verfaßt worden, die später in das von Hormayr herausgegebene Werk: »Das Heer von Innerösterreich im Kriege von 1809« überging. Nach der Schlacht bei Wagram hatte sich J. an die Spitze der Kriegspartei gestellt, entwarf den Plan, die große Armee sogleich aus Böhmen durch Mähren und das Waagtal nach der Donau zu ziehen und bei Komorn zu konzentrieren, um nach Ablauf des Waffenstillstandes von Znaim die Feindseligkeiten von neuem zu beginnen, aber die Friedenspartei, von Metternich geleitet, gewann den Kaiser, und 17. Okt. wurde der Wien-Schönbrunner Friede geschlossen. J. widmete sich hierauf ganz seinem Beruf als Direktor der militärischen Erziehungsinstitute. Erst 1815 übernahm er wieder ein Kommando bei der Armee des Fürsten Schwarzenberg. Nachdem er zuvor als Stellvertreter des Kaisers in Mailand die Huldigung entgegengenommen und die Lombardei bereist hatte, leitete er die Belagerung von Hüningen, das er 26. Aug. zur Übergabe zwang und schleifen ließ. Darauf ging er nach Paris und von da über England nach Österreich zurück. Er siedelte später ganz nach Graz über und lebte, nachdem er 1827 sich morganatisch mit der Postmeisterstochter Anna Plochl von Aussee (geb. 6. Jan. 1804, 1834 zur Freifrau v. Brandhofen, 1845 zur Gräfin von Meran erhoben, gest. 4. Aug. 1885 in Aussee) vermählt hatte, auf dem Bauerngut Brandhof (s. d.). J. erwarb sich große Sympathien beim Volke durch seine gemeinnützigen Unternehmungen und seine Neigung zum Volkstümlichen. Er gründete in Graz das Johanneum (Landesmuseum), förderte das landwirtschaftliche Vereinswesen und verschiedene Industriezweige, namentlich die Eisenindustrie, veranstaltete Sänger- und Schützenfeste und präsidierte[271] den Versammlungen der Naturforscher und Landwirte in Graz. Zahllose Lieder feierten denn auch in Steiermark und Tirol den »Herzog Hannes«. Der dem Erzherzog seit der Kölner Domfeier 1842 fälschlich in den Mund gelegte Ausspruch: »Kein Österreich, kein Preußen, sondern ein einiges großes Deutschland, fest wie seine Berge!« erwarb ihm schnell auch durch ganz Deutschland Popularität. Die Ereignisse des Jahres 1848 entrissen ihn seinem Stilleben. Als der Kaiser Ferdinand I. sich nach Innsbruck begab, ernannte er den Erzherzog J. zu seinem Stellvertreter in Wien, und dieser eröffnete als solcher den Konstituierenden Reichstag. Inzwischen war aber die Majorität der Frankfurter Reichsversammlung 24. Juni zu dem Beschluß gekommen, den Erzherzog J. zum unverantwortlichen Reichsverweser über Deutschland zu ernennen. J. traf auch 11, Juli in Frankfurt ein und bildete sofort ein Reichsministerium. Indes fühlte er sich mehr als österreichischer Erzherzog denn als deutscher Reichsverweser und wirkte seit der Ablehnung des Erbkaisertums seitens Friedrich Wilhelms IV. offen im österreichischen Interesse dahin, daß keine Reichsverfassung zustande kam und die Wiederherstellung des Bundestags als einziger Ausweg übrigblieb. Am 20. Dez. 1849 trat er in das Privatleben zurück und widmete sich, wie früher, der Förderung gemeinnütziger Unternehmungen in Steiermark. Er hinterließ einen Sohn, Franz, Grafen von Meran und Freiherrn v. Brandhofen, geb. 11. März 1839, gest. 27. März 1891 in Abbazia, seit 1861 erbliches Mitglied des österreichischen Herrenhauses. Vgl. Schneidawind, Leben des Erzherzogs J. von Österreich (Schaffh. 1849); Schimmer, Leben und Wirken des Erzherzogs J. (Mainz 1849); Schlossar, Erzherzog J. von Österreich und sein Einfluß auf das Kulturleben der Steiermark (Briefe des Erzherzogs aus den Jahren 1810–25, Wien 1878), Erzherzog J. Baptist von Österreich (das. 1880) und Briefwechsel zwischen Erzherzog J. Baptist und Anton, Graf von Prokesch-Osten (Stuttg. 1898); folgende Schriften von Krones: Zur Geschichte Österreichs 1792–1816 (Gotha 1886), Aus Österreichs stillen und bewegten Jahren (Innsbr. 1892), Aus dem Tagebuche Erzherzog Johanns von Österreich 1810–1815 (das. 1891), Tirol 1812–1816 und Erzherzog J. von Österreich (das. 1890); v. Zwiedineck-Südenhorst, Erzherzog J. im Feldzuge von 1809 (Graz 1892). Die von J. hinterlassenen Papiere, Tagebücher, Briefe und autobiographischen Fragmente haben Verwendung gefunden durch Fournier, Gentz und Cobenzl, 1801–1805 (Wien 1880). Ein Denkmal des Erzherzogs (von Pönninger) ziert seit 1878 den Hauptplatz in Graz.

20) J. Nepomuk Salvator, Erzherzog von Österreich und Prinz von Toskana, geb. 25. Nov. 1852 in Florenz, jüngster Sohn des Großherzogs Leopold II. von Toskana, in der Hofburg erzogen, ward 1876 Oberst und Regimentskommandeur in Komorn, 1878 Kommandeur einer Infanteriebrigade in Wien und Generalmajor und befehligte in demselben Jahr eine Brigade bei der bosnischen Okkupationsarmee. 1879 ward er Divisionskommandeur in Preßburg und Feldmarschalleutnant. Von 1883 bis 1887 befehligte er die 3. Division in Linz, wohin er wegen seiner Schrift »Drill oder Erziehung?« (Wien 1883), die ihre Spitze gegen die oberste Heeresleitung richtete, versetzt worden war. Im September 1887 wurde er des Kommandos der 3. Infanteriedivision wegen seiner eigenmächtigen Bewerbung um den bulgarischen Fürstenthron und spätern Begünstigung der bulgarischen Thronkandidatur des Prinzen Ferdinand von Koburg plötzlich enthoben. J. verzichtete 1889 auf Rang und Würden, nahm (nach dem Schloß Orth bei Gmunden) den Namen Johann Orth an, ging ins Ausland und rüstete einen Kauffahrer Margerita aus, mit dem er, wie nun wohl außer Zweifel steht, 1891 an der Südküste Südamerikas zugrunde ging, da auch das im Januar 1903 infolge eines Interviews Roda-Rodas mit dem Erzherzog Leopold Ferdinand verlautbarte Gerücht: in einem Teile der kaiserlichen Familie herrsche die Anschauung, Johann Orth lebe bei seinem Bruder Erzherzog Ludwig Salvator von Toskana auf Mallorca, sich als eine Legende ergab. Er schrieb ferner: »Betrachtungen über die Organisation der österreichischen Artillerie« (Wien 1875); »Geschichte des k. k. Linien-Infanterieregiments Erzherzog Wilhelm Nr. 12« (das. 1877–80, 2 Bde.), verfaßte den Text zu dem Ballett »Die Assassinen« und wirkte in antispiritistischem Sinn durch die Schrift »Einblicke in den Spiritismus« (5. Aufl., Linz 1885). Auch als Komponist ist J. hervorgetreten. Vgl. Heinrich, Erzherzog J. Mit Beiträgen zur Geschichte der Begründung der zweiten Dynastie Bulgariens (Wien 1901).

