Französische Literatur

[613] Französische Literatur. Obgleich auch die F. L. dem allgemein gültigen Gesetze, daß die Literatur eines Volkes nur das geistig durch Rede u. Schrift objectirte Nationalbewußtsein modificirt durch den Zeitgeist, also das Ergebniß des Nationalcharakters u. des Zeitgeistes sein muß, nicht entgehen konnte, so ist sie doch, vermöge der Beweglichkeit, mit der sie die allgemeinen Elemente der neueren abendländischen Literaturen überhaupt aufzunehmen u. am abstractesten auszuprägen wußte, gewissermaßen zur Weltliteratur geworden. Eben als Ausdruck des Nationalcharakters kann die F. L. erst zu der Zeit beginnen, wo sich aus den verschiedenen Völkerelementen, welche die Bevölkerung Galliens nach dem Sturze des Weströmischen Reiches bildeten, ein neues Volk, das französische, entwickelt hatte. Ihre Anfänge fallen daher in die Zeit der Karolinger, als sich Frankreich von Deutschland getrennt hatte u. jedes der beiden Völker seine eigenen Bahnen einschlug. Die Entwickelung selbst erfolgte in zwei großen Epochen, zwischen denen das Reformationszeitalter liegt, so daß die frühere dem Mittelalter zufällt, die jüngere aber, die man gewöhnlich mit Franz I. beginnt, der neueren Zeit angehört.

Je nach den drei Hauptpotenzen, welche das ganze geistige u. sociale Leben des Mittelalters gestalteten, lassen sich auch drei Entwickelungsphasen der F-n L. vor der Zeit Franz I. unterscheiden, von denen die erste, unter der Herrschaft des Christen- u. Kirchenthums, die Zeit von der Begründung des Französischen Reiches bis zum Anfang des 12. Jahrh. umfaßt; die zweite, die Blüthezeit der eigentlich mittelalterlichen Literatur, das 12. u. 13. Jahrh. begreift u. zugleich die Blüthezeit des Lehn- u. Ritterthums bildet; endlich die dritte, welche vom Ende des 13. bis zum Anfang des 16. Jahrh. reicht, die Zeit der Ausbildung des König- u. Bürgerthums, sowie die Zeit der Gegensätze u. des Überganges von der mittelalterlichen zur modernen Literatur.

I. Erste Periode. Vom Beginn der Französischen Literatur bis zur Zeit Franz I. A) Bis zu Anfang des 12. Jahrh. Nach dem Sturze des Weströmischen Reiches wurde auch in Frankreich das Christen- u. Kirchenthum das mächtigste sociale Bildungsmittel für das neu erstehende Staatsgebäude, sowie das neue Lebensprincip u. die mächtigste geistige Potenz, der sich alles assimiliren u. unterordnen mußte. Daher mußte auch die gesammte Literatur eine religiös-kirchliche Färbung u. Tendenz bekommen, wie denn auch die Theologie alle Wissenschaften zu umfassen suchte u. alle Lehrenden u. Schreibenden dem geistlichen Stande (daher Clercs) angehörten. Zugleich schrieb man bis zum 9. Jahrh. nur lateinisch, in der Sprache der Abendländischen Kirche; doch zeigen sich schon früher Spuren davon, daß sich die romanischen Volksmundarten (s. Romanische Sprachen u. Französische Sprache), sowie die Formen der Volkspoesie von der Lateinischen Sprache u. deren strengen metrischen Gesetzen abzusondern u. zu emancipiren suchten, u. so sich die Keime zu einer selbständigen Nationalsprache u. Nationalliteratur zu bilden begannen. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die das damalige Frankreich bewohnenden Völker, wenn auch keine eigene Literatur, so doch einen Schatz von Sprüchen, Liedern u. Sagen besaßen. Nicht blos die alten celtischen Gallier hatten eine eigene religiös-mystische u. epische Poesie, von welcher sich bei den heutigen Bretonen (s. Bretonische Sprache u. Literatur) noch Reste u. Nachklänge finden, sondern auch eingedrungene germanische Stämme brachten ihre Sagenpoesie in die neue Heimath mit, wo sie sich weiter entwickelte (Siegeslied der Franken unter Chlotar II.). Auch die romanisirten Bewohner Galliens besaßen ihre volksmäßigen Lieder sowohl in der lateinischen Schriftsprache, wie viele Beispiele beweisen, als auch in den gallisch-romanischen Dialekten, wofür wir zwar keine Denkmäler, aber doch beglaubigte hiftorische Zeugnisse besitzen. Für Letzteres spricht auch, daß die im Anfang des 9. Jahrh. bereits vollendete Trennung der beiden romanischen Hauptmundarten Frankreichs, das Provenzalische u. das Nordfranzösische (s. Französische Sprache) nur erst dann überhaupt möglich war, als beide einen charakteristisch verschiedenen Grundton erhalten hatten. Doch konnte in diesem Zeitraume, wo erst die Keime zu beiden Literaturen gelegt wurden, die Grundverschiedenheit noch nicht zur Geltung kommen, namentlich weil sie durch den dominirenden[613] kirchlichen Zeitgeist noch in zu engen Schranken gehalten wurde. Der Stoff war fast nur aus kirchlichen Schriften u. Überlieferungen genommen, die Tendenz eine religiös-paränetische, die Form eine Nachbildung einer volksmäßig-lateinischen Kirchen-poesie; die ersten namentlich bekannt gewordenen Schriftsteller in beiden Mundarten waren Geistliche, die nach lateinischen Vorbildern arbeiteten. Die ältesten Denkmäler in südfranzösischer Sprache sind: Bruchstück eines Lebens des Boëthius, das für den Zweck der Erbauung behandelt u. gegen Ende des 10. Jahrh. verfaßt war; die Legenden vom St. Amantius u. der Sta. Fides von Agen, nach dem Lateinischen, aus dem 11. Jahrh.; halb lateinische, halb romanische Kirchengesänge, wie das Mysterium von den weisen u. thörichten Jungfrauen, die Todtenfeier des St. Stephan aus dem 11. Jahrh.; ferner gehören hierher die moralischen u. religiösen Dichtungen der Waldenser (s.d.) in einem eigenthümlichen (dem piemontesischen) Dialekte, aus dem 12., theilweise vielleicht noch aus dem 11. Jahrh., sowie einzelne kunstmäßge Hymnen, nach Art der lateinischen, aus dem Anfang des 11. Jahrh., in denen sich die Anfänge der Kunstpoesie der Troubadours zeigen. Ebenso bestehen die ersten schriftstellerischen Versuche in nordfranzösischer Mundart in Übertragungen u. Nachbildungen lateinischer Originale fast ausschließlich kirchlich-religiösen Inhalts; dahin gehört die Prosa von der Sta. Eulalia, das älteste rhythmische Denkmal im nordfranzösischen Romanzo aus dem 9. Jahrh. (herausgeg. von Hoffmann von Fallersleben u. Willems in deren Elnonensia, 2 Aufl., Gent 1845); die Paraphrasen von den Büchern der Könige u. der Makkabäer, aus dem 12. Jahrh., in Prosa aber mit versificirten Stellen untermischt, welche nebst einem Bruchstück einer Moralität über Hiob u. der Übersetzung mehrerer Predigten des St. Bernhard, aus dem 12. Jahrh, von Leroux de Lincy, Paris 1841, herausgegeben wurden; Heiligenlegenden, wie La passion de Notre Seigneur u. La vie de St.-Léger, zwei Gedichte des 10. Jahrh., u. La vie de St. Alexis, ein Gedicht des 12. Jahrh. (herausgeg. von Haupt in dessen Zeitschrift, Bd. 5), die in Bezug auf ihre poetische Form ganz volksmäßig sind. Vgl. Diez, Altromanische Sprachdenkmale. Bonn 1846.

B) Der zweite Abschnitt, das 12. u. 13. Jahrh., umfaßt die Blüthezeit der Literatur des französischen Mittelalters. Der Lehnsstaat u. das Ritterthum war mit den Kreuzzügen zu voller Entwickelung gelangt; unter dem Einfluß der feineren höfischen Geselligkeit (Courtoisie), des Frauendienstes (Galanterie), so wie der sich anschließenden Geistlichkeit, erwuchs das ideale Ritterthum (Chevalerie), welches auch der immer mehr sich entwickelnden Nationalliteratur ihren eigenthümlichen Charakter, Tendenz u. Färbung verlieh Obgleich sowohl das südliche, wie das nördliche Frankreich, von demselben Zeitgeiste beeinflußt wurden, u. beide Literaturen ihre formelle Bildung zunächst der mittellateinischen Kirchenpoesie verdankten, so kann doch noch nicht von einer allgemeinen F-n L., sondern nur von zwei selbständig nebeneinander bestehenden Schwesterliteraturen, der nordfranzösischen u. der provenzalischen. die Rede sein. Während sich bei den Provenzalen in Südfrankreich die Nationalliteratur gleich von von herein als Kunstlyrik gestaltete, trat sie in Nordfrankreich, wo die germanischen u. celtischen Elemente eine vollstän dige Romanisirung des Volkes nicht zugelassen hatten, als volksmäßige Epik, epische Geschichtschreibung u. scholastische Didaktik auf. Auch blieb in Nordfrankreich die sich kunstmäßiger gestaltende Poesie stets mit der Volksdichtung, sowie überha haupt mit dem Herzblut des Volkes in innigster Verbindung. Die ersten nordfranzösischen Kunstdichter od. Trouvères (s.d.) waren nicht höfische Minnesänger, wie bei den Provenzalen, sondern ritterliche Meister (Cleres, Maistres), die nicht blos die Liebe, sondern auch die nationale Sage u. Geschichte, die Religion u. Moral in das Bereich ihrer Poesie zogen. Die wichtigsten Denkmäler der nordfranzösischen Epik sind die aus Volksliedern hervorgegangenen Helden- u. Geschlechtssagen (Chansons de geste), halbmythischer Reimchroniken u. abenteuerliche Mären (Lais, Romans, d'aventure).

Die großen nordfranzösischen Nationalepen lassen sich in Bezug auf ihre Form unterscheiden in gesagte u. gesungene (Chansons de geste) u. blos gesagte od. gelesene (Romans, Contes). Dem Stoffe nach gehören sie drei großen Sagenkreisen an, dem fränkisch-karolingischen, dem normannisch-normandischen u. dem bretonisch-normandischen; hierzu treten als vierte Klasse diejenigen Dichtungen, welche antike u. orientalische Stoffe im volksthümlichen Tone u. Colorit behandeln. Als Quellen der fränkisch-karollngischen Epen werden in diesen selbst die im Volke fortlebende Tradition, sowie die von Geistlichen aufgezeichneten Geschichten (Chroniques) genannt; stofflich beruhen sie auf den halbmythischen Stamm- u. Geschlechtssagen (Gesta, daher Chansons de geste) der germanischen Eroberer u. ihrer Nachkommen. Die Umgestaltung der germanischen Helden- u. Geschlechtssagen zu französischen Nationalepen, in denen jedoch noch die Fehden der Kronvasallen untereinander u. mit dem Könige das Hauptthema bilden u. das roh-egoistische Heroenthum vorherrscht, erfolgte zur Zeit der ersten Capetinger; um die Zeit Philipp Augusts u. der ersten Kreuzzüge erhielten sie die Weihe zu christlich-ritterlichen Epen, in denen die Karolinger u. ihre Paladine sich zu Vorkämpfern der Christenheit, gegenüber den Hauptfeinden derselben, den Sarazenen, umgestalteten. In ein drittes Stadium endlich trat die Entwickelung der Epik um die Mitte des 13. Jahrh., als die Begeisterung für die Kreuzzüge u. das fromme Ritterthum vorüber war, indem diese Epen, willkürlich umgedichtet, mit Sagen anderer Kreise verschmolzen wurden u. man durch Feen, Zauberer u. Wunderthaten auf den Zuhörer u. Leser einzuwirken suchte. Die vorzüglichsten Heldengeschlechter, deren Großthaten u. Geschicke sie besingen, u. um die sich die übrigen gruppiren, sind das burgundische des Gerars de Roussillon, das lothringisch-belgische der Loherains, das kerlingische Königsgeschlecht, das austrasisch-deutsche des Doolin de Mayence u. das aquitanisch-provenzalische des Garin de Montglave. Mehrere Sagen haben verschiedene Hauptzweige (Branches), die einzetn u. encyklisch bearbeitet wurden; auch existiren die meisten dieser Epen in verschiedenen Recensionen Die wichtigsten gedruckten Epen dieses Kreises sind: Romans des douze pairs de France (Par 1832–50, 12 Bde.); La chanson de Roland (herausgeg. von Michel, Par. 1836, von Génin, ebd.[614] 1850); Charlemagne, an Anglo-Norman Poem (herausgeg. von Michel, Lond. 1836).

Die Epen des normannisch-normandischen Sagenkreises entlehnten ihre Stoffe bes. dem dänischen u. angelsächsischen Sagenkreise od. feierten die Geschicke u. Thaten ihrer eigenen Herzöge u. Könige. Zu ersteren gehören das Lai d'Haveloc le Danois (herausgeg. von Madden, Lond. 1828, von Fr. Michel, Par. 1833) u. der Roman du roi Horn (herausgeg. von Michel, Par. 1845), zu letzteren der Roman de Robert le Diable (herausgeg. von Trébutien, Par. 1837), Waces (s.d.) Roman de Rou et des ducs de Normandie (herausgeg. von Pluquet, Rouen 1827); Benoits Chron ique des ducs de Normandie (herausgeg. von Michel, Par. 1836–44, 2 Bde.) u.a. Ja selbst einzelne Ritter u. Abenteurer wurden in Gedichten gefeiert, wie z.B. in der Histoire de Foulques, Fitz-Wárin (herausgeg. von Michel, Par. 1840) u. Roman d'Eustache le Moine, pirate fameux (herausgeg. von Michel, Par. 1834).

In allen Poesien dieses Kreises, welche, wie auch mehrere Gedichte des karolingischen Kreises, in anglonormandischer Mundart (der Höfe von Rouen u. London) abgefaßt sind, zeigt sich mehr od. minder Verschmelzung mit celtischen Sagen u. Mythen, woher sich das hohe Alter, der Reichthum u. weite Verbreitung des bretonischnormandischen Sagenkreises erklärt. Die Grundlage desselben bildeten die celtischen Sagen u. druidischen Mythen, welche, als das Ritterthum die sociale Herrschaft gewann, in chevalereskes Gewand gekleidet u. zur Verherrlichung der Ideale des Ritterthums benutzt wurden; sie nahmen bald eine mehr kunstmäßige Gestalt an, wurden fast nur von höfischen Dichtern verfaßt u. blieben für die ritterlich-höfische Gesellschaft bestimmt. Dieses zeigt zum Theil schon das bis jetzt älteste Denkmal dieses Kreises, die nach der lateinischen des Gottfried von Monmouth bearbeitete Reimchronik od. Brut, des anglo-normandischen Trouvère Wace, aus dem Jahre 1155 (herausgeg. von Leroux de Lincy, Rouen 1836–38, 2 Bde.). Vorzüglich wurden die celtischen Sagen von den anglo-normandischen Trouvères u. Hofdichtern des englischen Königshauses, theils in kleineren episodenartigen Erzählungen, den Lais, theils in größeren u. cyklischen Dichtungen (Romans d'Aventure) zur Verherrlichung des weltlichen Ritterthums, sowie behufs der höfisch-riterilichen Abenteuer liebenden Gesellschaft verarbeitet. Unter den Lais sind am berühmtesten die der Marie de France (herausgeg. von Roquefort, Par. 1820, 2 Bde.). Zu den größeren Dichtungen über Arthur u. die Ritter der Tafelrunde (Romans d' Aventure de la Table Ronde) gehören die von Tristan u. Isolde (in Fr. Michels The Poetical Romances of Tristan, Lond. 1835, 2 Bde.); ferner der Chevalier au Lion, die Geschichte Iweins enthaltend (in der Lady Guest Mabinogion, Bd. 2.; Bruchstück, herausgeg. von Keller, Tüb. 1841), vom Trouvère Chréstien von Troyes, dem fruchtbarsten Bearbeiter dieses Sagenkreises (vgl. Holland, Crestien von Troies, Tüb. 1854), der auch den Chevalier de la Charrette od. Lancelot verfaßte (herausgegeben von Tarbé, Rheims 1849, von Jonckbloet. Haag 1850–51, 2 Bde.). Nach einer anderen Richtung hin verschmolz man die bretonischen Sagen mit der Legende von Joseph von Arimathia, des ritterlichen Celtenapostels, u. südfranzösischen Sagen, u. verwandte diese phantastischen Gebilde zur Verherrlichung des idealen geistlichen Ritterthums, namentlich aber seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. zur Verbreitung der Geheimlehren der Templer (Tempeleisen) an. Arthurs Tafelrunde wurde mit der Genossenschaft des Tempels u. des Heiligen Graals in Verbindung gesetzt, zu Trägern der Idee des geistlichen u. weltlichen Ritterthums gemacht u. diese in den Romans de la quête da St. Graal bis zu ihren äußersten phantastischen u. mystischen Spitzen ausgebildet; dahin gehören der Roman du St.-Graal (herausgeg. von Michel, Bordeaux 1841) u. verschiedene Werke des erwähnten Chrestiens de Troyes, wie der Roman de Perceval li Galois. (Vgl. Rochat, Über einen bisher unbekannten Percheval li Galois. Zürich 1855). Fast gleichzeitig jedoch wurden in England, auf Veranlassung der Könige Heinrich II u. Heinrich III. zu Ende des 12. u. in der ersten Hälfte des 13. Jahrh. von gelehrten Meistern (Clercs, Maistres) dieselben Stoffe in Prosaromanen verarbeitet, von denen die meisten, wenn auch verjüngt od. in Überarbeitungen u. Auszügen gegen Ende des 15. u. im Laufe des 16. Jahrh. gedruckt wurden. Diese sind nach der Zeit ihrer Abfassung: der Roman du St. Graal ou de Joseph d'Arimathie u. der Roman de Merlin von Robert de Borron, der Roman de Lancelot du Lac, der Roman de la quête du St.-Graal u. der Roman de la mort d'Artus von Walter Map; der Roman de Tristan, begonnen von Luces de Gast, beendet von Hélis de Borron; der Roman de Gyron le Courtois, vom letztgenannten Dichter.

