Siebenjähriger Krieg von 1756-1763

[36] Siebenjähriger Krieg von 1756–1763. I. Veranlassung u. Beginn des Krieges. Die Kaiserin Maria Theresia von Österreich hatte, um das in den Schlesischen Kriegen (s.d.) an König Friedrich II. von Preußen verlorene Schlesien wiederzugewinnen, während des zehnjährigen Friedens alle Kräfte auf die Errichtung einer großen Militärmacht gewendet u. suchte Bundesgenossen. Die Kaiserin Elisabeth von Rußland war Feindin Friedrichs II., weil derselbe sie durch Witzeleien über ihre Person beleidigt hatte; mit dieser schloß der König von England, als 1756 der Krieg zwischen ihm u. dem mit Preußen verbündeten Frankreich ausbrach, einen vorläufigen Vertrag, worin die Kaiserin versprach gegen 150,000 Pfd. St. 55,000 M. an die russische Grenze zu senden, um Preußen in Bezug auf Hannover in Schach zu halten. Als Friedrich II. dies erfuhr, hob er die Allianz mit Frankreich auf u. versprach dem König von England als Freund zu dienen, sobald er der Verbindung mit Rußland entsagen wolle, u. am 16. Jan. 1756 wurde das Bündniß zu Westminster zwischen England u. Preußen unterzeichnet. Nun knüpfte Maria Theresia Unterhandlungen mit König Ludwig XV. von Frankreich an, u. am 1. Mai 1756 kam zwischen Frankreich u. Österreich ein Bündniß zu Versailles zu Stande. Auch August III. Kurfürst von Sachsen u. König von Polen, welcher wegen der im vorigen Kriege erlittenen Demüthigungen auf Preußen erbittert war, wurde mit in den Bund gegen Preußen gezogen. Die Verbündeten beschlossen den König Friedrich zum Beginn der Feindseligkeiten zu reizen u. wo möglich nach Böhmen zu locken; Sachsen sollte sich neutral stellen u. Friedrich II. den Durchmarsch nach Böhmen erlauben, aber wenn[37] er in Böhmen wäre, ihm den Krieg erklären u. ihm in den Rücken fallend, den Krieg mit Einem Schlage beendigen. Durch den sächsischen Cabinetskanzlist Menzel erhielt indeß Friedrich II Kunde von allen Verhandlungen zwischen Österreich, Rnßland u. Sachsen u. eilte seinen Gegnern, welche den Feldzug erst für das Frühjahr 1757 beschlossen hatten, zuvorzukommen; er zog schnell ein Heer von 60,000 Mann zusammen, für welches der preußische Gesandte in Dresden am 29. Aug 1756 um freien Durchzug durch Sachsen nach Böhmen anhielt, während sein Heer unter Feldmarschall Keith an demselben Tage schon die sächsische Grenze betreten hatte. Schnell besetzten die Preußen Wittenberg, Torgau u. Leipzig u. erschienen bereits am 9 Sept. vor Dresden; August II I. hatte mit dem Grafen Brühl seine Residenz verlassen u. sich zum Heere begeben, welches 17,000 Mann stark Rutowski auf Rath des französischen Gesandten in einem verschanzten Lager zwischen Pirna u. Königstein versammelte, anstatt nach dem Willen des Grafen Brühl mit demselben in Böhmen zu dem österreichischen Feldmarschall Grafen Browne zu stoßen. Am 10. Sept. wurde, nachdem August III. die Allianz mit Friedrich II. ausgeschlagen hatte, Dresden genommen, Sachsen als feindlich administrirt, die Zeughäuser in Dresden, Zeitz u. Weißenfels ausgeräumt u. alle Vorräthe nach Magdeburg geschafft; in Dresden wurde eine preußische Landesadministration u. in Torgau ein Kriegscommissariat niedergesetzt, welches alle kurfürstlichen Gefälle, jedoch mit der größten Schonung der sächsischen Unterthanen, in Beschlag nahm. Friedrich II. mußte indeß, da sein Hauptplan, Sachsen durch einen Schlag zu sich hinüberzuziehen, gescheitert u. das sächsische Lager unangreifbar u. nur durch Hunger zu bezwingen war, den österreichischen Feldmarschall Browne angreifen, bevor dieser den Entsatz der Sachsen versuchte. Der Markgraf Karl übernahm den Oberbefehl über das Einschließungsheer, der König selbst brach am 30. Sept. mit seinen bei Außig stehenden Truppen auf. Am 1. Oct. kam es bei Lobositz in Böhmen zur Schlacht; die Österreicher (50,000 M.) konnten in dem schwierigen Terrain ihre Colonnen nicht entwickeln u. nach tapferer Gegenwehr entschied der Herzog von Braunschweig-Bevern mit der Infanterie des preußischen linken Flügels die Schlacht u. Browne zog sich über die Eger zurück; Verlust der Österreicher 3000 M., der Preußen 3500 M. Indessen wuchs die Noth in dem sächsischen Lager bei Pirna, u. da ein Versuch sich nach Böhmen durchzuschlagen scheiterte, so mußten sich die Sachsen dem Sieger ergeben u. 14,000 M. strecken am 14 Oct. das Gewehr. Friedrich II. ließ die Unteroffiziere u. Soldaten unter die preußischen Regimenter vertheilen, aber die Sachsen desertirten zu Hunderten u. begaben sich nach Polen, wohin auch August III. von der Feste Königstein freien Abzug erhalten hatte. Die Österreicher hielten nun Winterquartiere in Böhmen, die Preußen in Sachsen u. Schlesien; Friedrich selbst blieb in Dresden.

