[294] Preußen (Preußischer Staat, hierzu Karte »Preußen«), der wichtigste Staat im Deutschen Reich, besteht seit 1866 im wesentlichen aus einem zusammenhängenden Gebiet, das freilich eine Anzahl von kleinern Staaten (beide Mecklenburg, die Freien Städte, Oldenburg, Braunschweig, Anhalt, Lippe, Schaumburg-Lippe, Waldeck, Oberhessen, Teile der thüringischen Staaten) umschließt, und grenzt gegen N. an die Nordsee, Dänemark und die Ostsee, gegen O. an Rußland und Galizien, gegen S. an die österreichischen Kronländer Schlesien, Mähren und Böhmen, ferner an das Königreich Sachsen, die thüringischen Staaten, Bayern, das Großherzogtum Hessen, die bayrische Pfalz und Elsaß-Lothringen und gegen W. an Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Getrennt vom preußischen Staatsgebiet sind außer mehreren Enklaven innerhalb der von P. umschlossenen Staaten die Kreise Schleusingen, Schmalkalden und Ziegenrück sowie die Exklaven Wandersleben in Thüringen und Hohenzollern in Süddeutschland. Die äußersten Punkte des Staates, abgesehen von Hohenzollern, sind folgende: der nördlichste bei Nimmersatt, nördlich von Memel, unter 55°54' nördl. Br., der östlichste bei Schilleningken unweit Schirwindt an der Scheschuppe unter 22°53' östl. L., der südlichste bei Hanweiler am Einfluß der Blies in die Saar unter 49°7' nördl. Br. und der westlichste bei Isenbruch im Regbez. Aachen (4 km von der Maas) unter 5°52' östl. L. In Rücksicht auf den Flächeninhalt nimmt P. die sechste Stelle unter den europäischen Staaten ein, indem es Rußland, Österreich-Ungarn, Frankreich, Spanien und Schweden nachsteht.
Bodengestaltung.
Der größere Teil des preußischen Staates gehört dem Norddeutschen Flachland an. Von den Küstenprovinzen reicht nur Hannover in das deutsche Bergland (Harz) hinein; die andern, Schleswig-Holstein, Pommern, West- und Ostpreußen sowie die beiden Binnenprovinzen Brandenburg und Posen, liegen ganz innerhalb des Norddeutschen Flachlandes, während Schlesien und Sachsen zum kleinern, Westfalen und die Rheinprovinz zum größern Teil und Hessen-Nassau ganz dem Bergland angehören. Auf das Tiefland kommen vom Staatsgebiet etwa 268,000 qkm (4867 QM.), auf das Bergland 80,300 qkm (fast 1459 QM.). Das Bergland geht zwischen Minden und Hannover mit dem Bückeberg und Deister am weitesten gegen N. vor. Von hier aus tritt es gegen[295] O. mit der Linie Quedlinburg-Görlitz-Tarnowitz nach S. zurück, während es auf der Westseite der Weser zwischen dem Flachland und den Flachlandsbusen an der obern Ems und Lippe und bei Köln und Bonn halbinselartig vorgeht, einmal bis Osnabrück, das andre Mal bis zum Steinkohlengebirge an der Ruhr. Das Bergland, soweit es innerhalb des preußischen Staates liegt, besteht, abgesehen von der Rauhen Albin Hohenzollern, aus folgenden Hauptgruppen: dem Rheinischen Schiefergebirge im W., dem Hessischen Berg- und Hügelland, dem Harz und Thüringer Wald in der Mitte, dem Subherzynischen Hügelland im N. und den Sudeten im SO.
Das Rheinische Schiefergebirge bildet in fast allen seinen Teilen ein Plateau ohne bedeutende Höhenzüge, das aber von tiefen Flußtälern vielfach zerrissen ist. Die einzelnen Teile des Schiefergebirges sind: 1) der Hunsrück (s. d.) zwischen Rhein, Nahe, Saar und Mosel, eine 400500 m hohe Platte, auf der sich einige Bergzüge befinden (Hochwald 816 m); 2) die Eifel (s. d.) auf der Nordseite der Mosel, ein Hochland ohne Bergrücken, wenn man von der rauhen Schneifel (Schneeeifel) absieht, mit der fruchtbaren Ebene des Maifeldes an der Nette, der Hohen Acht (760 m) und dem schönen Ahrtal; 3) das Hohe Venn (s. Venn) südlich von Aachen, mit großen Torfmooren, bei dem Signal Botrange 695 m hoch; 4) der Taunus (s. d.) zwischen Rhein, Main und Lahn, wie die folgenden auf der Ostseite des Rheins, in seinem westlichen Teile das Rheingaugebirge genannt (woselbst der Niederwald über Rüdesheim), in seinem östlichen mehr als Gebirgsrücken ausgeprägt (Großer Feldberg 880 m), mit zahlreichen Mineralquellen und den schönsten Weinlagen des Deutschen Reiches an seinem südlichen Fuß; 5) der Westerwald (s. d.), ein Plateau zwischen Rhein, Lahn und Sieg, mit dem Fuchskauten (657 m) und dem merkwürdigen Siebengebirge (s. d.) als Vorposten des Berglandes bei Königswinter am Rhein; 6) das Sauerländische Gebirge an der Lenne und Ruhr, das den größten Teil des westfälischen Regierungsbezirks Arnsberg erfüllt, mit vielen Verzweigungen: dem Quellgebiet der Sieg, Lahn und Eder, einer 600700 m hohen Platte, die nach allen Seiten zwischen den Flüssen sich abdacht und vom Härdler (696 m) an sich in dem Rothaar- oder Rotlagergebirge bis zum Plateau von Winterberg an der Quelle der Lenne (Kahler Astenberg 827 m) und Ruhr fortsetzt; 7) die Haar (380 m) bildet mit dem Ruhrkohlengebirge das nördlichste Glied des Schiefergebirges und fällt allmählich gegen das nördliche Tiefland ab.