21) J. von Österreich, s. Juan d'Austria.

[Pfalz.] 22) J. Kasimir, Pfalzgraf bei Rhein, geb. 7. März 1543 in Simmern, gest. 6. Jan. 1592, vierter Sohn des spätern Kurfürsten Friedrich III., des Frommen, an den Höfen von Paris und Nancy erzogen, wurde ein tapferer, eleganter Ritter. Eifrig der reformierten Lehre zugetan, zog er 1567 den französischen Hugenotten zu Hilfe und leistete ihnen erfolgreiche Dienste. Seine übrigen ähnlichen Unternehmungen, ein zweiter Feldzug nach Frankreich (1575–76), der nach den Niederlanden gegen die Spanier (1578) und sein Eintreten für den Kurfürsten Gebhard Truchseß von Köln, hatten bei seinen beschränkten Mitteln nicht den gehofften Erfolg. 1583 nach dem Tode seines lutherisch gesinnten Bruders Ludwig Vormund von dessen unmündigem Sohn Friedrich IV. und Administrator der Pfalz, brachte er das Land zur reformierten Lehre zurück. Seit 1568 mit Elisabeth von Sachsen, der Tochter des Kurfürsten August, vermählt, ließ er dieselbe 1589 wegen Ehebruchs und Mordversuchs gegen ihn selbst ver haften. Vgl. v. Bezold, Briefe des Pfalzgrafen J. Kasimir (Münch. 1882–1903, Bd. 1–3).

[Polen.] 23) J. II. Kasimir, König von Polen, geb. 21. März 1609, gest. 16. Dez. 1672 zu Nevers in Frankreich, zweiter Sohn des Königs Siegmund III., trat 1640 in Rom in den Jesuitenorden, ward von Innozenz X. zum Kardinalpriester ernannt und 20. Nov. 1648 nach dem Tode seines Stiefbruders Ladislaw, dessen Witwe Marie Luise von Nevers-Gonzaga er heiratete, zum König gewählt. Er führte 1655–60 einen Krieg mit Karl Gustav von Schweden, verlor gegen diesen und den Großen Kurfürsten von Brandenburg 28.–30. Juli 1656 die Schlacht bei Warschau, behauptete aber sein Reich und verzichtete im Frieden von Oliva (3. Mai 1660) bloß auf die Oberlehnshoheit über Ostpreußen. Im Frieden von Andrussow (14. Jan. 1667) verlor er Weiß und Rotrußland samt der Ukraine bis an den Dnjepr an Rußland und dankte im September 1668 ab.

24) J. III. Sobieski, König von Polen, geb. 2. Juni 1624, gest. 17. Juni 1696 in Willanow, jüngster Sohn Jakobs, Kastellans von Krakau, zeichnete sich früh durch Tapferkeit aus, wurde 1665 Krongroßmarschall und 1667 Krongroßfeldherr. Er war der [272] Schrecken der Türken und Tataren und gewann 11. Nov. 1673 die Schlacht bei Chotin über erstere, worauf er 19. Mai 1674 durch den Einfluß Frankreichs, dem er sehr ergeben war, zum König von Polen gewählt wurde. Durch einen zweiten Sieg bei Lemberg (August 1675) bewog er die Türken zum Frieden von Konstantinopel (1678). Seine glorreichste Tat war die Entsetzung des von den Türken belagerten Wien 12. Sept. 1683. Künste und Wissenschaften fanden in ihm einen eifrigen Beschützer. Dennoch ward er während seiner Regierung von den eifersüchtigen Großen heftig angefeindet. Seine eigne Gattin, Maria Kasimira, konspirierte mit dem Adel gegen ihn. Vgl. Salvandy, Histoire du roi Jean Sobieski et du royaume de Pologne (6. Aufl., Par. 1876, 2 Bde.; deutsch, Stuttg. 1829); »Briefe des Königs J. an die Königin Kasimire« (deutsch von Öchsle, Heilbr. 1827); Rieder, J. III., König von Polen, Sobieski, in Wien (Wien 1882); Lorki, J. Sobieski (Warschau 1884); Chelmecki, König J. Sobieski und die Befreiung Wiens (Wien 1883); du Hamel de Breuil, Sobieski et sa politique de 1674 à 1683 (Par. 1894); Waliszewski, Marysienka, reine de Pologne, femme de Sobieski (das. 1898). – Sein ältester Sohn, Jakob Sobieski, geb. 1667, gest. 1734, ward 1704 nach Augusts II. Absetzung als Thronkandidat in Aussicht genommen, aber von August aufgefangen und bis 1706 gefangen gehalten. – Johanns III. Tochter, Theresia Kunigunde. geb. 1676, gest. 1730, wurde die zweite Gemahlin des Kurfürsten Maximilian II. von Bayern und durch diesen Mutter des Kaisers Karl VII. Albrecht. – Das Geschlecht Sobieski erlosch 1875.

[Portugal.] 25) J. I., König von Portugal, genannt der Große, geb. 1357, gest. 1433, natürlicher Sohn Peters und der Therese Lorenzo, war 1383, bei dem Tode seines legitimen Bruders Ferdinand, Ordensmeister von Avis. Da die Königin-Witwe, Leonore Tellez, das Reich den Kastiliern überliefern wollte, veranlaßte der portugiesische Adel J., die Regentschaft der Königin zu stürzen und erhob J. zum Reichsverweser, und im April 1385 ernannten ihn die Stände zum König. Den König Johann von Kastilien, der als Gemahl der Tochter Ferdinands Thronansprüche erhob, schlug er im Juli 1385 bei Aljubarrota; der Krieg, der mit wechselndem Glück geführt wurde, endete erst 1411. Im J. 1415 begann J. einen Krieg gegen die Mauren und eroberte Ceuta und andre Plätze. Unter seiner Regierung begann sein jüngster Sohn, der Infant Heinrich der Seefahrer, die Entdeckungen an der Westküste von Afrika. Vgl. Goes, Chronica do ser. Don João (Coimbra 1790).

26) J. II., der Vollkommene, König von Portugal, geb. 1455, gest. 1495, ein hochbegabter, aber despotischer Fürst, Sohn und Nachfolger Alfons' V., bestieg den Thron 1481, ließ zur Sicherung desselben gegen die Unbotmäßigkeit des hohen Adels, der sich mit Kastilien in verräterische Unterhandlungen einließ und selbst gegen das Leben des Königs verschwor, seinen Schwager, den Herzog Ferdinand von Braganza, hinrichten und erstach seinen Vetter, den Herzog von Viseu, mit eigner Hand. Den Mauren entriß er Arzilla und Tanger. Er setzte die begonnenen Entdeckungen an der Westküste Afrikas fort, wo er in Guinea Ansiedelungen begründen ließ. Vgl. Oliveira Martins, O principe perfeito (Lissab. 1896).