II. Das Jahr 1757. A) Friedrichs Feldzug in Böhmen. Friedrich II. hatte das Ermahnungsschreiben, welches er am 13. Sept. vom Kaiser Franz I. erhalten hatte, unbeachtet gelassen u. wurde deshalb des Landfriedensbruchs angeklagt, u. von Wien u. Regensburg ergingen die heftigsten Schreiben gegen sein Verfahren; zugleich traten Frankreich u. Schweden als Gewährleister des Westfältschen Friedens auf, in Rußland wurden 100,000 M. gerüstet u. in Regensburg eine Reichsarmee von 60,000 M. bewilligt. Es war vorauszusehen, daß im nächsten Feldzuge 500,000 M. gegen Preußen unter den Waffen sein würden, denen dieses kaum 200,000 M. entgegenstellen konnte. Als schwaches Gegengewicht ließ Friedrich II. in Sachsen junge Leute ausheben, errichtete Freibataillone u. verstärkte sein Heer auf jede Weise. Die Feinde Preußens hatten indessen einen neuen Theilungstractat entworfen: Pommern sollte an Schweden, Preußen an Rußland, Magdeburg u. Halberstadt an Sachsen, Schlesien an Österreich, die westfälischen Provinzen an Frankreich fallen u. Friedrich II sollte nichts bleiben, als die Marken. Für Friedrich erklärten sich nur der König von England, die Landgrafen von Hessen, die Herzöge von Braunschweig u. Sachsen-Gotha u. der Markgraf von Baireuth. Da Letzter aber durch die Lage seiner Länder in große Verlegenheit gerieth, so stießen seine Truppen mit Bewilligung seines Schwagers, Friedrichs II., zu der Reichsarmee. In Preußen blieb nun der Feldmarschall Lehwald mit 24–3,000 M. Preußen den Russen gegenüber; in Hannover bildete sich ein, meist aus den Truppen der Verbündeten Preußens bestehendes Heer von 40,000 M. unter dem Herzog von Cumberland gegen die Franzosen; gegen Schweden blieben blos kleine Beobachtungscorps stehen. Mit der Hauptmacht, etwa 100,000 M., wollte Friedrich selbst in Böhmen eindringen, um die Österreicher zu schlagen u. sich dann hinwenden, wo seine Hülfe nöthig wäre. Der Prinz Karl von Lothringen, welchem der Feldmarschall Browne untergeordnet war, befehligte die Österreicher; er hatte das Heer in 4 große Corps getheilt, ein 5. bildete der Feldmarschall Daun in Mähren. Gemeinschaftlich sollten sie einen etwaigen Angriff abwehren, u. wenn sich Friedrich II in der Defensive erhielte, ihn angreifen, wenn nämlich Franzosen u. Russen so weit heran wären, um mitzuwirken. Friedrich II. theilte sein Heer in 5 Corps, von denen er das eine selbst befehligte, während die anderen unter seinem Bruder Heinrich, dem Feldmarschall Schwerin, dem Herzog von Braunschweig-Bevern u. dem Prinzen Moritz von Anhalt. Dessau standen, u. Ende Aprils brach Schwerin von Schlesien über Trautenau, der Herzog von Braunschweig über Zittau, Prinz Moritz über Kommotau, Prinz Heinrich über Neustadtl u. er selbst über Peterswalde in Böhmen ein. Die vorgeschobenen österreichischen Corps wurden überall zurückgeworfen, der Herzog von Bevern erstürmte mit 16,000 M. am 21. April ein österreichisches Lager bei Reichenberg, in welchem Königsegg mit mehr als 20,000 M. stand, u. am Morgen des 6. Mai waren gegen 100,000 Preußen bei Prag auf dem rechten Ufer der Moldau, Prinz Moritz auf dem linken versammelt. Einige Stunden nach der Vereinigung griff der König 76,000 verschanzte Österreicher mit 64,000 Preußen in der Stellung bei Prag an. Die Zugänge zu dem österreichischen Lager waren durch Moräste u. Verhaue gedeckt, die Preußen konnten sich kaum Bahn brechen u. Mittags um 1 Uhr aufmarschiren. Die preußische Cavallerie warf die kaiserliche zurück u. die Infanterie folgte ihr stürmend nach, wurde aber durch das Feuer der Österreicher zum Weichen gebracht. Da ergriff der Feldmarschall Schwerin eine Fahne, stellte sich selbst an die Spitze eines Regiments u. führte[38] dasselbe zu Sturm auf die dortigen Dämme, fiel aber von 3 Kugeln durchbohrt, doch das Regiment drang siegreich. vor, u. die österreichische Schlachtlinie wankte u. löste sich auf, als die preußische Cavallerie ihr in die Flanke fiel. Browne wurde tödtlich verwundet, der rechte preußische Flügel nahm die gegenüberliegenden Hügel, durchbrach das Centrum der Österreicher u. vereinigte sich mit dem linken Flügel. Prinz Karl von Lothringen zog sich mit 28,000 M. nach Prag, 20,000 M. auf Daun zurück; 10,000 Österreicher waren todt u. verwundet, 9000 gefangen u. 7000 zersprengt; aber auch die Preußen hatten 18, 500 M. an Todten u. Verwundeten eingebüßt. Dem Prinzen Karl würde es unmöglich geworden sein Prag zu erreichen, wenn der Prinz Moritz, welcher oberhalb Prag bei Branik an der angeschwollenen Moldau stand, über diese hätte gehen können. Friedrich II. schloß nun Prag ein; hoffend es durch Hunger zu bekommen. Daun aber zog, um es zu entsetzen, mit seinem Heer, den 20,000 zu ihm Geflüchteten u. durch viele Verstärkungen bis auf 60,000 M. angewachsen, herbei u. drückte den Herzog von Braunschweig, welcher ihm mit 20,000 M. gegenüberstand, zurück. Friedrich brach mit 12,000 M. von der Belagerungsarmee auf, vereinigte sich am 15. Juni mit dem Herzog u. griff am 18. Juni die Österreicher bei Kollin an, welche auf den steilen, mit Artillerie besetzten Höhen standen, die sich von diesem Städtchen