Österreich [2]

[411] Österreich, Kaiserstaat in Europa; grenzt im Norden an Baiern, Sachsen, Preußisch-Schlesien u. Rußland (Polen), im Osten an Rußland u. die Türkei (Moldau), im Süden an die Türkei (Walachei, Serbien u. Ejalet Bosna), Montenegro, das Adriatische Meer, den Kirchenstaat, Modena u. Parma, im Westen an Sardinien, die Schweiz, Liechtenstein, den Bodensee u. Baiern; die Grenze ist meist eine natürliche u. wird durch Gebirge u. Flüsse gebildet, ist auch in strategischer[412] Hinsicht meist gut gedeckt. O. bildet ein wohl arrondirtes, zusammenhängendes Ganzes, nur zwei Kreise (Ragusa u. Cattaro) von Dalmatien sind durch türkisches Gebiet abgeschnitten. Größe: 11,751,41 geogr. QM. (nach Abzug des lombardisch-sardinischen Gebietes). Ö. umfaßt folgende 20 Kronländer: a) Erzherzogthum Ö. unter der Enns, 360,01 geogr. QM. mit (1857) 1,697,130 Ew.; b) Erzherzogthum O. ob der Enns, 217,95 QM. mit 716,904 Ew.; c) Herzogthum Salzburg, 130,18 QM. mit 148,025 Ew.; d) Herzogthum Steyermark, 407,94 QM. mit 1,070,747 Ew.; e) Herzogthum Kärnten, 188,46 QM. mit 332,593 Ew.; f) Herzogthum Krain, 181,47 QM. mit 457,328 Ew.; g) das Küstenland, d.h. die Gefürstete Grafschaft Görz u. Gradiska, die Markgrafschaft Istrien u. die Stadt Triest sammt Gebiet, 145,14 QM. mit 539,423 Ew.; h) Gefürstete Grafschaft Tyrol u. Vorarlberg, 522,87 QM. mit 876,263 Ew.; i) Königreich Böhmen, 943,93 QM. mit 4,720,313 Ew.; k) Markgrafschaft Mähren, 403,87 QM. mit 1,878,806 Ew.; l) Herzogthum Schlesien, 93,52 QM. mit 447,497 Ew.; m) Königreich Galizien, 1422,56 QM. mit 4,612,116 Ew.; n) Herzogthum Bukowina, 189,:57 QM. mit 462,242 Ew.; o) Königreich Dalmatien, 232,41 QM. mit 415,632 Ew.; p) Lombardisch-venetianisches Königreich, 456,62 QM. mit 2,444,952 Ew.; q) Königreich Ungarn, 3265,455 QM. mit 8,146,992 Ew.; r) Serbische Wojwodschaft u. Temeser Banat, 544,8:; QM. mit 1,532,251 Ew.; s) Königreich Kroatien u. Slawonien, 332,74 QM. mit 865,403 Ew.; t) Großfürstenthum Siebenbürgen, 1102,24 QM. mit 2,180,121 Ew.; u) Militärgrenze, 609,52 QM. mit 1,066,272 Ew. (s.d.a.). Von diesen Ländern gehören zum Deutschen Bunde: O. unter u. ob der Enns, Salzburg, Steyermark, Kärnten, Krain, die Stadt Triest u. Gebiet, der Kreis Görz, ein Theil von Istrien, Tyrol u. Vorarlberg, Böhmen, Mähren, Schlesien u. die jetzt tum Krakauer Verwaltungsgebiete gehörigen Herzogthümer Auschwitz u. Zator. Die übrigen Kronländer theilen sich in die ungarischen. (Ungarn, Kroatien, Slawonien, die Serbische Wojwodschaft u. das Temeser Banat), die polnischen (Galizien u. die Bukowina) u. die italienischen (Lombardischvenetianisches Königreich).

Die Gebirge nehmen in den Ländern der Österreichischen Monarchie 2/3 des Ganzen ein; die Rhätischen Alpenfallen aus dem Schweizercanton Graubündten in Ö. ein u. erfüllen das Land mit den drei Gebirgsketten der Orteler u. Tridentinischen, der Tyroler u. der Algauer Alpen; an sie reihen sich die nördlich der Drau u. östlich der Tyroler u. Algauer Alpen liegenden u. nördlich bis zur Donau sich erstreckenden Norischen Alpen, die sich durch Salzburg, Steyermark, Nordkärnten u. O. bis nach Ungarn erstrecken. Als nördliche Nebenketten der Norischen Alpen sind noch die Salzburger u. die Steyerisch-österreichischen Alpen zu betrachten. Östlich an die Rhätischen Alpen schließen sich die Karnischen an, welche, sich vom Quellgebiet der Drau u. Piave bis zu dem der Save u. des Isonzo erstreckend, den nordöstlichen Theil Tyrols u. mit ihren Nebenketten die venetianischen Provinzen Belluno u. Udine erfüllen, dann Kärnten u. das nördliche Krain bis zum Terglou durchziehen; südlich von diesem Berge beginnen die höhlenreichen Julischen od. Krainer Alpen, trennen in ihrem südöstlichen