27) J. III., König von Portugal, geb. 1502, gest. 1557, Sohn Emanuels, folgte seinem Vater 1521. Von fanatischer Frömmigkeit, errichtete er 1536 die Inquisition in Portugal und überlieferte dieses den Jesuiten, denen er auch die Universität Coimbra unterwarf; überhaupt überschüttete er die Geistlichkeit mit Reichtümern. Von ihm datiert der geistige und materielle Verfall Portugals. Er begünstigte sonst die Kolonisation und organisierte zumal Brasilien.

28) J. IV., König von Portugal, geb. 1604, gest. 1656, Begründer der Dynastie Braganza, Abkömmling von Johann I., wurde 1640, als sich Portugal von der spanischen Herrschaft befreite, zum König ausgerufen. Er schlug die Spanier 1644 bei Montijo und eroberte 1654 Brasilien wieder.

29) J. V., König von Portugal, geb. 1689, gest. 31. Juli 1750, Sohn und Nachfolger Peters II., bestieg 1705 den Thron, setzte den von seinem Vater begonnenen Krieg gegen Spanien und Frankreich bis zum Frieden von Utrecht (1713) fort, stand aber ganz unter der Herrschaft des Klerus und vergeudete für den Bau von Kirchen und Klöstern ungeheure Summen; die Zahl der Klöster stieg auf 800, Mafra allein kostete 90 Mill. Mk. Dafür verfielen Verwaltung, Flotte und Heer gänzlich. Für seine Devotion gegen die Kirche erhielt er vom Papste den Titel »Allergläubigster König«.

30) J. VI., König von Portugal, geb. 13. Mai 1767, gest. 10. März 1826, Sohn Peters III., ward bei der Geisteskrankheit seiner Mutter Maria Franziska Elisabeth 10. Febr. 1792 als Regent proklamiert und folgte ihr 20. März 1816. Als J. sich 1807 nicht von England trennen wollte, erklärte Napoleon I. das Haus Braganza des Thrones für verlustig und ließ Portugal besetzen, worauf der portugiesische Hof nach Brasilien übersiedelte. Der Prinz-Regent schloß sich nur um so enger an England an, das mit Hilfe der aufständischen Bevölkerung 1808 die Franzosen aus Portugal vertrieb und auch 1809–11 deren fernere Einfälle abwehrte. Nach dem Abzuge der Franzosen wurde eine Regentschaft eingesetzt, an deren Spitze der Engländer Beresford stand. Im August 1820 aber wurde die Regentschaft gestürzt. Infolge der Proklamierung der Konstitution und der Zusammenberufung der Cortes 1820 kehrte J. 1821 nach Portugal zurück; doch ließ er seinen ältesten Sohn, Dom Pedro, als Prinz-Regenten in Brasilien zurück. Bald entstanden Differenzen zwischen Brasilien und Portugal, und ersteres erklärte sich 1. Aug. 1822 für unabhängig und Dom Pedro 12. Okt. zum Kaiser. In Europa war indessen J. wie ein Gefangener der Cortes gewesen, bis die Absolutisten sich unter der Führung der Königin Carlotta und ihres zweiten Sohnes, Dom Miguel, erhoben und J. befreiten (1823). Als er aber eine gemäßigt konstitutionelle Verfassung einführen wollte, erhoben sich Carlotta und Miguel von neuem und nötigten den König, zu fliehen. Von allen Mächten unterstützt, zwang J. darauf Dom Miguel zur Verbannung (im Mai 1824). 1825 kam durch englische Vermittelung ein Vertrag mit Brasilien zustande, worin die Unabhängigkeit Brasiliens anerkannt wurde; doch behielt auch J. für seine Person bis zu seinem Tode den Kaisertitel.

[Sachsen: Albertinische Linie.] 31) J. Georg I., Kurfürst von Sachsen, geb. 5. März 1585, gest. 8. Okt. 1656, zweiter Sohn Kurfürst Christians I., seit 1601 Administrator des Stiftes Merseburg, folgte seinem kinderlosen Bruder Christian II. 23. Juni 1611 in der Regierung. Anschluß an Österreich und Haß gegen die Reformierten leiteten seine Politik, wodurch er in bewegter Zeit die Führung der evangelischen Reichsstände verlor; die böhmische Krone, die ihm 1619 angeboten wurde, lehnte er ab, gab dem Erzherzog [273] Ferdinand seine Stimme bei der Kaiserwahl und leistete Beistand durch Unterwerfung der Lausitzen und Schlesiens, wofür ihm Ferdinand II. die erstern als Pfand für die Kriegskosten einräumte. Trotz seines Widerspruchs übertrug der Kaiser die Pfälzer Kur auf Bayern und förderte die Gegenreformation in Böhmen und Schlesien. Sein zum Administrator von Magdeburg gewählter Sohn August wurde durch Erzherzog Leopold Wilhelm verdrängt, er selbst durch das Restitutionsedikt von 1629 im Besitz der säkularisierten Stifter gefährdet; aber zu mehr als zu Klagen und Beschwerden beim Kaiser und dann zur Berufung eines Konvents der Evangelischen nach Leipzig, der durch seine schüchternen Gravamina und den Versuch einer Defensionsordnung zum Gespött der Gegner wurde, vermochte er sich nicht aufzuraffen. Daß er Gustav Adolf den Elbübergang bei Wittenberg verweigerte, verschuldete mit den Untergang Magdeburgs. Erst die Vergewaltigung seines Landes durch das Heer der Liga brachte ihn zum Anschluß an Gustav Adolf, worauf sich das neugebildete sächsische Heer unter Arnim bei Düben 1. (11.) Sept. mit den Schweden vereinigte und die Schlacht bei Breitenfeld 7. (17.) Sept. trotz der Niederlage der Sachsen das Land von den Feinden befreite. Im November drang J. in Böhmen ein, trat aber dort mit großer Schonung auf und ward im Mai 1632 von Wallenstein ohne ernstlichen Widerstand wieder vertrieben. Des schwedischen Bündnisses längst überdrüssig, duldete J., nachdem Gustav Adolf bei Lützen gefallen, die Verhandlungen seines Generals Arnim mit Wallenstein über einen Separatfrieden, fiel, eingeschüchtert durch die Schlacht bei Nördlingen, von der protestantischen Sache ab und schloß nach längern Verhandlungen zu Eilenburg und Pirna 30. Mai 1635 mit dem Kaiser den Frieden zu Prag, wodurch er nebst dem erblichen Besitz der Lausitzen (als böhmischer Mannlehen) und dem Verzicht auf das Restitutionsedikt für seinen Sohn August auf dessen Lebenszeit das Erzstift Magdeburg und von diesem Erzstift für sich selbst die Ämter Burg, Dahme, Jüterbog und Querfurt erhielt und sich mit dem Kaiser zur Vertreibung der Schweden und Franzosen aus dem Reiche verbündete. Diesen Abfall des Kurfürsten büßte das Land nach den unglücklichen Kämpfen bei Dömitz (22. Okt.) und Kyritz (7. Dez.) durch furchtbare Verheerungen, mit denen es die Schweden unter Banér und Torstensson 1636–44 heimsuchten. Zuletzt zwang Torstensson durch schwere Kontributionen und unterstützt durch die Vorstellungen des Kurprinzen dem schwankenden Kurfürsten den Waffenstillstand von Kötzschenbroda (27. Aug. 1645) ab, der wenigstens den schwersten Kriegsdrangsalen für Sachsen eine Ende machte. Der Westfälische Friede bestätigte J. die Erwerbungen des Prager Friedens, aber fortan waren er und seine Nachfolger nicht mehr das Haupt der deutschen Protestanten, wenn auch seinem Hause 1653 das Direktorium des Corpus Evangelicorum übertragen wurde. Mit seinen Landständen lag J. vielfach in Streit, wozu meist die tiefe Verschuldung des Landes und die trotz derselben geübte Verschwendung des Hofes die Veranlassung waren. Mit gänzlichem Mangel an seiner Sitte, Trunksucht und Jagdleidenschaft verband sich in ihm eine gewisse Biederkeit, streng lutherische Bekenntnistreue, die von seinem Oberhofprediger Hoe v. Hoenegg (s. d.) nach Kräften genährt wurde, aber oft auch eine große Härte, die er selbst seine Familie fühlen ließ. Seine erste Gemahlin war Sibylle Elisabeth von Württemberg, gest. 1606; von der zweiten, Magdalene Sibylle, der Tochter Herzog Albrechts von Preußen, einer feurigen Protestantin und entschiedenen Gegnerin der Politik ihres Gemahls, erhielt er drei Töchter und sechs Söhne, von denen ihn außer seinem Nachfolger Johann Georg noch drei, August, Christian und Moritz, überlebten. Den letzten Beweis seines Mangels an politischer Einsicht gab er dadurch, daß er in seinem Testament auch diese auf Kosten des Kurstaates mit Landesteilen ausstattete. Von diesen drei albertinischen Zweiglinien erlosch Sachsen-Zeitz 1718, Sachsen Merseburg 1731 und Sachsen-Weißenfels 1746 (s. Johann 37).

