Nordamerikanische Freistaaten [2]

[51] Nordamerikanische Freistaaten (Gesch.). In den frühsten Zeiten bewohnte die Länder der jetzigen N. F. ein Volksstamm, der jetzt ausgestorben ist, von dem man aber noch viele Alterthümer findet, welche beweisen, daß er mehr Cultur besaß, als die jetzigen Indianer. Vielleicht waren es die Azteken, die später auswanderten od. von den jetzigen Bewohnern vertrieben wurden (vgl. Amerikanische Alterthümer). Ob die Skandinavier, welchen Grönland u. Neu-Schottland bekannt waren, auch die Länder der jetzigen Vereinigten Staaten kannten, ist noch ungewiß (vgl. Amerika, Gesch.); sicher ist, daß zuerst Seb. Cabot die Küste Nordamerikas 1497 auffand. Aber seitdem blieben diese Gegenden von den Europäern unbeachtet, bis 1584 die Königin Elisabeth von England dem Seemann Walter Raleigh durch eine Acte alles Land schenkte, welches er in Amerika entdecken würde, worauf er das Küstenland zwischen Acadien u. Florida fand u. zu Ehren der Jungfräulichkeit seiner Königin Virginien nannte. Nun gründete er u. sein Halbbruder Humphrey Gilbert dort von der Insel Roanoka aus 1585, 1587, 1590 u. 1602 Niederlassungen, welche aber alle bald wieder zu Grunde gingen, da die Colonisten [52] Leute waren, denen Talent u. Mittel dazu abgingen. Erst seit 1606 wurde die Colonisirung dort mit mehr Planmäßigkeit betrieben. König Jakob I. theilte im April d.i. den Küstenstrich vom 34. bis 46.° nördl. Br. in zwei Theile u. verlieh dieselben an zwei Handelscompagnien; den südlichen vom 34. bis 40.° erhielt die in London zusammengetretene Compagnie u. ließ dem Lande den Namen Virginien; den nördlichen Theil vom 40. bis 46.° empfing die in Plymouth gebildete Compagnie u. nannte denselben Neu-England.

Die London Compagnie erhielt 2. Nov. 1606 den königlichen Freibrief, u. darin wurden den Auswanderern dahin die Rechte freier Engländer u. das Recht zum Selbstschutz gegen die Indianer, so wie die zollfreie Ausfuhr der Bedürfnisse der Colonie aus England auf 7 Jahre ertheilt. Nach der Verfassung sollten die englischen Gesetze u. Geschwornengerichte in Virginien gelten, die Oberleitung u. Gesetzgebung sollte bei einem Großen Rath stehen, welcher in London residirte, die niedere Gerichtsbarkeit von einem Kleinen Rathe gepflegt werden, dessen Ernennung dem König vorbehalten war. Im April 1607 kam eine Colonie unter John Smith in Virginien an, welche die Niederlassung Jamestown gründete. Obgleich ihnen nun mehre Züge von Auswanderern nachfolgten, so gedieh die Colonie doch nicht; der Grund davon lag theils in den Colonisten selbst, welche über dem Suchen nach Gold den Ackerbauvernachlässigten, woraus Mangel an Lebensmitteln entstand, u. sich kaum der Judianer erwehren konnten; theils auch in der Compagnie, welche den Einwanderern kein Eigenthumsrecht an Grund u. Boden gab, sondern dieselben als ihre Knechte betrachtete, denn diese mußten den Ertrag ihrer Arbeit gegen ein Arbeitslohn in die Magazine der Compagnie abliefern. Die Folge davon waren innere Streitigkeiten u. Anarchie. Besser wurde es, nachdem durch den königlichen Freibrief von 1609 einige Veränderungen in der Verfassung vorgenommen worden waren: der Kleine Rath in der Colonie wurde aufgehoben, der Große aber aus den Mitgliedern der Compagnie gewählt; in der Colonie selbst stand ein königlicher Gouverneur, welcher neben der vollziehenden auch die oberste gesetzgebende u. richterliche Gewalt in sich vereinigte; jeder Colonist mußte den Supremateid schwören u. sich damit zur Anglicanischen Kirche bekennen. Der Gouverneur Thomas Dale, seit 1611, erhob die Colonie dadurch zur Blüthe, daß er nicht nur die Indianer im Zaume hielt u. die den britischen Interessen hinderlichen Niederlassungen der Franzosen u. Niederländer in Canada u. am Hudson zerstörte, sondern es auch dahin brachte, daß die Colonisten Striche Landes als freies Eigenthum erhielten, wodurch der Landbau ungemein gehoben wurde, so daß nicht allein Überfluß an Lebensmitteln war, sondern auch der Tabaksbau ein einträgliches Ausfuhrproduct lieferte. 1619 folgte auf Dale als Gouverneur George Yardeley. Während Dale die Colonie gewissermaßen begründet hatte, so war dieser eigentlich ihr Ordner; mit einer großen Zahl einwandernder junger Weibspersonen wurde ein Familienleben gegründet, u. diesem folgte alsbald ein geordnetes Staatsleben, welches an die Stelle der Despotie der Compagnie u. des von dem Gouverneur geübten Kriegsgesetzes trat. Bisher waren 2000 Colonisten im Lande u. diese in 11 Ortschaften vertheilt; aus diesen rief der Gouverneur mit Genehmigung der Compagnie einen Congreß nach Jamestown zusammen, welcher eine Verfassung entwarf, welche 21. Juli 1621 von dem Großen Rath in London bestätigt wurde. Darnach wurde von der Compagnie aus 19 angesehenen Pflanzern ein Staatsrath ernannt, welcher mit dem Gouverneur an der Spitze die vollziehende Gewalt erhielt u. mit den Deputirten zu dem Colonialcongreß zusammentrat, auf welchem die Gesetze berathen wurden, welche der Große Rath in London bestätigte. Die Blüthe der Colonie entwickelte sich seitdem immer mehr, bes. gedieh der Tabaksbau u. gab zu ausgedehntem Handel mit dem Mutterlande Anlaß. Freilich kamen dadurch die Colonisten auch mit den Indianern in neue Kämpfe, was bei diesen den Plan zur Ausrottung der Fremden hervorrief, u. wirklich wurden am 22. Mai 1622 bei einem plötzlichen Überfall 1300 Colonisten jeden Alters u. Geschlechts von ihnen getödtet. In London war inzwischen die Compagnie mit dem Hofe Jakobs I. in Mißverhältnisse gekommen, u. dieser beschuldigte sie, das Unglück der Colonie hervorgerufen zu haben, hob 1623 die Verfassung auf, ließ die Compagnie zur Verantwortung ziehen, nach rechtlicher Verurtheilung auflösen u. ihrer Rechte verlustig erklären, obgleich sie 150,000 Pfund Sterling auf die Colonie verwendet u. 9000 Ansiedler dahin gesendet hatte. Jakobs Nachfolger Karl I., 1625, erklärte Virginien zur königlichen Provinz, u. Großer sowie Kleiner Rath u. Gouverneur hatten nur nach königlichem Willen zu handeln; zwar wurden den Colonisten ihre Besitzungen gelassen, aber ein empfindlicher Stoß wurde dem Tabakshandel dadurch versetzt, daß der Preis willkürlich von dem König bestimmt wurde. Nach Yardeley wurde Joh. Hervey Gouverneur, welcher im absolutistischen Sinne der Stuarts die Colonie beherrschte u. viel böses Blut in derselben machte. Seit 1630 begannen auch Negersklaven in die Colonie eingeführt zu werden.