Zuge Krain vom Küstenlande u. ziehen sich nach Kroatien u. der Militärgrenze bis zulg Felsen Klek bei Zengg. Hier nimmt das zerrissene Kalkgebirge der Dinarischen Alpen semen Anfang u. durchzieht die Kroatische Militärgrenze u. Dalmatien. Das Hercynische Gebirgssystem erstreckt sich über Böhmen, Schlesien u. Mähren, das mittlere u. nördliche Ober- u. Niederösterreich u. umfaßt den Böhmerwald, das Fichtel- u. das Erzgebirge, die Sudeten u. die Terrassen von Böhmen, Mähren u. Nordösterreich. Im Osten der March stehen die Karpaten, das größte Gebirgssystem Ö-s, welches mit seinen drei Haupttheilen, dem Ungarisch-Karpatischen Hochlande, dem Karpatischen Waldgebirge u. dem Siebenbürgischen Hochlande, in bogenförmiger Richtung über Schlesien, Mähren, Galizien, Ungarn, die Bukowina, Siebenbürgen, das Temeser Bgnat u. die Banater Militärgrenze sich ausdehnt. Über alle diese Gebirge führen viele Straßen u. Pässe. Von den Ebenen Ö-s haben die in Ungarn, Galizien, Kroatien, Slawonien u. dem Lombardisch-venetianischen Königreiche die größte Ausdehnung; kleinere sind die Österreichische Tiefebene u. das Marchfeld, das Neustädter Steinfeld, das Tulner Feld, die Welser Haide, das Gratzer, Pettauer u. Leibnitzer Feld, die Klagenfurter Ebene u.a. Gewässer: O. wird nur von dem Adriatischen Meere bespült, welches hier die großen Golfe von Venedig, Triest, Fiume (Quarnero) u. Cattaro u. mehre Kanäle bildet, an der Ostküste meist hoch u. felsig ist, an der westlichen dagegen flach, mit schmalen Dünen (Lidi) u. Lagunen versehen. Von den Flüssen Ö-s ergießen sich in dieses Meer: der Po (mit Mincio) u. die Etsch (mit Eisack, Noßbach u. Avisio), ferner die Küstenflüsse Bacchiglione, Brenta, Sile, Piave, Livenza, Tagliamento, Isonzo, Timavo, Quieto, Arsa, Zermagna, Kerka, Cettina, Narenta; in das Schwarze Meer fließen: die Donau, die Hauptwasserstraße der Monarchie, welche O. auf eine Länge von 183 geogr. Meilen durchfließt, mit den Nebenflüssen (rechts) Inn, Traun, Enns, Ips, Erlaf, Bielach, Traisen, Wien, Schwechat, Fischa, Leitha, Raab, Sarviz, Drau, Save u. (links) Mühl, Krems, Kamp, March, Waag, Gran, Eipel, Theiß, Bega, Temes u. Nera, sowie der Dniester. Flüsse Ö-s mit ihren Mündungen außer Landes sind; die Weichsel mit den Nebenflüssen (rechts) Biala, Sola, Skawa, Raba, Dunajec, Wisloka, San, Bug u. (links) Przemza; sernevdie Oder, die Elbe (mit rechts; Iser u. Pulsnitz; links: Aupe, Metau, Adler u. Örlitz, Moldau, Eger, Biela) u. der Rhein, welcher letzte jedoch nur auf eine kurze Strecke die Grenze gegen die Schweiz bildet. Kanäle gibt es bes. im Lombardisch-venetianischen Königreiche viele, außerdem in Niederösterreich, in der Serbischen Wojwodschaft u. in Ungarn. Zu den bedeutendsten Landseen gehören: der Platten-, Neusiedler-, St. Annen-, Piriczker-, Hodos-, Kammer- od. Atter-, Wolfgang-, Mond-, Traun-, Hallstädter-, Zirknitzer-, Wörther-, Ossiacher-, Millstätter-, Wocheiner-, Tschepitzer- u. Bodensee, die 8 Plitvitzer Seen, der Vranasee, das Novigrader Meer, der Gardasee u.a.; außerdem noch viele Alpenseen. Die Sümpfe nehmen ein Territorium von beinahe 200 QM. ein; die grbstten derselben befinden sich in Ungarn (Sar-Ret, der Echeder Sumpf, der Hansag), Galizien (die der Weichsel, des San. etc.), Venetien (Lagunen) etc. Das Klima von Ö., welches vom 42° 21' bis 50°421 nördl. Br., also fast durch 9 Breitengrade[413] durchgeht, ist im Ganzen zwar mild, jedoch durch die nördlichere u. südlichere, sowie durch die höhere od. tiefere Lage sehr verschieden; in den höheren Alpen- u. Karpatengegenden u. in nördlichen Ländern herrschen rauhe Winter, während die südlichen Provinzen unter italienischem Himmel u. das Donauthal unter einem sehr angenehmen Klima liegt.