Jenseit der Hessischen Senke, die in der Wetterau beginnt und sich in nördlicher Richtung bis zur mittlern Weser bei Höxter zieht, dehnt sich das Hessische Berg- und Hügelland aus, dem das Hessische Waldgebirge mit dem Knüllgebirge (632 m), dem Seulingswald (474 m), dem Meißner (749 m), dem Kaufunger Wald (640 m), dem Habichtswald (595 m), dem Reinhardswald (468 m) und dem Solling (51 dm), ferner die Hohe Rhön (Wasserkuppe 950, Milseburg 833 m) angehören. Durch die Göttinger Senke wird das Hessische Waldgebirge vom Thüringer Becken getrennt, dessen westlichsten Teil das Obere Eichsfeld bildet. Auf der sich zwischen Thüringer Wald und Harz erhebenden Muschelkalkplatte ragen mehrere Höhenzüge hervor, die nach O. zu an Höhe abnehmen (im N. Dün, Ohmgebirge, im S. Hainich, im O. Finne u. a.). Vom Thüringer Wald gehört nur der Südabfall des nordwestlichen Teiles P. an, während dies den ganzen Oberharz (Brocken 1142 m) und einen großen Teil des Unterharzes besitzt.
Nördlich und westlich vom Harz breitet sich zwischen dem Teutoburger Wald (484 m) im W. und Elm und Huywald im O. das Subherzynische Hügelland aus, das wegen des nordwestlichen Streichens seiner Bergzüge diesen Namen erhalten hat. Im Harzvorland sind die Höhen unbedeutend, im ostfälischen Hügelland schwellen sie schon zu 400 man (Hils, Ith, Deister u. a.). Westlich schließt sich daran das Weserbergland (Säntel, Westfälische Pforte am Durchbruch der Weser, Wiehengebirge).
Das Herzynische oder Sudetensystem enthält in Schlesien auf der Grenze gegen Österreich die höchsten Gebirge des Staates. Das kleine, aber mannigfach verzweigte Glatzer Gebirgssystem (s. Glatz, S. 12), das den Glatzer Kessel (ca. 320 m) einschließt, enthält: an der preußisch-österreichischen Grenze das Glatzer Schneegebirge (Großer Schneeberg 1422 m) auf der Wasserscheide zwischen Oder, Elbe und Donau, das Reichensteiner Gebirge (902 m), beide im O., sodann das Mensegebirge (Hohe Mense 1085 m) im W., endlich innerhalb des preußischen Staatsgebietes das Habelschwerdter Gebirge (962 m), das Eulengebirge (Hohe Eule 1014 m) und das Neuroder Gebirge. In der nordwestlichen Fortsetzung dieses Gebirgssystems erscheinen: das Plateau der Heuscheuer (920 m), das Waldenburger Gebirge (Heidelberg 936 m), durch das Tal des obern Bober vom Riesengebirge geschieden, sodann das Katzbachgebirge (724 m) und unter den einzelnen Bergen der schlesischen Ebene vor allen der Zobten (718 m). Das Riesengebirge, auf der Grenze von Schlesien und Böhmen, enthält die höchsten Berge des Staates (Schneekoppe 1603, Hohes Rad 1509 m); seine westliche Fortsetzung bildet der Hohe Iserkamm (Hinterberg 1126 m, Tafelfichte 1122 m), von dem in veränderter Richtung das Lausitzer und Erzgebirge außerhalb der Staatsgrenzen zum Fichtelgebirge leiten, während in der ursprünglich nordwestlichen Richtung sich eine nicht hohe Granitplatte bis zur Elbe bei Meißen hinzieht, zu der in Schlesien bei Görlitz die Landeskrone (427 m) und die Königshainer Berge gehören. Innerhalb der Gebirge Schlesiens sind unter den Tälern außer dem Glatzer Kessel das Landeshuter und Hirschberger Tal (300400 m hoch), beide am Bober, nennenswert.
Das Tiefland ist im W. von der Elbe einförmiger als im O. derselben. Am Gestade der Nordsee und längs der Flüsse gibt es dort vortreffliche Marschländer; sodann treten gewöhnlich Moore auf, die mit Sandflächen abwechseln und mit denselben als Geest zusammengefaßt werden. Von großem Umfang sind die Moore namentlich zu beiden Seiten der Ems bis Westfalen hinauf, ferner zwischen Weser und Elbe im Regbez. Stade, an der Aller, zu beiden Seiten der Weser unterhalb der westfälischen Grenze etc. Große Sandflächen bieten in Hannover die Lüneburger Heide (bis 171 m hoch) zwischen Aller und Ilmenau und der Hümling auf der östlichen Seite der Ems im Kreis Meppen dar. In dem Becken von Münster bildet die Senne weite unfruchtbare Strecken, die teils sandig und wasserarm, teils versumpft sind. Unter den Hügelgruppen dieses Beckens sind die Schöppinger Berge (154 m) und die Stromberger Hügel (190 m), diese auf der Platte von Beckum, die bedeutendsten. In der Provinz Sachsen bildet die Platte der Altmark (Hellberge bei Zichtau 160 m) die Fortsetzung der Lüneburger Heide. Im O. der Elbe[296] entwickeln sich im Tiefland zwei Landrücken. Der südliche, der Märkisch-schlesische (s. d.), zieht sich durch das südliche Brandenburg und das nördliche Schlesien und trägt verschiedene Namen: Fläming (Hagelberg 201 m) im Regbez. Potsdam, Lausitzer Grenzwall (Rückenberg 229 m) im Regbez. Frankfurt, Katzenberge (200 m) in Schlesien zwischen Bober und Oder, Trebnitzer Berge (311 m) zwischen Bartsch und Weida und Oberschlesischer Jura (357 m) im N. von der Malapane; der letztere schließt sich in Polen an die Ausläufer der Karpathen an. Der nördliche, der