Neben Virginien wurde 1632 von Lord Cecilius Baltimore eine neue Colonie in dem, nach der Königin Marie Maryland genannten Landstriche angelegt; dieser erhielt jenen, ursprünglich zu Virginien gehörigen, jenseit des Potomac liegenden Strich von König Karl I. zum erblichen Eigenthum unter der Oberlehnsherrlichkeit der Krone u. mit der Verpflichtung ein Fünftel des sich findenden edlen Metalls an die Krone abzugeben. Ende 1633 sendete Lord Baltimore seinen Bruder Leonard Calvert mit 200 katholischen Glaubensgenossen nach Maryland ab, welches nun durch die weisen Maßregeln des Besitzers bald ein Rival von Virginien wurde. Der Lord öffnete sein Land nicht nur. Religionsgenossen jeder Confession (während Virginien nur den Hochkirchlichen zugängig war), sondern gab denselben 1635 auch gleiche Rechte u. jedem Colonisten ein freies Lehn von 50 englischen Morgen u. berief bereits 1636 den ersten Colonialcongreß. Die Religionsfreiheit zog bes. viel im Mutterland verfolgte Puritaner nach. Maryland. Um Virginien nicht ganz sinken zu lassen, wurde 1640 an Harveys Stelle Will. Berkeley als Gouverneur dahin gesendet, welcher wieder einen Colonialcongreß einsetzte, mit welchem der Gouverneur die gesetzgebende Gewalt üben sollte. Von da an stieg Virginien wieder im Wohlstande. Nach der Revolution im Mutterlande, welcheden König Karl I. das Lebenkostete, 1649, blieben die beiden Colonien Virginien u. Maryland der[53] königlichen Sache treu, u. erst nachdem Cromwell 1652 ein Geschwader unter George Ayscue abschickte, unterwarf sich Virginien der republikanischen Regierung; es behielt seine Grenzen, aber die Colonisten wurden entwaffnet u. mußten die Liturgie der Anglicanischen Kirche aufgeben. Auch Maryland ergab sich nun der Republik, weil aber hier innere Parteistreitigkeiten es zu keiner Ruhe kommen ließen, so nahm der Protector 1654 dem Lord Baltimore das Eigenthumsrecht, ließ aber den Colonisten ihre Verfassung. In Folge des Navigationsgesetzes von 1651 waren die Colonien dem Mutterlande mit ihrem Handel ganz preisgegeben u. sie wurden so gedrückt, daß sie 1659 sich gegen die republikanische Regierung empörten u. Berkeley als ihren Gouverneur annahmen. In Folge der Restauration der Stuarts im Mutterlande 1660 erhielt Baltimore sein Erbeigenthum Maryland wieder; von Virginien aber gab der König Karl II. 36. bis 34.° nördl. Br. nebst dem früher von Spaniern u. von Franzosen besetzten u. Carolina genannten südlichen Strich bis zum 31.° dem Grafen Clarendon u. sieben anderen Engländern als Eigenthum zur Gründung einer neuen Colonie. Diese Gründung geschah 1669, u. die Colonie erhielt eine große Bevölkerung von Katholiken u. Puritanern aus Virginien, Massachusetts u. Barbadoes. Die von Locke auf des Grafen Shaftesbury Aufforderung entworfene u. 1670 eingeführte ideale Verfassung wurde nach mehren Veränderungen 1693 als unpraktisch wieder aufgehoben. Den größten Schaden that der Colonie die Navigationsacte (s.d.), nach welcher alle exportirten Colonialwaaren vor der Versendung erst nach englischen Häfen geführt u. alle in die Colonien importirte Waaren aus englischen Häfen kommen mußten. Die Unzufriedenheit darüber machte sich 1675 in dem in Virginien unter Bacon ausbrechenden blutigen Aufstande Luft, zwar wurde derselbe bezwungen, aber der Widerwille gegen das Mutterland blieb.