Producte: das Mineralreich liefert Gold, Silber, Kupfer, Zinn, Blei, Quecksilber u. Zinnober, Eisen, Kobalt, Galmei, Zink, Arsenik, Spießglanz, Wismuth, Braunstein, Graphit; Granaten u. Pyropen, Opale u. Halbopale, Karneole, Jaspis, Chalcedone, Sprudel- u. Erbsensteine, Lavezsteine, Marmor, Turmaline, unechte Diamanten, Porzellanerde, Walker- u. Farbenerden, Meerschaum, Bergöl, Vitriol, Bittersalz, Soda, Salpeter, Alaun, Schwefel, Steinkohlen, Torf u.v.a.; Salz findet sich in ungemein großen Lagern in Tyrol, Salzburg u. bes. in Galizien (Salzkammergut Bochnia, Wiliczka) etc. Mineralquellen u. Gefundbrunnen besitzt Ö. über 1600, in reichster Mannigfaltigkeit über alle Kronländer (mit Ausnahme von Istrien) verbreitet, am reichlichsten in Ungarn, Böhmen u. Siebenbürgen, mit den besuchtesten der. Welt; darunter die bedeutendsten: Thermalquellen zu Dobbelbad, Teplitz u. Tusser in Steyermark, Gastein u. St. Wolfgang an der Fusch in Salzburg; Säuerlinge in Buchsäuerling bei Gießhübel, Karlsbad u. Bilin in Böhmen, Bartfeld, Füred u. Syllaes in Ungarn, Rohitsch u. Gleichenberg in Steyermark, Pröbel in Kärnten, Hohenems, Ladis, Lotter, Mitter in Tyrol, Luhatschowitz in Mähren; Schwefelbäder zu Mehadia in der Militärgrenze, Teplitz, Pistjan (Erlau) u. Ofen in Ungarn, Baden u. Pirawart in Niederösterreich, Monfalcone in Görz, Spalato in Dalmatien; Eisensäuerlinge zu Franzensbrunn u. Liebwerda in Böhmen, Freudenthal in Schlesien; Alkalische Säuerlinge zu Gastein in Salzburg, Fellathal in Kärnten, Marienbad u. Teplitz in Böhmen, Teplitz in Krain; Bittersalzwasser zu Pillna, Seidschütz u. Seidlitz in Böhmen, Gran u. Füred in Ungarn, Iwonicz in Galizien; Soolen zu Ischl u. Hall in Oberösterreich, Hall in Tyrol, Wieliczka, Truskawiee u. Iwonicz in Galizien; die Soolbäder in Triest u. Venedig. Das Pflanzenreich bringt Getreide, Buchweizen, Mais, Reis, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Garten- u. Küchengewächse, Futterkräuter, Rübsen, Mohn, Fenchel, Obst (auch Südfrüchte u. Datteln), Melonen, Oliven, Runkelrüben, Wein, Tabak, Hopfen, Safran, Flachs, Hanf, Türkischen Pfeffer, Senf, Waid, Indigo, Scharte, Wau, Färberröthe, Saflor, Anis, Süßholz, Ingwer, Kalmus, Mannäschen, Mastix, Kreuzdorn, Cichorien, Arzneipflanzen, Nadel- u. Laubholz. Das Thierreich liefert Pferde, Hornvieh, auch Büffel, Schafe, Ziegen, Schweine, Esel, allerhand Wild (darunter Gemsen, Steinböcke, Wildschweine, Hirsche, Murmelthiere, Bäre, Wölfe, Luchse, Füchse, Schakale, wilde Katzen, Marder, Iltisse, Biber, Hafen u.a.), Geflügel (Kropfgänse, Aigrettenreiher, Perlhühner, Fasane, Adler, Geier, Trappen etc.), auch allerhand Hausgeflügel, Fische (Störe, Haufen, Lachse, Thun. fische, Schollen, Makrelen, Karpfen, Hechte etc.), Austern bei Venedig, Perlen, Bienen, die Kermesschildlaus, Seidenwürmer, Spanische Fliegen, Blutegel u.v.a.

Einwohner (nach der Zählung vom 31. October 1857): 35,040,810 (ohne Militär) in 887 Städten, 2318 Marktflecken u. 67,308 Dörfern. In Rücksicht der Religionsbekenntnisse ergab die Zählung von 1857: 23,966,005 Römische Katholiken, 3,526,951 Griechische Katholiken, 9737 Armenische Katholiken, 2,928,126 Nichtunirte Griechen, 3513 Nichtunirte Armenier, 1,218,831 Lutheraner. 1,963,785 Reformirte, 50,870 Unitarier, 1,050,036 Israeliten u. 3955 sonstige Glaubensgenossen. In Betreff der Nationalitäten stellten sich bei der einheimischen Bevölkerung folgende Ergebnisse heraus: 7,880,925 Deutsche, 10,886,272 Nordslawen (darunter 6,132,742 Czechen, Mähren u. Slowaken, 2,159,648 Polen u. 2,752,482 Ruthenen), 3,936,274 Südslawen (darunt. 