[851⇒] Toskāna, bis 1860 Großherzogtum in Mittelitalien, 22.338 qkm, (1861) 1.826.334 E., seitdem Teil (Compartimento) des Königr. Italien mit den Prov. Arezzo, Florenz, Grosseto, Livorno, Lucca, Pisa, Siena und dem früher zu Modena gehörigen Massa e Carrara, 24.105 qkm, (1905) 2.631.556 E.; Hauptstadt Florenz. [⇐851]
[852⇒] Geschichte. T., im Altertum in weiterer Ausdehnung Tyrrhenien, Etrurien und Tuscien, kam nach der Eroberung des Langobard. Reichs durch Karl d. Gr. 774 unter fränk. Herrschaft und wurde bis zum 12. Jahrh. von Herzögen und Markgrafen regiert. Nach dem Tode der Markgräfin Mathilde (s.d.) 1115 erlangten die Städte während des Streites um deren Besitz tatsächliche Unabhängigkeit; unter ihnen gewann Florenz, geleitet von der Familie der Medici (s.d.), nach Unterwerfung von Pisa (1509) und Siena (1559) die Herrschaft von T. Alexander von Medici ward 1532 zum erblichen Herzog von Florenz, Herzog Cosimo I. 1569 zum Großherzog von T. erhoben. Nach dem Aussterben der Medici 1737 folgte gemäß den Bestimmungen des Wiener Friedens (1735) Herzog Franz Stephan von Lothringen (als röm.-deutscher Kaiser Franz I. 1745-65) als Großherzog in T., welcher dieses 1763 zu einer österr. Sekundogenitur bestimmte. Unter Leopold I. (1765-90; als Kaiser Leopold II.) gelangte das Land zu neuer Blüte; sein Nachfolger Ferdinand III. (s. Ferdinand, Großherzöge von Toskana) mußte im Frieden zu Lunéville 9. Febr. 1801 auf T. verzichten, nachdem dasselbe 1. Okt. 1800 als Königr. Etrurien an den Herzog Ludwig von Parma verliehen worden war. Dieses wurde 24. Mai 1808 Frankreich einverleibt. 1814 erhielt Ferdinand III. T. zurück; ihm folgte (seit 1824) sein Sohn Leopold II. (s.d.). Als 1859 das Volk durch Demonstrationen die Allianz mit Sardinien und Frankreich zu erzwingen suchte, reiste dieser 27. April nach Österreich ab; Viktor Emanuel II. ward als »Protektor der Nationalregierung von T.« ausgerufen. Durch den Frieden von Villafranca (11. Juli) ward die habsburg.-lothring. Dynastie wieder eingesetzt und Leopold II. dankte (21. Juli) zugunsten seines Sohnes Ferdinand IV. ab; doch dekretierte eine Nationalversammlung 16. Aug. 1859 dessen Absetzung und erklärte sich für die Vereinigung T.s mit Sardinien, die nach der Volksabstimmung vom 11. und 12. März 1860 durch Dekret Viktor Emanuels vom 22. März 1860 erfolgte. – Vgl. Reumont (2 Bde., 1876-77). [⇐852]
[632⇒] Toskāna, ehemaliges Großherzogtum, jetzt Landschaft (compartimento) des Königreichs Italien, grenzt an Ligurien, Emilia, Marken, Umbrien, Latium, das Tyrrhenische Meer und umfaßt die Provinzen: Arezzo, Florenz, Grosseto, Livorno, Lucca, Massa e Carrara, Pisa und Siena mit 24,104 qkm (437,8 QM.) Areal und (1904) 2,609,587 Einw. Vgl. die Geschichtskarte bei Artikel »Italien«. T. ist das alte Tuscien oder Etrurien (s. d.). Nach dem Untergang des weströmischen Reiches (476 n. Chr.) herrschten in dem Lande zwischen dem Macrafluß und dem Tiber Ostgoten, dann Griechen, darauf Langobarden. Unter der Herrschaft der letztern zerfiel T. in mehrere Herzogtümer (Lucca, Florenz, Chiusi) und Gastaldate. Nach der Vereinigung des langobardischen mit dem fränkischen Reiche bildete es eine Markgrafschaft, deren Markgrafen mehrfach auch über das Herzogtum Spoleto und die Markgrafschaft Camerino gesetzt waren. Das Amt kam um 1030 an den Markgrafen Bonifaz aus dem Hause Canossa, der zugleich Graf von Modena, Reggio, Mantua und Ferrara und der reichste und mächtigste Fürst in Italien war. Ihm folgte 1052 seine Gemahlin Beatrix, die zunächst für ihren unmündigen Sohn Friedrich (gest. 1055), dann für ihre Tochter Mathilde mit ihrem zweiten Gatten, Gottfried von Lothringen, und darauf mit ihrer Tochter selbst regierte und 1076 starb. Beatrix und Mathilde (s. d. 3) waren eifrige Anhängerinnen des Papsttums und spielten in der italienischen Geschichte des 11. Jahrh. eine bedeutende Rolle. Nach dem Tode der Mathilde (1115) gelangten im Laufe des 12. Jahrh. die größern städtischen Gemeinwesen Florenz, Siena, Pisa, Lucca, Arezzo u. a. zu munizipaler Unabhängigkeit und bemächtigten sich demnächst des mathildinischen Erbes, soweit es in T. gelegen war. Unter ihnen erlangte Florenz die größte Macht und vereinigte im 14. und 15. Jahrh. den größten Teil von T. mit seinem Gebiet, so daß die Familie Medici, als sie in Florenz zur Herrschaft kam, damit auch die Herrschaft von T. gewann. Am 1. Mai 1532 erhob der Kaiser Karl