Norddeutsche Landrücken oder die Baltische Seenplatte, durchstreicht die Provinzen Schleswig-Holstein, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreußen. Er wird von der Oder und Weichsel durchbrochen, ist im allgemeinen sehr breit und wasserreich und trägt die meisten sowie (außer den Hassen) auch die größten Landseen in P. und Norddeutschland. Seine bedeutendsten Höhen sind: in Schleswig-Holstein der Bungsberg (168 m), in Pommern der Schimmritzberg im Kreise Bütow (256 m), in Westpreußen der Turmberg (331 m) auf der Platte von Karthaus, endlich in Ostpreußen die Kernsdorfer Höhe (313 m), südlich von Osterode, und die Seesker Höhen (309 m), östlich von den großen Masurischen Seen auf der Ostpreußischen Seenplatte. Zwischen beiden Landrücken herrscht eine große Abwechselung von Tief- und Hügelland, namentlich in Brandenburg; da sind das Havelländische Luch, das Rhinluch, das Oderbruch, der Spreewald, sodann die Platte von Barnim (157 m), die Rauenschen Berge (152 m) an der Spree etc., in Posen das Obrabruch. Merkwürdig sind die breiten und tiefen Talsenkungen im S. des Norddeutschen Landrückens, die nach der mittlern Elbe hin konvergieren (s. Deutschland, S. 764). In dem Bereich der eigentlichen Küstenebene sind nennenswerte Hügellandschaften: die Stubbenkammer auf Rügen (159 m), der Gollenberg bei Köslin (144 m), die Trunzer Berge bei Elbing (198 m), der Stablack mit den Höhen von Wildenhof (Schloßberg 216 m) im Kreis Preußisch-Eylau und der Galtgarben (110 m) im Samland bei Königsberg. Hervorragende Landspitzen an der Ostsee sind Arkona auf Rügen (46 m), Rixhöft (53 m) und Brüsterort (34 m) zu beiden Seiten der Danziger Bucht. Über die geologische Beschaffenheit Preußens vgl. die Textbeilage bei Deutschland, S. 762, mit Karte, und die Artikel »Norddeutsches Tiefland«, »Harz«, »Riesengebirge«, »Thüringer Wald« etc.
Nutzbare Mineralien (vgl. auch Textbeilage bei Deutschland, S. 764, mit Karte). Zunächst sind mehrere Steinkohlenbecken zu nennen: das kohlenreiche Oberschlesische Becken, an mehreren Stellen, inbes. bei Gleiwitz, aus dem bedeckenden Diluvium aufragend; das Niederschlesische Becken, eine von NW. nach SO. gerichtete, in ihrer Mitte von Rotliegendem und Kreide ausgefüllte Mulde, deren östlicher Flügel bei Waldenburg bergbaulich ausgeschlossen ist; die Steinkohlenablagerungen von Wettin und Löbejün; das Kohlenbecken von Ilfeld und schließlich das vielleicht mit dem Westfälischen Steinkohlengebirge unterirdisch zusammenhängende Steinkohlenbecken von Ibbenbüren. In der Dyasformation (s. d.), die den Harz und den Thüringer Wald umgürtet und im Kyffhäuser, bei Riechelsdorf in Hessen u. a. O. unter hangenden Schichten emportaucht und auch in Schlesien entwickelt ist, sind von technischer Bedeutung der Kupferschiefer, der im Mansfeldischen Gegenstand eines sehr ausgedehnten Bergbaues ist, ferner Eisenstein, der namentlich in Thüringen verbreitet vorkommt, vor allem aber das Steinsalz, das bei Staßfurt, von wertvollen Kalisalzen und Gips bedeckt, etwa 900 m mächtig ist und sich in ähnlicher und zum Teil noch größerer Mächtigkeit unter dem Diluvium Norddeutschlands über weite Flächenräume verbreitet. Die Triasformation (s. d.) führt in Oberschlesien bei Tarnowitz Lager von Zinkerzen und Bleiglanz, bei Erfurt auch Gips mit Steinsalz, beides im Muschelkalk, ist aber sonst im allgemeinen arm an nutzbaren Mineralien. Das gleiche gilt von der Juraformation. Die Kreide enthält in ihrer untern am Deister, dem Osterwald und dem Bückeberg brackisch entwickelten Abteilung, der sogen. Wealdenformation, gute bituminöse Kohlen und bei Salzgitter und bei Peine in verschiedenen Niveaus bauwürdige Eisenerze. Auch die Tertiärablagerungen, die die Niederung des Odergebietes von Liegnitz und Breslau bis Neiße und Oppeln erfüllen, die sogen. niederschlesische Bucht bildend, führen ebenso wie das Tertiär der thüringisch-sächsischen Bucht, das zwischen Halle und Wurzen bis weit nach Thüringen in das Gebiet älterer Formationen eindringt und offenbar mit dem großenteils von Diluvium bedeckten norddeutschen Tertiär zusammenhängt, bauwürdige Braunkohlen, die zum Teil miocänes Alter besitzen, also jünger als die Hauptmasse der oligocänen Tertiärschichten sind, zum Teil aber auch, wie gerade zwischen Halle und Leipzig und in der Egelner Mulde, unteroligocän sind. Braunkohlenkomplexe miocänen Alters finden sich aber außer in der Mark Brandenburg und in Pommern auch in dem zum Oberrheinischen Gebirgssystem gerechneten Bergland, so in der Gegend von Kassel (im Habichtswald und am Meißner), in der Rhön, am Vogelsberg und in der Wetterau, an vielen dieser genannten Orte mit marinen und brackischen Ablagerungen miocänen oder auch oberoligocänen Alters verknüpft und in der Regel durchbrochen und überlagert von vulkanischen Gesteinen.