bis zum Dorfe Chotzenitz erstrecken. Die Dörfer vor Dauns Front waren stark mit Infanterie besetzt; seine Cavallerie war im Centrum. Der König griff den rechten Flügel Dauns an u. hatte ihn schon fast umgangen, u. Daun dachte bereits auf den Rückzug: als 2 preußische Generale daselbst, ungeachtet des ausdrücklichen Befehls stehen zu bleiben, ihren Posten verließen, um eine Kroatenabtheilung wegzujagen, welche ihnen viel Schaden that. Die sächsische Reiterei (aus den von den preußen desertirten, Sachsen gebildet) stürzte sich in die Lücken; die Österreicher ermannten sich u. drangen ebenfalls vor, u. Friedrich führte vergebens seine. schon sechsmal geworfene Cavallerie zum 7. Male gegen den Feind. Da gab er den Befehl zum Rückzuge nach Nienburg u. der siegreiche linke Flügel unter Hülsen mußte, obschon siegreich, den Rückzug antreten. Die. Preußen hatten in dieser Schlacht (auch von den Österreichern die von Planian genannt) über 12,000 M. u. 43 Kanonen, die Österreicher 9000 M. verloren. Am 20. Juni traten die Preußen aus den Laufgräben von Prag den Rückzug nach Sachsen an. Daun folgte, ohne ihnen viel Schaden zu thun, er schoß aber Zittauin Brand, weil sich ein. preußisches Magazin darin befand. Der Jubel in Österreich über die gewonnene Schlacht war ungeheuer, auch Österreichs Verbündetenwuchs der Muth; die Franzosen rückten in Westfalen u. die Russen in Preußen ein. Aber dennoch unternahmen die Österreicher, welche bei Neisse ein festes Lager bezogen hatten, nichts gegen Friedrich II.; nur im kleinen Kriege war man thätig, wobei sich Landon von österreichischer u. Werner. von preußischer Seite auszeichneten.

B) Erst es Auftreten der Franzosen, Russen u. Schweden. Unterdessen eroberte der französische Marschall d' Estrées mit 100,000 M. die preußischen Länder am linken Rheinufer, ging dann über die Weser u. schlug am 28. Juli den Herzog von Cumerland bei Hastenbeck unweit Hameln. Die alliirte Armee war nur 40,000 M., die Franzosen noch einmal so stark; aber dennoch gaben Letztere, da der Erbprinz Karl von Braunschweig in Front u. einige hundert Mann im Rücken erschien, das Treffen schon verloren: als der Herzog von Cumberland nach einem Verluste von 1500 M. den Befehl zum Rückzug gab. Da das hannöverische Archiv nach Stade geschafft war, so zog sich der Herzog, um dasselbe zu schützen, über Verden dahin zurück u. gab so das ganze Land Preis. Hameln. Minden, Hannover u. Braunschweig sielen in die Hände der Franzosen; der Marschall überflügelte die Alliirten, schnitt dieselben von der Elbe ab u. sein Nachfolger, der Herzog v. Richelien, zwang den Herzog von Cumberland 8. Sept. zu der Capitulation von Kloster Seven. Die Truppen, aus denen das alliirte Heer bestand, blieben zum Theil beisammen, die Hessen, Braunschweiger, Bückeburger u. Gothaner wurden nach Hause geschickt. Während nun der Marschall Richelieu Hannover, Braunschweig u. Hessen aussaugte, rückte ein anderes französisches Heer, mit der Reichsarmee vereinigt, unter dem Prinzen Soubise nach Thüringen vor u. nahm sein Hauptquartier in Gotha. Friedrich II. hatte sein Heer unter dem Herzoge von Braunschweig-Bevern den Österreichern gegenüber gelassen u. stand jetzt mit nicht mehr als 10,000 M. in u. um Erfurt. Der österreichische General Hadik benutzte Friedrichs Abwesenheit u. rückte mit 4000 Kroaten am 16. Oct. in Berlin ein, brandschatzte die Stadt u. verweilte bis zum 17. dort, wo er bei der Nachricht, daß Prinz Moritz von Anhalt u. Seydlitz sich näherten, sie schnell wieder verließ. Die Russen waren inzwischen unter Aprarin in Preußen eingefallen u. hatten am 5. Juli Memel besetzt u. die bewilligte Capitulation gebrochen. Der preußische Feldmarschall Lehwald rückte mit 24,000 M. ihnen, die 100,000 M. stark waren u. in einer Verschanzung standen, entgegen u. griff sie am 30. Aug. bei Groß-Jägerndorf an, siegte zwar Anfangs u. nahm einige Kanonen u. Schanzen, doch unter dem Rauche von 2 brennenden Dörfern umgingen die Russen die Preußen u. nöthigten diese zum Rückzuge; der Verlust der Russen war 7000 M., der der Preußen gegen 3000 M. Jetzt wäre Preußen verloren gewesen, wenn der Feldmarschall Apraxin nicht plötzlich von dem Kanzler Bestuschew, welcher in Englands Interesse handelte, Befehl zum Rückzuge erhalten hätte. Dieser geschah in größter Eile, 80 Kanonen, 15,000 Kranke u. Verwundete wurden zurückgelassen u. alle preußischen Städte geräumt, nur Memel blieb von 10,000 Russen besetzt. Nun erhielt Lehwald Befehl sich gegen die Schweden zu wenden, welche 22,000 M. stark am 13. Sept. über die Peene gegangen waren, die Städte Anklam, Demmin, Pasewalk etc. in Besitz genommen u. das schwach besetzte Stettin bedroht hatten. Einige 100 Schweden, welche in der Nacht von Prenzlow aus fouragiren geschickt worden waren, wurden, als sie durch ein Gebüsch marschirten, von 5 als preußische Husaren verkleideten Postillonen angegriffen, mit Pistolen beschossen u. einige verwundet. Auf deren Rapport ging die schwedische Armee über die Peene zurück, zog. sich bei Lehwalds Annäherung unter die Kanonen von Stralsund u. setzten von dort nach Rügen über.