Neben diesen Sagenkreisen finden sich auch schon frühzeitig Dichtungen, welche ihre Stoffe dem antiken Sagenkreise entnehmen u. sich nur in Form u. Einkleidung den nationalen Epen anschließen. Namentlich wurde die Sage von Trojas Zerstörung häufig bearbeitet, wie schon von dem anglonormandischen Trouvère Benoist de Saint-More, einem Zeitgenossen Waces, der den Roman de la destruction de Troyes schrieb; demnächst waren es die Thaten Alexanders des Großen, welche dem ritterlichen Geiste jener Zeit entsprachen. Die Alexandersage wurde in mehreren Branches von verschiedenen Dichtern des 12. u. 13. Jahrh. bearbeitet wie von Alexandre de Paris u. Lambert li Cors um 1184 (herausgeg. von Michelant, Stuttg. 1846) u. Aymé de Varennes, um 1188. Nach letzteren Gedichten führen die Alexandriner (s.d.) ihren Namen. Außerdem gibt es noch Nachahmungen mit mittelalterlichem Costüm der Äneide. (Vgl. Pey, Essa sur li romans d' Eneas, Par. 1856), der Thebaide, Theseide, der Argonautica u. dergl. Nachdem die Bibel durch Paraphrasen, der Orient durch die Kreuzzüge dem Laien u. dem Abendlande näher gerückt war, begann man auch biblische Stoffe, wie die Geschichte von Judas Maccabäus, sowie orientalische Sagen in altfranzösischen Epen zu bearbeiten. Dahin gehören die Dichtungen von Barlaam u. Josaphat, Heraklius (von Vautiers d'Arras um 1218 verfaßt, herausgeg. von Maßmann, Quedlinb. 1842); Cleomades, von Adenez le Roi; Flos u. Blancflos, nach maurischen Sagen (herausgeg. von Bekker, Berl. 1844) etc.; auch locale u. gemischte Sagen, die nur äußerlich mit irgend[615] einem der größeren Sagenkreise verknüpft sind, wurden zu umfangreicheren, episch gehaltenen Dichtungen benutzt. Dahin gehört vor allen der Roman von Partenopeus de Blois vom anglonormandischen Trouvère Denis Piramus im 12. Jahrh. (herausgeg. von Robert, Par. 1834), vom Comte de Poitiers (herausgeg. von Michel, Par. 1831) u. derselbe Stoff in mehr kunstmäßig ritterlicher Form im Roman de la Violette (herausgeg. von Michel, Par. 1834), von Gibert de Montreuil im 13. Jahrh. verfaßt. Letzterem ähnlich an Form u. Behandlung des Stoffes sind die Romane vom Castellan de Coucy (s.d.) u. von Guillaume de Dole; halb in Prosa, halb in Versen die Erzählung von Aucassin u. Nicolete etc. Bei der die ganze Zeit beherrschenden Vorliebe für das Abenteuerliche konnte es nicht fehlen, daß Begebenheiten der Zeitgeschichte epische Behandlung erfuhren; so vorzüglich der erste Kreuzzug u. dessen Held, Gottfried von Bouillon; die Thaten des Letzteren behandelt der Roman du Chevalier au Cygne ou Godefroi Bouillon, begonnen von Jehan Renax, beendet um 1205 von Gandor de Douay (herausgeg von Reiffenberg, Brüss. 1846–48, 2 Bde.). Auch die Reimchroniken dieser Zeit sind noch voll sagenhafter Züge u. oft in ganz epischem Tone gehalten, wie die Chronique rimée von Philipp Mouskes aus Tournay, in der ersten Hälfte des 13. Jahrh. (herausgeg. von Reiffenberg, Brüssel 1836–37, 2 Bde.). Dasselbe gilt auch von den eigentlichen Zeitgeschichten in Prosa, wie von der Ystoire de li Normand (in Michel Chron iques anglo-normandes, Par. 1836) u. der Chronique de Robert Viscart. von Aymé, einem Mönch des Klosters Montecassino, bereits aus dem 12. Jahrh. (herausgeg. von Champollion Figeac, Par. 1835), sowie von den Memoiren des Villehardouin (st. um 1218), den ersten dieser Gattung der französisch-historischen Literatur, u. denen des Jean, Sire de Joinville (st. 1315). Fast nur durch den geringeren Umfang von den Romans d'aventure unterschieden sind die Contes, welche einestheils noch Sagenstoffe u. vorzugsweise Liebesabenteuer erzählen, anderntheils auch geistliche Stoffe, namentlich Marien- u. Heiligenlegenden behandeln; im letzteren Falle führen sie den Namen Contes dévots od. Miracles; bestehen die weltlichen Contes in bloßen Umarbeitungen von Volksliedern, so führen sie auch nach ihren Quellen den Namen Lais. Daneben blühte noch eine Gattung kleinerer, blos zum Sagen bestimmter Erzählungen, die Fabliaux, welche sich bald zu Darstellungen anekdotenhafter Tagesgeschichtchen gestalteten u. zum Vorbild der italienischen Novelle wurden. Als Dichter von Contes dévots ist Gautier de Coinsy aus Amiens (1177–1236), als Verfasserin von Fabliaux die erwähnte Marie de France zu nennen. Sammlungen solcher kleinerer Stücke sind: Méon, Fabliaux et Contes des poëtes français (Par. 1808, 4 Bde.); Derselbe, Nouveau recueil de fabliaux inédits (ebd. 1823, 2 Bde.); Jubinal, Nouv. recueil de contes, dits, fabliaux et autres pièces inédites (Par. 1839).

Die didaktische Poesie der Nordfranzosen, nicht minder reich als die epische, wurde zuerst vorzugsweise von Geistlichen, namentlich der Normandie geübt. Anfangs fast nur auf Paraphrasen u. Nachbildungen lateinischer Schriften beschränkt, trug sie einen ganz scholastischen Zuschnitt, wie z.B. das Livre de créatures von Philippe de Than u. dessen Bestiaire, aus dem Anfang des 13. Jahrh. Mehr Originalität zeigen die moralisch-paränetlischen Werke, wie das Miserere u. der Roman, de Charité von Reclus de Moliens, so wie die Predigten; in letzteren finden sich öfter Apologe, Exemples (Beispiele) u. Châtiments (Witzigungen) beigemischt. Die Apologen des Alterthums u. Orients fanden mehrfach Nachbildung, wie die der Äsopischen Fabelnin den zahlreichen Vsopets (mehrere bei Robert, Fables inédites, Par. 1825, 2 Bde.), worunter die Fabeln der Marie de France am berühmtesten wurden. Aus dem Orient gelangten nach Frankreich der Dolopathos des Trouvère Herbers, der anonyme Roman des sept sages de Rome (herausgeg. von Keller, Tüb. 1836) u. das Chastoiement d'un père à son fils (mit der Disciplina clericalis, Par. 1834), letzteres eine Bearbeitung der Disciplina clericalis des getauften spanischen Juden Petrus Alfonsi. Mit diesen Fabeln nur äußerlich ähnlich, aber nach Ursprung u. Bildung ganz verschieden, sind die theils einzeln in Branches, theils encyklisch bearbeiteten Thierfabeln von Wolf u. Fuchs in den Romans da Renard; dieselben waren aus der volksthümlichen deutschen Thiersage entstanden, in Flandern von Geistlichen zuerst lateinisch aufgezeichnet u. dann im nordwestlichen Frankreich von Trouvères in französischen Gedichten behandelt wurden. Die ersten Stücke dieser Art, aus dem Anfang des 13. Jahrh., sind noch ganz episch gehalten, später nehmen sie immermehr einen allegorisch-satyrischen Charakter an. Mehrere Branches vereinigt Méon in Le roman du Renart (Par. 1826. 4 Bde., Chabailles Suppléments, ebd. 1835). Vgl. Rothe, Les Romans du Rénard (ebd. 1845). Überhaupt wurden in der nordfranzösischen Poesie die Allegorie u. Satyre die vorherrschenden Formen der Auffassung u. Darstellung. Die Satyre zeigt sich nicht nur in den vielen Dits u. Complaintes dieser Zeit, sondern auch in den sogenannten Bibles od. satyrischen Zeitspiegeln von Guiot de Provins u. Hugo de Bersil, u. in den von der Scholastik ausgehenden Disputations u. Batailles. Unter letzteren ist die Bataille des sept arts des Trouvère Henry d'Andely hervorzuheben, welches A. Jubinal seiner Ausgabe (Par. 1839, 2 Bde.) der Werke des Rutebeuf st. 1286) beigegeben hat; der letztere berühmte Dichter schwingt in den meisten seiner Poesien schonungslos die Geißel über die Gebrechen seiner Zeit. Die schon in diesem Zeitraume sehr zahlreichen allegorischen Gedichte tragen im Anfang noch einen ernsten, an das Mystisch-Ascetische streifenden Charakter, nehmen aber mit der Zeit eine immer stärkere satyrische Färbung an; man kleidete den Inhalt gern in die Form von Träumen (Song) od. Reisen (Voyages d'enfer, de paradis) ein. In der Blüthezeit der Galanterie wurde auch die Liebe Gegenstand der didaktischen u. allegorischen Poesie; mehrere Dichtungen führen den Titel: L'art d'aimer; allegorisch wurde die Liebe in dem Roman de la Rose (herausgeg. von Méon, Par. 1813, 4 Bde.) gefeiert, der noch die folgenden Jahrhunderte seine Berühmtheit behauptete. Nächst diesen u. ähnlichen Dichtungen gibt es aus dieser Zeit noch viele Werke lehrhaften Inhalts, die sich ohne Poesie blos der poetischen Form bedienen; dahin gehört[616] das Image du monde des Walther von Metz, eine Art Encyklopädie aus dem 12. Jahrh.; verschiedene naturhistorische Reimwerke, mit den Titeln: Bestiaire, Volucraire, Lapidaire etc. Die naivkörnigen Sprüchwörter des Volkes wurden schon damals von den Trouvères geschickt zu Rahmengedichten verwendet, wie in Marcoul et Salomon u. Les proverbes au Conte de Cretaigne u.a.m. Neuere Sammlungen veranstalteten Crapelet (Par. 1831) u. Leroux de Lincy (Le livre des poverbes, Par. 1842, 2 Bde.).

Bei der frühzeitigen u. reichen Entwickelung der epischen u. didaktischen Poesie gelangte bei den Nordfranzosen die Kunstlyrik u. Hofpoesie erst spät u. zwar nach provenzalischen Mustern zur Ausbildung. Die ersten Spuren zeigen sich zu Ende des 12. u. zu Anfang des 13. Jahrh.; sie haben ganz u. gar die Form der Troubadourpoesie, welche auch in der Folgezeit für die nordfranzösische Lyrik maßgebend bleibt; die letztere erreichte ihre höchste Blüthe in der ersten Hälfte des 13. Jahrh. u. wurde eine rein höfische Dichtkunst. Könige u. Fürsten traten selbst als Dichter auf u. verschmähten es mcht, mit ihrem Hofadel um die Wette zu singen. Dahin gehören Johann von Brienne; Thibaut IV. von Champagne, König von Navarra, einer der berühmtesten unter diesen höfischen Kunstdichtern (Poésies, herausgeg. von Tarbé, Rheims 1851); Heinrich III., Herzog von Brabant; Peter von Dreux, Graf von Bretagne u. selbst der berüchtigte Karl von Anjou, König von Neapel. Unter den höfischen Liederdichtern des 12. u. 13. Jahrh. befinden sich auch mehrere von bürgerlichem Stande, unter denen der Castellan von Coucy (s.d.) am bekanntesten geworden ist. Wie sehr sich auch die nordfranzösische Kunstlyrik in Bezug auf Form u. Darstellung der provenzalischen anschloß, so blieb sie jedoch nicht bei der Eintönigkeit der Minne- u. Conversationspoesie der Provenzalen stehen, sondern entwickelte mehrere Liedergattungen (wie die Lais lyriques, Ballades, Pastourelles u. den heutigen Romances ähnliche Gedichte), welche einen eigenthümlicheren Geist u. volksthümlichere Formen haben. Pro. en dieser lyrischen Hofpoesie gaben Jubinal (Jongleurs et Trouvères, Par. 1835); P. Paris (Romancero français, ebd. 1833); Wackernagel (Altfranzösische Lieder) u. Leiche (Basel 1846); ein Unbekannter in den Chansonniers de la Champagne au XII. et XIII. siècles (Rheims 1850), u. Mätzner (Altfranzösische Lieder, Berl. 1853).

Noch fallen in diese Periode die Anfänge der französischen Dramatik. Von allen Arten des mittelalterlichen Dramas finden sich bereits seit Mitte des 13. Jahrh. ziemlich ausgebildete Proben. Aus den Kirchenprosen u. Epîtres farcies entstanden die Mystères u. Miracles, aus den Jeux-partis, Disputaisons, Batailles, Pastourelles der Jongleurs die weltlichen Stücke, anfänglich blos Jeux, i. Spiele, genannt. Für die Klasse der Mystères ist anzuführen das Bruchstück der Résurrection du Sauveur, von den Miracles das von Théophile von Rutebeuf, sowie das vom St. Nicolas von Jean Bodel d'Arras, verfaßt um 1250; das anglo-normandische Drama Adam (herausgeg. von Luzarche, Par. 1854) soll noch dem 12. Jahrh. angehören. Zu den ältesten weltlichen Dramen zählen Li jus Adan ou de la Feuillie von Adam de la Hale (st. 1286) u. das später so berühmt gewordene Schäferspiel Li Gieus de Robin et de Marion, mit Musik u. dem zugehörigen Vorspiel Li jus du Pelerin. Auch die später so häufigen allegorischen Dramen, die sogenannten Moralités, beginnen schon mit dem gegen Ausgang des 13. Jahrh. versaßten De Pierre de la broche, qui dispute à Fortune par devant Reson. Vgl. Monmerqué u. Michel, Théâtre fran çais au moyen âge (Par. 1839).

C) Vom Ende des 13. bis Anfang des 16. Jahrh. Nachdem schon gegen Ende der vorigen Periode das Königthum u. Bürgerthum bereits den Sieg über die Lehnsaristokratie u. Ritterthum erfochten hatten, machten sich die neuen herrschenden Richtungen des Zeitgeistes auch in der Nationalliteratur geltend. Schon unter Franz I. thronte das Königthum so unbeschränkt u. glänzend in Paris, daß vom Hofe u. der Residenz nicht allein alle materielle Macht, sondern auch jeder geistige Impuls seinen Ausgang nahm. Das ideale Ritterthum erlag dem Bürgersinn od. führte wenigstens ein Scheinleben in hohl gewordenen Formen; über die Phantasie gelangten Verstand u. Witz, über den Glauben die von den Universitäten ausgehende Skepsis zur Herrschaft; die Poesie wird zünftig nicht mehr auf den Burgen des Adels, sondern auf den Märkten der Städte u. in den Kammern der rhetorischen Meistersänger geübt od. wird in den Kreisen der Hofgelehrten u. Höflinge zur pedantisch geschulten Gelegenheitsdichtung. So mußte die echte Epik, wie sie nur in der Jugend der Nationen erblühen kann, jetzt schwinden u. das Epische mußte sich nur in prosaisch-verständige Formen fügen. Die Chansons de geste u. Romans d'Aventure wurden zu Dits od. Spruchgedichten, wie z.B. die Dits de Guillaume d' Angleterre, die Dits de Robert le Diable etc. umgeformt, od. noch häufiger in Prosaromane aufgelöst. Letzteres Geschick berraf zumal die Romane des bretonischen Sagenkreises, deren Stoffe der veränderten Zeitrichtung am meisten zusagten u. daher häufig theils encyklisch bearbeitet, wie z.B. im Roman d'Artus, theils ganz willkürlich fortgesetzt od. ausgeführt wurden. Am beachtenswerthesten hierunter ist der Perceforest. Eine weitere Abart, die Amadisromane, gehören der französischen Literatur nicht ursprünglich an. Die Epen des karolingischen u. normannischnormandischen Kreises gestalteten sich gern zu Volksbüchern um, was auch von mehreren halb mythischen, halb historischen Localsagen gilt, wie z.B. von der schönen Magelone, von Melusine, von Paris u. Vienne etc. Stoffe letzterer Art dienten auch noch einzelnen Dichtern zu umfangreicheren Werten, wie die Melusine im 14. Jahrh. dem Trouvère Couldrette (herausgegeben von Michel, Niort 1854). Unter den in dieser Zeit rein erfundenen Liebesromanen verdient der das Ritterthum mit ironischer Färbung darstellende Roman de Petit Jehan de Saintré (Par. 1843), des Ant. de Lasalle, um 1459, besondere Erwähnung. Auch die Fabliaux u. Contes treten in prosaischem Gewande auf; unter den Sammlugen solcher novellenartigen Erzählungen sind die Cent nouvelles (herausgegeben von Leroux de Lincy, Par. 1841, 2 Bde.) am berühmtesten geworden. Als eine Nachblüthe des ritterlichen Geistes ist die Chronique de Bertrand du Guesclin (herausgegeben von Charrière, ebd. 1839, 2 Bde.) vom Trouvère Cavelier in Form eines [617] Chanson de geste verfaßt. Epischen Geist zeigen auch noch einige Geschichtschreiber dieser Zeit, vor Allem Jean Froissart (s.d.) in seiner Chronik; fast gar nicht der Fall ist dies bei seinem Fortsetzer Monstrelet, sowie in den Memoiren des Philipp de Comines (s.d.).

Bes. günstig waren die Zeitverhältnisse der Didaktik. Obgleich dieselbe an Umfang bedeutend zunahm, bewegte sie sich jedoch vorzugsweise nur in den beiden Hauptrichtungen, die sie bereits in der vorigen Periode eingeschlagen hatte, der Satyre u. der Allegorie, fort. Viel trug dazu der Roman de la Rose bei, dessen Ansehen immer mehr wuchs u. viele Nachahmungen hervorrief. Moralisirend- od. satyrisirend-allegorische Dichtungen in der Form von Doctrinaux, Songes, Débats, Danses, Nefs, Blasons etc. finden sich zwar in großer Menge, doch erhebt sich nur Weniges über die Mittelmäßigkeit. Zu nennen dürften sein der Songe du vergier von Raoul de Presle; Les trois pèlerinages von Guillaume de Guilleville; das Doctrinal de cour u. die Danses aux aveugles von Pierre Michault; der Champion des dames von Martin Franc, eine Vertheidigung des weiblichen Geschlechts gegen die Angriffe im Roman de la Rose; die berühmten Danses macabres u. Arrêts d'amour des Martial d'Auvergne; die frivol-burlesken Gedichte des Guillaume Coquillart (Oeuvres, Rheims 1848, 2 Bde.), im echt-französischem Spottgeiste geschrieben.

Auf dem Gebiet der Lyrik finden sich noch Nachklänge der ritterlich-höfischen Minne- u. Conversationspoesie in den Gedichten des Herzogs Karl von Orleans (herausg. von Guichard, Par. 1842), sowie in denen seiner Hofdichter u. selbst Froissarts. Im Allgemeinen jedoch war die Kunstpoesie zur leblosen Förmlichkeit u. spielenden Künstelei ausgeartet, auf der einen Seite unter den Händen der zünftigen Meistersänger, die sich nunmehr Rhétoriciens nannten, auf der anderen Seite unter den Händen der zwar zierlichen u. künstlich formirenden, aber phrasenhaften u. Platitüiden sagenden Gelegenheitsdichter des Hofes. Die bürgerlichen Meistersänger verfaßten nach allerlei neu erfundenen Modellen u. Leisten (Formes et Patrons) in ihren Zunftstuben (Puis de palinods) Serventois et sottes chansons, Cha nts royaux, Ballades Lays, Virelays, Rondaux etc. Unter den Hofdichtern sind Alain Chartier, Molinet, Christine de Pisan, Meschinot, Guillaume Dubois, genannt Cretin, etc. zu nennen. Dahin zählt auch Johanns de Lescurel im 14. Jahrh. (herausgegeben von Montaiglon, Par. 1855). Während alle diese bürgerlichen u. höfischen Dichter den Einfluß pedantischer Gelehrsamkeit, sowie die Sucht zu allegorisiren u. moralisiren nicht verkennen lassen, gibt sich der Grundcharakter des französischen Volkes in seiner ganzen Eigenthümlichkeit bei zwei echt volksthümlichen u. darum nationalen Dichtern kund, nämlich bei Franz Villon, einem Pariser Schüler u. liederlichen Patron, der nur mit Mühe der verwirkten Todesstrafe entging (Poésies, herausgegeben von Prompsault, Par. 1832), u. bei Olivier Basselin, einem normandischen Walkmüller (1350–1419) in dessen Trinkliedern (Vaux-de-Vire von seinem Wohnorte Vire genannt, daher Vauxville) sich die fröhliche Bonhomie des französischen Landmanne abspiegelt (herausgegeben von Travers, ebd. 1831; von Lecroix, Par. 1858), während Villon mit Gewandtheit u. treffendem Witz die Unnatur u. Pedanterie seiner Kunstgenossen verspottet.