1,183,533 Slowenen, 1,337,010 Kroaten, 1,438,201 Serben u. 24,030 Bulgaren), 2,985,854 Westromanen (darunter 2,554,631 Italiener, 416,752 Friauler u. 14,498 Ladiner), 2,642,953 Ostromanen, 4,947,134 Magyaren u. 1,217,617 von andern Stämmen (unter ihnen 2925 Albanesen, 2505 Griechen u. Zinzaren, 16,131 Armenier, 146,100 Zigeuner u. 1,050,036 Juden). Die Deutschen bewohnen bes. die Nordabhänge der Alpen, die Gebirgsstrecken des Böhmerwaldes, des Erz-, Riesen- u. Sudetengebirges, zahlreiche Inseln der Donau u. die beiden Seiten der Karpaten bis nach Siebenbürgen, wo sie Sachsen heißen; die Westromanen haben die Südabhänge der Alpen int Südwesten, die Südslawen die im Südosten inne; die Nordslawen sind über die Gebiete der Sudeten u. Karpaten, die Ostromanen über die östlichen Karpaten ausgebreitet; die Magyaren bewohnen die Pannonische Ebene, Juden u. Zigeuner sind überallhin verbreitet. Gesetzlich anerkannte Religionen in der Monarchie sind: die Katholische (Römisch-griechische u. Armenisch-katholische), die Orientalisch-griechische, die Armenisch-gregorianische, die Lutherische, die Reformirte, die Unitarische u. die Israelitische, welche alle nach kaiserlichem Patent vom 31. Decbr. 1851 in ihrer Ausübung, ihren Anstalten etc. erhalten u. beschützt werden. Die kirchlichen Verhältnisse betreffend, wurden im Jahre 1855 in der ganzen Monarchie gezählt: 16,955 Pfarreien u. andere Seelsorgerstationen mit 36,197 Welt- u. 6868 Ordenspriestern der Römisch-katholischen Kirche; 4118 Pfarreien mit 4565 Welt- u. 136 Ordenspriestern der Griechisch-katholischen Kirche; 13 Pfarreien mit 39 Welt- u. 44 Ordenspriestern der Armenisch-katholischen Kirche; 3564 Pfarreien mit 3816 Welt- u. 214 Ordenspriestern der Orientalisch-griechischen Kirche; ferner 914 Pfarreien od. Pastorate mit 1210 Geistlichen in der Seelsorge der Lutherischen u. 2058 Pfarreien mit 2278 Geistlichen der Reformirten Confession; außerdem sind mit geringen Zahlen die Unitarische, die Gregorianisch-armenische Kirche u. die Lippowaner Glaubensgenossenschaft vertreten. Die Römisch-katholische Geistlichkeit zählt in der Monarchie 13 Erzbisthümer, 52 Bisthümer, 700 Stifter u. Klöster mit 9860 Mönchen, 312 Nonnenklöster mit 6900 Nonnen. In diesen Klöstern sind bes. die Orden der Franciscaner, Kapuziner, Piaristen, Minoriten, Barmherzige Brüder u. Schwestern, Dominicanermönche u. Dominicanernonnen, Ursulinerinnen, Benedictiner u. Benedictinerinnen, Serviten, Jesuiten, Cistercienser, Tertiarier, Carmeliter, Augustiner, Clarissinnen etc. vertreten. Werden zur Weltgeistlichkeit noch die beschäftigten Zöglinge der Seminare hinzugerechnet, so ergibtsich der Gesammtbestand des Säcularclerus mit 28,000 Köpfen.[414] Die Griechisch-katholische Kirche hat in Ö. 2 Erzbisthümer, 7 Bisthümer, 27 Mönchs- u. 3 Nonnenklöster; die Armenisch-katholische 1 Erzbischof in Lemberg, 3 Mönchs- u. 1 Nonnenkloster; die Griechischorientalische den Patriarch-Erzbischof u. Metropolitan zu Karlowitz, 10 Bisthümer u. 40 Mönchsklöster. Die Lutherische Kirche wird durch ein Consistorium in Wien repräsentirt, welchem in den verschiedenen Kronländern 9 Superintendenturen u. diesen wieder Seniorate u. Pastorate unterstehen; für Siebenbürgen besteht ein Oberconsistorium in Hermannstadt u. eine Superintendentur; bei der Reformirten Kirche finden ganz dieselben Verhältnisse statt, nur daß dem reformirten Consistorium in Wien 8 Superintendenturen unterstehen u. für Siebenbürgen das Oberconsistorium u. die Superintendentur in Klausenburg ist. Rücksichtlich der sittlichen Cultur gestaltete sich das Verhältniß der unehelichen Kinder zu den ehelichen folgendermaßen: Es kommen auf ein uneheliches im Kaiserstaate 10,7, in der Militärgrenze 75, Küstenland (ohne Triest) 38,7, Venedig 34,6, Dalmatien 26,8, Venetien 23, Tyrol u. Vorarlberg 20,1, Bukowina 13,5, Galizien 11,4, Krain 11,3, Mähren 7,1, Schlesien 6,5, Böhmen 5,9, Oberösterreich 4,7, Salzburg 3,6, Steyermark 3,3, Triest sammt Gebiet 3,2, Niederösterreich 3,2, Kärnten 1,9 eheliche Kinder. In großen Städten ist dies Verhältniß schlimmer, so in Venedig 1_: 5,756 Innsbruck 1_: 3,95, Zara 1_:3, Troppau 1_:2,845, Laibach 1_:1,873, Linz 1_:1,577, Brünn 1_: 1,388, Prag 1_: 1,267, Lemberg 1_: 2,252, Wien 1_: 1,146, Klagenfurt 1_: 0,897, Gratz 1_: 0,6. Im Jahre 1854 kamen auf die 1,392,738 Geburten in der ganzen Monarchie 119,410 uneheliche. Nach dem Durchschnitte aus den Jahren 1846/48 kamen in einem Jahre auf einen Criminalverbrecher im Küstenlande 2500, Kärnten u. Krain 2110, Steyermark 1508, Tyrol 1466, Mähren u. Schlesien 1287, Böhmen 1286, Galizien 1138, Oberösterreich 1025, Dalmatien 733, Niederösterreich 520 Einwohner.