V. seinen spätern Eidam, Alexander von Medici, zum erblichen Herzog von Florenz. Dessen Nachfolger Cosimo I. (153774) vergrößerte sein Gebiet 1555 durch die Erwerbung Sienas und wurde 1569 von Papst Pius V. zum Großherzog von T. ernannt; sein Nachfolger Franz (157487) ward in dieser Würde vom Kaiser (1576) bestätigt. Dieser hatte seinen Bruder Ferdinand, bisher Kardinal (gest. 1609), zum Nachfolger. Unter den folgenden Herzogen, Cosimo II. (gest. 1621), Ferdinand II. (gest. 1670) und Cosimo 111. (gest. 1723), sank die Blüte des Staates sichtlich. Gemäß dem Wiener Frieden von 1735 fiel T. nach dem Tode des letzten Medici, Giovanni Gasto (1737), an den Herzog Franz Stephan von Lothringen, Gemahl Maria Theresias von Österreich und nachmaligen Kaiser Franz I. Ihm folgte 1765 sein zweiter Sohn, Großherzog Leopold, unter dessen aufgeklärter Regierung die geistige und materielle Entwickelung des zu einer österreichischen Sekundogenitur erklärten Landes durch weise Reformen außerordentlich gehoben wurde. Als Leopold 1790 Kaiser ward, folgte ihm in T. sein zweiter Sohn, Ferdinand III., der im Sinne seines Vaters regierte. 1793 trat er der Koalition gegen Frankreich bei, schloß aber schon 1795 einen Neutralitätsvertrag mit der Republik. Nachdem Bonaparte dessen ungeachtet 1796 Livorno besetzt hatte, wurde 1797 der Abzug der Franzosen mit 1 Mill. Frank erkauft; aber schon im März 1799 rückten sie wieder in T. ein und nötigten den Großherzog, das Land zu verlassen, das er 1801 im Frieden von Lüneville gegen Salzburg abtreten mußte. T. wurde nun zu einem Königreich Etrurien umgeschaffen, das dem Infanten Ludwig von Parma zufiel. Aber schon 27. Okt. 1807 wurde das neue Königreich durch den Vertrag von Fontainebleau zwischen Frankreich und Spanien gegen das nördliche Portugal an Frankreich abgetreten und durch Dekret vom 24. März 1808 damit vereinigt. Am 2. März 1809 verlieh Napoleon seiner Schwester Elisa Bacciocchi den Titel einer Großherzogin von T. Nach dem Sturze Napoleons I. erhielt Ferdinand 1814 T. zurück, dazu durch die Wiener Schlußakte 1815 das Fürstentum Piombino, den ehedem zu Neapel gehörigen Stato degli Presidj, die Insel Elba und die Anwartschaft auf die Erbfolge in Lucca. Ferdinand III. starb 18. Juni 1824; ihm folgte sein Sohn Leopold II., der, von seinem Minister, dem Grafen Fossombroni, unterstützt, im Sinne seines Großvaters und Vaters zu regieren sich bemühte. Straßenbauten, großartige Arbeiten zur Entwässerung der Maremmen, Erweiterung des Hafens von Livorno, Industrieausstellungen, Reorganisation des Unterrichtswesens zeugten von dem Eifer und der Einsicht der Regierung; und erst seit dem Tode Fossombronis (1844) machte sich der reaktionäre Einfluß Österreichs auch in T. deutlich fühlbar. Infolge des Verzichtes des Herzogs Karl von Lucca ergriff der Großherzog von T. im Oktober 1847 von Lucca Besitz und trat Fivizzano an Modena, Pontremoli an Parma ab. Die Nachwirkungen der Pariser Februarrevolution riefen 1848 auch in T. eine Volkserhebung hervor. Schon vorher hatte der Großherzog 17. Febr. eine liberale Konstitution proklamiert. Es folgten der Erlaß eines neuen Preßgesetzes (21. Mai), die Errichtung von Ministerien [⇐632][633⇒] des Kultus und Unterrichts (5. Juni) und die Eröffnung der Kammern (26. Juni), ohne daß die revolutionäre Partei befriedigt worden wäre. Das im August eingesetzte Ministerium Capponi ergriff strengere Maßregeln; als aber bei einem Aufstand in Livorno, wo Guerrazzi (s. d.) der Hauptführer der Bewegung war, 25. Aug. das Militär gemeinschaftliche Sache mit den Aufständischen machte und in Florenz das Volk sich erhob, warf sich der Großherzog eingeschüchtert der demokratischen Partei in die Arme und berief ein Ministerium Montanelli-Guerrazzi, flüchtete aber 23. Jan. 1849 nach Siena und 21. Febr. nach Gaeta. Schon 8. Febr. setzte die Deputiertenkammer eine provisorische Regierung ein, die eine konstituierende Versammlung einberief. Diese übertrug 27. März Guerrazzi die Diktatur. Gleichzeitig aber begann in Florenz die Gegenrevolution und siegte mit Hilfe der herbeigezogenen Truppen und der Nationalgarden so schnell, daß bereits 11. und 12. April die Republik beseitigt war. Eine Deputation lud Leopold zur Rückkehr ein; dieser ernannte 1. Mai von Gaeta aus den General Serristori zum außerordentlichen Kommissar und berief am 24. ein neues Ministerium unter Baldasseroni. Schon 12. Mai ward der