Indessen war in Neu-England, dem District der Plymouth Compagnie, die Einführung europäischer Cultur Anfangs an Geldmangel u. an den Feindseligkeiten der Eingebornen gescheitert, u. die Compagnie hatte sich seit 1620 auf Pelzhandel u. Fischfang beschränkt. An ihrer Stelle gründete Jakob I. 3. November 1620 eine neue Compagnie (Rath für die Angelegenheiten Neu-Eugands) u. fügte zu dem alten Besitzthum noch das Land vom 46.–48.° Ende 1620 kam eine Colonie Puritaner, welche 1610 aus England nach den Niederlanden ausgewandert waren u. nun nach Amerika übersiedeln wollten, nach dem jetzigen Massachusetts, gründete dort New Plymouth u. erhielt von der Compagnie ihre Besitzungen bestätigt. Eine andere Colonie von Puritanern gründete 1626 Salem u. erhielt 1628 von dem König einen Freibrief mit Gewährung derselben Rechte, ausgenommen die Religionsfreiheit. In Folge der Politischen Zerwürfnisse im Mutterlande kamen zahlreiche Puritaner u. politisch Unzufriedne in die Colonie u. damals wurde Boston gegründet. Nachdem die Colonie ihr Abhängigkeitsverhältniß zu der Compagnie gelöst hatte, trat 1634 der erste Colonialcongreß zusammen, welcher mit dem königlichen Gouverneur die gesetzgebende Gewalt hatte u. Steuern ausschrieb. Die Compagnie selbst gab 1635 den königlichen Freibrief zurück u. veräußerte ihren Privatbesitz; dieser Privatbesitz von Mitgliedern der Compagnie zeichnete sich dadurch aus, daß er in keinem Lehnsverhältniß stand, sondern ganz frei war. Von der Colonie Massachusetts aus gingen, meist in Folge theologischer Streitigkeiten, mehre andre Ansiedelungen, so wurde 1635 unter dem Prediger Roger Williams die Colonie Providence, 1636 unter dem Prediger Hooker die Städte Hartfield, Springfield u. Weatherfield am Connecticut, 1638 unter der Schwärmerin Hutchinson die Colonie auf Rhode Island gegründet, welche 1644 mit Providence vereinigt wurde u. 1647 eine gemeinschaftliche Constitution bekam. Obgleich Karl I. die Auswanderung nach Amerika seit 1637 verbot, so gingen doch 1638 wieder an 3000 Puritaner dahin u. legten die Colonie New Haven an, welche sich 1665 mit Connecticut vereinigte. Damals bildeten sich auch die Districte Maine u. New Hampshire durch Länderverkäufe der Compagnie, u. ihre Besitzer, Ferdinand Georges u. John Mason, erhielten Freibriefe, aber 1641 u. 1652 verloren beide Gebiete ihre Selbständigkeit. Da im Mutterlande durch den Sieg der Revolution die Puritaner obenaufkamen, wanderten deshalb viele Royalisten von dort nach den südlichen Colonien Nordamerikas aus; dagegen blieben die Puritaner nun in England, u. die 21,000 Ew. zählenden nördlichen Colonien Massachusetts, New Plymouth, New Haven u. Connecticut blieben nun auf sich beschränkt, schlossen aber ein Bündniß unter dem Namen Vereinigte Colonien von Neu-England; zum Schutz gegen die Niederländer am Hudson, die Franzosen in Canada u. die Indianer hielten sie eine Miliz u. prägten seit 1652 sogar Münzen, mußten aber einen Gouverneur vom Mutterlande annehmen. Die Navigationsacke betraf diese Colonien weniger, da sie vorzugsweise Ackerbau trieben. Nach der Restauration der Stuarts im Mutterlande, 1660, unterwarfen sich Rhode Island, Maine u. New Hampshire sogleich der königlichen Auctorität, Massachusetts erstnach längerem Zögern; 1667 trat Maine unter den Schutz von Massachusetts, der mächtigsten Colonie, deren Einwohnerzahl sich 1672 auf 30,000 Seelen belief. In diesen Colonien entfaltete sich eine gedeihliche Blüthe, es herrschte ein ernster, sittlicher Geist, ein thätiges u. ordentliches Leben u. das Unterrichtswesen, selbst in den höhern Wissenschaften, wurde bestens gepflegt. Das englische Ministerium Cabal suchte das immer mächtiger werdende Massachusetts durch Trennung der Colonien Maine u. New Hampshire zu schwächen, allein 1677 brachte Massachusetts erstere durch Kauf von ihren Erbeigenthümern an sich, letztere aber erklärte Karl II. 1679 zu einer königlichen Provinz, u. selbst Massachusetts wurde durch den Gouverneur Gandolph so zur Unzufriedenheit gereizt, daß es 1684 seinen Freibrief verlor u. in große Mißordnung verfiel.