Das Unterrichtswesen in Ö. hat seit 1848 u. 1849 eine große Umgestaltung zum Besseren erfahren. Die Volksschulen theilen sich in Trivial- u. Hauptschulen; die Normal- od. Musterhauptschulen sollen den übrigen zum Muster dienen u. bestehen in den einzelnen Hauptstädten der Kronländer. Im Jahre 1854 gab es in Ö. (mit Ausschluß einzelner Kronländer) 32,057 Volksschulen, 482 Haupt-, 18,019 Trivial- u. 3311 Mädchenschulen; nach Sprachen unterschieden zählte man (ohne Siebenbürgen) 7317 deutsche, 6373 slawische, 4091 magyarische, 7776 italienische, 686 ostromanische, 4 griechische u. 3332 gemischte Volksschulen. Der Besuch der Volksschulen ist auf 6 Jahre bestimmt; die Kinder dürfen dieselben nicht vor dem 12. Jahre verlassen. Zu den Mittelschulen gehören die Gymnasien, Realschulen, die niederen Landwirthschaftlichen, Nautischen, Bergschulen u. Hebammenanstalten; Gymnasien gab es 1858 in Ö. 266 mit einem Personal von 3385 Lehrern u. 53,619 Schülern; zu ihnen sind die 23 Gymnasialschulen (Gymnasien unter Leitung von Privaten) in Dalmatien beizufügen; Realschulen wurden in demselben Jahre 46 gezählt mit 567 Lehrern u. 10,697 Schülern; Landwirthschaftliche Mittelschulen 25 mit 51 Lehrern u. 530 Schülern, Nautische Schulen 7 (1854 mit 19 Lehrern u. 124 Schülern), Bergschulen 3 (mit 7 Lehrern u. 126 Schülern), Hebammenanstalten 21 (1857 mit 62 Lehrenden u. 1251 Schülerinnen). Die Gymnasien, sowie die Real- u. Volksschulen werden seit 1849 von Schulräthen inspicirt, unter welchen die kirchlichen Aufsichtsorgane, die Schulenoberaufseher u. Districtsaufseher stehen. Die Höheren Lehranstalten begreifen die Universitäten, die Theologischen Lehranstalten, die Rechtsakademien, die Chirurgischen Lehranstalten, die höheren Land- u. Forstwirthschaftlichen, sowie die Bergwissenschaftlichen Anstalten, die Technischen u. Commercielen Akademien u. die höheren Kunst- u. Musikinstitute. Universitäten hat Ö. gegenwärtig 8: in Wien, Prag, Gratz, Innsbruck, Krakau, Lemberg, Padua u. Pesth, deren Behörden 1849 u. 1850 organisirt wurden. Der Stand der österreichischen Universitäten (mit Einschluß der bis 1855 bestandenen Olmützer u. der bis 1859 zu Ö. gehörigen Universität Pavia) war vergleichsweise in den Jahren 1851 u. 1857 folgender: in ersterem Jahre 557 Docenten u. 9310 Studenten, in letzterem 582 Docenten u. 8809 Studenten; rücksichtlich der Facultäten zählte die theologische in diesen Jahren 61 Docenten u. 1072 Studenten, beziehentlich 67 Docenten u. 948 Studenten, die rechts- u. staatswissenschaftliche beziehentl. 114 Docenten u. 4512 Studenten, u. 111 Docenten u. 4047 Studenten, die medicinisch-chirurgische beziehentl. 181 Docenten u. 2011 Studenten, u. 178 Docenten u. 1854 Studenten, die philosophische beziehentl. 187 Docenten u. 1178 Studenten, u. 206 Docenten u. 1593 Studenten, die mathematische (auf den italienischen Universitäten) beziehentl. 14 Docenten u. 537 Studenten, u. 20 Docenten u. 367 Studenten. Die Zahl der katholisch-theologischen Lehranstalten, welche seit 1790 bestehen u. 1858 in Bezug auf das Studium in denselben geregelt wurden, belief sich 1856 auf 121, von denen 115 für den lateinischen, 4 für den griechischen u. 2 für den armenischen Ritus; die ersteren zählten 1856: 504 Lehrer u. 3907 Studirende, die griechischen 15 Lehrer u. 167 Studirende, die armenischen 18 Lehrer u. 25 Studirende. Die griechisch nichtunirten Lehranstalten (9 an Zahl) zählten 1856 zusammen 32 Lehrende u. 396 Studirende; für die Evangelische Confession bestehen die Evangelisch-theologische Facultät in Wien, sowie 2 Lutherische u. 5 Reformirte theologische Lehranstalten in Ungarn; 1856 hatten diese Anstalten 28 Lehrer u. 456 Studirende. Die 5 nur in Ungarn u. Siebenbürgen bestehenden u. 1855 reorganisirten Rechtsakademien zählten 185738 Lehrer u. 286 Studirende, die 7 Chirurgischen Lehranstalten 79 Lehrer u. 596 Studirende, die 7 technischen Akademien 165 Lehrer mit 4141 Studirenden; zu letzteren können außerdem gezählt werden: die k.k. Akademie für Handel u. Schifffahrt in Triest (seit 1844), das Nautisch-commercielle Collegium zu Fiume (seit 1853), die Kaufmännische Lehr- u. Erziehungsanstalt in Laibach (seit 1833), die höheren Handelslehranstalten in Prag (seit 1856) u. Pesth (seit 1857) u. die Handelsakademie in Wien (seit 1858). Höhere Montan- u. Forstlehranstalten bestehen in Leoben, Przibram, Schemnitz u. Mariabrunn, höhere landwirthschaftliche Lehranstalten in Ungarisch-Altenburg, Krumau u. Koltschawka bei Prag. Kunst- u. Musikinstitute gibt es in Wien, Linz, Salzburg, Gratz, Marburg, Laibach, Triest, Innsbruck, Prag, Brünn, Olmütz, Venedig, Verona; im