Widerstand Livorno von den Österreichern besiegt, und am 25. rückten diese in Florenz ein. Der Großherzog proklamierte bei seiner Rückkehr 28. Juli zwar eine umfassende Amnestie, schloß aber 1850 mit Österreich eine Militärkonvention, der zufolge 10,000 Mann Österreicher zunächst in T. blieben, und 1851 mit Rom ein Konkordat, das der Kirche unumschränkte Freiheit gewährte; durch Dekret vom 8. Mai 1852 wurde die Verfassung von 1848 außer Geltung gesetzt und die unbeschränkte Souveränität des Großherzogs hergestellt. Die österreichischen Truppen räumten T. erst im Frühjahr 1855. Als nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Österreich und Frankreich im Frühjahr 1859 der Großherzog den Anschluß an Sardinien abgelehnt hatte, brach 27. April ein Aufstand in Florenz aus, der Leopold veranlaßte, das Land zu verlassen. Es wurde sofort eine provisorische Regierung eingesetzt und der König von Sardinien zum Diktator ausgerufen. Dieser lehnte zwar die Diktatur ab, übernahm jedoch das Protektorat über T. und ernannte seinen Gesandten in Florenz, Boncompagni, zum General kommissar während der Dauer des Unabhängigkeitskrieges. Großherzog Leopold II. entsagte 21. Juli dem Thron zugunsten seines ältesten Sohnes, Ferdinands IV., der durch eine Proklamation an die Toskaner Aufrechthaltung der Verfassung und Anerkennung der Rechte der Nation verhieß. Dessenungeachtet beschloß die am 11. Aug. zusammengetretene Landesversammlung schon am 16. die Thronentsetzung des Hauses Lothringen, und nach der Volksabstimmung vom 11. und 12. März 1860 erfolgte 22. März die Vereinigung Toskanas mit dem neuen Königreich Italien. Am 16. April hielt Viktor Emanuel in Florenz seinen Einzug. Die entthronte großherzogliche Familie lebt in Österreich. Vgl. Repetti, Dizionario geografico, fisico, storico della T. (Flor. 183346, 6 Bde.); Rena und Camici, Serie degli antichi duchi e marchesi di T. (das. 176487); Galluzzi, Storia del granducato di T. sotto il governo della casa Medici (das. 1781, 9 Bde., u. ö.); Ricasoli und Ridolfi, T. ed Austria (das. 1859); A. Zobi, Storia civile della T. dal 1737 al 1848 (das. 185052, 5 Bde.); E. H. Napier, Florentine history (Lond. 1847, 6 Bde.); v. Reumont, Geschichte Toskanas seit dem Ende des florentinischen Freistaats (Gotha 187677, 2 Bde.); Poggi, Memorie storiche del governo della T. 18591860 (Pisa 1871, 3 Bde.); v. Wurzbach, Die Großherzoge von T. (Wien 1883), und die Textbeilage zu den Tafeln »Orden«. [⇐633]
Toscāna, s. Toskana.
[711⇒] Toscana (Gesch.). T. ist das alte Etrurien (s.d.) od. Tuscia. Nach dem Sturz des Römerreiches, 476 v. Chr., herrschten in dem Lande erst die Ostgothen, dann kam es an die Byzantinischen Kaiser. Als es im 7. Jahrh. die Longobarden den Byzantinern entrissen, getheilt: das römische, zunächst dem Tiber, welches zum Herzogthum Rom gehörte; das königliche, welches die Städte u. Gebiete Lucca, Pisa, Siena u. Florenz begriff; das herzogliche, zwischen den beiden andern vom Bolsener See bis zum Meer. Während der Longobardenherrschaft stand T. unter ihren Sitz hatten u. gewöhnlich zur königlichen Familie gehörten, die mächtigsten waren. Nach der Zerstörung des Longobardenreichs durch Karl d. Gr., 774, kam es unter die Herrschaft der Franken u. Karl setzte den Markgrafen Gundebrand ein, unter welchem mehre Grafen, namentlich auch der von Florenz, standen. Wahrscheinlich war Graf Wicram sein Nachfolger, welchem 815 Bonifacius I. folgte, welcher die sarazenischen Seeräuber aus Corsica u. Sardinien vertrieb. Als Bonifacius 836 starb, wurde Agano, Graf von Lucca, vom Kaiser Lothar als Markgraf von T. eingesetzt; ihm folgte 847890 Adalbert I., Bonifacius' Sohn, welcher sich auch zugleich Herzog von Lucca nannte. Unter ihm wurde T. 860 u. 866 von den Normannen überfallen u. Pisa geplündert. Er hing treu den Karolingern an u. behauptete selbst gegen den Papst deren Rechte auf Italien, weshalb er auch 887 mit dem Banne belegt wurde. Sein Sohn Adalbert II. der Reiche verließ die Sache des Kaisers Arnulf u. trat 897 auf die Seite seines Vetters Lambert, welcher sich zum König aufgeworfen hatte. Als er aber nachher auf Antrieb seiner ehrgeizigen Gemahlin Bertha, Tochter des Kaisers Lothar, Lambert [⇐711][712⇒] stürzen wollte, wurde er von diesem gefangen u. erst 899 durch Lamberts Tod wieder frei u. hielt es nun mit Berengar. Nicht lange darauf verließ er auch diesen, um Ludwig 905 zum König zu erheben, doch