Am reinsten trug jedoch jenen volksmäßigen Charakter in dieser Periode die dramatische Poesie der Franzosen Dem König wie dem Bürger gleich angenehm, gelang durch die zünftigen Vereine der Städte u. den vergrößerten Hofhalt der Könige ihre Einführung ins Leben. Zu Ende des 14. Jahrh. bildeten sich mehrere Vereine zur Aufführung dramatischer Stücke. So um 1398 die Confrérie de la Passion, ein Verein frommer Handwerker, welcher die Mysterien aus der Leidensgeschichte darstellte, bereits 1402 hierfür von Karl VI. privilegirt wurde u. im Hospital der Dreifaltigkeit bei dem Thore von St. Denys die erste eigentliche Schaubühne in Paris begründete (vgl. R. Taillandier, Notice sur les Confrères de la Passion, Par. 1834). Die Zahl der Mysterien, die sich nicht blos über die Leidensgeschichte, sondern auch über andere Gegenstände der biblischen Geschichte er. streckte, war ziemlich angewachsen, ebenso die der Mystères, welche zunächst Heiligenlegenden u. Wundersagen zum Gegenstand hatten, aber auch Stoffe der Profangeschichte behandelten, wenn dieselben nur erbaulicher Tendenz waren. Muster beider Arten bei Jubinal, Mystères inédits du XV. siècle (Par. 1837, 2 Bde.) u. Leroy Etudes sur les Mystères (ebd. 1837); vgl. Morice, Essai sur la mise en scène depuis les Mystères jusqu'au Cid (ebd. 1836); Berriat St. Brix, Remarques sur les jeux de Mystères (in den Mémoires de la Soc. des Antiquaires de France, 5. Bd.). Eine neue Gattung dramatischer Stücke, in denen sich der Grundcharakter des französischen Volkes freier als in den Mystères u. Miracles aussprechen konnte, wurde durch eine Gesellschaft junger Leute unter Karl VI. geschaffen, welche sich Enfants sans soucí nannte, nach dem Geiste damaliger Zeit sich eine zunftmäßige Verfassung gab u. den Zweck hatte, in Schauspielen die Narrheit der Welt (La sottise) darzustellen u. zu geißeln. Sie gaben ihre Vorstellungen oft mit den Mystères verbunden auf öffentlichem Markte (à la halle). Ihre Stücke, die Sotties waren, wie fast alle satyrischen Darstellungen jener Zeit, in die Form der Allegorie eingekleidet u. wurden oft persönlich u. politisch. so daß man sich ihrer zur Einwirkung auf die öffentliche Meinung bediente. Letzteres war der Fall unter Ludwig XII. mit den Sotties du, nouveau monde, den Sotties de l'homme obstiné, den Sotties de la chasse du cerf des cerfs u. De la mère sotte Die beiden letztgenannten Stücke haben Pierre Gringore zum Verfasser, der in diesem Genre Vorzügliches leistete. Als die Sotties endlich dem Könige u. Parlamenten gefährlich erschienen, wurden sie unter Censur gestellt u. zuletzt ganz unterdrückt. Doch war der Hang zur satyrischen Posse zu fest mit dem Volke verwachsen, als daß er sich nicht, wenn auch unter einer anderen Form, wieder Bahn brechen sollte. Noch in der ersten Hälfte bildete sich in Paris eine dritte Schauspielgesellschaft, durch welche eine neue Art von Dramen stch entwickelte. Durch die Zunft der Gerichts- u. Parlamentsschreiber, Les cleres de la Bazoche, wurden die Moralités aufgebracht, eine Gattung von Schauspielen, die unter der Maske des Komischen eine ernste moralische Tendenz verfolgten. Aus diesen entwickelte sich[618] wiederum die Farce, welche im Unterschied von der sich pasquillartig an Persönlichkeiten heftende Sottie anfänglich den Zweck hatte, das Lächerliche im allgemein Menschlichen herauszuheben, u. so das Prototyp des französischen Charakterlustspiels wurde. Schon vollkommen ausgeprägt zeigt sich die ganze Eigenthümlichkeit u. Meisterschaft der Franzosen in diesem Fache im Maître Pierre Pathelin (herausgegeben von Génin, Par. 1855), einer Farce, die wohl noch dem 14 Jahrh. angehört. Später arteten die Farcen jedoch so sehr aus, daß sie kaum noch von den Sotties zu unterscheiden waren. Sammlungen von Stücken beider Gattungen: Caron, Recueil de plusieurs farces, sotties et moralités (Par. 1798–1806, 11 Bde.); Recueil des livres singuliers et rares (ebd. 1829); Leroux de Lincy u. Michel, Recueil des farces, moralités et sermons joyeux (ebd. 1837, 4 Bde.). Über die Geschichte des französischen Theaters überhaupt vgl. außer den älteren Werken von Parfait, Beauchamps, Lavallière, Suard etc. bes. Magnin, Les origines du théâtre moderne (ebd. 1838, 1. Bd.) u. Leroy, Histoire comparée du théâtre et des moeurs de la France (ebd. 1844).

II. Zweite Periode. Mit dem Zeitalter Franz I. beginnt die zweite Hanptepoche in der Entwickelungsgeschichte der F-n L. Konnte dieselbe während des Mittelalters auch nicht zu höchster Entwickelung gelangen, so war sie doch echt national u. Ausdruck des eigenthümlichen französischen Volksgeistes gewesen. In dieser zweiten Epoche zeigt sich dagegen die merkwürdige Erscheinung, daß ein Volk seine frühere nationale Literatur vollständig verläßt u. aufgibt, um einer fremdartigen, von außenher kommenden, auf gelehrtem Wege zugeführten Richtung zu huldigen, welche allerdings seitdem zwar innig mit dem französischen Nationalgeiste verschmolzen ist, aber doch ein von allem echt Volksthümlichen losgerissenes, blos conventionelles Ideal erzeugt hat.

A) 1. Abschnittbis zur Zeit Ludwigs XIV. In dem ersten Abschnitte dieses Zeitraumes gelangte die neue Richtung zur Entwickelung. Wie die Periode von 1515–1643 für Kirche u. Staat eine Zeit des Kampfes war, so auch für die Literatur. Das Wiederaufleben der klassischen Studien war die Grundbedingung der neuen Richtung. Zu den namhaftesten Verbreitern der klassischen Studien, welche auf die F. L. einen großen Einfluß ausübten. gehören Guill. Budé, Jacques Lefèvre d'Etaples (Faber Stapulensis), Jos. Scaliger, Isaac de Casaubon, Jean Daurat u. die beiden Etienne (Stephanus). Die griechischen u. römischen Autoren wurden aber nicht blos von den Gelehrten gelesen, sondern man suchte dieselben auch durch Übersetzungen allgemein zugänglich zu machen. So bearbeitete Jean Colin den größten Theil des Cicero, Dupinet den älteren Plinius, Claude Grujet die Briefe des Phalaris, Millet den Lucian, Blaise de Vigenère, der berühmteste Übersetzer seiner Zeit, übertrug den Livius u. Cäsar u. Amyot den Plutarch. Nachhaltig singen diese klassischen Vorbilder jedoch erst gegen Mitte des 16. Jahrh. zu wirken an; in den ersten Decennien desselben bewegte sich noch Alles in dem gewohnten Gleise, u. die ganze Literatur erscheint nur als eine unmittelbare Fortsetzung des Mittelalters. Der letzte u. bedeutendste unter den Dichtern dieser alten unbefangenen, nationalen Richtung ist Clément Marot (1495–1544), Kammerdiener Franz' I., der im Genre des Villon, doch mit mehr Tact u. Feinheit, dichtete. Unter seinen Freunden nimmt Mellin de St.-Gelais (1491–1558), ein Geistlicher, den ersten Rang ein; in seinen wenigen aber zierlichen Gedichten, meist erotischen Inhalts, zeigt er sich weniger natürlich, aber gebildeter, als Marot. Er führte das Sonett in die F. L. ein. Von den vielen anderen Dichtern dieser Zeit, die fast alle mit Marot befreundet waren, sind zu nennen: Etienne Dolet (verbrannt 1546), ein verdienter Humanist; Victor Brodeau, Thomas Sibilet, Frauçois Habert, der Mathenmatiker Jacques Gohorry, der Geistliche Charles de Bourdigné u. vor Allein noch Gilles d'Aurigny, starb 1553, welcher die liebliche Dichtung Le jouteur d'amour verfaßte. Auch an den Höfen fand die Poesie ihre Stätte. Man hat Gedichte von Franz I., Heinrich II. u. Karl IX., sowie von der Maria Stuart; die wirklich begabte Marguerite de Valois, Schwester Franz' I., Königin von Navarra (starb 1549), zählte zu den bedeutendsten Dichterinnen dieses Zeitraums, die ihren Ruf weniger ihren sonstigen Dichtungen, als ihrem Heptaméron, einer Novellensammlung, verdankt. Doch wird der größere Theil der in letzterer enthaltenen Erzählungen Nic. Dénisot, Jacques Peletier u. bes. Bonaventure Desperies, dem Verfasser des Cymbalum mundi, zugeschrieben. Neben ihr sind noch Louise Labbé, die Frau eines Seilers zu Lyon, wegen ihrer Elegien, Pernette de Guillet u. bes. die Madelaine Desroches u. ihre Tochter Catherine (beide starben 1585) als Dichterinnen hervorzuheben.

Das was Franz I. u. die Humanisten seiner Zeit für die klassischen Studien gethan, begann unter Heinrich II. bereits Früchte zu tragen. Eine bedeutende Anzahl talentvoller Männer widmete sich mit dem größten Eifer nicht nur dei alten Sprachen, sondern wandte auch diese Studien auf die Muttersprache u. die theoretischen Ansichten von der Poesie an. Das größte Verdienst in dieser Hinsicht erwarb sich Jean Daurat od. Anratus (1508–88), der selbst als lateinischer Dichter auftrat, bes. aber die jüngeren Kräfte für das Alterthum zu begeistern wußte. Zu seinen Schülern zählt außer vielen anderen auch Joach. Dubellay (starb 1560), welcher theoretisch in seiner Illustration de la langue française (1549) u. praktisch in seinen eigenen Dichtungen für Veredlung der Sprache nach dem Muster der Alten, sowie auch der immer mehr zur Geltung gelangenden Italiener wirkte u. auf diese Weise zum Herold u. Vorläufer der neuen Dichterschule wurde, die nach ihrem Haupte u. Meister, Pierre de Ronsard (s.d.) benannt wird. Zu ihr gehören noch Jean Antoine de Baïf (1532–92), der die Metrik der Alten im Französischen einzuführen suchte u. zu diesem Behufe mit Ronsard, Jodelle, Pasquier Rapin, St. Marthe Passerat u. Pibrac einen Verein stifteten, welcher unter Karl IX. förmlich zur Akademie constituirt wurde, aber mit dem Tode des Königs u. der Stifter sich wieder auflöste. Unter den übrigen Anhängern Ronsard's ist nur noch Jodelle von Bedeutung; andere wie Jacques Tahureau (st. 1555), Olivier de Magny, Jean de la Taille (st. 1562) haben nichts Bedeutendes hinterlassen. Nicht zur Schule Ronsard's gehört Guillaume de Saluste Seigneur du Bartas (1544–90), der sich in seinem großen Werke La [619] semaine ou la création du monde, welches in den ersten zehn Jahren 20 Auflagen erlebte, als einen der begabtesten Dichter seiner Zeit bekundet. Hielten sich bei den genannten Schülern u. Anhängern der neuen Dichterschule die pedantische Nachahmung der Alten mit dem Einfluß der Italiener die Wage, so sind die Werke von Philipp Desportes (1546–1606), Jean Bertaut (1522–1611) u. des begabten Vauquelin de la Fresnaye (1536–1606) bereits mehr von italienischein als von antikem Geiste angeflogen. Unabhängig diesen neuen Richtungen gegenüber verhielt sich der gelehrte Jean Passerat (1534–1602), in dessen heiter-satyrischen Poesien der Geist Villons u. Marots fortlebt u. der mit Rapin u. Durand einer der Hauptmitarbeiter an der berühmten Satyre Ménippée war. Unstreitig der originellste Dichter, der in Frankreich seit Villon auftrat, war aber Mathurin Regnier (1573–1613), der mit Bewußtsein die römische Satyre auf französischen Boden verpflanzte. In der satyrischen Poesie bildeten Jacques Dulanrens u. Thomas de Courval-Sonnet den Ubergang von Regnier zu Boileau.

Durch die Bemühungen der Humanisten u. Dichter seit Marot hatte die Sprache einen bedeuenden Fortschritt gemacht; sie hatte sich durch Nachbildung der Alten u. Italiener unstreitig über das Gemeine erhoben, wenn sie auch ebendadurch viel an Beweglichkeit, Frische u. Natürlichkeit verloren hatte. Die socialen Verhältnisse hatten sich verändert; Paris war in jedem Sinne die Hauptstadt des Reichs geworden; die stolzen Vasallen u. Ritter waren zu geschmeidigen Höflingen geworden, die Frauen als Hüterinnen der feineren Sitte führten in den Gesellschaften den Vorsitz: alles dieses hatte die Wirkung, daß sich der Ausdruck verfeinerte, ein allgemeines Streben nach Eleganz, Abgeschliffenheit u. Gleichförmigkeit der Bildung sich kundgab u. ein conventionelles Ideal sich herausbildete. Die Poesie konnte sich diesen Einflüssen nicht entziehen. Maßgebend für dieselbe wurde François de Malherbe (s.d.), der als Dichter selbst nur sehr Unbedeutendes geleistet hatte, aber die Correctheit für die Poesie zu allgemeiner Geltung brachte. Mit ihm beginnt daher ein neuer Abschnitt in der französischen Dichtkunst, die Periode der sogen Klassicität. Obgleich einzelne zu Gunsten der von Ronsard eingeschlagenen freieren Richtung auftraten, wie z.B. die Demoiselle de Gournay (1566–1645), so gewann doch Malherbe's System die allgemeine Herrschaft. Unter seinen Anhängern sind hervorzuheben Honarat de Bucil, Marquis de Racan (1589_–1670), fast der einzige Dichter jener Zeit, bei dem man einen tieferen Sinn für die Natur findet u. der als Idyllendichter in der F-n L. bis jetzt vielleicht noch unübertroffen ist, u. François Maynard (1582–1646), welcher jedoch nur der Sprache wegen Lob verdient. Beide gehörten zu den ersten Mitgliedern der von Richelieu 1635 gestiften Academie française. Nicht zu übersehen sind auch Jean Ogier de Gombaud (1576–1666) wegen seiner trefflichen Epigramme u. Claude de Malleville (1597–1647) wegen seiner Sonette. Weniger bekannt sind Jean François Sarrasin (1604–1664); Claude de l'Etoile (st. 1652); Germain Habert (st. 1655); Marc Antoine Gerard de St. Amand (st. 1660) etc. In den damaligen Hofzirkeln glänzten als anmuthige, witzige u. geistvolle Gelegenheitsdichter Vincent Voiture (1598–1648), auch als Epistolograph verdient, u. Isaac de Benserade (1612–91), der namentlich für die Hoffeste artige Dichtungen lieferte. Noch ist zu erwähnen wegen seiner zarten Lieder Pierre de Godolin (1579–1649), der in provenzalischer Mundart dichtete u. zu den wenigen Patoisdichtern zählt, die sich einen Platz in der französischen Literaturgeschichte erworben haben.

Eine vollständige Umgestaltung führte die Bekanntschaft mit dem klassischen Alterthum auf dem Gebiete der dramatischen Poesie herbei. Zwar wurden die alten Mysterien, Moralitäten, Farcen u. Sotties noch bis zur Mitte des 16. Jahrh., theilweise selbst noch darüber hinaus, aufgeführt, doch war unterdessen die neue Richtung schon durch Übersetzungen altklassischer, theilweise auch italienischer Stücke, wie namentlich des Terentius, Plautus u. Euripides, z.B. von Mellin de St. Gelais, Ant. u. Jean Ant. Baïf, Sibilet, Ronsard u. A., angebahnt. Mehrere dieser Übersetzungen kamen wirklich zur Aufführung, wenn auch nur in den Gelehrtenschulen u. vor den Hofkreisen, welche jedoch zu dieser Zeit allein den Ton angaben. Auf die Übersetzungen folgten die Nachahmungen. Der Begründer des modernen französischen Drama wurde der talentvolle Etienne Jodelle, Seigneur de Limodin (1532–73). Alle früheren Versuche, die seit Franz I. zur Gründung eines kunstgemäßen Dramas gemacht worden, waren nicht geglückt; als jedoch Jodelle sein fünsactiges Trauerspiel Cléopâtre captive nach dem Muster der griechischen u. römischen Tragödie schrieb u. 1552 vor dem Hofe zur Aufführung brachte, war die Revolution in der französischen Dramatik entschieden. Jene hat so nachhaltig gewirkt, daß selbst Frankreichs größte Tragiker sein System nur verfeinern, aber nicht verändern konnten, bis es erst in neuester Zeit durch die Romantiker einen Stoß erhielt. Auch der Komödie gab Jodelle mit seinem Abbé Eugène ou La Rencontre eine ganz neue Gestalt. Unter seinen mehr od. minder geistlosen Nachfolgern sind Jean de la Pérouse (st. 1555), der Verfasser einer Médée, Jacques de la Taille (st. 1608), Charles Toutain, Nicolas Filleul, Claude Rouillet u. A. zu erwähnen. Nur Robert Garnier (1545–1601) schreitet mit einigem Talente auf dieser Bahn weiter u. bringt die von Jodelle eingeführte Form für einige Zeit zum Abschluß. Nur unbedeutende Dichter, wie Jean Béhourt, Claude Billard, Antoine de Montchrétien, sind als schwache Nachklänge zu erwähnen. Man wählte nicht blos antike, sondern auch gleichzeitige Stoffe, behielt aber doch die antike Form bei. Theophile Viaud's (1590–1626) Tragödie Pyrame et Thisbé konnte trotz der gezierten u. mit Spielraum überladenen Sprache ihrer Zeit den größten Beifall finden. Die Confrères de Passion mußten 1588 ihr Theater im Hotel de Bourgogne an eine Schauspielertruppe vermiethen, welche nun auch die Stücke Jodelle's u. Garnier's vor dem Volke zur Aufführung brachte, übrigens als die Wiege der heutigen Comédie française zu betrachten ist. Ein zweites Theater entstand 1600 im Marais im Hotel d'Argent, für welche namentlich Alexander Hardy (st. 1630) dichtete. Letzter zählt zu den fruchtbarsten dramatischen Dichtern u. soll über 800 Stücke aller Art geliefert haben. Obgleich er sich nicht streng an die[620] herrschend gewordenen Gesetze der Klassicität hielt, macht er doch in der Entwickelungsgeschichte des französischen Dramas einen Fortschritt, indem er mehr dramatischen Verstand, mehr Dialog u. Handlung, als alle seine Vorgänger zeigt. Auf der von Jodelle für die Komödie eröffneten Bahn, wo namentlich die Römer, fast mehr noch die Italiener zu Vorbildern dienten, schritten Baïf, Grevin, Belleau, de la Taille u. A. vor. Der Talentvoliste aller war Pierre de Larivey, der 12 Komödien in Prosa geschrieben hatte; manche seiner Stücke scheint Molière vor Augen gehabt zu haben. Fast in allen komischen Stücken wird der Anstand in gleichem Maße verletzt wie die Sprache. Die Stücke Pierre Lel oyers sind nicht ohne einzelne seine Züge. Kaum ein künstlerisches, mehr aber ein historisches Interesse gewähren die zahllosen dramatischen Pamphlets, welche durch die kirchlichen u. politischen Fehden jener Zeit hervorgern en wurden. Nennenswerth sind die Dramen Chilperic second von Louis Léger u. Guisiade von Pierre Matthieu. Lecocq, Claude de Bassecourt u. Guill. Béliard lieferten dramatisirte Schäferspiele, ein Genre, das von Nic Filleul zuerst in Frankreich eingeführt worden war. Vgl. Ebert, Entwicklungsgeschichte des französischen Drama, bes. im 16. Jahrh., Gotha 1856.

Auch die französische Prosa hat in diesem Zeit. raume eine bedeutende Umwandlung erfahren, wenn auch nicht gerade durch bewußte u. absichtliche Beimühungen der Schriftsteller, welche erst gegen das Ende dieser Periode beginnen. Wenn auch unter dem ritterlichen König Franz I. der Ritterroman noch an Adrien Sévin, Claude Collet u. Herberay Desessarts Bearbei ter fand, so konnte er doch auf die Dauer keinen Reiz mehr ausüben. Dagegen wurde, bes. als durch die Königinnen Maria u. Katharina von Medici die Keuntniß u. Nachahmung der italienischen Literatur in größere Aufnahme gekommen war, die Novelle nach italienischen Mustern, bes. nach dem Boccaccios, die Lieblinglectüre der Kreise des Hofes. Das bereits erwähnte Heptaméron, der Königin von Navarra, das selbst erst nach Boccaccios Vorbilde angelegt war, fand zahllose Nachahmungen, die jedoch in Vergessenheit gerathen sind. Zu erwähnen dürften nur etwa die Joyeux contes et devis des Bonaventure Desperrie. (st. 1544) sein.

Die Bewegungen aller Art, welche in Folge der Reformation in Frankreich hervorgernfen wurden, veranlaßten mehrere der hervorragendsten Geister, dieselben zum Gegenstande theils ernster, mehr aber noch satyrischer Darstellung zu machen. An der Spitze dieser Schriftsteller, sowie ganz einzig in der F. L. überhaupt steht François Rabelais (s.d.) mit seinem großen Romane Gargantua et Pantagruel, gegen welchen seine ungeschickten Nachahmer wie Guillaume des Autels, Noël du Fall, Béroalde de Verville, Tabourot u. Guillaume Bouchet gänzlich in Vergessenheit gerathen sind. Ehrenvolle Erwähnung verdienen einige politisch-satyrische Werke dieser Zeit, wie außer der bereits erwähnten Satyre Ménippée, die Confession de Sancy u. mehr noch der Baron de Foeneste des edeln Théodore Agrippa d'Aublgué (1550–1630), sowie die lateinisch geschriebene, aber oft übersetzte Argenis von I. Barclay (1583–1621).

Neben diesen ernsteren Gattungen des Romans verbreiteten sich um die nämliche Zeit viele Übersetzungen der in Spanien u. Italien sehr beliebten Schäferromane u. Schäferspiele, wie der Aminta des Tasso, des Pastor Fido des Guarini u. der Diana des Montemayor, welche auch in Frankreich ähnliche Dichtungen hervorriefen. Am bedeutendsten unter den Letzteren war die Astrée von Honoré d'Urfé (1567–1625), welche noch Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen unendlich bewundert u. unzählige Mal nachgeahmt wurde.