C) Friedrichs Feldzug gegen die Franzosen in Sachsen u. die Österreicher in Schlesien, so wie der Ferdinands von Braunschweig gegen die Franzosen. Als[39] sich die Franzosen unter Soubise mit dem Reichsheere unter Prinz Joseph von Sachsen-Hildburghausen vereinigt hatten, drangen sie gegen Sachsen vor. Zwar ließ Friedrich II. von Erfurt aus durch 1 500 Mann unter Seydlitz 8000 Franzosen u. den Prinzen Soubise selbst am 19. September in Gotha überfallen u. aus der Stadt vertreiben (wo Seydlitz das Diner verzehrte, welches im herzoglichen Schloß für jenen bereitet worden war), aber dennoch drangen sie gleich wieder vor, als Friedrich II. nach Sachsen zurückkehrte, weil Richelieu Anstalt traf von Hannover aus in seinem Rücken vorzudringen. Soubise näherte sich Leipzig u. verkündete, daß er gekommen sei, um Sachsen zu befreien; der preußische Feldmarschall Keith zog sich aber nach Leipzig zurück. Friedrich II., welcher auf die Nachricht von Hadiks Einzug in Berlin sich nach der Mark gewendet hatte, war schnell wieder umgekehrt, hatte sich in Leipzig mit Keith vereinigt, die Reichsarmee zum Rückzuge über die Saale bei Weißenfels genöthigt u. sah sich am 5. Nov. bei Roßbach zwischen Merseburg u. Weißenfels mit 22,000 Mann dem 60,000 Mann starken feindlichen Heere gegenüber. Er stellte sich, als wolle er sich zurückziehen, lockte den hitzigen Soubise aus seiner vortheilhaften Stellung u. ließ es ruhig geschehen, daß der Feind sich links u. rechts über seine. Flanken ausdehnte. Die Franzosen bemerkten mit Erstaunen, daß während dieser Bewegungen die Preußen mit Kochen beschäftigt waren, sie hielten diese Ruhe für Verzweiflung u. hofften, daß die Armee sich ohne Schwertstreich gefangen geben würde. Erst gegen halb 2 Uhr, nachdem die Preußen abgekocht hatten, brachen sie schnell ihr Lager ab u. setzten sich, die Cavallerie unter Seydlitz an der Spitze, in Marsch. Dieser umging die rechte Flanke des Feindes u. griff dieselbe mit solcher Gewalt an, daß er in wenigen Minuten die ganze weit überlegene Cavallerie der Franzosen über den Haufen warf. Zugleich rückte die Infanterie mit der Artillerie vor u. eröffnete ein so wohl gerichtetes u. unterhaltenes Kanonen- u. Gewehrfeuer, daß die Reichsarmee floh. Die Franzosen, welche noch Stand hielten, wurden jetzt ebenfalls durch eine geschickte Schwenkung in der rechten Flanke angegriffen u. ihr rechter, schon von aller Reiterei entblößter Flügel warf sich bald in völliger Flucht auf den linken u. verursachte große Unordnung, welche durch die Angriffe der preußischen Cavallerie sehr vermehrt wurde. Bald löste sich Alles in wilder Flucht auf, nur einige Schweizerregimenter thaten noch einen kurzen Widerstand, u. allein die Nacht rettete das Heer vom gänzlichen Untergange. Diese Schlacht, welche kaum 11/2 Stunde dauerte u. in welcher nur 7 Bataillone Preußen zum Feuer kamen, kostete die Franzosen 63 Kanonen, 7 Fahnen, 15 Standarten u. über 10,000 Mann, von denen 7000 Mann auf dem Schlachtfelde das Gewehr streckten; die Preußen aber hatten nur 91 Todte u. 274 Verwundete, unter welchen sich aber Prinz Heinrich u. Seydlitz befanden. Die Franzosen flohen durch Thüringen, Manche bis an den Rhein; der König von England erklärte aber 26. Nov. die Convention vom Kloster Seven für aufgelöst u. die alliirte Armee bildete sich von Neuem; die Hannoveraner, Hessen u. Braunschweiger, durch einige Regimenter preußische Cavallerie verstärkt, sammelten sich unter dem Prinzen Ferdinand von Braunschweig u. eroberten Stade, Haarburg u. Lüneburg. Der Marschall Richelieu, darüber ergrimmt, ließ die Stadt Zelle ausplündern u. die Vorstädte abbrennen. Währenddem war der Herzog von Braunschweig-Bevern mit 50,000 Mann zur Deckung Schlesiens bei Görlitz stehen geblieben, aber schon am 7. Sept. griff der österreichische General Nadasdy ein preußisches Corps unter Winterfeldt, welches eine Stunde vorwärts der Bevernschen Armee stand, bei Moysan u. nahm den nahen Holzberg. An der Spitze von 4 Bataillonen suchte Winterfeldt denselben wieder zu erobern, wurde aber hierbei verwundet u. starb an dieser Wunde bald darauf. Außerdem verloren die Preußen hier 1200 Mann. Der Herzog von Braunschweig-Bevern zog sich bis an die Thore von Breslau zurück u. ließ 15,000 Mann als Besatzungen in mehren Städten zurück. Nach 16tägiger Belagerung wurde die Festung Schweidnitz am 11. Nov. dem General Nadasdy übergeben, u. da dieser nun zur österreichischen Hauptarmee stieß u. dieselbe dadurch bis auf 80,000 M. vermehrte, so griffen die österreichischen Feldherrn den Herzog am 22. Nov. in dem befestigten Lager bei Breslau an, richteten aber nichts aus. Trotzdem verließ der Herzog in der Nacht mit seinen 25,000 M., um einen Überfall auf die 80,000 Österreicher zu versuchen, das Lager u. zog sich durch Breslau hinter die Oder zurück, wurde aber zwei Tage darauf bei einer Recognoscirung gefangen, u. da er keine Bedeckung bei sich hatte, so entstand der Verdacht, er habe dies freiwillig gethan, um der unmittelbaren Verantwortung zu entgehen. Am 27. Nov. ergab sich Breslau mit großen Vorräthen dem Feinde, die schwache Besatzung erhielt dagegen freien Abzug.