nahm er bald wieder für Berengar Partei. Als er 917 starb, folgte ihm sein ältester Sohn Guido, welchen seine Mutter Bertha in der Regierung unterstützte. Nach ihrem Tode 924 ver. mählte sich Guido mit der Marozzia, mit welcher er beinahe unumschränkt in Rom gebot. Ihm folgte 929 sein Bruder Lambert. Als sich Hugo von Burgund mit Marozzia vermählte u. König von Italien wurde, ließ er Lambert blenden u. setzte dann erst 930 seinen Bruder Boso u. 936 seinen eigenen Sohn Hubert zum Markgrafen von T. ein. Diesem folgte 961 sein Sohn Hugo, welcher als Erbe seiner Mutter die Markgrafschaften Spoleto u. Camerino besaß; er bewies sich den Sächsischen Kaisern treu u. rettete dem Kaiser Otto III. bei einem Aufruhr in Rom das Leben. Bald darauf starb er sohnlos, Spoleto u. Camerino nebst alle: Erbgü tern fielen an seine beiden Töchter, die Markgrafschaft aber erhielt sein Verwandter Adalbert III., unter welchem die Städte, begünstigt durch kaiserliche Privilegien, zu Macht gelangten u. bereits Kriege unter einander führten. Er st. vor 1016, u. ihm folgte Rainer, welchen der Kaiser Konrad II., weil er sich nicht unterwerfen wollte, 1027 absetzte u. die Markgrafschaft an Bonifacius II. verlieh, welcher bereits Graf von Modena, Reggio, Mantua u. Ferrara u. durch die Heirath mit Beatrix, Tochter des Herzogs Friedrich von Oberlothringen, sehr mächtig war. Er wurde 1052 ermordet. Da sein Sohn Friedrich noch minderjährig war, so führte seine Mutter Beatrix für ihn die Regierung, u. als er 1055 st., folgte ihm sein Stiefvater Gottfried der Bärtige von Niederlothringen, welchem der Kaiser Heinrich III., weil er sich gegen ihn empört hatte, sein Herzogthum genommen hatte. Um ihn in der Treue gegen sich zu erhalten, nahm der Kaiser 1055 die Markgräfin Beatrix u. deren Tochter Mathilde als Geißeln mit nach Deutschland. Nach Heinrichs III. Tode entließ die Kaiserin Agnes die Markgräfinnen, wofür Gottfried die kaiserlichen Angelegenheiten eifrig verfocht; aber Mathilde blieb Zeitlebens Feindin des Kaiserhauses. Sie vermählte sich 1063 mit dem Sohne ihres Stiefvaters, dem Herzog Gottfried dem Höckerigen von Lothringen, um durch ihn die Markgrafschaft T., welche als Reichslehn eine Frau nicht besitzen konnte, ihrem Hause zu erhal ten. Nach dem Tode Gottfrieds des Bärtigen, 1069, regierte sie mit ihrer Mutter gemeinschaftlich u. nach dem Tode ihrer Mutter, 1076, allein; ihr Gemahl hielt sich in Lothringen auf, wo er des Kaisers Sache verfocht, während Mathilde in Italien insgeheim auf Seite der päpstlichen Partei stand. Gottfried der Höckerige wurde 1076 ermordet, u. von nun an trat Mathilde, unter der Leitung des Bischofs Anselm von Lucca, öffentlich auf die Seite des Papstes. 1084 siegte sie bei Sorbara über die Kaiserlichen u. eroberte alle Städte u. Gebiete zurück, welche von ihr abgefallen waren. Nach Gregors VII. Tode beförderte sie die Wahl u. Einsetzung des Papsts Victor III. u. heirathete 1089, als dieser Anstalt zum Frieden mit dem Kaiser machte, als. 43jährige Frau den 17jährigen Welf V., Sohn des Herzogs Welf IV. von Baiern. 1090 wurden ihre Staaten von den Kaiserlichen angegriffen u. Welf, welcher ihre Heere befehligte, geschlagen. Sie verlor Mantua u. Ferrara, auch beinahe alle Besitzungen jenseit des Po; dennoch blieb sie dem Papste treu, u. als sie, von ihren Vasallen bedrängt, 1092 nach der verlornen Schlacht bei Tricontai Friedensunterhandlungen mit dem Kaiser anknüpfen mußte, so hielt sie doch so standhaft bei dem Papste, daß kein Vertrag zu Stande kam, u. beredete Konrad, Sohn des Kaisers Heinrich IV., zur Empörung wider seinen Vater, wodurch sie den Kaiser von Italien abzog. Schon 1077 hatte Mathilde den Päpstlichen Stuhl zum Erben aller ihrer Länder eingesetzt, u. als Welf V. davon Kenntniß erhielt, trennte er sich 1295 von ihr u. trat nebst seinem Vater zur Partei des Kaisers über. Wie hart sie auch öfters von den Kaiserlichen bedrängt wurde u. wie oft sich auch die Städte gegen sie empörten, so wußte sie sich doch stets durch ihre Staatsklugheit aus den verwickeltsten Lagen zu ziehen u. ihr Übergewicht in Italien zu behaupten. Als endlich Kaiser Heinrich V. nach Italien kam, benahm sie sich mit solcher Klugheit, daß er sie 1110 zur Generalstatthat terin von Italien ernannte. Sie st. 1115, u. nun begann der Streit über ihre Erbgüter, welche sie., ms Neue durch eine Schenkung von 1102 dem Päpstl ichen Stuhle zugewiesen hatte.