Das deutsche Küstenland an der Ost- und Nordsee gehört überwiegend dem preußischen Staat an, da an die Ostsee sonst nur Mecklenburg-Schwerin, Lübeck und das oldenburgische Fürstentum Lübeck, an die Nordsee nur hamburgisches und bremisches Gebiet und Oldenburg heranreichen (Näheres s. Deutschland, S. 764 f.). Was die fließenden Gewässer anlangt, so hat P. 119 schiff- und flößbare und 4050 nur flößbare Flüsse und 90 schiffbare Kanäle, von denen einige sehr verzweigt, andre nur sehr kurz sind. Unter den Flüssen sind 10, die auf preußischem Gebiet mehr als 200 km weit mit Schiffen befahren werden können. Den preußischen Staat durchfließen 6 Ströme (Memel, Weichsel, Oder, Elbe, Weser, Rhein) und 3 wichtige Küstenflüsse (Pregel, Eider, Ems); außerdem durchströmt noch die Donau in ihrem obern, nicht schiffbaren Lauf Hohenzollern. Von den genannten Flüssen gehören nur Pregel, Eider und Ems ausschließlich dem preußischen Staat an; Memel, Weichsel und Oder entspringen im Ausland, durchfließen aber, sobald sie die deutsche Grenze überschritten, nur preußisches Gebiet. Auch die Elbe und der Rhein entspringen außerhalb Deutschland, berühren aber auch andre deutsche Staaten und zwar die Elbe Sachsen, Anhalt, Mecklenburg und Hamburg, während der Rhein erst unterhalb Bingen in P. eintritt, dann aber diesem Staat bis zu seinem Übertritt nach den Niederlanden angehört. Die Weser ist vorherrschend ein preußischer Fluß, berührt aber auch braunschweigisches, bremisches und oldenburgisches Gebiet (Näheres s. Deutschland, S. 765 f., und die einzelnen[297] Artikel). Zwischen Weichsel und Oder sind zahlreiche Küstenflüsse (Rheda, Leba, Lupow, Stolpe, Wipper mit Grabow, Persante, Rega) vorhanden, die alle auf dem Norddeutschen Landrücken entspringen. Unter den Küstenflüssen zwischen Oder und Elbe sind, von der Eider abgesehen, die Recknitz, Trave und Schwentine die bedeutendsten. Der Neckar berührt Hohenzollern, der Main (mit Kinzig und Nidda) die Südgrenze von Hessen-Nassau. Zur Maas in den Niederlanden fließen die Roer und Niers, ebendaselbst zur Neuen Yssel die Berkel und zum Zuidersee die Vechte. Unter den Kanälen sind der Bromberger Kanal (26,3 km) zwischen Brahe und Netze (Weichsel und Oder), der Finowkanal (43,1) zwischen Oder und Havel, der Müllroser oder Friedrich Wilhelms-Kanal (27) und der Oder-Spreekanal (100,6) zwischen Oder- und Elbgebiet sowie der Kaiser Wilhelm-Kanal (98,6), der Dortmund-Emskanal (271,3) und der 1905 vom Landtag bewilligte Mittellandkanal (s. d.) zur Verbindung des Rheins mit der Leine bei Hannover (213,2) am wichtigsten. Sonst sind noch bemerkenswert: in Ostpreußen der König Wilhelm-Kanal (25, e) zur Verbindung der Stadt Ruß mit der Stadt Memel, der Seckenburger Kanal (4,8) und der Große Friedrichsgraben (19) zwischen Gilge und Deime zur Umgehung des Kurischen Haffs, die Masurische Wasserstraße (86,4) zwischen Angerburg und Johannisburg nebst Verzweigungen von Nikolaiken nach Lippa (43) und von Nikolaiken nach Rhein (19,8) und der Elbing-Oberländische Kanal (82,1, mit seinen Verzweigungen und den Seen 176) zwischen den Seen auf der Grenze von Ost- und Westpreußen; in Westpreußen der Weichsel-Haffkanal (19,7) zwischen Danziger Weichsel und Tiege; in Brandenburg der Templiner Kanal (23,2), der Ruppiner Kanal (15,1), der Große Hauptgraben im Havelländischen Luch (76,4, davon schiffbar 15), der Emsterkanal (16,5), der Niederneuendorfer Kanal (8,7), der Fehrbelliner Kanal (13), der Werbellinkanal (10,7), der Rheinsberger Kanal (13,1), der Sakrow-Paretzer Kanal (16) nördlich von Potsdam, der Berlin-Spandauer Kanal (12,1), der Landwehrkanal (10,5) südlich von Berlin, der Teltowkanal (37,2) zwischen Spree und Havel mit Umgehung von Berlin, der Notte- (22) und der Storkowkanal (34,7, davon 24,2 km Seen); in Schlesien der Klodnitzkanal (45,6); in Sachsen der Alte (34,6) und der Neue (30) Plauesche Kanal zwischen Havel und Elbe; in Schleswig-Holstein der Elbe-Travekanal (67,2); in Hannover neben vielen kleinern Kanälen in den Mooren und Marschländern (darunter die Ostfriesischen Moorkanäle, 275,9) der Bederkesa-Geeste- und Hadelner Kanal (11,4 und 33,7) zwischen Geeste und Außen-Medem sowie der Oste-Hammekanal (16) zwischen Weser und Ems, der Emskanal (25,7) an der Ems, der Ems-Vechtekanal (21,3) zwischen Ems und Vechte, der Ems-Jadekanal (70), die Papenburger Kanäle (34), der Südnordkanal (45,6), der Kanal Haaren-Rütenbrock (13,5) sowie der Picardie-Koeverdenkanal (23,5 km) auf der Grenze gegen die Niederlande. Vgl. die »Übersicht der deutschen Schiffahrtskanäle« und die Karte beim Artikel »Kanal« (im 10. Band). An Landseen ist P. in einzelnen Teilen, z. B. auf dem Norddeutschen Landrücken, außerordentlich reich; in andern, z. B. im W. von der Elbe, fehlen sie dagegen fast gänzlich. Von besonderer Wichtigkeit sind die Seen aber nur in der Provinz Ostpreußen, wo eine Anzahl derselben auf der Grenze von West- und Ostpreußen (Geserich-, Drewenz-, Drausensee) und im Masurenland des Regbez. Gumbinnen (Rosch-, Spirding-, Löwentin-, Mauersee) durch schiffbare Kanäle, den Elbing-Oberländischen Kanal dort, die Masurische Wasserstraße hier, miteinander in Verbindung stehen. Unter den übrigen Seen verdienen an dieser Stelle noch eine Erwähnung: der Goplosee an der obern Netze in Posen; der Vilmsee an der Küddow, der Dratzigsee an der Drage, die Madüe an der Plöne, der Dammsche See bei Altdamm und der Kummerowsee an der Peene in Pommern; der Werbelliner, Paarsteiner, Ruppiner, Schwielow- (an der Havel), Schwielug- (an der Spree), Scharmützelsee und die Uckerseen in Brandenburg; der Süße See bei Eisleben in Sachsen; der Selenter, Plöner, Ratzeburger und Schalsee in Schleswig-Holstein; das Steinhuder Meer in Hannover und der Laacher See in der Rheinprovinz. Sümpfe, Moore und Brücher in großer Ausdehnung gibt es vorzüglich in den vier Küstenprovinzen, mehr vereinzelt auch in den andern Provinzen: in Ostpreußen in der Tilsiter Niederung am Kurischen Haff und zwischen Gilge und Deime (das Große Moosbruch); in Pommern große Moore an der Leba, zwischen der Persante bei Kolberg und der Dievenow bei Kammin, auf der Ostseite des Pommerschen Haffs und an der Peene; in Brandenburg im Havelländischen und Rhinluch, im Warthe- und Netzebruch sowie im Spreewald; in Posen an der Netze und Obra (Obrabruch); in Sachsen das Fiener Bruch unweit des Plaueschen Kanals, das Halberstädter Bruch zwischen Bode und Oker und der Drömling an der Aller und Ohre, in Schleswig-Holstein auf der Geest zwischen Flensburg, Tondern und Husum, zwischen Eider und Stör, so auch in Dithmarschen auf der Ostseite der Marschländer. In Hannover sind sie ganz besonders umfangreich, so zwischen Elbe und Weser, wo bei Bremen blühende Moorkolonien sich gebildet haben, an der Aller, zu beiden Seiten der Weser bei Nienburg, im Emsgebiet (das 1300 qkm große, fast noch ganz unkultivierte Bourtanger Moor auf der Grenze gegen die Niederlande) und in Ostfriesland, woselbst durch die Anlegung zahlreicher Kanäle (Fehne genannt) viele blühende Fehnkolonien entstanden sind; in Westfalen gibt es Moore an der Bastau bei Minden und in den Sennegebieten an der obern Ems und bei Koesfeld, in der Rheinprovinz auf dem Hohen Venn. Durch ihre Lage sind noch bekannt: die Seefelder in der Grafschaft Glatz, die Moore auf dem Isergebirge in Schlesien und das Brockenfeld auf dem Harz. Über Mineralquellen s. unten, S. 301. Über Klima, Pflanzen- und Tierwelt s. Deutschland, S. 766768, und Klimakarte nebst Textbeilage.
[298] Volkszahl, Zu- und Abnahme. Die Bevölkerung des preußischen Staates ist in stetigem Steigen begriffen. Während man 1816: 10,349,031, 1831: 13,038,960, 1840: 14,928,501, 1852: 16,935,420 Einw. zählte, betrug die Bevölkerung des Staates 1864: 19,255,139, 1867 (mit Einschluß der neuerworbenen Provinzen und des Herzogtums Lauenburg) 24,021,440, 1871: 24,689,252, 1875 (mit Lauenburg) 25,742,404, 1880: 27,279,111, 1885: 28,318,470, 1890 (einschl. Helgoland) 29,957,367, 1895: 31,855,123, 1900: 34,472,509 und 1905: 37,293,324 Seelen. Die Volksvermehrung bezifferte sich im jährlichen Durchschnitt mehrjähriger Perioden im 19. Jahrh. auf 0,71,58 Proz. der mittlern Bevölkerung. Die jährliche Zunahme der Bevölkerung betrug 186771: 166,953, 187175: 263,288, 187580: 307,341, 188085: 207,872, 18851890: 327,779, 189095: 379,551, 18951900: 523,477 und 190005: 564,163 Seelen. Seit 1867, wo der preußische Staat im wesentlichen seine jetzige Ausdehnung erreicht hatte, nahm seine Volkszahl um 13,271,884 Personen oder 55,25 Proz. der am 3. Dez. 1867 gezählten Bevölkerung, alljährlich somit im Durchschnitt um 1,45 Proz., zu. Während dieser 38 Jahre war die Volkszunahme Preußens jederzeit höher als in fast allen übrigen europäischen Staaten und im Deutschen Reich durchschnittlich. In den einzelnen Landesteilen stellte sich die Volkszunahme während des Jahrfünfts 190005 sehr verschieden. Unter den Provinzen zeigten die stärkste Zunahme Brandenburg (13,62 Proz.) und Westfalen (13,5 Proz.), die geringste Ostpreußen (1,68 Proz.) und Hohenzollern (2,25 Proz.). Von den Regierungsbezirken treten Potsdam (20,76), Münster (16,94), Düsseldorf (14,98) und Arnsberg (14,13) durch die größte, Gumbinnen (0,43), Stralsund (1,90), Frankfurt (1,93) und Königsberg (1,98) durch die geringste Volkszunahme hervor.
Auswanderung. Seit 1887 werden nur noch Nachrichten über die aus deutschen Häfen abreisenden Auswanderer nach überseeischen Ländern erhoben. Ihre Zahl stieg von 40,956 im J. 1871 allmählich auf 145,679 Köpfe im J. 1881, verminderte sich dann aber mit mehrfachen Schwankungen bis auf 16,206 Köpfe im J. 1905. Die stärkste Auswanderung erfolgte aus den Provinzen Posen, Hannover und Brandenburg. Als Reiseziel sind in erster Linie die Vereinigten Staaten von Nordamerika zu nennen, wohin seit vielen Jahren etwa 90 Proz. der Auswanderer übersiedeln (1905 von den überhaupt zur See ausgewanderten preußischen Staatsangehörigen 15,133 Personen). Daneben kommen vornehmlich noch Großbritannien und Argentinien in Betracht.