Am 12. Novbr. war Friedrich II. von Leipzig gegen Schlesien aufgebrochen; in Görlitz erfuhr er den Fall von Schweidnitz, bald darauf den Rückzug des Herzogs u. Breslaus Verlust; ganz Schlesien schien, für ihn verloren zu sein; die Österreicher nannten das kleine Heer, welches er herbeiführte, die Potsdamer Wachtparade. General Kyau, welcher nach der Gefangennehmung des Herzogs den Rest von dessen Armee (16,000 Mann) befehligte, hatte sich gegen Glogau zurückgezogen u. vereinigte sich am 2. Dec. bei Parchwitz mit dem Könige, dessen Macht dadurch auf 33,000 M. wuchs. Am 4. Dec. eroberten die Preußen Neumark, u. es kam am 5. December bei Leuthen, einem Dorfe unweit Lissa, zur Schlacht. Die Österreicher, gegen 90,000 Mann stark, hatten eine feste Stellung verlassen u. zum ersten Male in diesem Kriege sine Ebene zum Schlachtfelde gewählt. Zwar hatte Daun dies widerrathen, aber der Herzog von Lothringen fand es unter seiner Würde mit 90,000 Mann die kleine preußische Armee hinter Verschanzungen zu erwarten. Friedrich bedrohte den rechten Flügel u. Daun, welcher den rechten Flügel commandirte, ging in die Falle u. verlangte, daß die Reserve ihm Hülfe schicken sollte, während Nadasdy auf dem linken, bald bemerkend, daß er der bedrohte Theil sei, die Reserve für sich forderte. Um 1 Uhr, als die Preußen den linken Flügel schon umgangen hatten, begann die Schlacht mit einem lebhaften Angriff des Königs auf den linken Flügel der Österreicher; Nadasdy that zwar kräftigen Widerstand, wurde aber bald geworfen, u. da die Reserve zur Unterstützung des rechten Flügels abmarschirt war, so konnte er keine Verstärkung erhalten. Der linke österreichische Flügel wurde nun durch die geschlossenen preußischen [40] Colonnen nach u. nach aufgerollt, das Dorf Leuthen erobert u. das sich hinter einem Graben wieder sammelnde österreichische Fußvolk von der preußischen Reiterei auseinander gesprengt, die Armee gerieth in Unordnung u. floh eilig den böhmischen Grenzen zu, welche aber kaum 17,000 Mann erreichten. 7000 Österreicher bedeckten das Schlachtfeld, 21, 500 Mann streckten das Gewehr, 134 Kanonen, 59 Fahnen u. Standarten wurden erobert u. 6000 Deserteurs nahmen nach der Schlacht preußische Dienste. Am 20. Dec. fiel Breslau mit 700 Offizieren u. 1800 Mann wieder in preußische Hände u. auch Liegnitz capitulirte am 29. Dec. 1757.