Kaiser Heinrich V. erschien 1116 in T., unterwarf die widerspenstigen Städte, vermehrte die Freiheiten der übrigen u. bemühte sich das durch die Kriege verödete Land mit neuen Ansiedlern zu bevölkern. Er setzte 1117 den Ratbod zum Statthhalter, 1119 aber seinen Neffen Konrad zum Markgrafen von T. u. Herzog von Ravenna ein. Konrad, welcher sich nach seines Oheims Tode, 1125, zum König von Italien krönen ließ, behauptete sich auch in T. bis 1133, wo Kaiser Lothar II. das Markgrafthum T. an Engelbert gab, da dieser aber sein Ansehen nicht zu behaupten vermochte, ertheilte der Kaiser 1136 seine Eidam, dem Herzog Heinrich dem Stolzen von Baiern u. Sachsen, welcher als nächster Verwandter Welfs das nächste Anrecht auf die Erbschaft hatte, das Markgrafthum u. wies ihm auch die Mathildeschen Erbgüter zu, welche er vom Papste zu Lehn erhalten hatte. Kaiser Konrad III. sprach aber 1139 die Acht gegen Heinrich den Stolzen aus u. entzog ihm auch die Markgrafschaft T. Bei diesem öftern Wechsel u. dem schwankenden Zustande der Markgrafen gerieth deren Ansehen immer mehr in Verfall u. die Städte wurden mächtig, vor allen Pisa durch den Seehandel, Lucca durch den Landhandel u. Florenz, in letzter saß ein kaiserlicher Pfalzgraf, welcher die Macht der Markgrafen lähmte. Während des Mathildeschen Erbschaftsstreites von 111536 waren den obigen Städten viele Güter entrissen worden, Vieles wurde zu Lehn gegeben u. der Kaiser ertheilte den Städten viele Rechte, welche sie beinahe unabhängig von den Laut esherren machten. Nach Heinrichs des Stolzen Tode 1139 übernahm Welf VI. die Mathildeschen Erbgüter u. der Kaiser machte ihn zum Reichsstatthalter über T. Sein Nachfolger Welf III., seit 1152, verkaufte, da er kinderlos war, seinem Neffen, dem Kaiser Friedrich Barbarossa, 1169 die Mathildeschen Erbgüter nebst der Reichsstatthalterschaft über T. Die Besitzverhältnisse vieler adeliger Lehnsleute veränderten sich nun, ihre Afterlehen waren unmittelbare Reichslehn u. die mächtigern unter ihnen unabhängige Landesherrn geworden. In den Städten hatten sich viele Landadelige niedergelassen, welche [⇐712][713⇒] sich der Regierung bemächtigten. Von jetzt begannen die Kämpfe zwischen den Städten, z.B. Genuas u. Luccas gegen Pisa (s. b.), welche der Kaiser aus Politik nicht stillte. Unter allen Städten überragte Florenz (s.d.) die Schwesterstädte, es stand auf der Seite der Guelfen, während Pisa ghibellinisch war. Kaiser Friedrich setzte, nachdem er T. erworben hatte, den Erzbischof Christian von Mainz als Statthalter ein, welcher durch seine Härte viele Städte u. Adelige dem Kaiser abgeneigt machte, die sich nun den Guelfen zuwandten u. so der kaiserlichen Partei entgegen wirkten. Um den Abfall der großen Städte zu verhindern, wurden ihnen immer größere Freiheiten zugestanden, so daß sie in Verfassung u. innerer Verwaltung völlig unabhängig wurden. Kaiser Heinrich VI., welcher von seinem Vater Friedrich das Mathildesche Erbgut u. die Rechte auf T. geerbt hatte, übergab beides seinem Bruder Philipp. Aber Papst Innocenz III. erneuerte die Forderung auf die Mathildesche Erbschaft u. brachte, während Philipp in Deutschland mit Otto von Braunschweig um die Krone focht, 1198 den Toscanischen Städtebund gegen Philipp zu Stande, an dessen Spitze Florenz stand (Pisa nahm keinen Theil). Da keiner der beiden deutschen Kaiser während ihres Kampfes nach Italien kam, so geriethen die kaiserlichen Rechte über T. immer mehr in Verfall, u. als endlich nach Philipps Ermordung, 1208, Otto IV. in Italien erschien, durfte er seine Kaiserrechte nicht mit Strenge geltend machen, um seine Anhänger nicht zu verlieren. Die Verhältnisse änderten sich aber schnell, als Otto IV. sich 1211 mit dem Papste entzweite u. derselbe ihm in dem jungen Friedrich von Hohenstaufen (nachmals Kaiser Friedrich II.) einen Gegenkönig aufstellte. Die bisherigen Gegner der Hohenstaufen mußten nun auf deren Seite treten, wenn sie nicht auch Feinde des Papstes sein wollten, u. Otto IV. fand nur noch bei den Ghibellinen einige Anhänger. Als aber Friedrich II. sich mit dem Papste entzweite, rief Letzter den Lombardischen Städtebund gegen den Kaiser ins Leben. Auch in T. begann nun der Kampf zwischen den Guelfen u. Ghibellinen, welcher sich bes. heftig 1206 entzündete. Lucca, Pisa u. Siena waren ghibellinisch, Florenz dagegen guelfisch. Der Kaiser Friedrich setzte seinen Sohn Enzio zum Statthalter von T. ein, dann ging er selbst nach T. u. gab durch seine Siege seiner Partei das Übergewicht. Mehr u. mehr schieden sich in den Städten selbst die Parteien; dem größern Theile nach war der Adel ghibellinisch, die Bürger dagegen guelfisch. So lange Friedrich II. lebte, hatten die Ghibellinen beinahe überall das Übergewicht, nach seinem Tode dagegen wurden in sämmtlichen Städten die ghibellinischen Magistrate vertrieben u. die Bürger bewächtigten sich des Stadtregiments, u. selbst das ghibellinische Pisa trat zur Guelfenpartei. Nachdem Pisa mit Florenz 1256 hatte Frieden schließen müssen, nahm Siena wieder den Kampf für die Ghibellinen gegen Florenz auf u. gewann am 4. September 1260 die Schlacht bei Montaperti. Darauf