Auf dem Gebiet der Geschichte hat dieser Zeitraum nur einen bedeutenden Schriftsteller, den Jacque Auguste de Thou (Thuanus), aufzuweisen, der jedoch sein treffliches Werk: Historiarum sui tempris (1544–1007) libri 138. lateinisch geschrieben hat. Nach ihm versuchte sich in der Darstellung der neueren Weltgeschichte der erwähnte Théod. Agrippa d'Aubigné. Mehr sagte von jeher dem Nati onalcharakter der Franzosen die Form der Memoiren (s.d.) zu, welche jedoch den früheren treuherzig-naiven Ton verlocen u. der modernen Correctheit verfielen. Am bekanntesten unter denselben sind die Memoiren des Pierre de Bourdeilles, Seigneur de Brantôme (1527–1614), die zwar witzig, geistreich u. pikant geschrieben sind, deren schnn tziger Inhalt aber nur allzutreu jene sittenlose Zeit widerspiegelt. Noch sind zu erinnern die interessanten Memoiren von Fran çois de Bassompierre (1579–1046) u. von Pierre de l'Estoile (st. 1611). Wichtiger für die Geschichte sind noch die Memoiren von Marguerite de Valois, Gemahlin Heinrichs IV. (1552–1615), von Blaise de Montluc (1500–1577), von Michel de Castelnan (st. 1592), von Philippe de Mornay, Seigneur du Plessis (1549–1623), von dem Minister Heinrichs IV., Maximilian de Béthune, Duc de Sully (1560–1641), u. von dem Duc de Rohan (st. 1638) Das dem Cardinal Armand Duplessis de Richelieu (1585–1642) zugeschriebene Testa ment politique gehört zu den besten politischen Schriften. An die Sprache u. Darstellungsweise Joinvilles e. innert noch die Histoire du chevalier de Bayard vom unbekannten Secretär des Ritters; weniger geschätzt ist die Hist one de Louis de la Tremonuille von Jean Bouchet (1476 bis 1550).

Die didaktische Prosa, welche sich bereits im 15. Jahrh. nach dem Muster des Lateinischen zu bilden begonnen hatte, entwickelte sich in diesem Zeitraume um ein Bedeutendes, wenn ihr auch nicht eigentlich künstlerische Pflege zu Theil wurde, zumal da die meisten streng wissenschaftlichen Werke noch immer in lateinischer Sprache abgefaßt wurden. Namentlich waren es Ansichten vom öffentlichen Leben, über menschliche Bestrebungen u. verwandte Gegenstände, die zur Darstellung gewählt wurden Diese populär-philosophische Richtung blieb bis auf die neuere Zeit herab die vorherrschende. Das Hauptwerk in dieser Beziehung bilden die Essais von Michel Eyquem de Montaigne (s.d.). Nächst diesem verdienen noch Beachtung Henry Etienne (1528–98), Pierre Charron (1541–1603) wegen seiner Traité de la sagesse, Etienne de la Boétie (1531_–63); Olivier de Seres, Seigneur du Pradel (1539–1619), dessen Théâtre de l'agriculture ein Seitenstück zu Charles Estiennes Maison rustique bildet; Hubert Langnet, Jean Bodin, mit dessem inhaltreichen Werke über den Staat die[621] wissenschaftliche Bearbeitung der Politik bei den Neueren beginnt, u. Calvin, der sich um den französischen Styl vielfach verdient gemacht hat. Des Letzteren berühmte Institution de la religion chrétienne bietet das erste Beispiel einer wahrhaft wissenschaftlichen Prosa. Als Kanzelreduer ist nur etwa der Jesuit Claude de Lingendes (1591 bis 1660) zu nennen.

Aus dem Streben, den Alten nachzueifern, ging auch die Literaturgattung der Briefe hervor, welche nicht blos wie die des Cicero u. jüngeren Plinius, im Interesse des persönlichen Verkehrs, sondern zur Unterhaltung für das gebildetere Publicum geschrieben sind Hervorzuheben sind in diesem Genre Jean Louis Guez de Balzac (1594–1654), der sich auch anderweitig in seinen prosaischen Schriften mit Bewußtsein einen Styl nach dem Muster der Alten zu bilden suchte u. deshalb allerdings zum Reformator der französischen Prosa geworden ist, u. der bereits oben erwähnte Vincent Voiture, welcher als Muster dessen gelten kann, was man damals, sowie im nächsten Zeitraume einen Bel esprit nannte. Neben diesen ist nur noch Pierre Costar (1603–60) zu nennen.

B) 2. Abschnitt. Zeitalter Lndwigs XIV. War schon unter Richelieu der Hof zu Paris die Sonne geworden, um welche sich alle Geschmacksrichtungen in Frankreich bewegten, so war dies in noch höherem Grade der Fall unter Ludwig XIV., der durch den Nimbus poltischer Übermacht u. Größe, den er um sich zu verbreiten suchte, die übrigen Fürsten u. Völker Europas nicht blos für französische Politik, sondern auch für den französischen Geschmack geschmeidig machte. Mit unbegreiflicher Schnelligkeit verbreitete sich der letztere sowohl in Sitte wie in Literatur verderblich über die meisten europäischen Staaten. Das Französische wurde zur Weltsprache. Frankreich selbst glaubte sich auf dem Höhepunkt der Bildung u. blickte verächtlich auf die Bestrebungen des Auslandes, ja selbst seiner eigenen Provinzen herab; man sprach von einem goldenen Zeitalterder Französischen Literatur, als deren Schöpfer man Ludwig XIV. betrachtete. Obgleich Richelieu Wissenschaften u. Künste begünstigt u. eifrig geliebt, sowie 1635 die Akademie u. andere wissenschaftliche Anstalten gestiftet hatte, so ist doch Colbert allein als die Urfache alles Großen anzusehen, was unter Ludwig. XIV. für Literatur u. Gelehrsamkeit in Frankreich geschah. Er stiftete 1663 die Akademie der Inschriften u. Schönen Literatur, 1664 die der Malerei u. Sculptur, 1666 die der Wissenschaften; 1667 wurde die Sternwarte, 1673 der Botanische Garten, das Chemische Laboratorium, sowie das noch gegenwärtig bestehende Journal des Savants begründet. Der Hof selbst war der freien Entwickelung der Nationatliteratur keineswegs günstig. Literarische Coterien, an deren Spitze gewöhnlich geistreiche Frauen, wie Ninon de l'Enclos u. die Marquise von Sévigné, standen, traten durch ihre eigenmächtigen Beurcheilungen jeder originellen Entwickelung des Genies entgegen. Das ästhetische Grundgesetz der Dichter lautete: Etudiézla cour et connaissez la ville. Die Prosa verlangte zwar einen solchen Grad von Klarheit, Leichtigkeit, Feinheit u. Präcision, daß der damalige französische Styl für den Prosaisten immer maßgebend bleiben wird; aber in diesen glatten Formen fehlte das freie, frische Leben, die naturwüchsige Kraft, der Schwung, die Begeisterung, überhaupt alle Poesie. Nur die elegante Epistel, das witzige Epigramm u. das Lustspiel, das eben die Pariser Welt zum Gegenstand seiner Darstellung wählte, konnte unter diesen Umständen erhebliche Fortschritte machen, wenn auch alle übrigen Dichtungsarten ihre Vertreter gefunden haben. Die französische Akademie war gerade in diesem Zeitraume eine Autorität u. übte einen Einfluß auf die Literatur, wie er ihr später nie wieder vergönnt war.

Unter den verschiedenen Gattungen der Poesie gewann in diesem Zeitraume die dramatische Dichtung, als vorzüglich geeignet, Hoffeste glänzend zu verschönern, das Übergewicht u. bildet den eigentlichen Glanzpunkt desselben. Gehemmt wurde die freie Bewegung des Dichters durch das jetzt aufkommende, von Boileau ausgesprochene Gesetz der sogen. drei dramatischen Einheiten. Die Stoffe wurden gewöhnlich dem Alterthum entlehnt. Nimmt man hinzu, daß das neue französische Theater auf gelehrtem Wege entstanden, u. die Dramen fast nur vor den Hofkreisen zur Aufführung kamen, so erklären sich die Vorzüge u. Mängel dieser klassischen französischen Tragödie, ihr Pathos, ihre Würde, ihre durchaus edle u. zierliche Sprache, ihr Mangel an Handlung, ihr Überfluß an Monologen u. langen Berichten, ihre langweiligen Confidents, ihre höchst faden Galanterien. Dichter wie Jean Mairet (1604 bis 1686), François Baro (1609–59), dessen 35 Tragödien im sentimentalen Schäfertone gehalten sind, François Tristan, benannt l'Hermite (1601_–55), dessen platte Mar amne ihrer Zeit hoch gehalten wurde, u. selbst der talentvolle Jean Rotron (1609–50), der vorzüglich die Spanier, auch im) Venceslas. seinem besten Stücke, vor Augen hatte, wurden gänzlich verdunkelt durch die Werke des Pierre Corneille (s.d.), welchen die Franzosen den Großen, den Vater ihres Theaters, nennen. Sein berühmter Cid athmet noch romantischen Geist, später aber wurde er diesem entfremdet u. fügte sich den Forderungen des Klassicismus. Sein Bruder Thomas Corneille steht weit unter ihm. Sowie Corneille im Erhabenen u. Heroischen, zeichnete sich Jean Racine, gebildet an den Meisterwerken der Griechen u. Römer, dabei ein seiner Kenner des menschlichen, bes. des weiblichen Herzens, im Rührenden aus. Er behauptet unter allen französischen Dramatikern unbedingt den ersten Rang. Sein Rival, Jean Nic. Pradon (st. 1698), der ebenfalls eine Phèdre dichtete u. von der Coterie des Hofes getragen wurde, ist längst der Vergessenheit anheim gefallen. Andere dramatische Dichrer, welche, wenngleich jetzt längst verschollen, doch zum Theil damals Beifall fanden, sind Gauthier de Costes de la Calprenède (st. 1663) u. Georges de Scudéry (1603–67); ferner François Hédelin d'Aubignac (1604–76), der durch seine Pratique du théâtre auf die Fixirung des dramatischen Systems der Franzosen den größten Einfluß übte; Cyrano de Bergerac (1620–55), Charles Claude Genest (1636–1719), François Duché de Vancy (1668–1704), Antoine de la Fosse (1658–1708), Hilaire Bernard de Longepierre (1659–1721) etc. Die Stücke Jean Galbert Campistrons (1656 bis 1723), eines Schülers Racines, hielten sich ziemlich lange in der Gunst des Publicums. Ein anderer Schüler Racines war Lagrange-Chancel.[622] Der schwülstige Prosper Jolyot de Crébillon führt den Beinamen Le terrible od. der französische Äschylus. Houdarts de la Motte Tragödie Ines de Castro fand ihrer Zeit großen Beifall.

Freier u. glücklicher als in der Tragödie bewegten sich die Franzosen auf dem Gebiete des Komischen. Als Meister, Muster u. Vorbild steht oben an Jean Baptiste Pocauelin, genannt Mol lère (s.d.), 1622–73, der sich durch das Studium römischer, italienischer u. spanischer Komiker u. des Rabelais zum Lustspieldichter bildete. Der einzige französische Dichter, der sich noch einigermaßen mit Molière vergleichen läßt, ist Jean François Regnard (1656–1710), sonst sind nur noch einige Stücke von Scarron u. die Schubladenstücke (Pièces à tiroir) von Edme B. Boursault (1638 bis 1701) zu nennen. Schwächer sind Michel Baron (1652–1729), einer der größten Schauspieler seiner Zeit, in der Schule Molières gebildet; Guillaume Marsonceau de Brécourt (st. 1685), Schauspieler u. Dichter; der Schauspieler Marc Antoine Legrand (1672–1728), unter dessen zahlreichen einactigen Stücken bes. der Roi de Cocagne sich auszeichnet; David Augustin Brueys (1640 bis 1723), der fast alles gemeinschaftlich mit seinem Freunde Jean Palaprat (1650–1721) arbeitete; endlich Charles Rivière Dufresny (1648–1724), Florent Carnot Dancourt (1661–1726), u. Noël Lebreton de Hauteroche (1617_–1707).

Das musikalische Drama, die Oper, wurde durch italienische Schauspieler in Frankreich eingeführt, welche Cardinal Mazarin hatte kommen lassen. Die ersten Schritte, die Oper in Frankreich heimisch zu machen, geschahen durch Cornelle, dessen Andromède u. Toison d'or mit theilweiser Begleigleitung von Musik dargestellt wurden. Hierauf vereinigte sich der Marquis de Sourdeac mit dem Abbé Perrin, einem unbedeutenden Dichter, u. dem Musiker Cambert zur Herstellung von Opern, u. erhielten 1669 ein Privilegium zur Bildung einer Académie royale de musique. Da ihre Versuche nicht glücklich abliefen, verkauften sie ihr Privilegium an den berühmten Componisten Giambattista Lully (1633–87), welcher mit dem begabten Textdichter Philippe Quinault (1635–88) der Begründer der französischen Oper wurde. Keiner von den Zeitgenossen des Letzteren, welche sich in dieser Gattung versuchten, wie Campichon, Th. Corneille, I. B. Rousseau u. La Fontaine, kann sich im entferntesten mit ihm messen.

Nicht unwichtig für die Entwickelungsgeschichte des Französischen Theaters sind noch das Théâtre italien u. das Théâtre dela foire. Italenische Schauspieler hatten schon seit 1570 ihre meist improvisirten Stücke in verschiedenen großen Städten Frankreichs aufgeführt, bis sie 1577 die Erlaubniß erhielten, auch in Paris zu spielen. Bis 1645, wo Mazarin eine bleibende Truppe engagirte, hatten, eben immer nur auf kurze Zeit, fünf verschiedene Truppen, die Confidenti, die Gelosi, die Comici uniti, die zweiten Gelosi u. die Fedali, in Paris ihre Vorstellungen gegeben. Anfangs spielten sie blos italienisch, bald aber italienisch u. französisch. Diese Stücke, welche nur angedeutet u. von den Schauspielern improvisirend ausgefüllt wurden, erhielten sich bis nach dem Tode Ludwigs XIV. Mehrere talentvolle Dichter, wie Regnard, Dufresny, Lesage, Legrand, haben für diese Truppe gearbeitet. Vgl. Gherardi, Théâtre itallen, Par. 1741, 6 Bde.; Nouveau Théâtre italien, Par. 1753, 10 Bde. Da während der Messen a Paris die Privilegien des Théâtre français suspendirt waren, schlugen Schauspielergesellschaften ihre kleineren Thegter in den Vorstädten auf (Théâtres de la foire), auf denen sie possenartige Stücke aller Art, mit Gespräch, Gesang u. Tanz, zur Aufführung brachten. Als jedoch 1697 diesen Bühnen das Sprechen, eine Zeit lang sogar auch das Singen untersagt wurde, bediente man sich der Pantomime u. der Couplets od. Spottlieder, welche dem Publicum von der Bühne aus lesbar vorgezeigt u. dann von diesem gesungen wurden. Nach Aufhebung jenes Verbots entwickelte sich aus diesen Vorstellungen einerseits die Opéra comique, in welcher abwechselnd gesungen u. gesprochen wurde, andererseits das Vaudeville, in welchem die gesungenen Partien nicht besonders componirt, sondern nach allbekannten Melodien vorgetragen wurden. Für das Théatre de la foire haben n.A. auch Lesage u. D'Orneval gearbeitet. Vgl. Lesge u. D'Orneval, Th éâtre de la foire, Par. 1725, 10 Bde.

Das Epos, worin sich früher schon Ronsard versucht hatte, gelang in dieser Periode noch weniger. Alle epischen Dichtungen dieser Zeit machen den Eindruck künstlicher, den Alten u. Italienern nachgemachter Machwerke ohne inneres Leben. Sehr geringen Werth besitzt Jean Chapelains (1595–1674) Pucelle d'Orléans, obgleich es gleich nach seinem Erscheinen sechs Auflagen erlebte; ganz vergessen sind der Moïse sauvé von Marc. Ant. Gérard de St. Amand (1593–1660), der Clovis von Jean Desmarets de St. Sorlin (1595–1676) u. der Alaric von Scudéry. Reicher an Erfindung und Phantasie ist der St. Louis von Piere Le Moine (1602–72). Als schwülstiger Uebersetzer des Lucan ist noch Georges de Breboeuf (1618–81) anzuführen. Aus der großen Menge meist mißlungener komischer Epen ist nur der Lutrin des Boileau, in seiner Art ein Meisterstück, auszuzeichnen. Die burlesken Dichtungen Paul Scarrons, des erwähnten Desmarets de St. Sorl in u. des Charles Coipan d'Assoucy (1604–79) sind ebenfalls der verdienten Vergessenheit anheim gefallen. Dagegen sind die komischen, besonders erotischen Erzählungen u. Schwänke, die Nachblüthe der alten Contes et fabliaux auch in dieser Periode trefflich vertreten. Muster einer heiteren, geistreichen und anmuthigen Erzählung sind die allerdings etwas schlüpfrigen Contes des Lafontaine, welche die Contes des Jacques Vergier (1657–1720) nicht erreichen, welchen aber die sittlich reinen Erzählungen des Antoine Bauderon de Sénecé (oder Seneçay, 1643–1737) ähnlich sind.

Für die Lyrik ist der französische Nationalcharakter von jeher nicht geeignet. Einige Arten, wie das eigentliche Lied, das Kirchenlied u. das Volkslied (im deutschen Sinne) gehen der französischen Literatur so gut wie ganz ab, da Letzteres nur in der Form des Chanson auftritt. Der französischen Lyrik bleibt nur die Ode u. das gesellige Trinklied übrig; doch wird die Ode, die sich formell eng au Horaz und Pindar anschließt, durch Steifheit, Schwulst u. erkünstelten frostigen Enthusiasn us ungenießbar. Als Repräsentant der höheren französischen Lyrik dieses Zeitraums ist Jean Baptiste [623] Rousseau (1669–1741) zu betrachten, der, obgleich er in Bezug auf Erhabenheit des Ausdrucks, Strophenbau u. Sprache seine Zeitgenossen weit überragt, doch eigentlich nichts weniger als Lyriker ist. Dagegen wurden diejenigen Arten von Lyrik, welche keine eigentlichen Dichter, sondern nur einen gebildeten, witzigen, mit Sprache u. Styl vertrauten Weltmann verlangten, mit Erfolg gepflegt. Namentlich bildete sich bei der in den höheren Ständen immer mehr einreißenden Unsittlichkeit die leichtfertige Poesie (Poésie folâtre, legère, fugitive, badine) sehr schnell aus. Die Ninon de l'Enclos war der Mittelpunkt, um welchen sich viele witzige, geistreiche Epikureer versammelten. Ihre Gedichte, Chansons, Madrigaux, Rondeaux, oft nur vom Augenblicke beim Gelage eingegeben, athmen alle nur Luft u. verfeinerten üppigen Lebensgenuß; später jedoch unter der Regentschaft wurden in denselben alle Ehre u. Zucht, so wie alle religiösen Gefühle verhöhnt. Unter jenen Männern, die jedoch nur weniges selbst aufgezeichnet haben, sind die bedeutendsten: Denis Sanguin de St. Pavin (st. 1670) u. Nicolas Vauquelin des Iveteaux (st 1649). Bekannter ist jedoch Claude Emmanuel Luillier, genannt Chapelle (1616–86), an dessen artiger Dichtung Voyage de Bachaumont et de Chapelle auch sein Freund François le Coigneux de Bachaumont (1624–1702) Antheil hatte. In der nämlichen Weise dichteten Alexander Lainez (1650–1710), Guillaume Amsoye de Chaulieu (1639–1720) u. Charles Auguste de la Fare (1644–1712). Sonst versuchten sich in der Poésie legère noch mit Glück Etienne Pabillon (1632–1705), Antonie Ferrand (1642–1719) u. Charles François de Ry de Charleval.

Unter den didaktischen Dichtern dieser Zeit ist vor Allem Nicolas Boileau Despréaux (s.d.) zu nennen, in dem sich der Geschmack der Zeit Ludwigs XIV. personisicirt. Besonders durch seine Art poétique in vier Gesängen übte er einen kaum zu berechnenden Einfluß auf die Literatur seiner Zeit aus. Neben seinen Epitres sind nur noch die ernsteren des I. B. Rousseau u. die zwar anmuthigen aber höchst leichtfertigen Clauliens zu nennen. Unter den Fabeldichtern dieser Zeit, wie überhaupt bei den Franzosen, ist Jean de Lafontaine (s.d.) der erste u. Meister geblieben, weit unter ihm stehen die Fabeln Houdards de la Motte u. Henry Richers (1685–1748); ganz unbedeutend sind Eustache le Noble (1643–1711) u. Esprit Jean d'Ardenne (st. 1748). In der Hirtenpoesie konnten natürlich die Franzosen in dieser Zeit noch viel weniger etwas von Bedeutung leisten als früher. Am wenigsten verkünstelt zeigt sich noch Jean Regnauld Segrais (1624–1701); nächst ihm dürfte vielleicht nur noch Antoinette du Ligier de la Garde Deshoulières (1633–94) zu nennen sein. Ihrer Zeit berühmt waren die jetzt kaum noch lesbaren Elegien der Henriette Coligny de la Suze (st. 1673). Das Unnatürlichste sind die Poesi es pastorales von Bernard le Bovier de Fontenelle (1657–1757), dessen Schäfer sich wie Herren vom damaligen Hofe geberden.