Außer den Briten hatten sich auch andere europäische Nationen in Nordamerika angesiedelt; so hatte Henry Hudson 1609 für die Regierung der Niederlandeden Hudson untersucht u. das anstoßende Land von den Indianern gekauft; die niederländische Regierung nannte das Gebiet Neu-Niederland, legte 1614 auf der Insel Manhattan den Grund zu dem nachmaligen New York u. errichtete auch an der Küste mehre Niederlassungen für Pelzhandel. Ferner 1628 kaufte eine schwedische Handelsgesellschaft das Land an der Küste vom Delaware bis zur Insel Long [54] Island u. nannte es Neu-Schweden. Deren Besitzungen rissen aber 1655 die Niederländer an sich. In Folge des Krieges zwischen England u. den Niederlanden, 1664, traf die Holländer gleiches Loos, indem ihnen die Engländer ihre dortigen Besitzungen nahmen, welche auch im Frieden zu Breda 1667 den Engländern verblieben. Der König Karl II. schenkte nun jenes Land seinem Bruder, dem Herzog von York, welcher es nach sich New York nannte u. dann den Küstenstrich zwischen dem Delaware u. Hudson, mit Vorbehalt der Oberlehnsherrlichkeit, an die Engländer Berkeley u. Carteret verkaufte, welche diesem ihrem Eigenthum den Namen New Jersey u. alsbald eine Verfassung gaben. Anfangs zog die schöne Lage, die günstige Handelsgelegenheit mit den Franzosen in Canada u. mit den Indianern, so wie die geringen Steuern viele Auswanderer nach New York; aber bald wurden die Verhältnisse drückender, namentlich seit 1674, wo New York nach kurzer Besatzung durch die Niederländer wieder an die Engländer gekommen u. dem Herzog von York der Besitztitel des Landes vom König bestätigt worden war. Der herzogliche Gouverneur, Edmund Androß, legte schwere Steuern auf u. führte ein strenges Regiment; aber unter dessen Nachfolger, Dongan, erhielt New York 1683 eine Verfassung, worin der Colonie das Recht der Selbstverwaltung in republikanischer Form unter einem Gouverneur, der Steuerbewilligung u. Religionsfreiheit verstattet war. Um die Colonie im Rücken gegen die Franzosen zu decken, schloß Dongan 1684 den Irokesenbund, ein Bündniß mit den fünf Indianernationen zwischen den Quellen des Ohio u. dem Erie- u. Champlainsee. 1682 gründete der Quäker William Penn in dem Lande zwischen Maryland u. New York die Colonie Pennsylvanien u. führte eine auf religiöse u. bürgerliche Freiheit gegründete Verfassung ein. Die Colonie erkannte die Oberlehnsherrlichkeit des Königs an u. lieferte jährlich als Zins zwei Bären. Als Colonialstadt wurde Philadelphia gegründet, u. die Colonie wuchs so rasch, daß sie schon im dritten Jahre der Gründung 20 Ortschaften zählte. Da der Herzog von York als Jakob II. 1685 König wurde, drohte den Colonien ein schweres Geschick; er schickte den Gouverneur Androß unliebsamen Andenkens wieder nach Amerika, erklärte Massachusetts u. New York als königliche Provinzen, nöthigte die Ländereibesitzer ihr Eigenthum um hohen Preis nochmals zu kaufen, legte hohe Steuern auf u. nahm den Gebieten Connecticut u. Rhode Island ihre Verfassungen. Daher war auch alle Sympathie für Jakob II. in den Colonien geschwunden, als derselbe 1689 entthront wurde, u. die Colonien erkannten alsbald den König Wilhelm III. an, welcher die Beschränkungen wieder aufhob, die unter Karl II. u. Jakob II. über sie verhängt worden waren. Sie kamen dadurch bald wieder zur Blüthe u. konnten leicht den Kampf aufnehmen, welchen sie mit den Franzosen in Amerika, Jakobs Freunden, zu bestehen hatten, freilich wurden ihre Finanzkräfte auch so erschöpft, daß Massachusetts Papiergeld ausgeben mußte. Da New York sehr gelitten hatte, so schloß es in dem nun folgenden Spanischen Erbfolgekrieg 1702 mit Frankreich einen Neutralitätsvertrag, dem sich New Jersey anschloß, weshalb die ganze Kriegslast auf Massachusetts fiel. Im Jahre 1701 hatte sich in dem nördlichen Theile Delaware von Pennsylvanien getrennt u. war als selbständige Colonie eingetreten.

Auch in den südlichen Colonien wüthete der Krieg zwischen Carolina u. den Spaniern von Florida, welchem aber der Utrechter Friede 1713 ein Ende machte. Carolina hatte in diesem Kriege so gelitten, daß die Erbeigenthümer 1715 ihre Rechte an den König abtraten, welcher die Colonie nun zu einer königlichen Provinz erklärte, worauf dieselbe 1729 in Nord Carolina u. Süd Carolina getheilt wurde. Südlich von Carolina gründete 1732 Oglethorpe zwischen den Flüssen Savannah u. Altamaha die Colonie Georgien, Anfangs mit armen Irländern u. Engländern, dann aber wanderten auch vertriebene Protestanten aus Salzburg, Schweizer u. schottische Hochländer ein, wodurch die Colonie bald zur Blüthe kam, so daß Oglethorpe in dem Kriege zwischen England u. Spanien, 1742, die in Georgien eindringenden Spanier zurückschlagen konnte. Auch die nördlichen Colonien geriethen 1744 in Krieg mit den Franzosen; Connecticut, Massachusetts u. New Hampshire entsendete ein Heer unter Pepperell, welches die französische Veste Louisburg wegnahm u. die Forts an der canadischen Grenze bedrohte; zwar schickte Frankreich 1747 eine Kriegsflotte unter dem Herzog d' Anville, dieselbe wurde aber von Stürmen zerstreut. Im Frieden von Aachen 1748 mußte Louisburg an die Franzosen zurückgegeben werden, aber die Bestimmung der Grenzenach Canada hin blieb schwebend 1749 wurde das Gebiet von Ohio, welches die Franzosen beanspruchten, von den Engländern in Besitz genommen u. an eine Handelscompagnie gegeben. Um die Colonien für die Anstrengungen zuentschädigen, welche sie im Interesse des Mutterlandes gemacht hatten, erhielten sie vom Parlament Unterstützungen, wovon Massachusetts die Einziehung seines über 2 Mill. Pf. St. belaufenden, aber im Werth ungeheuer gefallenen Papiergeldes begann; da die südlichen Colonien dies nicht thaten, so stürzten sie sich in große Finanzverlegenheiten. 1752 wurde Georgien zur königlichen Provinz erklärt, um die südlichen Grenzen besser zu schützen. Beim Wiederausbrechen des Krieges gegen die Franzosen an der Grenze von Canada traten die Colonien, mit Ausnahme der drei südlichsten, 1754 zu einem Generalcongreß zusammen, auf welchem als Mittel zum Schutz der Interessen der Colonien gegen Frankreich beschlossen wurde, der Krone gegenüber den Wunsch auszusprechen, daß die amerikanischen Provinzen Abgeordnete in das Parlament nach London schicken dürften, od. daß eine Zusammenkunft der Provinzialdeputirten unter dem Präsidium eines von der Krone ernannten außerordentlichen Generalstatthalters gestattet würde. Doch lehnte das Ministerium dies ab, schickte aber 1755 ein Hülfsheer unter General Braddock, mit welchem vereinigt die Colonien einen Zug gegen die canadischen Grenzfestungen unternahmen; dieser aber mißlang, u. auch die Anstrengungen, welche Massachusetts u. New York 1756 machten, führten, bei der Unentschlossenheit der englischen Führer Abercrombie u. London, zu keinen Resultaten. Erst 1758 nahm der Krieg eine günstige Wendung; Pitt hatte Hülfe zu Land u. zur See geschickt, u. nun begann sofort die Belagerung von Louisbourg, welches sich am 26. Juli ergeben mußte; nachdem noch die Forts u. Plätze Frontenac u. 1759 Ticonderoga, Crownpoint[55] u. Niagara genommen waren, war die französische Macht in Amerika gebrochen; Wolf, Amhorst u. Murray drangen nun sogar in Canada selbst ein u. vollendeten die Eroberung des Landes 1760 mit der Einnahme von Quebec u. Montreal s.u. Canada (Gesch.). Im Pariser Frieden 10. Febr. 1763 erhielt England von Frankreich Acadien, Canada u. Cap Breton abgetreten; als Grenze zwischen den den Franzosen bleibenden u. englischen Besitzungen wurde der Thalweg des Mississippi festgestellt, u. von Spanien erhielt England Florida u. die bisher spanischen Besitzungen im Osten des Mississippi.