verließ der guelfische Adel Florenz u. die Ghibellinen kehrten dahin zurück. Die Ghibellinen erkannten den König Manfred als ihren Schutzherrn an, u. Pisa, Siena, Arezzo u. Florenz kämpften 1261 mit Erfolg gegen Lucca, jetzt das Haupt der Guelfenpartei. Diese erhielt neuen Muth durch den Sieg Karls von Anjou über Manfred, 1265, u. nun traten mehre Städte, bes. die kleinern, zu den Guelfen über, u. als König Karl von Anjou vom Papste zum Statthalter von T. ernannt wurde, erhielten die Guelfen beinahe überall das Übergewicht. Doch war Karls Regiment für alle Parteien so drückend, daß er bald allen Einfluß verlor u. seiner Statthalterschaft entsagen mu ßte. Nun war T. sich wieder selbst überlassen, u. die Kämpfe der Städte u. der Parteien in den Städten nahmen überhand, in Pisa u. Florenz fanden die Ghibellinen wieder Aufnahme u. die Guelfen wurden kleinmüthig, als der deutsche Kaiser Rudolf von Habsburg auf Pisas Bitte einen Reichsvicar nach Italien sandte. Dieser richtete zwar wenig aus u. ließ sich, von Florenz bestochen, bald zur Heimkehr bewegen, allein seine Anwesenheit hatte dazu beigetragen alle Verhältnisse mit Karl von Anjou zu lösen u. den Bürgern in den Städten das Übergewicht über den Adel zu sichern. Dies war bes. der Fall in Florenz, wo 1282 eine Revolution ausbrach (s. Florenz S. 365). Die Kämpfe u. Zerrüttungen währten fort. Kaiser Heinrich VII. kam 1310 nach T. u. suchte Ruhe zu stiften, aber wegen der Schwäche seines Heeres gelang ihm dies nicht, u. er belegte 1311 Florenz mit der Reichsacht, der Papst aber mit dem Interdicte. Auch von den Ghibellinen, bes. von dem streitbaren Castruccio von Lucca hart bedrängt, übertrug Florenz 1313 dem König Robert von Neapel die Schutzherrschaft, u. diesem Beispiele folgten Lucca, Pistoja u. Prato. Robert ließ sein Amt durch Vicarien versehen, zuerst durch seine Brüder Philipp u. Peter, da der Letztre aber gegen die Ghibellinen 1315 die Schlacht bei Montecatini verlor, so baten jene Städte um einen andern Statthalter, welcher zwar Anfangs auch wenig leistete, da die Gherardesca u. Castrucci in Lucca u. Pisa das Übergewicht hatten, auch eine Partei in Florenz die Schutzherrschaft des deutschen Kaisers verlangte. Als es aber der neapolitanischen Partei in Florenz gelang von Neuem aus Ruder zu kommen, so bekam König Robert seinen Einfluß in T. wieder, welchen er benutzte, um zwischen den Ghibellinenstädten Lucca, Pisa u. Florenz 1317 einen Frieden zu schließen. Einige Jahre war es nun ziemlich ruhig in T., dann aber griff 1322 Castruccio Pistoja u., nachdem er dieses abhängig von sich gemacht hatte, auch Prato an. Nun begannen die Fehden mit erneuter Heftigkeit, u. in den Städten wütheten die Parteien gegen einander; Castruccio verwüstete das Gebiet der Florentiner u. schlug deren Heer am 23. September 1325. Da ernannte Florenz 1326 den Herzog Karl von Calabrien, Sohn des Königs Robert, auf 10 Jahre zu ihrem Schutzherren, u. ihrem Beispiele folgten andere Städte. Karl that aber nichts zur Besiegung od. Schwächung der Feinde. Ein Jahrhundert lang befehdeten sich unausgesetzt die einzelnen Städte, bes. Florenz, Lucca, Pisa, Siena, Arezzo, Perugia, unter einander, denen sich die nächsten Landherren, die Castrucci, Spinola, Scala, Tarlati (s.d.), anschlossen od. sich auf kurze Zeit als Gebieter aufwarfen. Zuweilen kam zwar ein deutscher Kaiser, wie Ludwig der Baier 1327, Karl IV. 1355 u. 1369, nach Italien, um Ruhe zu stiften, od. sie schickten einen Großen als Reichsvicar, wie jener 1331 den König Johann von Böhmen, dieser 1355 den Patriarchen von Aquileja, allein die Ruhe wurde nur kurze Zeit erhalten. Zuweilen strebten einzelne Städte, so 1370 Florenz, die Oberherrschaft über die andern zu erhalten, u. auch der [⇐713] [714⇒] Papst beabsichtigte 137498, Herzog Johann Galeazzo von Mailand 1392 u. König Ladislaw von Ungarn u. Neapel 140911 Ähnliches, aber immer verbanden sich die toscanischen Städte fest unter einander, u. dies wendete ostdiedrohendste Gefahr ab.
Während dem hatte die Familie Medici (s.d.) durch Handel großen Reichthum erworben u. durch ihre Begünstigung der niedrigen Volksstände großen Einfluß in Florenz gewonnen u. riß bald die Herrschaft dieses Staates an sich (s. Florenz S. 370). Durch die Medici wurde Florenz Sitz der Künste u. Wissenschaften u. war nebst Mailand u. Venedig bei allen Ereignissen Oberitaliens betheiligt (s. ebd. S. 371). Zwar wurden die Medici 1494 vertrieben, aber schon 1512 kehrten sie zurück, u. nach einer nochmaligen Verbannung wurden sie vom Kaiser mit Gewalt zurückgeführt u. Alessandro dei Medici 1531 zum erblichen Herzog von Florenz ernannt (s. Florenz S. 370 f.). Allmälig war auch der größere Theil der toscanischen Städte mit Florenz vereint worden (s. Pisa S. 156 u. Arezzo 2); nur Lucca blieb unabhängig u. Perugia wurde päpstlich. Herzog Cosmo I. eroberte auch 1555 Siena (s.d. S. 69) u. verband es mit seinem Staate; 1562 bekam er die Herrschaften Pitigliano u. Sorana von den Orsini. Er lebte mit dem Papst Pius IV., welcher, selbst ein Mediceer, die Tiara 1559 nur durch seinen Einfluß erlangt hatte, im besten Einverständnisse. Gebeugt