Ganzen wurden im Jahre 1854 (mit Ausnahme Ungarns, Siebenbürgens u. der Militärgrenze)[415] 28 Kunst- u. Musikinstitute mit 241 Lehrenden u. 3781 Schülern gezählt. Taubstummenanstalten bestehen in Wien, Linz, Gratz, Görz, Hall, Prag, Brünn, Lemberg, Verona, Presburg u. Waitzen als öffentliche Anstalten u. an 8 Orten als Privatinstitute; Blindeninstitute in Wien, Linz, Prag, Brünn, Padua, Presburg u. Ofen als öffentliche u. außerdem noch mehre Privatanstalten. Waisenhäuser gab es in O. (mit Ausnahme der ungarischen Länder, Siebenbürgens u. der Militärgrenze) im Jahre 185467. Sanitäts- u. Wohlthätigkeitsanstalten wurden 1854 gezählt: 398 Civilkrankenhäuser, 27 Irrenhäuser, 35 Gebärhäuser, 35 Findelhäuser, 1371 Versorgungshäuser, 7413 Armeninstitute, 159 Militärspitäler. Förderungsmittel der Wissenschaften sind: die bedeutenden Bibliotheken an allen Universitäten, höheren Lehranstalten etc., die kaiserliche Hofbibliothek in Wien, die Markusbibliothek in Venedig, die k.k. Bibliothek in Olmütz etc.; Museen u. Kunstcabinete in Wien, Prag, Pesth etc. Sternwarten an den Universitäten, sowie in Kremsmünster, Triest, Senftenberg, Erlau u. Karlsburg; außerdem: die k.k. Centralanstalt für Meteorologie u. Erdmagnetismus, die k.k. Geologische Reichsanstalt, das k.k. Militärgeographische Institut, die k.k. Direction für administrative Statistik, die k.k. Centralcommission für Erforschung u. Erhaltung der Baudenkmale, sämmtlich in Wien; dann die vielen Gelehrten Gesellschaften, unter welchen sind: die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien, die Böhmische Gesellschaft der Wissenschaften in Prag, die Ungarische Akademie der Wissenschaften in Pesth, das k.k. Institut der Wissenschaften in Venedig, das Cabinet der Minerva in Triest, die Akademien der Wissenschaften in Padua, Rovigo, Bovolenta u. Vicenza, die Athenäen in Venedig, Treviso, die Gelehrte Gesellschaft der Jagellonischen Universität in Krakau, Ärztliche, Alterthums-, Naturwissenschaftliche, Geographische etc. Vereine in Wien, Museen in Linz, Salzburg u. Prag, Historische Vereine in Gratz u. Laibach, 17 Ackerbau- u. Landwirthschaftliche Vereine, der Verein für Südslawische Geschichte u. Alterthümer in Agram, Vereine für Siebenbürgische Landeskunde in Kronstadt u.v.a.; im Ganzen wurden 1854 an Akademien, Gelehrten Gesellschaften u. ähnlichen Vereinen 170 gezählt. Die Literatur erhob sich seit Joseph II. u. gelangte durch die abermalige Aufhebung der Censur 1848 zu einem hohen Aufschwung; in ihr zeichneten sich bes. die Deutschen u. Italiener aus, nach diesen die Czechen, Magyaren u. Polen; Sitze der deutschen Gelehrsamkeit sind Wien u. Prag, der italienischen Padua u. Venedig, der magyarischen Pesth, der czechischen Prag u. der polnischen Lemberg u. Krakau; bes. werden Medicin, Rechtsgelehrsamkeit, Mathematik, Naturwissenschaften, Geschichte, Kriegswissenschaft, Orientalische Sprachenkunde etc. betrieben; auch die dramatische u. lyrische Poesie hat in der neuesten Zeit reiche Blüthen entfaltet. Im Jahre 1955 erschienen in ganz Ö. 4673 Druckschriften (unter ihnen 791 Andachts- u. Predigtbücher, 507 statistische, 316 rechts- u. staatswissenschaftliche, 291 historische, 266 medicinische, 151 theologische u. kirchenhistorische Werke, 151 Romane etc.); nach den Sprachen geordnet waren es 1806 in Deutscher, 1497 in Italienischer, 640 in Ungarischer, 25 in Ostromanischer, 208 in Czechischer, 116 in Polnischer, 31 in Serbisch-Illyrischer, 29 in Kroatisch-Illyrischer, 41 in Slowenischer, 13 in Ruthenischer, 187 in Lateinischer, 1 in Griechischer, 30 in Hebräischer, 9 in Armenischer, 30 in Französischer, 1 in Spanischer, 4 in Englischer u. 5 in Altslawischer Sprache. An Zeitungen erscheinen in Ö. Anfang 1861342, u. zwar politische: deutsch 58, czechisch 4, polnisch 4, serbisch 1, kroatisch 2, illyrisch 1, ruthenisch 1, italienisch 10, ungarisch 11, romanisch 2, griechisch 1, zusammen 95; nichtpolitische: deutsch 147, czechisch 13, polnisch 10, serbisch 4, slawonisch 4, kroatisch 3, slowakisch 1, italienisch 25, ungarisch 40, romanisch 1, zusammen 247. Buch-, Kunst- u. Musikalienhandlungen gab es 1859 zusammen 491 in der ganzen Monarchie; Buchdruckereien (1854) 353, Lithographische Anstalten 152. Unter den Künsten blühen bes. Architektur, Bildhauer- u. Kupferstechkunst, Malerei, Musik, welche letztere von Wien aus die meiste Ausbildung erhielt, Kunst- u. Musikinstitute (s. oben). Außerdem bestehen viele Kunstvereine, Gemäldegallerien u. Kunstcabinete, Theater (bes. das Hofburgtheater in Wien für das Schauspiel, Hofoperntheater ebendaselbst, das Operntheater Fenice in Venedig).