Die Colonien hatten von diesen Vortheilen des Mutterlandes auch großen Gewinn, denn nicht allein waren ihre Grenzen gegen die Angriffe der europäischen Nachbarn gesichert u. ihnen ein großes Handelsgebiet zu Wasser u. zu Lande geöffnet, sondern auch der Möglichkeit der Vergrößerung ihrer Gebiete nach Westen stand kein Hnderniß mehr im Wege. Die Colonien zählten jetzt an 1,300,000 Seelen, von denen eine halbe Million auf Neu-England kamen, von der Bevölkerung der südlichen Colonien aber waren die Zahl der Sklaven der der freien fast gleich; die Industrie anlangend, so beschränkte sich dieselbe auf die gewöhnlichen Gewerbe u. wurde durch hemmende Bestimmungen des Mutterlandes niedergehalten; es durften nur Rohproducteaus den Colonien geliefert, aber keine Wollen-, Eisen- u. Stahlwaaren fabricirt werden; der Handel war sehr beschränkt, Tabak, Reis, Getreide durften nicht direct nach Holland, sondern mußten erst nach englischen Häfen geschickt werden, nichtenglische Kaufleute durften in den Colonien keine Geschäfte machen, selbst die Colonien unter einander konnten nur durch englische Zwischenhändler Handel treiben. Die Absicht Englands war dabei, die Colonien sollten möglicher Weise alle ihre Producte an englische Handelsleute verkaufen u. ihre Bedürfnisse von England beziehen. Wie der Binnenhandel war auch die Schifffahrt gehemmt, wozu das Parlament in den Jahren 1688–1775 29 Acte erließ. In den Familien herrschte Fleiß u. Wohlstand; in politischer Beziehung waren die Colonisten demokratisch gesinnt, u. das Bewußtsein, daß sie in dem Kriege gegen den Feind hatten siegen helfen, hatte ihr Selbstgefühl gestärkt. Als daher das Gerücht erscholl, daß das Ministerium in London mit dem Plane umgehe, zur Erleichterung der Schuldenlast des Mutterlandes, die Colonien mit einer Steuerbelegung zu bedenken, u. dies Gerücht sich durch die Parlamentserklärung im März 1764 bewahrheitete, so kamen die Colonisten in große Aufregung. Nicht daß sie zu den Steuern beitragen sollten, verletzte sie so sehr, als der ausgesprochene Grundsatz, daß das Parlament das Recht dieser Auflage habe, auch ohne die Colonialcongresse zu hören.

Als nun die Grenville-Acte 1764 die Einführung von fremdem Zucker, Kasse, Indigo, Wein u. ostindischen Seidenstoffen in die Colonien mit einem Einfuhrzoll belegte u. durch die Stempelacte vom 22. März 1765 das Stempelpapier eingeführt u. zugleich den Colonien die Verpflichtung aufgelegt wurde, den königlichen Soldaten Quartier u. Naturallieferung zu gewähren: widersetzten sich die Amerikaner, weil sie beim Votiren dieser Bills nicht vertreten gewesen u. nicht gehört u. dadurch ihrer Rechte als freie Engländer beraubt worden wären, u. im October 1765 traten die Colonialcongresse von Massachusetts, Rhode Island, Connecticut, New Jersey, Pennsylvanien, Maryland u. Süd Carolina zusammen, erklärten die beiden Acte für rechtswidrig u. beschlossen eine Beschwerde an das Parlament. Zugleich bildeten sich Vereine aller Art: gegen den Ankauf englischer Waaren u. zur Schlichtung ihrer Händel vor Schiedsrichtern, um die Taxe für das Stempelpapier zu umgehen; auch solche politischer Natur (Söhne der Freiheit) tauchten damals schon auf. Die Stempelacte wurde 1766 von dem Parlament zwar wieder aufgehoben, aber die andere Bill blieb gültig, u. zugleich beharrte das Parlament bei der Behauptung, daß es das Recht habe, den Colonien Steuern aufzulegen. Dazu kam 1767 Townshends Zollacte, welche Glas, Malerfarbe, Papier u. Thee mit Zoll belegte. Die Aufregung darüber wurde durch Dickingssons Volksschriften unterhalten. Überall fand die Zollacte Widerspruch, u. der Schleichhandel hemmte ihre Wirksamkeit; welche Mittel auch das Ministerium ergriff, um den Widerstand der Colonien zu brechen, wie gering auch die Steuertaxe auf den Thee war, es war Alles vergebens, da es sich für die Colonie um das Princip handelte. Nachdem Benjamin Franklin den Briefwechsel des Statthalters Hutchinsons mit dem Obersten Olivier bekannt gemacht u. dadurch die Absicht des Parlaments, die Verfassung von Massachusetts zu ändern, offenbart hatte, kam in dieser Provinz der Unwille des Volks zum Ausbruch. Eine Ladung von 342 Kisten Thee, welche nach der Theeacte Lord Norths vom Febr. 1770 verzollt werden sollte, wurde den 18. Dec. 1773 zu Boston ins Meer geworfen. Zur Bestrafung dieses Aufstands sperrte England den 1. Juli 1774 den Hafen zu Boston u. erklärte die Rechte der Colonie für aufgehoben. Abgeordnete von zwölf Provinzen (Massachusetts, New York, Rhode Island, New Hampshire, Pennsylvanien, Maryland, Virginien, Nord Carolina, Connecticut, Georgien, New Jersey u. Delaware) eröffneten den 1. Sept. 1774 zu Philadelphia einen Nationalcongreß, um Maßregeln gegen die Willkür des Mutterlandes zu ergreifen. 