durch Familienunglück u. Krankheit trat Cosmo I. 1564 die Regierung seinem Sohne Franz Maria ab, behielt sich aber den Titel u. die höchste Gewalt, die Verwaltung u. Einkünfte der Herrschaft Pistoja, die Einkünfte von Siena u. Pietrasanta, alle Allodialgüter u. Capitalien u. die Ernennung aller hohen Beamten vor. Um die Rangstreitigkeiten mit den italienischen Herzögen, bes. mit Ferrara, zu endigen, erhob der Papst Paul V. 1569 den Herzog Cosmo zum Großherzog von T. u. krönte ihn 1570 in Rom. Die italienischen Fürsten u. auch der Kaiser protestirten Anfangs hiergegen, doch ertheilte der Kaiser 1575 dem Herzoge Franz selbst diesen Titel. Cosmo I. st. am 21. April 1574, u. Franz Maria war nun alleiniger Fürst. Mit seinen Brüdern, dem Cardinal Ferdinand u. dem Prinzen Peter, lebte Franz in fortwährenden Zwistigkeiten, u. durch seinen Stolz u. Leichtsinn nahm die Sicherheit u. Ruhe des Staates u. so auch der Einfluß, welchen Cosmo I. auf die Angelegenheiten Italiens ausgeübt hatte, immer mehrab. Dagegen trieb der Großherzog wieder Handelsgeschäfte u. erwarb durch glückliche Umstände Lusola, Rico u. Lisana. Er vermählte sich 1579 mit der Venetianerin Bianco Capello (s.d. 1) u. st. mit ihr am 9. October 1587. Sein Bruder Ferdinand I. trat nun aus dem geistlichen Stande, um die Regierung zu übernehmen, u. vermählte sich mit der Prinzessin Christine von Lothringen. Er führte die Regierung mit Einsicht u. Glück, setzte auch den Großhandel u. die Banquiergeschäfte seines Bruders fort. Sein jüngerer Bruder Peter verlangte, von Spanien unterstützt, eine Landestheilung u. machte auf Siena Anspruch Ferdinand näherte sich deshalb Frankreich u. unterstützte zugleich den Kaiser 1595 mit Geld u. einem Heer von 13.000 M. u. 1000 Reiter gegen die Türken Peter starb schon 1604 u. Ferdinand I. 1609. Sein Sohn Cosmo II. hielt sich zu Frankreich, näherte sich aber auch Spanien wieder u. st. 1621. Ferdinand II., sein ältester Sohn, war bei des Vaters Tode erst 10 Jahr alt u. seine Mutter Maria Magdalena von Österreich u. seine Großmutter Christine führten die Vormundschaft über ihn, welche Beide für Österreich u. Spanien gestimmt waren. 1628 übernahm der Großherzog selbst die Regierung. Er wollte sich mit Parma der Vergrößerung Spaniens u. Savoyens in Italien widersetzen, mußte sich aber auf eine bewaffnete Neutralität beschränken, auch gerieth er mit Spanien 1632 wegen der Lehnsbesitzungen auf Elba in Streit; dennoch hatte er nicht Kraft genug sich dem spanischen Einflusse zu entziehen. Mit dem Papste gerieth er, verbündet mit Modena u. Venedig, 1637 wegen der Mahlsteuer, welche in T. auch die Geistlichen zahlen mußten, u. wegen Beleidigungen gegen den Herzog von Parma 164344 in Krieg. Ferdinand II. vergrößerte 1650 den Staat durch Ankauf von Santa Flora u. Pontremoli u. st. 1670. Cosmo III., Sohn des Vor., stürzte den schon durch die vorige Regierung sehr geschwächten Staat durch schlechte Wirthschaft in tiefe Schulden. Als er sich 1675 von seiner ausschweifenden Gemahlin Margarethe Louise von Orleans trennte, gerieth er darüber mit Frankreich in Zwist, dessen Folgen Demüthigungen u. eine Abhängigkeit von Ludwig XIV. waren, welche erst 1706 mit der Vertreibung der Franzosen aus Italien endigte. Das Land war durch Kriegssteuern, welche an das Reich gezahlt werden mußten, so erschöpft, daß der Großherzog zur Bestreitung nothwendiger Ausgaben seine Juwelen verpfänden mußte. Dazu kam, daß das Haus Medici dem Erlöschen nahe war (zwei Söhne von ihm hatten keine Aussicht auf Kinder u. sein Bruder war kinderlos gestorben), u. so kam die Frage wegen der Erbfolge in Anregung. Spanien u. Parma machten als Verwandte von weiblicher Seite darauf Auspruch, der Kaiser erklärte das Großherzogthum für Reichslehen, der Großherzog selbst wollte, daß nach dem Erlöschen seines Stammes die Republik hergestellt werde; durch die Quadrupelallianz zwischen England, Frankreich, Spanien u. dem Kaiser 1717 wurde endlich festgesetzt, daß T., im Fall das Haus Medici ausstürbe, an den Infanten Karl von Spanien fallen sollte. Der Großherzog protestirte zwar dagegen u. wollte die Erbfolge seiner Tochter, der Kurfürstin Anna Maria Louise von der Pfalz, zuwenden, doch wurde er nicht gehört. Er st. 1723 u. wurde von seinem Sohne Johann Gaston beerbt. Dieser, obwohl durch eine zügellose Lebensweise geschwächt, strebte doch dem Staate wieder aufzuhelfen, er entfernte die Mönche, welche seinen Vater beherrscht hatten, u. schränkte die Ausgaben ein, doch fehlte es ihm an Kraft die Übel gründlich zu heilen; da er sah, daß es vergebenswar sich den Bestimmungen der Alliirten wegen der Erbfolge zu widersetzen, so schloß er selbst am 25. Juli 1731 einen Vertrag mit Spanien, worin er die Erbfolge des Infanten Karl anerkannte u. eine spanische Besatzung von 6000 M. in seine Staaten aufnahm, wogegen er seinen Schwestern das Allodialvermögen sicherte. Durch einen neuen Vertrag zwischen Österreich, Frankreich u. Spanien vom 3. October 1735 wurde gegen die frühern Bestimmungen der Herzog Franz Stephan von Lothringen zum Erben von T. ernannt, der Infant Karl aber dafür mit beiden Sicilien entschädigt. Johann Gaston st. 1737; mit ihm erlosch das Haus Medici, u. Franz Stephan, der Gemahl der Maria Theresia von Österreich, nahm von T. Besitz. [⇐714]