III. Feldzug von 1758. A) Kampf in Mähren, Schlesien, Sachsen, Pommern u. der Mark. Während des Winters, wo Österreich u. Rußland geneigt zum Frieden gewesen wären, wenn nicht Frankreich aus Besorgniß, daß dann der Seekrieg um so unglücklicher gehe, die Coalition gehalten hätte, war Apraxin wegen seines übereilten Rückzuges in Ungnade gefallen; an seine Stelle war General Fermor getreten, mit der Weisung Preußen sogleich zu besetzen u. es ganz wie eine russische Provinz zu behandeln. Er rückte daher schon am 22. Jan. 1758 in Königsberg ein u. ließ dort die Behörden der russischen Kaiserin den Eid der Treue schwören; dagegen ließ sich Friedrich II. von den sächsischen Ständen huldigen, da an eine Befreiung Preußens von den Russen fürs erste nicht zu denken war. Friedrich II. wollte aber die Österreicher diesmal in Mähren angreifen u. deshalb Olmütz erobern u. erschien, nachdem Schweidnitz durch General Treskow am 18. April erstürmt worden war, am 3. Mai vor Olmütz, welcher Platz von 8000 Mann unter dem General Grafen Marschal vertheidigt wurde. Da diese Festung von dem Feldmarschall Keith wegen der Morawa nicht vollständig eingeschlossen werden konnte, so gelang es den Österreichern Proviant u. 1200 Mann in dieselbe zu werfen. Der preußische Ingenieur Oberst Balby, ein Franzos, welcher die Belagerungsarbeiten leitete, machte Fehler u. gab den Österreichern Gelegenheit den Preußen manchen Abbruch zu thun. Dazu kam, daß Daun bald vor Olmütz ankam u. den Preußen mehre Transporte von Lebensmitteln u. Munition, welche sie weit umher herbeischaffen mußten, wegnehmen ließ. Friedrich II. ließ endlich einen Transport von 3000 Wagen, von 9000 Mann escortirt, zugleich aufbrechen, allein Dann denselben mit 25,000 Österreichern unter Laudon, Janus u. Ziskowitz in den Gebirgspässen bei Domstadt am 30. Juni überfallen u. die Bedeckung schlagen, die Wagenburg aber vernichten od. nehmen, so daß nur 250 Wagen in dem Lager von Olmütz ankamen. General Ziethen, welcher die Bedeckung befehligte, wurde abgeschnitten u. mußte sich nach Troppau zurückziehen. In der Nacht vom 1. zum 2. Juli trat nun deshalb Friedrich den Rückzug von Olmütz an, führte ihn ohne Verlust aus u. bezog ein festes Lager bei Landshut in Schlesien, um Dauns Operationen abzuwarten. Die Russen unter dem General Fermor brachen jetzt nach Pommern auf u. brückten den General Dohna, welcher an Lehwalds Stelle dort befehligte u. von Stralsund aus ihnen mit 20,000 Mannentgegengegangen war, überall zurück. Ihr Object war Küstrin u. sie verwüsteten überall das flache Land aufs ärgste. Am 10. Aug. verließ der König das Lager bei Landshut, ließ den Feldmarschall Keith zur Deckung von Schlesien zurück u. zog mit 14,000 Mann in Eilmärschen nach der Neumark. Am 21. kam er nach Küstrin, welches die Russen am 15. Aug. bombardirt u. ganz in Asche gelegt hatten, u. war bei dem Anblicke der verübten Gräuel so erzürnt, daß er befahl in der bevorstehenden Schlacht keinem Russen Pardon zu geben. Am 22. Aug. vereinigte er sich mit Dohnas Corps u. am 25. begann die Schlacht bei Zorndorf von 30,000 Preußen gegen 50,000 Russen um 9 Uhr Morgens mit einer Kanonade der Preußen gegen das ungeheure Viereck, welches das russische Heer bildete; in der Mitte desselben befand sich das Gepäck u. die Reiterei, welcher dadurch alle Thätigkeit unmöglich wurde. Das preußische Geschütz wüthete furchtbar unter den Russen; die Pferde vor den Bagagewagen rissen sich los u. durchbrachen die Glieder, so daß Fermor den Troß u. die Cavallerie aus dem Viereck hinaus lassen mußte. Der linke preußische Flügel rückte aber zu hitzig vor u. gab so der russischen Cavallerie eine Blöße, welche diese benutzte, um einige Bataillone auseinander zu sprengen. Fermor glaubte jetzt die Schlacht gewonnen zu haben u. öffnete sein Viereck von allen Seiten, um die Preußen zu verfolgen, aber Seydlitz trieb mit einem Theile preußischer Cavallerie die feindliche Cavallerie zurück, während der andere in die russische Infanterie einhieb, u. Seydlitz vollendete deren Niederlage. Die Russen blieben indessen über Nacht auf dem Schlachtfelde, da sie die Brüchen über die Warthe selbst abgebrochen u. sich den Rückzug versperrt hatten, aber am 26. Aug. traten sie, nach einer kurzen Kanonade, den Rückmarsch nach Landsberg an der Warthe an; sie verloren 103 Kanonen u. 22,000 Mann Todte, Verwundete u. Gefangene, schrieben sich aber dennoch den Sieg zu. Ein Theil der Armee des Grafen Dohna blieb zur Beobachtung der Russen in der Neumark zurück; der andere marschirte wieder gegen die Schweden u. der König wendete sich nach Sachsen Dort war nämlich Feldmarschall Daun mit der Hauptarmee erschienen, nachdem 20,000 Mann unter General Harsch zur Eroberung von Neisse zurückgelassen worden waren. Kaum konnte Prinz Heinrich in Sachsen gegen Daun u. die Reichsarmee unter dem Herzog von Zweibrücken das Feld halten. Daun wollte hauptsächlich Dresden erobern u. ließ durch die Reichstruppen unter dem General Hadik den Sonnenstein in Brand schießen u. erobern, aber der preußische General von Schmettau, welcher Commandant von