32) J. Georg II., Kurfürst von Sachsen, geb. 31. Mai 1613, gest. 22. Aug. 1680 in Freiberg, des vorigen ältester Sohn und Nachfolger, schlichtete die aus dem väterlichen Testament mit seinen Brüdern entstandenen Zwistigkeiten durch den Hauptvergleich vom 22. April 1657 und erhielt durch die Postulatio perpetua von 1663 die erbliche Administration des Meißener Domstiftes. Seine maßlose Verschwendung vollendete die Zerrüttung der Finanzen, bis der am 19. März 1661 mit den Ständen geschlossene Steuervergleich eine feste Grundlage für die ganze spätere Finanzwirtschaft Sachsens schuf. Den Anfang zur Ordnung des Münzwesens machte der 1667 mit Brandenburg in Zinna geschlossene Vergleich, aus dem 1690 die Annahme des sogen. Leipziger Fußes hervorging. Aus Landadel und fremden Abenteurern bildete er einen übermäßigen Hofstaat, machte Dresden durch seine Bauten zur schönsten Stadt, durch die Oper zum Mittelpunkt der italienischen Musik in Deutschland. In seiner auswärtigen Politik begab er sich, um der Subsidien willen, in Abhängigkeit von Ludwig XIV., verzichtete deshalb 1664 auf das Schutzrecht seines Hauses über Erfurt, versprach sogar dem König 1679, die Wahl des Dauphins zum römischen König zu bewirken, unterhandelte aber trotzdem zwischendrein auch mit dem Kaiser und den Feinden Ludwigs XIV. Vermählt war er mit Magdalene Sibylle, Tochter des Markgrafen Christian von Brandenburg-Bayreuth.

33) J. Georg III., Kurfürst von Sachsen, Sohn des vorigen, geb. 20. Juni 1647, gest. 12. Sept. 1691 in Tübingen an der Pest, folgte seinem Vater 1680. Diesem an Empfänglichkeit für die Kunst ähnlich, übertraf er ihn aber an Energie und patriotischem Pflichtgefühl. Unter Beseitigung des alten Defensionswesens und der Haustruppen errichtete er das erste stehende Heer in Sachsen, das er 1683 in Person dem Kaiser zum Entsatz Wiens von den Türken zuführte. Er kämpfte ritterlich in der Schlacht vom 12. Sept., kehrte aber aus Verdruß über den Undank des Kaisers bald wieder heim, überließ diesem 1685 wieder 5000 Mann zum Kriege gegen die Türken in Ungarn, vermietete aber auch 3000 Mann an die Republik Venedig, die in Morea verwendet wurden. Als Ludwig XIV. 1688 das Reich anfiel, eilte J. als erster zu dessen Verteidigung herbei, mußte sich aber auf die Deckung Frankens beschränken, beteiligte sich 1689 an der Belagerung von Mainz und übernahm 1691 den Oberbefehl der Reichsarmee. Aber Mißhelligkeiten mit dem kaiserlichen General Caprara hinderten jede energische Kriegführung. Seine beiden Söhne aus der Ehe mit Anna Sophie. Tochter König Friedrichs III. von Dänemark, Johann Georg und Friedrich August, gelangten nacheinander zur Regierung.

34) J. Georg IV., Kurfürst von Sachsen, ältester Sohn des vorigen, geb. 18. Okt. 1668, gest. 27. April 1694, geistig begabt und von großer Körperkraft,[274] liebte als Kurprinz die Tochter des Gardeobersten v. Neidschütz, Magdalene Sibylle, und gab nach seinem Regierungsantritt das erste Beispiel öffentlicher Maitressenwirtschaft in Sachsen. Politischen Einfluß besaß sie nicht, diesen übte J. Georgs Hauptratgeber, Feldmarschall v. Schöning (s. d.), der eine Annäherung an Brandenburg und eine größere Selbständigkeit Sachsens dem Kaiser gegenüber vertrat. Letzterer rächte sich dafür durch Schönings Gefangennahme im Bade Teplitz. Die Erhebung der Neidschütz zur Reichsgräfin von Rochlitz versöhnte den Kurfürsten 1693 so weit, daß er ein Hilfskorps an den Rhein führte, ohne jedoch den ausbedungenen Oberbefehl über das Reichsheer zu erhalten. Er starb in Dresden an den Blattern, angesteckt von seiner am 4. April 1694 verstorbenen Geliebten. Seine mit Eleonore von Sachsen-Eisenach, Witwe des Markgrafen Johann Friedrich von Brandenburg-Ansbach, 1692 geschlossene Ehe war höchst unglücklich.