Im Roman spiegelt sich mehr, als in irgend einer Gattung der Literatur, der jedesmalige Zustand der Sitten, der Geselligkeit, der Geistesrichtungen eines Zeitalters am treuesten ab. Der Klassicismus fand nicht gleich Eingang in die Roman literatur. Mehrere Romanschriftsteller dieser Zeit erinnern noch an die Chevalerie u. Galanterie der älteren Ritterromane. In dieser Gattung zeichnete sich aus Gauthier de Costes de la Calprenède (st. 1663), welcher Persönlichkeiten u. Stoffe des Alterthums in die Sitten des Ritterweseus u. der modernen Galanterie kleidete; seine Manier wurde noch weiter ausgesponnen in den Romanen der Madeleine de Scudéry (1607–1701), welche die Helden des Alterthums mit allen den zärtlichen Gefühlen, der raffinirten Galanterie u. der verkünstelten Sprache der Précieuses jener Zeit darstellen u. deshalb von Molière u. Boileau mit Recht verspottet wurden, während sie ihrer Zeit großen Beifall fanden. Den Gipfel in dieser Manier erreichte Marin Le Roi de Gomberville (1600–74). In dieser das Alterthum verzerrenden Manier gefiel sich auch Madame de Villedien, die auch in der Weise der spanischen Novellen schrieb. Neben diesen Ritterromanen kam allmälig der historische Roman in Aufnahme, der jedoch fast nur von Frauen gepflegt wurde. Die Reihe der letzteren beginnt Marie Madeleine Pioche de la Vergne, Gräfin de Lafayette (1663–93) mit ihren Hauptwerken La princesse de Clives u. Zaïde; ihr folgten Charlotte Rose de Caumont de la Force (1650–1724), Marie Catherine Jumelle de Berneville, Gräfin d'Aulnoy (1650–1705) u. Marie Angélique Poisson de Gomez (1684–1770). Zu den Lebensverhältnissen des kleineren Pariser Bürgers stieg der Roman mit Antoine Furetière (1620–88) herab, dessen französisches Wörterbuch seine Ausschließung von der französischen Akademie zur Folge hatte. Eine andere Gattung des Romans repräsentirt Alain René Le Sage (1667–47) in seinem nach spanischen Mustern gearbeiteten Gil Blas de Santiliane u. ähnlichen Werken; selbständiger zeigt sich in dem scurril lustigen Genre Paul Scarron (1610–1660), vorzüglich mit seinem Roman comique, dem letzten Nachklang Rabelaisscher Laune in der F. L. Ein schamloses Werk ist die Histoire amoureuse des Gaule-von Roger de Rabutin, Grafen von Bussy (1618–93). Gegen Ende dieser Periode kam plötzlich die Gattung der Feenmärchen in Aufnahme Den Anlaß dazu scheint Charles Perrault (st. 1703) mit seinen Cont es de ma mère Oye gegeben zu haben. Mehrere der oben erwähnten Damen, wie die Gräfin d'Aulnoy, die Madame de la Force u. selbst der berühmte Fénélon (sd.), der in seinem Télémaque den unvergänglichsten Roman dieser ganzen Periode schuf, schrieb dergleichen für die Erziehung des Herzogs von Bourgogne. Unter diesen Umständen mußten die Übersetzungen oriental ischer Märchen, welche Ant. Galland (1646–1715) Pétis de Lacroix (st. 1713) u. Simon Gueulette lieferten, Beifall finden. Das Vorzüglichste jedoch in der Märchengattung bot der Graf Antony Hamilton (1646–1720).

Die Geschichtschreibung konnte in einer Zeit wie die Ludwigs XIV. u. seiner Nachfolger nicht recht gedeihen; es treten zwar Geschichtschreiber in großer Anzahl auf, allein es befand sich darunter keiner, der ein Werk von bleibendem Werth geschaffen häte. Die meisten zeichnen sich jedoch in sprachlicher u. stylistischer Beziehung aus. Zu nennen sind: Antoine Varillas (1624–96), dessen Histoire de France höchst unzuverlässig u. romanhaft ist; Endes de Mézeray (1610–1683), der sich[624] wahrheitsliebend u. witzig zeigt, aber gründliche Studien vermissen läßt. Letzteres ist in noch höherem Grade der Fall bei den beiden Jesuiten Gabriel Daniel (st. 1728) u. Pierre Joseph d'Orleans (1641_–98); ohne alle Gründlichkeit u. Wahrheit aber sind die verschiedenen Schriften des Jesuiten Louis Maimbourg (1616–86). Achtung verdient die Histoire de Louis XIII. von Michel le Vassor (1648–1728). Unzuverlässig, aber durch blühenden Styl u. schöne Darstellung ausgezeichnet sind die historischen Werke von César Vichard de St. Réal (1639–92) u. von René Aubert de Vertot (1655–1735), die ihrer Zeit als Meisterwerke galten. Gründlicher arbeitete Jean Baptiste Dubos (1670–1742), dessen Hauptwerk die Histoie de la ligue de Cambray bildet. Ernst u. wahrheitsliebend zeigen sich einige Protestanten, wie vor Allem Paul de Rapin Thoyras (1661–1725); Isaac de Beausobre (1659–1738) u. sein Freund u. College Jacques Lenfant (1661–1728), sowie Mathurin Beyssières de la Croze (1664–1739) u. Jacques Basnage de Beauval (1653–1723). Gegen die gründlichen kirchenhistorischen Arbeiten der vier letztgenannten treten katholische Kirchenhistoriker sehr zurück. Zu den besten derselben gehören Claude Fleury (s.d.) mit seiner umfangreichen Histoire eccl ésiastique; ferner Louis Sebastien le Nain de Tillemont (1637–98). Alle diese Historiker überragt an Talent der Darstellung u. Macht der Rede Bossuet (s.d.) mit seinem Discours sur l'histoire universelle. mit welchem die moderne philosophische Behandlung der Geschichte beginnt. Unbedeutend sind die Arbeiten von Fléchier, sowie die Werke über die Geschichte der Römer von dem Jesuiten François Catron (1659 bis 1737) u. Pierre Julien Rouillé (1681–1740). Nur angenehm geschriebene Compilationen sind die Werke des sonst achtbaren Humanisten Charles Rollin (1661–1740); sein Fortsetzer Jean Baptiste Louis Crévier (1693–1765) ist völlig ungenießbar. – Die Memoiren wurden in diesem Zeitraume classisch. Der erste Rang gebührt denen des Cardinals Jean François Paul de Gondy de Retz (1614–79). welcher mit Meisterschaft die Unruhen der Fronde schildert. Vortrefflich geschrieben sind die Mémoires des Herzogs François de la Rochefoucauld (1613–1680), weniger bedeutend die des Jean Héraud de Gourville (1625–1703) u. die der Anne Marie Louise d'Orleans, Herzogin von Montpensier (1627–1693); noch unbedeutender die von Françoise Bertaut de Motteville (1615–89). über die Königin Anna von Österreich. Umfangreich sind die Memoiren von Philippe de Courcillon Marquis de Dangeau (1638–1720).

Die Französische Beredtsamkeit hatte vorzüglich Gelegenheit sich bei den öffentlichen Gerichtsverhandlungen (Plaidoyers) u. auf der Kanzel zu zeigen. Doch erst in dieser Periode erreicht dieselbe eine bedeutende Stufe der Vollkommenheit. Unter den gerichtlichen Rednern sind Olivier Patru (1604–81) u. Antoine le Maistre (1609–58), sowie die berühmteren Henry François d'Aguesseau (1668–1751), dessen Mercuriales besonders geschützt sind, u. Paul Pellisson (1624–93) wegen seiner musterhaften Vertheidigungsschriften, hervorzuheben. Da die Gelegenheit zur politischen Rede gänzlich fehlte, so bot die Kanzel das ergiebigste Feld für die Beredtsamkeit. Die Kanzelberedtsamkeit, welche im Katholicismus eine ganz andere Stelle einnimmt als im Protestantismus, hatte in Frankreich lange auf einer sehr niedrigen Stufe gestanden; die ersten, welche einen der Würde des Gegenstandes angemessenen Ton zu treffen wußten, waren die Jesuiten Claude de Lingendes (1595–1665) u. Timoléon Cheminais (1652–1689). Dieselben wurden jedoch verdunkelt durch die großen Redner Louis Bourdaloue (1632–1704); Jacques Benigne Bossuet (1627–1704); Esprit Fléchier (1632–1710), der jedoch mehr Rhetor als Redner ist; der bereits erwähnte François de Salignac de la Motte de Fénelon, Erzbischof von Cambray (1651_–1715), der jedoch mehr durch seinen Télémaque, so wie durch seine theologischen u. pädagogischen Schriften gewirkt hat; endlich Jean Baptiste Massillon (1663–1742), der sowohl in Bezug auf Kunst der Darstellung als auf den christlichen Gehalt seiner Reden unter allen Kanzelrednern dieser Periode den ersten Rang einnimmt. Noch jetzt geschätzt werden die Leichenreden des Jules Mascaron (1634–1703). Jacques Saurin (1657–1730) gilt für den Bossuet det Protestanten. Als Typus der sogenannten Akademischen Beredtsamkeit ist Bernard le Bouvier dem Fontenelle (1657–1757) zu erwähnen, dessen Éloges diese ganze ziemlich kindische Gattung der Beredtsamkeit repräsentiren.

In der Philosophie gehören die beiden größten Denker jener Zeit, die Schöpser der neueren Philosophie in Frankreich, René Descartes (Cartesius) u. Nicolas Mallebranche, von denen der erstere seine Schriften jedoch meist lateinisch abgefaßt hat, auch zu den besten französischen Stylisten. Hervorzuheben sind noch die Werke einiger Jansenisten, die zu Portroyal, einer Benediktinerabtei bei Paris, ihren Sitz hatten (vgl. Reuchlins Geschichte von Portroyal, Hambg. 1843). Dahin gehört vor Allen Blaise Pascal (1623–62), einer der tiefsinnigsten Männer Frankreichs u. zugleich der größte Prosaiker seiner Zeit, der Verfasser der Lettres provinciales u. der Pensées Auch seine nächsten Freunde, Ant. Arnauld (1612_–94) u. Pierre Nicole (1625–95) haben sich als theologische u. Moralschriftsteller ausgezeichnet. Dahin gehört auch noch der genannte Geschichtschreiber Rollin, dessen Manière, d'enseigner et étudier les belles lettres damals hochgeachtet war. Neben diesen von tiefster Frömmigkeit u. strengster Sittlichkeit durchdrungenen Männern, erhoben sich einige freiere Denker, die bereits als die ersten Keime zu der im folgenden Jahrhundert zur Herrschaft gelangenden Freidenkerei zu betrachten sind. Dahin gehören Charles de St. Denys de St. Evremont (1613–1703), ein geistreicher Epikureer, zugleich aber auch ein guter Prosaiker; François de la Motte le Vayer (1588–1672) u. Pierre Bayle (s.d.). Mehr auf das wirkliche Leben gerichtet sind die Réflexions et maximes von François de la Rochefoucauld (1613–80), u. die Caracteres des Jean de La Bruyère (1639–96).

Der Briefstyl, der durch Voiture u. Balzac in der vorigen Periode literarische Geltung erlangt hatte, fand in die em Zeitraume seine volle Ausbildung. Musterhaft, weil absichtslos u. natürlich geschrieben, sind die Briefe der Frau Mgrie Rahutin de Sevign. (1626–96), welche zugleich einen treuen Spiegel der damaligen Hofverhältnisse geben. [625] Lauge Zeit berühmt waren die Briefe des Edme Boursault (1638–1701) an eine Geliebte, Babet genannt. Merkwürdig sind die Briefe des gelehrten Pedanten u. Arztes Guy Patin (1601–1672) wegen ihres satyrischen Gehalts u. halblateinischen Styls. Als Übersetzer sind in stylistischer Hinsicht von mehr oder minder Bedeutung Nicolas Perrot d'Ablancourt (1606–1664), Amelot de la Houssaye (1634–1706) u. vorzüglich Anne Lefebvre, verehelichte Dacier (1651–1720). Verdient um die französische Sprache machte sich der gelehrte Gilles Ménage (1613–92). Die literarische Kritik befindet sich in diesem Zeitraume noch in ihrer Kindheit. Unter den verschiedenen Schriften von Perrault, René le Bossu, René Rapin u. Dominique Bonhours, die damals Aufsehen machten, besitzen nur die Réflexions sur la poésie, la peinture et la musique von I. Baptiste Dubos bleibenden Werth.

III. Periode. Von der Zeit Ludwig XIV. bis zur ersten Revolution. Im 18. Jahrh., das sich selbst mit Ostentation das philosophische (Le siècle philosophique) nannte, ging der allgemeine Verfall der Sittlichkeit mit dem der Literatur Hand in Hand. Mit der Regentschaft trat in der geistigen Entwickelung Frankreichs immer mehr ein überwiegendes Streben nach dem unmittelbaren Nützlichen, eine oft selbstsüchtige Unzufriedenheit mit dem Bestehenden, u. eine alles verhöhnende Frivolität hervor. Die unglaubliche Sittenlosigkeit des Hofs, des Adels u. der Geistlichkeit wirkte nachtheilig auf die ganze Nation. Die festgewurzelten ästhetischen Ansichten konnten die Einwirkung solcher sittlicher Zustände auf den Verfall der Literatur nur unterstützen. Ludwig XV. fürchtete talentvolle Schriftsteller und meinte, sie würden die Monarchie zu Grunde richten. Das literarische Leben zog sich daher vom Hofe in die Salons zurück, die von nun an in der Literaturgeschichte eine immer größere Bedeutung gewannen. Die wichtigsten dieser glänzenden Vereinigungspunkte waren die Salons der Madame Geoffrin, Mad. de l'Espinasse, Mad. Dudeffand u. des Barons Holbach. Der geistreiche Rivarol kann gewissermassen für den personificirten Geist des damaligen Salonlebens gelten. Was man Philosophie nannte, war nichts Anderes als die natürliche, lang unterdrückt gewesene Reflexion des kritischen Verstandes über die höchsten Angelegenheiten des Menschen. Oberflächlich, wie sie war, führte sie zur offenherzigen Darstellung des Materialismus u. Atheismus, zur Annahme des persönlichen Interesses als Grundlage der vernünftigen Moral, endlich zu der Behauptung, daß alle Religion Priestererfindung u. ein Schandfleck für den menschlichen Geist, daß eine Gottheit nicht vorhanden, daß der Glaube an Unsterblichkeit ein verderblicher Irrthum sei. Alles dies äußerte natürlich auch seinen Einfluß auf die Poesie. Es trat die Herrschaft des Skepticismus ein, der sich in der Literatur zunächst in den Angriffen gegen die Alten äußerte. Das Ansehen der Letzteren wurde zuerst durch Fontenelle u. Lamothe erschüttert, gegen welche Anna Dacier vergeblich auftrat. Den mächtigsten u. dauerndsten Einfluß auf Frankreichs Literatur u. Geistesrichtung hatte Voltaire (s.d.); er ward der vollkommenste Repräsentant seiner Zeit u. galt als der gewichtigste Wortführer in der Literatur. Sein geistiger Antipode, der tief fühlende Rousseau (s.d.), für alles Gute u. das Wohl der Menschheit begeistert, wirkte nicht wenig zu dem gewaltigen Umsturz der socialen u. literarischen Zustände in Europa. An beide schließt sich Montesquieu (s.d.), durch dessen unsterbliches Werk De l'esprit des lois die Staatswissenschaft zur Lieblingsbeschäftigung des Publikums erhoben wurde.

In der Poesie ließ die vornehme u. gebildete Gesellschaft, welche in Verbindung mit dem literarischen Areopag der Académie française den Geschmack u. die Kritik beherrschten, keine tiefgehenden Abweichungen von dem herrschenden Ton zu. Nachdem Boileau mit seiner Theorie über die poetische Production durchgedrungen war, konnte lange Zeit hindurch keine irgend erhebliche Opposition gegen die von ihm gegebenen Principien u. Regeln aufkommen. Doch treten im Verlaufe des Jahrh. mehr Streitigkeiten u. Widersprüche hervor, bis zuletzt endlich die größten Talente jener Epoche auch äußerlich durchdrangen.

Auf dem Gebiete der Tragödie brachte das 18. Jahrh. außer den Tragödien Voltaires wenig Bedeutendes hervor, wenn auch einige Fortschritte zur Umwandelung dramaturgischer Ansichten geschahen. Nur aus Ungerechtigkeit u. Parteisucht konnten den Stücken Voltaires die Arbeiten von Prosper Jolyot de Crébillon 1674–1762) eine Zeit lang an die Seite gesetzt werden. Zu großen Erwartungen berechtigte die Tragödie Didon von Le Franc de Pompignan. Unter den anderen Tragödiendichtern sind die namhaftesten: Joseph de la Grange Chancel (1676–1758); Claude Guymont de la Touche (1729–1760); Jean Sauvé de Lanoue (1701–1761); Jean Baptiste Vivien de Chateaubrun (1686–1775); Pierre Laurent Buirette de Belloy (1727–1775), der zuerst vaterländische Stoffe wählte, weßhalb sein Siége de Calais die grö ßte Bewunderung erregte; Anton Marie Lemierre (1733–1793); Bernhard Joseph Saurin (1706–81); Jean François Ducis (1732–1815), der zuerst die Größe Shakespeares erkannte u. die Stücke desselben, wenn auch in sehr verstümmelten u. verwässerten Bearbeitungen auf die Bühne brachte; Sebastien Roch Nicolas Chamfort (1841–94); Marie Joseph Chénier (1764–1811), der ebenfalls mehrere Gegenstände aus der neueren Geschichte auf die Bühne brachte. Jean François La Harpe traf wie der erwähnte Chateaubrun in einigen seiner besseren Stücke den Ton des klassischen Alterthums. Wenig Glück haben die Tragödien von Piron u. Marmontel gemacht Statt des Tragischen brachte François Thomas Marie de Baculard d'Arnaud (1718–1805) nur das Gräßliche zur Darstellung. Im Verlaufe dieses Jahrh. entstand auch das Schauspiel oder Drama, eine Mittelgattung zwischen Tragödie u. Komödie; es wurde namentlich von Diderot, Destouches, Nivelle de La Chaussée u. Sedaine in seinem Le philosophe sans le savoir bearbeitet. Das eigentliche Lustspiel fand nur wenige bedeutendere Pfleger. Fast bei allen vermißt man die eigentliche Vis comica, die nicht durch Witz u. verschrobene Redensarten vertreten werden kann. Selbst Voltaire macht hiervon keine Ausnahme. Dagegen spaltete sich die Komödie in verschiedene Arten, wie das eigentliche Charakter- u. Intriguenstück, die sentimentale Komödie, das Vaudeville u. die [626] Komische Oper. Die bedeutendsten Namen unter den vielen unbedeutenden im Fache der eigentlichen Komödie sind außer Philippe Néricault Destouches (1680–1754) etwa noch: Pierre Carlet de Chablain de Marivaux (1688–1763), von welchem sich einige Stücke auf der Bühne erhalten haben, obgleich sie in einer so gezierten, affectirten u. preciensen Sprache geschrieben sind, daß man seinem Style den Spottnamen Marivaudage beilegte; ihm ziemlich ähnlich ist Claude Joseph Dorat (1734 bis 1780) bekannter durch seine Poésies légères. Viele artige kleinere Stücke hat Christoph Barthélemy de Lugny Fagan (1702–55) verfaßt. Unbedeutender sind: Joseph François Eduard de Corsembien Desmahls (1722–61); Louis de Boissy (1694–1758); Germain François Poullain de Saint Foix (1703–1776), berühmter dnrch seine historisch-statistischen Essais sur Paris; Bernard Joseph Saurin (st. 1781); Marc Antoine Jacques Rochon de Chabannes (1730–1800) Dagegen gehört der Méchant von Jean Baptiste Louis Gresset (1709–1777) zu den wenigen Stücken, die noch gegenwärtig gegeben werden; auch Alexis Piron's (1689–1773) Métromanie zählt zu den bessern Stücken aus dieser Zeit. In der zweiten Hälfte dieses Zeitraums treten einige Dichter von bedeutendem Talente auf, wie François Guillaume Andrieux (1759–1833) u. Jean François Collin d'Harleville (1755–1806), dessen Vieux célibataire u. L'optimiste zu den besten Werken dieser Zeit gehören; ferner Philippe François Nazaire Fabre, mit dem Beinamen d'Eglantine (1756–94); Charles Palissot (1730–1814); Nicolay Barthe (1734–85); Louis Benoit Picard (1769–1828), der selbst Schauspieler war u. mehr als 70 Stücke schrieb, von denen mehrere sich auf der Bühne erhalten haben. Alle diese werden jedoch verdunkelt durch Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (1732–99), unter dessen Stücken sich besonders Le barbier de Seville u. Le mariage de Figaro auszeichnen. Aus dem Bestreben die Komödie dem bürgerlichen Leben, oder wie man sagte, der Natur näher zu bringen, ging eine Gattung derselben hervor, welche wegen der Einmischung rührender Situationen, von der Spottlust der Franzosen den Namen der Comédie larmoyante erhielt. Als Schöpfer derselben ist Claude Nivelle de la Chaussée (1691–1754) zu nennen, dessen rührende Familienstücke das Beste in dieser Art sind. Schwächer sind einige Stücke der Frau von Graffigny (st. 1758). Auch Voltaires Enfans prodigues u. La fille d'Aristide folgen dieser Richtung. Am deutlichsten trittdiese Absicht zu bessern u. zu belehren in Diderots Le fils naturel u. Le père de famille hervor, sowie in mehreren Stücken von Louis Sebastien Mercier (1740 bis 1814).