1775 trat auch Süd Carolina dem Congreß bei. Eine Adresse an den König zur Betheuerung der Anhänglichkeit an ihn u. eine Bittschrift an das Parlament wegen der Aufrechthaltung der Rechte der Colonien wurde abgesendet, zugleich aber auch bestimmt, daß mit dem 1. Dec. 1774 die Einfuhr von Industrieerzeugnissen aus englischen u. englisch-westindischen Häfen, so wie mit 10. Sept. 1775 die Ausfuhr aus den Colonien nach England aufhören sollte. Der General Gage, welcher mit 4 Regimentern die Maßregeln gegen Boston vollzog, hatte auch den Auftrag, eine neue Regierungsform in Massachusetts einzuführen. Jetzt rüstete man sich in den Colonien zum Kriege, es wurden Pulvermühlen angelegt, Waffen angeschafft, in Massachusetts ein Sicherheitsausschuß eingesetzt, ein Heer von 12,000 Mann aufgestellt u. in Concord Kriegsvorräthe angesammelt. Nach solchen Vorgängen erhielt Gage zu Anfang 1775 vom Mutterlande aus den Befehl die Waffen gegen die Colonien zu gebrauchen. Gegen das Verbot des General Gage hatte sich am 24. März 1775 der Provinzialcongreß von Neu-England in Concord versammelt. Um diesen Congreß aufzuheben u. die dortigen Magazine zu zerstören, entsandte Gage am 18. April 1800 Mann von Boston aus. Der Congreß[56] war auseinander gegangen, die Vorräthe wurden vernichtet u. mehre von den Milizen getödtet, aber plötzlich sahen sich die Briten in Concord von den Milizen angegriffen u. zum Rückzug genöthigt. Zwischen Concord u. Boston kam es bei dem Dorfe Lexington zu einem Gefecht, u. nur durch die Hülfe einer Brigade unter Lord Percy gelang es den Briten, nach großem Verluste, Boston zu erreichen.

Mit diesem Gefecht begann der Nordamerikanische Freiheitskrieg. Allenthalben rüstete man, u. bald wurde Boston von 20,000 M. blockirt. Im Mai nahm der amerikanische Oberst Arnold die Forts Ticonderoga u. Crownpoint an der canadischen Grenze, wodurch die Amerikaner den Schlüssel zu Canada in die Hände bekamen. Der seit 10. Mai in Philadelphia versammelte Congreß creirte 3 Millionen Dollars Papiergeld zu Ausrüstung eines Heeres u. wählte am 15. Juni Washington zum Oberfeldherrn der nordamerikanischen Kriegsmacht u. gab ihm als Untergenerale Putnam, Ward u. Schuyler bei. Noch einmal hatte auch der Congreß eine Adresse an den König gerichtet u. um Gewährung ihrer Rechte gebeten, war aber abfällig beschieden worden. Die. Amerikaner besetzten nun 16. Juni die auf der Halbinsel Charlestown gelegene Anhöhe Bunkerhill, von welcher aus Boston bestrichen werden konnte. Die Briten, welchen schon im Mai Verstärkungen unter den Generalen Bourgoyne, Clinton u. Howe zugeführt worden waren, steckten den 17. Juni die Stadt Charlestown in Brand u. lieferten den Amerikanern das Gefecht von Bunkerhill, um dieselben von dort zu vertreiben. Anfangs wurde General Howe, welcher mit 2000 Mann den ersten Angriff machte, zurückgeschlagen, aber da frische Truppen anrückten, wurden die Amerikaner genöthigt, die Höhen zu verlassen, ohne deshalb die Belagerung von Boston aufzuheben. Alle streitbare Männern. Jünglinge wurden nun zur Vertheidigung aufgerufen; die königlichen Statthalter von Virginien, Nord u. Süd Carolina wurden verjagt; in anderen Provinzen entwaffnete man die königlich Gesinnten; die Küsten der Carolinas wurden durch aufgeworfene Schanzen gegen die Angriffe der Briten geschützt u. die Miliz dieser Staaten durch den General Lee, der aus englischen Diensten in amerikanische übergetreten war, geführt. Seitdem Washington die Leitung der Kriegsangelegenheiten übernommen hatte, wurden die Briten in Boston härter bedrängt. Gage hatte daselbst am 10. Oct. den Oberbefehl an Howe abgetreten, u. dieser am 17. März 1776 die Stadt mit allen Vorräthen den Amerikanern überlassen u. sich nach Halifax zurückgezogen. Unterdessen war ein anderes Corps der Amerikaner unter Montgomery von New York aus in Canada eingedrungen u. hatte mehre Forts an der Grenze u. 12. Nov. Montreal erobert. Eine andere Schaar, unter Arnold aus New Hampshire kommend, vereinigte sich mit ihm, u. nun griff er Quebek an, fiel aber beim Sturm auf diese Stadt den 31. Dec. 1775, u. die Amerikaner mußten Canada im Frühjahre 1776 wieder räumen u. zogen sich auf Fort Crownpoint zurück.