[715⇒] Franz Stephan, aus dem Hause Lothringen-Habsburg, als Gemahl der Königin von Ungarn u. später als deutscher Kaiser in Wien lebend, konnte wenig thun, um die unglückliche Lage T-s zu verbessern. Als er 1765 st., erbte sein zweiter Sohn, Erzherzog Peter Leopold, T., welches zu einer Secundogenitur erklärt war. Er schaffte die Generalverpachtungen der Steuern, die Monopole u. Mauthen im Innern ab, hob die Feudalrechte der Grundherren auf, verlieh dem Landmann Eigenthumsrechte, löste die Gewerbe von dem Innungszwange, ließ Sümpfe austrocknen, Kanäle graben, Heerstraßen bauen, die Häfen verbessern, die Unterrichtsanstalten vervollkommnen u. vermehren, veranstaltete eine Revision der Rechtspflege u. gab dem Lande ein neues Strafgesetzbuch. Dazu berief er 1787, unterstützt von Scipio Ricci (s.d. 6), Bischof von Pistoja, eine Synode der toscanischen Geistlichkeit u. legte ihr 57 Artikel vor, wodurch die Inquisition abgeschafft, die Klöster beschränkt, die Pfarrstellen besser dotirt, die Bischöfe unabhängiger vom Papste gemacht u. für die Toscanische Kirche der Rechte der Gallicanischen in Anspruch genommen wurden, Der Päpstliche Stuhl protestirte dagegen, aber dennoch wurden die wesentlichsten Verbesserungen durchgesetzt. Als Franz Stephan 1790 Florenz verließ, um als Nachfolger seines Bruders von den österreichischen Erblanden Besitz zu nehmen u. Kaiser zu werden, folgte ihm sein zweiter Sohn, Erzherzog Ferdinand III., welcher in dem Sinne seines Vaters regierte. Er wollte Anfangs keinen Theil an dem Kriege gegen Frankreich nehmen, u. erst als im October 1793 die Engländer mit dem Bombardement von Livorno drohten, trat er der Coalition gegen Frankreich bei, schloß aber 1795, unter allen Fürsten zuerst, Frieden mit Frankreich, zahlte 1 Mill. Franken an dieses u. erklärte sich für neutral. Dies half ihm jedoch wenig, denn 1796 besetzte Bonaparte Livorno mit 5000 M. u. hielt sich, da er sich der englischen Schiffe u. Güter nicht bemächtigen konnte, an die livornischen Handelshäuser, welche ihm 1 Mill. Scudi zahlen mußten. Die Engländer nahmen im Juli 1796 Porto Ferrajo, blockirten den Hafen von Livorno u. bemächtigten sich aller toscanischen Schiffe. Endlich 1797 erkaufte Ferdinand III. wieder für 1 Mill. den Abzug der Franzosen, wogegen auch die Engländer Porto Ferrajo verlassen mußten., Aber schon im März 1799 rückten die Franzosen, nachdem sie nochmals 2 Mill. Franken vom Großherzog erpreßt hatten, wieder in T. ein, besetzten Florenz u. nöthigten den Großherzog das Land zu verlassen. Er begab sich nach Wien, u. die Franzosen behandelten T. wie ein erobertes Land, richteten eine provisorische Regierung ein, verkauften die Allodien des Großherzogs u. der Malteserritter, bemächtigten sich der englischen u. portugiesischen Waaren u. sandten Kunstwerke aus dem Palast Pitti nach Frankreich. Bald brachen Empörungen gegen die Franzosen in Pistoja u. Florenz aus, welche zwar von den Franzosen schnell unterdrückt wurden, aber endlich vertrieb ein Aufstand in Arezzo die französische Besatzung. Die Toscaner vereinigten sich mit einem österreichischen Corps u. nahmen Cortona u. Siena. Bald darauf capitulirten die Franzosen in Livorno, u. nun wurde die Regierung Ferdinands III. hergestellt. 1800 drangen die Franzosen wieder in T. ein u. besetzten im Herbste Florenz, Livorno u. das ganze Land. Im Frieden von Lüneville mußte der Großherzog T. gegen eine Entschädigung in Deutschland (Salzburg) abtreten Parma, welches das spanische Königshaus durch Tertiogenitur besaß, wurde nun gegen T. vertauscht; dies wurde durch einen Theil des Stato degli Presidj vergrößert, dagegen Elba an Frankreich abgetreten, u. der Erbprinz von Parma, Ludwig, nahm unter dem Titel eines Königs von Hetrurien am 2 August 1801 von T. Besitz, u. durch einen Vertrag wurde Hetrurien für ein ewiges Erbe des spanischen Königshauses erklärt. Der neue König begab sich mit seiner Gemahlin Marie Luise, Tochter Karls IV. von Spanien, von Madrid nach T., machte sich aber durch Herstellung der alten kirchlichen Verhältnisse u. durch spanische Hoffahrt die Herzen der Toscaner bald abgeneigt, war auch ein schwächlicher, ganz von seiner Gemnahlin abhängiger Fürst. Als er 1803 starb, übernahm seine Wittwe die Regierung für ihren minderjährigen Sohn Ludwig. Auf ihre Bitten wurde T. von französischen Truppen geräumt u. durch 6000 Spanier besetzt, welche Napoleon aber 1806 nach den Küsten der Ost- u. Nordsee sendete. Durch den Vertrag von Fontainebleau vom 27. October 1807 zwischen Frankreich u. Spanien wurde Hetrurien gegen das nördliche Portugal an Frankreich abgetreten u. durch das Decret vom 30. Mai 1808 mit demselben unter seinem alten Nanen T. vereinigt, die Königin wurde aber von ihrem Vater nach Spanien berufen. Napoleon theilte T. in drei Departements, das vom Arno, vom Mittelmeere u. vom Ombrone, errichtete in Florenz ein Generalgouvernement u. gab es seiner Schwester Elise, welche nun den Titel einer Großherzogin führte.