35) J. Nepomuk Maria Joseph, König von Sachsen, geb. 12. Dez. 1801 in Dresden, gest. 29. Okt. 1873 in Pillnitz, jüngster Sohn des Prinzen Maximilian von Sachsen und dessen erster Gemahlin, Karoline von Parma, pflegte früh neben juristischen und staatswissenschaftlichen Studien die schönen Künste, namentlich Poesie und Musik; eine besondere Vorliebe hatte ihm seine Mutter für die italienische Sprache und Literatur eingeflößt. Zwanzig Jahre alt, erhielt er im Geheimen Finanzkollegium Sitz und Stimme und ward 1825 dessen Vizepräsident. 1821 unternahm er mit seinem ältern Bruder, Klemens, eine Reise nach Italien, auf der dieser starb. Eine Frucht seiner italienischen Studien war seine mit kritischen und historischen Erläuterungen versehene Übersetzung von Dantes »Divina Commedia« (Leipz. 1839–49, 3 Bde.; zuletzt 1904), die er unter dem Namen Philalethes veröffentlichte. Schon früher (1824) hatte er sich an der Stiftung des Königlich sächsischen Altertumsvereins beteiligt und übernahm später das Protektorat darüber. Nachdem sein älterer Bruder, Friedrich August, 1830 zum Mitregenten ernannt worden war, trat J. an die Spitze der zur Erhaltung der öffentlichen Ruhe niedergesetzten Kommission und übernahm zugleich das Generalkommando der Kommunalgarden. Auch erhielt er Sitz und Stimme im Geheimen Rat und nach dessen Auflösung den Vorsitz im Staatsrat und fungierte als Präsident des Geheimen Finanzkollegiums bis zum Frühjahr 1831. Ebenso nahm er als Mitglied der Ersten Kammer ununterbrochenen, regen Anteil an den Arbeiten der Landtage, war Mitglied der Deputation, die den Entwurf des Kriminalgesetzbuches begutachtete, und beteiligte sich an den Beratungen der den Ständen 1842 vorgelegten Strafprozeßordnung. Nach dem Tode seines Vaters, 3. Jan. 1838, war er in den Besitz der Sekundogenitur getreten, bereiste im Sommer d. J. abermals Italien und diesmal auch Sizilien. Die tumultuarischen Vorgänge des 12. Aug. 1845 in Leipzig, bei denen J. der verletzte und leidende Teil war, konnten nur einen vorübergehenden Schatten auf seine Popularität werfen. Nach dem Tode seines Bruders, des Königs Friedrich August II., 11. Aug. 1854 auf den Thron berufen, übertrug er die unermüdliche Tätigkeit des Gelehrten auf die Regierungsgeschäfte, an denen er persönlich Anteil nahm, und für die er eigne Anschauung zu gewinnen wußte. Die Justizorganisation von 1855, die Erweiterung des Eisenbahnnetzes, die Einführung der Gewerbefreiheit sind hauptsächlich seiner Anregung und Förderung zu verdanken. Zur Annahme des französischen Handelsvertrags (1862) und zur Anerkennung Italiens verstand er sich trotz verwandtschaftlicher Beziehungen und legitimistischer Bedenken. Seine Teilnahme für die Wissenschaft trug wesentlich zum Aufblühen der gelehrten Anstalten des Landes, vor allem der Universität Leipzig, bei. In der auswärtigen Politik durch die Traditionen seines Hauses und den unruhigen Ehrgeiz seines Ministers Beust zur Opposition gegen Preußens deutsche Politik gedrängt, suchte er eine engere Einigung Deutschlands außer Österreich und Preußen (Triasidee) herzustellen und handelte demgemäß in der schleswig-holsteinischen Verwickelung 1863–64 mit den übrigen Mittelstaaten gemeinsam. Nach dem Scheitern dieser Politik schloß er sich in der deutschen Krisis 1866 eng an Österreich an, verließ beim Ausbruch des Krieges mit seiner Armee das Land, trat aber nach Österreichs Niederlage in den Norddeutschen Bund ein. Indem er sich entschlossen in die neuen Verhältnisse fügte und seine Pflichten aufs loyalste erfüllte, sicherte er seinem Land im Norddeutschen Bunde wie im Deutschen Reich eine geachtete, einflußreiche Stellung. Die »Dichtungen des Königs J. von Sachsen« gab die Königin Carola von Sachsen heraus (Leipz. 1902). Aus Johanns Ehe (10. Nov. 1822) mit der Prinzessin Amalie Auguste von Bayern (geb. 13. Nov. 1801, gest. 8. Nov. 1877) sind drei Söhne, darunter seine beiden Nachfolger, die Könige Albert und Georg, und sechs Töchter entsprossen. Vgl. »König J. von Sachsen als Vorkämpfer für Wahrheit und Recht. Reden und Sprüche aus 20 Jahren seines parlamentarischen Wirkens«, herausgegeben von Schwerdfeger (Dresd. 1884); v. Falkenstein, J., König von Sachsen, ein Lebensbild (das. 1878, Volksausgabe 1879); Döllinger, Gedächtnisrede auf König J. von Sachsen (Münch. 1874).

36) J. Georg, Prinz, Herzog zu Sachsen, geb. 10. Juli 1869, zweiter Sohn des Königs Georg und Bruder des Königs Friedrich August III., erhielt nach der Thronbesteigung seines Vaters die Sekundogenitur mit eignem Einkommen, ist Chef des 8. Infanterieregiments Nr. 107 und königlich sächsischer sowie königlich preußischer Oberst. Seit 5. April 1894 war er kinderlos vermählt mit Isabella, Herzogin von Württemberg (geb. 30. Aug. 1871, gest. 24. Mai 1904 in Dresden).

[Sachsen-Weißenfels.] 37) J. Adolf II., Herzog zu Sachsen-Weißenfels, geb. 4. Sept. 1685, gest. 16. Mai 1746 in Leipzig, des Herzogs Johann Adolf I. dritter Sohn, trat 1702 in hessen-kasselsche Dienste, sodann in die Augusts I. von Polen und Sachsen, focht im pommerschen Kriege 1711–16 als Generalmajor, befehligte als Generalleutnant 1716 das sächsische Hilfskorps gegen die Türken in Ungarn, lebte bis 1733 auf seiner Residenz in Dahme, führte aber beim Ausbruch des Polnischen Erbfolgekrieges den Danzig belagernden Russen ein sächsisches Korps zu. 1737 kam er nach dem Tode seines Bruders Christian in dem Fürstentum Weißenfels zur Regierung und half dem tief verschuldeten Land, an das 1739 die Grafschaft Barby zurückfiel, wieder auf. Während des Österreichischen Erbfolgekrieges kommandierte er als Feldmarschall die sächsische Armee in Böhmen, half die Preußen aus Böhmen vertreiben, wurde aber 1745 mit den Österreichern bei Hohenfriedeberg geschlagen und legte 12. Dez. sein Kommando nieder. Mit seinem Tod erlosch die Linie Sachsen-Weißenfels, und sein Fürstentum fiel an Sachsen.[275]