Für die Große oder Heroische Oper ward zwar in diesem Zeitraume von Vielen, aber von Keinem mit Glück gearbeitet, obgleich sich die bedeutendsten Männer darin versuchten. Zu nennen sind Voltaire, Duché, Fontenelle, I. B. Roussegu, La Motte, Antoine Danchet (1671–1748). Pierre Charles Roy (1683–1764). Besser gelang die Komische Oper u. das Vaudeville, die sich im Laufe des 18. Jahrh. eines steigenden Beifalls zu erfreuen hatten. Ihnen widmeten sich: Charles François Panard (1691–1765), der zuerst die Unanständigkeiten seiner Vorgänger vermied; Jean Joseph Badé (1720–1757), der mit Talent den gemeinsten Pariser Pöbel nachzuahmen suchte; Charles Simon Favart (1710–92), bes. glücklich in der Darstellung ländlicher Verhältnisse. Nicht minder beliebt waren die Operetten von Michel Jean Sedaine (1719–1797), die zum Theil auch auf die deutsche Bühne gelangten; dasselbe gilt von einigen Stücken Marmontels. Noch sind zu nennen der Engländer Thomas Hèle (st. 1780), ein Freund Grétrys; Charles Collé (1709–1783), der außer einigen geistreichen Vaudevilles ein sehr geschätztes Théâtre de société geschrieben hat; Antoine Alexandre Henry Poinsinet (1735–69); Séb. Roch Nicolas Chamfort (1741–94). Selbst von Rousseau hat man Le devin du village, eine artige kleine Oper. Für das Vaudeville insbesondere ist Pierre Yvon Barre (1749–1832), der am 12. Jan. 1792 das Th éâtre du Vaudeville in Paris begründete, auszuzeichnen. Unter den Componisten für diese Sachen stehen André Erneste Modeste Grétry (1741–1814) u. Etienne Henri Méhul (1763–1817) oben an.

Bei weitem geringer u. unbedeutender sind die Leistungen dieses Zeitraums in der epischen Poesie. Obgleich sich Voltaire's Henriade mit keinem ähnlichen Werke anderer Nationen messen kann, so steht sie doch in der F-n L. einzig u. unübertroffen da; nicht entfernt damit zu vergleichen ist selbst die Colombiade der Frau Marie Anne le Page du Boccage (1710–1802). Zwei kleinere epische Dichtungen schrieb Antoine Thomas; Schöpfer der französischen Ballade wurde François Augustin Paradis de Moncrif (1687–1770). Anburlesken epischen Dichtungen, welche dem Geiste des Jahrhunderts mehr zusagten, findet sich ein größerer Reichthum. An der Spitze steht hier ebenfalls Voltaire mit seiner Pucelle, welcher an Schamlosigkeit La guerre des dieux anciens et moderns, vom Chevalier Evariste Parny (st. 1814) ebenbürtig ist. An Schlüpfrigkeit noch überboten werden diese durch Jean Baptiste Joseph Villart de Grécourt (1683–1743); anmuthiger u. geistreicher sind die Dichtungen von dem bereits erwähnten Gresset (1709–77). Von geringerem Werthe, wenn auch in anständigerem Tone gehalten sind die Contes von Paul Philippe Gudin de la Brennetlerie (1738 bis 1812), von Claude Joseph Dorat (1734_–80), von Barthélemy Imbert (1749–90), Jean Louis Aubert (1731–1814), Stanislas de Boufflers (1737–1815); Malfilatre's (1733–67) Narcisse dans l'île de Vénus gehört zu den bessern Producten dieser Art. In der Fabel blieb Lafontaine unübertroffen; zu den bessern zählen außer den Fabeln von Imbert, Dorat u. Aubert noch die von Louis Jules Barbon Mancini, Duc de Nivernais (1716–98) u. von Florian. An der Spitze der vielen Dichter, die sich der ernsten didaktischen Poesie zuwandten, ist Louis Racine (1692–1763), der Sohn des großen Dramatikers, wegen seines Gedichtes La Religion zu setzen, der von François Joachim Pierre, Grafen von Bernis (1715–94), von Nicolas Germain Lesnard (1744–93) u. Helvetius nicht erreicht wird. Mehr Glück, wohl wegen ihres entsprechendern Stoffs machten die didaktischen Dichtungen von Claude Henri Watelet (1718–86) u. Antoine Marie Lemierre (1733–93) über die Malerei, von Joseph Alfonse Esménard (1769–1811) über die Schifffahrt, von Pierre [627] Fulcran de Rosset (st. 1788) über den Ackerbau, ferner von Jean Joseph Thérèse Roman (1726–87) u. von Dorat. Hieran reihen sich mehrere gelungene Arbeiten der descriptiven Gattung; dergleichen hinterließen der erwähnte Cardinal von Bernis; ferner Charles Franç. de St.-Lambert (1717–1805), dessen Saisons nicht unbedeutendes Talent verrathen; Jean Antoine Roucher (1745–94); René Richard Castel (1758–1832), Louis Fontanes (1757–1821), Legouvé u. P. D. Esconchard Le Brun; doch werden die Werke der genannten sämmtlich weit übertroffen durch die Jardins von Jacques Montanier Delille (1738–1813), der einer der ausgezeichnetsten Dichter seiner Zeit war u. die Sprache mit unübertroffener Meisterschaft beherrschte. Daneben fehlte es in dieser Zeit natürlich auch an frivolen Dichtern nicht; am talentvollsten zeigt sich Pierre Joseph Bernard (1708–76) des in seiner l'art d'aimer. Die poetische Epistel blieb auch in dieser Periode sehr beliebt. Man hat Epîtres von L. Racine, Gresset, Sedaine, Bernis; ferner von Charles Pierre Colardeau (1732–1776), der bes. wegen seiner Lett re d'Héloïse à Abailard berühmt wurde, u. Claude Joseph Dorat (1734 bis 1780), der mehrere poetische Episteln unter dem Namen Héroides schrieb Minder bedeutend sind die Héroides von Adrien Michel Blin de Saintmaure; Masson Pezay (st. 1777), La Harpe u. A. Ihrer Zeit viel gelesen waren die Lettres à Emille sur la mythologie von C. A. de Monstier. Die Idyllendichter, wie namentlich Léonard u. Arnaud Berquin (1749–91), ahmten zum Theil Geßner nach, der in Frankreich vielfach Anerkennung u. Berühmheit fand. Nic. Joseph Gilbert (1751–80) war ein vorzüglicher Satyriker u. ein bedeutendes lyrisches Talent. Ein Zeitalter, dem gesellige Anmuth, leichtfertiger Witz u. sinnlicher Lebensgenuß als das Höchste galten, konnte der eigentlichen Lyrik nicht günstig sein. Ein berühmter heiterer Volksdichter ist Panard (st. 1765). Die Oden von Voltaire u. L. Racine sind unbedeutend; besseres besitzt man von Jean Jacques Le Franc de Pompignan (1709 bis 1784), dessen Gesang auf Rousseau's Tod zu den schönsten französischen Dichtungen des 18. Jahrh. zählt, sowie von Ponce Denis Econchard Le Brun (1729–1807), der namentlich auch die Revolution feierte. Poésies légères hat man von Voltaire, dann von Piron, Dorat, Colardeau, sowie von Boufflers, Imbert, Bernard u. zahllosen, weniger namhaften Dichtern.

Auf dem Gebiete der Romanliteratur blieben die Bestrebungen des Grafen Louis Elisabeth de la Vergne de Tressan (1705–82), durch Erneuerung des Geschmacks an den alten Ritterromanen die leichtfertigen Producte des Tags zu verdrängen, erfolglos Großen Einfluß auf den französischen Roman übte England. Nach dem Muster Richardson's entstand bes. durch Antoine François Prévost d'Exiles (1697–1763) auch in Frankreich der Familienroman. Zu dieser Gattung, in welcher Rousseau in seiner Nouvelle Héloise das höchste leistete, gehören auch einige Werke von Duclos u. Marivaux. Im Ganzen folgte jedoch die französische Romanliteratur der frivolen Richtung des 18. Jahrh. u. abgesehen von dem oft mehr od. minder nichtswürdigen Inhalt, hat diese Periode vieles zum Theil Meisterhafte aufzuweisen. Außer den verrufenen Romanen von Claude Prosper Jolyot de Crébillon (1707–77) sind noch die von Nicolas Edme Rétif de la Bretonne (1734–1804) u. vor Allem Pierre Ambroise Chauderlos de Laclos (1741 bis 1803) mit seinen Liaisons dangereuses, so wie Jean Baptiste Louvet de Couvray (1764–97) mit seinem Faubblas als die Blüthe geistreicher Frivolität hervorzuheben. Dagegen versuchten sich namentlich Frauen in durchaus reinen, wenn auch zuweilen ans Sentimentale streifende Darstellungen. dahin gehören: Claudine Alexandrine Guérin de Tenoin (1681–1749), die eine Zeit lang die Schöngeister von Paris in ihrem Hause versammelte; Françoise d'Issembourg d'Apponcourt de Graffigny (1694–1758); Madame le Prince de Beaumont (1711–80), bes. durch ihre beliebten Erziehungsschriften bekannt; ferner Marie Jeanne de Mézières de Laboras Riccoboni (1714–92), Sophie Risteau, Wittwe Cottin, Adèle de Flahault de Souza ua. Den größten Ruf aber im sentimentalen Romane erwarb sich Jacques Henri Bernardin de St. Pierre (1737–1814), dessen Paul et Virgine u. La chaumière indienne durch ganz Europa gelesen u. bewundert wurden. Die Philosophen bedienten sich der Form des Romans zur Verbreitung ihrer Ideen über Religion, Moral u. Staat; so Diderot, Rousseau, Voltaire u. A.; harmloser sind Le diable amo ureux von Jacques Cazotte (1720–92) u. die Contes moraux von Jean François Marmontel (1719–99). Den großen Beifall, den Fénelon mit seinem Télémaque gefunden, ermuthigte zu andern sogenannten epischen Romanen. Am berühmtesten unter denselben wurden der Bélisaire Marmontels u. einige Werke des Jean Pierre Claris de Florian (1755–94), während die Romane von Paul Iérémie Bitaubé 1730 bis 1808) jetzt ganz vergessen sind. Bleibenden Werth besitzt jedoch die Voyage du jeune Anacharsis en Grèce von Jean Jacques Barthélemy (1716–95).

Durch Voltaire's u. Montesquieu's geschichtliche Werke wurde der Geschichtschreibung ein neuer Schwung verliehen; namentlich ist das, was man Geschichte der Menschheit od. Philosophie der Geschichte der Menschheit genannt hat, eigentlich erst eine Schöpfung des 18. Jahrh. Allerdings wurde durch diese sogenannte philosophische Behandlung der Geschichte der Wahrheitsliebe mehr od. minder Eintrag gethan; oft werden die Ereignisse der Vergangenheit ohne gründliche Forschung nur nach den Ideen des 18. Jahrh. heurtheilt. In erster Linie unter den französischen Historikern dieser Zeit steht unstreitig Voltaire. Sonst sind außer Guillaume Thomas Raynal (1713–96) noch zu nennen: Paul François Velly (1709–59), dessen Histoire de France von Claude Villaret (st. 1766) u. von Garnier fortgesetzt wurde; Charles Duclos (1705 bis 1772); Gabriel Bonnot de Mably (1709–85), ein ernster u. gewissenhafter Forscher; Charles de Brosses (1709–77); Anton Yves Gognet (1716 bis 1758); Charles Jean François H. nault (1685 bis 1770); Germain François Poullain de St. Foix (1703–76); Gabriel Henri Gaillard (1726 bis 1806). Die Arbeiten von Pierre Charles Levesque (1736–1812), Guillaume Alexandre de Méhegau (1721–66) u. namentlich von Claude François Xavier Millot (1726–85) sind zum Theil oberflächlich u. nur durch ihre gefällige Darstellung blendend. Achtenswerther sind Claude Carloman [628] Rulhière (1735–91) u. der gelehrte Publicist Christoph Wilh. Koch (1737–1814). Ein bedeutenderes kirchen-historisches Werk hat dieser Zeitraum nicht aufzuweisen, außer der großen von den Jesuiten herausgegebenen Histoire de l'église Gallicane. Als das Werk eines immensen Fleißes ist noch das große Werk L'art de vérifier les dates des états etc., von Dantine, Durand, Clémencet, Clément St Allais, Billy u. A. vorzuführen. Die zahllosen Memoiren, welche im 18. Jahrh. erschienen, sind mehr als Spiegelbilder der Sittenverderbniß ihrer Zeit, denn als historische Werke zu betrachten. Mehrere sind nur berühmten Personen untergeschoben, wie die von Maurepas, Aiguillon, dem Marschall von Richelieu, die von Jean Louis Soulavie (1752 bis 1813) herausgegeben u. größtentheils auch geschrieben wurden; auch die Echtheit der Memoiren des Grafen Etienne François de Choiseul Amboise ist nicht verbürgt; geschichtlich am wichtigsten sind noch die Memoiren des Louis Duc de St. Simon (1675–1755). Briefe, die absichtlich für Zwecke der Lecture abgefaßt wurden, kommen nicht mehr vor, wohl aber wurden die Briefwechsel mehrerer der bedeutendsten Schriftsteller veröffentlicht, wie von Voltaire, d'Alembert, Diderot u. A. Von höherer Bedeutung ist die Correspondance des Baron Friedrich Melchior Grimm (1723_–1807); weniger die Gazette russe von La Harpe; durch humoristische Zeitgemälde machten sich Louis Seb. Mercier (1740–1814) berühmt; François Vincent Toussaint 1715_–72) schrieb anziehende Sittenschilderungen; Charles Pinau Duclos lieferte wohlgetroffene, wenn auch etwas überladene Charakterschilderungen.

Die geistliche Beredtsamkeit konnte in Frankreich während des 18. Jahrh. nicht gedeihen; was von Predigten in Druck erschien, wie die des Jean Bapt. Charles Marie de Beauvais (1733–89) u. des Abbé Louis Poule (1711–81) haben nur die rhetorische Manier, nicht aber die Kraft u. den Geist ihrer Vorgänger. Da das Parlament gegen früher viel eingebüßt hatte, so beschränkt sich die gerichtliche Beredtsamkeit auf Plaidoyers u. Mémoires; Auszeichnung verdienen Jean Bapt. Jacques Elie de Beaumont (1732–85), Antoine Louis Séguier (st. 1794) u. Simon Nicolas Henri Linguet (1736–94). Vgl. Pinard, Le barreau français, Par. 1843. Für Meisterwerke gelten die Mémoires, die Beaumarchais, ohne Jurist zu sein, in seiner eigenen Sache schrieb. Dagegen feierte die akademische Beredtsamkeit in dieser Periode ihre Blüthezeit; in derselben zeichneten sich d'Alembert, Chamfort, La Harpe, Thomas, Maury, Maisan, Bailly u. der Graf Guilbert aus.

In allen Literaturwerken dieser Periode läßt sich der Geist, die Gesinnung u. die Betrachtn gsweise der sogenannten Philosophen od. auch Encyklopädisten (s.d.) wiedererkennen, welche mehr od. weniger die ganze Zeit beherrschten. Vor allem sind hier zu nennen d'Alembert, Diderot u. Helvetius, dann in zweiter Linie Condorcet, Reynal, Robinet, Holbach u. La Métrie. Jean Jacques Rousseau (s.d.) gehört zwar auf das Entschiedenste zu den Philosophen, steht aber doch durch Geist u. Gesinnung ihnen gegenüber, wie überhaupt ganz vereinzelt; sein Hauptwerk Emile hat einen unermeßlichen u. zugleich auch heilsamen Einfluß ausgeübt. Der einzige französische Denker dieser Zeit, der auch bei den Deutschen mit dem Namen eines Philosophen bezeichnet werden würde, ist Etienne Bonnot de Condillac (1715–80), ein Schüler Locke's, der dessen System nur weiter ausgebildet hat. Neben ihm sind nur noch Luc Clapiers de Vauvenargues (1715–47) u. Charles Bonnet aus Genf (1720 bis 1793) zu nennen. Mit jenen sogen. Philosophen dem Geiste nach verwandt, aber ihnen äußerlich doch ferner steht der Graf Georges Louis le Clerc de Buffon (1707–88), der berühmteste Naturforscher u. einer der gefeiertsten Stylisten seiner Zeit, der jedoch einen großen Theil der in seinen Werken enthaltenen Beobachtungen u. Untersuchungen Jean Louis Marie Daubenton 1716_–99) verdankt.

Wie überhaupt die strenge Philosophie bei den Franzosen nur wenig Erfolg gehabt hat, so fehlt es auch an einer tiefern Begründung der Ästhetik. Theoretische Werke über Poesie u. Beredtsamkeit hat man von Ives Marie André (1675–64), Charles Batteux (1713–80), Diderot, Jean François La Harpe, Jean Marie Bernard Clément, Charles Palissot de Montenoy (1730–1814). Zu den im vorigen Jahrh. erstandenen Journalen kam eigentlich nur noch ein Blatt von einiger Bedeutung hinzu: die Année littéraire von Elie Catherine Fréron (1719–76), der sich vornehmlich angelegen sein ließ, Voltaire zu verfolgen.