In England waren indessen die Rüstungen vollendet worden, u. 1776 wurden 55,000 Mann, unter denen sich 16,000 Deutsche (Hessen, Braunschweiger, Waldecker, Anhaltiner etc.) befanden, nach Amerika eingeschifft. Die englische Flotte commandirte Admiral Howe. Die Briten, welche erst im Frühling u. Sommer ankamen, griffen die Amerikaner, welche inzwischen Zeit gehabt hatten sich zu rüsten, an drei Punkten an, u. zwar sollte General Clinton die südlichen Colonien erobern u. Bourgoyne Canada reinigen, während General Howe mit der 30,000 Mann starken Hauptarmee, bei der 12,000 Hessen waren, New York besetzen u. von dort aus Bourgoyne in Canada unterstützen od. sich in Pennsylvanien ausbreiten sollte. Im Congreß dagegen erklärten am 4. Juli 1776 die sieben Staaten (Massachusetts, New Hampshire, Rhode Island, Connecticut, Pennsylvanien, Virginien u. Süd Carolina) ihre Unabhängigkeit von England; in Kurzem traten die 6 andern Staaten dieser Erklärung bei, u. am 4. Oct. 1776 erfolgte die eigentliche Stiftung des Staatenbundes. Inzwischen setzten sich schon Anfangs Juni die Briten Clinton u. Cornwallis gegen Charleston in Marsch, während eine britische Flotille sie zu Wasser unterstützen sollte, aber die Amerikaner unter General Lee leistete den Engländern einen so geschickten Widerstand, daß dieselben, überall zurückgeschlagen, unverrichteter Dinge nach New York zurückkehren mußten. Bessern Erfolg hatte die Expedition des General Bourgoyne nach Canada; das Corps des amerikanischen General Gates wich überall vor den Briten bis an den See Champlain zurück, auf welchem die Amerikaner eine bewaffnete Flotille hatten, welche die Communication zwischen dem Lorenz- u. Hudsonsflusse unterhielt. Um Albany zu erreichen u. sich, wie der Plan war, mit dem General Howe wieder zu vereinigen, mußte Bourgoyne die Flotille zerstören u. die Forts Ticonderoga u. Crownpoint erobern, u. um ersteres zu bemöglichen, eine Flotte bauen. Im Oct. war diese vollendet, die Flotille der Amerikaner wurde zerstört u. auch das Fort Crownpoint erobert, da jedoch das Fort Ticonderoga im Besitz der Amerikaner blieb, so konnte Bourgoyne nicht nach Albany vordringen, sondern mußte Winterquartiere beziehen. Die Hauptarmee unter Howe verließ am 10. Juni Halifax u. besetzte die Staateninsel, von wo aus Howe mit Washington vergebens zu unterhandeln versuchte. Am 22. Aug. landete er auf Long Island u. schlug am 26. ein amerikanisches Corps unter Sullivan bei Brookland (Flatbush). Die Folge dieses Siegs war die Besetzung von New York durch die Engländer, u. bald darauf sah sich Washington genöthigt seine feste Stellung bei White Plains aufzugeben u. sich in die nördlichen Gebirge zurückzuziehen. Bis im Nov. 1776 hielt sich Washington, jedes größere Gefecht vermeidend, in seiner neuen Stellung, aber als die Dienstzeit des größten Theils der Milizen zu Ende ging u. diese ihn verließen, sah er sich genöthigt, über den Delaware zurückzugehen. Dieses Unglück hatte zum Theil seinen Grund in dem Mangel an Autorität des Obergenerals, daher wurde von dem Congreß, welcher seit December zeitweilig nach Baltimore verlegt worden war, Washington die Dictatur übertragen mit der Macht die Kriegsbedürfnisse als Contribution aufzubringen. Die Briten besetzten hierauf ganz Rhode Island u. eroberten am 18. Dec. New Port, wodurch ihre Flotte einen trefflichen Hafen zum Überwintern erhielt. Während Howe hier unthätig stehen blieb, konnte Washington sein aufgelöstes Heer wieder sammeln u. war, durch Freiwillige aus Pennsylvanien u. New Jersey verstärkt,[57] bald in den Stand gesetzt wieder vorzurücken. Am 25. Dec. 1776 durchbrach er bei Trenton die englischen Linien, nahm 1000 Mann Hessen gefangen u. schlug am 3. Jan. 1777 Cornwallis bei Princeton. Der englische General Prescoc wurde von dem. Obristlieutenant Barton aufgehoben, u. so war schon zu Anfang des Jahres 1777 die britische Armee aus den meisten Posten von New Jersey wieder vertrieben u. das Vertrauen der Nordamerikaner wieder hergestellt. Dieses wuchs noch, als im Frühjahr 1777 mehre Europäer von Auszeichnung, als Lafayette, Kosciuszko, Duplessis, Pulawski u. And., nach Amerika kamen, um als Freiwillige für die Vereinigten Staaten zu fechten. Howe wollte im Juni 1777 Philadelphia zur See angreifen, konnte aber in den Delawarestrom, welchen die Amerikaner gesperrt hatten, nicht einlaufen u. segelte deshalb südwärts, landete in der Chesapeakbai u. wendete sich von dort nordwärts nach Philadelphia. Am 11. Sept. traf er bei dem Brandywinefluß auf Washington, dessen Armee, obgleich zahlreich verstärkt, geschlagen wurde, worauf die Briten am 26. Septbr. Philadelphia besetzten, von wo sich der Congreß am 25. nach Lancaster geflüchtet hatte. Am 4. Octbr. 