[Sachsen: Ernestinische Linie.] 38) J. der Beständige, Kurfürst von Sachsen, geb. 30. Juni 1468, gest. 16. Aug. 1532 in Schweidnitz bei Wittenberg, der vierte Sohn des Kurfürsten Ernst, verlebte einen Teil seiner Jugend am Hofe seines Großoheims, des Kaisers Friedrich III., zeichnete sich in dem Kriege Kaiser Maximilians gegen die Ungarn vor Stuhlweißenburg aus und nahm an den Feldzügen in Geldern (1494) und in Italien (1499) teil. Seit 1486 mit seinem ältern Bruder, Friedrich dem Weißen, dem er 1525 in der Kurwürde folgte, Regent des ernestinischen Sachsen, erklärte er sich sogleich mit größerer Entschiedenheit als jener für die Reformation. Durch den mit den Evangelischen Norddeutschlands im März 1526 geschlossenen Torgauer Bund hemmte er die Agitationen der Altgläubigen und setzte seine Glaubensgenossen in den Stand, auf dem Reichstage zu Speyer als geschlossene Partei aufzutreten. Den Reichsabschied, der den Fürsten freie Hand bei Ordnung der kirchlichen Dinge in ihren Territorien ließ, benutzte er, um der evangelischen Landeskirche Sachsens, namentlich mittels der Visitationen von 1527–1529, eine feste Gestalt zu geben. In folge der Enthüllungen Otto v. Packs (»Packsche Händel«) im März 1528 zu einem Verteidigungsbündnis mit Landgraf Philipp von Hessen gedrängt, hielt er diesen von voreiligen Schritten zurück. Aus konfessioneller Abneigung gegen die Zwinglianer Philipps Plan eines allgemeinen Bundes der Evangelischen abhold, trat er auf dem Reichstage zu Augsburg (1530) mit großer Furchtlosigkeit und Entschiedenheit den feindseligen Absichten des Kaisers entgegen und ließ gegen den Rat seiner Theologen dem Kaiser die auf seine Veranlassung von Melanchthon verfaßte Konfession auch in eignem Namen übergeben und durch seinen Kanzler verlesen. Obwohl ihm die Gegnerschaft gegen den Kaiser schwer wurde, legte er gegen die ungesetzliche Wahl von dessen Bruder Ferdinand zum römischen König Protest ein und vereinigte im Februar 1531 die Protestanten zu ihrer Verteidigung in dem Schmalkaldischen Bund. Von seiner ersten Gemahlin, Sophie von Mecklenburg (gest. 1503), hinterließ er einen Sohn, Johann Friedrich, von der zweiten, Margarete von Anhalt, einen Sohn, Johann Ernst, und zwei Töchter, Maria, vermählt mit Herzog Philipp von Pommern, und Margarete (gest. 1535). Vgl. Becker, Kurfürst J. von Sachsen und seine Beziehungen zu Luther (1. Teil, Leipz. 1890).

39) J. Friedrich der Großmütige, Kurfürst von Sachsen, geb. 30. Juni 1503 in Torgau, gest. 3. März 1554, ältester Sohn des vorigen, von Spalatin erzogen, regierte nach seines Vaters Tode 1532 zugleich für seinen unmündigen Bruder, Johann Ernst, dem er später (1542) die Pflege Koburg abtrat und eine Rente von 14,000 Gulden aussetzte. Schwerfällig schon durch seine Korpulenz, der Jagd und dem Trunk ergeben, war er zugleich auch der entschiedenste Anhänger der reinen lutherischen Lehre und auf Konsolidierung der sächsischen Landeskirche bedacht. Für die Aufgaben der großen Politik fehlten ihm Scharfblick und Energie. Voll reichsfürstlicher Ergebenheit gegen den Kaiser, suchte er einem Bruch mit diesem auszuweichen, vermittelte 1534 den Frieden zu Kadan zwischen Philipp von Hessen und Ferdinand und erhielt 1535 in Wien die Belehnung mit der Kur. Gewaltsam verdrängte er den rechtmäßig zum Bischof von Naumburg gewählten Katholiken Jul. p. Pflugk und ersetzte ihn durch den Protestanten Nik. v. Amsdorf, verfeindete sich, indem er mit ähnlicher Eigenmächtigkeit in dem Stift Wurzen eingriff, mit seinem ohnehin gegen ihn gereizten Vetter Moritz so, daß es ohne das Dazwischentreten Philipps von Hessen zum offenen Kampfe zwischen beiden gekommen wäre, 1542 (s. Fladenkrieg), und vertrieb als Haupt des Schmalkaldischen Bundes im Verein mit Landgraf Philipp von Hessen in demselben Jahre den Herzog Heinrich von Braunschweig, einen leidenschaftlichen Gegner der Reformation, aus seinem Lande. Den rechten Zeitpunkt, um dem Kaiser, der sich zur gewaltsamen Unterwerfung der Protestanten anschickte, entgegenzutreten, versäumend, verfiel er zugleich mit Philipp von Hessen 20. Sept. 1546 der Acht. Beide Fürsten führten das schmalkaldische Bundesheer an die Donau, ließen aber den Vorsprung ihrer Rüstungen vor denen des Kaisers unbenutzt, bis der Einfall des Herzogs Moritz in das ernestinische Sachsen den Kurfürsten heimrief. Mit einer an ihm ungewohnten Energie eroberte er sein Land wieder, bemächtigte sich selbst des größten Teiles des albertinischen Sachsen, verlor aber durch die vergebliche Belagerung Leipzigs Zeit, so daß der Kaiser herbeikommen konnte, und verlor bei Mühlberg 24. April 1547 trotz persönlicher Tapferkeit Sieg und Freiheit (vgl. Schmalkaldischer Krieg). Um die schnellere Übergabe des noch standhaltenden Wittenberg zu erzwingen, ließ Karl V. das Todesurteil über den Gefangenen sprechen: die Fassung, mit der er dieses vernahm, der Gleichmut, mit dem er in der Wittenberger Kapitulation (19. Mai) auf Land und Kur zu Moritz' Gunsten verzichtete, die Standhaftigkeit, mit der er seine Gefangenschaft ertrug und jede Verschärfung derselben lieber über sich ergehen ließ, als daß er, wie der Kaiser verlangte, in die Annahme des Augsburger Interims gewilligt hätte, haben ihm den Beinamen des Großmütigen verschafft. Erst infolge von Moritz' Erhebung gegen den Kaiser 1552 zu Innsbruck befreit, kehrte er in das seinen Söhnen überwiesene thüringische Besitztum zurück. In dem am 24. Febr. 1554 mit Kurfürst August geschlossenen Naumburger Vertrag erhielt er den Titel »geborner Kurfürst« und die Ämter Altenburg, Eisenberg, Sachsenburg und Herbisleben nebst einer Entschädigungssumme von 100,000 Gulden. Nach dem Tode seines Bruders Johann Ernst (1552) fiel auch die Pflege Koburg an ihn zurück. Er war der letzte Ernestiner, der die Kurwürde getragen hat. Seine Gemahlin Sibylle von Kleve hatte ihm drei Söhne geboren. J. Friedrichs eherne Bildsäule von Drake auf dem Markt in Jena wurde 15. Aug. 1858 bei der 300jährigen Jubelfeier der von ihm gestifteten Universität enthüllt. Vgl. Mentz, J. Friedrich der Großmütige (1. Teil, 1503–1532; Jena 1903); Rogge, J. Friedrich der Großmütige, eine Gedenkschrift (Halle 1902).