Dichtigkeit. P. umfaßt seinem Areal nach mehr als 5/8 der Gesamtfläche Deutschlands und macht seiner Volkszahl nach etwas über 3/5 des Reiches aus. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichtigkeit für das QKilometer stellte sich zu Ende 1905 für P. auf 106,9 Köpfe (gegen 112,1 im Deutschen Reiche) und schwankte innerhalb der preußischen Provinzen, mit Ausschluß von Berlin, zwischen 238,4 im Rheinlande und 54,9 in Ostpreußen. Außer der Hauptstadt Berlin mit den Vororten weisen einerseits die mineralreichen Industriegegenden mit Kleingrundbesitz (Rheinland, Regierungsbezirke Arnsberg, Wiesbaden und Oppeln) und einzelne waldreiche Gegenden mit Klein- und Hausindustrie (Teile des Regbez. Breslau) eine starke Bewohnerzahl im Verhältnis zur Fläche auf, anderseits sind die unfruchtbaren Gebirgsgegenden sowie die Heide- und Moorlandschaften nebst den Landesteilen mit ausgedehnten Brachländereien und geringen Weiden (Lüneburger Heide, Teile der Regierungsbezirke Aurich und Schleswig, ferner Pommern und Ostpreußen) schwach bevölkert. Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung von 1905 hatte Berlin 2,040,148 Einw. Dasselbe hat sich im Jahrfünft 190005 nur um 151,300 Köpfe (gegen 263,507 während des Jahrfünfts 188590) vermehrt; aber die Volkszahl in den Berlin umgebenden 28 Vororten ist im Jahrfünft 190005 um 299,924 Köpfe (45,8 Proz.) gestiegen, so daß Groß-Berlin 1905 fast 3 Mill. Einw. umfaßt. 1905 zählte ferner Breslau 470,904, Köln 428,722, Frankfurt a. M. 334,978, Düsseldorf 253,274, Hannover 250,024, Magdeburg 240,633, Charlottenburg 239,559, Essen 231,360, Stettin 224,119, Königsberg i. Pr. 223,770 Einw., wobei jedoch zu berücksichtigen ist, daß die Volksziffer bei den meisten Städten vornehmlich durch Eingemeindung von Vororten gestiegen ist. Vgl. die Karte der Bevölkerungsdichtigkeit in Deutschland (Bd. 4) mit Textbeilage.
Geschlecht. Obgleich in P. etwa 6 Proz. mehr Knaben als Mädchen geboren werden, überwiegt in der Bevölkerung dennoch das weibliche Geschlecht. 1905 wurden durchschnittlich 102,6 Frauen gegen 100 Männer ermittelt. Während das weibliche Geschlecht in den Regierungsbezirken Breslau, Liegnitz, Gumbinnen, Posen, Oppeln noch mehr überwog als im Gesamtstaate, blieb es in den Regierungsbezirken Arnsberg, Münster, Trier, Stade, Schleswig, Düsseldorf hinter dem Durchschnitt zurück. In Berlin war bis 1875 das männliche Geschlecht im Übergewicht, die Zählungen seit 1880 ergaben jedoch einen beträchtlichen Überschuß des weiblichen Geschlechts (1905 um 70,540 Personen, allerdings um 12,226 weniger als im J. 1900).
Familienstand. Von der ortsanwesenden Bevölkerung waren 1900: 59,62 Proz. ledig, 34,68 Proz. verheiratet, 5,53 Proz. verwitwet und 0,17 Proz. geschieden. Im produktiven Alter vom vollendeten 15. bis 70. Lebensjahr standen 61,72 Proz., im Greisenalter (über 70 Jahre) 2,69 und im Kindesalter (unter 15 Jahren) 35,59 Proz. der Bevölkerung.
Bewegung der Bevölkerung. 1904 fanden 1,304,797 Geburten, 294,732 Eheschließungen und 742,366 Sterbefälle statt. Sowohl bei den Geburten wie bei den Sterbefällen sind 40,166 Totgeburten hinzugerechnet. Die natürliche Volksvermehrung, d. h. der Überschuß der Gebornen über die Gestorbenen, stellte sich auf 562,431 Personen oder 1,54 Proz. der Bevölkerung. 7290 Personen endeten 1904 durch Selbstmord. Auf 1000 Einw. entfielen 1904: 8,1 Eheschließungen, 35,8 Geburten, 20,4 Sterbefälle. Unehelich geboren waren 1904: 92,503 Kinder (2,52 auf 100 nicht verheiratete Frauen im Alter von 16 bis 50 Jahren).
Wohnplätze, Haushaltungen. Die Zahl der Städte betrug 1905: 1281, diejenige der Landgemeinden 36,081 und die der Gutsbezirke 15,799. Über 100,000 Einw. hatten 28 Städte (1871: 3), 26 (1871: 14) je 50100,000 Einw., 89 (1871: 31) je 2050,000 und 119 (1871: 88) je 1020,000 Einw. Die Zahl der Landgemeinden mit mehr als 10,000 Einw. betrug 91. Auf die städtische Bevölkerung (Gemeinden mit mehr als 2000 Einw.) entfielen 1900: 54,38, auf die ländliche 45, 62 Proz. der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der Haushaltungen belief sich 1900 auf 7,456,683, davon waren 6,886,676 Familien-, 516,132 Einzel- und 53,875 Anstaltshaushaltungen.[299] Bewohnte Wohnstätten wurden 1900: 3,603,183, davon 3,557,366 Wohnhäuser ermittelt. Auf eine Wohnstätte kommen im Durchschnitt 9,57 Personen in 2,07 Haushaltungen. 32,962,344 Personen lebten in Familieneinheiten und 994,033 in Anstalten. Auf eine Familienhaushaltung entfielen durchschnittlich 4,78 Personen gegen 4,92 im J. 1871.