IV. Periode. Von der ersten Revolution bis zur Februarrevolution. Bereits gegen Ausgang des vorigen Zeitraums hatten sich um die Chorführer der geistigen Bewegung gewisse Parteien gebildet, die wegen ihrer Ideen im Kampfe waren. Die Revolution selbst war den literarischen Interessen nicht günstig; die Literatur flüchtete sich in die Journale u. Pamphlets, nur eine Gattung, die parlamentarische Beredtsamkeit, gedieh zu höchster Blüthe; vgl. Roux u. Buchez, Histoire parlement aire de la révolution française, Par. 1833–40, 40 Bde. Die bedeutendsten literarischen Vertreter der Revolution waren Champfort, Sièyes, Condorcet, Daunou, Röderer, Joseph Chenier, Béranger; Droz, Lamontey, Delille, Ducis, Portalis u. Fontanes gehören zwar auch hierher, traten aber später als Gegner dieser Epoche auf. Durch den Einfluß der Philosophen des 18. Jahrh. war der Katholicismus bei den gebildetern Klassen zwar schwach geworden, aber im Herzen des Volks war er keineswegs erstorben. Schon vor dem Concordate Napoleons mit dem Papste hatten viele Gemeinden den alten Gottesdienst wieder hergestellt. Für die vollständige Restauration der Kirche waren außer Châteaubriand bes. Joseph de Maistre u. Bonald, die Begründer des theokratischen Systems in der F-n L.; ferner Lamennais, weniger Rivarol als Gegner der Revolution u. St. Martin als Gegner der Philosophie des 18. Jahrh, thätig. Etwas später beginnt die Wirksamkeit des Grafen Montalembert u. des Dominicaners Lacordaire, zweier Schüler des Lamennais; der Einfluß Louis Veuillot's, einer der Führer der ultramontanen Partei, ist noch gegenwärtig mächtig. Zur Zeit der Restauration standen sich der Materialismus u. Jakobinismus einerseits, der Ultramontanismus u. Absolutismus andererseits feindlich gegenüber. Hierzu trat jetzt eine neue literarische Schule, welche diese Gegensätze zu vermitteln suchte. Diese neue Literatur, welche in[629] der Restaurationsepoche zu voller Entwickelung gelangte, war nicht nur in der Philosophie, sondern in allen ihren bedeutenderen Richtungen eklektischer Natur. Dahin gehören zunächst Necker mit seinem Freunde Mallet du Pan; ferner Necker's große Tochter, die Frau von Staël, mit ihren Freunden u. Gesinnungsgenossen, dem Geschichtschreiber Sismondi, Barante u. Fauriel. Auf speculativem Gebiete machte sich die neue Richtung bes. in den Schriften Maine de Biran's, Royer-Collard's u. Victor Cousin's, sowie denen Jouffroy's u. Rémusat's geltend. Namentlich durch Cousin gewann die Philosophie auch Einfluß auf die Kunst im weitesten Sinne des Worts. Umgestaltend zeigte sich die neue speculative Richtung in der Historiographie, vor Allem in den Werken Guizot's u. Augustin Thierry's, denen sich Carné, Raudot u. Alexis von Tocqueville anschließen. Als die populärsten Geschichtschreiber stehen Thiers u. Mignet da. Dieser Bewegung in der Philosophie u. Geschichtschreibung mußten auch die Literaturgeschichte u. Kritik folgen. Noch unübertoffen bleibt hier Villemain; weniger tief griffen St. Marc Girardin, Nisard, Sainte Beuve u. A. in die Zeit ein. In der Poesie wurde den Franzosen von Chateaubriand u. der Frau von Staël eine neue Welt erschlossen; neben derselben blieb aber die frühere Manier u. Methode fortbestehend. Joseph Chenier, Delille, Fontanes, Daru, Etienne u. A. galten zwar ihren Zeitgenossen für bedeutende Dichter, waren aber doch nur geistreiche u. geschickte Verskünstler, denen, wie der ganzen Poesie der Kaiserzeit, der tiefe Athem des Gemüths fehlte. Einen Dichter im wahren Sinne des Worts erhielten die Franzosen erst in Alphons de Lamartine, dessen klassische Méditations poétiques für den vollendetsten Ausdruck der neuern französischen Poesie gelten können. Der neuen Richtung, welche die F. L. angenommen, gehören bes. Paul Courier, Beyle, Charles Nodier, Prosper Mérimée, Charles de Bernard, Alfred de Musset, Delatouche u. A. an. Während bei allen diesen mehr od. minder noch Reminiscenzen aus der klassischen Zeit durchtönen, trat Victor Hugo, das Haupt der Romantischen Schule, in Conception, Charakteristik u. Styl in vollständigem Gegensatz zu den klassischen Idealen. Als sein bedeutendster Mitstreiter muß Alfred de Vigny gelten. Mit der Julirevolution von 1830 griff die Literatur kühner als je um sich, u. wurde immer mehr in die politische Bewegung, die Parteikämpfe zwischen Monarchisten u. Republikaner, Socialisten u. Communisten verstrickt. Ausgezeichnete Talente, wie Michelet u. Edgar Quinet leisteten der hereinbrechenden Anarchie der Literatur wie der Thatsachen, durch ihre maßlosen Angriffe auf die Katholiche Kirche Vorschub. Lamartine, Victor Hugo u. andere weniger bedeutende Dichter, wandten sich mehr od. minder der Politik zu. Die Schriften Balzac's, Eugen Sue's, Soulié's, der George Sand, Alexandre Dumas, Proudhon's hatten zum Ergebniß, daß die Gegenwart mit Allem was zu ihr gehört, Regierung, Gesellschaft, Sitte, verächtlich wurde. Eine erst dumpfe, dann wilde Gährung bemächtigte sich der Gemüther, aus welcher die Februarrevolution von 1848 hervorging.

Unter den poetischen Leistungen des eigentlichen Revolutionszeitalters, gewähren nur die dramatischen einiges Interesse. Bloße Ausbrüche des wüthendsten Hasses gegen Königthum u. Kirche, war das meiste einzig darauf berechnet, die Leidenschaften des Pöbels zu entflammen. Das Jugement des rois von Sylvain Maréchal streift an das Wahnwitzige. Das Theater war mit Gelegenheitsstücken überschwemmt; viele derselben hatten den Schauspieler Dugazon zum Verfasser, auch der berüchtigte Collot d'Herbois schrieb einige Stücke. Weit über seine Zeitgenossen jedoch ragt durch Talent u. Gesinnung Marie Joseph de Chénier (1764–1811) hervor, dessen Tragödien, obgleich voll von Beziehungen auf Zeitverhältnisse, doch den besten Producten der alten Schule zur Seite stehen. Eine seiner berühmtesten Dichtungen ist die Hymne à l'être suprême. Sein Bruder, Marie André de Chénier (1763–94), schilderte die sanftern Gefühle des Herzens u. ist besonders durch seine Elegies u. vor allem die Eclogues berühmt geworden. Minder bedeutend sind die Tragödien von Antoine Vincent Arnault (1766–1834), sowie von dessen Sohn Lucien Emile Arnault. Noch zu erwähnen sind Gabriel Jean Baptiste Legouvé (1764–1813) u. Jean Ponce Guillaume Viennet (geb. 1779), die noch ganz auf klassischem Boden stehen, während Nepomucène Louis Lemercier (geb. 1770) schon den Übergang zur Romantik zeigt. Eine ähnliche Stellung nahmen Jacques François Ancelot (geb 1794), Baour Lormian (geb. 1772) u. Juste Marie Raynouard (1761–1836), der Restaurator der provenzalischen Studien, ein. Zu den letzten Werken der alten Schule gehören noch die Stücke von Alexander Soumet u. Victor Joseph Etienne de Jouy (1769–1846), der jedoch als Operndichter glücklicher war. Ohne der Romantischen Schule anzugehören, tragen doch die Stücke von Jean François Casimir Delavigne (1794–1843) bereits nichts mehr von der Steifheit der klassischen Dramatik an sich. Eine mächtige Bewegung in der Literatur veranlaßte Louis Vitet; die bisherigen Fesseln vollständig zu sprengen wagte jedoch erst Alexandre Dumas, der auf seinen Henri III. et sa cour (1829) zahlreiche andere Dramen folgen ließ. Neben ihm der hervorragendste Dramatiker der Romantischen Schule ist unstreitig Victor Hugo (s.d.) Derselben Richtung gehören außer Alfred de Vigny noch an Emile Deschamps u. Gustave Drouineau. Zwölf Jahre hindurch hatte die Romantische Schule die Bühne beherrscht; die dramatische Poesie vermochte sie jedoch nicht zu heben, sondern nur ihrem Verfalle zuzuführen; die dramatische Dichtung war in Äußerlichkeiten u. Wunderlichkeiten aufgegangen. Daher kam es, daß 1843 die Lucrèce von Ponsard, einem bisher ganz unbekannten Dichter aus der Provinz, der sich an die alten klassischen Muster anlehnte, das nngewöhnlichste Aufsehn erregen u. dem Romanticismus die vollständigste Niederlage beibringen konnte. Von den vorzüglichern Dichtern von Lustspielen u. kleinern Bühnenstücken ragen in diese Zeit aus der vorigen Periode noch Andrieux (st. 1833), Collin d'Harleville, Fabre d'Eglantine u. Picard herein; nachträglich sind noch zu nennen: Pigault Lebrun, Alexandre Vincent Pineux Duval (1767–1842), einer der besten Komiker der neuern Zeit; Ancelot, der zum Theil in Verbindung mit Xavère Boniface Saintine für die kleineren Theater schrieb; ferner Georges François Fouques Deshayes, bekannter[630] unter dem Namen Desfontaines (1733–1825), Charles Aimé Desprez (1783–1824), Jean Toussaint Merle (geb. 1785), Louis Philippon de la Madeleine (1734–1818), Jean Baptiste Radet (1751–1830), Nicolaus Juste Anger St. Hippolyte, Louis Emanuel F. licité Charles Dupaty. Alle diese werden doch übertroffen durch den unerschöpflich fruchtbaren Auguste Eugene Scribe (s.d.). In dem Vaudeville haben sich vor Allem ausgezeichnet Auguste de Piès (1755–1832) u. Jean Baptiste Radet; hierzu kommen Jean Etienne Victor Arago mit seinem Sohne Emanuel Arago; Pierre Yvon Barré (1766–1832), Marc Antoine Désaugiers (1772–1827), der berühmter als Liederdichter ist; Joseph Marie Armand Michel Dieulafoy (1762–1823); Charles Guillaume Etienne (1778–1845), u. Germain Delavigne. Die Gattung der Proverbe dramatique ward durch N. Carmontelle (1717–1806) in die Literatur eingeführt; das Beste in derselben leistete seitdem der geistreiche Michel Théodore Leclercq (st. 1851).

Zu der Zahl mißlungener Epen, welche die früheren Perioden erzeugt hatten, traten seit der Revolution noch mehrere neue hinzu Den meisten Ruf genossen ihrer Zeit Auguste Marseille Barthelémy u. Jean Méry, deren Dichtungen Napoléon en Egypte u. Le fils de l'homme jedoch kaum mehr als versificirte Bulletins der Großen Armee sind. Nächst ihm sind noch Alexandre Soumet wegen seiner Divine épopée u. etwa Parceval de Grandmaison wegen seines Philippe Auguste zu nennen. Edmond Gérard war glücklich in der Romanze. Sonst hat man noch Epen von Pierre Toussaint Ailland (1759–1826), Auguste Creuzé de Lesser (1771–1839), Louis Gorsse, Darode de Lillebonne, Jean Chrétien Julien Luce de Lancival (1764–1810), Lebrun de Charmettes, Charles François Philibert Malson (1762–1807), Paul Philippe Gudin de la Brenellerie (1738–1812). Talentvoll zeigte sich Charles Hubert Millevoye (1782–1816); die phantastischen Dichtungen Edgar Quinet's schreiten über die Grenzen des eigentlichen Epos hinaus. Auch das Lehrgedicht, welches zu Anfang des 19. Jahrh. fleißig bearbeitet ward, hat wenig Ausgezeichnetes aufzuweisen, außer den bereits oben erwähnten Dichtungen von Esmenard, Fontanes u. Legouvé sind noch zu nennen Pierre Antoine Bruno Daru (1767–1829); Claude François Adrien de Lezai Marnesia (1735–1800), Claude Augustin Bielh de Boisjolin (st. 1832); ferner Joseph Berchoux wegen seiner geistreichen, witzigen u. scherzhaften Gastronomie; Jean Baptiste Lalanne, Florimont Levol, Dominique Ricard (1741–1803), Pierre Paul Rabottean (1766 bis 1825), Marie Charles Pougens (1755–1833) u. Louis Aimé Martin. Beachtung verdienen Leroux wegen seiner Les trois âges u. Chenedollé, ein Anhänger Lamartines, wegen seiner Etudes poétiques. Auf der Grenze zwischen dem Epischen, Didaktischen u. Sentimentalen halten sich Louis Alhoy (1755–1826), François Nicolas Vincent Campenon (1772–1843), Viennet u. Alfred de Vigny. In einer politisch so bewegten Zeit kann es nicht befremden, wenn die Ekloge völlig unbeachtet blieb; einen Fabeldichter hat die Zeit seit der Revolution nur in Viennet aufzuweisen. Letzterer zeichnete sich nebst Barthélemy u. Méry auch in der satyrich-politischen Epistel aus.

Mit um so größerem Glanze ist in der neuern Zeit die Lyrik aufgetreten. Die Erzeugnisse aus den Jahren der Revolution haben mit wenig Ausnahmen nur ein historisches Interesse. Hervorhebung verdient Joseph Rouget Delisle (1790 bis 1836), der Verfasser u. Componist der Marseillaise, u. Ponce Denis Ecouchard Lebrun (1729–1807), der gefeiertste unter den eigentlichen Revolutionsdichtern. Auch Delille (1738_–1813) hatte seine Muse der Revolution geweiht. Ihm geistesverwandt war Roucher aus Marseille der 1793 guillotinirt wurde. Die ganze Richtung der Kaiserzeit war ebenfalls der Lyrik nicht günstig; sie artete entweder in eine fade kriecherische Gelegenheitspoesie aus, oder streifte an das Didaktische. In freiern Formen bewegten sich nur Antoine Désaugiers (1772–1827), dessen Chansons eine echt nationale Farbe haben, u. Honor. Riouffe aus Rouen (1764–1813), der Empfänglichkeit für Goethe'schen Geist zeigte. Sonst sind noch zu nennen Charles Nodier wegen seiner Napoléone (1802) u. der Satyriker Joseph Despaze (1779–1814). Nach der Restauration lassen sich verschiedene Richtungen in der Lyrik erkennen. Der klassischen Tradition huldigte vor Allem Casimir Delavigne in seinen Messéniennes; royalistisch u. katholisirend sind die bereits erwähnten lyrischen Poesien Lamartines. Als Nationaldichter im eigentlichen Sinne des Worts zeigt sich Béranger (s.d.), in seinen unvergleichlichen Chansons, neben denen nur etwa die von Pierre Emile Debraux (st. 1831) Erwähnung verdienen. Der bedeutendste Lyriker der neuern Zeit ist unstreitig Victor Hugo, um den sich seit 1825 eine Anzahl von Lyrikern schaarte (die sich Cénacle nannte), wie die Brüder Emile u. Antoine Deschamps, bes. aber Sainte-Beuve, Alfred de Vigny u. Alfred de Mousset, die wiederum für die große Schaar der Romantiker als Muster u. Meister galten. Zu den gemäßigten Romantikern zählte Pierre Lebrun. Noch machten sich Victor de Laprade, Gerard de Norvins u. Brizeux als Dichter bekannt. Unter den dichtenden Frauen verdienen genannt zu werden Elise Mercoeur (1809–35), Marcelline Desbordes-Valmore, Amable Tastu u. Delphine de Girardin. Die Julirevolution vermochte wider Erwarten keine Dichter u. Schriftsteller zu wecken. Nur ist Auguste Barbier, der mit ihr auftauchte, aber auch fast gleichzeitig mit ihr wieder abtrat, zu nennen. Doch brachte die Julirevolution die Handwerkerpoesie hervor, deren namhafteste Repräsentanten waren: Jean Reboul, ein Bäckermeister in Nismes, Hégésippe Moreau, ein pariser Buchdruckergehilfe (st. 1838), u. Pierre Dupont, der den in Frankreich längst verklungeuen Ton des eigentlichen Volksliedes wieder angeschlagen hat. Der Beifall, welchen die in südfranzösischer Mundart geschriebenen Poesien des Jacques Jasmin, eines Haarkräuslers in Agen, fanden, hat eine Menge Dialektdichter in Südfrankreich hervorgerufen, die jedoch ohne literarische Bedeutung sind. Vgl. Honegger, Victor Hugo, Lamartine u. die französische Lyrik des 19. Jahrh., Zürich 1858.

Wie anderwärts, so war auch in Frankreich der Roman diejenige Gattung der Literatur, welcher sich die meisten Kräfte zuwandten. Es gibt fast keinen der bedeutenderen Dichter dieser Zeit, die sich nicht auf diesem poetischen Gebiet versucht hätten. Vor Allem sind hier zu nennen Châteaubriand[631] (1769–1848) u. die Frau von Staël; neben ihnen Nodier u. Sénancourt. Unter die Dichterinnen, deren Romane zu Anfang dieses Jahrhunderts in Gunst standen, gehören die Madame de Genlis, die Juliane Krüdener, die Cottin, Adèle de Souza, die Herzogin von Duras, geb. Kersaint, u. Isabelle Polier de Bottens, Baronesse von Montolieu (1775–1832). Am Höchsten gestellt wird unter den historischen Romanen dieser Zeit Notre Dame de Paris von Victor Hugo; fast ebenso vortrefflich in seiner Art muß Cinq-Mars von A. de Vigny genannt werden. In mehrfacher Beziehung an Walter Scott erinnern die historischen Romane von Paul Lacroix; nicht ohne Werth sind die historischen Darstellungen von Pitre-Chevalier, beinahe abgeschmackt hingegen die Romane des Vicomte d'Arlincourt. Noch gehören hierher Jean Fiévée (1770–1839) u. Graf Salvandy. Im psychologischen Roman ist X. B. Saintine hervorzuheben, dessen Picciola auf Kosten seiner andern Werke große Berühmtheit erlangt hat. Im komischen Roman hat sich Guillaume Charles Antoine Pigault Le Brun (1753–1835) ausgezeichnet. Treffliches auf dem Gebiet der Sittenschilderung leistete Jony u. neben ihm der Graf Joseph Hippolyte San-Domingo u. Gallois. Überaus reiche Beiträge zur Sittengeschichte der neueren Zeit bieten die Schriften von Paul Louis Courier, die während der Restaurationsepoche vielen Einfluß auf die Stimmung des Volks übten. Etwa seit der Julirevolution wurde der Roman u. die Novelle die Lieblingsgattung der schönen Literatur; er wurde die universelle poetische Form u. jede Partei machte ihn zu einem Werkzeug für ihren Gebrauch. Doch machte sich der materialistische Charakter, der in das Drama eindrang, auch bald in der Romanliteratur geltend. Der Roman vernachlässigte immer mehr die Charakterschilderung; man erfand möglichst verwickelte Zustände, um die Spannung des Lesers aufrecht zu erhalten. Es prägten sich die verschiedenen Gatungen fester aus: der Sittenroman, der Liebes- u. Leidenschaftsroman, der Militärroman, der Seeroman, der Tendenzroman, der historische Roman. Obgleich die Zahl der Romanschriftsteller ins Unglaubliche wuchs, sind es doch nur fünf, die sich oben auf erhielten: Honoré de Balzac, Eugen Sue, George Sand, Alexander Dumas u. Frédéric Soulié; am größten u. bedeutendsten unter diesen steht unzweifelhaft die George Sand oben an. Erhebliches haben auch Charles de Bernard, ein Schüler u. Nebenbuhler Balzacs, u. Prosper Mérimée, ein vortrefflicher Erzähler, geleistet. Einigen Kunstwerth besitzen ferner noch die Romane von Emile Souvestre, Louis Reybaud, Léon Gozlan, Elie Berchet, Jules Janin, Méry, Alphonse Karr; nicht ohne Interesse für die Beurtheilung socialer Zustände, wenn auch ohne eigentliche literarische Bedeutung, sind die Werke von Paul de Kock, weniger die von dessen Sohne Henry de Kock. Während die Kunstnovelle in dieser Zeit nur wenig Vedeutendes, mit Ausnahme einiger Werke von Mérimée, sowie auch von Arsene Houssaye u. Paul de Mousset, aufzuweisen hat, wurde das Fach der Schilderungen um so fleißiger angebaut. Merkwürdige Urkunden für die französische Sittengeschichte dieser Zeit sind: Le Livre des Cent-et-un u. Les Françals peints par eux-mêmes. Gewöhnlich erschienen derartige Werke mit Illustrationen von Gavarni, Tony Johannot, Grandville, Henry Monnier u. A. Eine ähnliche Aufgabe stellten sich die satyrischen Witz- u. Spottblätter, z.B. Chari vari u. Corsaire; auch brachten die Feuilletons vielfach Skizzen, Reisebilder u. Schilderungen.

Durch die gewaltigen Ereignisse, welche seit der Revolution Frankreich bewegten, mußte der Geschichtschreibung ein neuer Schwung verliehen werden. Es bildeten sich mehrere Schulen, an deren Spitzen Guizot, Barante u. Mignet mit Thiers stehen. Die allgemeine Weltgeschichte wurde unter Anderm von Anquetil u. dem älteren Ségur, die alte Geschichte von P. Ch. Levesque, Em. Guilhem, I. de Clermont u. dem Baron von St. Croix bearbeitet. Sonst machten sich um die Geschichte des Alterthums noch Letronne, Naudet, Ph. Lebas, Champany u. der Hieroglyphenforscher Champollion der Jüngere verdient. Mit Vorliebe wandte man sich besonders seit der Restauration der Erforschung des Mittelalters zu. Dahin gehören die Arbeiten von Desmichel, des Publicisten Koch, die Monographien Beugnots, die Werke von Frantin, Depping u. A. Die Geschichte der neuern Zeit wurde von Max Samson u. Friedrich Schöll bearbeitet. Unzählige Werke wurden der Geschichte Frankreichs gewidmet. Anquetil u. sein Fortsetzer Gallois stehen auf einem niedrigen Standpunkte. Klassisch sind die Arbeiten von Guizot, Augustin u. Amédée Thierry u. Barante; beachtenswerth sind auch die Leistungen von Lacretelle, Lemontey, des Grafen Sismonde de Sismondi, des Grafen Montlosier, Deppings, Michauds, Andins u. Saint-Aulaires. Unter den Geschichtschreibern über die Revolution stehen Thiers u. Mignet oben an. Die Geschichte Napoleon behandelten Graf Ségur, dann Bignon, Gourgaud, Arnault, Jay, Thibaudeau, Jouy u. Norvins, in populärer Form Norvins, Laurent, Abel Hugo, St. Hilaire u. Dumas. Wichtig für die eigentliche Kriegsgeschichte der Kaiserzeit sind die Werke von Ségur u. Dumas; ferner von Jomini, Marquis George de Chambray, vom Marschall Gouvion de St. Cyr u. Foy. Obgleich die Zeit von der Julirevolution bis 1848 bedeutende historische Arbeiten nicht in so großer Zahl wie in den letzten Jahren der Restauration hervorgebracht hat, so ist sie doch nicht ganz unfruchtbar geblieben. Guizot u. Barante hatten sich zwar der Politik zugewendet, doch setzten Augustin Thierry u. Mignet ihre Arbeiten fort. Hierzu trat Michelet, einer der bedeutendsten französischen Geschichtschreiber der neueren Zeit. Hervorragende Arbeiten über die Geschichte Frankreichs lieferten noch H. Martin, Laurentie, Capefigue, Monteil, in kürzerer Fassung Bodin, Lavallée u. Burette. Einzelnen Perioden gewidmet sind die Arbeiten von Amedée Thierry, Bazin, Droz, Barante; die Geschichte der Französischen Revolution wählten Conny, Marrast, Cabet, Vivien, Buchez Roux zum Gegenstande, während Louis Blanc den glänzenden Versuch zur Bearbeitung der Geschichte der Gegenwart machte. Die Memoirenliteratur dieses Zeitraums leidet an Überfluß. St. Albin Berville u. Barrière veranstalteten große Sammlungen für die Memoiren aus dem Revolutionszeitalter; von Bedeutung sind die Mémoires von Napoleon, Bourienne, Las Cases, Bausset, Constant, Madame Campan, Baron Fain, Herzogin von Abrantes, Frau von Laroche-Jacquelin u. Madame[632] de Hausset. Hierzu kamen unter der Julionarchie die Memoiren von Ney, Lamarque, Grégoire, Lafayette u. Barrère.