Dresden war, benahm sich so energisch. daß die in der Hauptstadt zurückgebliebene kurfürstliche Familie Daun selbst bat von einer Belagerung der Hauptstadt abzustehen. Da zog Friedrich II. von der Neumark u. Keith von Schlesien herbei u. der Letztere vereinigte sich am 9. Sept. bei Großenhain mit dem Prinzen Heinrich u. am 12. bei Reichenbach diese mit dem König. Um Daun, welcher in einem festen Lager bei Stolpen stand, zur Schlacht zu bewegen, bezogen die Preußen ein Lager bei Bautzen, verließen dasselbe aber am 10. Oct., um eine Stellung bei Hochkirch einzunehmen, welche jedoch durchaus unhaltbar war, da die Kaiserlichen die umliegenden Berge besetzt hatten. Vergebens riethen alle Generale dem König eine andere Stellung zu wählen, er hielt es für schimpflich sich zurückzuziehen u. behielt die Stellung bei. Indessen wollte er mit seinen 30,000 Mann[41] in der Nacht zum 15. Oct. den Prinzen von Baden-Durlach bei u. in Reichenbach überfallen, um so mit Ehren aus seiner gefährlichen Lage herauszukommen. Aber die Österreicher kamen ihm mit dem Überfall in der Nacht zum 14. Octbr. zuvor. Die preußischen Husaren entdeckten die österreichische Bewegung u. meldeten sie ins Hauptquartier, der König bezweifelte aber die Richtigkeit dieser Meldung, ließ jedoch endlich einige Infanteriebrigaden aufstehen u. einige Reiterregimenter satteln, aber gegen Morgen wurde auch dieser Befehl zurückgenommen. Um 5 Uhr Morgens erschienen eine Menge Österreicher bei den Vorposten u. meldeten sich als Überläufer, überfielen aber bald die Feldwachen, überwältigten dieselben u. drangen nun mit den ihnen auf dem Fuße folgenden Colonnen in das preußische Lager ein. Die Unordnung war über alle Beschreibung, der Feind mitten im Lager u. die Dunkelheit vermehrte das Entsetzen. Unvollständig bekleidet liefen die Soldaten zu den Waffen u. stellten sich in Reih u. Glied; jedes Regiment suchte den Feind auf. Die Dunkelheit wich endlich, aber ein dichter Nebel bedeckte das Land. Seydlitz stürzte sich mit seiner Reiterei überall hin, wo er den Feind zu finden hoffte. Jetzt gerieth das Dorf Hochkirch in Flammen; es wurde genommen u. wieder erobert; Keith u. der Prinz Franz von Braunschweig blieben hierbei u. Prinz Moritz von Dessau wurde schwer verwundet u. gefangen. Endlich befahl Friedrich II. den Rückzug, um eine neue Stellung einzunehmen, u. die ebenfalls in Unordnung gerathenen Österreicher hinderten ihn Anfangs nur wenig, dann aber griff der Herzog von Aremberg mit dem rechten Flügel an, u. nachdem er eine starke Batterie genommen hatte. zwang er den König noch weiter zurückzugehen Ein Angriff der österreichischen Cavallerie wurde von Seydlitz abgewiesen, u. bei den Spitzbergen, eine Stunde vom Schlachtfeld, lagerten sich die Preußen, ohne Zelte, Gepäck, Munition u. Geschütze, aber von Daun nicht beunruhigt. Die Preußen hatten bei Hochkirch 9000 Mann, 100 Kanonen, 30 Fahnen u. die ganze Bagage, die Österreicher 8000 Mann verloren. Der König war leicht verwundet, eben so fast alle preußischen Generale. Daun ließ jetzt die Belagerung von Neisse durch den General Harsch fortsetzen, er selbst bezog ein starkes Lager bei Kannewitz. Friedrich II. hatte aber bald aus Dresden sein Kriegsmaterial ersetzt, 6000 Mann Verstärkung unter dem Prinzen Heinrich an sich gezogen, täuschte die Österreicher durch verstellte Märsche, schickte die Kranken u. Verwundeten voraus u. brach am 25. Oct. nach Schlesien auf. Am 5. November kam er in der Nähe von Neisse an, worauf Harsch die Belagerung am 6. Nov. aufhob u. sich nach Mähren zurückzog. Auch Kosel wurde 15. Nov. entsetzt. Daun wollte indessen noch vor dem Winter Sachsen erobern, welches jetzt der preußische General Fink mit einem wenig zahlreichen Heere vertheidigte; er selbst unternahm die Belagerung von Dresden, die Reichsarmee rückte gegen Leipzig vor u. Hadik bedrohte Torgau Aber während Fink die österreichische Hauptarmee beobachtete, vertrieb Dohna, aus der Neumark kommend, die Reichsarmee von Leipzig, Wedel den General Hadik vor Torgau u. Schmettau ließ am 10. Novbr. die Vorstädte abbrennen. Daun gab endlich die Eroberung Sachsens auf u. ging nach Böhmen in die Winterquartiere, auch räumte er den Sonnenstein wieder. Am 20. Nov. kam Friedrich II. selbst in Dresden an, ordnete Alles zur Vertheidigung Sachsens, welche er dem Prinzen Heinrich übertrug, u. reiste dann nach Breslau. Die Russen hatten nach der Schlacht bei Zorndorf die Festung Kolberg belagert, welche der Major Heyden mit 700 Mann Landmiliz u. den Bürgern vertheidigte. 29 Tage ängstigten sie die Stadt, da kam die Nachricht von dem Anzuge des Generals Dohna, worauf die Russen die Belagerung aufhoben, Pommnern u. die Marken ganz räumten u. sich nach Polen u. Preußen zurückzogen. Durch ihren Abmarsch erhielt aber Dohna Luft, um sich wieder nach Sachsen zu wenden u. die Reichsarmee zu vertreiben. Die Schweden waren 1758 fast ganz unthätig geblieben; sie hatten sich begnügt unvertheidigte preußische Districte zu brandschatzen u. auszuplündern, zogen sich aber stets eiligst gegen Stralsund zurück, sobald Preußen anrückten.