Nationalität (Staatsangehörigkeit). Nach der bei der Volkszählung vom 1. Dez. 1900 angestellten Erhebung über die Muttersprache waren in P. 30,383,089 Deutsche (88,14 Proz. der Bevölkerung), davon 49,23 Proz. männlichen und 50,77 Proz. weiblichen Geschlechts. 211,110 Personen (0,61 Proz.) sprachen außer dem Deutschen eine fremde Sprache, und 3,878,310 Personen (11,25 Proz.) sprachen ausschließlich eine fremde Sprache. Unter letztern sprachen:
Die Polen wohnen vornehmlich in den Provinzen Posen, Schlesien, Westpreußen und neuerdings auch in Westfalen, die Masuren in Ostpreußen, die Kassuben in Westpreußen, die Wenden in Brandenburg und Schlesien, die Mähren und Tschechen in Schlesien, die Dänen in Schleswig, die Holländer in Rheinland und Westfalen. Außerdem sind noch Wallonen (11,750), meist im Rheinland, Friesen (20,640) in Schleswig-Holstein und Italiener (21,789) in Rheinland und Westfalen zu erwähnen. Der Staatsangehörigkeit nach zählte man 1905 in P. 524,874 Reichsausländer, d. h. 14,1 vom Tausend der Bevölkerung. Unter ihnen nahmen die Österreicher mit 210,960 die erste Stelle ein; es folgten die Niederländer mit 95,969, die Russen mit 75,796, die Italiener mit 34,463, die Dänen mit 24,064, die Ungarn mit 21,450, die Schweizer mit 17,396, die Belgier mit 9421, die Briten mit 9108, die Angehörigen der Vereinigten Staaten von Amerika mit 8293 Köpfen etc.
Religionsbekenntnis. Die Zahl der Angehörigen der einzelnen Religionsgemeinschaften stellte sich 1905 wie folgt: Evangelische 23,341,502 (62,59 Proz.), Römisch-Katholische 13,334,765 (35,80 Proz.), Griechisch-Orthodoxe und -Katholische 17,679, Mennoniten 13,860, Baptisten 42,370, Apostolische (Irvingianer) 45,654, Freireligiöse 11,004, christliche und andre Dissidenten 51,076, sonstige Christen 18,569 (davon waren 1900: Herrnhuter 4031, Anhänger der englischen und schottischen Hochkirche 2557, Methodisten und Quäker 5226 etc.); Juden 409,501 (1,10 Proz.), andre Religionen 6081, ohne Angabe 1263.
Über die örtliche Verteilung der Evangelischen, Katholiken sowie der Juden im J. 1900 vgl. die beiden Karten und die Textbeilage bei Artikel »Deutschland«, S. 774.
Für Unterrichtszwecke gibt P. mehr aus als alle europäischen Länder. Die Gesamtkosten des öffentlichen Unterrichts (ohne die Unterrichtsanstalten der Armee und Marine) sind 1902 auf mindestens 372,300,000 Mk. zu veranschlagen, d. h. 9,98 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung. Geschöpft wurden diese Ausgaben aus folgenden Quellen:
Von den Gesamtausgaben entfielen auf die
Volksbildung. Die preußische Volksschule steht gegenwärtig neben der andrer deutscher Staaten auf der ersten Stufe unter den Völkern der Erde. Infolge der allgemeinen Schulpflicht müssen alle Bewohner ihre nicht anderweit gehörig unterrichteten Kinder vom zurückgelegten 6. bis zum vollendeten 14. Lebensjahr zur öffentlichen Schule schicken. Die Volksschule untersteht den Bezirksregierungen und in oberster Instanz der Staatsregierung, während die unmittelbare Aussicht seitens der Gemeinden durch Deputationen und Kommissionen sowie durch Lokal- und die staatlich bestellten Kreisschulinspektoren ausgeübt wird. Für die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen wurden 1901 in P. 269,9 Mill. Mk. verwendet, davon wurden aufgebracht durch Einkünfte von Schul- etc. Vermögen 2,75 Proz., von den Gemeinden 65,92 Proz., aus Staatsmitteln 27,18 Proz., durch Schulgeld 0,31 Proz., der Rest kam aus andern Quellen. Zum Volksunterricht gehören außer den Volksschulen die Mittelschulen, eine große Zahl von Privatschulen und Schulen in verschiedenen Anstalten; bei allen diesen waren 1901 vorhanden:
Höhere Lehranstalten. Im Winter 1903/04 zählte man 324 Gymnasien, 39 Progymnasien, 93 Realgymnasien, 23 Realprogymnasien, 47 Oberrealschulen und 145 Realschulen, zusammen mit 11,018 Lehrern und 208,949 Schülern (einschließlich der Vorschüler). Zur Ausstellung des Befähigungszeugnisses für den einjährig-freiwilligen Militärdienst waren außer diesen noch 33 andre Anstalten (darunter 16 Landwirtschaftsschulen) berechtigt. Vgl. Wiese, Das höhere Schulwesen in P. (Berl. 186474, 3 Bde.); Schneider und v. Bremen, Das Volksschulwesen im preußischen Staat (das. 188687, 3 Bde.).
Die Universitäten bestehen in der Regel aus vier Fakultäten: einer theologischen, juristischen, medizinischen und philosophischen. Die Universitäten Bonn und Breslau haben außer der evangelisch- auch eine katholisch-theologische Fakultät, während die Universität in Münster nur drei Fakultäten, eine katholisch-theologische, eine philosophische und eine juristische, und das Lyzeum in Braunsberg nur eine katholisch-theologische Fakultät hat. Im Winter 1904'05 wurden die 11 preußischen Hochschulen: Berlin, Bonn, Breslau, Göttingen, Greifswald, Halle a. S., Kiel, Königsberg i. Pr., Marburg, Münster und Braunsberg (Lyzeum) von zusammen 19,722 Studierenden (ohne[300] ca. 4000 zum Besuch der Vorlesungen Berechtigte) besucht. Dazu kommt noch die Kaiser Wilhelm-Akademie in Posen (1139 Hörer) und 7 kath. Priesterseminare (555 Studierende). Das Lehrpersonal beläuft sich insgesamt auf 1725, darunter 611 ordentliche Professoren.