Landwirthschaftliche Gewerbe. Die productive Oberfläche beträgt ungefähr 9660 österreichische QM., die unproductive einschließlich der Bau-Area u. der Flächen, welche die Straßen, Kanäle, stehende u. fließende Gewässer etc. einnehmen, etwa 1600 österreichische QM. Der Ackerbau bildet die Hauptbeschäftigung der Bevölkerung; der Ertrag an Brodfrüchten belief sich im Jahre 1856 auf 51 Millionen Wiener Metzen (1 Wiener Metzen =| 1,12 preußische Scheffel) Weizen, 15 Mill. Metzen Halbfrucht, 65 Mill. Metzen Roggen, 50 Mill. Metzen Gerste, 100 Mill. Metzen Hafer, 10 Mill. Metzen Hirse, Heidekorn etc., 1 Mill. Centner Reis, 5 Mill. Metzen Hülfenfrüchte, 120 Mill. Metzen Kartoffeln, 46 Mill. Metzen Mais; der Ertrag an Klee, Heu u. Stroh auf 962,500,000 Ctr. Das meiste Getreide, welches im Überfluß vorhanden ist u. zum Theil ausgefahren wird, erzeugen Ungarn, Böhmen, Galizien, Mähren u. Niederösterreich; bes. häufig wird Hafer, Roggen, Gerste, Weizen u. Mais gebaut; der Hafer ist das Haupterzeugniß der Gebirgsländer, bes. von Schlesien, Mähren, Steyermark, Salzburg, Nieder- u. Oberösterreich, Böhmen, Galizien, Krain, der Bukowina u. Ungarn; Roggen kommt in allen Gegenden vor, Mais des in Ungarn u. seinen Nebenländern, dem Lombardisch-venetianischen Königreiche u. Steyermark, Reis im Lombardisch-venetianischen Königreiche, dem Küstenlande u. im Temeser Banat, Hülsenfrüchte werden im Uberfluß in Ungarn, Böhmen, Galizien u. Mähren gebaut; Kartoffeln nur in den nördlichen Theilen der Monarchie; Kraut sehr viel, im Mittel jährlich 54 Mill. Ctr., bes. in Ungarn, Böhmen, Mähren, Galizien u. Steyermark; der Rübenbau wird bes. stark in Mähren, Böhmen, Galizien u. Ungarn zur Zuckerfabrikation betrieben; sehr ausgedehnt ist der Kleebau, namentlich in Steyermark, Kärnten, Oberkrain; außerdem werden in den ungarischen Ländern, Galizien, Böhmen, Mähren u. Siebenbürgen Zwiebeln u. Knoblauch, in Böhmen u. Mähren Meerrettig, im Lombardisch-venetianischen Königreich, Mähren u. Ungarn Spargel, in Ungarn, Venedig, Dalmatien u. dem Küstenlande Gurken, im Lombardisch-venetianischen Königreich, Ungarn u. Dalmatien Melonen[416] gebaut. Viele dieser Küchengewächse bilden auch den Gegenstand des Gartenbaues. Unter den Manufactur- u. Handelsgewächsen stehen Flachs u. Hauf oben an, u. O. nimmt in ihrer Cultur einen der ersten Plätze unter allen Staaten der Erde ein; der Flachs wird bes. im nordwestlichen Theile, Hanf bes. in den östlichen u. südlichen Theilen der Monarchie gebaut. An Hopfen, welcher bes. in Böhmen gewonnen wird, erbaute man 1851, mit Ausschluß der ungarischen Länder, 65,850 Wiener Ctr. (in Böhmen allein 36,900 Ctr.); von Tabak, welcher ein Monopolgegenstand des Staates ist, wurden 1851766,900 Ctr. (darunter 560,000 Ctr. in den ungarischen Ländern, 117,200 Ctr. in Galizien, 42,000 Ctr. in Siebenbürgen etc.) gewonnen; Raps wird namentlich in Ungarn in ausgedehnter Weise angebaut ldurchschnittlich 600,000 Metzen), außerdem in Böhmen (120,000 Ctr.), Mähren, Galizien, Ober- u. Niederösterreich; Krapp in der Serbischen Wojwodschaft, Slawonien, Dalmatien; Saflor im Banat u. in Slawonien; Kümmel, Fenchel u. Anis bes. in Böhmen, Mähren, Ungarn u. Galizien; Cichorie in Böhmen, Mähren, Niederösterreich u. Steyermark; Weberkarden in Galizien, Mähren u. Steyermark. Der Gesammtertrag an Obst wird auf wenigstens 10 Mill. Wiener Metzen jährlich angeschlagen; es wird überall angebaut u. in bedeutender Menge ausgeführt, bes. aus O. unter u. ob der Enns, Böhmen, Mähren, Tyrol, Steyermark, Kärnten u. dem Lombardisch-venetianischen Königreich. Am häufigsten werden die gewöhnlichen Obstsorten (Äpfel, Ksirnen, Pflaumen, Kirschen, Nüsse) angebaut, Mandeln u. Feigen gedeihen in Dalmatien, dem Lombardisch-venetianischen Königreich, Südtyrol, dem Küstenlande, Citronen u. Pomeranzen in den italienischen Provinzen u. Südtyrol, Ölbäume in Dalmatien, dem Küstenlande u. dem Lombardisch-venetianischen Königreich; 1851 zählte man in der Monarchie 41,376 Wiener Joch (93,098 Preußische Morgen) Olivenwälder (davon 26,935 in Dalmatien), Maulbeerbäume im Lombardisch-venetianischen Königreich, Südtyrol, Küstenlande, Dalmatien, südlichen Ungarn u. Militärgrenze. Hinsichtlich des Weinbaues nimmt O. nächst Frankreich den ersten Rang in Europa ein u. lieferte im Jahre 1851 auf 122,4_: 1 österreichischen QM. 41,408,800 Wiener Eimer. Die edelsten Sorten sind in Ungarn der Tokaier, Menescher, Ruster, Ofener, Ödenburger, Erlauer, Schomlauer, St. Georger, in Kroatien der Moszlavinawein, in der Wojwodschaft u. dem Banate der Verschetzer u. Karlowitzer, in Siebenbürgen der Krakkoer, in der Militärgrenze der Weißkirchner, in Ö. unter der Enns der Gumpoldskirchner, Mailberger, Bisamberger, Grinzinger, Weidlinger, in Böhmen der Melniker, in Mähren der Bisenzer u. Zuckerhändler, in Steyermark der Luttenberger, Radkersburger u. Pettauer, in Görz der Piccolitwein, in Tyrol der Meraner u. Trienter, in Venetien der Friaulsche, in Dalmatien der Malvasir, Muskat etc. In Dalmatien u. dem Küstenlande werden auch Rosinen gewonnen. An Wiesen u. Gärten zählte man im Jahre 1851 in der ganzen Monarchie 1408, 57 österreichische QM., an Weiden 1555, 72 QM. Die Waldungen bedeckten 1851 einen Flächengehalt von 3131 österreichischen QM. u. lieferten einen Holzertrag von 35,363,000 Wiener Klaftern, sie bieten mehr als der innere Bedarf heischt, weshalb viel Holz ausgeführt wird, außerdem das Material zu vielen Nebenproducten, wie Pottasche, Holzkohlen, Baumrinde, Eicheln, Knoppern, Galläpfel, Feuerschwamm, Harz, Theer, Terpentin, Waldwolle etc.