Wie schon erwähnt war es unter allen Literaturgattungen die politische Beredtsamkeit u. die Journalistik, welche während der großen Revolution ihren Höhepunkt erreichten. Der berühmteste von allen diesen Rednern war Mirabeau; neben ihm sprachen der Cardinal Maury, Mounier, Lally-Tollendal, Clermont-Tonnerre, Adrien Duport, Barnave, Sièyes u. Jacques Antoine Marie de Cazales; unter den Girondisten that sich Vergniaud hervor. Durch die Herrschaft Napoleons wurde dieselbe in den Hintergrund gedrängt, während der Kaiser selbst in seinen Reden u. Proclamationen der glänzendste Vertreteter einer neuen Richtung, der militärischen Beredtsamkeit, wurde. Mit der Rückkehr der Bourbons blühte die politische Beredtsamkeit wieder auf; namentlich zählte die liberale Partei bedeutende Redner wie Benj. Constant, General Foy, Manuel, Châ teanbriand, Villèle, Royer-Collard. Die gerichtliche Beredtsamkeit wurde bes. von den Brüdern Dupin, dem jüngern Berryer, Mérilhou u. A. gepflegt. In der geistlichen Redekunst, die seit ihrer Blüthe unter Ludwig XIV. im Sinken begriffen gewesen war, zeichneten sich der Cardinal Maury u. der Bischof Frayssinous aus. Unter der Julimonarchie machten nur der Pater Lacordaire u. der Abbé Ravignan einiges Aufsehen, während die Staatsberedtsamkeit im höchsten Flor stand. Zu den hervorstechendsten Rednertalenten dieser Zeit gehörten Guizot, Thiers, Odilon-Barrot, Mauguin, Lamartine, Verryer, Duvergier, d'Hanranne, Garnier-Pagès, Ledru-Rollin unter den Deputirten, Cousin, Montalembert, der Herzog von Fitz-James u. der Marquis von Dreux-Brézé unter den Pairs. Die berühmtesten Repräsentanten der gerichtlichen Beredtsamkeit waren Chaixd'Estange, Marie, Cremieux, Jules Favre etc. Fast ganz denselben Entwickelungsgang, wie die politische Beredtsamkeit, durchlief auch die Journalistik War sie in der ersten Zeit der Revolution leidenschaftlich, so überschritt sie während der Schreckenszeit alle Grenzen bis nach dem 18. Brumaire, welcher der Journalistik einen Damm entgegensetzte. Unter den Beschränkungen der Kaiserzeit konnte sie keinen großen polnischen Einfluß üben; desto bedeutender war jedoch derselbe auf literarischem Gebiet, wo die Kritik noch ernst u. gewissenhaft geübt wurde. Unter der Restauration wuchs die Menge der Journale, in denen der Kampf zwischen Classicismus u. Romanticismus geführt wurde, mit der Theilnahme des Publikums an den literarischen Bestrebungen der Zeit. Die verschiedenen Richtungen schufen sich ihre Organe in politischen u. literarischen Zeitschriften. Großes Anehn erlangte u. A. der 1824 begründete Globe, für welches Sainte-Beuve Kritiken lieferte. Eine völlige Umwälzung erlitt die Journalistik unter der Julimonarchie (s. Zeitungen u. Zeitschriften). Bis dahin hatten die Journale bei ihrem außerordentlichen Einfluß auf die öffentliche Meinung nur eine geringe Publicität gehabt. Als jedoch Girardin 1835 mit der Presse die Vierzigsrankenpresse schuf, wurden die Grundlagen des französischen Zeitungswesen völlig umgeschaffen. Während die älteren Journale ihre Kraft aus politischen Ideen schöpften u. sich streng an eine bestimmte Richtung hielten, stützte sich die junge Presse auf die Neugierde des Lesepublikums u. machte die Politik abhängig von der einträglichen Benutzung u. Ausbentung des Blattes. Das Feuilleton, in welchem ganze Romane erschienen, wurde jetzt die Hauptsache. Als Folge davon verlor einerseits die Presse tmmer mehr an Einfluß auf die öffentliche Meinung, während sie andererseits verderblich auf die Literatur wirkte u. die Schriftstellerei zu einem bloßen Geschäft entwürdigte. Da der Feuilletonroman bald eine entschiedene feindselige Richtung gegen die bestehenden Verhältnisse der Gesellschaft einnahm, so war die Feuilletonliteratur auch von den schlimmsten Folgen für das ganze sittliche u. geistige Leben des Volkes begleitet, zumal mehrere Blätter eine unglaubliche Verbreitung gewonnen hatten. Blätter wie die Presse, Siècle, Constitutionnel u. das Journal des Débats wirkten mit ihren Feuilletonromanen von Eugène Sue u. And. mehr für das Durchdringen socialistischer Ideen als Louis Blanc, Pierre Leroux, Considérant, Cabet in ihren theoretischen Schriften u. halfen somit unbemerkt den Sturm vorbereiten, der im Februar 1848 unerwartet zum Ausbruch kam. In den eigentlichen literarisch-kritischen Journalen, unter denen die Revue des deux mndes den ersten Rang behauptete, zeichneten sich als Kritiker de Sacy, Sainte-Benoe. St. Marc Girardin, Philarète Chasles, Génin, Granier de Cassagnac, Thé ophile Ganthier, Gustave Planche am meisten aus.

V. Die Französische Literatur der Gegenwart. Mit der Februarrevolution von 1848 trat die Literatur unter die Fahnen der Politik. Dichter u. Kritiker schrieben über politische u. sociale Fragen des Tags, die bekanntesten Romandichter, wie Georges Sand, A. Dumas, E. Sue schrieben Flug- u. Tageblätter, während andere als Minister, Beamte, Deputirte für die Neugestaltung Frankreichs zu wirken suchten. Doch ward trotz alles Drängens u. Schreibens nichts von Bedeutung u. bleibendem Werth geschaffen. Als nach den ersten stürmischen Augenblicken der Zügellosigkeit durch Beschränkung der Preßfreiheit die Literatur wieder. in eine regelmäßigere Strömung geleitet wurde, so behielt sie doch im Allgemeinen ihren revolutionären Charakter, bis sie in Folge des Staatsstreichs (Dec. 1851) mehr als je eingedämmt u. ihr der schmale Pfad vorgezeichnet wurde, auf dem sie sich noch gegenwärtig langsam fortbewegt. Obgleich die Gegenwart eine nicht geringe Anzahl gebildeter Geister sowie tüchtiger Schriftsteller u. Dichter besitzt, so gibt es doch in F. eigentlich keine Literatur im vollen Sinne u. Maße, weil die Gemüther kein gemeinsames Ideal haben, von dem sie erfüllt sind. Die Schriftsteller entsprechen der Gesellschaft. Wie in einer jeden Periode literarischer Verflachung, tragen zwar die ernstern philosophischen u. historischen Studien noch einen hohen Charakter, während dagegen die frivole Literatur einer großen Popularität genießt. Die gefeierten Dichter der vorhergehenden Zeit, wie Béranger, Lamartine, Victor Hugo, Alfred de Musset, Sainte-Beuve, haben sich von der Production zurückgezogen; an ihrer Stelle ist eine große Anzahl von Dichtern hervorgetreten, die jedoch nur wenig Originelles hervorgebracht haben. Dies gilt znnächst von der sentimental-elegischen Richtung der modernen französischen Lyrik. Der Gründer u. Hauptvertreter einer zweiten Richtung,[633] die sich selbst École fantaisiste nennt, u. aus der Romantischen Schule hervorging, ist Théophile Gauthier, dem wiederum viele Schüler huldigen. Von derselben trennte sich in neuester Zeit die sogenannte. Jeune Phalange, welche in der Revue de Paris (bis 1858) ihr Organ u. in deren Herausgeber Maxime Ducamp ihren Anwalt besitzt. Sie sieht sich in ihrem dichterischen Schaffen auf die Wunderwerke der Industrie u. Wissenschaft angewiesen. Daneben machte sich eine dritte eigenthümlich antikisirende Richtung geltend, welche mit der ältern u. neuern französischen Poesie entschieden bricht u. den Alten ihre Anschauungs- u. Denkweise, z.B. in Bezug auf die Mythologie, nachempfinden will. Ihr talentvollster Vertreter ist Lecomte de Lisle. Eine vierte lyrische Gruppe bilden die Naturalisten, deren Poesie das Landleben mit einem Anfluge von Feinheit, Urbanität u. Eleganz besingen. Sehr ansprechendes in diesem von Sainte-Beuve angebahnten Genre hat Charles Reynaud (st. 1854) geliefert. Hierher gehört auch Pierre Dupont, der sich vor 1848 glücklich im bukolischen Genre versuchte, während der Revolution aber sich den Rang eines Volksdichters im social-demokratischen Sinne erwarb. Die dramatische Dichtkunst nimmt gegenwärtig keine bedeutende Stelle ein, obgleich durch etwa 350 Bühnendichter jährlich an 250 Stücke producirt werden. Werthvoll kann nur weniges genannt werden; manches leidliche u. genießbare findet sich unter den oft witzigen u. launigen, aber ephemeren Stücken für die kleinern Theater. Fast alles ist auf den materiellen Erfolg, zu Gunsten der Theaterindustrie berechnet- In der Schöpferkraft der Dichter ist völlige Erschlaffung eingetreten, das Theater für den Zuhörer war nur Sache der Zerstreuung geworden. Anstatt Victor Hugo, Alexander Dumas, Alfred de Vigny gibt man Tragödien von Joseph Bouchardy, Auguste Maquet, Paul Maurice, Marc Fournier, Victor Séjour; die Dramen von Dennery, Paul Foucher, Anicet Bourgeois, Fern. Dugué, Paul Féval bestehen fast nur aus einer Anzahl von Scenen u. Situationen zu Gunsten des Decorationsmalers. Zwar suchte noch Ponsard u. neben ihm Latour de St.-Ybars dem eingerissenen Wirrwarr mit ihren den klassischen nachgebildeten Tragödien entgegenzutreten, aber mit wenig Erfolg. Nur von Zeit zu Zeit wußte die große Schauspielerin Rachel Felix das Interesse für Racine u. Corneille, sowie die alte Tragödie überhaupt anzuregen. Wie die Tragödie durch das Drama, so ist die Gattung des höhern Lust spiels, durch das Vaudeville in den Hintergrund gedrängt worden. Einige Beachtung verdienen nur die Lustspiele von Ponsard, sowie von Legouvé, Jules Sandeau, Scribe, Emile Augier u. Octave Feuillet: die Proverbes des Letztern sind in ihrer Art vorzüglich. Nur aus der Demoralisation der Gesellschaft ist es zu erklären, wie die sonst höchst bühnengerechten u. zum Theil gut ausgeführten Lorettendramen des jüngern Alexander Dumas den außerordentlichsten Beifall finden konnten. Selbst das Vaudeville ist theilweise entartet; indem es einerseits ins Possenhafte, andererseits ins Historische u. Romantische übergreift. Noch sind die dramatischen Arbeiten der George Sand zu nennen, die obgleich von wenig Erfolg begleitet, doch von literarischem Interesse sind.

Wie im Drama, so hat der französische Geist in neuester Zeit auch im Roman nichts Bedeutendes u. Originelles geleistet. Die flüchtig arbeitenden Schriftsteller huldigten der Richtung der Zeit u. dem Geschmack des lesenden Publikums. Die seit 1848 aus Licht getretenen großen Romane von Eugène Sue u. A. Dumas, machten nicht mehr das Glück, wie der Graf von Monte Christo u. die Mystères de Paris; die George Sand kehrte von ihren socialistischen Tendenzromanen mit Glück zu ihrer ersten Manier zurück. Zu den namhaftesten Romanschriftstellern der Gegenwart sind noch Jules Sandeau, Octave Feuillet, Henry Murger, Amédée Achard, Edmond About u. A. zu nennen. Charakteristisch, sowohl für den tiefen Verfall der schönen Literatur, wie des Geschmacks u. der Sittlichkeit im heutigen Frankreich ist der Beifall, welchen gegenwärtig die Producte eines Flaubert u. Feydeau bei dem größten Theile des Publikums finden.

Desto mehr haben die Franzosen seit 1848 in der Geschichtschreibung geleistet. Sie behaupten nicht nur den alten Ruhm der geistvollen Darstellung, sondern haben auch das neue Verdienst gründlicher Forschung u. Gelehrsamkeit hinzugefügt. Mehrere der bereits oben genannten Geschichtschreiber, wie Augustin Thierry, Mignet, Guizot, Villemain, Barante, St. Aulaire, Thiers, Louis Blanc, Amédée Thierry, Henri Martin, Rémusat, Cousin, Michelet haben verschiedene, zum Theil treffliche Arbeiten veröffentlicht; neben diesen sind noch zu nennen: Pierre Clément, Graf von Haussonville, Pater Ravignan, Amédée Pichot, Chalambert, Vaulabelle, Granier de Cassagnac u. viele Andere. Unter den Memoiren, welche erschienen, sind besonders die des Königs Joseph Bonaparte, des Marschall Soult, des Herzogs von Ragusa, des Grafen Miot u. Guizot's hervorzuheben. Von Bedeutung ist die Correspondenz des großen Napoleon. Eine andere, neue Gattung der Memoirenliteratur bilden die Denkwürdigkeiten berühmter Schriftsteller, wie von Châteaubriand u. der George Sand; in das Lächerliche ist dieses Genre bereits in den Memoiren eines Alexander Dumas, des Dr. Véron, der Madame Lafarge etc. ausgeartet. Von der Regierung begünstigt, wird die historische Forschung gegenwärtig auch in den Departements auf das Sorgfältigste, durch Vereine sowohl wie durch Einzelne gepflegt. In Verbindung damit steht der große Eifer, mit welchem man sich seit einer Reihe von Jahren dem. Studium u. der Reproduction der ältern französischen Literaturwerke zugewendet hat.

Die französische Literaturgeschichte hat nur wenige das Ganze umfassende Werke aufzuweisen. Hervorzuheben dürften nur sein: Nisard, Histoire de la litt. franç. (Par. 1855, 2. A.), Baron Hist. de la litt. abrégé de la litt. franç. (Brüssel 1841, 2 Bde.), Péschier, Cours de la litt. français (Stuttg. 1839), Boucharlats Fortsetzung von La Harpe, Cours de la littérature française; ferner aus neuester Zeit noch die Werke von Buron (Lyon 1851), Geruzez (Par. 1852), Vinet (Edinb. 1854), Henry, Histoire de la poésie (Par. 1856), Bougeault (Petersb. 1854) u. das gegenwärtig sehr beliebte von Demogeot (Par. 1858, 4. Aufl.). Ein großartig angelegtes Sammelwerk ist die von den Benedictinern begonnene Histoire de la littérature de la France (Par. 1733–1856, Bd. 1–23), die jedoch erst bis zum Schluß des 13. Jahrh. reicht. Mehr im Geschmack der Franzosen liegen[634] reflectirende Betrachtungen über einzelne Perioden, namentlich über einzelne Schriftsteller, welche meist den Titel Tableau, Etudes od. Portraits führen. Dahin gehören die Arbeiten von Victorin Fabre, Antoine Jay, Barante, Salverte über die Literatur des 18. Jahrh., von Philarète Chasles über das 16. Jahrh. (Etudes sur le 16me siècle, Par. 1848; Tableau de la marche et du progrès de la litt. franç. depuis le 16me siècle. Par. 1828), von Livet über die Zeit Richelieu's u. Mazarin's (1854), von Sayous über das Reformationszeitalter (Par. 1854, 2. Aufl., 2 Bde.) u.s.w. In hohem Ansehen stehen das Tableau historique et critique de le poésie française et du théâtre française au 16me siècle (1828, 2 Bde; 3. Aufl. 1843), die Portraits critiques et littéraires (1832–36, 3 Bde.), die Portraits littéraires contemporains 1852, 6 Bde.), die Causeries de lundi 1851–52, 5 Bde.) u. die Derniers portraits littéraires (1852) von Sainte-Beuve u. der minder gründliche aber glänzend stylisirte Cours de la littérature française (Par. 1828–30, 6 Bde., 2. Aufl. 1844), sowie die Souvenirs contemporains d'histoire et de littérature (Par. 1854, 2. Aufl.) u. Choix des études sur la littérature contemporaine (1857) von Villemain. Kritische Studien ähnlicher Art hat man u. A. von Gustave Planche (mehrere Sammlungen seit 1836) von Vinet (Etudes sur la litt. française du XIX siècle, 1857, 2. Aufl., 3 Bde.), von Remusat (Critiques et études littéraires), (1856, neue Aufl., 2 Bde.), Nisard (Etudes de critique littéraire 1858), Barante (Etudes littéraires et historiques Par. 1857–58, 4 Bde.) etc. Daran reihen sich Werke wie Roche's Histoire des principaux écrivains français (1858, 2 Bde.) u. Fée's Voyage autour de ma bibliotheque (1856). In den letzten Jahren sind mehrere beachtenswerthe literarhistorische Arbeiten über einzelne Epochen od. Gattungen der F. L. erschienen, dahin gehören die Histoire des marionnettes (Par. 1852), von Magnin, der schon früher die Origines du théâtre moderne (Par. 1838, Bd. 1.) begann, die Histoire des livres populaires (Par. 1854, 2 Bde.), von Nisard; ferner die Histoire de la litt. franç. sous la restauration (Par. 1854, 2 Bde., 2. Aufl. 1858) u. die Hist. de la litt. franç. sous le gouvernement de Juillet (Par. 1855, 2 Bde.) von Alfred Nettement. Hierzu kommen noch Gaulllieur's Etudes sur l'hist. litt. de la Suisse fran çaise (Genf 1856). Das Hauptwerk für die französische Bibliographie ist Querard's (s.d.) La France littéraire (Par. 1827–42, 10 Bde.) mit der Fortsetzung La France littéraire contemporaine (Par. 1841–57, 6 Bde) u. mehreren Ergänzungswerken. Auch in Deutschland ist eine das Ganze umfassende Bearbeitung der französischen Literaturgeschichte, mit Ausnahme einiger für den Unterricht berechneter Bücher, wie aus neuester Zeit von Kreyssig, de Castres, Haas u. A., noch nicht erschienen. Sehr brauchbar ist das Handbuch der französischen Sprache u. Literatur (Berl. 1852, Bd. 1, 1. Aufl.; Bd. 2, 7. Aufl. 1856; Bd. 3, 5. Aufl. 1854; Bd. 4, 3. Aufl. 1842) von Ideler u. Nolte. Die erste wahrhaft literaturgeschichtliche Arbeit über die F. L. gab Julian Schmidt in seiner Geschichte der F. L. seit der Revolution von 1789, Lpz. 18582 Bde. Sonst sind noch zu nennen: Büchner, Französische Literaturbilder aus dem Bereich der Ästhetik, Frkf. 1858, 2 Bde.; Schmidt-Weißenfels, Frankreichs moderne Literatur seit der Restauration, Berl. 1856, 2 Bde.; Arnd, Geschichte der französischen Nationalliteratur von der Renaissance bis zur Revolution, Berl. 1856, 2 Bde.

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Pierer's Universal-Lexikon, Band 6. Altenburg 1858, S. 613-635.
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