Fachlehranstalten. Zur Vorbereitung für den landwirtschaftlichen Beruf dienen die landwirtschaftliche Hochschule in Berlin, die landwirtschaftliche Akademie in Poppelsdorf (bei Bonn) sowie die landwirtschaftlichen, mit den Universitäten verbundenen Institute in Königsberg (mit einem agrikulturtechnischen Laboratorium), Breslau, Halle, Kiel (nebst agrikulturchemischer und milchwirtschaftlicher Versuchsstation) und Göttingen (mit einem Tierarzneiinstitut nebst agrikulturchemischem Laboratorium und landwirtschaftlicher Versuchsstation), zusammen 7 Hochschulen mit (1904/05) 117 Lehrern und 2172 Studierenden. Ferner gibt es 2 tierärztliche Hochschulen, eine in Berlin und eine in Hannover. An mittlern und niedern landwirtschaftlichen Lehranstalten sind zu nennen: 16 berechtigte Landwirtschaftsschulen, 19 Ackerbauschulen, 128 landwirtschaftliche Winterschulen, 5 Wiesenbauschulen, 3 pomologische Institute und Gärtnerlehranstalten, 15 Garten- und Obstbauschulen, das Lehrinstitut für Zuckerfabrikation in Berlin, die Brennereischule in Berlin, die Brauerei-Versuchs- und Lehranstalt in Berlin, 64 Molkerei- und Haushaltungsschulen, 49 Lehrschmieden und Hufbeschlagsschulen, die Imkerschulen zu Fintel (Kreis Rotenburg in Hannover) und Flacht (Unterlahnkreis). Endlich gehören hierher die 1604 ländlichen Fortbildungsschulen (die meisten in Hessen-Nassau und der Rheinprovinz). Forstliche Lehranstalten sind außer den königlichen Forstakademien in Eberswalde und Münden mit zusammen (Winter 1904/05) 134 Studierenden die königlichen Forstlehrlingsschulen in Groß-Schönebeck und Proskau. Lehranstalten für die Baukunst und das Ingenieurfach sind die 4 Technischen Hochschulen in Berlin, Hannover, Aachen und Danzig (1905 mit 341 Lehrern, 299 Assistenten und 4664 Studierenden), ferner 22 Baugewerkschulen, 19 Maschinenbauschulen und Fachschulen für Metallindustrie. In Berlin und Klausthal bestehen Bergakademien, während die Zahl der Bergschulen 10 und diejenige der Bergvorschulen 43 beträgt. Zahlreich sind auch die gewerblichen Fachschulen (darunter 7 höhere und 6 niedere Webschulen), 23 Handwerker-, Kunstgewerbe- und Zeichenschulen, 3 Handelshochschulen (Köln, Frankfurt a. M. und seit 1906 in Berlin), 1290 gewerbliche und kaufmännische Fortbildungsschulen, 83 Handels-, Gewerbe- und Haushaltungsschulen für Mädchen. Die Zahl der Navigationsschulen beträgt 12 nebst 7 Navigationsvorschulen, ferner bestehen 3 Seedampfschiffs-Maschinistenschulen und 41 Schifferschulen für Binnenschiffahrt. Der Pflege der bildenden Künste widmen sich die staatlichen Kunstakademien in Berlin, Königsberg, Düsseldorf, Kassel, ferner die Zeichenakademie in Hanau, und neben den 3 staatlichen Kunstschulen in Berlin (2) und in Breslau (1) gibt es noch derartige Privatinstitute in Königsberg, Danzig und Magdedurg. Die Tonkunst wird vorzugsweise in Privatanstalten geübt; doch bestehen in Berlin eine akademische Hochschule für Musik, eine akademische Meisterschule für musikalische Komposition und ein akademisches Institut für Kirchenmusik. Der Vorbereitung für den Kriegsdienst und allgemeinen militärischen Zwecken dienen die Kriegsakademie, die vereinigte Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin sowie die Marineakademie in Kiel, die militärische Hochschulen sind, ebenso wie die zunächst militärärztlichen Zwecken dienende Kaiser Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin (1904/05: 313 Studierende). Zur Versorgung der Armee mit Roßärzten besteht in Berlin die Militärroßarztschule. Kriegsschulen sind in Anklam, Engers, Glogau, Hannover, Hersfeld, Kassel, Neiße und Potsdam; Kadettenhäuser in Köslin, Potsdam, Wahlstatt, Bensberg, Plön, Oranienstein, Naumburg a. S. und die Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde. Eine Marineschule hat Kiel. Außerdem sind als Militärlehr- und -Erziehungsanstalten hier zu nennen: die Artillerieschieß-, die Oberfeuerwerkerschule, die Militärturnanstalt in Berlin und das Militärreitinstitut in Hannover; die Unteroffizierschulen in Potsdam, Jülich, Biebrich, Weißenfels (Ettlingen in Baden), Marienwerder, die Unteroffiziervorschulen in Annaburg (mit Militär-Knabenerziehungsinstitut), Bartenstein, Greifenberg in Pommern, Weilburg und Wohlau und die Militärwaisenhäuser in Potsdam und Schloß Pretzsch (Kreis Wittenberg). Unter den Bibliotheken ist die königliche (Staats-) Bibliothek in Berlin die bedeutendste, der sich zunächst einige Universitätsbibliotheken sowie die Landesbibliotheken in Fulda, Kassel, Wiesbaden und Düsseldorf anreihen. Unter den Fachbibliotheken verdient vor allen Erwähnung diejenige des königlichen Statistischen Bureaus in Berlin. Sternwarten bestehen in Berlin, Danzig (Observatorium der Naturforschenden Gesellschaft), Düsseldorf (städtische), Bothkamp in Schleswig-Holstein (Privatsternwarte des Kammerherrn v. Bülow), Potsdam (astro-physikalisches Observatorium, Sonnenwarte), Wilhelmshaven sowie an den Universitäten in Königsberg, Breslau, Kiel, Göttingen, Marburg und Bonn. Das geodätische Institut und Zentralbureau der internationalen Erdmessung, das meteorologische Institut, die 1700 gegründete, 1740 neuorganisierte Akademie der Wissenschaften in Berlin dienen in erster Linie wissenschaftlichen Zwecken, in gewisser Beziehung auch die Staatsarchive. Vortreffliche Kunstsammlungen bilden die königlichen Museen, das Museum für Völkerkunde, das Kunstgewerbemuseum, die Nationalgalerie für Werke deutscher Meister des 19. Jahrh., das Kaiser Friedrich-