B) Feldzug des Herzogs Ferdinand gegen die Franzosen. Graf Clermont hatte durch den Einfluß der Pompadour den Oberbefehl in Niedersachsen u. am Rhein über die Franzosen erhalten, ein Geistlicher, welcher nie ein Heer auch nur zur Musterung versammelt gesehen hatte, welchen aber die Pompadour für seine gesellschaftlichen Talente belohnen wollte. Das französische Heer war in der traurigsten Lage, u. gegen dieses brach Herzog Ferdinand von Braunschweig schon im Februar von Stade auf, bemächtigte sich der Weserübergänge u. drang gegen Hannover vor. Wo sich seine Vorhut nur blicken ließ, da flohen die Franzosen, ja sie räumten sogar Bremen, ebenso Lippstadt, Ham u. Münster, nur Hoya wurde vom General Chabot behauptet, bis ihn der Erbprinz Karl von Braunschweig nach einem lebhaften Gefecht daraus vertrieb (Februar 1758); 4000 Franzosen wurden nun nach Minden geworfen, um den Rückzug zu decken, sie capitulirten aber bald; Marburg wurde ebenfalls von dem Erbprinzen erobert, so ganz Hessen befreit u. die Franzosen, nachdem sie 11,000 Mann auf dem Rückzug verloren hatten, über den Rhein getrieben. Emden, zur Verbindung des Herzogs Ferdinand mit England am besten geeignet, war noch von 3800 Franzosen besetzt, doch wurde diese Stadt durch einige Kriegsschiffe u. die Annäherung eines Theils der verbündeten Armee, schnell erobert Der Herzog Ferdinand beabsichtigte nun einen Scheinübergang über den Rhein, konnte aber denselben wegen Mangels an Pontons erst in der Nacht zum 1. Juni bei Kleve bewerkstelligen. Er wünschte eine Schlacht, aber eben so eifrig suchte Clermont sie zu vermeiden u. verschanzte sich bei Rheinfelden Durch einige Bewegungen gelang es jedoch dem Herzoge die Franzosen aus ihrem Lager heraus u. am 23. Juli auf die Ebene von Krefeld zu locken. Sie zählten 66,000, die Alliirten nur 54,000 Mann. Der rechte Flügel der Alliirten, von dem Herzog Ferdinand selbst commandirt, eroberte ein Geyolz u. kam dadurch in den Rücken u. die linke Flanke der Franzosen, während dieselben von dem Centrum u. dem linken Flügel der Alliirten in der Front angegriffen wurden. Clermont zog sich mit einem Verluste von 7000 Mann zurück, der Herzog Ferdinand hatte nur 2000 Mann eingebüßt u. eroberte nun Düsseldorf u. Roermonde. Clermont wurde abgerufen u. an seine Stelle trat der Marschall von Contades; zugleich erhielt Fürst Soubise gemessenen [42] Befehl mit seinem durch 7000 Württemberger verstärkten Heere Hessen zu erobern u. so die Alliirten vom Rhein abzuziehen. Mit 30,000 Mann rückte Soubise in Hessen ein, welches der Prinz von Isenburg nur mit 7000 Mann vertheidigte; der Herzog von Broglio schlug den Prinzen mit 12,000 Mann bei Sangerhausen, u. nun verbreiteten sich die Franzosen wieder über Hessen, das Hannöverische u. Westfalen. Herzog Ferdinand von Braunschweig sah sich daher genöthigt über den Rhein am 9. u. 10. Juli zurückzugehen u. Düsseldorf u. Kleve wieder zu räumen. Bald darauf erhielt er bei Koesfeld eine Verstärkung von 10,000 Engländern, welche bei Emden gelandet waren, stellte sich nun an der Lippe auf u. deckte so Hannover. Der Prinz von Isenburg war an die Weser postirt u. General Oberg sollte mit 9000 M. Hessen decken, weshalb er bei Sandershausen ein Lager bezog; aus diesem lockte ihn der 30,000 Mann (worunter 10,000 Sachsen) starke Prinz Soubise u. schlug ihn am 10. Octbr. bei Lütternberg mit einem Verlust von 1500 Mann u. 28 Kanonen. Oberg zog sich nach Möhringen zurück; Ferdinand nahm sein Hauptquartier in Münster u. vertheilte sein Heer in Westfalen. Contades bezog Winterquartiere zwischen Maas u. Rhein; Soubise verließ Hessen u. cantonirte zwischen Rhein u. Main; Friedrich II. blieb in Breslau, Prinz Heinrich in Sachsen, die Österreicher in Böhmen u. die Russen in Ostpreußen.

IV. Feldzug 1759. A) Operationen des Königs in der Mark u. Schlesien, Vorfälle in Pommern u. Sachsen. Nach diesen Unglücksfällen wünschte die französische Nation u. das Cabinet Ende 1758 den Frieden u. nur Ludwig XV. u. die Pompadour bestanden auf Fortsetzung des Kriegs. Der Cardinal Bernis gab deshalb das Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten ab u. der auf ihn folgende Herzog von Choiseul schloß 30. Dec. 1758 einen neuen Allianztractat mit Österreich ab. Auch Friedrich II. erneuerte seinen Vertrag mit England, welches ihm jährlich 4 Millionen Reichsthaler Subsidien bezahlte. Ludwig XV. verwendete in Petersburg seinen ganzen Einfluß, um die Kaiserin zur Festhaltung an der Verbindung gegen Preußen zu vermögen; er bewog die Türken zur Erhaltung des Friedens gegen Rußland u. Österreich, die Dänen zur Sperrung des Sundes gegen alle Kriegsflotten, denn Rußland u. Schweden befürchteten fortwährend das Erscheinen einer englischen Flotte vor ihren Hauptstädten. Friedrich II., welcher noch auf Beistand der Türken hoffte, beschloß im Feldzuge 1759