Die Viehzucht befindet sich in Ö. noch nicht auf einem den Verhältnissen angemessenen Standpunkte; im Jahre 1857 zählte man 3,530,647 Stück Pferde (mit Ausschluß der Armeepferde), 44,727,623 Stück Rindvieh, 17,084,702 Schafe, 1,605,771 Ziegen u. 8,279,764 Schweine. Die Pferdezucht wird bes. in Böhmen, Mähren, O., Steyermark, Ungarn (auf den großen Pußten), Siebenbürgen, der Bukowina u. Galizien betrieben, sie wird befördert durch zwei Hofgestüte (zu Kladrub in Böhmen u. zu Lipitza im Küstenlande), sechs Militärgestüte (in Piber, Ossiach, Radautz, Babolna, Mezöhegyes u. Kis-Vér), gegen 300 Privatgestüte, 605 ärarische Beschälstationen mit 2388 Hengsten. Maulthiere u. Esel gibt es namentlich nur in den südlichen Theilen. Die Rindviehzucht ergab im Jahre 1857111,902 Stiere, 3,263,497 Ochsen, 6,621,742 Kühe u. 4,730,476 Kälber, ausgezeichnet schöne Racen liefern nur die Alpenlouder. Die Milchproduction der Kühe beläuft sich jährlich auf beinahe 5800 Mill. Wiener (7180 Mill. Preußische) Maß (davon über 858 Mill. in Ungarn, 818 Mill. in Galizien, 765 Mill. in Böhmen, 335 Mill. in Tyrol), Butter über 3 Mill. Wiener Ctr., Käse gegen 2 Mill. Wiener Ctr. Auf die Schafzucht wird große Sorgfalt verwendet, bes. in Mähren u. Schlesien, in Böhmen, Nieder- u. Oberösterreich u. in Ungarn, wo die einheimischen Thiere durch spanische Merinos veredelt worden sind; sie liefert jährlich gegen 600,000 Ctr. Wolle, die feinste Wolle wird in Mähren, Schlesien, Böhmen, Niederösterreich, Ungarn u. Galizien gewonnen. Die Ziegenzucht gibt einen jährlichen Ertrag von 518 Mill. Wiener Maß Milch. Die Schweinezucht wird am ausgedehntesten in den ungarischen Ländern, in Siebenbürgen, der Militärgrenze, in Böhmen, Mähren u. Schlesien betrieben. Federvieh wird in allen Theilen des Reichs gezogen, bes. Hühner in Niederösterreich, Böhmen u. Mähren, Gänse in Mähren, Böhmen, Schlesien u. den ungarischen Ländern, Enten u. Truthühner im Süden. Die Bienenzucht ist nicht überall bedeutend, man zählt mindestens 3 Mill. Bienenstöcke, von denen die meisten auf Ungarn, Galizien, das Banat u. Siebenbürgen kommen. Seidenraupen werden namentlich im Lombardisch-venetianischen Königreich, Südtyrol, dem Küstenlande u. den ungarischen Ländern gezogen, mit einer jährlichen Erzengungsmenge an Seidencocons von mindestens 1/2 Mill. Wiener Ctr. Die Jagd ist in Böhmen, Mähren, Schlesien, Nieder- u. Oberösterreich, den ungarischen Ländern, Galizien u. der Bukowina von besonderer Bedeutung u. erstreckt sich auf Hafen, Rothwild, Schwarzwild, wildes Geflügel (Fasanen in Böhmen); zur Erlegung der Raubthiere, auf welche Prämien gesetzt sind, ist Jedermann berechtigt; Bären gibt es in den Karpaten, den Alpen, im Küstenlande u. Dalmatien, Wölfe in Ungarn, dem Banate, Kroatien, Slawonien, Siebenbürgen, Galizien, der Bukowina, in Dalmatien u. dem Küstenlande, Luchse in Slawonien, Füchse überall, Schakale auf einigen Inseln Dalmatiens, Biber an der Donau, Leitha, Traun u. am Bug; größere Raubvögel in den Hochgebirgen. Die Fischerei in den Flüssen u. Teichen wird weist nur[417] als Nebenbeschäftigung betrieben, die Teichwirthschaft am besten in Böhmen, Mähren, Nieder- u. Oberösterreich besorgt, aber die Seefischerei ist für die Küstenstriche u. Inseln des Adriatischen Meeres von der größten Wichtigkeit. Außer den gewöhnlichen Fischgattungen, Schalenthieren u. Krebsen werden Thunfische (an den istrischen u. dalmatinischen Küsten), Sardellen (Dalmatien), Schildkröten u. Blutegel (in Ungarn) gefangen; Perlenmuscheln findet man in den böhmischen Flüssen Wottawa u. Moldau, Spanische Fliegen in Ungarn, Cochenille am Weggrase in Galizien.

Der Werth der Ausbeute des Bergbaues belief sich im Jahre 1855 auf 37,256,445 Fl. C. M., der der Salinen production auf 32,165,136 Fl. C. M. Gold liefern Siebenbürgen, Ungarn, Banat, Salzburg, Steyermark, Tyrol, Böhmen, 1855 zusammen 5280 Wiener Mark; Silber am reichlichsten Ungarn,