40) J. Friedrich II., der Mittlere, Herzog zu Sachsen, geb. 8. Jan. 1529 in Torgau, gest. 9. Mai 1595, Sohn des vorigen, sehr gelehrt erzogen und frühzeitig in die Staatsgeschäfte eingeweiht, rettete sich aus der Schlacht bei Mühlberg, wo er verwundet worden war, nach Wittenberg, übernahm nach der Wittenberger Kapitulation die Regierung des kleinen Gebietes, das der ernestinischen Linie blieb, für sich und seine zwei minderjährigen Brüder, bis sein Vater restituiert wurde, der auf sein Anraten die Universität Jena stiftete. Nach des Vaters Tod übertrugen ihm (1557) die Brüder die Regierung; nachdem aber Johann Friedrich 111. 1565 kinderlos gestorben, teilte er mit seinem Bruder Johann Wilhelm (s. d.), wobei dieser Koburg, er Weimar mit Gotha erhielt. Er war[276] ein eifriger Verfechter des strengen Luthertums und strebte nach Wiedererlangung der Kur. Seine Parteinahme für den geächteten Wilhelm v. Grumbach (s. d.) zog ihm selbst 12. Dez. 1566 die kaiserliche Acht zu, deren Vollstreckung Kurfürst August übertragen erhielt. J. Friedrich mußte sich 13. April 1567 in Gotha dem Kaiser auf Gnade und Ungnade ergeben, ward nach Wien geführt, wo seine harte Gefangenschaft zu Wiener-Neustadt von 1572 an seine zweite Gemahlin, Elisabeth von der Pfalz (gest. 1594), und längere Zeit sein Sohn Johann Ernst teilten. Er beschäftigte sich meist mit theologischen Arbeiten, unterhielt einen lebhaften Briefwechsel mit seinen Söhnen und starb im Gefängnis auf Schloß Steier, wohin er wegen des Türkenkrieges gebracht worden war. Seine erste Ehe mit Agnes, der Witwe des Kurfürsten Moritz, war kinderlos; aus der zweiten überlebten ihn von vier Söhnen Johann Kasimir und Johann Ernst, die nach der Gefangennahme des Vaters 1570 dessen Besitzungen unter Vormundschaft erhalten hatten. Vgl. Beck, J. Friedrich der Mittlere (Weim. 1858, 2 Bde.).

41) J. Wilhelm, Herzog zu Sachsen, geb. 11. März 1530 in Torgau, gest. 2. März 1573 in Weimar, Bruder des vorigen, übertrug diesem 1557 durch Vertrag die Regierung auf vier Jahre, unterstützte den König Heinrich II. von Frankreich und erhielt dafür die Grafschaft Châtillon an der Seine, kehrte jedoch 1558 zurück. Nachdem ihm bei der Teilung 1565 der fränkische Teil der ernestinischen Lande zugefallen, verlegte er seinen Sitz nach Koburg, mußte die Acht an seinem Bruder vollstrecken helfen und erhielt dafür vom Kaiser dessen Gebiet zugesprochen. Durch seine Gemahlin Dorothea Susanna von der Pfalz (gest. 1592) ward er der Stammvater des ältern altenburgischen und des neuen weimarischen Hauses.

42) J. Kasimir, Herzog zu Sachsen, geb. 12. Juni 1564, gest. 16. Juli 1633, Sohn von Johann 40), nach der Gefangennahme seines Vaters (1567) mit seinem Bruder Johann Ernst auf der Wartburg von seiner Mutter Elisabeth, später in Koburg von Sebastian Leonhard sorgfältig erzogen, studierte in Leipzig und vermählte sich mit Anna, der Tochter des Kurfürsten August, die von ihm hart behandelt und wegen ehelicher Untreue in lebenslänglicher Hast gehalten wurde (vgl. Wank, Die Leidensgeschichte der Herzogin Anna, Koburg 1898). Vom Dreißigjährigen Kriege hielt sich J. Kasimir lange fern, vereinigte sich erst mit Gustav Adolf, als dieser in Franken erschien, konnte aber das feste Kronach nicht nehmen, und als Wallenstein nach Sachsen ausbrach, ging Koburg an die Kaiserlichen verloren, wobei J. Kasimir, der sein Land verließ, seine mit vieler Mühe zusammengebrachte Bibliothek verlor. Nach der Entscheidung bei Lützen kehrte er wieder in sein Land zurück. Auch seine zweite Ehe mit Margarete von Braunschweig war kinderlos, seine Länder fielen daher an seinen jüngsten Bruder, Johann Ernst III., geb. 9. Juli 1566, der, nachdem er nach langem Streit 1602 mit seinem Bruder geteilt hatte, in Eisenach residierte, später sich frommer Schriftstellerei zuwandte und 1638 kinderlos starb, worauf Sachsen-Koburg und Eisenach an Altenburg und Weimar fielen.

[Sachsen-Weimar.] 43) J. (III.), Herzog von Sachsen-Weimar, zweiter Sohn von Johann 41), geb. 22. Mai 1570 in Weimar, gest. 1605, regierte, anfangs unter Vormundschaft des Kurfürsten August, seit 1590 mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm die gesamten weimarischen Lande gemeinsam bis zu dessen Tod 1602, dann allein Weimar, während Altenburg an die Söhne Friedrich Wilhelms fiel, und tat viel für Kirche und Schule. Er ist der Stifter der neuen weimarischen Linie und Stammvater der jetzt noch blühenden sachsen-ernestinischen Häuser.

44) J. Ernst I., Herzog von Sachsen-Weimar, geb. 21. Febr. 1594 in Altenburg. gest. 4. Dez. 1626, ältester Sohn des vorigen, übernahm erst 1615 die Regierung, trat beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges in die Dienste des Böhmenkönigs, blieb ihm auch nach der Schlacht am Weißen Berge treu und nahm in den Niederlanden eine Rittmeisterstelle an, war auch eine Zeitlang im Heer Christians von Braunschweig. 1625 trat er in die Dienste Christians von Dänemark, der ihm nebst Mansfeld den Feldzug in die kaiserlichen Erblande übertrug, zog an der Oder bis nach Troppau, schlug sich bis nach Ungarn durch und starb im Lager von St. Martin auf der Rückkehr von Schemnitz. Vgl. Hellfeld, Leben Johann Ernsts des jüngern (Jena 1784).

45) J. Friedrich IV., Herzog von Sachsen-Weimar, geb. 19. Sept. 1600 in Altenburg, der fünfte unter den Söhnen Johanns III., mit seinem jüngern Bruder, Ernst (dem Frommen), gemeinsam erzogen, begleitete seine Brüder Wilhelm und Bernhard auf ihren Kriegszügen in der Pfalz und den Niederlanden. Seine Neigung zur Alchimie steigerte sich, als er 1627, bei Nordheim von Tilly gefangen, eingekerkert wurde. Endlich verfiel er in stille Melancholie, wies alle Nahrung von sich und ward 17. Okt. 1628 mit einer Wunde an der Seite tot aufgefunden. Sein Leben gab O. L. B. Wolff den Stoff zu der dramatisierten historischen Novelle »J. Friedrich IV. von Sachsen-Weimar« (Leipz. 1831).