1777 siegte Howe abermals über Washington bei Germantown u. eroberte dann im November einige zur Beschützung des Hafens der Chesapeakbai von den Amerikanern angelegten Forts, verfiel aber hierauf wieder in die alte Unthätigkeit. Entschiedenes Unglück hatte dagegen während der Zeit die englische Armee in Canada gehabt, mit welcher General Bourgoyne bis Albany vordringen sollte, um sich mit den Briten in New York zu vereinigen. Am 20. Juni 1777 brach sie; etwa 7200 Mann stark, von Crownpoint auf u. wendete sich gegen Ticonderoga. Die Amerikaner zogen sich von dort an den Hudsonsfluß zurück, wo sich die Milizen von Vermont, New Hampshire u. Connecticut unter den Generalen Gates, Arnold u. Putnam vereinigten. Bourgoyne folgte ihnen bis Fort Edward, 7 deutsche Meilen von Albany, wo ihn Mangel an Lebensmitteln aufhielt; 500 Mann, welche er abschickte, um ein amerikanisches Magazin in Bennigton wegzunehmen, wurden gefangen; ein anderes, diesem zu Hülfe rückendes Detachement ebenfalls. Als Bourgoyne Lebensmittel erhalten hatte, brach er nach Albany auf, aber am 13. Oct. 1777 wurde er an den Brämushöhen bei Saratoga, 5 Meilen von Albany, geschlagen u. wollte sich gegen Fort Edward zurückziehen, aber der Hudsonsfluß, über welchen er gehen mußte, war von den Amerikanern besetzt; bald sah er sich eingeschlossen u. mußte sich am 17. Octbr. mit seinem, bis auf 3500 Mann geschmolzenen Corps an Gates ergeben. Howe trat hierauf im Mai 1778 den Oberbefehl an General Clinton ab.

Der Sieg bei Saratoga brachte den Nordamerikanern wichtige Bundesgenossen. Frankreich betrachtete nämlich den Aufstand Nordamerikas als eine günstige Gelegenheit, Großbritannien zu schwächen, u. schloß am 6. Febr. 1778 in Versailles mit Franklin im Namen der Staaten ein Handels- u. Vertheidigungsbündniß, in welchem sich die Staaten verpflichteten, ohne Frankreichs Vorwissen u. ohne Anerkennung ihrer Unabhängigkeit keinen Frieden mit England zu schließen. Darauf kündigte Frankreich den Krieg an England an u. rüstete zwei Flotten aus, eine kleinere in Toulon, welche am 13. April 1778 unter dem Grafen d'Estaing nach Amerika abging, u. eine größere in Brest unter Graf d' Orbilliers, welche am 6. Juni 1778 eine Seeschlacht auf der Höhe von Ouessant mit dem Admiral Keppel lieferte u. dann zur Ausbesserung nach Brest zurückkehrte. Durch Frankreich wurden mehre Mächte gegen Großbritannien gewaffnet, als: Spanien, Hyder Ali, die Maharatten u. endlich die Niederlande, welche letztere an Großbritannien am 30. Decbr. 1780 den Krieg erklärten. Gleich nach dem Abschluß des Bündnisses zwischen Amerika u. Frankreich machte das englische Ministerium dem Congreß Friedensvorschläge u. schickte Commissarien nach Philadelphia, welche am 8. Juni 1778 dort landeten. Bereits früher hatte General Clinton auf Waffenstillstand angetragen, aber am 22. April 1778, noch bevor die Nachricht von dem Bündniß mit Frankreich in Nordamerika anlangte, hatte der Congreß diese Vorschläge verworfen, u. die britischen Friedenscommissäre erhielten nun, als sie im Juni die Anträge erneuerten u. Unterhandlungen anfangen wollten, ebenfalls eine abschlägige Antwort. Clinton hatte nach der Kriegserklärung einen Theil seiner Truppen nach Westindien schicken müssen u. räumte, sich zu schwach fühlend, am 18. Juni 1778 Philadelphia (wohin der Congreß zurückkehrte) u. ging über den Delaware nach New York zurück. Vergebens suchte Washington, welcher den Winter in einer Wildniß bei Valley-Forge zugebracht hatte u. nun wieder auf dem Kampfplatze erschienen war, den Engländern den Weg zu verlegen, indem dieselben in der Nacht zum 29. Juni, nach einem blutigen Gefecht bei Monmouth, sich ihm durch einen geschickten Rückzug entzogen u. Sandy-Hook glücklich erreichten. Zu derselben Zeit war die französische Flotte bei Sandy-Hook erschienen u. hatte dort die britische Flotte unter Admiral Howe blockirt, sich aber von dort, auf Washingtons Betrieb, nach New Haven begeben u. einen Versuch auf Rhode Island gemacht, welches seit 1776 in britischen Händen war. Admiral Howe folgte ihr dahin nach, aber ein Sturm zwang die Briten zur Rückkehr nach New York, die Franzosen nach Boston. Zugleich war der amerikanische General Sullivan zur Eroberung von Rhode Island aufgebrochen, mußte sich aber Ende Augusts wieder zurückziehen. Der britische General Campbell ging inzwischen nach Georgien, eroberte Savannah u. drang nach Süd Carolina vor; der gegen ihn gesandte General Lincoln konnte nur Charleston retten.

Darauf erweiterte sich der Kriegsschauplatz, denn schon im November 1778 segelte d'Estaing mit der französischen Flotte nach Westindien, wo der französische General Bouillic am 7. Sept. Dominique erobert hatte. Der britische Commodore Hotham aber folgte u. bemächtigte sich am 30. Dec. St. Lucie's. 1779 eroberte d'Estaing nach Byrons Entfernung am 16. Juni die Insel St. Vincent, am 3. u. 4. Juli Grenada. Byron, welcher diese Inseln zurückerobern wollte, verlor am 6. Juli eine Seeschlacht. Die fra