[Schwaben.] 46) J. Parricida oder J. von Schwaben, geb. 1290, Sohn des Herzogs Rudolf II. von Schwaben und der Tochter Ottokars von Böhmen, Agnes, Enkel Rudolfs von Habsburg, am böhmischen Hof erzogen, forderte, mündig geworden, vergebens von seinem Oheim, König Albrecht 1., Anteil an den habsburgischen Besitzungen und verschwor sich, abgewiesen und aufgestachelt von dem Erzbischof von Mainz, Peter von Aspelt, mit oberschwäbischen Rittern gegen das Leben des Königs. Als dieser 1. Mai 1308 bei Rheinfelden über die Reuß ging, drängte sich J. mit drei Rittern in sein Schiff, trennte ihn so von seinem Gefolge und ermordete ihn am andern Ufer. J. samt seinen Genossen vom Kaiser Heinrich VII. geächtet und von der Gemahlin und Tochter Albrechts mit unversöhnlicher Rache verfolgt, warf sich nach der gewöhnlichen Überlieferung 1313 als Mönch in Pisa dem Kaiser Heinrich VII. zu Füßen und verscholl sodann. Seine Person benutzte Schiller im »Wilhelm Tell«.

[Schweden.] 47) J. II. (dän. Hans), König von Schweden, Dänemark und Norwegen, geb. 5. Juni 1455 in Aalborg, gest. daselbst 20. Febr. 1513, folgte 1481 seinem Vater Christian I. in Dänemark, ward 1483 auch in Norwegen sowie von einer Adelspartei in Schweden als König anerkannt, gelangte aber infolge der geschickten Politik Sten Stures des ältern (s. Sture 1) erst 1497 in den Besitz des schwedischen Thrones. 1490 teilte er Schleswig Holstein mit seinem jüngern Bruder, Friedrich (I.). Infolge seiner Niederlage gegen die Dithmarschen (s. d.) bei Hemmingstedt (17. Febr. 1500) fielen die Schweden 1501 unter Sten Stures Führung von neuem ab und zwangen seine Gattin Christine von Sachsen 1502 in Stockholm nach tapferer Gegenwehr zur [277] Kapitulation. Dagegen ward ein gleichzeitig von ihnen angestifteter Aufruhr der Norweger durch seinen Sohn Christian (II.) mit großer Strenge unterdrückt. In dem nunmehr folgenden Kriege gegen Schweden (seit 1507) und die mit diesem verbündeten wendischen Hansestädte (1510–12) kämpfte er zumeist glücklich. Vgl. E. Palmén, Sten Stures strid med konung Hans (Helsingf. 1883).

48) J. III., König von Schweden, geb. 20. oder 21. Dez. 1537, gest. 17. (27.) Nov. 1592, geriet, von seinem Vater Gustav Wasa (s. Gustav 1) 1556 mit dem Herzogtum Finnland belehnt, mit seinem Stiefbruder Erich XIV. nach dessen Thronbesteigung (1560) bald in offene Feindschaft, da er Finnland zu einem unabhängigen Fürstentum machen wollte, sich wider Erichs Willen 1562 mit der katholischen Prinzessin Katharina Jagellonica von Polen vermählte und mit deren Bruder König Siegmund II. August (s. d.) einen für Schweden höchst nachteiligen Vertrag schloß. 1563 in seiner Residenz Åbo, wo er einen glänzenden Hof hielt, von schwedischen Truppen belagert, mußte er kapitulieren und ward hierauf in Gripsholm bis 1567 in strengem Gewahrsam gehalten. 1568 verband er sich mit seinem jüngsten Bruder, Karl (dem spätern König Karl IX.), und dem Hochadel zum Sturz Erichs und ward, nach dessen Gefangennahme. Anfang 1569 vom Reichstag als König anerkannt. Seine Regierung war wenig glücklich. Nach Beendigung des Nordischen siebenjährigen Krieges hatte er (seit 1570) fast ununterbrochen mit den Russen zu kämpfen, die zwar 1580 die Festungen Kexholm und Narwa verloren, anderseits aber das 1581 von ihm zum Großfürstentum erhobene Finnland mehrmals verheerten. Seinen katholischen Bestrebungen, die besonders in der Einführung einer neuen Liturgie (1576) und in regen politischen Unterhandlungen mit dem päpstlichen Stuhl (s. Possevino) ihren Ausdruck fanden, trat sein protestantisch gesinnter Bruder Karl, der in Södermanland lange fast unumschränkt als Herzog regierte, nachdrücklich entgegen, indem er die dem Luthertum treugebliebenen Pfarrer beschützte. Seinen Sohn Siegmund ließ er in der katholischen Lehre erziehen und erlangte dadurch 1587 dessen Wahl zum König von Polen (s. Siegmund 4). Mit dem katholischen Neigungen huldigenden Hochadel, dessen Gunst er bei seiner Thronbesteigung durch große Zugeständnisse erkauft hatte, und der ihn später gegen Karl unterstützte, brach er 1589 und räumte letzterm großen Anteil an der Regierung ein. Auch gab er seit seiner zweiten Heirat (1585) mit Gunilla Bjelke (geb. 1568, gest. 1597) seine katholischen Bestrebungen auf. Durch Förderung der Künste und Wissenschaften, besonders aber durch seine Bautätigkeit machte er sich um Schweden in kultureller Hinsicht sehr verdient. Vgl. Bomansson, Hertig Johan och hans tid (Helsingf. 1862); Ahlqvist, Om aristokratiens förhållande till konungamakten under Johan III.'s regering (Upsala 1864 bis 1866, 2 Bde.); Ahlén, Bidrag till det ryska krigets historia under Johan III.'s regering (Stockh. 1869–70, 2 Tle.); Granlund, Konung Johan III.'s byggnads-och befastningsfóretagSvenskt Historiskt Bibliotek«, 1875–76, 2 Tle.); Ödberg, Om stamplingarna mot Johan III. 1572–1575 (Stockh. 1897); K. Hildebrand, Johan III. och Europas katolska makter (Upsala 1898); Hammargren, Om den liturgiska striden under Johan III (das. 1898); Söderqvist, Johan III. och hertig Karl 1568–1575 (das. 1898); Sjögren, Gustav Vasas söner och deras tidehvarf (Stockh. 1901).

[Siebenbürgen.] 49) J., Fürst von Siebenbürgen und König von Ungarn, s. Zápolya.

50) J. Siegmund, Sohn von Johann 49), Fürst von Siebenbürgen (1540–51 und 1556–71), s. Zápolya.

[Spanien.] 51) J. I., König von Kastilien (1379 bis 1390), s. oben Nr. 13).

52) J. I., König von Aragonien (1387–95), s. oben Nr. 2).

53) J. II., König von Kastilien (1406–54), s. oben Nr. 14).

54) J. II., König von Aragonien (1458–79), s. oben Nr. 3).

55) J. Karl Maria Isidor (Don Juan de Bourbon), Infant von Spanien, geb. 15. Mai 1822, gest. 21. Nov. 1887 in Brighton, zweiter Sohn des Prätendenten Don Carlos (s. Karl 76), erbte 1861 dessen Thronansprüche nach dem Tode des Grafen von Montemolin, übertrug sie aber 1868 auf seinen Sohn Don Carlos, Herzog von Madrid (s. Karl 78). Er war seit 18. 7 vermählt mit der Erzherzogin Maria Beatrix von Österreich-Este, geb. 13. Febr. 1824.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 268-278.
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